In der Schatzkammer

Is there anybody ... out there?

Is there anybody … out there?

Immer Online. Touch-Display. Smart-Options.
Ich komme langsam in ein Alter, in dem es normal zu werden scheint, wenn man von der jüngeren Generation auf einigen Ebenen abgehängt wird. Ich höre nicht mehr die gleiche Musik wie die Teenager, ich finde vollelektronische, teilweise fernsteuerbare Autos unsexy und ich will nicht im Sekundentakt checken, ob ich Nachrichten auf dem Handy habe. Ist das schlimm? Mein Kühlschrank und meine Waschmaschine sind noch analog und mein Fernseher ist zwar flach, aber nicht smart. Es gibt in der Nähe von Kiel einen Ort, in dem ich mich als verkappter Fortschrittsverweigerer so richtig austoben kann, wenn es um alten Kram geht. Nicht einen einzigen Schritt vor, sondern gleich drei zurück, in Großmütterchens Zeiten. Die Schatzkammer bei der Abfahrt Blumenthal ist ein magischer Ort, und ich muss da einfach mal wieder hin… Allein schon, um aufzuwachen.

Der Eingang zu Ali Baba

Der Eingang zu Ali Baba

Die Damen und Herren an der Autobahn von Kiel nach Hamburg entrümpeln aufgelöste Haushalte und stellen alles, aber auch wirklich alles in die riesigen Hallen und Räume. Alles was sich in eben so einem Haushalt anfindet. Nicht nur antike und recht teure Möbel, Schreibmaschinen oder Porzellan. Nö. Das auch. Aber hier finden wir auch ganz normale Küchenmaschinen aus den 70ern, HiFi Anlagen aus den 80ern, Töpfe und Pfannen, Spielzeug und allerhand durchaus unterhaltsamen Kram. Hautcremes und Sonnemilch, Wein aus den 70ern, Unterwäsche. Viele viele Dinge, die ich NICHT kaufen möchte 🙂 Die ich nicht mal in die Hand nehmen will. Ich glaube, ich habe hier noch nie etwas gesucht, aber ich bin trotzdem noch nie mit leeren Händen wieder weg gegangen. Alles ist käuflich. Alles, was man hier sehen, anfassen, fühlen und hören kann. Vorsichtshalber nehme ich immer nur eine handvoll Scheine und keine EC Karte mit. Man weiß ja nie 😉

wenn ich doch nur Modellautos mögen würde.

wenn ich doch nur Modellautos mögen würde.

Es riecht nach Flohmarkt, Mottenkugeln und Omas guter Stube. Nach Teppich und Holz. Und weil immer was weggekauft und ständig nachgerümpelt wird ist das jedes Mal anders hier 🙂 Nun bin ich ja kein kompletter Aktualitätsverweigerer, ich habe durchaus eine moderne Kaffeemaschine, meine Rechner sind auf dem neuesten Stand (das sind Arbeitstiere, da ist das auch gut so), mein iPhone ist immerhin eins mit einer 5 im Namen. Auch ein Arbeitstier. Zu Hause bei mir sieht es auch nicht aus wie in einer Bude aus den 70ern, aber hier und da blitzt schon mal ein altes Küchenradio auf. Oder ein Plattenspieler. Ein oranges Salatbesteck. Wir alle erinnern uns an die Butter-und-Brot Autos, die das Straßenbild unserer Kindheit geprägt haben. Es gibt aber genau so viele kleine und große alltägliche Gegenstände, die in meiner Kindheit zum ganz normalen Alltag im Haus dazugehört haben! Sie würzen jetzt als Erwachsener meine Wohnung. Diese weißen, sterilen Designerbuden, in denen es so aussieht als ob da niemand drin leben würde mag ich nicht. Sie erzählen keine Geschichten, sie sind kalt und ohne Leben.

