Mit Geduld und Spucke fängt man manche Mucke

Auf der Suche nach dem Wort „Geduld“ findet man bei Wikipedia: „Das Wort Geduld (auch altertümlich: Langmut) bezeichnet die Fähigkeit, warten zu können. Oft gilt Geduld als eine Tugend; ihr Gegenteil ist die Ungeduld.

Als geduldig erweist sich, wer bereit ist, mit ungestillten Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen zu leben oder diese zeitweilig bewusst zurückzustellen. Diese Fähigkeit ist eng mit der Fähigkeit zur Hoffnung verbunden. Geduldig ist auch, wer Schwierigkeiten und Leiden mit Gelassenheit und Standhaftigkeit erträgt.“

Wäre er nicht so verdammt wahr, würde mich spätestens dieser zweite Absatz zum unkontrollierbaren Prusten bringen. Allein die Ausdrücke „ungestillte Sehnsüchte, Fähigkeit zur Hoffnung und Leiden mit Gelassenheit“ lassen mich schon beim Lesen lautstark losgröhlen.

Recherchiert man weiterhin bei Wikipedia nach dem Wort „Fahrlehrer“, so findet man hingegen an keiner Textstelle auch nur einen einzigen Hinweis auf „Geduld“ als besondere geistige oder charakterliche Voraussetzung für eine solche staatlich anerkannte Lehrkraft, die ich nunmal bin.

Doch bei kaum einem anderen Beruf ist „Geduld“ ultimativ erforderlicher – okay… vielleicht brauchen Taxifahrer ebenso viel davon – deren Geduld ist aber auch von ganz anderer Qualität, eher mehr stehend und abwartend. Fahrlehrer’s Wirken kann natürlich unmöglich auf Abwarten basieren. Seine Fahrschüler bezahlen schließlich für automobile Bewegung… „Wird Zeit, dass sich was dreht!“

„Fahrlehrer meets Geduld“ hatte ich bereits in der Fahrlehrerausbildung kennengelernt. Von meinem plötzlich fies grinsenden Chef bekam ich nämlich einen „gebrauchten“ Fahrschüler. Sowohl Chef selbst, als auch andere angestellte Fahrlehrer, hatten sich bereits lange zuvor an diesem Bürschchen erfolglos die Hörner abgestoßen… und ihn mental eigentlich als „nicht verkehrs-erziehbar und automobil-motorisch-untauglich“ entsorgt. Diesem „aus-der-Fahrschul-Urne-Gekratzten“ sollte ich nun also zum Führerschein verhelfen.

Demonstrativ dankbar und natürlich bewußt tapfer nahm ich diese Herausforderung an. Ich sah sie quasi als Reifeprüfung, DEN Job meiner Ausbildung – wenn ich DAS schaffen würde, dann wäre ich wohl bereit für alle Unbillen, die einem Fahrlehrer in Zukunft in die berufliche Quere kommen könnten… zumindest im ersten Jahr.


Der schwierige Fall entpuppte sich in den nächsten Wochen als verschüchterter, nervöser, junger Mann mit russischem Migrationshintergrund und offensichtlich niedrigem Bildungsstand. Ihm fehlten, trotz der vorangegangenen 75 Fahrstunden, noch einige motorische Fähigkeiten und eine dringend nötige Routine. Er beklagte sich, dass meine Kollegen sehr ungeduldig (und obendrein sehr unhöflich) waren, obwohl er sich beim Fahren alle Mühe gegeben hatte. Mein Chef hatte ihn schließlich sogar mit dem Spruch „Du bist zu blöd zum Autofahren“ nach einem Fahrfehler auf einer Kreuzung aus dem Fahrschulauto geworfen. Das fand ich ja ungeheuerlich und Chef’s Art alles Andere als nachahmenswert. Er konnte mir somit aber wenigstens noch als schlechtes Vorbild dienen.

Dieser Fahrschüler absolvierte jedenfalls unter meiner Regie weitere 75 Fahrstunden, fiel aber leider bei seiner ersten Fahrprüfung durch – fristgemäß musste er deshalb sogar die theoretische Prüfung wiederholen – ich half ihm sogar in meiner Freizeit bei der Vorbereitung dazu. Erst die dritte praktische Prüfung bestand er endlich.

