Aller guten Dinge

Reisen statt rasen. Jeden einzelnen Tag.

Reisen statt rasen. Jeden einzelnen Tag.

Sich kaputt machen. Ausbrennen. Sich jeden Tag einem ungeheuren Druck aussetzen und gehetzt in voll isolierten, voll finanzierten Multimedia-Karren über permanent verstopfte Autobahnen pendeln. Das pulsierende Magengeschwür ignorieren und dabei dauerhaft verlernen, worauf es im Leben ankommt. Solche Menschen enden blass und ausgezehrt in der Frührente, der Arbeitslosigkeit oder dem Krankenbett. Ich kann spontan mindestens fünf Namen nennen.
Auch ich arbeite extrem viel, stehe unter Druck und muss genau wie alle anderen monatlich Kohle ranschaffen, um das tägliche Leben zu bezahlen. Aber was für viele andere Stress ist, habe ich zur Auszeit gemacht. Auf dem Weg zur Arbeit und zwischen den Terminen fahre ich dieses 46 Jahre alte Auto, in dem man einfach alles langsamer machen muss. Und seit das in meinem Kopf angekommen ist, richte ich mein Leben neu aus.
Dies ist eine Hymne an die Gelassenheit.

Alle Jahre wieder? Nein. Jeden einzelnen Tag wieder ♫

Darauf freue ich mich jeden Tag!

Darauf freue ich mich jeden Tag!

In der Welt der Wörter braucht es einen freien Kopf und eine Menge flexible Zeit. Ich schreibe jeden Monat vier Hauptartikel für die Automagazine GRIP und TRÄUME WAGEN, texte täglich Bildpostings auf Deutsch und Englisch für die Facebookseite, den Twitter Kanal, Google Plus und Instagram vom Mercedes-Benz Museum in Stuttgart und schreibe jede Woche einen semi-technischen Autotainment Blogbeitrag für den Lampenhersteller Osram. Drei Jobs. Plus verschiedene andere Projekte. Ich pendel Woche für Woche drei Mal (oder öfter) zwischen Kiel und Hamburg und habe meine drei Töchter fachgerecht auf diese beiden Städte verteilt. Drei mal drei. Manchmal arbeite ich sehr früh Morgens schon, manchmal noch bis tief in die Nacht. Wollt ihr tauschen? Vermutlich nicht.
Worauf ich hinaus will ist der Vorteil dieser Jobs: Ich bin weder an feste Arbeitszeiten gebunden noch an einen einzelnen Schreibtisch gefesselt. Ich könnte mein Pensum theoretisch auf der A7 vom Beifahrersitz aus mit dem Laptop und dem Handy abarbeiten. Und ich stehe deshalb jeden Morgen, ja auch am Montag, gut gelaunt auf 😀 Denn ich schreibe beruflich über alte und neue Autos, und ich fahre mit einem alten Auto durch die Welt. Dieses alte Auto macht mich durch sein pures Dasein absolut glücklich und trägt einen großen Teil dazu bei, dass ich den Rest des Tages mit offenen Augen schaffe. Los geht’s.

Ist es der frühe Vogel? Oder der späte? Egal, es ist ein Vogel.

Ist es der frühe Vogel? Oder der späte? Egal, es ist ein Vogel.

Die Starterklappen vom alten V6 hakeln ein bisschen. Er will früh morgens mit dem Gaspedal bei Laune gehalten werden. Wenn er noch kalt ist. Da muss ich mal bei. Ich habe auch schon einen netten Kontakt in der Nähe von Kiel, wir werden den alten Solex bald mal zerlegen, reinigen und neu abdichten. Später. Denn wenn er warm ist, läuft er ja klasse, also gemach, gemach. Ich hab ein Stück Pappe vor den Kühler geklemmt, hier im Norden ist es im März noch immer ziemlich fröstelig auf den Straßen. Und so werden das dicke V6-Eisenschwein und mit ihm auch der Innenraum des Knudsen schneller warm und entfalten sich minütlich mehr zur behaglichen Komfort-Zone. Spätestens, wenn die lauen Lüfte aus den Düsen quaddeln, die Scheiben frei von Beschlag sind und mein Kaffee aus dem Thermobecher zu mir hoch duftet, entspanne ich mich und fläze die noch müden Knochen etwas tiefer in den kopfstützenlosen Sitz aus braunem Kunstleder. Drei (schon wieder) einfache Rundinstrumente informieren über Uhrzeit, Geschwindigkeit und Motordrehzahl. Mehr nicht. Sie sind dezent beleuchtet und lenken weder mein Hirn noch meine Augen von der Straße vor mir ab, die unter der kantigen Motorhaube dahingleitet. Auf der Mittelkonsole sind nochmal vier kleine Armaturen, aber die sind so weit weg, dass ich ein Fernglas brauche, um sie abzulesen. Sie geben Auskunft über die noch fehlenden Konstanten wie Tankinhalt, Ladung der Batterie, Motortemperatur und Öldruck. Alles andere um mich rum ist Platz, braungefärbte Bequemlichkeit, der wundervolle Geruch nach altem Auto und die schnelle Welt da draußen.

Madonna ist wieder mit an Bord

Madonna ist wieder mit an Bord

Lasst uns über Entschleunigung sprechen. Das Lieblingsthema der Mittvierziger 🙂
Gestern habe ich meine Madonna wieder in das Armaturenbrett gestellt. Ich bin gerade mal tief in alte Geschichten getaucht, die Dashboard-Dame habe ich anscheinend schon seit unserem Urlaub in Sizilien im Jahr 2010! Eine treue Heilige, immer bei mir, das kann so verkehrt nicht sein. Ich bin durchaus gläubig, auch wenn ich mit der Institution „Kirche“ nicht mehr viel am Hut habe. Doch diese kleinen Figürchen und goldenen Glitzidinger, die sonst eher bei den Katholiken zuhause sind, haben es mir angetan. Am Rückspiegel vom Daimler hängt ein Rosenkranz, neben meinem Badezimmerspiegel hebt ein golden gerahmter, gut gelaunter Papst Franziskus ermutigend den Daumen 😉 Während also die einen sich ein Hufeisen an den Kühlergrill schrauben oder einen heiligen Christophorus an den Handschuhfachdeckel kleben, stelle ich mir bemalten Speckstein made in Italy neben den Tacho. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis mein viertelfinnisches Sandmädchen sie verzückt entdeckt und laut rufen wird, dass die ja aussieht wie Elsaaaaa von Disneys Eiskönigin. Die Dame erinnert mich bei jedem Blick auf die Instrumente daran, dass da draußen liebe Menschen auf mich warten, die mich brauchen, die sich auf mich verlassen und die ein großes Interesse daran haben, dass ich gesund nach Hause komme. Dieser Grundgedanke erdet mich, wenn mal wieder ein Audi Avant mit Vollgas auf der Linken Spur an mir vorbeiballert und nach einer Vollbremsung am Heck seines Vordermannes klebt, der selbst schon mit 160 unterwegs ist.

