Gestrandet in Nizza

Strand oder shoppen - das ist hier die Frage

Strand oder shoppen - das ist hier die Frage

Der Sommer in Deutschland will nicht so richtig aus dem Quark kommen. In Schleswig-Holstein sind die Ferien eigentlich schon wieder vorbei, woanders fangen sie gerade erst an und schaufeln Nord-Hungrige Menschen auf die Straße, die unseren schönen Elbtunnel verstopfen. Und dann ist da noch ein versprengtes Grüppchen verrückter Sonnenanbeter, das mit dem Auto an die Côte d’Azur gefahren ist. Ein Papa, seine beiden Töchter, eine Freundin der großen Tochter und ein alter Passat Kombi. Nach der zweitägigen Reise (Tag 1 und Tag 2) stehen die vier am Mittelmeer und stellen sich eine der zentralsten Fragen eines jeden teenagerlastigen Urlaubs: Heute an den Strand fahren und braun werden, oder heute shoppen gehen in Nizza?

Als freiberuflicher Onliner hat das organisierende Element schnell begriffen, dass die Tage 26 Stunden haben, also – warum nicht einfach Strand UND Nizza?

Hinterm Horizont gehts weiter

Hinterm Horizont gehts weiter

Dazu muss ich vielleicht noch ergänzen, dass wir drei Kilometer weg vom Strand im Landesinneren tatsächlich endlich ein festes Quartier bezogen haben. Wie wenig Komfort notwendig ist, um südfranzösische Sonne zu genießen und trotzdem nicht auf einer Luftmatratze schlafen zu müssen wird an anderer Stelle noch erläutert 🙂 Das halbstündlich ans Meer pendelnde Shuttle führt den vier Sommerferienhabern wieder einmal mehr das Wetterphänomen dieser Küste vor Augen: Mag es auch über dem Mobile Home am Fuß der Berge noch so bewölkt sein, man kann getrost die abendliche Weinflasche verwetten, dass über dem Strand die Sonne scheint!

Am Anfang der Erholung

Am Anfang der Erholung

Sonne. Und wie die scheint! Die Wettermeldungen aus Deutschland hingegen (ja… ich habe Internet dazu gebucht… mannooo) lesen sich wie ein Endzeit-Epos von Stephen King, und mit echtem Bedauern verfolgen meine Mädels täglich, wie viele Liter pro Quadratmeter denn nun schon wieder über Kiel und Hamburg runtergegangen sind. Die Tage an Europas berühmtester Badewanne gestalten sich UV-mäßig aber konsequent so, dass Lichtschutzfaktor 20 das Maß der Dinge ist. Auch wenn auf diesem Bild mein Rücken nicht so aussieht, das sind aber die Abdrücke der Kieselsteine auf dem Strand. Die drücken gern mal lustige Muster durch das Handtuch durch. Sand gibt’s hier nicht, aber wo kein Sand ist können auch keine Kreditkarten zerkratzen.

Die High Society von 2025

Die High Society von 2025

Haben Sie sich schon mal einen Urlaub mit gleich drei jungen Mädchen (es wird in jedem Jahr eins mehr, irgendwie) getraut? Im Auto in den Süden? Sie werden lachen – das geht erstaunlich gut. Wenn das Potenzial der täglichen Sonne erstmal erkannt wurde, ist nur noch eins wichtig: Braun werden. Den ganzen Tag möglichst ausschließlich braun werden. Mal mit iPod im Ohr, mal schlafend, mal mit einem Buch (Stephen King 😉 ) in der Hand. Gar nicht so sehr für das eigene Wohlbefinden, sondern mehr für die anderen zu Hause in Kiel. Die Farbe der Haut ist in diesem Sommer das Teenager-Statussymbol Nummer 1, und die Ladies perfektionieren das Sonnensaugen innerhalb weniger Stunden.

(k)ein Herz aus Stein

(k)ein Herz aus Stein

Allerdings nicht nur die Ladies. Ich bin zwar zum Schreiben und Posten – also zum Arbeiten – hergekommen, aber zwischendurch bleibt trotzdem immer noch ein Stündchen unter Helios‘ Einfluss. Das ist gut für die Seele, gut für den Vitamin-D-Haushalt und gut für das Nervenkostüm. Es sind bewegte Zeiten zu Hause in Deutschland, 2012 schlägt so langsam mit allem zu, was es versprach, gut wie schlecht, klein wie groß. Aber so lange die eigenen Kinder mir an einem Strand zwischen Cannes und Nizza noch Herzen aus Kieselsteinen auf den brauner werdenden Bauch legen, kann nicht alles verkehrt sein 🙂

