Die Schrottplätze sterben… oder?

Ay liebe Blog-Gemeinde,

Ein Granada in gutem Zustand

Ein Granada in gutem Zustand

auf meinem morgendlichen Bordercollie-Auswringen bin ich heute an einem zugewachsenen Auspuff vorbeigekommen, an dem noch ein Chassis und eine alte Blechhaut hingen… stumme Zeugen des Schrottplatzes, der hier am Waldrand bis in die 80er Jahre war. Meine seriell-männlichen einfach gestrickten Gedanken schweifen seit dem um jene Kultstätten, auf denen ich mich vor noch gar nicht allzu langer Zeit rumgetrieben habe, weil Neuteile einfach nicht bezahlbar waren. Die Schatzkammer der alten Autos lag seinerzeit in Dänemark, heute liest man vereinzelt von Italien oder Frankreich… Und was ist in Deutschland? Gibt es nur noch zertifizierte, mit Öko-Ölabscheidern untermauerte und mit Stacheldraht umzäunte Autoverwertungen? Oder Schlachter wie die Ludolfs? Haufenprinzip auf Beton? Etwas ist anders. Oder kann ich plötzlich die Neuteile bezahlen???

Mit dem Knursen zu Ole Olsen

Mit dem Knursen zu Ole Olsen

Was ist denn notwendig für eine Tour über die Schrottplätze? Natürlich zunächst Zeit. Seit die 30 überschritten sind, ist die besonders knapp. Anschließend die Notwendigkeit an sich. Habe ich ein Auto, für das ich Teile an anderen Wracks finde? Nein, nicht mehr. Der Audi V8 landet nicht auf dem Schrott, sondern in guten Händen oder beim Schlachter. Anfang der 90er sind Örg, Carsten und ich aufgebrochen, weil wir rare Teile für unsere Taunen, Granaden und Saabs benötigten. Schon damals im Kieler Umland eher seltene Fahrzeuge, von daher boten auch die hiesigen vielen Schrottplätze wenig Material. Einer war in der Innenstadt Nähe Plaza, einer raus an der B76 nach Plön und einer Richtung Gettorf. In Dänemark wiederum prophezeite man und das Eldorado, billige Teile, alte Autos und alles in den seltenen schnörkellosen Grundausstattungen. Dänen sind sparsam, fahren ihre Autos 30 Jahre und brauchen keinen GXL. Also den Dachgepäckträger auf den örg’schen Taunus und ab über die Grenze!

Wahre Schätze

Wahre Schätze

Pas pa mig! Lange waren wir der festen Meinung, es handele sich hier um eine Aufforderung zum interaktiven Zärtlichsein mit der Tochter irgend einer Mutter, aber wir lernten dazu. Hier musste der Himmel der Schrauber sein. Irgendwo in Middelfart bei Ole Olsens Auto-Obhug lagern wahre Schätze, wir holen das Werkzeug raus und machen uns über fahrbereite Knudsen-Taunen, Granaden MK1 und Saabs her. Capris und alte Opels ignorierend nehmen wir mit, was unser knappes Kronen-Budget hergibt. Wann war ich das letzte mal auf einem Schrottplatz? Ich glaube, das war in Zeiten meines Citroen XM, also vor zwei Jahren. Ich brauchte einen mechanischen Schalter für den Aschenbecher… Die aufgezählten Autoverwerter sind bis auf einen nicht mehr da, und der weiß inzwischen, was er hortet und hat seine Preise entsprechend angehoben.

Und raus mit dem Federbein!

Und raus mit dem Federbein!

Heute fahren wir Autos, die nicht mehr auf Schrottplätzen zu finden sind. Sie gehen in den Osten oder nach Afrika. Tun sie doch.. oder? Oder habe ich einfach schon lange nicht mehr geguckt? Wo sind sie denn hin, die Autoverwertungen, wo man mit einem Werkzeugkasten auf den Hof geht, alles abschraubt was man benötigt und dann brav bezahlend wieder glücklich abzuckelt? Gibt es die noch? Sitzen junge Männer noch fluchend in verrosteten Radkästen, sprühen mit Caramba um sich und hebeln festgerostete Stehbolzen ab, um Federbeine auszubauen? Oder ist das alles vorbei, weil ebay den ganzen Schrott als billige nichts taugende Neuteile verscheuert? Geiz ist geil. Noch immer. Aber was kann man denn im Zeitalter der verzinkten Karossen noch brauchen? Eine Armlehne? Einen Tacho? Oder haben wir auf einmal Angst, uns etwa schmutzig zu machen?

