Teil 3: Alles ist anders – alles wird anders! Bitteres Ende einer Ära
1992: Wir sind im „Internationalen Jahr des Weltraums“ in dem Bill Clinton zum 42. Präsidenten der USA gewählt wurde, das Großraumflugzeug Airbus A330 zu seinem Erstflug startete und der „Franz-Josef-Strauß-Flughafen München“ im Erdinger Moos in Betrieb genommen wurde. In Palermo starb der italienische Richter Paolo Borsellino, ein engagierter Kämpfer gegen die Mafia, bei der Explosion einer Autobombe, in Hamburg wurde die Hip-Hop-Gruppe „Fettes Brot“ gegründet. Im Londoner Wembley-Stadion fand das „Freddie Mercury Tribute Concert for Aids Awareness“ statt. Der veröffentlichte Bildband „SEX“ der Künstlerin Madonna löste einen beabsichtigten Skandal aus, was die Verkaufszahlen antrieb. Marlene Dietrich, deutsch-US-amerikanische Schauspielerin und Sängerin, starb am 6. Mai, auch vom deutschen Politiker und ehemaligen Bundespräsidenten Karl Carstens nahmen wir am 30. Mai Abschied. Am 8. Oktober nahm auch Alt-Bundeskanzler Willy Brandt seinen Hut, für immer.
Der VW Golf III war Auto des Jahres. Die italienische Automarke Alfa Romeo stellte ihre neue Modellreihe Typ 155, eine viertürige Mittelklasse-Limousine mit quer eingebauten Vierzylinder- Frontmotoren mit 129 PS und 144 PS – außerdem einer „fette“ Sechszylinder-Variante mit 165 PS vor. Der Scirocco von VW beendete nach über 290.000, beim Autobauer Karmann hergestellten, Exemplaren seine „Laufbahn“ – seit 2008 ist die dritte Generation des legendären Scirocco wieder auf der Straße zu sehen! Im Autojahr 1992 gab es immer mehr Verkehrsunfälle, in denen Alkohol eine Rolle gespielt hatte. Trotzdem wurden die Grenzwerte auch in den neuen Bundesländern (Ausnahme: Brandenburg) von 0,0 auf 0,8 angehoben. Kraftstoffpreise: Normal 68,7, Super 76,7 und Diesel 54,2… PFENNIGE!!!… umgerechnet also zwischen 38,3 (Super) und 27,1 (Diesel) EUROCENT… das waren noch Zeiten!
Um meinem Leben mit mittlerweile dreißig Jahren endlich mal ein stabiles Standing angedeihen zu lassen, absolvierte ich eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Die selbstständige Tätigkeit als Discjockey warf allerdings nebenbei so viel ab, dass ich mir einen lang ersehnten Wunsch erfüllen konnte. Ich wollte wenigstens ein Mal im Leben ein Auto ab Werk bestellen.
Es war KEIN Scherz, als wir am 1. April zur Abholung unseres Autos ins VW-Transporterwerk nach Hannover bestellt wurden. In der hell ausgeleuchteten Abholhalle erklärte uns ein netter VW-Mitarbeiter das bordeaux-perleffekt-farbene Auto und überprüfte zum letzten Mal alle möglichen Funktionen. Dann rollten wir auf den Hof und genossen die ersten Meter im jungen Leben unseres neuen Luxusliners. Dieser Caravelle GL war wirklich das Optimum für einen versierten Bus-Freak wie mich… und doch war vieles nicht nur neu, sondern vor Allem auch anders.
So wechselte bei diesem VW-Transporter-Modell bekanntlich der Motor vom Heck in den Bug. Hinten hatte er gefühlte tausend Jahre gelärmt. Gelärmt auch deswegen, weil er die meiste Zeit durch Luft gekühlt wurde, die aber leider natürlich nicht schalldämmend wirkte. Unser neues Fahrzeug wurde hingegen durch einen – selbstverständlich – wassergekühlten Reihenfünfzylinder angetrieben. Ein weiterer wichtiger Grund für die Entscheidung zum Kauf eines neuen Busses war der Verbrauch des Alten. Genehmigte sich der luftgekühlte 1600er Boxer im Vorgänger noch bis zu 14 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometer, versprachen die Prospekte für den 2,4 Liter Saugdiesel um die 7 Liter, ehedem günstigeren, Dieselkraftstoffs. Betrug die Höchstgeschwindigkeit beim T3 lediglich 110 km/h, so sollten mit dem T4 fast 150 km/h möglich sein.