Lass sie fahren

Lass sie fahren

Auf der Autobahn und in der Stadt ist die rechte Spur meine Spur. Der kurz übersetzte Hecktriebler mit 90 PS (das war 1971 schon echt viel Bumms!) könnte durchaus 180 schaffen, aber das will ja niemand. Ich schwimme mit den LKW mit, und ab und an, wenn hinter mir kein böser Blick mit Monoframegrill im Rückspiegel funkelt, überhole ich mal einen. Keine Sorge, ich bin kein alter, schimpfender Mann, der als rollendes Verkehrshindernis denunzierend durch die Welt schleicht 🙂 Im Gegenteil. Ich fahre passiv. Ich habe es längst aufgegeben, die Drängler auszubremsen und die Blinkverweigerer nicht reinzulassen. Es ist nicht mein Job, die neue Generation von rücksichtslosen Rasern zu erziehen, und selbst wenn ich wollte – das gelingt hier auf der Autobahn sowieso nicht. Also lasse ich die große Masse der hochmotorisierten Arschlöcher mit Zeitdruck einfach an mir vorbei fliegen und glaube daran, dass das Schicksal früher oder später seine Lektionen verteilen wird. Hoffentlich nicht unter Einbeziehung Unschuldiger. Nach aktuellen Versuchen bringt aggressives Rasen nicht mal was. Jemand, der ab Kiel permanent mit der Höchstgeschwindigkeit in Richtung Süden kachelt ist genau drei (drei!) Minuten früher in Hamburg als jemand, der konstant zwischen 80 und 120 Km/h fährt. Gut. 110 km/h sind erreicht, ich lege meinen rechten Arm über die Lehne des Beifahrersitzes (das geht, weil da keine Kopfstütze ist) und sitze tief und enspannt in meinem Auto drin, während ich die Straße spüre, den Motor höre und die Welt da draußen sehe. Diese drei Minuten sind mir das wert.

Mitschwimmen. Einfach mitschwimmen.

Mitschwimmen. Einfach mitschwimmen.

Die Straße ist frei, der braune Salon ist mollig warm, alles schnurrt und ich liege gut in der Zeit. Musik!
Auch hier gilt: Wie man’s macht, irgend jemand lästert immer 🙂 Das originale Taunus-Radio (das, und nur das muss da rein!) liegt bei mir in der Werkstatt auf der Werkbank. Original original. Es sieht toll aus, aber es macht mir zu wenig Musik, zumal ab Werk ein ganzer Mono Lautsprecher oben im Armaturenbrett vorgesehen war. Haha. Im DIN Schacht in der Mittelkonsole steckt also wartend das Mercedes Radio aus einer alten E-Klasse, was ich schon im XM hatte (alter das ist doch 80er Jahre Mist und passt da gar nicht rein!). Gutes aus dem Hause Becker, Dual Tuner, RDS, Wechsleranschluss und ein wirklich toller Sound. Ebay macht’s für 26 Euro inklusive Versand und Codekarte möglich. Neue Aufbaulautsprecher für die riesengroße Heckablage (ey die sehen doch voll spastig aus gab es keine aus den 70ern?) sind auch schon gekauft, dann muss ich keine Löcher in die Türpappen oder das Blech sägen. Und weil Aufbaulautsprecher naturgemäß etwas dünner klingen, wird unter dem Beifahrersitz noch ein flacher, aktiver Subwoofer für ein wenig Bass sorgen (so ein Bullshit, du Proll). Auch schon da. Ich muss das alles aber erstmal einbauen, wann bloß? Vor allem muss ich vorher meine Heckscheibenheizung wieder zum Brutzeln bringen, sonst lässt Markus Retz mich auf Facebook nicht in Ruhe. Aber das ist eine andere Geschichte.
Also jetzt mal für alle, die der Meinung sind, Mercedes Radios mit Aufbaulautsprechern und Subwoofern klingen definitiv voll Scheiße: Hier präsentiere ich euch nun meine aktuelle Übergangs High Power Musikanlage. Ein altes iPhone 3 mit 16GB voller Musikalben, über Bluetooth gekoppelt mit einem 50-Euro-Aktivlautsprecher im WC-Stein Design. Ich liebe es. Die Akkus halten jeweils rund 15 Stunden, und den Harman Kardon oder BOSE Spezialisten mit ihren auf den Innenraum abgestimmten Vierwege Aktiv Endstufen sei gesagt: Mir doch egal. Wen interessiert der perfekte Klang von Musik im Auto? Solange sie einigermaßen satt tönt? Es kommt doch viel mehr auf die Musik selbst an, auf Lieder und Alben, die einem eine Gänsehaut in den Nacken zaubern und die Straße vor dir mit einem Soundtrack untermalen. Dann bist du der König.

Nur eine Zwischenlösung, aber eine gute.

Nur eine Zwischenlösung, aber eine gute.

Von diesen Gedanken bekommt die gehetzte Welt da draußen natürlich nicht viel mit, wenn sie aufgeblendet und mit Freisprecheinrichtung wichtige Telefonate brüllend an mir vorbei hastet. Ich trommel auf dem dünnen Bakelit Lenkrad den Takt mit, ich singe den Refrain laut und falsch durch das Auto und ich fahre einfach nur von A nach B. Ohne zu telefonieren, ohne Facebook und Snapchat und meistens ohne diktatorisches Navi. Das TomTom ist sowieso gerade abgeschmiert, vermutlich endgültig, ein Hoch auf die Elektronik. Bei den Lieblingsliedern meines viertelfinnischen Sandmädchens muss ich lachen, bei ein paar anderen kommen mir die Tränen. Musik ist wundervoll, egal in welcher Klangqualität. Da müsste immer Musik sein. Und eh ich mich so richtig warmgesungen habe bin ich schon in Hamburg angekommen. Die Fahrt war schon wieder viel zu kurz. Hassen die Leute echt das Pendeln? Ich liebe es. Zumindest in dieser Form. Und ich bin ein bisschen angefressen, dass das Wetter gerade wieder besser wird und es mich wie in jedem Frühling auf mein Fahrrad zieht. Mist. Dabei gibt es noch einen weiteren, positiven Nebeneffekt dieser entspannten Fahrweise zwischen zwei Großstädten. Der eiserne 2-Liter-V6 mit seiner runtergerockten Kontaktzündung, alten Zündkabeln, alten Zündkerzen und einem viel zu fett eingestellten Doppelvergaser verbraucht im Drittelmix Stadt, Überland und Autobahn keine neun Liter Super. Eben gerade habe ich vollgetankt. Schaut, das ist nicht schöngerechnet, das ist getankt, gefahren und wieder getankt:

Das soll mir mal einer nachmachen

Das soll mir mal einer nachmachen

Das Leben ist schön. Und im Moment sehr entspannt, weil in keinen Rahmen gepresst.
Ich parke den Taunus vor der Kita, obwohl ich mir mal geschworen hatte, da nie wieder zu parken 😉 Jedenfalls nicht, wenn ich schrauben will. Aber das ist nach den anfänglichen Reparaturen nach 10 Jahren Standzeit auch gar nicht nötig. Es ist noch viel zu tun an dem alten Herren, aber nichts, was jetzt aktuell gemacht werden muss. Da ist das Coupé so entschleunigend wie die Tagesplanung eines Onliners. Ich setze mich jetzt mit einer riesigen Tasse Kaffee auf’s Sofa und schreibe den Artikel fertig, den ich heute Morgen angefangen habe. Nachher noch eine Telefonkonferenz, am Abend bearbeite ich noch die Bilderserie vom Opel Commodore von Walter Röhrl und packe drei neue Facebook Postings in die Planung. Und morgen früh fahre ich in den Verlag, ich hab auch mal gern die lieben Kollegen um mich rum. Vielleicht nehme ich dann sogar mal wieder das Fahrrad, aber wenn ich mein altes Auto da so in der Abendsonne stehen sehe… leicht knisternd und abkühlend… Puh, wie soll man denn da keinen dicken Bauch bekommen? Ich könnte jeden einzelnen unnötigen Meter mit dem Teil fahren 😀

Gute Nacht, Dicker

Gute Nacht, Dicker

Könnt ihr im Auto entschleunigen? Oder ist das Stress für euch?
Ich musste wohl erstmal 45 Jahre alt werden, um zu erkennen, dass sich Auszeiten auch in den vollgepackten Alltag einbauen lassen. Ich brauche nur das richtige Auto und die richtige Musik. Derart ausgeglichen bin ich jeden Morgen wieder fit für die Aufgaben, die jeder neue Tag so mit sich bringt. Ich sollte mal mit meiner Krankenkasse sprechen, ob ich Steuern und Versicherung nicht als Therapiekosten einreichen kann. Würde mich interessieren, wie es euch so geht. Es muss vermutlich nicht einmal ein wahnsinnig altes Auto sein, vielleicht kann auch mit bewusst gefahrenen Vertretern der neueren Generationen der Weg zum Ziel gemacht werden? Ich freue mich schon wieder auf Montag früh. Denn da kann ich wieder mit meinem Taunus fahren, meine Musik aus nicht gut klingenden Lautsprechern hören, dem Schnurren des Motors lauschen und die Hektiker da draußen ihrem nächsten Schlaganfall entgegen fahren lassen. Ist das schon Buddhismus? Ich glaube nein. Aber die kleinen Dinge im Leben können so glücklich machen.

Sandmann

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

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42 Responses to Aller guten Dinge

  1. Tag Sandmann,
    in meinem Alltagsauto habe ich all das, was du oben so aufzählst und genieße trotzdem die Zeit darin, weil ich meine ganze Lieblingsmusik dabei habe und dem Auto zusehe, wie es über die Autobahn rollt. Da kann man die Gedanken schweifen lassen und daran denken, dass Fahrzeit ja auch Arbeitszeit ist und somit die freie Zeit bezahlt wird. Das erfreut doppelt.
    Gruß

    • Sandmann says:

      Ay Peter,

      na klar können echte Profis auch in einem neueren Auto mit allem Tüdelüt die Zeit genießen und entspannen 😉 Das ist wie mit der Musik aus dem iPhone – wenn es die richtige ist, ist sie genau so wertvoll wie die von der Vinyl Platte.
      Bei mir kommt im Taunus einfach noch der „Zeitmaschinen“ Effekt dazu. Ich freue mich jedes Mal wie blöd, wenn ich wieder fahren kann. Das hatte ich bei neueren Autos nicht. Da war es okay, weil ich gern Auto fahre, aber so richtig aktiv drauf gefreut… na ja.

      Bei dir wird die Fahrzeit bezahlt? Lucky you are. Ich werde für Texte und Bilder bezahlt, und zwar für die, die ich liefere. Wie lange ich wann wohin fahre, spielt dabei leider keine Rolle. Also ist es Freizeit, und zwar unbezahlte. Die mache ich mir dann so gemütlich wie möglich 🙂

      Sandmann

  2. Martin R. says:

    Wichtig ist, daß einem das Auto nicht auf die Nerven geht. Dazu muß es nicht unbedingt alt sein, nur gut. Kleines Beispiel: aktuelle VW (generell unbrauchbares Nachtdesign) oder Audis (mit grellem Digitaltacho) sind nachts einfach unfahrbar. Das ermüdet nicht nur unnötig sondern macht dann auch latent aggressiv.
    Aber ein 80er- oder 90er-Jahre BMW, oder ein Saab (völlig egal ob 900,9000 oder alle 9-3 bzw 9-5 Generationen, selbst die letzten…), kurz: Autos, die um den Fahrer herum zum Autofahren und nicht als rollende smartphones gebaut wurden – dadrin ist Autofahren dann tatsächlich fast wie Meditation. Ich ertappe mich oft dabei, daß ich am Ziel noch kurz im Auto sitzenbleibe, nicht nur, um den Motor zwecks Turboschonung nachlaufen zu lassen, sondern auch weil es irgendwie Schade ist, schon am Ziel zu sein und aussteigen zu müssen.

