K70-Werft – 2. Teil

Welch ein Aufwand für ein altes Auto! Eine ganze Rolle Schweissdraht, zwei Flaschen Schutzgas, unzählige Flexscheiben, einige teure Meter frisch geschnittenen und gebogenen Blechs und reichlich lieber nicht zusammengerechnete Zeit hat es mich gekostet, um aus meinem maroden kleineren NSU-Ro80-Geschwister wieder ein Fahrzeug mit einer aussichtsreichen Zukunft zu machen.

Zu machen? Ehrlich gesagt gehörte schon eine beachtliche Kreativität dazu, wie Knäckebrot knisternde und genauso brüchige oder gänzlich in Ferrum-Oxyd aufgelöste Automobilbaukonstruktionen künstlerisch gestaltend nach zu empfinden. Dass diese zudem auch eine dem kompletten Mikrokosmos dieses K70 Halt und Stabilität gebende Funktion hatten – und nun auch hoffentlich wieder haben – war mir während meiner tagelangen Schweiss-Arien natürlich ständig gegenwärtig.

Irgendwann war dann endlich der letzte Schweisspunkt erloschen und das hitzegewellte Blech erkaltet. Wie ein eben zurück in die Erdatmosphäre eingetretenes ultrahoch aber – kurzerhitztes Spaceshuttle stand mein Brutzelobjekt nun in der verräucherten Garagenwerkstatt. Die bläulichen Schweissdämpfe waberten noch ewig um meine flexstaubdurchsetzten Haare. In all meinen schwitzigen Hautfalten hatte sich eine anmutige Schicht des nach allen Seiten gestobenen Metallabriebs versammelt. Mit vom Schweissen verblitzten und tränenden Augen torkelte ich in den gleißenden Sonnenschein vor meiner Garage. Gott sei’s gelobt und getrommelt – es war geschafft! Lediglich die vielen kleine Brandlöcher der ständig beim Schweissen heruntergefallenen, glühenden Schweissperlen in meine Socken erinnerten später noch an diese orgiastische Tätigkeit.

Obwohl mich diese Arbeiten am K70 unglaublich in Anspruch genommen hatten, wuchs jetzt ein unbarmherziger Drang nach Perfektion. Am Unterboden fand ich viele kleine Rostnester unter dem Unterbodenschutz. Beherzt bewaffnete ich mich mit einem angeschliffenen Schraubenzieher und befreite die komplette Karosserie von dieser zähen Masse. Eine Tage anhaltende und Handgelenk verschleissende Arbeit für Strafgefangene! Doch die anschließende Behandlung des Blechs mit Rostkonverter, Rostschutzfarbe und schließlich original „Sonnengelb“ sorgten für ein überzeugendes Ergebnis. Der Vorteil: beschädigte Stellen am Unterboden können nun besser aufgefunden und ausgebessert werden. Auch die Radhäuser, sowie der Motor- und Kofferraum bekamen auf diese Weise wieder ihre Originalfarbe.

Über die aufwendigen Lackiervorbereitungen handelt der nächste Teil meiner K70-Werft.

El Gigante

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3 Responses to K70-Werft – 2. Teil

  1. Sandmann says:

    OMG!
    Wenn du sagst, dass die Bilder und die Geschichte an sich schon eine Dekade her sind… wie sieht der Wagen denn heute aus? Hat deine Arbeit gehalten, was die Bilder versprechen?

    Sandmann

    • El Gigante says:

      Ja, Sandmann, meine Spezialbehandlung und die im weiteren Teil noch zu beschreibenden Lackiervorbereitungen haben ihn tatsächlich konserviert. Ich habe etwas unglaublich Bewegendes geschafft; die Zeit hat vor meinem Auto halt gemacht: http://www.youtube.com/watch?v=4fUQA8x98Jw&feature=related.

      … aber ich will nicht zuviel vorweg nehmen – sonst steht alles hier in den Kommentaren, was eigentlich in „K70-Werft – 3. Teil“ gehört.
      🙂

      To be continued…

      El Gigante

      • Sandmann says:

        Es ist ja auch kein Teufel, dein Auto 🙂

        Werden wir jemals wieder so rumlaufen wie in den 70ern? Gruuuuusel. Na dann, ich bin gespannt wie es weitergeht. Da muss ich ja wieder mal gegen an schreiben, aber ich hab sooooo viel mit der neuen Rallye Hamburg-Berlin-Klassik zu tun 😉

        Sandmann

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