Doch was sind Zahlen gegen optische, olfaktorische oder haptische Wahrnehmungen? Im Falle des neuen T4 hatte sich Volkswagen in den letzten Jahren um Einiges weiterentwickelt. Als man nämlich erkannte, dass insbesondere in absatzschwachen Zeiten das Nutzfahrzeugwerk in der niedersächsischen Landeshauptstadt die Konzernbilanz verlässlich über Wasser halten konnte, gab man sich dort besondere Mühe, die Qualität zu steigern und dadurch Kunden zu gewinnen.
Deshalb war unserem Caravelle nicht mehr anzusehen und anzufühlen, dass er ursprünglich mal als Nutzfahrzeug konzipiert war. Alles an unserem T4 war pkw-like und er fuhr sich auch so. Armlehnen links und rechts, grauer Velourteppich, gedämpfte Geräusche, handzahme Oberflächen, bequeme Sitze, reichlich Beinfreiheit und eine super Sicht auf allen sieben Plätzen – in einem teuren PKW wäre es kaum anders gewesen.
Nur die bestellte Klimaanlage war vom Werk damals noch nicht freigegeben. Ich ließ sie in einer Bremer Fachwerkstatt für 4.500,- DM nachrüsten. Ebenso baute ich noch zwei Sonnendächer ein und stellte den Bus auf schicke „King“-Alufelgen. Eigentlich hatten wir damals mit dem Transporter-Sondermodell “California” von Ausstatter Westfalia geliebäugelt. Mir gefiel daran nur dieses riesige Kunststoffklappdach und die ständig onboard befindliche Schrankeinrichtung überhaupt nicht. So etwas sollte optional ausstattbar sein und so baute ich es selbst. Zu Urlaubszeiten musste die hintere Sitzreihe zu Hause bleiben und wurde durch Staukisten und eine Küchenzeile ersetzt. Darin fanden eine zweite Batterie, ein Frischwasserkanister, sowie ein Waschbecken und jede Menge Essensvorräte Platz.
Für das Kunststoffklappdach fand ich einen sehr viel aufwändigeren Ersatz. Angeregt durch die gerade aufgekommene Mode der „Jetbags“, diesen aerodynamischen Zusatzkofferräumen für den Dachgepäckträger, entwickelte ich eine vom Innenraum durch das hintere, dazu natürlich ausgebaute, Sonnendach zugängliche wasserdichte Klapp-Wohn-Box aus Aluminium. Die mir unangenehmen Westfalia-Seiten in Zeltstoff bestanden
bei meiner Erfindung aus steckbaren Aluseitenteilen mit Schiebescheiben. Das Ganze ließ sich von innen aufklappen und beziehen. So entstand eine gemütliche Liegefläche von 1,20 x 2,00m – unsere „Kinderzimmer-Mansarde“. Es stellte sich sogar heraus, dass diese Konstruktion sich nicht mal negativ auf den Verbrauch des Fahrzeugs auswirkte. Zur Demontage fuhr ich übrigens einfach unter den Carport , löste die Dachträger vom Bus und
hievte den gesamten „Wohn-Koffer“ mit einem Flaschenzug auf den Spitzboden meiner Garage.
