Auf den Spuren der Traumwagen Teil 4

Ein paar 1000 Kilometer auf Fotosafari

Der Sonnenuntergang der Liebenden

Der Sonnenuntergang der Liebenden

Langsam, ganz langsam neigt sich meine kleine 3000 Kilometer-Tour dem Ende entgegen. Aber wirklich nur ganz langsam, denn heute ist ein besonderer Tag für mich: Ich besuche die Katze, um ihren Alltags-Youngtimer Audi V8 Quattro als Leserauto für die Ausgabe 06/2012 zu fotografieren. Jawohl. Und das bedeutet: Raus aus dem Allgäu und rein in die Innenstadt des schönen Münchens, bavarische Metropole an der Isar, Zuhause der echten Schickeria und der Spider Murphy Gang. Ob Rosi noch immer unter 32-16-8 zu erreichen ist? München wird Kulisse für die Erfüllung eines fotografischen Traums sein. Folgen Sie mir zu einem verkannten Technologieträger aus den späten 80ern.

Fangen wir vorne an 🙂 Vorne, das ist heute das liebevoll bereitete Frühstück im Landgasthof Post in Röthenbach/Allgäu, was mir als einzigem Gast gereicht wird.

SO sieht ein Frühstück aus!

SO sieht ein Frühstück aus!

Vergessen ist das Plastikzeug im Etap in Mannheim, hier holt die Chefin noch selbst die Wurst aus dem Kühlschrank. Mein mit Hundeblick vorgetragener Wunsch nach einer ausreichenden Menge Kaffee wird prompt mit einer kompletten, frisch gebrühten Kanne belohnt. Klasse. So soll es sein, so tanke ich Energie für den neuen Tag! Klar, dass nicht ein Tropfen übrig bleibt. Und nach einer Rechnung, bei der ich noch mehrmals nachfrage, ob nicht im Gesamtpreis vielleicht mehrere Posten fehlen, glaube ich wieder an preiswertes Wohnen. Im Allgäu ist die Welt noch in Ordnung. Ich kann satt und voller guter Gedanken aufbrechen.

Der Wanderer vor dem Nebelmeer

Der Wanderer vor dem Nebelmeer

Und wieder einmal eine sehenswerte Kulisse entlang der Straße, bei der man sich zurecht fragen kann, warum der Typ eigentlich ständig im Bild steht. In diesem Fall steckt allerdings eine Menge unterhaltsame Arbeit und Fleiß im Motiv, denn was Ihnen als Hintergrundinformationen fehlt: Die Kamera liegt auf einem weichen Laubhaufen auf der gegenüberliegenden Böschung, der Selbstauslöser läuft nur kurze 10 Sekunden, die Straße vor meinem Auto ist sehr stark befahren und mein Ziel ist das Dach des Passat… Nur soviel – es gab mehrere Versuche 🙂 Aber das ist eine andere Geschichte. Rudolf und ich erreichen München und stürzen uns gemeinsam mit der Katze auf ein Villenviertel, um ihr Alltagsauto stilsicher zu fotografieren.

Dezente Ansage

Dezente Ansage

Nun ist ein Audi V8 vielleicht einigen Kennern oder den Lesern meiner etwas älteren Geschichten im Gedächtnis. Das war’s dann auch schon. Die meisten denken, man meint den A8, wenn man von ihm spricht. Nein. Und wenn sie ihn sehen fragen sie nach, ob das denn ein Audi 200 sei? Auch nein. Der V8 ist eine eigenständige Konstruktion und sozusagen der Vorgänger vom A8. Audis Tor zur Oberklasse, ein Technologieträger erster Sahne in einer Zeit, als Audi noch den Ruf der biederen Lehrerautos hatte. 1988 kam ein V8 mit 3,6 Liter Vollalumotor und später auch dem 4,2 Liter V8 mit 280PS und 400NM Drehmoment noch aus einer anderen Zukunft. Das zeigte sich auch im Preis. Mein eigener hatte 1993 sagenhafte 137.000 D-Mark gekostet. Dafür gab es mehr als eine S-Klasse oder auch ein kleines Einfamilienhaus.

Jaaaaaa..... das tut weh...