    Was die Sinnlosigkeit der Raserei bei normalem Verkehrsaufkommen betrifft hättest Du auch keine Studien wälzen brauchen, mich zu fragen hätte genügt. Ich hab das in meiner wilden Jugend mit dem Schlampenschlepper nämlich mal selber ausprobiert.
    Freitags nachmittags vom Ruhrgebiet aus nach Berlin. Zuerst mit dem Messer zwischen den Zähnen, alles rausgeholt was ging und das Auto wirklich ausgequetscht. Hab zwei Tankstops gebraucht (wäre *vielleicht* auch mit einem gegangen, aber das war mir zu heiß), 21 Liter auf hundert Kilometer verbrannt und dann war ich am Ziel so fertig, daß ich auch als Nichtraucher erstmal ne Kippe gebraucht hätte (die man dann praktischerweise direkt am orangeglühenden Lader hätte anstecken können).
    Am Folgewochenende habe ich mir einen recht leistungsstarken Lkw ausgesucht (über 400 PS waren damals noch selten), mich dann hinter ihn fallen lassen und dann bei Sicherheistabstand den Tempomaten gesetzt. Und dann bin ich dem Lkw einfach hinterhergefahren, Tempomat 89km/h, und habe die rechte Spur nur für eine kurze Pinkelpause verlassen. Das hat den Verbrauch unter 7 Liter gedrückt.
    Was hat die Raserei des Vorwochenendes gebracht, außer einem verdreifachten verbrauch? Keine 45 Minuten Zeitersparnis auf 560km Strecke. Eine gesparte Dreiviertelstunde, mit der ich übrigens nichts anfangen konnte, weil ich mich erstmal erhohlen mußte, während ich bei der zweiten Tour am Ziel aus dem Auto gesprungen bin und und fit war…

    Ich fahre immer noch gerne schnell, aber nur noch, wenn die Bahn vollkommen frei ist. Dann kann man Berlin-München in der Tat in vier Stunden fahren statt fünfeinhalb bis sechs bei Richtgeschwindigkeit. Je nach Abfahrtszeit macht das dann den Unterschied aus zwischen ausreichend Nachtschlaf und einem völlig verkorksten Biorhythmus für die nächsten drei Tage… Komme ich um ein Uhr ins Bett bin ich am nächsten Tag noch funktionsfähig, bin ich erst um drei Zuhause kann man mich die nächsten Tage als Dekoration in die Ecke stellen, aber zu sinnvoller Arbeit tauge ich dann nicht mehr. (Irgenwie war man mit Anfang 20 noch schlafentzugstoleranter als mit Mitte 30…).
    Aber Reiseflughöhe zwei Meter geht eben wirklich nur bei VÖLLIG freier und trockener Autobahn.
    Sobald auch nur ein bißchen Verkehr unterwegs ist stehen Mehrverbrauch und erhöhte Gefährdung in keinem Verhältnis mehr zum mit steigender Verkehrsdichte schrumpfenden Zeitgewinn.

    Im Regelfall schwimme ich seit dem Rasereiexperiment einfach mit reichlich Sicherheitsabstand rechts oder in der Mitte im Verkehr mit und überschreite die Richtgeschwindigkeit nicht. Das hat sich als guter Kompromiß aus Vorankommen, Spritsparen und Nervenschonung erwiesen.

    • Sandmann says:

      Ay Saab-O-Martin,

      viele weise Worte. Rollende Smartphones. Gniiihihihi 😀

      Ich stimme dir in allen Punkten zu. Auch, dass sogar in einem etwas neueren Auto entspanntes Fahren möglich ist. Digitale Cockpits habe ich noch nicht auf nächtlichen Langstrecken erfahren, aber die kann man doch bestimmt auch dimmen, non?

      Ich persönlich schätze das Gesamtpaket aus 70er Jahre Charme (und Geruch, dieser Ford GERUCH!), den Geräuschen dieser Autos (aber nicht ZU laut, deshalb auch keine Europäer aus den 60ern) und der Alltagstauglichkeit. Ein kommoder, entspannter dicker AMi wäre im Alltag nichts für mich, weil der zu versoffen ist. Ich hab’s probiert. 15 Liter und mehr, was ja für einen alten V8 okay ist, machen mich nicht glücklich. Nicht bei den Kilometern, die ich reiße. Ich muss jetzt nur noch damit klarkommen, dass ich bei jedem Blick über die nächtliche Motorhaube auf die beleuchtete Straße vor mir an einen ziemlich wollüstigen Abend Anfang der 90er denken muss. Aber damit komme ich auch noch klar……

      Über den Aspekt der Mehrverbrauchs bei Raserei hab ich noch gar nicht nachgedacht. Klar. Das kommt ja AUCH noch obendrauf, und die Aufregung und das Adrenalin obendrein. Plus die Gefahr, eben erst gar nicht zu Hause anzukommen, weil einer vor dir gebremst hat…

      Ich bin auch mal gern schnell gefahren. Wie du sagst, am Sonntag Morgen auf dreispurigen, leeren Autobahnen. Mein Audi V8 hat da immer kurz ne 3 vor den zwei Nullen auf dem GPS gegeben. Das war schon geil. Aber da war ich jünger, und irgendwie… brauche ich das jetzt nicht mehr. Ich erfreue mich lieber an den erhobenen Daumen an jeder Ampel oder beim Tanken an den „so einen hatten wir auch mal“ Leuten. Klasse.

      Prost auf deinen Saab!
      Sandmann

      • Martin R. says:

        Natürlich konnte man den Bildschirm des Audi dimmen. Hab ich auch getan. War trotzdem viel zu hell.

        Grelles Licht im Armaturenbrett zieht den Blick auf sich, die Pupille verengt und fokussiert auf den Nahbereich, der Fahrer bemerkt das, nimmt den Blick wieder hoch, die Pupille fokussiert auf unendlich und blendet auf… und dann wird der Blick wieder unwiderstehlich auf die hellen Armaturen/den Bildschirm gezogen und das Spiel geht von vorne los. Das ermüdet, sowohl Auge wie Hirn, und ist dabei so völlig sinnlos.
        Saab scheint der einzige Hersteller zu sein, der Prinzip verstanden hat. (Das stimmt natürlich nicht, Audi und BMW waren in den 80ern und 90ern auch schonmal so weit und hatten Cockpits mit großartigem Nachtdesign. Leider scheinen sie das mittlerweile aber wieder vergessen zu haben.)

        Mit dem night panel kann ich im 9-5 übrigens ALLES aus machen – bis auf den Tacho. Und der leuchtet dann auch nur noch bis 140, jedenfalls solange ich nicht schneller fahre. Selbst das normale Nachtdesign ist schon äußerst augenschonend und unaufdringlich, aber mit night panel wird es nochmal besser. 600km durch die Nacht im 9-5 und ich bin frisch, 250km in einem modernen bildschirmüberladenen Auto und die Augen brennen.

        Mir völlig unverständlich, daß kein anderer Autobauer die Idee mit dem abgedunkelten Cockpit aufgegriffen hat… aber vielleicht sind die Autos ja gar nicht zum Autofahren gemacht. Oder die Designer müssen ihre Kreationen nicht selber fahren, jedenfalls anscheinend nicht nachts.
        Wer weiß, vielleicht setzt sich das night panel ja doch noch irgendwann flächendeckend durch – das am Saabkonzept kleiner aufgeladener Turbomotoren was dran ist, hat die Autoindustrie ja auch irgendwann noch kapiert, wenn auch mit 30 Jahren Verspätung.