Drei Wochen, nachdem wir den Wagen vom Werk abgeholt hatten, erblickte mein Sohn Lukas das Licht dieser Welt. So erlebten wir Vier mit dem Caravelle GL in der von mir familientauglich gemachten Version sehr besondere, vor allem günstige Urlaube. Ob auf einem Campingplatz am Gardasee, oder an den Stränden Siziliens, auch bei K70-Treffen
in Ostfriesland, Schleswig-Holstein und Dänemark diente er uns als kostengünstige Herberge. Im Alltagsbetrieb zog er stets klaglos meinen Anhänger mit dem DJ-Equipment. Für unglaublich viele Menschen waren der weinrote T4 und ich eine unzertrennliche Einheit. „Bist du nicht Der mit dem roten Bus?“ war eine häufige Assoziation.
Doch eines Tages, mein Bus feierte seinen mittlerweile zwölften Geburtstag, zerriss abrupt das innige Band der Harmonie. Daran trug am wenigsten das an sich ja seelen- und willenlose Auto Schuld. Durch einen absoluten Zufall erfuhr ich nämlich, dass mein bordeauxfarbener Bus von der seit siebzehn Jahren mit mir verehelichten Mitbesitzerin quasi als “Love-Mobil” genutzt worden war. Diese unglaublich bittere Erkenntnis zog auch die lebensverändernde
Konsequenz nach sich, dass sich unsere Wege trennten. Im Zuge der üblichen Gütertrennung verzichtete ich trotzdem schweren Herzens auf das mobile Liebesnest. Aus finanziellen Gründen musste das Fahrzeug schließlich ein halbes Jahr später veräußert werden. Angeblich hat es im Nahen Osten, genauer im Libanon, eine hoffentlich friedvolle Heimat gefunden – ich gedenke seiner auch heute noch mit Tränen in den Augen. Mit diesem traurigen Finale
ging auch meine Ära als Bullityp zu Ende.
Etwa zur gleichen Zeit brachte Volkswagen die neue Transporter-Generation auf den Markt und natürlich habe ich einen dieser neuen Transporter zur Probe gefahren. Dabei waren sicherlich viele positive Veränderungen zu erkennen, doch ich bin der Meinung, dass der Hersteller stellenweise über das Ziel hinausgeschossen ist. Der T5 ist breiter, länger, höher, zudem auch schwerer und durstiger als sein Vorgänger. Sicher ist er ein Monument. Auch ist er im Vergleich zur Konkurrenz das Maß aller Dinge, doch inzwischen ist der Anschaffungspreis für dieses Gefährt einfach nur noch galaktisch abgehoben.
Ich habe den Traum vom Bus begraben… mein Leben hat sich geändert… ich bin kein Bullityp mehr.
El Gigante
Hallo Giganto.
Erstmal mein Beileid das deine Bulli-Liebe eine derart dramatische Wendung genommen hat.
Es ist natürlich leicht gesagt, aber es hilft einfach ein wenig den Hass auf den Menschen zuzulassen, der einen jahrelang verarscht und für dumm verkauft hat.
Mir ist ähnliches passiert. Irgendwie hat es gut getan, nach dem break-up ihre schockiertheit zu sehen, als sie merkte das ich nicht nur der nette Mr.Strahlemann bin.
Ich glaube dadurch bin ich auch schneller darüber hinweggekommen.
Ich wünsche dir “schnelle heilung”!
Maik
Moin Maik,
tja – that’s life. Und das Leben hinterläßt seine Spuren. Es kommt drauf an, was man draus macht.
Eines muss ich dazu noch sagen: das jähe Ende liegt jetzt fast sieben Jahre zurück… und ich bin seit inzwischen fünf Jahren wieder verheiratet… DAS bedarf keines weiteren Kommentares, oder?
Ob ich mir je wieder einen Bus kaufen werde? Ich weiss es noch nicht. Mittlerweile haben sich so viele Faktoren geändert… meine Einstellung, die Welt, das Auto, das Geld… keine Ahnung, wie es mal kommt.
Trotzdem; vielen Dank für dein Mitgefühl.
El
El,
ich gestehe eine leichte Gänsehaut beim Lesen deiner Zeilen.
Gerade waren das halbfinnische Fräulein Altona und ich im Kino, “The Kids are allright”. Da geht es auch um Liebe (lesbische wie heterosexuelle), Vertrauen, Hintergehen und wie die Kinder und alle beteiligten Protagonisten damit klarkommen. Ein großartiger Film.
