Estate in Sicilia – so fühlt sich Sizilien bis Ferragosto an

Die eigentliche REISE in den sizilianischen Sommer gehört bei uns irgendwie zwingend zum Urlaub. Andere würden das modisch mit den Worten „Der Weg ist das Ziel“ beschreiben. Ohne diese anstrengende Überwindung von immerhin über 2.500 Kilometern wäre unser Urlaub unvollständig. Oder anders: unser Ziel verdienen wir uns hart durch die weite Fahrt. Wir erarbeiten es uns förmlich! In diesem Teil unserer Urlaubsgeschichte haben wir den ersten, kilometerfressenden Part bereits hinter uns – haben die für drei Wochen angemietete sizilianische Landscholle heil und unversehrt erreicht.

Ein alter Brauch: in der Nacht der Ankunft MUSS im Meer gebadet werden

Welch faule Ausrede: „Das Wasser ist zu kalt!“

Nachdem wir das Auto entladen haben, folgen wir der netten Einladung unserer lieben Freunde. Sie haben uns zu Ehren extra einen reichhaltigen Willkommensschmaus sizilianischer Küche hergerichtet. Wir speisen bei immer noch 28°C draußen, mittlerweile stehen Tausende von Sternen am Himmel. Gegen Mitternacht machen wir uns auf den Weg nach Lido Fiori, dem Strandbereich von Menfi. Während ich einem alten Familienbrauch folgend trotz nächtlicher Dunkelheit im warmen Meerwasser bade, fotografiert Stiefsohn Marcel die Milchstraße, die sich hier auffallend gut sichtbar präsentiert. Irgendwann gegen zwei Uhr fallen wir todmüde in unsere Betten.

Und wiedermal ist der Traum von Sizilien wahr geworden

Auf der Mauer, auf der Lauer …

 

Bertolino … weniger frequentierter Steinstrand

Das Wasser hat 31°C und ist kristallklar

Seltener Anblick: Wolken

Einsamer Strand

… ohne Worte – einfach nur schön

—————————-

Heimat für drei Wochen: das kleine, flache Häuschen in der Bildmitte.Im Hintergrund das Meer bis zum leicht dunstigen Horizont.

Bei der Fahrt durch die hügelige Landschaft zwischen den Weinreben, Oliven- und Mandarinen-, Apfelsinen-, Mandel-, und Feigenbäumen fällt mir in diesem Jahr schnell etwas sehr Erstaunliches auf: Sizilien arbeitet erfolgreich an seinem Müllproblem. Es sind keine wilden Ablageplätze mehr zu finden, die früher wahllos herumstehenden meist übervollen Container sind fort.

_________________________

___________

Ein ganz neues Müllgefühl – die Müllcontainer stehen nur noch in diesem Jahr an der Straße. Vor Jahren flog der Müll in einem Umkreis von mehr als 50 Metern herum.

Auf Nachfrage erfahre ich, dass die Bevölkerung sogar seit etwa einem Jahr ihren Müll trennen muß – das macht sie natürlich murrend und widerwillig (war das bei uns damals anders?). Man war damals auf Sizilien fassungslos, als wir mal von dieser Vorgehensweise in unserer Heimat berichteten. Trotzdem war eine italienische Entscheidung in diese Richtung längst überfällig – das schöne Sizilien (eigentlich ganz Italien) erstickte im Müll! Hoffentlich hält das neue Müllbewusstsein lange an. Die neue Sauberkeit fällt sehr angenehm auf!

——————————-

Neue Zeiten … nicht unbedingt schönere

Dieses neue Selbstbewußtsein hat aber auch seine anderen Seiten. Die Gegend verfügt über wirklich traumhafte Strände und kristallklares Wasser. Die Zahl der Menschen, die jeden Sommer ihren Urlaub hier verbringen, steigt daher kontinuierlich. Die freie Marktwirtschaft regelt natürlich auch hier das Angebot und die Nachfrage an Unterkünften, Parkplätzen und vielen anderen Sommerurlaubswirtschaftsgütern. In einigen Fällen wird aber sofort Geldgier spürbar: z.B. 3,-EUR für einen staubigen und kippeligen PKW-Parkplatz, der eigentlich sinnvoller mit Allrad zu befahren wäre. Statt dessen befiehlt mir ein braungebrannter, in eine riesige Staubwolke gehüllter, oberwichtiger Badelatschen-Salvatore per Trillerpfeifenstakkato und wilder Flugplatz-Follow-Me-Gestik, wo ich seiner Meinung nach auf diesem unwürdigen Naturacker die Triebwerke unseres Audi zum Stillstand zu bringen habe. SOWAS kann ich ja gut haben!!! Kurz entschlossen muss ich ihn leider mit den Auswirkungen meiner Ignoranz in der unerträglichen Hitze des Staubballs allein Amok trillern lassen und parke schließlich DA, wo es MIR passt – weit vorn, am Strand … das verlange ich wenigstens für 3,- EUR!

