Das Gold des Nordens

Wie jetzt, so früh im Jahr? Mai? Nanu?

KaSi wartet geduldig

KaSi wartet geduldig

Vielleicht sind Sie ja auch kein Freund von historischen Rallyes. Das würde mich nicht sonderlich wundern, schließlich war ich selbst die letzten zwei Jahrzehnte immer reichlich genervt von bemühten Berichterstattungen in einschlägigen Motormagazinen. Seitenweise Bilder von der Mille Miglia oder ähnlichen, sich jährlich wiederholenden Veranstaltungen. Reiche Menschen, Prominente und Sponsoren bewegen mal wieder ein paar Kilometer ihr teures Blech, fernab vom normalen Publikumsverkehr, und die Bilder von Start und Ziel und den Kurven dazwischen sind komplett austauschbar. Jedes Jahr die gleichen Szenen. GÄHN. Sie wollen was anderes? Sie wollen sich mal auf altes, selbst rollendes Blech zum Anfassen einlassen? Und auf die Jungs, die darüber berichten? Mit Haut und Haaren? Dann folgen Sie mir in die etwas andere Berichterstattung der momentan erfolgreichsten Rallye im Norden: Die vierte Hamburg-Berlin-Klassik. Und wir fahren die in meinem 40 Jahre alten goldenen VW K70 😀

Dass es dieses Jahr so früh ist hat einen konkreten Grund…

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Aber den verrate ich erst später. Zunächst will das „offizielle“ Pressebegleitfahrzeug betankt werden. Und das, nachdem ich an den vergangenen Tagen auf einiges Unverständnis gestoßen bin. Warum wir denn mit so einem alten Auto fahren würden, fragte man mich. Na ja, das liegt auf der Hand, schließlich ist es eine Rallye für alte Autos.

Dass nun mein guter alter KaSi, aufmerksame Leser kennen ihn ja, mitfahren darf – das verdankt er dem dicken Benz meines Bei- und Mitfahrers Lars Busemann. Eigentlich sollte der alte Sternenträger längst in einem frischen Magnetit-Blau erstrahlen, ist aber nicht rechtzeitig fertig geworden. Also? Habe ich geschwind Kurzzeitkennzeichen besorgt, ein Kasettenradio eingebaut – und ab dafür. Durchrostungen an den Schwellern und im Fußraum, alte (SEHR alte) Reifen, nicht ganz sauber schließende Türen… aber ein unzerstörbares Herz aus Gold. Der 1,6 Liter Motor aus dem NSU 1200 mit rasanten 75PS, fünfach gelagerter Kurbelwelle und oben liegender Nockenwelle mit Kettentrieb war seinerzeit ein teurer Flitzer. Heute sorgt er eher wegen seiner Farbe für „Aaahs“ und „Ooohs“ 🙂

Der frühe Vogel… kann mich mal! Trotzdem lockt ein fast schon als frivol zu bezeichnender Sonnenschein über dem Hamburger Fischmarkt zahlreiche Zuschauer auf den Platz vor der Fischauktionshalle, wo später die erste Ausfahrt, der „Prolog„, starten wird. Die einzige Vorgabe zu dieser Rallye: Ihr Auto muss mindestens 20 Jahre alt sein. Und so sieht auch das Starterfeld aus! Vom bullernden Hispano Suiza von 1921 bis zum kantigen BMW Z1 Roadster von 1989 (ich finde den fuuuurchtbar!) sind ganze automobile Epochen hier versammelt. Einige kennen wir, andere sehen wir zum ersten mal! Und genau das macht diese Rallye so bunt, vom Millionär mit wattestäbchengepflegter, rollender Wertanlage bis zum Studenten im leicht angerosteten Alltags-Youngtimer sind alle dabei!

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Und auch der allererste von allen! Die Mutter aller Autos. Der Benz Patent-Motorwagen, im Original 125 Jahre alt, und er fährt sogar! Stinkend und pöppelnd schiebt er sich durch die begeisterten Menschen an meinem goldenen KaSi vorbei. Geschichte zum Anfassen. Menschenskind, mit DEM hat alles angefangen! Ich ziehe meinen Hut in Ehrfurcht.

Zeit macht nur vor dem Teufel halt. Der Ruf des Fahrzeugs mit der originalsten und originellsten Patina hängt unserem Pressemobil nicht ganz allein an. Es soll auch NOCH verrücktere Menschen geben als mich, die ihre italienische Sonderserie aus den 60ern so gelassen haben, wie sie irgendwann mal aus irgendeiner Scheune aufgetaucht ist. Bizzarrini 5300 GT Strada von 1968. Aber der dicke Chevy-V8-Motor bullert wie am Tag seiner Geburt. Was soll da eine neue Lackierung und die Investition von 50.000 Euro? Mehr als fahren kannst du ihn dann immer noch nicht, aber jeder Parkplatzrempler kommt von da an einem wirtschaftlichen Totalschaden gleich. Hm. Dann lieber so, ich mag diese Jungs!

Und alle sind sie dabei, polieren Nummernschilder oder Kühlerfiguren, drehen noch ein bisschen am Standgas herum, schauen nach dem Öl oder flanieren einfach zwischen all den anderen Autos und Menschen hin und her.