Leichen im Gras

Leichen im Gras

Wie ist das denn bei Ihnen? Fahren Sie ein Auto, für das man noch gute Teile bei Ihrem Autoverwerter bekommt? Wo der farblich fast stimmige Kotflügel – selbst vom Wrack abgeschraubt – den Unfallschaden wieder richtet? Haben Sie denn eigentlich noch Schrottplätze in der Region, oder sterben diese langsam wirklich aus? Ich gestehe mir eine gewissen Schraubersucht ein, sei es mit Teilen vom Zubehör, von Audi oder von einem der vielen Ripper aus dem Forum. Der V8 bietet eine Menge Gründe und wenig Platz zum Schrauben, und er rostet nicht, was den Aufwand auf ein mechanischen Funktionieren beschränkt. Aber mir fehlt der Rost und der Dreck. Bin ich bescheuert? Habe ich mir deshalb einen K70 gekauft??? Der rostet, ist dreckig und einfach zu beschrauben… aber Teile gibt es weder auf dem Schrott noch im Zubehör noch bei einem Schlachter… Ja, ich bin bescheuert!

Ein Eldorado für Fordfans

Ein Eldorado für Fordfans

Die Dänen sind nicht unvernünftiger geworden und fahren jetzt Toyota Corolla oder Carina, Ford Focus und Opel Astra. In den Basisausstattungen. Die Zeiten der sterbenden Saurier ist vorbei. Vielleicht beantwortet eine neuerliche Reise zu Ole Olsen in Middelfart einige Fragen… Chef? Zahlst du das Benzin und den Campingplatz? 🙂 So, Hosen runter jetzt. Wann sind Sie das letzte mal im alten Sweat mit Bündchen, össeliger Jeans und mit der blauen Werkzeugkiste in der Hand zwischen aufgetürmten Wracks umhergeschlichen, mit dem gierigen „das-kann-alles-deins-sein“ Blick auf der Suche nach dem kleinen Schalter oder dem kaputt gegangenen Blinkerglas? Haben diese Plätze nicht einen ganz besonderen Charme? Hier riecht es nach Öl, Gummi, Metall und warmem Kunststoff. Und alles kann man kaufen. Shoppen für echte Männer. Wann? Denken Sie nach.

Ekel an der Kette

Ekel an der Kette

Längst darf der Pöbel nicht mehr zu den Autos, ist doch die Verletzungsgefahr erheblich. Alles ist schon ausgebaut, eingelagert und fein beschriftet mit nicht zu verhandelnden Preisen. Der Wert alter Autos steigt mit dem steigenden Wert des Metalls, aus dem sie gebaut wurden. Ersatzteile sind in der Wegwerf-Gesellschaft nicht mehr gerfagt. Vor meiner Tür stand damals für kleines Geld ein fetter neuwertiger A8, der noch für 10 Jahre gut ist. Aber keiner will ihn haben, lieber kaufen sich die Neubaugebiets-Besiedler einen schicken Jahres-Ka, einen als Jungwagen deklarierten Agila mit feschem Hubdach oder einen sparsamen Getz in rosa. Designer-Yuppies leben ihr cooles Leben gut gekleidet an der Möglichkeit vorbei, eine Motorhaube könne man auch öffnen. Dabei ist ein verölter, rappelnder Motor so GEIL.

Schrauben Sie mal wieder! Begutachten Sie Ihre alte Karre und tauschen Sie aus, was getauscht werden kann. Und sagen Sie mir bitte, wenn es noch Schrottplätze in Ihrer Nähe gibt. Ich hab da sowas läuten hören, dass der Sascha einen derartigen Artikel in Arbeit hat. Man darf gespannt sein! Nur weniges ist so zufriedenstellend wir ein Tag unter dem Auto mit einem funktionierenden Ergebnis. Männer müssen was schaffen. Hm. Muss ich allein wegen der Würstchen mal wieder nach Dänemark…?

Sandmann

P.S.: Einen gibt es noch…

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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10 Responses to Die Schrottplätze sterben… oder?

