Abgesang an ein Licht

Nie wieder so hell

Nie wieder so hell

Haben Sie schon einmal nach oben geguckt und in dem Moment gefühlt, dass alles gut wird? Weil es da oben immer weiter geht, angeblich endlos? Oder weil da oben Engel sind? Oder einfach nur, weil da oben nicht viel ist, über das man traurig sein könnte? Die Dunkelheit über Uelzen, dieser alten, für die meisten Menschen auf diesem Planeten relativ bedeutungslosen Stadt im Schatten der Zuckerfabrik wird im Dezember erhellt durch lange Lichterketten. Seit ich denken kann. Der Abend mitten in meiner Kindheit, an der Seite meines großen Töchterchens, beginnt genau so. Ich gucke nach oben und fühle, dass alles gut werden wird. Weil es weiter geht, weil wir Engel sehen werden und weil Traurigkeit vielleicht auch einfach dazu gehört. Der Audi 100 ist geparkt. Wir suchen das Licht, die Engel, Freunde und noch ein paar andere Sachen. Vieles davon finden wir. Einiges zum allerletzten Mal.

Ich mag ja gelb. Und ganz besonders gelbes Licht.

das könnte ich heute noch oft knipsen...

das könnte ich heute noch oft knipsen…

Der Dottore LS hat französisches gelbes Abblendlicht. Besonders scharfe Konturen im Nebel, weniger Ermüdung der Augen bei Nacht. Leider auch ein bisschen funzeliger im Dunkeln, was auf dem Hinweg bei strömendem Regen (Sie erinnern sich?) nicht immer für Klarheit darüber gesorgt hat, ob man sich denn überhaupt noch auf der Straße befindet oder schon den Acker umpflügt. Aber irgendwas ist ja immer. Ich mag es trotzdem. Es harmoniert wundervoll mit den gelb/orange schimmernden Gaslaternen in der Uelzener Innenstadt und dem warmen, gelb/weißen Licht der Weihnachtsbeleuchtung. Da haben die Städteplaner einmal Herz und Geschmack bewiesen, vor allem bei der Entscheidung, die uralten stromfressenden Weihnachtslämpchen nicht durch kalte, seelenlose LEDs zu ersetzen. Auch unser Hotel ist weihnachtlich-warm erleuchtet, aus dem Restaurant unten drin duftet es nach Pizza und Gebratenem, und fröhliche Stimmen und Geschirrgeklapper dringen auf die Straße. 200 Meter weiter links, auf der Kreuzung, hören wir laute Aaaaaahs und Ooooohs. Hier sind erstaunlich viele Menschen versammelt, um dem Öffnen eines weiteren Türchens am Uelzener Adventskalender beizuwohnen.

plötzlich sind alle da!

plötzlich sind alle da!

Es ist für uns eine Zeit angekommen ♫ Jedes Fenster am frisch renovierten Rathaus ist ein Kalendertürchen, hinter jedem verbirgt sich ein kleines Kunstwerk und ein Märchen, das dann vorgelesen wird. Traditionell spielt vorher ein Horst Schulz auf seiner Trompete drei Weihnachtslieder in den stillen dunklen Abendhimmel. Verdammt. Ich komme nicht drumrum, das echt schön zu finden, und mich springt eine wundervolle Weihnachtsmelancholie an. Die vielen Menschen, der Duft von Glühwein und Burgunderschinkenbrötchen und die klassischen Lieder, die heute fast niemand mehr singt. Die aber Weihnachten zu genau dem machen, was Weihnachten bedeutete, als man noch ein Kind war. Wie machen das die Digital Natives von 2014 später mit ihren Kindern, geben die denen eine App mit Tannenzweigen und Touch-Screen Kerzen, die den Kleinen dann ab Level 24 einen youtube-Link auf „Last Christmas“ von Wham einblendet? Genug gegrantelt. Ich sehe drei Engel, die in langen Gewändern mit nichts drunter zwei Leitern erklimmen. Ganz kurz fällt mir ein, wie ich in einem Sommer vor vielen Jahren nachts eine Leiter an das Fenster von Silke gestellt und dort vergessen habe – und am kommenden Morgen von ihrem Vater mit fünf Salven aus seiner Schrotflinte in den Kirschbaum über meinem Zelt geweckt wurde. Aber das ist eine andere Geschichte. Psssst. Ruhe jetzt.

So werden Heideköniginnen geboren

So werden Heideköniginnen geboren

Es ist ein Ros‘ entsprungen aus einer Wurzel zart. Die drei schönen Engel enthüllen das Märchen Hänsel und Gretel, symbolisiert durch ein Bild der Künstlerin Brigitte Jerosch-Dürfeldt. Das habe ich googeln müssen, denn die Ansprache und mögliche Notizen zum Geschehen gehen in unserem akuten Glühweinbedarf unter. In Tassen und Gläsern erwerbe ich mehr warme Substanzen als ich tragen kann, teils echt deftig eiweißhaltig und sahnig, teils auch für Anwesende unter 16 Jahren geeignet. Es ist wirklich voll auf dieser Kreuzung, das finde ich jedes Jahr wieder erstaunlich. Nicht, weil der Anlass es nicht wert gewesen wäre, sondern weil ich keinen Schimmer habe, wo alle diese Menschen den ganzen Tag über waren? Bis 16:00 Uhr war das hier noch eine Geisterstadt, trockene Büsche wehten durch die leeren Straßen und irgendwo spielte jemand auf einer Mundharmonika. Und jetzt stehen hier ein paar 100 große und kleine Menschen und hören zu, wie zwei kleine Kinder von einer unsympathischen weiblichen Person gegessen werden sollen. Prost.

Punschige Weihnacht mit und ohne

Punschige Weihnacht mit und ohne

Die üblichen Verdächtigen. Später soll auch noch Markus mit Familie dazustoßen, dann sind wir wieder vollzählig. Und obwohl es so wundervolle Geschichten zu hören gibt, von den beiden Kindern, die sich im Wald verlaufen haben und an einem Pfefferkuchenhaus rumknabbern durften will neben dem Glühwein kein so richtiger Hunger auf Wurst oder Burgunderschinken aufkommen. Vielleicht hängt das auch mit den lange anhaltenden Nachwirkungen des niedersächsischen Pomm Döners aus dem ersten Teil zusammen. Ich persönlich bin in diesem Moment sehr glücklich darüber, dass mein bequemes Bett keine 200 Meter von hier steht und dass ich (glaube ich) auch noch vier Tüten duftende Badezusätze eingepackt habe. Meine Füße frieren ein wenig, wie in jedem Jahr stehen die warmen Winterstiefel frisch geputzt im Schuhschrank in Kiel. *burps* genug Glühwein, so langsam. Aber so ein kleiner Spieß mit Schoko-Erdbeeren geht eigentlich immer…

Abendessen kann auch mal anders ausfallen

Abendessen kann auch mal anders ausfallen

Haben Sie damals in der Schulband Musik gemacht? Oder gar in einer Band außerhalb der Schule, mit der Sie dann manchmal im Jugendzentrum oder auf Schulfesten supercool aufgetreten sind? Ich wünsche jedem einzelnen, diese Erfahrungen gemacht zu haben. Zwischen Anerkennung mit singenden und applaudierenden Hundertschaften und Ignoranz mit leeren Säälen liegen nur wenige Schritte, und beides prägt irgendwie. Ich muss an meine Bandzeiten Ende der 80er denken. Gitarre und Gesang, dazu hatte wir einen Leadgitarristen (Freddy), einen Bassisten (Olaf, aber ein anderer Olaf), einen Keyboarder (Holmer) und einen Drummer (Sören). Ich glaube so richtig gut klang das nicht, aber es hat heftig Spaß gemacht und ab und an haben wirklich viele Menschen vor teils echt großen Bühnen mit uns gefeiert. Ich habe noch ein paar Tapes von den Konzerten. Vielleicht traue ich mich irgendwann, die mal wieder zu hören 🙂 Die Band neben der Eisbahn geht gut ab, die Damen und Herren sind noch alle minderjährig und haben einen ziemlich guten Groove. Einzig die Stimmen der Sängerinnen sind ein bisschen dünn, Dieter Bohlen hätte Grund zur Lästerei, aber wer ist Dieter Bohlen? Irgendwie bin ich beruhigt, dass es noch immer Teenager gibt, die Musik machen.