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Oder sitzen mal Probe, tief unten, fast auf dem Asphalt. Die Welt von unten, und der Motor singt dazu sein Lied. Oder schlafen einfach noch ein bisschen, so wie hier der Gewinner aus dem Vorjahr in seiner Ente 🙂

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Bevor Dr. Busemann und Sandmann als persönlich eingespieltes, berichterstattendes Dreamteam mit ihren Kameras im Feld mitschwimmen und den Hamburger Hafen unsicher machen wollen / sollen aber noch ein paar Promis betüdelt werden.

Meine persönlichen All-Time-Favorites sind ja Till Demtröder und Eve Scheer, heute mal in einem leuchtorangenen Ur-Golf unterwegs. Wie. Die kennen Sie nicht? Till Demtröder wirkte lange Jahre in so spektakulären Vorabend-Highlights wie „Gegen den Wind“, „Unser Charly“, „Hallo Robby“ oder „Der Bergdoktor“ mit. Außerdem kennt man ihn vom „Großstadtrevier“. Nu? Immer noch nicht? Ach so, Sie gucken sowas nicht? Hm. Dann kennen Sie Eve auch nicht, die ist nämlich bei „Unter uns“ mitgeschwommen und später allerdings auch als Rennfahrerin im Alfa-147-Cup und dem 24-Stunden-Rennen am Nürburgring zu Ruhm gekommen. Sweet. Aber nun mal Ironie beiseite, ich kenne die beiden nicht, aber ich mag die beiden – und ich mag ihr Auto 🙂

Da sind wir beide ja gut behütet“ sagt der Mann mit dem… nun… markanten Gesicht. Der mit dem Hut, gefühlt schon länger als Heesters im Show-Biz, hat sein Zimmerchen im Hamburger Atlantic Hotel verlassen und sich in den gleichen roten Speedster gequetscht, in dem letztes Jahr Sky Dumont saß.

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Viele Fotografen. Viele Kameramänner. Und alle rufen UUUUUDOOOOOOO!!!!! Mannmann. Und Humor hat er auch noch, der Udo. Unterschreibt diverse Autogrammkarten mit „Udo Jürgens“ 😀 Mal sehen, wann die das merken…

Uff. Gleich geht’s los. Zwei Jungs sitzen bei leckeren Hamburgern in Hamburg am Dunlop-Stand (sind die vielleicht aus Gummi…?) und denken ein bisschen zu wenig über ihre Frühstückskultur nach. Und über die drei Tage, die vor ihnen liegen. Wenn der KaSi irgendwo liegen bleiben sollte, wird in riesengroßen Lettern „SIEHSTE“ auf dem Axel Springer Haus stehen. Das will ich eigentlich nicht, aber ich vertraue meinem goldenen Therapie-Mobil. Und ich freue mich auf die Tour mit Lars. Das wird ziemlich anstrengend, und wir werden nicht viel Schlaf bekommen. Aber mit wem, wenn nicht mit ihm? Auch wenn ich damit schon ein bisschen vorgreife: Die offizielle Live-Berichterstattung für den Tag 1 finden Sie HIER. Und den Rest der Geschichte nebst Bildern, die vielleicht nicht immer ganz so offiziell sind, finden Sie heute und an den kommenden Tagen hier auf dieser Seite.

Rallye mal anders. Wir lesen uns 😉

Sandmann

HIER geht es weiter!

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

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6 Responses to Das Gold des Nordens

  1. CTHH says:

    Hallo,

    Ich würde gerne ma wissen, wie man hier sein Profil/Account löschen kann? Kann man das selbst machen? Ich glaube ich bin hier völlig falsch.

    Grüße,
    C

    • Sandmann says:

      Bester CTHH,

      kein Problem, hab ich grad gemacht…
      Obwohl – schade, ich hätte gern erfahren, warum du hier falsch bist. Aber gut. Nun kannst du es mir nicht mehr sagen.
      Alles Gute auf anderen Seiten. Schön trotzdem, dass du mal da warst 🙂

      Sandmann

  2. calimero says:

    Hey ihr Autofahrer,
    da sind sie ja endlich, die inoffiziellen Berichte 😉 Das bedeutet gute Bilder und prima Geschichten übers Wochenende! Run, Kasi, run!
    Abel

    • Sandmann says:

      Hihi…
      … gemach, Calimero, gemach. Ich komme bei dem guten Wetter nicht dazu, alle Berichte nacheinander zu schreiben. Gut Ding will Weile haben 🙂

      Sandmann

  3. Markus1975 says:

    Hey Jens

    Ein marsroter Golf 1 mit der 75 PS Maschine? So einen hatte ich auch einmal. 🙂
    Nein ernsthaft jetzt. Nur die Felgen waren anders. Aber die Felgen waren dann bei meinem 2er drauf. Sind schöne Teile und leicht zu pflegen. 😉
    Und die Sache mit diesem etwas „ungepflegten“ Oldtimer ist…pikant. Einige würden stöhnen, andere und dazu zähle auch ich findet es gar nicht sooo schlecht. Der Wagen sieht ja nicht völlig zerranzt aus und hat dadurch in meinen Augen durch die Beulen ein wenig Flair mehr.

    V8 mäßige Grüße

    Markus

    • Sandmann says:

      Ay Markus,

      so sehe ich das auch. Jeder Kratzer, jede kleine Beule erzählen eine Geschichte. Und der matte Lack singt eine 40 Jahre alte Ballade. Ich selbst schminke mich ja auch nicht… Aber die Schweller müssen wir schon mal schweißen, und neue Reifen braucht er auch. Aber sonst… kann eigentlich alles so bleiben, wie es ist 🙂

      Sandmann

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