  1. Wob79 sagt:

    Hi Jens

    Ich melde mich mal wieder zu Wort.

    Schöne alte Fotos, die du immer wieder rausholst. Wobei die Betonung dieser Fotos eher auf alt liegt. Denn schön ist so was heute nicht mehr. Auf jeden Fall nicht im Auge einen Autoliebhabers.

    Erst neulich ist mir auf der Autobahn ein alter Ford Taunus ( Der Knudsen ? ) vor die Haube gekommen.

    Hab mich gleich in den Wagen verliebt. Was für eine Form , was für ein geiles Design. Dachte ich mir. Und irgendwie hat es in meinem Körper gekribbelt, als ich den sah. Zeitgeschichte Pur. 🙂

    So direkt kann ich mich an solche Schrottplätze bei uns hier nicht erinnern. Wobei es nicht weit von meiner alten Heimat (Hohenstein – Ernstthal) auch einen alten Teich gibt, den ‘‘Ziegelleiteich‘‘
    Da stand in den frühen 80ern auch ein alter Bus in der Gegend rum. Aber frag mich nicht was das für einer war. Auf jeden Fall weit aus den 60er Jahren.

    Was sind wir da immer rumgetollt. 🙂 Heute ist das absolut nichts mehr, was daran erinnern könnte.

    Also bis demnächst.

    Schöne Grüße, Rene

    • Sandmann sagt:

      Ay Rene,

      schade, dass von dem Bus nichts mehr übrig ist. Das wäre ja mal eine gute Geschichte, zurück zum Spielplatz der Kindheit 🙂 Auf sowas stehe ich ja, munkelt man. Hier nebenan ist ein Bombenkrater aus dem 2. Weltkrieg auf dem Acker, da liegt noch ein altes Auto drin. Der Örg hat da früher mal so lange gebuddelt, bis er beim Lenkrad angekommen war…
      Da wollen wir demnächst mal wieder hin…

      Der Ford Taunus ist DER amerikanische deutsche Mittelklassewagen schlechthin. Auch wenn ich damals keinen eigenen gehabt hätte, er würde mich dennoch begeistern.
      Und irgendwann, ja irgendwann… werde ich mal wieder einen haben.

      Sandmann

  2. Markus1975 sagt:

    Hey Jens

    So die RICHTIGEN Schrottplätze mit noch Ölduft um die Nase wirst Du hier bei uns wohl nicht mehr finden. Es ist schade, aber es sind Relikte aus einer vergangenen Zeit.
    Nehmen wir einmal als Beispiel Kisow. Dort waren damals noch die Motoren zum Selbstausbau vorhanden. Scheiben durfte man sich noch selber aus den Dichtungen schneiden. Und handeln war grundsätzlich erlaubt.
    Heute ist dies alles anders geworden. Ein Umweltbewußtsein hat die Nation gepackt, welches eigentlich in Sachen Auto zum großen Teil kein Bewußtsein hat (Abwrackpramie).
    Allerdings finde ich es beruhigend, daß es immer noch Schlachter/Schrauber gibt, die sich mit Öl einsauen, mit dem 13 Schlüssel ihren Kaffe umrühren und dem Kunden meistens fair zur Seite stehen. Solche Typen sterben hoffentlich nie aus.

    V8 mäßige Grüße

    Markus

    • Sandmann sagt:

      Ay Markus,

      Kiesow ist da mal ein gutes Stichwort. Sascha hat da ein paar Erlebnisse zusammengetragen, schrauben geht noch aber handeln tatsächlich nicht mehr 🙂 Wenn er sich mal irgendwann meldet, gebe ich den auch frei 😉

      Ich werde mal sehen, was aus meinem alten Schrottplatz bei Gettorf geworden ist. Der war eigentlich noch vom alten Schlag, auf der Wiese und unter den Bäumen… Aber ich war auch 10 Jahre nicht mehr da… 🙂

      Sandmann

  3. Touranus sagt:

    Hallo Jens,
    also in der Gegend, wo ich jetzt wohne gibt es gar keine Schrottplätze mehr.
    Der nächste ist in Adendorf, aber dort darfst Du auch nicht in die Nähe der Autos. Die Wracks sind auf engstem Raum übereinander gestapelt, und die Teile werden auf Bestellung entfernt. Wenn man es mal ganz eilig hat, kommt ein polnischer Aufpasser mit.