Ich erkenne mich wieder...

Ich erkenne mich wieder…

Das Offizium neigt sich dem Ende entgegen. Meine kalten Füße auch. Am Rand des diesmal recht kleinen Weihnachtsmarktes stehen seit den 60er Jahren der bronzene Kaufmann und der Uhlenköper und erzählen immer und immer wieder die Geschichte des nuschelnden Bauern, der in seinem Sack „Baarftgaans“ (Barfußgänger) hatte und sie an einen klugen Kaufmann verschacherte, der nicht richtig hinhörte und glaubte, er würde teure „Barkhahns“ (Birkhähne) erwerben. Die sich dann später als ungelogen barfuß gehende Eulen erwiesen, was der herbeigerufene Richter ziemlich lustig fand und den Bauern freisprach. Daraus ergaben sich einige Kollateralschäden. Den Uelzenern wird seit dem nachgesagt, sie würden gern Eulen kaufen, was ich bei dem reichhaltigen Angebot an allerlei Utensilien für vorwiegend ältere Menschen in den zumeist geschlossenen Geschäften heute nicht mehr nachvollziehen kann. Aber überall findet sich Eulengetier in Bild und Form, das wiederum ist süß, ich mag Eulen an sich ja lieber als Birkhähne. Und – die Münze.

Drei Wünsche frei? Einer reicht.

Drei Wünsche frei? Einer reicht.

Mein Töchterchen und ich tun es tausenden von anderen Menschen gleich und reiben daran. Was ich erst eben gerade, als ich das Jahr der Errichtung des Denkmals im Netz nachschlug erfahren habe: Man muss mit der einen Hand die Münze reiben und mit der anderen ein wenig Kleingeld in der Tasche klimpern lassen. Das bedeutet immerwährenden Reichtum. Verdammt 🙄 Warum erfahre ich das erst jetzt? Wir haben immer dran gerieben und uns dabei leise etwas gewünscht. War das falsch…? Äh… jedenfalls erklärt es, warum die Kohle in den letzten Jahren nie gereicht hat. Eine falsche Bedienung des Uhlenköperdenkmals war Schuld daran! Alles klar. Somit wäre dieses Rätsel auch gelöst, wenn ich das nächste mal in der Nähe bin habe ich klimperndes Kleingeld in der Tasche.

Da ist schon so viel gewünscht worden

Da ist schon so viel gewünscht worden

All diese Bräuche, all diese Hoffnungen, all diese Sehnsüchte. Was die Menschen in den letzten 50 Jahren wohl alles beschäftigt hat, als sie an dieser Münze rieben? Sie war schon da und schon blank, als ich noch gar nicht geboren war. Sie war da, als meine eigene kleine Geschichte in dieser Stadt stattfand, ein kleines Leben mit Fröhlichkeit und Kummer, an das sich in ein paar Jahren niemand mehr erinnern wird. Sie war da, als ich wegzog und als ich erwachsen wurde. Tag und Nacht standen die beiden Männer vor der Kirche und tätigten dieses Geschäft mit den Eulen. Die Münze war da, als die Kaufhäuser schlossen, als die traditionsreichen Spielwarenläden vor der Macht des Internets kapitulierten und die Inhaber von Bekleidungsgeschäften keinen so gutes kaufmännisches Gespür bewiesen wie dieser schlaue Bauer. Und ihre Läden schlossen. Ein Licht nach dem anderen ging aus in dieser Stadt, und die blanke Kupfermünze war bei jedem dabei. Olaf erzählt, dass die hängende, warm-gelbe weihnachtliche Beleuchtung nun auch in die Jahre gekommen sei und zum letzten mal erstrahle. Sie werde ersetzt durch preiswertere, pflegeleichte LED-Sterne, die auf einer der drei kreuzenden Straßen schon zum Einsatz kommen. 😯 Was??

Ein letztes mal unter den Lichtern?

Ein letztes mal unter den Lichtern?

Eine weitere, schöne Erinnerung aus meiner Kindheit verschwindet also. Selbst mein Töchterchen, die ansonsten eigentlich auf alles Helle und Neue mit Glitzi und Blinki und LED steht sagt, dass doch aber genau DIESE Beleuchtung das Weihnachtsfest hier ausmache, denn nur hier sei die so. In keiner anderen Stadt haben wir jemals diese hängenden Tore aus Lichtern gesehen. Aber wer fragt uns schon? Die Stadt muss sparen, die Kosten für die Instandhaltung der antiken Lampen und ihre aufwändige Anbringung an den Fassaden verschlinge zu viel Geld, deshalb habe man eine Tombola ins Leben gerufen, mit deren Hilfe die neuen, hellen LED-Lichterketten finanziert werden sollen. Mannmannmann 🙁 Aus florierendem Einzelhandel werden Backshops und 1-Euro-Bazare, Kaufhäuser verfallen zu dunklen Ruinen und aus warmen, Trost spendenden Lichtermeeren wird ein kaltweißer Sternenkrampf. Die Münze des Uhlenköpers ist noch immer dabei. Tag und Nacht, Sommer wie Winter. Vielleicht sollten ein paar der Einheimischen öfter mal an ihr reiben und das nicht nur den Touristen überlassen.

Gute Nacht Freunde

Gute Nacht Freunde

In the Mood ♫ Heute Abend versacken die Freunde mal nicht weintrinkend auf den Ledersesseln im Hotelflur, heute fahren Olaf und Markus mit ihren Ladies brav nach Hause. Dieser Abend gehört meinem Töchterchen und mir, wir haben uns in den vergangenen Monaten aus verschiedenen Gründen zu wenig einander gewidmet. Die Aussicht auf ein großes Hotelzimmer, eine Badewanne, eine neue Gitarre und ein Laptop voller guter Filme schürt die Erwartung an einen entspannten Papa-Tochter Abend. Gleichwohl ich schon wieder denke, dass es schade ist, wenn wir alten Freunde uns immer nur vor Weihnachten sehen. Es gibt so viel zu erzählen, es gibt so viele verschiedene Lebensmodelle anzugucken und anzufühlen und es gibt so viele Erfahrungen und Geschichten auszutauschen – wenn ich es geschafft habe, die ungebetenen Dämonen endgültig aus meinem Leben zu vertreiben bleibt bestimmt auch wieder Zeit dafür, Freundschaften zu pflegen. Denn es tut sooooo gut….
Bevor Tochter & Papa auf dem Hotelzimmer versacken will ich noch eine weitere Nachricht, die im Zusammenhang mit dem Lichtwechsel am Uelzener Weihnachtshimmel an mich rangetragen wurde, bestätigt sehen. Tatsächlich. Chocolata ist nicht mehr. Noch ein alteingesessenes Geschäft weniger, und dazu noch eins, wie es schöner nicht sein konnte. Randvoll mit Süßigkeiten, Schokolade und Naschkrams.