        😉

  3. Andreas says:

    Wie Recht du hast….Und ich vermisse den 131 ein wenig… Meine größte Sorge bei dem neuen dicken ( BMW 520i Touring 1996) war das meine Ruhe dahin ist… Doch da überraschte der Dicke und ich werde die Zeit bis zur Flosse überleben ohne Infarkt.

    • Sandmann says:

      Ay Andreas,

      dein Umgang mit JEDEM Auto ist ja in deiner Hand. Als ich 2007 oder so den neuen, mit Steuergeräten vollgepackten 7er BMW für zwei Wochen hatte konnte ich auch dem was abgewinnen. Und als ich Alle Helferlein, die Klimaanlage und allen Komfort ausgeschaltet oder deaktiviert hatte fuhr der sich richtig schön. Gibt auch ein paar alte Geschichten hier im Blog über den.
      Flosse? Wann kommt sie?

      Sandmann

      • Andreas says:

        Sie ist ja schon da
        Letztes Jahr wurde sie zerlegt und dieses Jahr stecke ich das Puzzle wieder zusammen

        So ist zumindest der Plan

        Einen Opel Vectra gabs auch Mal….Aber der musste schnell wieder weg… 3monate 3tickets

        • Sandmann says:

          Ayyyyyy schön!
          Auto puzzeln. Das entspannt ja auch, oder?
          Wasn für ne Flosse? Baujahr?

          Mit einem Vectra konnte und kann ich irgendwie nix anfangen. Aber das kann jeder sehen wie er will 🙂

          • Andreas says:

            Pure Entspannung!
            190c 1965

            Angestrebter Zustand 3+ ich will damit ja auch im Alltag unterwegs sein 😉

            Stand 15+ Jahre in einer Scheune
            Kaufpreis 550€ und an Investition möchte ich 3k nicht überschreiten bei Zulassung…

            Es laufen Wetten das ich das schaffe oder nicht

            Ich halte es da mit Mutti 🙂

            • Sandmann says:

              Uiiiiiiiii,

              finde ich gut. Der Kaufpreis ist unfassbar günstig, und wenn du viel selbst machen kannst bleibst du im Budget. Ich glaube an dich 🙂
              Und Zustand 3 finde ich für ein Alltagsauto auch wunderbar. Mehr wird mein Knudsen wohl auch nicht erreichen. Dafür bewege ich ihn zu viel…

              Sandmann

  4. MainzMichel says:

    Jaja, die Entschleunigung…
    Auch ich habe seit mindestens 15 Jahren das bewußt ruhige Fahren für mich entdeckt. Klar habe ich es auch mal eilig, aber die Regel ist das nicht. Schön vorausschauend, seltenst über der zulässigen Geschwindigkeit. So brauche ich mir auch über etwaige Radarkontrollen keine Gedanken machen. Meine Alltagsschlampe Audi 100 C4 mit trägem Fünfzylinder und Automatikgetriebe hilft mir da auch sehr dabei. Wenn ich nicht über die erste Ampelphase komme, dann halt über die nächste. Oder übernächste. Egal.
    Was mich an den alltäglichen Stressfahrern neben der Nutzung des Smartphones (meist auch noch am tippen, da wäre telefonieren ja besser) beim Fahren so nervt, ist das über-rot-fahren. Ist Euch auch schon mal aufgefallen, daß kaum noch jemand bremst, wenn die Ampel gelb wird? Selbst wenn noch genug Abstand ist, wird Gas gegeben. Dann ist halt rot, wen interessiert`s? Und wenn man wie ich (meistens) bremst, regt der Hintermann sich noch auf, weil der AUCH NOCH drübergefahren wäre. Bei fett rot, aber er wäre zwanzig Sekunden früher am Ziel, das muß es scheinbar wert sein.
    Boah, bei dem Thema komme ich richtig im Wallung – grrrr. Eigentlich müßte doch beim heutigen Stand der Technik das eine günstige Einnahmequelle für die Polizei sein. Eine Digitalkamera, die Daten sofort per Mobilnetz verschickt, so teuer kann das doch nicht sein. Mir würde das gefallen.
    So, wieder runterkommen. Abendessen, mit dem Hund raus, ab ins Bett. Um 02:30 ist die Nacht zu Ende.

    Adios
    Michael

    • Sandmann says:

      Ay Michael,

      da stichst du in ein Wespennest.
      Rote Ampeln werden in Hamburg auch sehr gern missachtet. Obwohl das den Lappen kostet. Egal. Rechtsabbieger blinken nicht und gucken auch nicht, ob vielleicht ein Fahrrad kommt. Die fahren einfach rum. Im Gegenzug pöbeln dann militante Fahrradfahrer oder Fahrradkuriere unter ihren Helmen ständig arglose Menschen an, weil sie mit einem halben Fuß auf dem Fahrradweg stehen. Die sind also auch nicht besser.
      Geblinkt wird sowieso nicht mehr, wenn der Verkehr mehrspurig zähflüssig ist wird die Spur gewechselt und nochmal und nochmal und wieder zurück. Dicht auffahren ist obligatorisch, rechts überholen auch.

      Deshalb schreibe ich solche Artikel. Da kommst du nicht gegen an. Wenn du anfängst, dich darüber aufzuregen, regst du dich nur noch auf – und es wird ja dadurch nicht besser. Also kapituliere ich lieber vor der Aggression, halte mich auf der rechten Spur auf und lasse die anderen sich beharken, beschimpfen und verklagen. Das ist mir alles zu blöd.

      Ich beneide dich übrigens nicht um 2:30 Uhr 🙁 Schlaf schön!

      Sandmann

  5. Henning Kobbe says:

    Entschleunigt Fahren? Kann ich in meinem „Dicken“ auch, obwohl er lange noch nicht volljährig ist. Ich weiss, ich könnte schnell fahren, muss es aber meistens nicht, sondern kann ganz entspannt gleiten. Und wenn jemand meint, er müsse mit knapp 80 km/h über die Land- oder Bundesstrasse vor mir fahren, dann kann ich ihm gelassen so lange folgen, bis ich ihn in aller Ruhe überholen kann.

    Mit meinem „Kleinen“ hingegen macht es einen Heidenspass, ihn über möglichst kurvige und hügelige kleine Strassen etwas flotter zu bewegen. Aber auch das ist entspanntes, wenn auch nicht unbedingt entschleunigtes Fahren.