Jaaaaaa..... das tut weh...

Und auch wenn ein blubbernder Quattro mit dieser Leistung bei einem Verbrauch von rund 15 Litern Super als relativ sparsam zu bezeichnen ist – bei den aktuellen Benzinpreisen tut das trotzdem richtig weh. Die Katze schickt den Boliden schnell nochmal durch die Waschanlage und tankt noch ein bisschen nach, weil wir im Anschluss an die Exkursion in die münchner Villensiedlung noch weiter wollen. Im Abendsonnenschein warten wir fotografierend und rauchend auf Christian, den Kater, der hier demnächst mit seinem eigenen V8 auflaufen wird. Schließlich wollen wir auf der Autobahn noch Fahrfotos machen 🙂 Aber zunächst lädt der Kofferraum zu einem kleinen Päuschen ein.

Kombi? - Braucht man nicht.

Kombi? - Braucht man nicht.

Herrlich. Meinen eigenen V8 habe ich im vergangenen Sommer nach 10 Jahren und 520.000 Kilometern in liebevolle Hände gegeben. Es ist schon ein wenig seltsam, jetzt wieder in einem zu fahren, zudem noch in so einem wunderschönen und tadellos gepflegten. Die Außenfarbe Ragusa (das müssen Sie sich wie ein metallic-Jägergrün in dunkel vorstellen) harmoniert perfekt mit der nach heutigem Geschmack als pornös zu bezeichnenden Voll-Lederausstattung in Travertin (das wiederum ist so ein Mix aus Weißbrot und Erdnuss). Bentley kann das nicht besser. Ah. Da ist ja auch Christian, der Gute! Dann kann es ja losgehen, die Katze hat da noch ein paar Foto-Rechnungen offen…

Raus aus der Stadt

Raus aus der Stadt

Mindestens so lange, wie ich nicht mehr mit Christian gequatscht habe bin ich hinter dem höchst attraktiven Hintern eines Audi V8 hergefahren. Irgendwie schon ein sexy Auto, breitbeinig aber mit perfektem Understatement. Voll von brutaler Kraft, technisch ausgereiftem Fahrkomfort und sportlichem Luxus. Ich gerate ins Schwärmen. Wir babbeln über unsere Jobs, unsere Autos und die allgemeine Schönheit des Lebens. Was Jungs eben so sprechen. Unterwegs sperren wir die Autobahn kurz mal komplett und machen Vorbeifahrfotos, Überholfotos und Verfolgungsfotos. Endlich. Das kommt gut. Und nach ein paar Kapriolen durch münchener Kleingartenkolonien („Christian, ich glaube wir hätten da vorn abbiegen müssen, ich bin falsch gefahren…..„) kommen wir an einer Wiese an, gesäumt von Hochspannungsmasten und beleuchtet von einer untergehenden Märzsonne.

Eine wunderbare Kulisse

Eine wunderbare Kulisse

Die Katze hat schon lange den Traum, mal ihr Auto am Bildrand zu wissen, während sie mit ihrem Kater Hand in Hand in den Sonnenuntergang spaziert. Diesen Traum kann ich ihr heute erfüllen, mein kleiner persönlicher Regie-Kniff wäre dann aber noch das Einbeziehen jener Hochspannungsmasten…. Ich mag die ja, sie verkörpern für mich eine antiquierte Technologie, filigrane Mengen von kantigem Stahl und die Übertragung sagenhafter Energien. Irgendwie faszinierend. Doch bevor wir wie Lucky Luke den Grashalm in den Mundwinkel stecken und „I’m a poor lonesome Cowboy„-singend der Abendsonne entgegendriften kommt noch ein weiterer emotionaler Moment – das sagenumwobene Kiss-My-Ass Bild. Katze hatte es damals im Audi-Forum als Avatar, seit dem ist eine Menge Zeit vergangen…. und wir holen es noch einmal aktualisiert nach 🙂

Kiss my Ass - Meg

Kiss my Ass - Meg

Und ich muss dann auch noch. Wollen Sie abstimmen?