Und während meine Freundin im Hintergrund darüber nachdenkt, dass Marc Ruffalo doch ein super Coverbild für ihren Agenda 2011 abgeben würde grübel ich nun hinter dem Monitor meines Laptops ein bisschen über das Leben. Wie heißt es so oft? Unter jedem Dach ein “Ach”. Und manchmal erschüttert sie mich ein bisschen, die Erkenntnis, dass ausnahmslos JEDER um mich rum auch sein kleines oder großes Säcklein Kummer mit sich herumträgt.
Du hast deins hoffentlich mit dem T4-Liebesnest verkaufen können und bist nun glücklich mit deinem neuen Leben. Ich starte ja auch gerade wieder neu durch (na ja, schon seit zwei Jahren nun…), und ich glaube für einen Bulli ist es nie zu spät. Aber vielleicht werden die Kisten mit unserem zunehmenden Alter auch wieder älter. Ein netter T1 womöglich? Wobei ich glaube, dass du bei umgeklappter Rückbank auch mal eine Nacht in einem A2 schlafen könntest, romantischerweise, oder?
Sandmann
Hallo Sandmann,
mich hat die Geschichte damals mehr als nur eine Gänshaut gekostet. Leider reichte es natürlich nicht aus, der Dame meines nicht mehr vorhandenen Vertrauens einfach nur das Auto mitzugeben und gut. Bei mir hing mein komplettes Leben samt Haus und Kindern am seidenen Faden. Ich hatte definitiv nicht mit einem solchen GAU gerechnet. Vor einiger Zeit habe ich mal irgendwo gelesen, dass eine solche Story einen Menschen tatsächlich Lebenszeit kostet. Ich fürchte, dass ich diese Aussage irgendwann unterschreiben kann. Nun gut – ich will nicht jammern, denn ich habe glücklicherweise mein Leben sehr schnell wieder in den Griff bekommen und gemerkt, wie blind ich mich jahrelang mit meinem Schicksal abzufinden versucht habe.
Meine Möglichkeit zur Verarbeitung der Situation habe ich im Schreiben gefunden. Mit Unterstützung eines seriösen Autor-Freundes schreibe ich seit einem Jahr an einem Buch, das sich mit dieser Zeit meines Lebens beschäftigt. Wenn ich mich hier allerdings bei dir weiterhin so verstreue, wird die Abgabe meines Werkes bei einem Verlag aber wohl noch Jahre dauern
Nicht, dass du jetzt ein schlechtes Gewissen bekommst… es macht ja auch Spaß, hier kleine Lebensepisoden ins Lap zu hämmern. Außerdem merkst du ja auch gerade, welch’ schwere Kost ich in meinem Buch zu bewältigen habe – dagegen ist das Schreiben bei Sandmanns Welt die reinste Trivialliteratur
Das brauche ich tageweise, um den Kopf wieder frei zu kriegen und die Sache wieder etwas “von oben” betrachten zu können.
Im A2 will ich übrigens, glaube ich, nicht unbedingt schlafen müssen. Vor 13 Jahren hatte ich einen ziemlich schlimmen Bandscheibenvorfall… das muss ich nicht ein weiteres Mal mit ‘ner Nacht im A2 heraufbeschwören.
Aber meine Frau hat, nachdem sie meine Story hier gelesen hat, schon gesagt, dass sie sich gut vorstellen könnte, mit mir im VW-Bus…
… in den Urlaub zu fahren.
Mal sehen… schaun’ ‘mer mal!
El Gigante
Ich glaube, wenn man einmal ein Bullityp war, dann bleibt man das auch. Selbst ICH kann mir vorstellen, mit meinem Fräulein Altona in einem T2 mal über die Lande zu brausen. Oder alternativ im K70 mit einem klitzekleinen Wohnwagen, einem Wohnei, nur mit einer Kochplatte und einem Bett drin. Hauptsache, ein Dach über dem Kopf. Aus dem Zeltalter bin ich definitiv raus.