Der Wahnsinn auf drei Etagen

Der Wahnsinn auf drei Etagen

Und während meine Tochter noch vor einem Michael Schumacher Poster steht wie andere vor einer Kaiser Wilhelm Statue, habe ich schon die erste alte Schreibmaschine in den Händen. Die geht noch. Ist sogar ein Farbband drin. Geil, die muss ich haben. Während Töchterchen hier eher ungläubig durch die nicht enden wollenden und weit verschachtelten Räume der drei Etagen stromert („hat man sowas damals echt benutzt???„) pendel ich zwischen Gelächter über geschmackliche Absurditäten und Freude über Dinge, die bei meinen Eltern oder Großeltern in den Wohnungen standen und die im Laufe der Jahrzehnte den Weg allen Irdischen gegangen sind. Einfach drüber freuen und kurz innehalten tut schon mächtig gut, aus dem Alter, wo ich das dann alles gleich gekauft habe bin ich inzwischen wohl raus. Ich lache und lache. Ist das herrlich. Und… äh… es ist auch tatsächlich nicht alles toll und kaufenswert, was hier so rumsteht, man wundert sich.

Hallo mein Freund. Auch auf Facebook?

Hallo mein Freund. Auch auf Facebook?

Immer wieder stiefel ich mit einem neuen Fund zur Dame vorn bei der Kasse, um den Preis zu erfragen. Sie kennt alle Varianten des hohlen Gelabers, mit dem die Besucher versuchen, den Preis zu drücken. „Kuck mal hier, das Radio, geht bestimmt nicht mehr. Ist auch irgend so ne unbekannte japanische Marke. Was soll das kosten?“ Sie wirft mir ein lächelndes und ziemlich selbstsicheres „15 Euro“ an den Kopf und zeigt mir eine Steckdose, an der ich das gleich ausprobieren kann. Mist. „Eigentlich müsste ich noch mehr Geld dafür nehmen, denn wenn du das mitnimmst hab ich oben keine Musik mehr beim Möbel umstellen…“ Ah. Stecker rein. Geht. Steht jetzt in meiner Küche 🙂 Oben, das bedeutet oben unterm Dach. Da standen früher ausschließlich Stühle rum, jetzt sind auch hier die Reihen gut gefüllt mit allerhand teils echt seltenem und wertvollem Kram. Und einem Radio weniger.

Die Puppenfamilie auf dem Dachboden

Die Puppenfamilie auf dem Dachboden

Während man im IKEA von „Deine Wohnung auf 13 Quadratmetern“ bis zu „Der Anfang vom Ende deiner freudlosen Beziehung auf 15 Quadratmetern“ schlendert und sich manchmal fragt, ob dies und das eigentlich wirklich jemand käuflich erwirbt überfallen einen in der Schatzkammer Eindrücke von Puppenstuben, Kinderzimmern und „Deine Wohnung auf 20 Quadratmetern im Jahr 1931„. Hier wohnen ungezählte einst geliebte Teddybären, Puppen und Plüschhunde, deren damalige Beschützer sie nun allein gelassen haben 🙁 Entweder sind sie verstorben, fühlen sich zu alt für Stofftiere oder haben sich anderen Aufgaben gewidmet. Ich habe so viel Mitleid mit diesen weichen Ersatzbefriedigungen, dass ich am liebsten alle kaufen möchte. Das wiederum wäre dann vermutlich das Ende meiner eigenen, gar nicht so freudlosen Beziehung auf 104 Quadratmetern. Also finde ich die pelzigen Protagonisten liebenswert, biete ihnen aber kein neues Zuhause. Da wohnt ja auch schon mein Waldi. Glauben Sie mal nicht, dass ICH mein geliebtes Plüschtier aus meiner Kindheit vergessen hätte. Waldi wacht brav in meinem Bettchen und verscheucht auch heute noch immer erfolgreich böse Träume.

Die Familie beisammen

Die Familie beisammen

Das Leben ist schon ernst genug. Definitiv. Und wenn mein Töchterchen schon den einen oder anderen Quietscher raustut, weil sie einfach nicht glauben kann, was man sich vor noch gar nicht allzu langer Zeiiiit ♫ (Kenner hören hier die Biene Maya raus) ins Regal stellte, an die Wand hängte oder gar am Körper trug, was soll ich denn dann erst sagen? Wenn ich mal durch Berlin oder Hamburg laufe? Während ich hier förmlich überrollt werde vom farbenprächtigen Alltag der Vergangenheit rennen da draußen junge Hipster mit Glatze und Brausebart rum (ich fand dicke Bärte schon immer scheiße und werde das auch immer tun, aber das kann ja jeder machen wie er will), wer gesehen werden möchte trägt heute wieder einen Hut und was so in den Modegeschäften rumhängt ist auch schon alles mal da gewesen. Nicht viel Neues in der Welt. Ich habe das Gefühl, seit den 90ern wird nur noch kopiert.