Genuss auch im hohen Alter

Genuss auch im hohen Alter

Cagnes sur Mer ist zwar mitten im Zentrum der Côte d’Azur, seine kleine Küstenstraße wird aber von den durch die Berge gehenden Autobahnen effektiv entlastet. Vom Ran-an-die-Strände-Wahnsinn aller Franzosen während der Sommerferien weitestgehend verschont, trifft man dieser Tage vor allem auf Einheimische, die hier wohnen, arbeiten, leben. Das berühmte altmodische Savoir Vivre, die neumodische Work-Life-Balance und der Einklang mit den hohen Temperaturen haben im kleinen Fischerdörfchen eine sagenhafte Gelassenheit einziehen lassen, die ansteckend ist. Das Meer ist grün, der Himmel blau und die Horizontlinie zwischen den beiden so wunderbar eben und endlos, dass ich mich in ihr verlieren möchte.

Ich mag ja Fußfotos...

Ich mag ja Fußfotos...

Man soll’s ja gerade am Anfang nicht übertreiben, und außerdem steht noch Nizza auf dem Plan. Während die lustigen Mandel- und Erdnuss-Verkäufer singend bei sengender Sonne ihre Ware feilbieten und alle mal probieren lassen (mijam), rollen wir unsere Strandlaken zusammen, versenken längst leergelutschte Wasserflaschen in fröhlich lächelnden Mülleimern und bewegen unsere trägen, leicht angegrillten Körper in Richtung Shuttle und Campingplatz zurück, wo unser treuer Rudolf schon auf seinen neuerlichen Einsatz wartet. Vielleicht vorher noch kurz in den Supermarché, ein paar Baguetttes und Wasser nach Hause tragen. Oberhalb des Kieselstrandes brummt der Verkehr des Alltags munter vor sich hin.

Seltene, aber dann wunderschön rostfreie Oldtimer

Seltene, aber dann wunderschön rostfreie Oldtimer

Auf der ganzen Reise sind wir insgesamt nur drei alten Autos begegnet. Das hier ist eines davon, ein schöner Karmann Ghia, ein automobiler Lichtblick und genau so gelb wie die Sonne 🙂 Ansonsten erblickt der allgemeine Straßenbetrachter auf den Corniches der italiennahen Küstenabschnitte eher Bentleys, Jaguars und Ferraris. Unser Passat genießt hier einen unfassbaren Exklusivitätsbonus, ich habe nicht ein einziges weiteres Exemplar unseres millionenfach gebauten Langweilers gesehen! Das macht ihn zwar nicht zum Mittelpunkt dieser Reise, aber ich denke, er hat es verdient, dass er hier schon einmal lobend erwähnt wird. Der Gute.

Nizza im Abendlicht.

Verlieren Sie nicht die Orientierung...

Verlieren Sie nicht die Orientierung...

Irgend jemand hat unter der Stadt ein tiefes Loch ausgehoben, in das man nun gegen eine wahnsinnige Gebühr sein Auto kippen kann. Zum Dank erspart man sich das aussichtslose Suchen eines Parkplatzes irgendwo weit entfernt am Stadtrand, und wenn ich mir die Park-Krallen-Dichte hier anschaue bekomme ich einen Eindruck von der Null-Toleranz-Taktik südfranzösischer Ordnungsbeamter. Dabei ist der Gendarm von St. Tropez doch über 100 Kilometer entfernt? Was soll’s. Und Gottseidank ist die Kreditkarte nicht vom Strandsand zerkratzt worden, die Rechnung bekomme ich nun postwendend. Drei junge Damen im Alter zwischen 12 und 17 mitten in der verwinkelten Altstadt von Nizza, gefangen im Konsumrausch, umgarnt von geschulten Verkäufern und geblendet von den Farben der materialistischen Lüste.

Direkt von Mailand an den Finger

Direkt von Mailand an den Finger

Die klassischen Touristenfallen voller Keramikbecher und I LOVE NIZZA Shirts wechseln sich meterweise ab mit den Boutiken voller Billig-Schmuck und lustiger Schuhe aus dem Nachbarland Italien. Es ist noch nicht HOCHHOCHsaison, deshalb haben verirrte Touristen noch die Möglichkeit, sich aus freiem Willen zwischen den unwiderstehlichen Schnäppchen in den Läden und den aufdringlichen, angemieteten Mitschnackern der Restaurants in bester Lage zu entscheiden. Schnäppchen. Läden. Die Mädels nehmen sie ALLE mit, ich versuche derweil den Überblick und mein Geld zu behalten und bin froh, dass ich klar abgegrenzte Taschengeld-Budgets zu Beginn der Reise verteilt habe. Und da gehen sie hin.

kann man sich noch brauner schminken?

kann man sich noch brauner schminken?