    Aber für einen 2007er Touran? Hab mal neulich aus Interesse geguckt…. „Nee, ham‘ wer nich. Solche Autos tun gleich ins Ausland gehen, nä!?“

    Für den Fox…. äh, was soll man für den Fox überhaupt suchen? 😉

    Nun ist ja noch ein Beetle dazu gekommen, mal sehen, ob wir dafür mal was brauchen werden. Ein 2,0L mit 140.000km braucht doch bestimmt mal was….
    Dann fahre ich aber auch mal nach Artlenburg. Der war früher immer meine erste Anlaufstelle. Mal sehen, ob man da noch rauf darf 😉

    Beim Lesen Deiner Zeilen, hab ich mir doch glatt gerade eingebildet, altes Auto und Öl gerochen zu haben… *umguck*

    Gruß
    Touranus

    • Sandmann sagt:

      Ay touranus,

      der Schrottplatz in Artlenburg… ist das der direkt vor dem Elbe-Seiten-Kanal??? Wenn man aus Lüneburg kommt, der mit dem halben Auto vorn vor?
      Da bin ich am Wochenende wieder dran vorbei gefahren und hätte fast angehalten…

      In Uelzen gibt es auch noch Firma Trumpf, glaube ich. Da habe ich noch Bilder, wie wir in zweiter Etage in einem Ford Taunus die Kotflügel abschrauben…

      Den Fox hast du noch immer??? *grusel*

      Sandmann

      • Touranus sagt:

        Moin Sandmann,

        jepp, genau DER Schrottplatz ist es.
        Ähm… der Fox…. joah, den habe ich leider immer noch. Aber er wird nicht mehr gefahren. Nun, das ist eine wirklich ganz andere Story, und die passt hier nicht hin… Das geht dann in Richtung „Trennung und was danach alles schief laufen kann“. Also definitiv ist hier nicht der richtige Platz dafür.

        Schrottplatz….Saschas Geschichte….Artlenburg…hm….der Beetle braucht bestimmt noch was! 😉

        Touranus

        • Sandmann sagt:

          Vielleicht sollte man mal eine Schrottplatz-Dreieck-Tour machen? Trumpf in Uelzen, dann über Artlenburg und der Abschluss bei Kiesow. Mit Kamera und Notizblock (und natürlich Werkzeug) 🙂 Das könnte doch sehr nett werden…

          Das Thema „Trennung und was danach schief laufen kann“ passt hier eigentlich recht gut hin, ich denke mal da können mehr Leser was zu sagen als zu den verschiedenen Autos 😉 Aber wollen wir mal kein Bauchladen werden, die Zeiten, wo ich mich im Autobildblog seelisch ausgezogen habe sind hoffentlich auch Geschichte…

          Da ich gerade ein Telefonat mit Berlin hinter mir habe, kann ich das lächelnd unterstreichen…

          Sandmann

  4. deichgraf63 sagt:

    Doch, hier in Heide gibt es noch Möller, der ist zwar eine „Apotheke“, aber man darf noch selbst über den Platz schlurfen, das Werkzeug in der Hand. Für den Golf III meines Vaters habe ich da eine Abdeckung gefunden, vor drei Jahren Metallklammer für das Luftfiltergehäuse meines damaligen Typ 89. Hier tapst man noch durch den Dreck, zwischen teilweise augeweideten Resten einstiger automobiler Herrlichkeiten. Groß ist die Auswahl nicht. Vor ein paar Jahren war ich in Hillgroven, dort standen hunderte von „Abwrackern“ herum, ich habe mir dort einen 90A Generator aus einem wunderschönen Audi 90 ausgebaut, 2,3E, Leder, toll in Schuß, aber ein Neuwagen und der Judaslohn vom Staat winkte wohl dem einstigen Eigentümer-