Kasperletheater, das geht auch hier

Kasperletheater, das geht auch hier

Gucken Sie auf Flohmärkten auch manchmal in alte Fotoalben? Die lösen bei mir immer viele verschiedene Gedanken aus. Vordergründig frage ich mich natürlich, warum jemand sowas VERkauft, statt es in den Schrank zu stellen, ab und an mal rauszuholen und den Erben zu erzählen, wer das da auf den Bildern ist und war. Dann frage ich mich, wer sowas KAUFT 🙂 Okay, in den Alben meiner Kindheit stöbere ich selbst ab und an, vor ein paar Jahren habe ich ja bei der legendären Kasi Tour viele der Bilder über 30 Jahre später noch einmal nachgestellt… Großer Spaß. Aber völlig unbekannte Menschen? Aber auch wenn ich die muffigen Alben hier nicht käuflich erwerbe, machen sie mich nachdenklich. Ich beschließe, noch viel mehr meiner digitalen Bilder in Fotobücher zu packen und habe damit gestern schon weitergemacht. Allein der Werdegang meines viertelfinnischen Sandmädchens ist jährlich mindestens ein dickes volles Album wert, wer weiß was aus den Festplatten in 20 Jahren geworden ist? Und wenn ich noch weiter nachdenke, frage ich mich, wer alle diese Menschen wohl waren. Wie sie gelebt haben, wen sie geliebt haben und ob es ihnen gut ging?

Was war und was sein wird

Was war und was sein wird

Irgendwann hat irgend jemand diese Fotos gemacht, entwickeln lassen, liebevoll in ein Album eingeklebt und beschriftet. Gefrorene Momente eines Lebens. Die Bilder sind sicherlich oft angeschaut worden, zu vielen Anlässen, freudigen wie traurigen. Und nun liegt so ein Fotoband vergessen in einer Trödelscheune, zusammen mit vielen anderen, mit Stapeln von Fotos und alten Postkarten in einem Schrank in einer Ecke. Irgendwie traurig. Eines Tages gehe ich für immer, und später wird sich niemand mehr an einen erinnern. Dann bin ich einfach weg. Und die Fotos, die es von mir gibt landen im Müll oder in Trödelscheunen, weil niemand mehr einen direkten Bezug zu ihnen hat.
Ich glaube, ich hol mir noch mal ein Glas Wein…
Moment…

So. Prost.
Zurück vom Rudi beim Tanz und all seinen Freunden in die Schatzkammer, in der es neben vielen Erinnerungen auch echte Schätze gibt. Schauen Sie sich mal diesen wundervollen Fernseher an! Da wirft man doch sofort jeden Flachbildschirm weg, oder? Hm. Gegen Gebot. Ich trau mich nicht zu fragen.

Die Zukunft begann in den 70ern

Die Zukunft begann in den 70ern

Wir sind gleich einmal rum. Ich fühle mich wie ein kleines Kind im Wunderland, ich möchte alles anfassen und in diesen Erinnerungen baden! Und als ich so mitten in den 70ern stecke komme ich an einem mehrteiligen, bodentiefen Spiegel vorbei. Der Typ da drin trägt ein Hemd und ist definitiv kein Kind mehr. Der Bart ist grau, die Haare werden es auch immer schneller und die Falten im Gesicht werden langsam ganz schön tief. Nicht nur die Lachfalten um die Augen rum. Auf den Schultern des Typen da liegt die Verantwortung für drei wundervolle Töchter und ein Leben, was in den letzten Jahren nicht immer freundlich zu ihm war.
Das kann man alles nicht stemmen, wenn man ausschließlich in der Vergangenheit rumhängt und sich wie ein Kind fühlen will. 44jährige Kinder kriegen das Leben im Jahr 2015 nicht geregelt. Das Online-Leben voller Displays und Smart-Options. Das Leben, in dem Teenager andere Musik hören, im Sekundentakt checken, ob sie Nachrichten auf dem Handy haben und vollelektronische, teilweise fernsteuerbare Autos durch die Gegend fahren. Dann bleibt man irgendwann stehen und vergisst, nach vorn zu laufen. Danke Spiegel. Du hast mich ein bisschen wachgerüttelt.