Wieder eins weniger

Wieder eins weniger

Die gute Nachricht hinter der schlechten Nachricht: Doch, die sind noch da, gleich um die Ecke sogar, nur ein bisschen kleiner 🙂 Gottseidank. Trotzdem ist für mich eine weitere immer dagewesene Konstante weggebrochen. Hier habe ich schon als Teenager heftig schäumendes Brausepulver und Schokoladenautos in rauen Mengen gekauft. Hm. Was kommt heute noch? Auf dem Bild habe ich das alte, hell beleuchtete Schaufenster schemenhaft in die dunkle, abgeklebte Realität reingeschummelt. Wie bunt und schön es mal aussah sehen Sie als Aufmacherbild HIER in einer vergangenen Uelzengeschichte. Okay. Ich finde es reicht. Genug schließende Dinge für heute, genug neu gestaltete Beleuchtungen, ich will jetzt endlich in die Badewanne. Im Hier und Jetzt, mit Badesalzen von 2014 und einem Glas Rotwein, das nicht älter als ein oder zwei Jahre ist. Ab in den ersten Stock, Zimmer zur Straße.

Erhabene Stufen in den ersten Stock

Erhabene Stufen in den ersten Stock

Es wurde nicht ganz ohne Erfolg renoviert, das Hotel Stadt Hamburg. Es heißt nun auch COMFORT Hotel Stadt Hamburg. Die Bewertungen im Internet bemängeln vor allem die alten Badezimmer und loben vor allem die kostenlose Mineralwasser-Flatrate. Ich bin extrem anspruchslos, was Hotelzimmer betrifft. Wenn sie sauber sind und das Bett bequem ist bin ich zufrieden. Umso mehr überrascht es mich, wenn ein Zimmer wie hier nicht nur geräumig ist und hohe Decken hat, sondern auch durchaus geschmackvoll farblich kombiniert und eingerichtet ist. Warme, gedeckte Farben, endlich mal keine Wände in Abricot Wischtechnik und Sessel in blauem Post-90er DDR-Wiederaufbau-Muster. Braun, grau, weiß und ein einzelnes Bild mit einer Rose. Mag ich. Töchterchens Gitarre liegt auf dem Bett, als wenn sich Justin Currie hier grad vor einem Auftritt entspannt hätte. Ach nee, der spielt glaube ich Bass…. egal.

Erstaunlich geschmackvoll

Erstaunlich geschmackvoll

Die bewertenden Gäste hatten Recht – das Badezimmer ist alt. Na und? Es hat eine große Badewanne und einen Wasserhahn, aus dem rauschende Mengen an wirklich sehr heißem Wasser rauskommen. Ich bade für mein Leben gern. Eine Badewanne ist für mich der kleine Luxus am Ende eines langen Tages, der Beginn eines langen Wochenendes oder der Triumph über die ersten 12 Jahre meines Lebens, in denen es keine Badewanne gab. Ich badete als Kind in der Duschwanne mit Stöpsel drin, das war okay und auch schön warm und schaumig, aber irgendwann einfach zu klein und zu flach. Ich kippe Lavendel und andere Kneipp Salze in den Bottich mit langsam steigendem Pegel und bin ein bisschen belustigt über die erstaunliche Schaumbildung des Gebräus. Super 😀 Das Wasser ist SO heiß, dass ich noch reichlich kaltes nachlassen muss, und als ich mich seufzend und quiekend reinlege steigt der Wasserspiegel fast bis zum Rand. Was für ein einfacher, aber sehr wirksamer Wohlstand. Ich beginne, die alten Römer zu verstehen und nippe an einem viele 1000 Jahre alten Getränk, aus Ermangelung eines Glases nur in einem Zahnputzbecher dekantiert. Aber alles ist besser, als Wein aus der Flasche zu trinken.

Die Wanne ist voll!

Die Wanne ist voll!

Haben Sie schon einmal…… Nein, haben Sie nicht. Immer diese Fragen. Selbstverständlich haben Sie noch nie in einer kochend heißen Badewanne mit viel Schaum in einem alten Hotel in Uelzen gelegen und Wein getrunken, während Ihre Tochter nebenan auf ihrer neuen Gitarre „Glycerine“ von Bush gespielt und gesungen hat, oder? Es sind diese kleinen Momente, bei denen man sich wünscht, sie mögen niemals vorbei sein.
Der Tag war schön. Der Abend war schön, die Musik, der Film, jede einzelne Minute war die kleine Reise wert. Mein Töchterchen schläft inzwischen auf ihrer Seite des riesigen Doppelbetts zufrieden und voller Urvertrauen in die Menschen, die für sie da sind. Bis sie irgendwann selbst für sich verantwortlich ist und das Leben nach und nach seine Stolpersteine wirft und seine Fallen aufstellt. Und alles, ALLES lässt sich irgendwie ertragen. Ich sitze in dem offenen Doppelfenster zur Straße und lasse die kalte Dezemberluft ins Zimmer. Die Stadt ist ebenfalls schlafen gegangen. Es ist kein einziger Mensch mehr draußen, nur der Uhlenköper und der Bauer tauschen neben der Kirche ihre ewige Münze. An der man so schön reiben kann. Die Glocken der Marienkirche bimmeln jede Viertelstunde leise und jede volle Stunde etwas lauter, so wie sie das schon immer gemacht haben.

Zimmer mit Aussicht

Zimmer mit Aussicht

Heute Abend bin ich mit mir und der Welt da draußen im Reinen.
Was schon irgendwie erstaunt, denn die freundliche Dame an der Rezeption sagte vorhin ein paar Sätze, die zwar nahtlos in den Gang der Dinge passen, die aber eigentlich wieder einmal traurig stimmen müssten. Das altehrwürdige Hotel Stadt Hamburg mit seinen schönen modernisierten Zimmern, seiner Mineralwasserflatrate und seinen großen Badewannen schließt überraschend in ein paar Tagen. Endgültig. Wir sind quasi die letzten Gäste. Ich könnte jetzt erneut voller Pathos anfangen, die alte „alles ist vorbei“ Platte aufzulegen und episch meine Traurigkeit darüber ausdrücken, dass gute alte Institutionen „von damals“ verblassen und verschwinden. Weil sie unwirtschaftlich geworden sind, weil sie zu viel Strom verbrauchen oder was auch immer. Aber ich bin müde. Müde von einem schönen, realen Tag mit tatsächlich existierenden Freunden. Aber auch müde von der Oberflächlichkeit dieser Tage, von Geiz-ist-geil und von der Virtualisierung des Miteinander. Vorhin habe ich nach oben geguckt und gefühlt, dass alles gut wird. Der malzige Duft der Zuckerfabrik weht rüber.

Gute Nacht Uelzen.

Gute Nacht Uelzen.

Die Lichterstäbe der alten Weihnachtsbeleuchtung tauchen die Straße in ein warmes, beruhigendes Licht. Gott bin ich froh, dass ich kein Los bei dieser Tombola gekauft habe! Gegenüber blinzelt tot und dunkel der verglaste Dreigiebel der Kaufhalle, ehemals ein brummender und heller Konsumtempel. Krass, hier geht so viel den Bach runter. Aber es kommt immer etwas Neues, manchmal ist das billig und erneut zum Scheitern verurteilt, manchmal ist das auch eine Chance. Meine Tochter fragte sich (und mich) kurz vorm Einschlafen, wie wohl in 20 Jahren die Innenstädte aussehen werden. Ob es da noch Geschäfte gebe, oder ob dann alles anders sei. Wissen Sie was? Ich habe keine Ahnung. Aber ich habe ein kleines Stück meiner eigenen Vergangenheit noch einmal erleben dürfen, bevor es für immer zu den Akten gelegt und vergessen wird. Ich habe Engel gesehen und an einer Münze gerieben. Ich habe Freunde getroffen und gute, handgemachte Musik gehört. Ich habe gebadet und wertvolle Zeit mit meiner Tochter verbracht.
Und morgen ist ein neuer Tag!

