K70 – das Inkagold der rasenden Reporter

Äh… wollt ihr nicht lieber ein Auto aus dem Fuhrpark nehmen?

Ein Stich ins ohnehin schon blutende Herz, als mein weltbester Redaktionskollege und guter Kumpel Lars Busemann gemeinsam mit mir in der Chefredaktion von Autobild.de vorspricht. Es scheint bis hier oben durchgesickert zu sein, dass wir im Jahre des Herrn 2011 bei der Live-Berichterstattung während der 4. Auflage der Rallye Hamburg-Berlin-Klassik neue Wege gehen wollen. Und das bedeutet nicht nur echtes live-bloggen auf den einzelnen Etappen. Das bedeutet auch ein unkonventionelles Pressemobil. Der Benz SEC von Lars war letztes Jahr – dieses Jahr rollt mein goldener VW K70 mit uns durch das gesamte Starterfeld an drei ereignisreichen Tagen von Hamburg nach Berlin. „Nein.“ Wir wollen genau dieses Auto fahren, weil wir grenzenloses Vertrauen in ihn stecken. 40 Jahre Alltag mit Patina und randvoll mit Geschichten, schon jetzt. Ich muss noch ein paar Kleinigkeiten richten…

Das alternde Pressegold hat lange geschlafen.

Und man sieht ihm sein Alter inzwischen echt an. Mir allerdings auch. Wir zwei sind gleich alt. Ich habe meinen alten Freund in diesem Winter nicht geschont, und die Quittung bekomme ich nun in Form von Flugrost an allen Teilen, ausgelöst durch Tonnen von Streusalz. Auch der Tacho hat schlapp gemacht, gemeinsam mit der Quarzuhr. Gruppensuizid. Da fange ich mit dem light-pimpen mal an, selbstlos unterstützt durch den wohl größten Fahrlehrer der Welt, El Gigante. Dieser auch hier sehr schreibfreudige Mensch hat mir aus seinem Fundus eine neue Cockpiteinheit geschickt, außerdem einen neuen Unterbrecherkontakt für den Zündverteiler. Wir wollen ja nicht liegen bleiben. Was würde die Chefredaktion sagen, was würde aus der Live-Berichterstattung? Nein nein, der alte NSU muss rollen!

Wobei dieses Rollen nicht ernsthaft durch eine defekte Quarzuhr oder einen nicht mitlaufenden Tageskilometerzähler gebremst würde. Aber da bin ich penibel, die Instrumente, auf die ich drei Tage lang gucken soll – die müssen funktionieren. Was sie nun auch tun. Ein paar Umbauarbeiten, die mir gesendeten Geräte hatten kein Lämpchen mehr für den manuellen Choke und auch das Glas der Uhr passte nicht. Aber das lässt sich leicht richten. Danke El! Du hast einen gut! Wesentlich verwegener kommen allerdings der hakelnde Doppelvergaser und das fehlende Radio daher. Womit mache ich weiter? Mit dem Radio. Der Mensch braucht auch in so einem Auto Musik zum fröhlich sein!

Das gute alte Blaupunkt, welches ich auf einem K70-affinen Treffen erwarb, passt zwar hervorragend in die Optik dieses Urgesteins aus den 70er Jahren… aber die Anschlüsse auf seiner Rückseite treiben dem gelernten Kommunikationselektroniker Schweißperlen auf die Stirn. Bananenstecker für den einen Lautsprecher, ein schmaler Kontakt für plus (die eine Seite) und minus (die andere Seite), irgend ein gelbes Kabel und ein Antennenstecker. Das ist mir zu windig. Irgendwo habe ich noch ein altes Blaupunkt Augsburg Casetten-Radio aus den 90ern (von einer aus Versehen gewonnenen ebay-Auktion) in der Garage liegen. Das tut es auch. Die Antenne… ich finde keine, aber auch KEINE Möglichkeit, die im linken Kotflügel so unterzubringen, dass ich ihr Kabel in den Innenraum legen kann!? Also verbanne ich sie ins Handschuhfach. Mal sehen, was morgen der AVD dazu sagt 😉 Musik spielt. Einige meiner 20 Jahre alten Kompaktcasetten sind im Handschuhfach. Und Papa Kalle ist natürlich dabei. Erinnern Sie sich?

Ich habe gerade ein schraubendes Déja-Vu, viele dieser Arbeiten führte ich schon vor drei Jahren in Örgs Werkstatt durch. Vor eben jener sagenhaften Herbst-Tour. Die Herausforderung ist nun eine ganz andere. Donnerstag Prolog im Hamburger Hafen, Freitag die Etappe von Hamburg nach Wolfsburg, Samstag die Etappe nach Berlin. Alles auf den schönsten Nebenstraßen der Republik, inmitten von 180 Oldtimern aus über 8 Jahrzehnten Automobilgeschichte! Unser 1971er K70, Volkswagens erster wassergekühlter Personenkraftwagen (seinerzeit vom einverleibten NSU-Werk übernommen) ist bestimmt der rostigste Mitstreiter im Feld. Aber er hängt mir am Herzen, er hängt allgemein gut am Gas, er ist golden und er wird es schon machen!