Älter geworden ich bin

Älter geworden ich bin

*plopp*
Na gut. Weitermachen 🙂 Aber ein bisschen Kind darf gegen Ende dieser kleinen Reise wohl ein letztes Mal noch sein. Ich stehe in der Nähe des Ausgangs vor einem großen Schrank, der bis obenhin voll ist mit Platten, Kassetten und anderem analogen Audiokram. Meine letzte Langspielplatte habe ich mir erst vor einem halben Jahr gekauft, The Iceberg Model von John Watts, weil es die als CD nicht gibt. Inzwischen strahlen ja tatsächlich wieder gut gefüllte LP Abteilungen in den Elektronikfachmärkten, und die Audiofreaks schwören sowieso seit den 80ern auf ihre nass-abspiel-Plattenspieler, den unfassbaren Sound der unfassbar teuren HiFi Komponenten und der Holzboxen in Altbauwohnungsdeckenhöhe. Und sie mögen Recht haben. Aber das ist mir alles viel zu wertvoll und zu teuer. Ich mag einfach das Medium „Langspielplatte“ gern. Zu Hause habe ich einen Sony Plattenspieler aus den 80ern, der noch immer an meinem Pioneer Verstärker aus den 90ern und meinen ITT Boxen aus den 70ern angeschlossen ist. Mehr Musik braucht kein Mensch 😉 So, was haben wir denn nun hier?

Freie Auswahl

Freie Auswahl

Zwei Ecken weiter steht ein irgendwie liebenswerter Plattenspieler mit kleinen abnehmbaren Lautsprechern in der Nähe einer Steckdose. Geil! Mein Töchterchen verdreht ein ganz kleines bisschen ihre Augen, als ich gezielt nach einem Album der göttlichen Jenniffer Rush greife, den Plastikdeckel des kleinen Krawallmachers abnehme und die Platte auflege. Dreht sich. Schnarzt. Und Frau Rush singt.
Neuere Erkenntnisse: Nicht jeder Plattenspieler klingt gut, der hier klingt sogar echt scheiße. Aber er sieht toll aus. Weiter: nicht jedes Lied von Frau Rush scheint damals ein Hit gewesen zu sein, ich hatte sowas wie „Ring of Ice“ oder „Self Control“ im Kopf, als ich zum Tanzen ansetze und meiner chartsverseuchten Tochter ein gutes Stück 80er Mukke näherbringen will…. Aber nicht mal als ich die schwarze Scheibe verdutzt umdrehe kenne ich auch nur ein einziges Lied. Na gut. Letzte Erkenntnis: wenn ich damals Frau Rush hot fand, sollte ich dieses Bild im Kopf behalten. Ich sollte sie nicht googeln, um zu sehen wie sie heute aussieht. Nein, das sollte ich definitiv NICHT machen *gruuusel*.

Am besten gleich ausprobieren

Am besten gleich ausprobieren

Lebt wohl, ihr Jennifer Rushs, ihr Nenas und ihr Kim Wildes. Wir lassen euch jetzt mal in diesen glorreichen Hallen zurück zwischen Schränken und Teppichen. Eure Zeit ist gekommen, zumindest die für eure Tonträger. Ich habe noch ein paar Jährchen vor mir, und mein Akku ist jetzt wieder ein bisschen aufgeladen. Meine Beute: Eine Schreibmaschine aus den 50ern, ein Radio aus den 70ern und ein Plymouth Barracuda 1:18. Ab und an brauche ich das mal, um mich in den Alltag aus zwei Wohnsitzen, zwei Familien, Social Media Management und Artikelschreiberei zurückfallen lassen zu können. Ich falle weich. Aber mit so einem gut aufgeladenen Damals-Akku lächel ich einfach jeden Tag ein bisschen mehr 🙂

Sandmann

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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18 Responses to In der Schatzkammer

  1. El Gigante sagt:

    Hallo Sandmann,

    das Foto von Dir und Deiner Tochter erinnerte mich sofort an „Frida und Anneliese“

    Wenn Du die Beiden nicht kennst – hier kann man sie hören:

    https://www.youtube.com/watch?v=1Qi24LEBk9U

    🙂

    El

    P.S.: mit dem Bilder einbinden… das klappt auch nicht mehr… leider!