Sandmann


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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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46 Responses to Abgesang an ein Licht

  1. Bastian sagt:

    Ach Sandmann, irgendwie schaffst Du es mit diesen Texten immer, einen gewissen Nerv in mir zu treffen. Vielleicht, weil ich fast genauso alt bin, (ansatzweise) ähnliche Erfahrungen machen musste oder ähnlich sozialisiert wurde. Ich verspüre auch immer diese Nostalgie, wenn etwas gewohntes abdankt. Ich durfte letztens in einer Veranstaltung lernen, dass es sogar einen Fachbegriff für die Verdrängung alter Technologie gibt: Disruptiv. So radikal die Veränderungen sind, so technokratisch klingt auch der Fachterminus. Abrasiert halt.
    Aber weißte was tröstlich ist? Das hat es schon immer gegeben. Immer. Der von mir sehr geschätzte Douglas Adams sagte mal sinngemäß: „Bei der heutigen Bevölkerungszahl würden wir bis zum Hals in Pferdemist stehen, wenn nicht das Automobil erfunden worden wäre.“ Und was bitte schön, wäre eine Welt ohne Autos? Insbesondere, wenn man den „Autoblog of the year“ betreibt?“
    Was gut ist, wird bleiben. Und wenn es nur Nischen besetzt, wie zum Beispiel Vinyl. Ich zehre jedenfalls hoffentlich noch die nächsten 60 Jahre von meinem Glühbirnenvorrat 😉

    Frohe Weihnachten
    Bastian

    • Sandmann sagt:

      Ay Bastian,

      danke für deine wahren Worte 🙂 Wenn bei mir, gerade vor Weihnachten, die Emotionen ein bisschen höher schwappen als sonst komme ich glaube ich gern mal „ewig gestrig“ oder „in den 70ern hängen geblieben“ rüber. Zum Glück ist das nicht ganz so 😉
      Ich stehe dem Fortschritt sehr offen gegenüber, nutze beruflich einigermaßen aktuelle Hardware und Kommunikationseinrichtungen (aus ein Telefon mit Wählscheibe habe ich ECHT keine Lust mehr, und auch das erste HAGENUK Schnurlostelefon toastet mit seinen 8 Watt mein Gehirn zu sehr) und bleibe dank meiner Kinder einigermaßen am Zeitgeschehen dran. Na klar ist es gut, wenn es weitergeht. Dinge kommen und gehen, Mode kommt und geht und kommt wieder. Dass sich alte Technologien verabschieden ist sinnvoll und (meistens) richtig. Und es ist nicht so, dass ich den Herrn Adams, Friede seiner Asche, auch sehr schätzen würde. Er hätte noch viel mehr schreiben sollen…

      Meine Melancholie rührt auch eher aus der Tatsache, dass mir die Welt heute in Teilen zu unpersönlich und zu informationsgeladen ist. Jeder ist ständig und überall online, alle Neuigkeiten von diesem Planeten und allen anderen um uns rum erreichen uns direkt und medienwirksam aufbereitet, viele Menschen haben verlernt, mal inne zu halten. Keiner fährt mehr einfach nur Auto, man MUSS parallel Termine machen, telefonieren und was weiß ich noch. Niemand sitzt einfach mal nur so auf einer Bank und guckt sich das bunte Treiben um ihn rum an. Sofort wird das Smartphone gezückt, Nachrichten gecheckt und auf Facebook geblättert, was erfahrungsgemäß unglaublich viele Informationen rausballert, ohne die man vor ein paar Jahren ebenfalls gut leben konnte.
      Und das ist jetzt der Punkt. Uelzen steht für mich als ein Ruhepol aus meiner Kindheit. Damals war definitiv nicht alles besser, aber es war ruhiger. Es passierte nicht so viel gleichzeitig, das Leben war überschaubarer. Und wenn da jetzt moderne Technik einzieht und alte Hotels zumachen, ist für mich irgendwie so ein letztes Urgestein der Ruhe in Gefahr. Ein Fluchtpunkt, zu dem ich immer hin konnte, um Kraft für den Alltag zu tanken.
      Puh.

      Mein halbfinnisches Fräulein Altona feiert übrigens auch die klassische Glühbirne ab. Da…. und jetzt wird es schräg…. bin ich ja auf LED umgestiegen. Also, auf die LED Glühlampen. Die sind genau so hell, haben ein schönes weißes Licht und verbrauchen 3 Watt oder so. Mein Licht zu Hause muss nicht warm oder funzelig sein, dafür habe ich Kerzen. Aber so eine Weihnachtsbeleuchtung…..

      Sandmann

  2. Daemonarch sagt:

    Omg, ich habe gar keinen Schoko-Adventskalender… Sonst hab ich doch immer einen… Oder mehrere!!! Morgen sofort im Aldi gucken, ob die noch welche haben.

    UND! Led’s sind okay – solange sie BLAU sind… Blau gefallen die mir super, und besonders in moderner Weihnachtsbeleuchtung bringen die eine bemerkenswerte Stimmung rüber.
    Manchmal schalte ich minutenlang meine Benachrichtigungs-LED am Handy auf blau, nur um….
    Naja, VW hatte auf jeden Fall recht mit dem Spruch „Blau macht glücklich“.

    Und die Story, das dieses wundervolle alte Hotel schließen muss, stimmt mich wieder melancholisch, eine Schande in dieser merkwürdigen, kalten Welt, in der doch jedes alte, warme überbleibsel besserer Zeiten dringend gebraucht wird wie nie…

    • Sandmann sagt:

      Ay Daemonarch,

      ich finde blaue LEDs FUUUURCHTBAAAAAAAR 😉 In der Nähe meiner Wohnung in Kiel hat einer seinen Garten mit blauen Weihnachts-LEDs ausgekleidet, das sieht aus wie ein Ufolandeplatz oder ne ARAL Tankstelle, aber nicht wie Weihnachten. Nee nee.
      Ich bin ja nicht generell gegen LED Beleuchtung. Ich finde sie nur eben am Himmel von Uelzen kalt und nicht schön.

      Das mit dem Hotel überrascht mich und interessanterweise anscheinend auch die Angestellten. Der Laden ging wohl ganz gut, vielleicht hat der Besitzer des Gebäudes andere Pläne? Vielleicht war es nur gepachtet oder so? Ich weiß es nicht.
      Uelzen ist ja nun auch nicht gerade ein „IT Place“ wie man so schön sagt… Es gibt gegenüber in der Hannemannschen Twiete wohl noch ein paar Zimmer und dann das Wellness Hotel Deutsche Eiche, wo wir vergangene Weihnachten abgestiegen sind. Da hatte die Stadt Hamburg schon Weihnachtsferien und war geschlossen. Da war es auch ganz nett, aber eben nicht so klassisch schön.
      Auf der anderen Seite hat noch ein nagelneues Hotel aufgemacht, aber die Bilder der Zimmer haben mich überhaupt nicht angesprochen. Klein, schlimme Farben, keine Badewanne. Also: Nö 🙂

      Ich bleibe dran und schau, was draus wird. Es gibt ja noch andere Überbleibsel, an denen ich mich festhalten kann, wenn es um mich rum mal wieder zu sehr schwankt…

      Sandmann

      • Sandmann sagt:

        Ach und….

        …. Schokokalender gibt’s jetzt nicht mehr, da bist du VIEL zu spät. Schick mir mal deine Adresse per P.N. dann hab ich noch einen ungeöffneten für dich. So ganz ohne geht ja GAR nicht. Willst du lieber Wicki oder ein Weihnachtsmotiv? 🙂

        Sandmann

  3. SteffenG sagt:

    Tach Herr Sandmann,

    ich muss ja sagen, dass ich ein absoluter Fan von LEDs bin. Die weiße LED ist für mich nach der Erfindung des Autos sicher unter den Top 5 der weltbesten Erfindungen!
    Und mittlerweile gibt es sogar ECHTEN Ersatz für Glühbirnen. Dabei werden die Filamente in einen Glaskörper eingebracht und haben so die gleiche Wirkung wie Glühwendel. Dem Automobil wurde ja Anfangs auch keine Zukunft eingeräumt, oder dem Computer, dem heliozentrischen System, Strom, Telegrafie…

    Wenn die ganze Welt sich ihren Erfindungen verwehrt hätte, dann würden wir wirklich bis zum Hals in Pferdemist stecken, bzw. hätten wir die Tierchen noch nicht mal domestiziert. Fortschritt ist gut, eine gewisse Prise Nostalgie darin noch besser.