Bereicher uns hier weiter mit deinen Bildern und deinen Geschichten. Die retro-Fotokiste ist noch groß und leer. Ich mach auch weiter…
Und nochmal: Schön, dass du den Kopf wieder über Wasser hast. Gib deiner Frau einen Kuss, danke ihr für ihre Geduld und beginne morgen die neue Woche mit einem Lächeln!
Sandmann
Ach ja – das wollte ich eigentlich noch hinten dran hängen an die Trilogie:
in Teil 1 hatten meine Eltern ja den T2 kaputt gefahren…
sie fahren seitdem NICHTS anderes mehr als….na?….
RICHTIG – sie hatten einen T3 (den mit der TD-Maschine), dann 15 Jahre lang einen T4 Multivan Classic und seit dem letzten Winter fahren sie einen nagelneuen T5 Multivan Startline (schon das neue Face).
Wenn das keine Überzeugung ist….
El
P.S.: meine Frau hat sich heute schon angeboten als Lektorin… sie liest immer mit *lach*
Einmal Bus, immer Bus. Zumindest im Geiste.
Schön, dass deine Frau dein Lektorat übernehmen möchte, seit du MEINE Berichte über Facebooknachrichten immer korrigiert hast trau ich mich gar nicht mehr, deine Schreibfehler zu korrigieren
Sind allerdings auch erfreulich wenige.
So, dann stürze ich mich mal auf den neuen Gasartikel!
Sandmann
So – das passt ja prima. Vielleicht lasse ich mich doch noch mal umstimmen…
… denn eben lese ich folgende Nachricht im Internet:
Axel Springer Auto Verlag GmbH
LIFEPR-Meldung 202442
VW bringt Microbus im Bulli-Look
Retro-Bus auf Touran-Basis kommt 2013 / VW plant drei Versionen des neuen Touran
(lifepr) Hamburg, 25.11.2010, Der Bulli kehrt zurück. VW will an die legendären Zeiten des Bulli-Klassikers T2 anknüpfen und legt mit dem New Microbus ein Großraummodell im Retro- Design auf….
Den Microbus von 2010 habe ich bereits seit ein paar Jahren als mein Traum-Model in der Glasvitrine stehen… das wäre noch was für den langen
El Gigante…
Moin El,
den Bericht las ich gerade in der aktuellen AutoBild bevor ich mich hier einloggte…
Hach… wenn ich doch könnte, wie ich wollte….
Touranus
Hi Touranus,
damit sind wir beiden vielleicht die Gründer des 1. Offiziellen Microbus-Club (OMC)… noch deutlich, bevor es das Auto überhaupt gibt.
Hat es sowas überhaupt schon mal gegeben? Einen Automobilclub, der erst noch auf sein Automobil warten muss?
LECHZ! Dann wissen wir ja, worauf wir die kommenden Jahre sparen können… unser Ziel: Microbus ab 2013!!!
El
Hi El,
ich bin dabei!
Lass uns mal Gedanken über Vereinslogo und Homepage machen…! *lach*
Touranus
Ich hol mir den Microbus dann, wenn er 15 Jahre alt ist. In der SAMBA Version mit luftgekühltem Boxer *schwärm*
Warum bietet man nicht mal wieder einen Luftboxer an? Wenn schon retro, dann auch richtig
Sandmann
Sandmann!
Auf so einen Kommentar habe ich förmlich gewartet!
Ich MÖCHTE GAR NICHT wieder mit einem lauten Luftboxer fahren, der schlecht heizt, dauernd die Heizbirnen durch hat und mir deswegen die Bude vollstinkt! Warum soll ich denn auf die Annehmlichkeiten der vergangenen 50 Jahre der VW-Bulli-Entwicklung verzichten? Ich gehöre nicht zu den Amish People und verteufel jegliche Innovationen. Ich will eine Klimaanlage, ich will auch eine Servolenkung – und Bremse, ich will eine vernünftige Knautschzone, ich will Airbags, ich will einen sparsamen Motor, ich will cooles Licht, ich will bequeme Sitze und ich will das ALLES in diesem coolen Retrodesign.