    • Sandmann sagt:

      Ay El,

      natürlich kenne ich Frida und Anneliese 😀 An sowas wie eine Putzfrau musste ich tatsächlich auch denken… Aber die Kopfbedeckung ist glaube ich eigentlich ein wenig edler als sie aussieht 😉

      Bilder einbinden geht nicht mehr? Moment…..

      Doch. Geht 🙂 Oder meinst du von externen Plattformen…..?

      Flickr. Geht auch. Oder?
      Alles ist gut 🙂

      Sandmann

      • El Gigante sagt:

        Hm – tja… ich wollte ein im Internet befindliches Foto einbinden – ging aber nicht. Ist auch egal!

        Das Audi-Foto ist fies gefaked! Der Ford-Spiegel (hinter Deinem Rücken) klemmt plötzlich am Dottore und wenn man ganz genau hinschaut, hat der Audi auf der Beifahrerseite einen roten Kotflügel (zuviel). Alles VOLL GEMOGELT! Wahrscheinlich gibt`s nichtmal mehr die Telefonzellen – alles längst entsorgt!

        Aber darum geht`s hier ja gar nicht!
        Alles gut 🙂

        El

        • Sandmann sagt:

          Nein! El!
          Dir ist der Fake tatsächlich aufgefallen??? Dabei habe ich mir in vielen Stunden liebevoller Kleinarbeit sooooo viel Mühe gegeben, damit alles PERFEKT aussieht. Mist. Sogar die Telefonzellen und den Escort links im Bild habe ich hingestellt.
          Du merkst aber echt ALLES. 😉

          Sandmann

          • El Gigante sagt:

            That`s me!
            Ein Paradebeispiel meiner Akkuratesse ist tornadorot:

            *hier hätte ein Bild erscheinen sollen*

            Keine Ahnung, was aus dem Projekt geworden wäre, wenn ich nicht akribisch auf Feinheiten geachtet hätte.

            El

  2. Daemonarch sagt:

    Auuu geil!

    So einen Laden für Haushaltsauflösungen haben wir auch. Nicht ganz so viele nahezu antike Sachen, und mehr zeitgenössische, dafür werden die Preise da nach Sympathie und Daumen gemacht.

    Wir haben aus dem Laden praktisch die ganze Wohnung neu eingerichtet, was wir da schon alles gekauft haben… Sofaecke 80,- Fernsehschrank 10,- Mein Bett 20,- Mein „neuer“ Schrank in meinem Zimmer 50,- Standlampe in Schön 10,- Zeitungsständer 5,- Spüle 5,- Wohnzimmertisch Höhenverstellbar und ausziehbar 60,-…
    Da wundert man sich teilweise, da sind Sofaecken, die sehen so unberührt aus, als hätte da nie einer drauf gesessen, oder ganze Küchen die wirklich neuwertig und modern aussehen…

    Würde ich dort meine Wohnung grundeinrichten, würde ich glaube ich mit 500€ locker auskommen.

    Leider hat es sich in letzter Zeit eingebürgert. das rumänische LKW dort vorfahren, und die nach 1-2 Stunden voll wieder abdampfen, und das Lager ist beinahe leer.

    Ich finde, diese Sachen sollten eher für bedürftige deutsche da sein, die sich nicht immer neue Sachen leisten können (wie mich z.b.)

    • Sandmann sagt:

      Ay Daemonarch,

      es gibt rund um Kiel auch diverse Sozialkaufhäuser, das kommt dem was du beschreibst eher nahe. Dort wird gespendet, und zwar alles was der Haushalt so hergibt. Dort arbeiten 1-Euro-Jobber, also muss auch nicht viel Geld verdient werden 🙂 Auch da wurde ich schon fündig, allerdings darf man nicht in jeder dieser Einrichtungen einkaufen, wenn man nicht „offiziell“ bedürftig ist.