    Deine Geschichte – wie immer sehr anregend um über den Sinn oder Unsinn des Lebens nachzudenken. Aber auch für mich gilt, dass es mehr Spaß macht nach vorn zu schauen, als sich zu wünschen die Zeit zurück zu drehen um Dinge zu ändern. Das Leben macht aus uns schließlich den Mensch, der wir sind. Schließlich muss mich nicht jeder mögen.

    Die Geschäfte, von denen Du sprichst werden wahrscheinlich nicht so häufig wieder auferstehen. Irgendwann ist mal Schluss. Im Heimatort meiner Frau hat sogar der Penny zugemacht! Aber die Gesellschaft wird einen Weg finden. Macht sie schon seit ein paar tausend Jahren. Wahrscheinlich hat immer jemand zu den Sternen aufgesehen und gedacht „alles wird gut“.

    Steffen

    • Sandmann sagt:

      Ay Steffen,

      ich stimme dir in allem zu. Den Pferdemist hatten wir ja schon weiter oben bei Bastian, und auch ich finde, dass LEDs in Autos oder als Beleuchtung zu Hause sehr viel Sinn machen. Und dabei noch einen Haufen Energie sparen, immer wenn ich eine alte Glühlampe anschalte bekomme ich inzwischen ein schlechtes Gewissen…..

      Ich versuche, es generell auch bei der „Prise“ Nostalgie zu belassen. Früher war NICHT alles besser. Und die Entschleunigung klappt in meinem Leben schon ganz gut. Die resolute Orga-Mentalität meines halbfinnischen Fräulein Altonas treibt mich immer weiter voran, und auch meine Kinder lassen mich nach vorn schauen. Denn da liegt noch eine Menge Gutes. Also hin da 🙂

      Ich frage mich tatsächlich, wie die kleinen Städte in 20 Jahren aussehen werden. Wird es einen Trend zurück zum Einzelhandel geben? Werden die Leute da einfach nur wohnen und ihre Sachen komplett aus zentralen Onlinegeschäften beziehen? Spannend.

      Alles wird gut.
      Sandmann

      • SteffenG sagt:

        Sandmann,

        das mit der Orga-Mentalität kenne ich nur zu gut… 😉

        Bei der Zukunft unserer Geschäfte habe ich meine ganz eigene Theorie. Wobei sie sich mit einigen Vertrieblern deckt und daher sicher nicht zu weit von der Realität entfernt ist.
        Die Menschen wollen etwas erleben, sie wollen nicht nur schnöde Batterien kaufen gehen oder Milch oder ein Buch. Es soll ein Erlebnis sein. Vermutlich wird sich das Einkaufsverhalten differenzieren, schnelle Einkäufe im Internet und der Stadtbummel.
        Bei letzterem sind die Menschen auch heute schon bereit für einen Mehrwert auch mehr Geld zu bezahlen. Die „Geiz ist geil“ Mentalität hat sich überlebt. Sicher sind viele Produkte im Internet vergleichbar, aber eben nicht Alle. Wenn Du in Zukunft ein Buch kaufen gehst (dessen Abgesang ja schon oft angestimmt wurde), achte mal drauf, wie viele Menschen einfach so nur zum stöbern in eine Buchhandlung kommen. Du kannst vor Ort vergleichen, Probelesen, anfassen. Menschen strömen in die Einkaufszentren und Innenstädte um Geschenke zu kaufen und sich beraten zu lassen. Das kann das Internet (noch) nicht bieten. Städte mit einer gesunden Mischung haben auch gesunde Innenstädte, nur 1€ -Läden und Dönerstände machen Innenstädte nicht attraktiv.

        Soviel dazu.

        • Sandmann sagt:

          Ay Steffen,

          klingt plausibel, so ähnlich ticke ich auch. Ist ja nicht so, dass ich GAR nichts im Netz kaufen würde. Aber tatsächlich will ich Bücher lieber in einer Buchhandlung bestellen und abholen. Und Kleidung will ich am Körper spüren und sehen, da ist es mir egal ob ich sie 10 mal wieder kostenlos zurückschicken kann. Ich habe noch NIE Klamotten im Internet bestellt 🙂 und werde das auch nicht machen.

          Irgendwie inspiriert ein Einkaufsbummel ja auch. Bestes Beispiel ist da IKEA. Du gehst rein, um eine Kommode zu kaufen und hast am Ende den Einkaufswagen voll mit Kleiderbügeln, duftenden Kerzen, Bilderrahmen und Küchengeräten 😉

          Ich trage mein Geld gern in die kleinen Geschäfte vor Ort. Brot, Gemüse und Milch muss ich nicht aus dem Discounter haben…
          In Hamburg ploppt wieder eine „Manufaktur“ nach der anderen aus dem Boden. Die Leute haben wieder Lust, gutes Geld für gute Waren auszugeben.

          Sandmann

  4. froupe sagt:

    Hallo Sandmann und Diskutanten,
    Weihnachten das große alles heilende und alle Wunden verkleisternde Ziel des Jahres, die Familien sind glücklich, die Kinder froh, die Stimmung festlich und der Wein gut.
    Nun ja, ich hetzte bis zum letzten Tag durch das Jahr, die Arbeit geht nicht aus, die Konflikte in der Familie schwellen an. Und warum, weil wir alle sch… Perfektionisten sind. Die Ehefrau will die Wohnung perfekt geschmückt und alle und jeden bedacht, die Kids zu jeder Weihnachtsfeier, der Chef noch 2 Projekte fertig und 2 weitere gestartet haben. Die lange aufgeschobenen Arbeiten poppen auch auf. Ja und dann habe ich meinen Frust an dem armen Sattler ausgelassen, der die Sitze vom Altblech nicht fertig hat, als ob ich die Kiste fahren würde bei dem Mistwetter. Als hätte es nicht mindestens bis Ende Februar Zeit. Nun ja, Ihr wisst was ich meine.
    Deshalb habe ich beschlossen, Weihnachtsgeschenke kommen von Herzen, d.h. sie haben eine „Zeit mit mir verbringen“ Komponente. Die Eltern kriegen Theaterkarten, mit anschließendem Abendessen. Die Ehefrau das lange gewünschte Wohnungsverschönerungsprojekt. Dem Schwiegervater hole ich selber den besten Wein aus dem Keller, er findet ihn ja doch und wer keine Weihnachtskarte bekommen hat dieses Jahr, den habe ich dennoch lieb.
    Jetzt zu den harten Fakten:
    In Mittelstädten leben die Menschen am zufriedensten, hat neulich irgendeine Studie ergeben. Von daher sind die Ülzens dieser Republik eine gute Wahl. Das Angebot an Waren und Dienstleistungen ist schon gut, die Wege sind aber noch kurz. Es sind die ewigen Wartezeiten in Verkehrsmitteln, etc., die die Leute auf die Dauer fertig machen, pendeln, etc.
    Für den Einzelhandel und dazu gehören auch Inhaber geführte Hotels sehe ich jedoch schwarz. Gerade der als Beispiel genannte Buchladen hat es ganz schwer. Amazon ist eine widerliche Krake, die schlecht bezahlt und keine Steuern zahlt. Warum nutzen wir, aufgeklärten und informierten Menschen den Laden bloß? Dazu kommt die Herausforderung der elektronischen Reader.
    Mal nebenher, dann kann man keine ausgelesenen Zeitschriften mehr „erben“. Ich habe immer von einem Freund die ausgelesenen AMS seines Onkels bekommen 2-3 mal im Jahr. Dazu von meinem Onkel „Rally Racing“ meist den ganzen Jahrgang um Weihnachten herum. Dann war ich für Tage seeeeelig.
    Zurück zum Einzelhandel, es ist doch heute schon frustrierend, dass man egal in welcher Stadt meist nur noch die grossen Ketten sieht. Und auch die guten alten Städte wie Münster oder Freiburg verändern sich. Hausbesitzer vermieten lieber an Ketten, 10 Jahresmietverträge mit finanzkräftigen Mietern sind halt kommod. Und inhabergeführte Geschäfte erfordern halt ein hohes persönliche Engagement, finanziellen Wagemut und nicht zuletzt eine Nachfolgeregelung.
    Die größeren Städte können das noch irgendwie abfedern, mehr Kaffees, usw. Aber Kleinstädte sehen auch heute schon ganz bitter aus. Ein Dönerladen, daneben MC Geiz und viel Leerstand. Die ganzen Dinge des täglichen Lebens, die man früher noch in der Stadt bekam muss man sich teilweise schon online besorgen. Wer kennt noch den Haushaltswarenladen, wo es von der Pfanne bis zur Glühbirne für den Kühlschrank alles gibt, oder den Eisenwarenladen für einzelne Schrauben, Hacken, Dübel, Gartengeräte, und, und, und . . . jetzt bin ich auch melancholisch.
    Ich wünsch Euch allen frohe und vor allem besinnliche Feiertage. Ich mache es wie der Sandmann, gucke vor dem Schlafen in den Himmel nach dem Sandmann.
    Gruss froupe