    • Sandmann says:

      Ay Henning,

      ja klar, mal kurvenräubern macht ja auch Spaß 😀

      Es gehört eine Menge Selbstbeherrschung dazu, einzusehen, dass ein langsam fahrendes Auto vor einem eben NICHT provozieren will – sondern einfach langsam fährt. Das kann dem da vorn doch egal sein, dass ich es eilig habe. Ich hätte ja auch früher losfahren können.
      Ich stelle immer wieder fest, dass rücksichtsvolles Verhalten eine Menge positive Reaktionen hervorruft. Die Leute sind regelrecht überrascht, wenn man sie mal einfach reinlässt. Oder bremst, wenn sie neben einem sind und überholen wollen. Das ist ja auch gar nicht sooooo schwer, es muss nur im Kopf ankommen. Om.

      Ich will spontan Klarinette spielen lernen. Und ich brauche wieder ein Moped aus den 60ern!

      Sandmann

  6. Ich kann auch herrlich in meinen alten Kisten entspannen. Da piept nix und nervt. Wenn ich den Fabia meiner Frau fahre, piept mich ständig was an. „Tank leer, nicht angeschnallt (hier im Ort passiert das schonmal), unter 4 Grad draussen“ etc. Das geht mir voll auf den Sack.
    In meinem 35i piept nix, bzw. wenn es piept dann ist wirklich was Wichtiges. Das Audi Coupe nervt nur wenn man die Tür öffnet und das Licht oder das Radio sind noch an (das ist wenigstens sinnvoll). Und am T3 piept auch nix. Die Kiste hat weder ne Servo-Lenkung noch ne Heckscheibenheizung. Find ich total geil.
    In meiner „wilden“ Zeit habe ich mal probiert was heizen wirklich bringt und habe die gleichen Erfahrungen wie Martin gemacht. Eine Strecke von 350km habe ich mit dem Messer zwischen den Zähnen gerade mal 15min schneller geschafft als bei normaler Fahrweise (bei mir ca. 140 km/h im Durchschnitt, auch mal schneller oder langsamer je nach Verkehr). Bei der Heizerei habe ich mit meinem damaligen Golf 3-4 Liter/100km mehr gebraucht und war danach fertig. Man muss dann für jeden mitdenken und kaum hat man mal Geschwindigkeit aufgenommen, zieht vorne wieder einer raus ohne zu blinken und gurkt mit 100 rum. Also völlig sinnlos.
    Ab und zu packts mich auch mal und ich gebe mehr Gas. Gerade hier in den Bergen macht es richtigen Spaß durch die Kurven zu heizen. Jedoch kommt jetzt wieder die Zeit der Organspender (Motorradfahrer) und da fahre ich sehr vorsichtig weil die hier völlig bekloppt heizen.
    Und sobald jemand ausser mir mit im Auto sitzt, gehts eh wesentlich langsamer voran.
    Das heutzutage keiner mehr blinkt oder Verkehrsregeln kennt, nervt mich auch ungemein. Sind die Leute zu dumm und vergessen was sie mal in der Fahrschule gelernt haben oder wird heute z. B. das Blinken nichtmehr bei gebracht? Was ich mich da aufregen kann wenn ich wieder Idioten vor mir habe…
    Ich sag nur: „wenn du denkst, dass dein Job sinnlos ist, vergiss nicht bei BMW baut einer den ganzen Tag Blinker ein.“ 😉

    • Sandmann says:

      Oh ja, das Blinken….
      Da habe ich schon einige Texte und Kolumnen drüber verfasst. EInmal hat es mich deshalb fast aus dieser Welt befördert, vor 9 Jahren: http://www.sandmanns-welt.de/blinken-ist-wohl-viel-zu-anstrengend/

      Freut mich aber, dass ihr alle auch die Erfahrung gemacht habt, dass Rasen nicht viel Zeitersparnis bringt. Sehe ich auch so.
      Und das Gepiepe…. der Benz meines halbfinnischen Fräulein Altonas ist ja von 2001, und Mercedes ist dafür berühmt, dass alle Geber und Fühler ein bisschen früher Alarm geben, als es eigentlich nötig wäre 😀 Wischwasch, kaputte Lampe, dies und das. Mit Stolt in der Brust kann ich behaupten, dass der Wagen aktuell piepfrei und ohne leuchtende Warnlampe fährt. Ein schönes Gefühl 😉

      Auf ins Wochenende!
      Sandmann

  7. Santana-Klaus says:

    Moin Sandmann,
    ich pendel auch jedes Wochenende 2*1,5Std/125km. Rasen bringt da gar nichts. Entspannt mitschwimmen und ein gutes Hörbuch oder anständige Musik, lassen die Fahrt bei aller notwendigen Aufmerksamkeit zu einer nervenschonenden Tour machen.
    Das geht sogar im 2009er TDI gut, der mich dann mit Verbräuchen <5l/100km belohnt, oder noch ein wenig mehr entspannender, wenn es jetzt in der Saison auch mal wieder einer der alten Santanas ist.

    4+5 zylindrige Grüße, Klaus

  8. dette ecker says:

    Klar geht Entschleunigung auch mit neuem Eisen. Vor rund 15 Jahren habe ich mir einen (gebrauchten) Z3 gegönnt. 2.0liter / 6 Zylinder in Reihe.
    Beruflich bin ich eigentlich immer nur im Nahbereich tätig. Das heisst aber nicht, dass ich in der Kiste nicht abschalte. Kurzurlaub nenne ich das. Dach auf, immer, sofern es nicht regnet. Telefonieren geht nicht, weil zu laut. Herrlich. Den letzten Sommer habe ich ihn erstmals abgemeldet gehabt. Mal sehen, ob ich dieses Jahr wieder kurzurlaube. Bock hätte ich schon…

    • Sandmann says:

      Ay dette ecker,

      na ja wenn du den vor 15 Jahren gebraucht gekauft hast, möchte ich den nicht als „neu“ bezeichnen 😉
      Aber na klar, in einem Cabrio kann man bestimmt auch gut abschalten. Mir wäre das wohl auf Dauer zu laut, ich bin ja mehr der Langstreckenreiser. Nervt mich ja schon, wenn es irgendwo zu sehr zischelt, wie die letzten Wochen beim hinteren Ausstellfenster. Da war der Scharnier vom Glas abgeknackt, irgend jemand bei Ford hatte damals die tolle Idee, den nur zu kleben.
      Nun ist er wieder dran 🙂 Und alles ist leise. Na ja, bis auf den Motor….

