Günstig – Astra – Bastelblog: Komfortelektrik

Tach Freunde!

Nachdem ich letzten Eintrag die notwendige Wiederherstellung der strukturellen Integrität meines treuen Rüsselsheimer Kameraden in Angriff nahm, jetzt als Nachtrag die neckische Bastelei, die ich mir davor antat…

Wer eine Funk-Zentralverriegelung mit Klappschlüssel sein eigen nennt, der weiß um den schier unfassbaren Komfortgewinn, der damit einhergeht. Warum soll man als User eines beinahe 20 Jahre alten Opel Astra auf solchen Luxus verzichten, solange es Ebay gibt, und man über ein wenig Basteltalent verfügt. Für angebotene knapp 25 Euro sollte man an ein komplettes Set zum Einschleifen in die serienmäßige Zentralverriegelung kommen, inclusive zweier hübscher Fernbedienungen, die nach augenscheinlichem Vergleich den serienmäßigen Versionen der aktuellen VW-Modelle in Optik und Qualität recht nahe kommen.

Leider konnte ich entgegen der Angabe des Ebay-Shops noch nirgends die dafür passenden Schlüsselrohlinge finden, daher werde ich demnächst im Schlüsselladen einen Vollmetall-Rohling anfertigen lassen und diesen passend feilen. So, nun frisch auf zur Tat. Nachdem zur Sicherheit einige Foren durchforstet sind, einige Schaltpläne heruntergeladen und ausgedruckt, die Einbauanleitung fasziniert studiert – natürlich nicht im mindesten kapiert ist, heißt es – ran ans Objekt!

Hinter dieser unscheinbaren Abdeckung verbirgt sich mein kleiner Zugang zum Paradies – die kleine Pforte zum Glück, oder vielleicht auch die Abdeckung des Höllenschlundes, aber wir wollen ja nicht schon so früh buchstäblich den Teufel auf den Teppich nageln, oder wie sagt man noch? Das Entfernen der Abdeckung ist einfach, durchdacht und selbsterklärend. Prinzipiell braucht man dafür auch kein großartiges Spezialwerkzeug, wenn man wie die meisten Hobbyschrauber über einen Satz Torx-Einsätze verfügt. Nach dem Entfernen sollte sich dem Versprechen der Profis nach der unverbaute Blick auf einige Relais und irgendwann auch auf das ZV-Steuergerät auftun.

Goody soweit, das sieht ja schon mal recht interessant aus… Leider hört das mit dem durchdachten Konstruieren und nicht benötigten Spezialwerkzeug an dieser Stelle auf. Der unten sichtbare Halter ist zwar nur mit zwei 8’er Muttern befestigt, diese stecken aber derart schlecht erreichbar dahinter, dass sich diese Arbeit zur undankbarsten und Flüche-provozierendsten des gesamten Tages entwickeln sollte.

Letztendlich siegt aber die Geduld über die Gewalt, nach einigen Jahren lernt selbst ein Betonkopf wie ich, dass das brüllende Auseinanderreißen widerspenstiger Einbauteile zwar kurzfristig Erfolg und Erleichterung verspricht, sich aber dann spätestens beim Zusammenbau als furchtbarer Bumerang erweist. Zack, da liegt es grinsend vor mir, das legendäre Zentralverriegelungs-Steuergerät. 18 Jahre lang fristete es ein düsteres Leben hinter einer Dämmschicht und einigen Relais, bis ich ihm das erste Mal seit dieser langen Zeit gestatte, das Tageslicht erblicken zu dürfen…

Hier sehen wir das mit ziemlicher Sicherheit in China zusammengelötete Steuergerät der Ebay-Funke. Soll mich ja auch nicht weiter stören, wenn es den Rest des Autos überlebt… Aber das wird schon klappen, engagierter als die Rüsselsheimer Bandarbeiter in Zeiten des Lopez-Grauens dürften die Jungs aus dem fernen Osten auf jeden Fall sein. Nach erneutem Studium des Schaltplans glaube ich die Verkabelung einigermaßen durchschaut zu haben… Massegesteuerte Zentralverriegelung… Pfff – weiß doch jeder, zum Glück hatte ich noch irgendwo eine leichtere Erklärung nach Kabelfarben gefunden, aber dazu später mehr.

Auch wenn das einige (sauberer arbeitende) Leser in diesem Blog vielleicht mit Kopfschütteln zurücklässt, ich habe mich für die Methode mit Quetschverbindern entschieden. Klar – ich hätte auch löten können, und ich habe sogar einen Lötkolben (irgendwo), aber das wäre sicher sowieso irgendwann an meiner mangelnden Geduld – und an meinem mangelnden Löttalent – gescheitert. Immerhin benutze ich nach dem verquetschen Schrumpfschläuche. Auch wenn die Stelle dort mit ziemlicher Sicherheit nicht nass werden sollte. Aber sogar ich setzte mir – wenn auch bescheidene – Haltbarkeitsstandards.