    • Sandmann sagt:

      Ay froupe,

      viel Text, viel in meinen Augen Wahres und Richtiges dabei.
      In Sachen Weihnachten mache ich mir schon lange keinen Stress mehr. Mein Schatz verschickt jedes Jahr Berge von schönen Weihnachtskarten, schafft das aber auch immer wieder ohne Stress. Ich mach das nicht mehr. Ich finde den Brauch der Weihnachtskarte zwar sehr schön, aber irgendwie war in den vergangenen Jahren immer irgend ein böser Punk kurz vor Weihnachten, und ich bin nie dazu gekommen 🙁 Jetzt erwartet auch niemand mehr eine von mir. Vielleicht überrasche ich die Leute im nächsten Jahr ja mal 🙂
      Immerhin bekommen meine beiden Patenkinder in diesem Jahr vom Weihnachtsmann ein Paket unter den Baum gelegt, ein ziemlich cooles sogar….

      Über Heilig Abend und die Feiertage sind meine beiden großen Töchter mit ihrer Mutter in Dänemark, und mein halbfinnisches Fräulein Altona und das kleine viertelfinnische Sandmädchen verbringen ein paar Tage in Kiel. Ohne Termine. Einfach nur mal da sein, ich freu mich halbtot…..

      Was den Einzelhandel und den Onlinehandel betrifft … Amazon meide ich wie die Pest, seit ich von den Steuerschlupflöchern weiß. Was für ein Drecksladen. Ich kaufe nach Möglichkeit Dinge gebraucht bei ebay, warum immer alles neu haben müssen? Bücher gehen ja nicht kaputt, weil sie schon mal gelesen wurden.
      Mit ebook Readern kann ich übrigens nichts anfangen. Das liegt aber auch daran, dass ich niemand bin, der in jeder freien Minute sein Buch zur Hand nimmt. Also in der Bahn, im Bus etc. Dafür sind die wohl schon ganz okay. Lesen ist für mich ein entspanntes Abendritual, aber ich bin meist so müde, dass ich nach drei Seiten einschlafe. Für einen trivialen Stephen King brauche ich da schon mal ein ganzes Jahr, ich lese quasi in Echtzeit die Geschichten 😉
      Na ja, und da ich nennenswerte Mengen an Wörtern jeden Tag beruflich wälze tut’s auch mal eine platte Serie auf dem Laptop im Bett. Gekauft, nicht runtergeladen. Wenn durch damit, wieder verkauft.
      Du und ich haben wenig in der Hand gegen die Entwicklung des Konsums der Gesellschaft. Ich kann nur meinen eigenen kleinen Teil dazu beitragen und lokal kaufen, in den kleinen Läden, wo ich es einfach lieber mag. Zum Glück muss ich nicht jeden einzelnen Cent umdrehen, nur jeden zweiten 😉 Aber wer einmal auf dem Wochenmarkt eingekauft hat wird erstaunt sein, wie preiswert und lecker die Sachen da sind…

      Ich habe noch stapelweise alte TRÄUME WAGEN rumliegen… 🙂 Also wenn die jemand haben möchte, Kiel ruft…
      Ich wünsch schon mal schöne Tage zurück, auch wenn ich Teil drei noch schreiben will. Für mich ist DANN erst Weihnachten…

      Sandmann

    • SteffenG sagt:

      Hey Froupe,

      vermutlich verstehe ich den Einzelhandel nicht, aber im Bereich B2B oder Investitionsgut musst Du eben mehr bieten als alle anderen und kundenfreundlich sein.

      Man kann das natürlich auch in Regionen mit hoher oder geringer Kaufkraft aufteilen, aber wenn ein Händler einen Mehrwert bietet, der auch rein emotional sein kann, dann hat er die besten Chancen gut zu überleben. 1€ Shops (McGeiz ist doch pleite, oder?) sind nur ein Trend. Es wird sie immer geben, aber nur um den Übergang einer Phase auf die nächste zu überbrücken. Unternehmen, die, im Kleinen wie im Großen, emotional ansprechend sind und damit dem Kunden zeigen, dass er ihm etwas Wert ist, sind erfolgreich. Trotz Internet. Wie in der Mathematik, Biologie oder Chemie ist der Markt bestimmten Gesetzen unterworfen. Wer diese nicht kennt, macht sich seine Probleme selbst. Geschäfte einfach nur auszusaugen, nicht zu investieren (d.h. auch mal Sachen zu reparieren, gute Leute haben), hat sich noch nie ausgezahlt.

      Wir können uns da gern drüber unterhalten, Sandmann hat meine Mail. Das hier ist wahrscheinlich die falsche Plattform dazu.

      Ich selbst kaufe im Internet und lokal. Meinen Spargel und die Erdbeeren jedenfalls beim Bauern um die Ecke. Klamottenläden hat es hier auch genug. Wein trinke ich auch zu 80% lokal.

      Steffen

      • Sandmann sagt:

        Ay Steffen,

        wenn das stimmt, was du schreibst lehne ich mich lächelnd zurück. Ich habe immer gepredigt, dass man sich um seine Kunden bemühen muss, um jeden einzelnen. Solche ignoranten Großkonzerne wie Vodafone tun das nicht und verkaufen trotzdem immer weiter ihre Produkte. Aber vielleicht ist es eine Frage der Zeit…..?
        Ich lehne mich zurück, weil ich von der Einzelhandelsproblematik beruflich nur sehr indirekt betroffen bin. Als Redakteur eines Printmagazins habe ich natürlich einen gewissen Anspruch, Fragen und Anregungen von Lesern online oder per Mail zu beantworten und auch wahrzunehmen. Das sind zum Glück nicht viele, das ist problemlos machbar 🙂
        Und ich lehne mich zurück, weil ich selbst meinen Teil dazu beitrage, dass zumindest MEIN Geld nicht in den riesigen Ketten und solchen Läden wie KIK landet. So viel kann man ja wenigstens tun…

        Sandmann

    • Santana-Klaus sagt:

      Moin froupe,
      “ Die ganzen Dinge des täglichen Lebens, die man früher noch in der Stadt bekam muss man sich teilweise schon online besorgen.“
      Diese Erfahrung mußte ich leider auch schon öfters machen…..
      Gruß Santa(na)-Klaus

  5. Daemonarch sagt:

    Das Problem bei der „Probiermentalität“ ist in meinen Augen, das es viele skrupellose Menschen heute so handhaben, das sie sich die Waren in den Läden angrabbeln, und dann für 10€ weniger im Internet kaufen.