Inspektor Clouseau auf italienisch … und auf Abgreiftour

Es gibt (wir haben die für uns erreichbaren Möglichkeiten an einem Strandabschnitt von ca. 30 Kilometern extra abgesucht) jedenfalls keine einzige Stelle mehr, an der man sein Auto kostenlos abstellen kann. Als ich Menfi vor 23 Jahren „entdeckte“, kam man überall problem- und kostenlos mit dem Auto an den Strand. Damals hatte mir irgendein Sizilianer mal gesagt „Das Meer gehört allen …“ … na ja – die Zeiten haben sich wohl geändert.

————————-

Am 15. August ist Ferragosto, ein typischer italienischer Feiertag. Eigentlich fällt er zufällig mit dem katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt zusammen, geht aber auf feriae Augusti, dh. die Augustferien zurück. Es ist ein antiker Brauch nach der harten Arbeit auf dem Felde unter größter Hitze der vorhergehenden Monate. Traditionell nutzen die meisten Familien, wenn sie nicht sowieso im Urlaub sind, diesen Tag für einen Ausflug ans Meer. Am Abend vorher findet um Mitternacht ein Feuerwerk über dem Meer statt. Bis in den Morgen wird am Strand gegessen, getrunken, getanzt und natürlich gebadet – es herrscht eine sehr ausgelassene Stimmung. Einige Familien übernachten am Strand sogar in ihren Zelten. Auch wir und unsere Freunde waren Gäste dieser Feierlichkeit – saßen aber leider im Phonbereich eines einheimischen DJs … der weder Ahnung VON noch Talent FÜR sein Werk hatte. Musikauswahl und Lautstärke ließen uns nicht länger als bis 1.30 Uhr durchhalten.

Tanzgesellschaft am Strand

Ein ganzes Volk badet nachts!

Essen, Feiern, Trinken – aber keinen Alkohol … der ist hier nicht „in“

Wir sind mittendrin statt nur dabei

Italiener LIEBEN Feuerwerk!

Demnächst folgt Teil 3

Tagged , , , . Bookmark the permalink.

20 Responses to Estate in Sicilia – so fühlt sich Sizilien bis Ferragosto an

  1. bronx says:

    Jaaa, das ist Urlaub! Euch gings gut. Großartig.

    Wunderschöne Bilder El. Was mich nur sehr betrüblich stimmt, allerorten nachvollziehbar, ist das kostenpflichtige Parken. Egal ob L’Ospedale, Ajaccio oder sonst wo, nichts mehr. Gleiche Entwicklung. Nichts ist mehr ohne! Egal, Danke für Eure Impressionen, Was sich in Fünf Jahren so ändern kann.. Manno, echt schräg!

  2. Daemonarch says:

    Geiles Foto von dem Feuerwerk! Hatte ich schonmal gefragt, was für ne Kamera du nutzt?

    Ich seh‘ schon, ihr hattet spaß anne Backen, und das ist das wichtigste!

  3. El Gigante says:

    Hi Maik,

    ich hab‘ ne NIKON D40 – mit der bin ich sooo zufrieden, dass ich diese Marke seinerzeits auch dem Sandmann empfohlen habe – der hat sich dann auch ’ne NIKON gekauft … und ist damit auch wohl zufrieden.

    • Sandmann says:

      Der ist damit SEHR zufrieden, macht seitdem ALLE seine Bilder für die TRÄUME WAGEN (und das waren, ihr werdet es vielleicht auch mitverfolgt haben, schon so einige…) und die Blogs und will und braucht nix anderes mehr.
      Sehr feine Kamera. Vielleicht geht es noch besser, aber irgendwas ist ja immer und ich habe mehr Qualität, als ich jemals brauchen werde 🙂
      Danke für den Tipp nochmal, bester El.

      Sandmann

  4. Daemonarch says:

    Ich bin auch eine Nikon! 😉

  5. deichgraf63 says:

    Auch ich habe die gleiche Kamera, ein gutes Tei, mehr als 6MP braucht man wirklich nicht, wie man an den tollen Fotos sieht. Schön, wie Du die Kugel (ich meine den Audi A2) in Szene setzt. Ich habe mir mal einen Link im A2-Freunde-Forum erlaubt, dort wird man das Werk des Künstlers sicher zu würdigen wissen.

    Wie man sieht, ist der kleine Audi durchaus langstreckentauglich und das sogar mit der Familie; was will man denn mehr? Neurgierig wäre ich mal, wie sich der Verbrauch unter solche Bedingungen darstellt.