So, hier dieses Kabel, da das noch dazu… *zunge.im.mundwinkel* ächz… quetsch, MIST, rausgerutscht! Egal, neu… Irgendwann ist alles zumindest so weit angeschlossen, dass ein erster Test in erfreuliche Nähe rückt. Also – rein ins Auto, Tür zu, KLICK und…. NIX! Keine Reaktion. Das fängt ja super an! Okay, schauen wir mal. Jau, eigene Dummheit Vol.01 – klemmen wir die Hauptmasse auch mal an, vielleicht benimmt sich das ganze dann manierlicher. KLICK! klickklick…schrrrrrrnz… Die Türsteller arbeiten hörbar eine Sekunde, die Türpinne gehen ein paar Millimeter hoch, aber dann sofort wieder runter.

War ja klar! Hätte ich doch jemanden fragen sollen der sich damit auskennt, oder hätt ich’s vielleicht sogar besser von Anfang an gelassen? Ich seh‘ mich in Gedanken schon bis spät in die Nacht ergebnislos rumfummeln. Gut, ruhig Blut – erstmal in die Wohnung, in Ruhe ein Glas Bier Wasser getrunken und zurück an die Arbeit. Nochmal einen intensiven Blick auf den Schaltplan geworfen… Verdammt, was meinen die bloß mit Massegeschaltet? ARGH! Ich wünschte ich könnte meinen Kopf ein paar Minuten vor die Mauer kloppen, verdient hätt ich es auf jeden Fall! Also, Masse/Plusschaltung umgedreht und nochmal ausprobiert.

KLACK! JAAAAA! Mit sattem Schmatzen schnellen die Türpinne nach oben! VICTORY…. KLACK, nein — und sofort wieder nach unten. War ja klar, aber irgendwie ist das schon ein erfrischender Fortschritt. Jetzt kann doch nur noch ein wahrlich winziger Fehler drinstecken. Motiviert durch diesen Erfolg ein letzter Blick in die Einbauanleitung… Hmmm – die sollte ich doch zusammenlegen, diese zwei neckischen Kabel? Egal, was habe ich zu verlieren? Wie war das noch in Lethal Weapon? „Roger, Rot oder Blau? – Wir rufen das Bombenkommando! Quatsch! Rot oder blau? Schnapps… Roger? Ja? SCHNAPP DIR DEN KATER!„… Aber in diesem Fall lauert zum Glück nicht die Detonation einer riesenfetten Bombe auf den mutigen Kabelknipser! Schnipps und durch, neuer Test!

Mit einer an Kinderstolz grenzenden Begeisterung gehen die Türen auf Knopfdruck auf und zu. Nach einigen Tests selbst aus einer Distanz von annähernd 200 Metern. 😀

Jetzt ist mir das alles egal, selbst wenn ich auf dem nächsten Parkplatz beim nächsten Mal mit einem Klick dreihundert Fahrzeuge öffne, heute ist mir der innere Schraubergott erschienen. Ab jetzt kann ich ALLES!

Aber das wird sich sicher in einer weiteren Episode der Serie „Basteln um jeden Preis – wenn Blut zur Mangelware wird“ zeigen.

Maik

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4 Responses to Günstig – Astra – Bastelblog: Komfortelektrik

  1. Sandmann says:

    Ay daemonarch,

    cool, jetzt haben wir das erste Multimarken FAQ hier 🙂
    Als Kommunikationselektroniker erspare ich dir (wie prognostiziert) jeglichen Kommentar zu Quetschverbindern im vibrationsreichen KFZ in der Nähe masseführender Karosseriebleche. Ohauerha.

    Wenn du demnach nicht in den kommenden Wochen brennend am Autobahnrand wiederzufinden bist, wünsche ich dir viel Freude mit deinem neuen Luxusgut und bin auf weitere Ausführungen gespannt.

    Sandmann

  2. Daemonarch says:

    Ich werfe hier nochmal die magischen Worte „Schrumpfschlauch“ und „Kabelstrapse“ in den virtuellen Raum..
    Was soll da noch passieren? Das ist wie Beischlaf mit 3 Kondomen übereinander!

    • Sandmann says:

      Stimmt, dann kann man das mittlere noch einmal benutzen 🙂

      Aber lockern sich die Quetschverbinder nicht irgendwann? Ach – Kleinkram, vermutlich hast du recht und deine Konstruktion überlebt das Auto ohnehin. Moderne Krimpzangen stellen ja auch Verbindungen her, die den geschraubten weit überlegen sind. Und wenn du keine Lust auf Löten hast, wird das eh nix. Ich musste drei Jahr in die Ausbildung, bevor ich so richtig flutschende Lötverbindungen fertigbrachte 😀
      Tja, den Ausbildungsbetrieb gibt es nun auch schon nicht mehr, obwohl er mal 3000 Mitarbeiter hatte.

      Sandmann

  3. Daemonarch says:

    Genau, diese 300-Euro Krimpzangen und ihre Verbindungen! Genial!

    Kenn ich nicht! Ich hab noch eine, die hab ich mal vor knapp 20 Jahren in einem Werkzeugkasten von Sonja-Werbereisen gehabt.. Herstellungskosten geschätzt 2 cent?

    Hat sich seit ich an Autos bastele trotzdem noch nie was gelöst, und wenn schon, muss ich halt nochmal ran.
    Bei stellen wo ein Kabel EVENTUELL irgendeine Apokalypse auslösen KÖNNTE, arbeite ich natürlich akribischer.
    Ich bin vielleicht doof, aber nicht komplett debil! CHR CHR CHR

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