Kiss my Ass - Sandmann

Kiss my Ass - Sandmann

Votings sind ja in diesen Tagen sehr angesagt. Hier haben wir auch noch ein Making-Of-Christians-Foto, ich werde das Gefühl nicht los, dass der gute Mann die Aktion nicht so ernst nimmt wie wir.

Kiss my Ass - Christian

Kiss my Ass - Christian

Alles im Kasten? Noch nicht ganz. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne wabern noch über die Kronen der Bäume am Horizont. Die Flächen um München herum sind ja irgendwie schon echt flach, ich verdränge das immer. Gerade war ich noch mitten im Land der drei Ohren und blickte auf die Alpen oder irgend etwas anderes Schneebedecktes, jetzt könnte diese Szene hier genau so gut in Dithmarschen spielen. Verrücktes Deutschland. Wir bauen uns noch einmal als Team vor Katze’s Auto auf, diesmal mit einer etwas besser beherrschbaren Einflugschneise für den Menschen, der den Auslöser drückt und sich dann auf den Weg machen muss. In aller Regel bin das auf dieser Reise ich selbst. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Sommer, die warmen Abende und Grillereien im Grünen.

Ehemalige und aktuelle V8-Fahrer

Ehemalige und aktuelle V8-Fahrer

Grillen? So langsam freue ich mich auch schon auf das Abendessen beim Lieblingsitaliener der beiden. Für den danach stattfindenden Abendverlauf habe ich das liebe Angebot, auf der Privat-Couch ein Nachtlager zu errichten, dankend angenommen. Nach den Hotelbetten ist es wieder einmal eine schöne Sache, eine Nacht auf der gleichen Couch zu verbringen, auf der ich in meinem eigenen Häuschen in Kiel fast zwei Jahre geschlafen habe. Aber…. auch das ist eine andere Geschichte. Jetzt und hier haben wir ein paar Hochspannungsmasten, einen Audi V8, einen gegenlichtigen Sonnenuntergang und zwei, die sich lieben. Mein Lieblingsbild aus dieser Serie. Hier werde ich Zeuge von einer sehr angenehmen Portion Alltag, in der zwei wahnsinnig unvernünftige Autos und zwei liebe Menschen eine große Rolle spielen. Träume wagen. Die beiden haben es getan, und sie sind wahrhaftig glücklich und zufrieden…

SO kann der Abend gern enden.

SO kann der Abend gern enden.

Morgen geht es wieder in Richtung Norden, Roadmovie die Letzte. Mit einem kleinen Besuch bei Daniel Langkau in Essen, ich habe noch nicht genug Fotos gemacht! Den heutigen Ausflug ins kulinarische Italien, das Weinchen im Wohnzimmer und Sandmanns kurze Nacht auf der Couch überlasse ich Ihrer Fantasie 🙂 Gute Nacht Blog. Unter 32-16-8 meldet sich keine Rosi. So viel habe ich heute gelernt. Wir lesen uns auf dem Rückweg…

Sandmann

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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2 Responses to Auf den Spuren der Traumwagen Teil 4

  1. calimero sagt:

    Ui.
    Die Katze, die habe ich ja lange nicht mehr bebildert gesehen.
    Schöne Frau, schönes Auto, offensichtlich ganz cooler Freund, wunderschöne Abendsonne und ein Sandmann, der alles unter einen Hut kriegt.
    Ich hoffe, euer Abend beim Italiener war noch mindestens genau so gut und schade, daß es keine Bilder vom Schlafsofa gibt. Die Tradition der fotografierten Schlafstätten fand ich ganz niedlich 🙂
    Abel

    • Sandmann sagt:

      Ay Calimero…

      … nun… es gibt durchaus ein Bild vom Schlafsofa, du scheinst dich nicht bei Facebook rumzutreiben 😀

      Der Abend beim Italiener war großartig, die Pizza so wie sie sein soll. Nur die Katze hat irgendwas gegessen, was angeblich (und dieser Meinung ist man bis in die Schweiz) sehr lecker war, für mich aber nach dünnem Fleisch mit fischiger Sahne drauf aussah. Aber jeder wie er oder sie möchte 🙂

      Pizza. Ich könnte jeeeeeden Tag Pizza essen…

      Sandmann

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