      Bei Sofas, Schränken und Kommoden scheiter ich persönlich meistens gar nicht am Preis, sondern am Geschmack. Das klassische Design der 90er, was mal heftig teuer war, finde ich zum Beispiel gruselig. Schwarze Sofaecken oder graue mit diesem „Graffitti“-Muster, Tische und Schränke in Kirschholz-Optik oder Vitrinen mit viel Glas und Beleuchtung…. das kann man mögen, ich tu es nicht. Egal wie preiswert. Jede Gaststätte in den neuen Bundesländern sieht so aus, weil sie nach der Wende für viel Kohle renoviert wurde…..
      Ich bin mehr so der schlichte Holztyp. Und ein wenig IKEA hat auch noch niemandem weh getan. Aber du hast Recht, man kann echt arm werden, wenn man neue Möbel kauft. Ich hab das die kommenden 20 Jahre nicht mehr vor 😉

      Sandmann

  3. Will Sagen sagt:

    Ich nehme mir viel zu selten Zeit für sowas. Und eh man sich’s versieht, geht’s nicht mehr.

    • Sandmann sagt:

      Ay Will,

      ich komme regelmäßig bei meinen Pendeleien da vorbei, sonst würde ich das wohl auch nicht so oft machen. Obwohl…. DIESE Geschichte kam tatsächlich aus einem langen Wochenende und dem Satz: „Geil, hast du Lust mal wieder in die Schatzkammer zu fahren?“ 🙂

      Gibt’s bei euch in Berlin sicher an jeder Ecke, eigentlich, oder?

      Sandmann

  4. LarsDithmarschen sagt:

    Ich liebe solche Läden. Ich bin auch eher einer, der lieber etwas gebraucht kauft als für Neuteile viel Geld auszugeben, um mich nach zwei Jahren zu ärgern, dass der Kram kaputt geht.

    Ich bin damit aufgewachsen, „Recyclen“ war bei uns schon immer angesagt. Seit Papa zu Hause ist – und inzwischen darf ich ja sogar Rentner sagen – findet er manchmal günstiges Holz (andere Menschen sagen auch Sperrmüll dazu), das man teuer kaufen müsste und so haben wir schon aus verschiedensten Möbelstücken neue Möbel gebaut. Küchenregal? Kein Problem, mit Farbe angemalt sieht eh keiner, was es mal war.

    Neulich war ich bei Ikea in Kiel, fand das da ganz nett, aber muss nicht sein, dass ich da etwas kaufen muss. Dann lieber gebraucht kaufen, zur Not ein wenig Arbeit reinstecken und sich dann freuen. Ich hab dieses Jahr auch Omas alte Küchenstühle wieder neu aufgepolstert. Die müsste ich nur nochmal anschleifen und neu ölen.

    Schreibmaschinen, alte Telefone und so etwas finde ich auch ganz toll. Deswegen hab ich mir ein Flohmarktverbot auferlegt. Ich komme immer mit zu viel Mist nach Hause 😉

    Schöne Grüße
    Lars

    • Sandmann sagt:

      Ay Lars,

      oh ja, ich verstehe was du meinst……
      In meiner Brust schlagen da auch zwei Herzen. Nichts gegen IKEA, die haben ja inzwischen auch durchaus hochwertige und schöne Möbel im Angebot, die dann aber auch entsprechend teuer sind. Aber auch ich repariere lieber, als dass ich wegwerfe. Sofern das noch geht.
      In den 80ern gab es noch Sperrmüll, der pro Straßenzug abgeholt wurde. Das bedeutet, ein halber Stadtteil stellte an einem bestimmten Abend seinen „Müll“ an den Straßenrand. Das war dann für mich immer ein wahres Wunderland, denn alles, ALLES durfte ich mitnehmen und alles war umsonst 😀 Wenn ich überlege, wie viele hochwertige alte Möbel da geschreddert wurden, weil gerade schwarzes Furnier hip war und man sich von Omas altem Kram verabschieden wollte. Oh jeh.
      Rund um Hamburg haben die Möbelaufbereiter längst begriffen, dass es lukrativ ist, alte Schränke und Kommoden aufzukaufen, ein wenig aufzuarbeiten, weiß „shabby“ lasieren und anzubieten. Küchenschrank für 800€? Ein Schnäppchen. Kleiderschrank für 1300€? Kein Problem. Und die Dinger gehen gut weg!