      Genieß den Frühling und bald dann den Sommer!
      Sandmann

  9. Feldweg says:

    Hallo ,
    da hast du Recht 🙂
    Machmal muss mann das Gaspedal nicht bis unters Bodenblech Treten
    Lieber Entspannt fahren
    So das die leute auch was zu schauen haben

    • Sandmann says:

      Ay Feldweg,

      das Argument ist natürlich auch ziemlich gut 🙂 Wenn ich mir anschaue, wie viele Leute mich auf der Autobahn überholen, sich dann kurz auf meine Höhe zurückfallen lassen, den Daumen heben und glücklich weiterfahren – ja, mit so einem alten Auto macht man viele da draußen kurz mal glücklich.
      Ich wundere mich nur immer, wie groß die Menge derer ist, die total fasziniert sind und sich freuen – gegenüber der Menge, die dann lieber für 18.000 Euro einen gebrauchten Golf kauft, statt für die Hälfte so ein Traumauto.
      Na ja. Jeder wie er mag.

      Sandmann

  10. Carl says:

    Entschleunigung….was ist eigentlich Entschleunigung so richtig?

    Ich für meinen Teil bin sicher kein Raser, aber flott unterwegs – d.h. ich fahre innerorts zwischen 50 und 60 km/h lt. Tacho, fahre an der Ampel auch mal zügig an (ohne mich hierbei unbedingt mit anderen messen zu müssen; Stichwort: Ampelrennen 😉 ).
    Trotzdem ist mein Adrenalinspiegel beim Fahren nicht wirklich hoch. Im Gegenteil: ich bin recht ausgeglichen, rege mich nicht über jeden Mist auf und kann im Straßenverkehr auch mal zurückstecken. Aber genug der Selbstbeweihräucherung, vielleicht liegt die Gelassenheit auch am Auto…

    Mein Auto ist für viele alt, jedoch eigentlich relativ modern (BJ. 2006).
    Wie oben schon erwähnt wurde: Wichtig ist, dass das Auto nicht nervt. Ob das nun ein alter Taunus, ein neuer Golf oder wie in meinem Fall ein Saab 9-3 ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
    Ich „liebe“ mein Auto und das lässt mich entspannt damit umgehen – schon deshalb, weil ich mich auf jede Fahrt freue.

    • Sandmann says:

      Ay Carl,

      ich glaube, Entschleunigung erlebt jeder anders. Das muss natürlich nicht zwingend mit einem alten Auto oder langsamem Fahren zusammenhängen 🙂
      Eine Grundentspannung lässt sich auch in einem neuen 7er BMW erleben, wenn man alle Helfer abschaltet. Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass das eigene Auto nicht nerven darf. Allerdings – wer von Assistenzsystemen, Gepiepe und Displays genervt ist kauft sich vermutlich eh ein altes Auto, no?

      Viel wichtiger ist die Gelassenheit im Straßenverkehr. Dann kommt man auch grundentspannt an und lebt länger…. Ich denke, ein Saab ist da ein guter Anfang 🙂

      Sandmann

  11. bronx says:

    Ay Carl,

    laß mich raten: dein 9-3 ist ein Combi mit ARC – Hirsch- Leistungssteigerung auf 196 PS – Leder Beige – Xenon-SW – Tempomat – Regensensor – Klimaautomatik?

    Will sagen – Du hier? 😀

    Gegrüßt!

    • Sandmann says:

      Oh, ihr kennt euch?
      Na guck.

      Bronx, schon gesehen dass du das Pin Up im März bist? 😀

      • bronx says:

        Ja, gestern schon. Nun weiß ich, wie sich ein Pin-Up fühlt! 😀

        War aber auch ein cooler Nachmittag! Betrachte ich das Bild, ist die Hitze des damaligen Tages wieder in der Erinnerung. Und ich schmecke Eis. Gutes Eis! 😉

        Gegrüßt. . .

        • Sandmann says:

          Ay bronx,

          ich habe gerade gelesen, dass Patti ihre Eisbude wieder eröffnet hat. Die Saison ist gestartet 🙂
          Ich glaube ich muss mal wieder nach Berlin kommen und am Gleisdreieck ein Eis essen…..

          Zurück gegrüßt aus dem verregneten Kiel
          Sandmann

          • bronx says:

            Na dann lass es uns tun! Sie wird sich bestimmt freuen.
            Saison? Gucke ich aus dem Fenster, sehe ich noch nichts davon. Grau, kalt, windig.

            Aber das wird. Und wenn Du nach Berlin kommst wird gegrillt. Ob mit oder ohne Anhang, egal. Hier ist Platz! 😉

            • Sandmann says:

              Yay.
              So wie es aussieht begibt sich zunächst mein halbfinnisches Fräulein Altona nach Berlin, um Dave Gahan zu huldigen. Aber ich finde, so ganz ungegrillt kommen wir in diesem Jahr nicht davon!

              Morgen Abend holen wir erstmal den Granada nach Hause.

              Sandmann

    • Carl says:

      Bronx, alte Spürnase – das Auto passt, aber ich bin der junge, nicht der alte 😉

  12. bronx says:

    Ah, die Hoheit der Armlehne, Mensch, ist doch schön! 😉

    Gute Wahl mit dem Saab. Ich mag Underdogs! Grüß mal die ältere Armlehne von mir.

  13. bronx says:

    Topic:

    Entschleunigung, es gibt da vieles, das kann mir kein „neues“ Auto geben. Äusseres, Haptik, Geruch, nennen wirs mal olfaktorische Komponenten. . .

    Steige ich in unseren Monza, ist alles anders. Die 3 Gang-Automatik („Wupp“) erdet einen zwangsläufig. Den Rest besorgt die großartige Rundumsicht, gepaart mit den generösen Platzverhältnissen dieses Coupes.
    Auf der Bahn gehen 140 als gemütliche Geschwindigkeit auch akustisch durch und der Verbrauch hält sich auch (noch) in Grenzen. Sofern man mit 15 Litern leben kann.

    Kein Gepiepe, kein Flackern oder andere, sich ungeduldig einfordernde Signale.

    Letztendlich muß man es auch nicht erklären, zumindest nicht der Fraktion der Linksfahrer. Im Multi-Media-Menü wühlen, die Klima verstellen, in den 3 bis 4 veranlagten Untermenüs, wers mag, bitte.

    Auch unsere Alltagskarren (Duster, Trafic-Bus) sind frei von solchem „Zubehör“. Ich brauch das nicht.
    Why? Es nervt!

