Hermann Walter’s private VW-World

Von El Gigante

Hier soll ein privates VW-Museum sein?

Haben Sie schon mal was von Hermann Walter gehört? Nee, nicht? Hatte ich bis Montag, den 13. Juni 2011, auch noch nicht. Doch an diesem Tag sollte ein Besuch bei ihm der krönende Abschluss unseres alljährlichen K70-Pfingsttreffens werden.

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Ein amerikanischer Passat

Am frühen Nachmittag parken wir mit etwa einem Dutzend K70 und ein paar weiteren Oldtimern im Ortsteil Kaunitz der ostwestfälischen Stadt Verl im Kreis Gütersloh/Nordrhein-Westfalen vor einer unscheinbaren Werkstatt. Auf dem Flachdach des Büros steht ein verwitterter orangefarbener VW Käfer, vor dem Eingang warten drei Käfer-Cabrios unterschiedlicher Baujahre und ein Golf I auf Käufer. Neben dem Eingang finde ich einen alten VW Passat B2 (Typ 32B) im US-Outfit.

Trügerisches Idyll

Ein vielleicht 60-jähriger Herr mit Dunlop-Cap stellt sich alsHausherr, also Hermann Walter, vor. Mir fällt sofort seine VW-Gürtelschnalle auf. Genau die Gleiche habe ich auch an meinem Gürtel. Ich stelle mich einfach neben ihn und mache die Runde auf unseren Partnerlook aufmerksam. „Das Original?“ fragt er und winkt gleich ab…“neee, neee, die ist nicht aus purem Messing, das ist ein Imitat.“ Als ich ihm die Rückseite meiner Schnalle zeige, kann er „Solid Brass“ lesen und wundert sich nur, dass Meine nicht so schön poliert ist, wie Seine.

... versteckt hinter Hecken

Herr Walter erzählt, dass er ein privates VW-Museum besitze und uns dieses gern zeigen möchte – wenig später durchquert die neugierige Gruppe flinken Schrittes weitläufige Gartenanlagen und wir betreten schließlich eine Halle. Direkt hinter der Tür stolpert man quasi über einen marathon-metallic-farbenen NSU Ro80. Natürlich erkennt man, dass dieses Fahrzeug benutzt wurde – doch es ist in einem augenscheinlich hervorragenden Zustand. Gleich dahinter schläft ein sonnengelber VW K70 LS. Auf dem davorstehenden Schild ist zu Lesen, dass dieser angeblich als der Letzte das Werk in Salzgitter verlassen habe– die versierten Fachleute unter uns können diese Information aber anhand der Fahrgestellnummer widerlegen.

Erster Eindruck: NSU Ro 80

Vom Hausherrn erfahren wir, wie er zu seiner Sammlung gekommen ist. Früher war dieser Familienbetrieb eine VW-Werkstatt. Zusammen mit seiner Frau habe er dann angefangen, VW Käfer zu sammeln. Ihr gemeinsames Ziel sei dabei gewesen, jeweils einen Käfer aus jedem Produktionsjahr zu besitzen – der VW Käfer wurde von 1938 bis 2003, also 65 Jahre lang, gebaut.

Zweiter Eindruck: VW K70Demzufolge kann er mit tollen Geschichten aufwarten. Er erzählt vom türkis-Metallic-farbenen 1302, den mal die schwedische Popgruppe Abba besessen haben soll und vom letzten Käfer aus Wolfsburg, der am 1. Juli 1974 um 11:19 Uhr vom Band gelaufen war.

In der oberen Etage findet sich ein Filmstar, der Hauptdarsteller „Herbie“ der Walt-Disney-Filmproduktion „Ein toller Käfer„.

Filmstar "HERBIE"
Käfer wie neu!

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KdF - Kraft durch Freude

Käfer-World____________________________________________________

Geklauter & geretteter Käfer vom DomprobstDirekt gegenüber gibt sich ein schwarzer 1948er die Ehre. Diese damals nur wenige Wochen alte Käfer-Limousine Typ 11 wurde dem Paderborner Domprobst von britischen Besatzungssoldaten gestohlen und mit vielen anderen entwendeten Fahrzeugen zwecks späterer Mitnahme nach England in ein großes Gebäude eingemauert und dort vergessen.

Bei dessen Abriss, Jahrzehnte später, wurden die meisten Schätzchen durch den Abrissbagger zerstört.

Gekauft wie gesehen!