Das, liebe Frauen, funktioniert genau wie bei einem treuen Mann. Man muss nur ein bisschen lieb zu ihm sein, und er bleibt ein Leben lang. Aber nicht ZU lieb, das könnte ihn langweilen. Der KaSi bekommt noch einen Schluck Öl auf seine Steuerkette, mehr braucht es nicht. Wer nach 7 Monaten Winterschlaf anstandslos mit eigener Batterie anspringt und schnurrt wie ein Uhrwerk, der hat weiter keine Bedürfnisse. Der bringt uns mit der Leichtigkeit der 70er zu den Etappenzielen und den abendlichen Veranstaltungen. Der fährt über die Landebahnen von Groß Dölln und lässt das Feuerwerk in der Autostadt in seinem alternden Chrom wiederspiegeln. Ich freue mich wie ein kleines Kind auf die kommenden vier Tage, wo es ausschließlich um altes Blech, dessen Piloten und das gemeinsame Erlebnis Rallye geht. KaSi – bist du bereit? Noch ein bisschen Felgensilber vielleicht? Okay, aber nur ein bisschen.

Vielleicht verstehen Sie nun, warum ich in den vergangenen Tagen und Wochen ein bisschen zurückhaltender war. Ich war mit der Organisation beschäftigt. Da muss der Blog mal ein wenig Pause machen. Aber heute ist Mittwoch, und morgen ist Donnerstag. Prolog-Donnerstag. Und wir sind mitten drin. Der kahle Typ mit der Schirmmütze und der alternde Bärtige mit dem weißen Panama-Hut fahren in den Goldenen Gezeiten entlang der Strecke und werden Sie über den ganzen Tag auf dem Laufenden halten. Über alle Fahrzeuge, die Fahrer und die Etappen. Ein Eierlikörchen mit Udo Lindenberg? Gern. Hab ich dabei, er fährt selbst. Ein kleines Liedchen mit Peter Maffay? Womöglich. Ich habe vorsichtshalber eine Gitarre an Bord. Unsere Live-Berichterstattung bekommt einen eigenen Frame auf der Auto Bild Klassik Seite. Das alles

finden Sie hier!

Ich freue mich über Ihre Anteilnahme an diesem großartigen Event, den wir mit einem einzigartigen Auto begleiten werden. Hier im Blog später, auf der Klassik Seite live. Sehen wir uns???

Sandman

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

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6 Responses to K70 – das Inkagold der rasenden Reporter

  1. CTHH says:

    Hallo Sandmann,

    Ich komme aus einem MPU-Forum, wo ich Personen zur Beantwortung eines Onlinefragebogens motiviere. Die Erhebung erfolgt im Rahmen eines Forschungsprojektes der Helmut-Schmidt Universität.

    Mein Mittelsmann ‚Doc‘ hat mich hier an ‚Jens‘ verwiesen. Bist du das? 🙂 Es geht darum, das Ganze über Autobild zu bewerben und ggf einen Ergebisbericht in der Autobild zu veröffentlichen.

    viele Grüße,
    Conrad

  2. Markus1975 says:

    Au yeah!!!

    Sandmann wieder on Tour. Ich finde das soetwas von geil! FReue mich schon ganz doll auf Photos etc. .
    Wünsche Euch beiden eine beulenfreie Fahrt, viel Spaß, keine festsitzenden Bremssättel, zufrieden schnorchelnde Vergaser und…funktionierende Scheibenwischer. 😉
    Da soll ja noch etwas kommen. Durchhalten!

    V8 mäßige Grüße

    Markus der mitfiebert

    • Sandmann says:

      Bester Markus,

      im neuen Artikel ist der LiveLink auf die Berichterstattung 🙂
      Die Scheibenwischer sind bisher entgegen der Prognosen noch arbeitslos, der Doppelvergaser schnorchelt gutes Super Plus, als hätte er nie was anderes bekommen und die Bremssättel sind ja mehr oder weniger neu… da ist alles okay.

      Lustig, wie viele Menschen sich für dieses kleine, goldene Auto interessieren. Und wie viele so einen hatten! Man wundert sich irgendwann, dass damals nicht mehr verkauft wurden.

      Morgen geht es in den Osten. Ich soll wohl mal schlafen jetzt 😉

      Sandmann

  3. Markus1975 says:

    Hey Jens

    Kalt, regnerisch und windig.
    Ja sind wir denn in England?! Ende Mai und so ein richtig schönes Mistwetter, wo jeder Cabriofahrer das Verdeck zu macht und einen Aufkleber „Zu kalt“ draufbackt. 😉
    Den live Link finde gar nicht so schlecht. Ist eine sehr gute Idee, nur leider lassen sich die Photos nicht vergrößern. Und ich wollte die Promis doch einmal „lebensgroß“ sehen. Die Promis…die Autos meinte ich natürlich. Hehe
    Ich muß doch „nachher“ noch einmal in die Starterliste reinschauen.

    V8 mäßige Grüße

    Markus mit der letzten Nachtschicht

    • Sandmann says:

      Ay Markus,

      ja, wenn man bedenkt, in wie wenig Zeit wir es irgendwie hinbekommen, zu fahren, zu fotografieren, zu sprechen und dann die Bilder zu beschneiden und ins Internet zu stellen – mit ein bisschen erläuterndem Text… Ich bin gerade von uns begeistert 🙂 Hoffentlich nehme ich auch ein bisschen ab, irgendwie komme ich nicht zum Essen…

      Dass du die Bilder nicht wie gewohnt vergrößern kannst liegt an der Galerie, die immer zuletzt (also an jedem tag zu oberst) kommt. Entweder die, oder die vergrößerbaren Bilder. Wenn du wüsstest, wie schräg es war, einen WordPress Blog in das System der Autobild.de Seite einzubinden – da macht man doch gern ein paar kleine Abstriche 🙂

      Wir lesen uns…
      Sandmann

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