    Wenn man da so durch die Reihen schlendert, dann kommen einem doch so sentimentale Gedanken. Viele Jahre vorher, Vorfreude auf den Neuen, lange gespart oder abgezahlt, dann stand er da: Glänzend, Neuwagenduft. Der neue Fahrer oder die neue Fahrerin mit vor Aufregund schweißnassen händen, das erste Mal einsteigen, alles einsteigen und dann los. Dieses Gefühl, das einzig besondere Auto unter all den anderen zu haben. Was hat man erlebt: Arbeitswege, Urlaub, amouröse Eskapaden vielleicht, leider auch mal Unfälle, Pannen, Staus. So etwas schweißt zusammen, sollte man meinen, doch irgendwann kommt der Tag. Entweder haben sich die Bedürfnisse geändert, ein Neuer war attraktiver oder der Staat hat mal wieder auf Druck der Konzerne Strafsteuern beschlossen oder den Wagen aus den „Umwelt“zonen ausgesperrt, diesen alten Stinker. Man meint, die Menschen zeigen auf dich und deine alte Galeere. Bloß weg damit! Was zählt es, daß er dich treu durch Wind und Wetter getragen hat, deine Mißhandlungen ertragen hat, wenn du – aus welchen Gründen – auch immer schlecht gelaunt warst. Oder der Rost war stärker, der Hersteller hat die Teileversorgung eingestellt oder ist gar ganz vom Markt verschwunden. Bei Regen könnte man meinen, es tropfen tränen von den einstigen Kultobjekten, die hier dem Verfall preisgegeben sind oder einfach nur auf ihr Ende warten, das dunkel über sie kommt – knirsch – und die einstige Großinvestition ist zu einem Würfel Rohmaterial geworden, für neue wahr gewordene Träume auf Rädern.
    Wir oben angeführt, es sind die großen Konzerne, die hinter den angeblichen Umweltschutzdingen stehen, Autos dürfen nicht mehr geschlachtet werden, wenn sie aufgrund staatlicher Zwangsmaßnahmen nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können, Elektrogeräte darf man von Wertstoffhöfen nicht mehr mitnehmen, um sie zu reparieren. Wir sollen mit Geld, welches wir nicht haben, Dinge kaufen, die wir nicht brauchen, um Menschen zu imponieren, die uns im günstigsten Fall egal sind. Dafür stehen wir jeden Tag auf… leider nicht, um Teile für unsere Vehikel günstig zu beschaffen. Das geht auch kaum noch, selbst Autoradios sind heute so in die Fahrzeugtechnik integriert, daß die einstige Bastellleidenschaft von Nachwuchstunern in diesem Bereich nicht meh befriedigt werden kann. Heute sägt keiner mehr Löcher in Türverkleidungen und Heckablagen, kaum noch einer nimmt zuhause stundenlang Kassetten für das Autoradio von den neu gekauften Schallplatten auf. Es ist so vieles verlorengegangen, schöne, neue Welt…

    • Sandmann sagt:

      Ay Deichgraf,

      weise, ausführliche Worte von dir, die mir in weiten Teilen aus der Seele sprechen.
      Auch ich trauere diesen „alten“ Autozeiten nach und versuche ja, genau wie du, mit dem einen oder anderen alten Fahrzeug diese zu bewahren. Die Entschleunigung zu leben.

      Gleichwohl ich denke, dass auch mit neueren Fahrzeugen ähnliche Bindungen entstehen können. Vielleicht schließt man sein Laptop an die Diagnosestecker an, um Fehler zu finden oder man kopiert die Musik als mp3 auf einen Memorystick statt von der Platte auf eine Casette… aber ein treuer Begleiter im Alltag und bei allen schlimmen oder schönen Geschichten ist ein Auto auch heute noch. Ich glaube, auch ein Neuwagen kann seinem heutigen Besitzer genau so ans Herz wachsen wie unsere alten Kisten damals und heute uns.

      So gesehen ist natürlich viel verloren gegangen, aber es hat vielleicht einfach Platz gemacht für Neues. Und das muss nicht pauschal schlechter sein, es ist einfach anders. Und jedem von uns steht es frei, sich darauf einzulassen oder die Vergangenheit immer und immer wieder zu leben. Ich versuche beides. Eines Tages werde ich wohl mal einen VW Phaeton haben, viel günstiger kann man heute keine Luxusklasse bewegen. Aber ich bleibe meinem K70 treu, werde meinen Granada wieder auferstehen lassen – und das Taunus Coupé meiner automobilen Anfänge kommt auch irgendwann.
      Zu meinem Passat, dem treuen Lastesel, brauche ich definitiv eine Alternative 🙂

      Casettenaufnehmende Grüße

      Sandmann

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