    Die Amish-People hatten ihre Zeit und ich zähle mich gewiss nicht zu ihnen, jedoch, man kann es auch übertreiben! Wer immer nur der Herde folgt, guckt nur in Ärsche! Das ist so ziemlich dass, was derzeit die Industrie im Rahmen der Entmündigung den Kunden mit sämtlichen Fahrassistenzsystemem aufs Auge drücken will, verbunden mit der wilden Ankündigung und Beweihräucherung der Vorteile des autonomen Fahrens. Mir wird schlecht dabei.

    • Sandmann says:

      Ay bronx,

      ich bin weitestgehend bei dir. Da ich beruflich mit der „Branche“ verbandelt bin sehe ich das autonome Fahren und die neuen Assistenzsysteme mit einer gewissen Neugier. Mal sehen, wohin sich das alles entwickelt. Ich finde das spannend.
      Aber so lange es alte Autos gibt, werde ich alte Autos fahren. Mehr als den Taunus „brauche“ ich nicht, und der trinkt weniger als 10 Liter Super. Klasse.

      Dienstag wieder Hamburg – Kiel. Ein Traum.
      Sandmann

  14. Daemonarch says:

    Das Thema entschleunigung habe ich auch länger für mich entdeckt… Auch durch meine Zeit am Steuer eines Reisebusses, wo ich beobachten konnte, dass bestimmte Luxuslimousinen, die mit 200km/h oder mehr vorbeiballerten, dies auf 500km trotz einer Pause des Busses von 45min dies vom Ruhrpott bis zur schweizer Grenze 5x taten…

    Ich finde auch die aktuelle Diskussion mit den Dieselverboten bescheuert, nicht weil diese nicht vielleicht mehr bestimmte Schadstoffe ausstoßen würden, was sicher richtig ist, SONDERN :

    Ich hab letztens auf einem Tagesausflug mit meiner Familie wieder beobachtet, dass ungelogen 80% aller Fahrer auf der Autobahn sich einer digitalen Fahrweise befleißigten, entweder die gestressten Augen halb durch die Windschutzscheibe geballert, mit 2m „Sicherheitsabstand“ hinter dem Vordermann auf der linken Spur, oder Motor aus…

    Das heißt, Diesel werden im normalfall nicht gekauft, um Sprit zu sparen, sondern um spritsparenDER rasen zu können.
    Da kriege ich persönlich das kotzen, auch in Hinsicht auf die hier oben beschriebenen praktisch nicht vorhandenen Vorteile.

    Mit meinem aktuellen Passat 90ps TDI, der sicher kein leichtes Auto ist, fahre ich derzeit mit 5,7l Verbrauch, und das bei ca. 90% Stadtverkehr derzeit, und zwar ohne als Verkehrshindernis durchzugehen.

    Um es mit den Worten schlauerer Menschen als ich es selbst bin zu sagen : Herr, lass Hirn vom Himmel regnen.

    • Sandmann says:

      Ay Daemonarch,

      dass Hirn vom Himmel regnet – die Hoffnung habe ich aufgegeben. Ich weiß nicht, warum auf den Straßen das los ist, was los ist. Und warum es immer aggressiver wird. Ob die Gesellschaft sich verändert oder ich einfach nur langsamer werde. Ich weiß es nicht.
      Und ich bin inzwischen dazu übergegangen, es auch nicht mehr wissen zu wollen. Ich mach Platz und versuche, niemandem im Weg zu stehen 🙂

      Dass zum Beispiel ach S-Klassen mit extrem sparsamen Dieseln ausgestattet werden finde ich übrigens echt gut. Warum nicht den Komfort eines großen Autos genießen, und dabei trotzdem nur 6 Liter verbrauchen? Rasen – machen die Fahrer. Da können ja die Diesel nix dafür. Scheiße sind immer nur die Typen hinter dem Steuer….

      Die 5,7 Liter Verbrauch, die ich beim Rudolf TDI auch hatte, vermisse ich ein kleines bisschen. Aber ich habe mich mit meinem „Hobby“ tanken angefreundet. Unter 10 Litern Super sind für mich beim Taunus okay, dafür brauche ich nicht mehr wöchentlich den Therapeuten. Da spart viel Geld 😀

      Also. Lass uns chillen und einen entspannten Weg durchs Leben gehen. Schönen Sonntag, heute kommt der Tatort aus Kiel 😉

      Sandmann

  15. LarsDithmarschen says:

    Hey Sandmann,

    ich bin ja ein bisschen neidisch ;-).

    Mit einem Taunus Coupe (Der passt übrigens echt gut zu dir, noch besser als der XM) zu pendeln hat schon was! Ich habe ja einen alten, roten und leicht rostigen Golf Kombi. Der fährt mich zuverlässig die 250 km jeden Tag. Je nach Tageszeit mal flotter und mal langsamer. Habe ich zu Berufsverkehrzeiten Schluss, fahr ich flotter, weil ich wohl genervt bin, kann ich zu einer schönen Zeit nach Hause, fahr ich ruhig mit 120 auf der Bahn. Mein „Gegenpart zum Pendelstress“ steht dann meistens schon zu Hause bereit. Dann setz ich mich in meinen „Sonntagskombi“, Elsa oder das Cabrio und fahre irgendwo an Stückchen ruhige Nordseeküste und geh spazieren. Egal, bei welchem Wetter. Und dann ist wieder gut.

    Aber diesen (oder nächsten) Sommer werde ich es mal machen. Mit dem Oldtimer in den Urlaub. Mal sehen, ob ich das Cabrio oder Elsa nehme. Und wo ich hinfahre. Skandinavien würde mich reizen… Italien auch. Mal sehen.

    Schöne Grüße
    Lars

    • Sandmann says:

      Ay Lars,

      hey – mit dem Cabrio in den Süden, mit Elsa nach Skandinavien 🙂 Ist doch beides toll.

      Wenn ich jeden Tag zwischen Kiel und Hamburg pendeln müsste, würde ich wohl nicht den Taunus nehmen. Das wäre dann auch viel zu teuer. Bei mir sind es nur drei oder vier Mal pro Woche.

      An diesem Wochenende wollten wir eigentlich alle mit dem Knud nach Kiel, haben aber aus Bequemlichkeit den Mercedes genommen… Da momentan draußen die Fische am Fenster vorbeischwimmen bin ich sehr froh ob dieser Entscheidung 😉 Allein heute ne kurze Tour nach Flensburg war doch im Daimler etwas angenehmer. So eine uralte Karre hat ja auch ihre Nachteile, zumal hinten keine Gurte sind und mein viertelfinnisches Sandmädchen dann bei mir vorn sitzen muss. Und mein Fräulein Altona entsprechend hinten 😀 Na ja.

      Komm gut in die Woche morgen
      Sandmann

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