    Irgendwann wundern sie sich dann, warum die Teile mal in der Vitrine sind, oder der Laden ganz dicht.

    • Sandmann sagt:

      K-O-T-Z-T mich an sowas.
      Genau das ist das Geiz ist Geil Verhalten, womit wir uns die eigene charmante Einzelhandelskultur kaputt machen. Im Laden schön beraten lassen, alles anfassen und ausprobieren aber dann nicht die Eier haben, diesen Service auch zu bezahlen. Und wegen einer Ersparnis von ein paar Euro dann im Netz zu bestellen (und inklusive Versand wahrscheinlich noch mehr zu bezahlen und dann mit dem Auto noch zur Post fahren müssen, weil das Paket geliefert wurde, als man nicht zu Hause war).

      Deutschland ist zu einem echten Mitnehmerland geworden. Jeder zieht nur seinen Vorteil und denkt nicht mehr an das Ganze. Traurig 🙁 Aber es gibt immer wieder Ausnahmen, die Hoffnung wecken. So. Ich geh gleich mal ne Gitarre kaufen. In Hamburg. Und ich probiere sie aus und ich bezahle dann DEN Preis, der draufsteht!

      Sandmann

  6. Graf Drehzahl sagt:

    Moin Sandmann,

    irgendwie bin ich schon wieder in so ner merkwürdigen Stimmung grade beim Lesen. Macht das Weihnachten oder deine Texte? Oder Beides? Ich weiß es nicht, finde es aber auch nicht schlimm.

    Ich war schon ewig nicht mehr auf nem Weihnachtsmarkt, da ebenjener meiner Kindheit Geschichte ist. Ich war später später noch auf 1 oder 2, da hat mich aber der Mix aus lapidaren Klamottenständen und Bierbuden abgeschreckt, was is daran Weihnachten? Vielleicht wird es jetzt mit zunehmendem Alter ja mal wieder Zeit, sich auf das Phänomen Weihnachtsmarkt einzulassen…
    Zum Glück ist Weihnachten bei uns in der Familie noch eine geschützte Institution. Seit Jahren gibt´s am 24. Kartoffelsalat (natürlich selbstgemacht) mit Bockwurst, Geschenke werden ausgetauscht und man verbringt Zeit miteinander.
    Außerdem gibt´s seit ich denken kann jedes Jahr nen Adventskalender von meiner Mutter (ich freu mich da wirklich drüber).

    Dinge gehen, Dinge kommen, doch solange die wichtigen (speziell jetzt) noch Bestand haben, is doch alles in schönster Ordnung.

    In diesem Sinne: Frohe Weihnachten, der Graf

    • Sandmann sagt:

      Ay Herr Graf,

      dann lies das heute Abend noch mal mit einer Kerze und einem Glas Rotwein…. dann wirkt es erst so richtig 😉

      Der Weihnachtsmarkt in Kiel ist ziemlich schön, da gibt es neben den klassischen Fressbuden auch eine Menge Krams, den man ansatzweise als „Kunsthandwerk“ bezeichnen kann. Also nix Handyhüllen und so einen Plastikschrott. So ein zwei Punsch, einen leckeren Spieß und ein Schinkenbrötchen und zum Nachtisch noch Poffertjes mit Butter und Puderzucker. Mjam. Ja, das ist alles teuer, aber das ist trotzdem alles lecker und schön weihnachtlich 🙂

      Auch die Märkte in den Hamburger Stadtteilen sind zumeist sehr heimelig und schön. Vielleicht ist das hier oben ja etwas traditioneller als bei dir da so?

      Kartoffelsalat und Würstchen gab es bei uns früher auch immer, wenn wir drauf gewartet haben, dass Papa die Kerzen am Baum angefackelt hat. Irgendwann ist das dann mal nicht mehr so gewesen. Aber wenn ich an den Weihnachtstagen mal bei meiner Mama bin staube ich immer noch etwas von diesem wunderbaren Kartoffelsalat ab 🙂
      Da ich ja selbst Kinder habe sieht Weihnachten immer ein bisschen anders aus als damals. Natürlich stellt sich jedes Jahr die Frage, ob die beiden Großen nun bei ihrer Mutter oder bei uns feiern, aber das bekommen wir immer irgendwie gut geregelt. Dieses Jahr flüchten die alle nach Dänemark 🙂 Also werde ich mit meinen beiden hier bei mir bleibenden Frauen lecker was kochen, und wir schauen mal, wo wir ein Kleinkind-geeignetes Krippenspiel finden. Wenn ich beim letzten Lied „Oh du fröhliche“ nur nicht immer flennen müsste, seit mein Opa nicht mehr da ist 🙁

      Aber genug Nähkästchen. Geh doch noch mal auf den Weihnachtsmarkt, nimm dir Zeit mit, futter ein paar leckere Sachen und beobachte die Leute. Hör die Musik, nimm die Gerüche auf und freu dich über laute, strahlende Kinder. Das ist schön…

      Sandmann

      • Graf Drehzahl sagt:

        Also wenn ich hier schon solche Profitips bezüglich Weihnachtsmarkt bekomme, sollte ich das wohl wirklich mal probieren! Vielleicht gibt´s ja doch ein „Aha“-Erlebnis.

        • Sandmann sagt:

          Alles eine Frage der Herangehensweise…
          Wenn du nur denkst: Bah, ist das voll hier, Bah diese Kommerzscheiße, Bah ist das alles teuer 😉 dann schockt es natürlich nicht.
          Wenn du dich aber bewusst öffnest für die haptischen, olfaktorischen und akustischen Genüsse – dann ist es schön. Dann gehört es zu Weihnachten. Selbst wenn auf dem immer gleichen Kinderkarussell immer wieder Wolfgang Petrys Weihnachtsgeballer läuft. Selbst das kann irgendwie glücklich machen 😀

          Sandmann

          • SteffenG sagt:

            Genau!

            Zum Thema Preis – ich habe 5 Jahre auf einem kleinen Weihnachtsmarkt Glühwein weiß und rot und heißen Kirschwein verkauft. SELBSTGEMACHT! Der war gut, nicht zu süß und mit viel Geschmack (echte Gewürze!). Ich mache es aus Zeitgründen nicht mehr, und weil es im letzten Jahr Usus wurde Glühwein an jedem Stand für 1€ oder 1,50€ zu verticken. Ohne Hygiene und so.
            Für den Preis konnte ich nicht einmal den Glühweinbereiter anwerfen! Allerdings hatte ich immer meine Kunden.

            Was ich damit sagen will – gut gemachter Glühwein ist seinen Preis auf jeden Fall Wert. Diese Plörre für unter 80 Cent pro Liter ist nicht nur ungesund, sondern auch eklig. Daher schaue ich immer nach Ständen, die liebevoll gestaltet sind und Winzerglühwein ausweisen. Gern frage ich auch nach Herkunft und Lage des Weins. Wenn es heißt „Metro, kurz vorm Ausgang links“ ist mir alles klar. 2,50€ sind fast schon die Untergrenze, für die man einen guten Glühwein herstellen kann und am Ende noch ein paar Knöppe in der Tasche liegen. Die Leute wollen schließlich auch davon leben.