Von den T-Shirt Outlets geht es weiter über Parfümerien, Handtaschendepots und Kosmetik-Paradiese. Gerade dufte ich noch nach süßem Kuchen und klebrigen Baisers aus der kleinen Boulangerie an der Ecke, da werde ich schon wieder am Arm gepackt und in den nächsten Duft-Tempel der Körpermalerei gezogen. Ein wenig Rouge? Ein bisschen Puder? Und was mich am meisten beeindruckt: Hier und da erwischen die Damen tatsächlich mal durchaus bezahlbare Produkte, die dann in semi-perfektem Französisch bestellt und bezahlt und abschließend professionell im Handtäschchen eingelagert werden. Was in so ein Handtäschchen alles reingeht. Ein Kosmos, dessen Sternenkarte nur die Frauen kennen.

Traum-Torsos

Traum-Torsos

Zwischendurch stolpert der Sandmann mal über enthauptete Nackt-Models, die mich jedes mal am Gewissen packen und mich fragen: Alter, machst du auch fleißig deinen Sport? Ernährst du dich hier auch vorbildlich? Trinkst du auch nicht zu viel Wein, damit deine 12jährige Tochter nicht verzweifelt, weil ihre Brüste kleiner sind als deine? Fragen über Fragen. Ich… äh… oh, die Damen sind schon im nächsten Laden verschwunden, ich geh mal hinterher *flöt*

Zeigt her eure Füßchen

Zeigt her eure Füßchen

Frauen und Schuhe. Die Damenwelt kann so richtig in kreischendes Entzücken verfallen, wenn es um die neuesten Modetrends an den Füßen geht. Immer wieder. Und das offensichtlich seit Jahrhunderten! Ich habe das nie verstanden, aber wenn ich mich brummelnd dazu äußere hält man mir meine eigenen irre lachenden Fotoeskapaden rund um motorisiertes Blech mit vier Rädern vor. Toll. Da bringt man der eigenen Brut jahrzehntelang rhetorisches Geschick und gezielten Einsatz von Ironie bei, und dann wird das auch noch im geeigneten Moment gegen einen verwendet. Tolle Schuhe. Finde ich auch. Können wir dann mal weiter? 😉

Van Gogh hat das gleiche gemacht

Van Gogh hat das gleiche gemacht

Einmal muss ich das bunte Treiben noch festhalten, denn langsam werden wir müde und hungrig. Eine Kugel Eis für 3 Euro macht dieses Gefühl nicht nennenswert besser, zumal ich diesen Preis pauschal mal 4 nehmen muss. Die drückende Wärme in den wuseligen Gassen, die vielen Eindrücke im Kopf und die weiter oben schon angerissenen Dinge, die im momentan weit entfernten Alltag einfach geregelt und gelöst werden müssen drücken ein wenig auf den Schultern. Was hab ich da früher immer gemacht, wenn alles zu viel wurde? Ich habe eine Kerze in einer Kirche angezündet. Und na guck, da ist auch schon eine. Also mal rein da, dort drin ist es angenehm kühl und vielleicht gibt es ja Kerzen…?

Glauben kann Berge bewegen

Glauben kann Berge bewegen

Gibt es. Glauben Sie eigentlich? Gehen Sie manchmal in eine Kirche, aus welchen Gründen auch immer? Ich mag diese Räume der Stille. Alle Menschen halten inne, besinnen sich, lassen sich von dem Zauber der alten Dinge einnehmen. Lassen sich von den jahrhunderte überdauernden Mauern beruhigen. Empfangen von den bunten, leuchtenden Fensterscheiben neues Licht und frische Gedanken. Zumindest geht mir das so. Ich denke, man muss kein gottesfürchtiger Christ oder regelmäßiger Gottesdienstbesucher sein, um seinen eigenen Glauben zu finden. Den Glauben, dass alles immer wieder gut wird, dass alles immer weiter geht und dass Liebe und Freundschaft stärker sind als alle bösen Kräfte von außen.

Ich bin nicht allein

Ich bin nicht allein

Kommen Sie mit solchen ungewohnten Sätzen klar? Ich hoffe doch 🙂 Ich brauche diese Auszeiten in heiligen Gemäuern genau so wie die langen, asketischen Fahrten allein in meinem Auto. Das wird mit vor allem in den Zeiten klar, wo eben nicht alles immer nur toll ist und wo ich umgeben von den wuseligen Mädels bin, die mit großen Augen und Urvertrauen ihren Tag in meine Hände legen und wissen, es wird gut werden. Wird es ja auch. Es ist interessant, dass ich erst 40 werden musste, um diese Sicherheit wirklich in mir zu tragen. Heimwärts nun. Was für ein Wechselbad der Gefühle!