Als Hermann Walter an der Fundstelle erschien, sauste gerade die große Baggerschaufel auf das Heck des Domprobst-Käfers und verbeulte es ordentlich. Nur Hermanns beherzten Hechtsprungs auf das Fahrzeug ist dessen heutige Anwesenheit in der Kaunitzer Sammlung zu verdanken. Selbst besonders seltene Baujahre, in denen zum Beispiel nur 7 Fahrzeuge gebaut wurden – 3 davon nach Übersee verkauft wurden – finden sich dank Kommissar Zufall in dieser Sammlung. Natürlich ist auch Kraft durch Freude vertreten.

Der Letzte aus Wolfsburg

Auch der weltweit letzte Käfer, gebaut in Mexiko am 30. Juli 2003, hat hier sein Zuhause gefunden. In Eigenregie hat ihn der Herr der Käfer herbeigeschafft. Als die Käfer-Sammlung schließlich komplett war, kamen noch andere Modelle hinzu. Polo, Golf, Passat, Santana, Jetta, 411, Kübel, Transporter, Pritsche, Karmann, Scirocco, Corrado, Käfer- und Golf Cabrio.

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US-Crashtest mit einem Jetta

Hat nur 4 Kilometer auf der Uhr






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Ein Ost-GolfLegendärer Corrado G60 von Karmann

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Scirocco II von KarmannAuch ein Karmann_____________________________________________________

Wie neu: SantanaEigenbau vom Autohaus Nordstadt: Jetta Cabrio___________________________________________________

In einer anderen Halle schlummert ein weiteres Dutzend Schätzchen mit einem ganz anderen Schicksal. Vor Jahren, ich meine, es war in den 1990ern, wurde nämlich versucht, mit einer Art Subventionierung – ähnlich der Verschrottungsprämie – der Neufahrzeugabsatz zu fördern. Unter den aus dieser Aktion hier eingelagerten Youngtimern: ein seltenes Jetta Nordstadt Cabrio sowie schicke Scirocco 1 und ein fast neuwertiger Santana – alles in wirklich sensationellem Zustand.

Kurios ist auch, dass diese Fahrzeuge jetzt wieder angemeldet werden könnten, denn es war keine staatliche Verschrottungsaktion bei der dieFahrzeugbriefe eingezogen wurden.

Hübscher Scirocco I

Passat TS - in traumhaftem Zustand

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In der letzten Halle bietet sich dasselbe Bild, wie in all den anderen Hallen auch: ganz in der Ecke ein offenbar einwandfreier grüner Passat TS neben einem babyblauen Polo, ein weißer 1600 TL neben einem ebenso weißen 411, daneben ein sonnengelber Scirocco 1, weitere Scirocco II, Passat, Santana, Golf Cabrio… Wahnsinn!!! Und alles scheint top gepflegt. Vom Zustand sämtlicher Fahrzeuge ist hier die Zeit um locker 25 Jahre zurück gedreht oder stehen geblieben. Herrlich!

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Alle fragen sich, ob Hermann Walter noch Zeit für seine Frau hat. Mir fiel auf, dass allerorten zwischen den Autos Schaufensterpuppen stehen. Abbilder seiner Frau? So sieht wenigstens er sie doch häufiger, oder?

Ein Glänzen in Nabelhöhe

Als ich an Herrn Walter vorbei ins Freie schlüpfe, muss ich noch unbedingt auf ein Foto von uns Beiden bestehen. Stolz präsentieren wir unsere Gürtelschnallen. VW verbindet. Ich besitze nur zwei VW K70, er bestimmt 100 VW. Aber wir tragen BEIDE die VW-Gürtelschnalle mit Stolz. Ich bin mir nur nicht mehr ganz sicher, ob sein Emblem nicht vielleicht doch aus Gold ist und deshalb so fein blitzt.

Dieser Besuch hat sich gelohnt.

Wirklich absolut empfehlenswert!

El Gigante

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8 Responses to Hermann Walter’s private VW-World

  1. Daemonarch says:

    Wow! Ist als potenzielles Ausflugsziel vorgemerkt… Danke für den Tip!

    • El Gigante says:

      Gern geschehen!

      Schade, dass die Fotos in diesem Beitrag nicht alle vergrößerbar sind… ich versuche mich gerade zähneknirschend an die Unzulänglichkeiten von WordPress zu gewöhnen… irgendwie wird dieses CMS und ich NIE Freundschaft schließen… grrrr.

      • Sandmann says:

        Ach mein liebster, als Webdesigner ausgebildeter El 🙂

        Du WILLST dich mit WordPress nicht anfreunden, das ist meine These. Ansonsten kannst du ganz einfach im Dashboard ein Bild anklicken, in die Bildbearbeitung wechseln (das linke der beiden im Bild erscheinenden Symbole) und den großen, auffälligen Button „Mit Bild verlinken“ klicken. Wenn der nicht aktiviert ist, geht die Flash Vergrößerung nicht, weil die Quelle fehlt.