Wieder zurück in einen fünfzig Jahre alten Samba? Es bedeutet mir zu viel Verzicht. Und dafür auch noch so schweineviel Geld ausgeben? Nein! Warum sollte ich?
Ein Oldtimer reicht mir: mein K70. Doch ich bin ehrlich… alltäglichen Strecken fahre ich lieber mit meinem A2. Obwohl er in einer anderen Klasse fährt, bin ich in ihm gern zuhause. Er ist 30 Jahre jünger… es stecken aber auch 30 Jahre mehr Erfahrung, Erfindung und Entwicklung darin – und auf die WILL ich nicht verzichten.
Es mag ja sein, dass es Menschen gibt, die sich, aus welchen Gründen auch immer, gerne mit und in alter Technik geißeln – dazu gehöre ICH aber ganz sicher nicht. Ich besitze und fahre meinen K70, weil ich damit in meiner Vergangenheit spazieren fahren kann. Deswegen hasse ich aber nicht die Gegenwart oder die Zukunft.
Ich schreibe diesen Text ja auch mit einem Computer – nicht mit einem Gänsekiel… weil das früher so war!?! Deswegen muss das aber heute nicht das Non-Plus-Ultra sein, oder?
Also: ich mag diese Sprüche a´la “früher war Alles besser” überhaupt nicht! Mit “früher war Vieles anders” wäre ich einverstanden!
Übrigens: Vergleich Autobau früher – heute: nachdem ich meinen sonnengelben K70 LS komplett restauriert hatte, kannte ich das Fahrzeug in- und auswändig. Aber es hätte mir der eine oder andere Konstrukteur, meistens ja Ingenieure, lieber nicht in die Quere kommen dürfen. In das Auto sind jedenfalls einige Sünden eingebaut worden… und ich behaupte mal absichtlich! Das wird sich auch im heutigen Automobilbau nicht geändert haben… schließlich möchte auch der Erbauer noch so haltbarer Autos irgendwann wieder ein neues Fahrzeug verkaufen!
Ich habe zusammen mit meiner Frau unser mittelfristiges Ziel gesetzt: wenn der Microbus kommt… werden wir irgendwann einen fahren! Punkt – AUS!
El
Ay El,
da spricht ja auch nichts gegen. Auch ich schätze den Komfort des moderneren Automobilbaus. Und wenn das Retro-Design gelungen ist (Fiat 500), finde ich es auch GUT!
Trotzdem mag ich auch die Entbehrung eines K70, gleichwohl die Einfachheit eines Luftboxers. Da ist man irgendwie wieder zurück auf dem Wesentlichen…
Sandmann (das wird hier voll eng gerade
)
N’Abend El,
falls ich mal kurz dazwischenfunken darf…. (ich weiß, Sandmann kann die Reihenfolge sowieso ändern
)….
Ich persönlich stehe irgendwie zwischen Euch beiden. Auf der einen Seite gibt es den “Romantiker” in mir, der sich gerne mit alter Technik umgibt, auf der anderen Seite will ich auf das Moderne nicht verzichten.
Als Beispiel: Ich bin ziemlich versiert darin, alte Hifi Geräte zu restaurieren. Vor allem die, der 80er. Ein alter Pioneer SA……. klingt einfach besser, als der neumodische Schrott! Liegt auf der Hand, wenn man sich ein wenig mit Transistorentechnik, IC Technologie und dem menschlichen Gehör befasst (BITTE jetzt nicht mit dem 20 – 20.000Hz Mist kommen!) Lautstärkeregler waren damals noch aus dem Vollen gefräßt und der gesamte haptische Eindruck war einfach zwei Klassen höher, als es heute der Fall ist. Ich liebe auch Schallplattenspieler. Und mit der richtigen Frau an der Seite und dem richtigen Rotwein, kann so ein Analogabend auch zu etwas ganz besonderen werden… ABER….!!!!