Abend wird es wieder

Abend wird es wieder

Es sind bewegte Zeiten. Spackige Posen halbnackt am Strand, quirliges Wühlen in stickigen Gassen und andächtiges Aufschauen in heiligen Hallen. So ein Tag will erstmal verdaut werden. Die Ladies zappeln und schwitzen zum Ausklang der Helligkeit beim Zumba am Pool und lassen sich von einem feinmotorischen, gut aussehenden Trainer mal so richtig französisch verbiegen. Die Bässe rummsen bis hier rüber. Ich denke noch ein wenig über das Leben nach und setze neue Prioritäten. Ganz vorn stehen definitiv Menschlichkeit, Liebe und Vertrauen. Ein Teil davon ist hier bei mir. Ein anderer, sehr wichtiger Teil ist in Altona geblieben, und es kotzt mich sagenhaft an, mit diesem Menschen für 12 Tage nur telefonieren zu können. Ich bin mit meiner angefangenen Entschleunigung noch lange nicht am Ende, manchmal ist die Gegenwart eines geliebten Menschen unersetzbar.

Konkret gefragt: Wo holen Sie sich Ihre echten Auszeiten? Wie lange sind Sie manchmal von dem Menschen, den Sie lieben, räumlich getrennt? Wie halten Sie es so mit Kirchen? Vielleicht lese ich ja, dass es noch mehr außer mir gibt, die solche Gedanken kreisen lassen… Ich mache mir jetzt mal einen Weißwein auf, zünde eine Pfeife an und höre noch ein bisschen den Zikaden zu, wie sie sich in den Schlaf zirpen.

Sandmann

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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20 Responses to Gestrandet in Nizza

  1. Touranus sagt:

    Sehr gelungener Schnappschuss Deines Lebens!

    Also erstens hast Du meinen Respekt, alleine unter den drei Frauen die Ruhe bewahrt zu haben 😉 aber ich glaube, bei Deinen Mädels hast Du (Ihr) sowieso alles richtig gemacht. Wie viele Väter können zweimal solch einen Urlaub mit den Töchtern machen, der so harmonisch verläuft? Klasse!

    Merkwürdig, gerade erst vor kurzem hat es auch mich in eine Kirche gezogen. Eine ganz bestimmte… Ich bin kein Sonntäglicher Scheinheiliger, aber ich stimme Dir zu, das es dort etwas gibt, was sich nicht unbedingt in Worte fassen lässt…

    Ich habe jetzt an meinem französischem Kombi einen Piratenhaken. Erste Gedanken meiner Freundin und mir drehen sich um die Anschaffung eines gebrauchten Wohnwagens um auch mal solch einen Trip zu unternehmen… der würde allerdings sehr gebraucht sein… Ich werde die Planung mal vorantreiben 😉

    Inspiration hast Du mir nun genug gegeben

    Touri (Laguni geht schonmal gar nicht)

    • bronx sagt:

      Bester La.., Touri;

      Bevor du dir an den eine Schatulle anhängst, probiere es vorher aus.
      90PS sind gut und okay, aber es gibt Berge! Ich spreche aus Erfahrung 😉

      Nizza ist schön, man schreibt ja nicht umsonst NICE. Schöne Bilder, Sandmann.
      Zum Glauben sei gesagt, ich hatte mehr als einmal im Leben Situationen die mich in eine Kirche führten. Touranus beschreibt es treffend mit „nicht in Worte fassend“.

      Echte Auszeiten? Ich brauche meine Ostsee! Da geht’s am besten, warum, weiß ich nicht. Es ist nicht wichtig. Alles muss man nicht erklären (können).

      Bronx

      • Sandmann sagt:

        Ay Bronx,

        stimmt, man muss nicht alles erklären, und schon gar nicht öffentlich. Es ist aber schön, zu lesen, dass sowohl du als offensichtlich auch Laguni (:-D gniiihihi) solche Momente nachvollziehen können.
        Das wird hier jetzt auch kein Esotherik-Blog. Aber manchmal gibt es solche Zeiten im Leben, da brauche ich einfach mal gute Gedanken, die sich nicht anfassen lassen. Und die bekomme ich meist mit einer Kerze in heiligen Hallen….