    • El Gigante says:

      Dies ist der Wagen meiner Frau … nahezu baugleich mit meinem, nur zwei Jahre jünger – und mit grüner Plakette (was dann auch der Grund für unsere Entscheidung für ihn als Urlaubsfahrzeug war … man weiß ja nie, welche bundesdeutsche Stadt auf der langen Reise auch an dem albernen Plaketten-Spektakel teilnimmt).

      Langstreckentauglich ist der A2 allemal. Für einen über 6.000 Kilometer-Ritt (Hin, zurück und mehr) mit vier Personen und Gerödel für drei Wochen, wird unsere Wahl beim nächsten Urlaub jedoch definitiv auf unsere „Neu“anschaffung, einen VW T3 „REDSTAR“, fallen. Speziell die Rückfahrt, bei der ich auf dem Beifahrersitz zusammengekauert versucht habe zu schlafen, hat mich zu dieser energischen Entscheidung getrieben – DAS war nämlich Folter! Ich musste spontan an alte Bulli-Zeiten denken … und hatte direkt danach das fette Grinsen im Gesicht: der T3 steht ja bereits zuhause und wartet auf seine Restauration!

      Der Verbrauch des A2 war, wie immer, sehr moderat. Trotz Jetbag und maximalem Gesamtgewicht begnügte er sich mit kaum 5 Litern Diesel. Allerdings wählten wir auch eine Reisegeschwindigkeit von mal gerade „nur“ 120 bis 130 km/h.

      Der T3 wird sich allerdings voraussichtlich diesem Trend anschließen können. Bei wesentlich komfortableren Raumverhältnissen (besonders für einen 2-Meter-5-Riesen wie mich) und eventuell etwas geringerer Reisegeschwindigkeit (wir wollen uns mit diesem Fahrzeug auch bewußt spürbar entschleunigen!) konsumiert er um die 6 Liter – ebenfalls Diesel … vielleicht auch Pflanzenöl.

      Wir werden sehen!

      • bronx says:

        Respekt, mein Bester. Das sind Verbräuche…sehr beachtlich.
        Ob du allerdings den BUS auf 6 Liter drücken kannst, darauf wäre ich wirklich gespannt. Das der A2 eine Spardose ist hat sich hier wieder einmal eindrucksvoll gezeigt. Kaum zu glauben dass das Auto im letzten Jahrtausend konzipiert wurde. Und ICH durfte deinen Fahren 😀 Dieses Ding hat mich jedenfalls nachhaltig beeindruckt!
        Gerade in momentanen Zeiten mit diesen abartigen Spritpreisen beschäftige ich zunehmend mit Alternativen zu Angelinas Sixer.
        Mein T4 braucht eine neue ZKD und steht momentan auch nicht zur Verfügung, bis ich die Repa machen kann, laufen jeden Tag der Senator 50 Km und der Omega 100. Der Sohnemann muss ja zur Schule und zum Training. Da tun 1,76 schon a bissel mehr weh.

        So denn, ich wünsch dir beim K 70 Einsatz am WE viel Erfolg.
        Wir sehen uns ja bald 😉

        Bronx

        • El Gigante says:

          6 Liter mit dem T3? Mein Vater hatte damals einen T3 mit genau dem gleichen Motor – und Verbräuche wie den Gewünschten.

          Also – warum nicht?

          Ich habe vor, eine PÖL-Anlage einzubauen (die habe ich schon in meinem A2, nutze sie da aber nicht). Sowohl die hiesigen Salatölpreise bei Aldi, Lidl & Co sowie die Pflanzenölpreise an speziellen Tankstellen. als auch die Preise dieser Flüssigkeiten in z.B. Italien liegen deutlich unter denen von Diesel oder Gasolio. Mit einem reichlich fassenden Zusatztank sollte diese Lösung zu einer günstigen Mobilität führen.

          Sonntag wir nass geschliffen … Fortschritt in der K70-Restauration seit über 10 Jahren ^^ … jiiippppppiiiihhhh!

          El

          • bronx says:

            Phantastisch! Wenn ihr kommt, will ich Bilder sehen!
            Was lange währt, wird gut! Habe mir gerad den Sonnen-Gelben nochmal angesehen, so wie ich ihn beim SWT fotografiert habe. Das KANN nur GUT werden. Ich freue mich für Dich und denke an die wundervolle Fahrt in Deinem blauen 07er im Mai. Schön!