            Steffen

            • Sandmann sagt:

              Ay Steffen,

              das halte ich ähnlich wie mit dem Kaffee und dem Wein. Billiger Kaffee und billiger Wein sind ja nicht VIEL billiger als die guten, schmecken aber um ein vielfaches schlechter. Dann kann man das auch gleich ganz lassen und Milch trinken. Aber gute Milch bitte 😉

              Auf dem Kieler Weihnachtsmarkt kostet ein Glühwein 3 Euro. Sowohl bei den Wurstbuden, wo du davon ausgehen kannst, dass sie Großmarkt-Brühe haben als auch bei den kleinen Winzern und Teestuben, wo alles hausgemacht ist. Rate mal wo ich stehe?
              Ich propagiere ja auch nicht, dass jeder sein Geld raushauen soll, schließlich müssen wirklich viele Menschen genau auf jeden Cent gucken. Aber ich glaube, wenn ich schon Dinge außerhalb des normalen Alltags genieße – also Wein, Glühwein, Tabak, Schokolade etc – dann lieber ein bisschen weniger, dafür aber gut. Ich hätte gern mal deinen Punsch am Stand probiert…..

              Sandmann

      • Santana-Klaus sagt:

        Dieses Jahr hat es etwas länger gedauert bis der Weihnachtsmarkt gewirkt hat, vielleicht lags am warmen Wetter, der langwirigen Erkältung, vielleicht auch an der nicht abnehmenden Hektik im Büro.
        Dein Artikel heute hat allerdings positiv gewirkt und morgen nach dem letzten Arbeitstag für dieses Jahr steht abends ein Weihnachtsmarktbesuch mit meinem Patenkind und Familie an.
        Bei Wurst und Glühwein wird es dann hoffentlich gelingen den Gangschaltknüppel in die Leerlaufposition zu bringen und in Richtung Jahresende ausrollen zu können….

        Santa(na)-Klaus

        • Sandmann sagt:

          Ay Klaus,

          na guck, schon habe ich wieder was Gutes bewirken können 🙂 Dann lasst euch heute Abend nicht von den Last-Minute-Käufern stressen, sondern genießt echt mal die Weihnachtszeit. Ich lasse mich heute Abend bekochen und bekeksen und werd dann noch ein paar Waisen auf der Klampfe zupfen…

          Sandmann

  7. Daemonarch sagt:

    Gerade bin ich auf eine erheiternde Idee gekommen…
    Sollte das Wetter in den nächsten Tagen nochmal merklich aufklaren, oder noch besser – schneien, werde ich eine Fotostrecke meines kleinen verschlafenen Dorfes machen.

    Ist sicher auch mal interessant.

  8. Santana-Klaus sagt:

    Moin Sandmann,
    der Wandel ist unaufhaltbar….auch wenn viele Änderungen einem negativ erscheinen.
    Solche Änderungen wie Du aus Ülzen beschreibst, finde ich in meiner Umgebung auch….der Solling, vor 30 Jahren eine Touristenhochburg wird inzwischen fast gar nicht mehr besucht. Die frühere Generation an Gästen gibt es nicht mehr, die nächste Generation fliegt lieber nach Griechenland/Mallorca oder geht auf Kreuzfahrt.
    Geschäfte und Restaurants vor Ort und sogar in der nahen Kreisstadt machen zu – erstaunlich was sich in 20 Jahren geändert hat.
    Umso wichtiger zumindest einige Rituale zu erhalten, sei es der jährliche Gang zur Weihnachtskirche oder das Weihnachtsbaumschmücken mit schon von den Großeltern verwendeten Christbaumkugeln oder die Feuerzangenbowle zum Geburtstag eines Freundes am 1. Weihnachtsfeiertag oder aber der (inzwischen gewordene) Oldtimer, der schon seit 30 Jahren immer noch und immer weiter in der Garage steht.

    Grüße aus Braunschweig, Santa(na)-Klaus

    • SteffenG sagt:

      Ich entschuldige mich bei allen für meinen Senf, den ich hier loswerde. Aber das sind meine Themen…

      Tourismus: Deutschland wird immer beliebter. Warum? Weil es in Deutschland richtig schöne Ecken gibt!
      Wenn man allerdings in den Regionen Leute in das regionale Marketing setzt, die denken, dass Tourismus sich selbst verkauft, weile es ja toll in der Region ist, dann geht das schief.

      Beispiel: Braunlage im Harz – Sowohl im Sommer als auch im Winter gut gelegen. Viele günstige Übernachtungsmöglichkeiten. Trotzdem geht es dem Ort schlecht! Und das liegt nur daran, dass man Marketing an den Zielgruppen vorbei betreibt. Stattdessen versucht man das Publikum, welches seit 50 Jahren regelmäßig kommt krampfhaft zu halten. Aber das endet genau so wie in Uelzen – die Natur hilft beim Aussterben der Klientel kräftig nach.
      Aber auch das ist ein anderes Thema. Ich kehre gern vor meiner eigenen Haustür und erkenne die Anstrengungen und Ausdauer anderer an. Denn die Leute, die es schaffen Veränderungen herbeizuführen, haben mit extremen Gegenwind zu kämpfen.
      Nicht alles ist schlecht, wir müssen uns nur dran gewöhnen, dass der Fortschritt nicht über Nacht kommt. (Und da knüpfe ich wieder an den Pferdemist von Mr. Adams an)

      Steffen

      • Sandmann sagt:

        Ay Steffen,

        nun hör mal auf mit den Entschuldigungen, dein Senf passt doch wunderbar. Und du scheinst dich ja intensiv mit dem Thema zu beschäftigen, deshalb: Her mit deiner Meinung! 🙂

        Wer entscheidet denn so, was im Tourismusbereich einer Region im Marketing abgeht? Die Stadträte? Ich weiß das gar nicht. Es scheint da aber Bedarf an klugen Köpfen und Visionären zu geben….?
        Ich bastel ja an einer Website eines Hotels in Quedlinburg rum, auch da sieht es alles supergemütlich und nett aus. Aber hat irgend jemand von euch schon mal was von Quedlinburg gehört?

        Sandmann

  9. SteffenG sagt:

    Stets zu Ihren Diensten….
    Ich habe längere Zeit in Quedlinburg geschafft.

    Zufällig neben dem Hotel, von dem Du wahrscheinlich spricht.

    Gelegentlich gibt es Tourismusbehörden oder regionales Marketing. Das ist unterschiedlich. In Quedlinburg kannst Du die Touristeninformation ansprechen.

    So. Feierabend für heute!

    Steffen

  10. Alexander sagt:

    Schöner Bericht mit interessanten Gedanken und Ansätzen.

  11. LarsDithmarschen sagt:

    Hey Sandmann,

    unser kleines Örtchen liegt auch neben einem sterbendem Ort. Supermarktketten gibt es noch, ein Spielwarengeschäft, zwei Elektro-Läden und Blumenläden. Es gibt keine Klamottenläden, keinen Optiker und keinen Uhrenmacher.
    Hier im Dorf gab es früher zwei, drei Kaufmannsläden, einen Elektriker, ein Baugeschäft, eine Gastwirtschaft und zwei Bäcker. Wohlgemerkt bei einem Dorf mit 450 Einwohner. Heute gibt es das alles nicht mehr. Vor ein paar Jahren hat ein Café eröffnet, das gut läuft und seit ein paar Jahren gibt es ein Veganes Restaurant mit Goldschmiede.

    Seit ich meinen Eltern das Schwarzbuch Markenfirmen gezeigt habe und einige Dokus kaufen wir nun auch nur noch bei kleinen Firmen. Gerade zu Weihnachten wollen die ja auch leben.

    Dir wünsche ich auch schöne Weihnachten, Sandmann :).

    Schöne Grüße
    Lars

    • Sandmann sagt:

      Ay Lars,

      so tut ihr richtig. Den Kiez unterstützen. Ich habe eben gerade seit Jahren mal wieder was bei einem FLEISCHER FACHGESCHÄFT für morgen, Heilig Tag, vorbestellt. Klasse. Ich hab in Kiel echt einen Fleischer um die Ecke. Große Freude!!!
      Wir lesen uns. Bestimmt auch noch dieses Jahr, ich kann ja gar nicht ohne euch 😉

      Sandmann

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