        Heilige Hallen… da fällt mir Stefan H. aus der Schweiz ein, da habe ich doch noch einen Besuch offen…? 🙂

        Kommt gut in den Tag
        Sandmann

    • Sandmann sagt:

      Ay Touranus,

      dann heißt du demnächst Lagooni? 🙂 Wollen wir dich offiziell umtaufen?
      Zum Wohnwagen… lies mal die Beiträge von El, die sich mit seinem Wohnwagen beschäftigen. Das scheint kein Zuckerschlecken gewesen zu sein, als die ersten Berge kamen. Das schreibt ja auch Bronx…

      Sandmann

      • El Gigante sagt:

        Moin ihr Drei,

        … 90 PS zum Ziehen. Wobei man unterscheiden muss. Die 90 Pferdchen unterscheidet, womit sie gefüttert werden. Wenn sie mit Otto-Kraftstoff getränkt werden, wird es ein ähnliches Ergebnis sein, wie das, was ich mit dem K70 erlebt habe. Der hat ja auch 90 PS.

        Pflegt die Herde aber durch Diesel in Trab gebracht zu werden, sieht die Sache schon ganz anders aus.

        Und: Touri, nehme keinen zu großen Wohnwagen. Einer für zwei ist sicherlich groß genug und dann auch nicht so schwer wie unserer.

        Aber in unserem Fal ist das ja nun auch Schnee von gestern *seufz*. Ohne diese Erfahrungen und Entwicklungen wäre ich ja schließlich nie dahinter gekommen, dass mein Herz NOCH IMMER für einen Bulli schlagen kann. 🙂

        El

        • Touranus sagt:

          Guten Morgen,
          laaaaaangsam! Ich schrieb extra das erste Gedanken in diese Richtung gehen. 😉
          Ich kenne mich sehr gut mit Gespannfahrten aus und natürlich werde ich erstmal den Zugbetrieb testen. Und beim jetzigen Kilometerstand von 192.000 und der noch fragwürdigen Position des Kupplungspedal steht noch alles in den Sternen.

          Ich musste schon einmal jemanden auf den Kasseler Bergen Schützenhilfe geben, weil wütende LKW Fahrer sie aus dem Auto ziehen wollten. DAS möchte ich nicht erleben. Mit verrauchter Kupplung liegen bleiben auch nicht. Und überhaupt… 😉

          So, nun back to Nice
          Touranus

          • Sandmann sagt:

            Ay Kangoonus,

            denk doch in diesem Zuge mal über einen T3 nach, da bist du ja in guter Gesellschaft. Gespann fahren ist doch echt furchtbar, und wenn du einen netten alten T nimmst donnerst du da ein H-Kennzeichen rauf und bist mit 350,00 Euro im Jahr dabei. Steuern und Versicherung. Nu?

            Sandmann

            • Touranus sagt:

              Noch so ’n Ding wie Kangoonus und Du wirst das nächste mal mit Pampersbomber angesprochen!!!!! 😉

              So, nun zum T3. Ich bin kein Bullityp! Nee, wirklich nicht. Auch wenn Entschleunigung momentan das Wort des Jahres wird, so fahre ich auch gerne mal zügig. Und der Laguna prahlt zwar nicht mit PS, aber er hat einen vernünftigen Durchzug. Und wie später noch zu lesen sein wird, frisst er dabei nicht meine Brieftasche leer. 7,2 Liter Verbrauch, Steuer zahle ich jetzt 152 Euro und ich fahre auf 35% Versicherung. Naaaaaaaa? 🙂

              Der Wohnwagen würde nur 2-3 mal im Jahr benutzt werden, oder mal zum Spontanausflug. Ich darf Euch einfach nix von ersten Ideen berichten. *schmunzel*

              Noch ein letztes Wort zum Thema 90 PS und Wohnwagen: Ich habe gerade mal den Drehmoment vom K70 gegoodelt und mit dem Laguna verglichen. Ähem… 😉 Schon der 15 PS stärkerer und 10 Jahre jüngere Beetle sieht gegen den Renault alt aus.

        • Sandmann sagt:

          By the way El:
          SCHÖNEN URLAUB! Du wirst momentan gerade unterwegs sein, du sagtest seit 3 Uhr heute Morgen 🙂 SICILIAAAAA!!!!!!! Erholt euch!

          Sandmann

  2. vreni sagt:

    Lieber Sandmann,

    das Passwort war mal wieder verschwunden… schwupps… da ist es wieder.

    Jetzt verlängert sich direkt meine Ferienstimmung und ich schnupper an der virtuellen Meeresbrise, die zu mir strömt.
    Ferien sind zum Reisen da und ihr habt kaum etwas ausgelassen, was ich nicht auch tun würde. Bis auf den Shopping-Marathon. Schauen ja, kaufen nein.
    Satt sehen an Land und Leuten, Sonne, gutes Essen und viel Lesen. Wie entspannend!
    Irgendwie hat mich ein freies Wochenende ,vor kurzem, extrem entschleunigt und ich bin sehr dankbar dafür, das Freundschaften entstehen…
    Wir lesen uns?
    Viele liebe Grüße aus der Schweiz
    Vreni