            Bronx

          • El Gigante says:

            Ach übrigens: auch mit dem T4 (5-Zylinder Saugdiesel mit 78 PS) habe ich damals nur um die 6 Liter genippt! Ich erinnere mich, dass ich mehr als ein Mal nahezu 1.400 Kilometer mit einer Tankfüllung (um die 85 Liter) herausgelutscht habe 🙂

            • bronx says:

              DAS wiederum kann ich bestätigen! Mit zahmen Fuß gefahren… Hab ja den selben Motor 😉

              • Sandmann says:

                Ich bin sehr gespannt auf die Verbrauchswerte deines T3. Wir hatten ja lange Jahre einen mit 4-Zylinder 55PS Saugdiesel (der nach dem Turbo-Platzer), und den haben wir nie unter 8 Litern bekommen, trotz 5 Gängen. Aber der war vermutlich auch ein bisschen zu angestrengt in dem schweren Auto…
                Sandmann

  6. Sandmann says:

    Ay El,

    ich melde mich hier und da mal wieder aus der Versenkung zurück, weil ich mich wie Bolle freue, was hier auch ohne mich so abgeht. Die Bilder sind echt klasse und holen mich zum einen wieder ein bisschen in meinen eigenen Sizilien-Urlaub vor drei Jahren zurück, zum anderen wecken sie Vorfreude auf alles, was da noch kommen mag. Das ist zwar erstmal im Oktober „nur“ Skagen, die Dänische Nordspitze, aber Urlaub ist Urlaub. Und das dann auch wieder komplett offline, ich stelle gerade fest, dass ich nur dann auch wirklich entspannen kann.

    Ich freue mich auf den dritten Teil. Und irgendwann schreibe ich auch meine Frankreich-Blogs weiter 🙂

    Sandmann

    • El Gigante says:

      ehm … Tanz war 2010 auf dem Vulkan! Also vor zwei Jahren! Wenn du DAS schon durcheinander bringst, wird es Zeit, dass du mal wieder HIN fährst!

      Ich warne schon mal vor: weitere Teile meiner Urlaubsgeschichte 2012 lassen noch auf sich warten. Ich habe sooooo sehr den Ar… voll Arbeit, dass es sicherlich locker einen Monat dauern wird, bis ich die Geschichte in Ruhe weiterschreiben kann.

      K70, REDSTAR, Glasdach auf der Terrasse … all diese Sachen müssen erstmal in Zielposition gebracht werden. Ich habe Prioritäten gesetzt …

      Kennt Ihr das auch? Wenn man soooooviel vor hat, vergeht die Zeit immer wie im Fluge, oder? Bei DEM Schweinsgalopp ist wahrscheinlich MORGEN schon wieder Weihnachten und übermorgen Silvester.

      😉

      El

      • bronx says:

        Kennen wir 😉
        Sag mal, Glasdach auf Eurer Terrasse? Magst Euch das wirklich antun? Dann mach Dir mal Gedanken über etwas zum verschatten.
        Diesen Fehler hab ich nämlich selber durch. 😉

        • El Gigante says:

          Das ist grundsätzlich kein Thema mehr … wenn du dich erinnern magst: da sind jetzt Trapezplatten aus (mehr oder weniger) klarem PVC (oder so) drauf. Da das Zeug aber eine Halbwertzeit von nur wenigen Jahren hat, ersetzen wir es jetzt durch haltbareres Glas! 🙂

          Für ’ne Schattierung ist bereits gesorgt.

          • bronx says:

            El,

            jetzt wo du es schreibst, erinnere ich mich dunkel.
            Aber das Wetter an dem Tag war es auch. Hm,
            soviel Astra hatte ich doch gar nicht intus 😉
            Ich hatte in meiner ersten Hütte auch solche Platten als Terassen-Dach. Die waren mit Kammern versehen, insgesamt ca 50mm stark und hatten eine extrem glatte Oberfläche, da blieb nichts haften. Aber wehe, die Sonne ballerte drauf…
            Egal, sei’s drum.
            Mann, du kommst ja aus dem Werkeln kaum raus.
            Ganz wie hier bei mir 😀

            • El Gigante says:

              … echt ey … die tägliche Arbeit hindert mich voll an meinen Freizeitbeschäftigungen … verdammter Mist!

              Entweder ich brauche noch mehr und schon wieder Urlaub, oder ich sollte mir über frühzeitigen Ruhestand und Rente Gedanken machen 🙂

              Und das, wo wir Männer obendrein auch noch durchschnittlich früher sterben als Frauen ….. wuhhhaaaaaaaaa – lass mich durch, ich hab‘ keine Zeit mehr.

              🙂
              😉

              El

              • bronx says:

                El,

                bei dir wäre es wohl eher der (Un-)ruhestand 😉
                „Lassen Sie mich durch, ich bin Chirurg aus Brandenburg“…
                Ich spreche aus Erfahrung 😀

                Bronx

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ein bisschen Mathematik: *