        Ich hab das grad beim Kaffee mal für dich gemacht, weil ich so ein guter Mensch bin 😉 Einen schönen Start in den Tag!
        Sandmann

        • El Gigante says:

          Lieber guter Herr „Sandmanns Welt“- Besitzer und Beherrscher,

          nur zur Info:

          da mir das eigenwillige Formatierungsgezicke von WordPress auf den Geist ging, hatte ich bereits aufgegeben, diesen Beitrag hier zu präsentieren! DU hast ihn dann in hoffähige Form gebracht und wohl die von dir monierten Unterlassungen haben das Fehlen der Links bewirkt.

          Außerdem hat der Umgang mit einem Content Management System, wie WordPress ja nun mal eines ist, lächerlich wenig mit dem Wissen und Können eines Internetentwicklers zu tun. Wenn es darum geht hier mit diesen Fähig- und Fertigkeiten zu glänzen, lässt mich WordPress in der HTML-Abteilung ziemlich arrogant verhungern – hab‘ ich längst alles ausgecheckt!

          Und last but not least ist deine Bildergalerie nicht etwa eine Flash-Animation, sondern JavaScript! (Sonst stünde da beim Rechtsklick auf das vergrößerte Bild ja irgend etwas von Macromedia Flash. Zudem kenne ich die Light-Show-Programmierung – ich nutze sie schließlich selbst in einigen Scripts meiner Sides).

          Und – auch das möchte ich erhellend erwähnen – ich habe selbst eine Internetpräsentation mit WordPress auf den Weg gebracht. Logisch, dass ich dabei mit Problemen ganz anderer Art zu kämpfen hatte – mir aber auch da schon dieses divenhafte Rumgezicke aufgefallen ist.

          Das war letztendlich auch der Grund, warum ich meinen eigenen Blog NICHT auf die Basis von WP gestellt habe – er ist zwar nicht ganz so nobel ausgestattet, zickt aber auch nicht so rum – und allein DAS ist es mir wert!

          So – und nun bedanke ich mich artig für deinen hingebungsvollen Einsatz bei koffeinhaltigem Heißgetränk. Noch immer warte ich auf den Tag, an dem wir in aller Ruhe und Beschaulichkeit beim Grillen auf der überdachten Terrasse an meinen plätschernden Teichen hinterm Haus sitzen und uns ein leckeres, kühles Bierchen oder Alster die Kehlen herabrinnen lassen während die K70 und Audi A2 leise tickernd in der Einfahrt stehen. The stage is your’s! Manche Angebote werden nie alt 🙂

          El

          • Sandmann says:

            Lieb dass du mich immer wieder über die Dinge des Lebens informierst, wie sie nun mal sind… und sehr schön, dass du nicht aufgibst, mich einzuladen.
            Dafür mein aufrichtiger Dank, ich kann fast VERSPRECHEN, dass wir uns in diesem Jahr einmal auf besagter Terrasse bei tickenden Autos sehen werden…
            Es ist langsam an der Zeit, wie? 🙂

            Sandmann

  2. Sandmann says:

    Am Rande bemerkt: Ich beginne, dich zu hassen 😉
    Seit diesem bericht durchforste ich das Netz nach VW 411/412 und finde entweder überteuerte Ruinen oder noch teurere Schmuckstücke.
    Immer diese Sehnsucht nach schönen alten Autos.
    Furchtbar ist das!
    *grummel*

    Sandmann

    • El Gigante says:

      Manchmal erinnerst du mich an ein kleines Mädchen, dass im Schaufenster die neueste Barbie gesehen hat und sie unbedingt haben will… dabei hat sie schon ihr ganzen Kinderzimmer vollgestopft mit diesen Puppen. 😉

      Wieviele „Baustellen“ willst du dir denn noch hinstellen? Dabei hast du doch so wichtige wie Granada, K70 und V8. Wenn es dir nur im Ansatz gelingen würde, die Drei in Schuß zu halten… ^^

      Mal ganz abgesehen von Ruhepausen, die auch ein Sandmann – Mensch zwischendurch dringend braucht.

      El

      • Sandmann says:

        Du sprichst wahr.

        Deshalb schwärme ich ja auch nur und kaufe NICHT. Ein mann muss doch Träume haben. Wenn ich eines Tages mein Geld vielleicht mal mit den Geschichten über meine Autos verdienen sollte, dann werde ich mir diese Träume alle erfüllen. Dann ist träumen mein Beruf.

        Eigentlich wäre das wundervoll…

        Sandmann

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