    • Sandmann sagt:

      Liebe Vreni,

      Entschleunigung ist inzwischen eines meiner Lieblingswörter 🙂 Wir haben übrigens auch nicht halb Nizza leer gekauft, das sieht nur so aus. Meine Mädels sind durchaus zurückhaltend im Umgang mit der Landeswährung…

      Es folgen weitere Ferienbilder, da ist noch kein Ende in Sicht und wenn ich mir das Wetter hier genauer betrachte brauche ich selbst auch diese Ausblicke, Rückblicke und Visionen, wo man als nächstes hinfahren könnte… Aber fein, dass du so eine Freude am Hangover-Wochenende hattest. Wenn’s mal wieder stattfinden soll – ich bin sehr gern dabei und bring auch bestimmt wieder die Vera mit. Irgend jemand muss doch die gesammelten Whiskey-Vorräte von Nick runterspülen, wer, wenn nicht sie? 😉

      Grüße zurück in die Schweiz!
      Sandmann

  3. deichgraf63 sagt:

    Nizza, Toulon, diese Ortsnamen haben bei mit immer die Assoziation, daß mein inzwischen fast 90-jähriger Vater dort in Kriegsgefangenschaft war, Strafexerzieren in mörderischer Sonnenhitze mit schwerem Rucksack, wenig essen, wenig trinken – aber das war Kriegszeit und die war wohl nirgends schön. Inzwischen war mein Vater damals samt Mutter mal da und hat die positiven Seiten des Lebens dort auch genossen, auch mein inzwischen leider verstorbener Onkel hat immer von der französischen Lebensart und dem Vernichten von zwei Litern Wein berichtet – täglich wohlgemerkt! Das war dort normale „Tagesration“. Dein Bericht, einfach Klassen, ich wäre gern dabei, vielleicht noch ein Abstecher nach Port Grimaud, wo vor ziemlich genau 42 Jahren der K70 der Presse vorgestellt wurde…

    Kirchen, ja, ich sehe die öfters von innen, am vergangenen Sonntag war Freiluftgottesdienst hier in Heide, übrigens bei Sonnenschein und ohne Regen! Am Sonnabend geht es dann nach Elmhorn, Chorauftritt mit „Crossline“, dem Gospelchor hier aus Heide, weil das nicht reicht, singe ich auch noch bei „Get on board“ in Tönning. Jede Chorprobe ist ein Abschalten, man muß sich konzentrieren, Probleme und Gedanken des Alltags werden förmlich aus dem Gedanken gejagt, die Mundwinkel sind im vorher/nachher-Vergleich sicher zwei Zentimeter höher angesiedelt. Ich kann das nur empfehlen, zumal Gospel selbst mir als Bewegungsmuffel in die Beine geht und mich meine Tanzlegasthenie vergessern läßt. Glaube und Gesang, das sind die Stützen, die Kraft auch in Krisen geben, beides kostet genau gar nichts und bringt so viel. Wir sollten uns wieder offener bekennen, was eben nicht ausgrenzen bedeutet, sondern zu zeigen, daß wir eine wirkliche Kultur haben und nicht nur dem „goldenen Kalb“ von Konsum und Karriere frönen. So mancher hat vergessen, daß diese nicht das Ziel sind, sondern nur Mittel zum Zweck, um sein Leben zu sichern. Darüber darf man das Genießen nicht vergessen .- Du hast es nicht vergessen, sondern in Reinkultur im Süden Frankreichs gelebt und dabei den Glauben nicht vergessen. Das Entschleunigen, das Vereinfachen des eigenen Lebens, es schafft Raum und Zeit für Neues, für neue Erlebnisse und Erfahrungen jenseits des Konsumterrors und schärft den Blick für wahre Werte. Und wenn das Fräulein Altona nicht dabei ist, so wird die Wiedersehensfreude umso größer werden. Glück lernt man erst dann schätzen, wenn man es nicht immer hat.

    Gute Heimreise wünscht Euch, de ole Diekgrof

    • Sandmann sagt:

      Bester Deichgraf,

      du äußerst dich selten, aber dann immer angenehm ausführlich und auf den Punkt. Das mag ich.