Aber, ich genieße es ebenfalls, einen USB Stick ins Autoradio zu stecken und im Sekundenbruchteil die Titel/Alben zu wechseln. einfach am LapTop ein neues Hörbuch auf den Stick zu speichern, Ordner zu verändern usw, etc… Zuhause kombiniere ich beide Technicken miteinander.
Als meine Frau und ich uns damals den Aldi 80 vom Sandmann geholt haben, war dies auch eine Herzensentscheidung (Siehe die Berichte und meine damaligen Kommentare im AuBi Blog). Da kann man auch lesen, was ich auf einmal alles vermisst habe…
Er sollte die Vergangenheit wiederbringen, und das hat er zum Teil auch geschafft. aber ein voll ausgestatteter Touran, so wie ich jetzt noch einen fahre, hat auch seine Vorteile. Im Winter warmer Hintern, im Sommer kühles Gemüt. Und einen Verbrauch von ca. 5,4 Litern. Allles bestens.
Momentan sehne ich mich nach einem Mercedes 300D, W123. Damit bin ich aufgwachsen und damit würde ich auch so gerne mal eine Tour wie Sandmann mit Örg in den Pfälzer Wald machen. Nur halt in MEINE damalige Welt….
ABER (da ist es wieder), ich erinner mich auch noch sehr gut daran, wie ich vor einigen Jahren mal wieder einen fahren MUSSTE und im Winter locker eine Zigarette rauchen konnte, während ich den Motor dreimal vorglühen lassen musste, damit die Kiste überhaupt ansprang. Gefühlte 50 Meter VOR einer Kurve schonmal mit dem Lenken anfangen musste, damit ich das Schiff da überhaupt auf der eigenen Spur durchkam, und und und….
Vielleicht liegt es auch an meinen begrenzten finanziellen Mitteln, dass ich jetzt sowas schreibe… ich hätte auch gerne ein modernes Alltagsauto und einen Oldie in der Garage, aber wenn ich die Wahl hab, was würde ich jetzt nehmen?
Wie schon zigmal erwähnt, werde ich nächstes Jahr vor genau dieser Entscheidung stehen… Verrückter Retro, mit spannenden oder lustigen Geschichten und Ölverschmierten Händen, oder was grundsolides, günstiges, zuverlässiges…? Hm…. *grübel*
Auf jeden Fall werde ich mir eine Probefahrt im Microbus ergattern…. komme, was da wolle. Und ich bin mir jetzt schon sicher, dass es eine Firma geben wird, die dem Microbus Retro-Samba-Fenster verpassen wird…. Wetten?
Ups, wieder nix mit “kurzfassen”….
Benny
Hi Touranus,
… neee, nicht dazwischen… sondern GENAU meiner Meinung!
Auch bei dir sehe ich nicht den unbedingten Drang GRUNDSÄTZLICH zu etwas Altem zu greifen…
Es lebe die Zukunft… die es ohne die Vergangenheit nicht gäbe. Schöne alte Zeit… aber ich bin auch gespannt auf morgen!
El
Hey ihr zwei,
ich kann eure Meinungen komplett unterschreiben. Auch ich werde an das uralte Autoradio im K70, wenn er im kommenden Jahr zugelassen wird, einen ipod anschließen.
Und auch ich schätze zu Hause meine Gasheizung, die ich über ein digitales Display im Flur steuern kann.
Aber auch ich befeuere gerade meinen dänischen Kaminofen bis zur Rotglut, weil ich Ofenwärme einfach schöner finde
Und weil es natürlich auch eine Menge Geld spart.
Und genau aus dem Grund finde ich ab und an gerade dieses Fehlen von ALLEM bei einem alten Auto sehr kopfentleerend. Ich bin heute mit dem KaSi von Hamburg nach Kiel über die schneebedeckte A7 geschliddert und war ganz nah an den Wurzeln des Automobilbaus
Und jetzt bin ich glücklich und kalibriert und freu mich wieder ein bisschen auf meinen V8, der am Dienstag heile gemacht wird…
Sandmann