      Worauf auch ich auf Flohmärkten und Trödelscheunen immer anspringe: Elektrogeräte aus den 80ern, alte Radios, Uhren und tatsächlich auch Schreibmaschinen. Zum Glück liegen da selten Gitarren rum, die noch was taugen 😉
      Aber ich reiß mich meist zusammen, und in meiner Tochter habe ich ein wachsames Auge an meiner Seite, dass es nicht zu viel wird…..

      Sandmann

  5. Toll über Dinge zu lesen die noch vor meiner Zeit entstanden sind. Bin ja auch noch nicht so alt ^^

    Das erinnert mich an meinen ersten fahrbaren Untersatz der einen Tag vor meinem 18. Geburtstag schon 21 geworden ist.
    Leider gibt es den nicht mehr *schnief* Der Rost hat ihn dahingerafft…

    • Sandmann sagt:

      Ay André,

      diese Schleifen funktionieren ja in jeder Generation. Wenn du in den 90ern geboren wurdest dann stehst du mit 40 vielleicht vor dem Nokia 5110 und denkst ALTAAAA so eins hatte ich mal!
      Ich hatte in meinem Audi V8 den dicken Siemens-Knochen abgefeiert, original Werkseinbau, D-Netz, Freisprecheinrichtung, und das Teil ging sogar!
      Ich bin grad auf der Suche nach einem Sony Walkman 🙂 Den konnte ich damals nicht bezahlen, meiner war von ITT. Mal sehen….. BRAUCHEN tut man sowas ja eher nicht.

      Schade um dein erstes Auto. Aber es ist eine gute Einstellung, Autos zu fahren, die älter sind als man selbst. Ich habe mir irgendwann mal auf die Agenda geschrieben, ein Auto zu haben, was zumindest älter als meine Freundin ist. Klappt noch immer, und die Freundin ist gar nicht soooooo jung 🙂

      Sandmann

      • Nokia 3310. Das waren noch Zeiten als die Fliese zuerst aufgegeben hatte… 🙂
        Bei jedem neuen Apfelgerät ist zuerst der Display kaputt ^^
        Auf der Such bin ich auch, und zwar nach einem dunkelgrauen BMW E30, Erstzulassung am 24.06.1991. An meinem Geburtstag. Das wäre wie ein 6er im Lotto. 😀 In dem Auto bin ich aufgewachsen…

        Ja, der arme. 🙁 Aber wenn die Hinterachse nur noch an zwei Schrauben hängt und der TÜV sich schon weigert unten rein zu schauen hat es wohl keinen Sinn mehr 😉

        • Sandmann sagt:

          Ay André,

          na ein dunkelgrauer E30 wird nicht so schwer zu finden sein, das mit der Zulassung wiederum ist ein recht spezieller Wunsch 🙂
          Verdammt, du bist geboren worden, da hatte ich schon Abi 😉

          Sandmann

  6. Marc sagt:

    Ach da werden auch meine Jugenderinnerungen wach. Damit meine ich nicht die Gegenstände, sondern das Streifen durch Brockenhäuser (so heissen die bei uns).

    mir geht’s wie Dir, zwischenzeitlich werde ich rückfällig und besuche wieder so ein Haus… meist komme ich um Ehekrach zu vermeiden nur mit ein paar LPs raus… die kann man so gut unter den schon vorhandenen verstecken 🙂

    • Sandmann sagt:

      Ay Marc,

      na wenn sowas einen Ehekrach auslöst solltet ihr euch mal unterhalten 🙂 Männer müssen ab und an mal Mist mit nach Hause schleppen, das tut keinem weh, wenn es nicht ausartet….
      Brockenhäuser. Hab ich noch nie gehört. Wo kommt das Wort her?

      Sandmann

  7. Marc sagt:

    Ehrlich gesagt, keine Ahnung 🙂

    Ich muss meine Frau insofern verteidigen, als dass ich beim Zusammenziehen schon unzählige solche „Brochenhausartikel“ inkl. Möbel etc. mitgebracht habe. Einiges davon auch von meinen verstorbenen Grosseltern… 😉
    Ich kann sowas so schlecht weggeben.

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