      Die Kriegsvergangenheit, speziell das Verhältnis der Franzosen zu den Deutschen ist inzwischen zum Glück nicht mehr omnipräsent in den Köpfen der Menschen. Noch vor gut 10 Jahren hatte ich auf einem rein französischen Campingplatz (wie ich da raufgeraten bin ist eine andere Geschichte) die Ehre, als weit und breit einziger Deutscher an einem Boulespiel der Alten teilnehmen zu dürfen. Und nach diversen Bieren und Rotweinen nahm mich das Oberhaupt brummelig beiseite (der Mann muss mindestens 120 Jahre alt gewesen sein) und fragte auf Französisch, wie es denn angehen könne, dass nach all den Kriegsgräueln in Deutschland noch immer Neonazis existieren und die auch noch immer Zulauf finden….. Oha….. das wäre auf Deutsch und nüchtern schon kein einfaches Thema, aber ich hab’s irgendwie hinbekommen. Und ein anderer sagte abschließend „Hey na und? Wir haben doch auch Lepen…“ 🙂 Von dem Tag an waren „les Allemands“ dort gern gesehen.

      Ich bin ein großer Freund dieses wunderschönen, ein wenig selbstverliebten und arroganten Landes. Ich werde immer wieder dort hin fahren….
      Aber zunächst muss ich erstmal hier ein wenig ausmisten. Auf auf. Schön, dass es dich auch mal in Kirchen treibt, und mit Gospelmusik kann ich auch eine Menge anfangen. Ich muss dann immer an die Szene bei Blues Brothers denken (mit James Brown) 😀 Hab lange keinen guten Gottesdienst mehr erlebt, manchmal wundert es mich nicht, dass viele Menschen zwar glauben, mit der Institution „Kirche“ aber nichts anfangen können. Na ja. Ich zünde weiter Kerzen an…

      Sandmann

      • deichgraf63 sagt:

        Die Franzosen, sie sind eine große Nation mit großer Geschichte, aber wenig arroganter und erheblicher Attitüde, eher bescheiden, sie wissen zu leben und haben wenig von der uns Deutschen nachgesagten Verbissenheit und Großmannssucht. Wobei es ja an uns liegt, und Du bist da perfekt dabei, dieses Image zu ändern. Die Kriege, es war ja nicht nur der eine, haben das Verhältnis der Nationen erschwert, aber dafür ist es schon gut gelungen, einander zu respektieren. Hoffentlich bleibt das auch in Zukunft so und wird ausgebaut.

        Du hast lange keinen schönen und interessanten Gottesdienst erlebt? Dann fahre mal nach Pinneberg in die moderne Lutherkirche. Immer am letzten Freitag im Monat (nicht in den Sommerferien SH), also das nächste Mal am 31.8. gibt es dort einen themenbezogenen Gospelgottesdienst (diesmal zum Thema „Fußball“!) mit dem guten und sehr sympatischen Chor „St. Martin’s Smile“. Die machen es schon über 20 Jahre, haben wohl so an die 300 Gottesdienste gestaltet. Oft gibt es da Gottesdienstteile, bei denen die Gemeinde mitmachen muß, letztens wurden neben dem Altar aus Einzelbuchstaben Wörter gebildet, ein anderes Mal kleine Bretter an ein vorbereitetes Gestell genagelt (war recht laut). Da ist also nichts mit nur herumsitzen und vor sich hindämmern. Danach gibt es immer ein gemütliches Beisammensein bei einem vom Chor spendierten Büffet, vor den Sommerferien wird immer gegrillt. Und gesungen wird dabei dann auch noch. Mit der Zeit kennt man sich, wird teilweise mit Umarmung begrüßt. Dieser Chor ist „schuld“ daran, daß ich seit einigen Jahren nach langer „Kirchenabstinenz“ wieder zum Glauben gefunden habe.

        Der Chor hat auch eine kleine Seite im Netz: http://www.stmartinssmile.de/

        Mit unserem Heider Chor kommen wir am 27. Oktober fast in Deine Gegend zu einem Konzert in Eckernförde, näheres hier: http://www.crossline-heide.de

        In Kiel gibt es den Holtenauer Gospelchor mit tollem afrikanischen Repertoire, die sind auch immer mal einen Besuch wert.

        Blues Brothers, der Film und die Musik sind einfach Kult, unwiederholbar und so einzigartig, das selbst der zweite Teil davon nur ein schaler Aufguß war.

        • Sandmann sagt:

          Ay Deichgraf,

          oha es wird konkret 🙂
          Die Aktionen, von denen du sprichst sind bei mir eiiiigentliiiiich verpönt. Wenn ich irgendwo bin werde ich generell sehr ungern zum Mitmachen animiert, ich muss dann immer sofort an zwanghafte Hochzeitsspielchen denken 😉 Obwohl man bei dem von dir angesprochenen Gottesdienst ja vorher weiß, was auf einen zukommt…
          Hm.
          Vielleicht sollte ich mal wieder den KaSi volltanken, die Nummernschilder dranpappen und auf einer meiner herbstlichen Entschleunigungstouren mit meiner kleinen Tochter in so einem Gotteshaus einkehren und mitswingen 🙂

          SIEHST DU DIESES LICHT??????? 😀

          Sandmann

  4. Sandfrau sagt:

    Hey Sandmann,

    mit drei Teenagern einen Urlaub in Südfrankreich zu verbringen spricht schon für einen gewissen Mut und Selbstsicherheit. Ich kann mir kaum vorstellen, wie du da die Ruhe behalten kannst. Hut ab!

    Zum Thema Kirchen kann ich kaum etwas sagen, ausser das mir die meisten aufgrund ihrer extrem barocken und prunkvollen Inneneinrichtung nicht zusagen und mir nur das Bild von Ausbeutung, Verfolgung und Verleumdung auslösen. Also keine allzu positiven Assoziationen. Vielleicht liegt es daran, dass ich gar nicht erst getauft wurde und ich dadurch nicht ganz so nachsichtig mit der Geschichte der katholischen Kirche bin. Die diversen Skandale der Neuzeit gar nicht eingerechnet.

    Aber, ihr hattet eine gute Zeit und offenbar auch viel Entspannung, was die Entschleunigung sicher unterstützt. Ich freue mich auch bald wieder etwas Szenenwechsel zu haben – aber es dauert leider noch. Das mit der Ostsee muss ich wohl doch auf 2013 oder so verschieben. Heuer nicht darstellbar, wie das ein gemeinsamer Bekannter von uns wohl formulieren würde 🙂

    Freu mich auf weitere unterhaltsame Urlaubs- und Alltagsstories!

    Alles Liebe,
    Sandfrau :-*

    • Sandmann sagt:

      Beste Sandfrau,

      🙂 schön dass du auch mal wieder schreibend dabei bist! Ich wurde bereits an anderer Stelle gefragt, ob du das geheimnisvolle halbfinnische Fräulein Altona seist 😀 was ich dann verneinen konnte. Soweit zur Ähnlichkeit unserer Avatarnamen…..

      Die Ruhe mit den Teenagern kam von ganz allein. Die sind gar nicht stressig, sie lieben alle drei wie ich das Leben und die kleinen Momente des Tages. Und wenn du das mit ein wenig gutem Essen, Sonne und Taschengeld würzt – dann läuft der Laden von ganz allein 🙂

      Die eine Kirche, in der ich ab und an ein Kerzchen anzünde kann ich zum Glück von allem Bösen, was man so mit dem Christentum und dem Katholizismus verbinden kann trennen. Die ist alt, schön, ruhig und irgendwie voller guter Ausstrahlung… Mit den neuen Klötzen aus den 70ern kann ich wiederum nichts anfangen… Na ja, jeder wie er oder sie meint.

      Viele Grüße aus Hamburg
      Sandmann

  5. Touranus sagt:

    N’Abend Sandfamilie,
    Die Kirche, in der ich vor einiger Zeit war, war glücklicherweise komplett leer.
    An diesem Ort habe ich vor 12 Jahren etwas versprochen und etwas versprochen bekommen. Beide Versprechen wurden gebrochen… und nichts ist seit dem, wie es mal geplant war.
    Ich bin eigentlich nicht religiös, aber ich kehrte hierher zurück um nach Antworten zu suchen. Vielleicht, weil ich sie in mir nicht finden kann.
    Leider brachte es nicht die gewünschte Erleuchtung, aber dafür Ruhe. Seit langem war ich mal wirklich alleine und konnte abschalten.
    Für den Moment war es schön….

    Touranus

    • Sandmann sagt:

      Ay Touranus…

      oh. Das ist mal eine Geschichte, die ich a) sehr gut nachvollziehen kann und die b) irgendwie traurig ist… Allerdings – wie hättest du auch Antworten bekommen können? Du hast ja damals die Dinge, die du versprochen hast nur VOR ihm versprochen. Wenn das ein Garant für ein in weiter Zukunft liegendes Haltbarkeitsdatum bedeuten würde verstünde ich die Statistiken nicht 😉
      Du hast Ruhe gefunden. Das ist doch wunderbar. Und auf diese Weise bist du vielleicht nicht erleuchtet worden, wer wird das schon, aber du konntest mal durchatmen und hattest danach den Kopf vielleicht ein wenig freier.

      Auch ich kehre regelmäßig zu Plätzen zurück, von denen ich dachte, sie gäben mir Antworten auf offene Fragen. Mein Lieblingsbeispiel ist dabei die Tour mit dem KaSi in die Pfalz, man erinnert sich vielleicht. Antworten gab es da auch nicht. Wir haben viel gemeinsam gelacht, ich habe viel alleine geweint, aber warum die Ehe meiner Eltern damals und genau dort dann ein spätes Ende fand konnten mir die Mauern nicht sagen.

      Ein nachdenklicher
      Sandmann

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