Mein Chef fragte anschließend verwundert, wie ich DAS denn wohl geschafft habe. Ich antwortete, dass ich immer freundlich und ruhig geblieben bin und bei Bedarf Probleme wieder und wieder erklärt habe – und den Fahrschüler letztendlich durch ständig wiederholtes Üben zur Prüfungsreife brachte. Darauf erklärte er mir: „Wenn du den Job schon so viele Jahre wie ich machst, dann kannst du auch nicht mehr ruhig bleiben und so viel Geduld haben.“ Einem Pädagogen mit dieser Einstellung zu seiner Geduld sollten Begriffsstutzige und weitgehend Lernresistente lieber aus dem Wege gehen – finde ich.


Doch auch ein mental noch so entspannter Fahrlehrer stößt beruflich irgendwann mal an die Grenzen seiner Geduld – gerät gefühlt vielleicht sogar darüber hinweg. Mein persönlicher Rahmen liegt zwar „weit draußen“, kann aber vom Auszubildenden durchaus mit etwas Geduld seinerseits erreicht werden.

Dazu bedarf es allerdings (s)einer übermäßig hartnäckigen, ausgeprägten und nahezu nicht behebbaren Untalentiertheit. Fehlt ihm/ihr nun auch noch die durchaus wichtige Fähigkeit, sich in vernünftigem Maße der deutschen Sprache zu bemächtigen (noch zu toppen durch: … lebt aber schon viele Jahre in diesem Land), schwindet die Chance auf einen langanhaltenden „Welpenschutz“. Mit der frechen Forderung nach einem in seinem Vokabularium mit ihm kommunizierenden amtlich anerkannten Prüfer, fahren meine normalerweise nahezu unerschöpflichen Geduldsreserven für solcherart Schutzbefohlene dann schlagartig auf Tiefststand.

Wir traditionell nachhaltig schuldbewußten Deutschen räumen der integrationsmäkelnden Spezies auch in Punkto Führerschein aberwitzige Privilegien ein: die theoretische Prüfung beispielsweise ist hierzulande problemlos in einem Dutzend Sprachen möglich – wie wäre das aber im Gegenzug, wenn ausgerechnet ein deutscher Bundesbürger als „Gastarbeiter“ beispielsweise eine Lizenz in Syrien oder der Ukraine erlangen möchte? Oder: würde ein türkischen Fahrlehrer und später auch der orientansässige Prüfer den Füherscheinbewerber auf Deutsch durch Istanbul dirigieren? Und würde der sicherlich südländisch temperamentvollere Verkehrspädagoge seiner Bestimmung auch mit meiner nordisch stoischen Geduld nachgehen wollen?


Erlebter Fall: Nach einer misslungen Prüfung erklärte der TÜV-Sachverständige der türkischstämmigen Dame, dass sie leider durchgefallen sei. Zunächst zickte sie jedoch herum, dass sie inzwischen sooo viel Geld für „de Führerschein“ ausgegeben hatte… nun müsse sie ihn aber endlich mal bekommen. Als der Prüfer ihr freundlicherweise klar machen wollte, dass man seinen Führerschein in Deutschland NICHT einfach käuflich erwerben kann und woran es denn nun speziell in ihrer Prüfung gehapert hatte, stellte sie einfach auf stur und behauptete stumpf: „nix verstehn‘!“ Prüfer’s letzte Worte in dieser Sache, dass sie aber wirklich durchgefallen sei, garnierte sie flappsig mit „Scheisse!“, was den grienenden Sachverständigen natürlich zum Nachsetzen veranlasste: „Ach, DAS können sie aber verstehen!?!“

Während der Fahrstunden sind aber immer häufiger andere Auswirkungen fehlender Geduld zu beobachten. Okay – wer fährt schon gern hinter einem Fahrschulauto her? Trotzdem fällt mir dabei ein dramatischer Verfall der Verkehrsmoral vieler anderer Verkehrsteilnehmer auf. Und zwar (für die automobilen Profis) peinlicherweise entegegen alldem, was jeder Fahrschüler in der theoretischen Pflicht lernt.

Selbst der Grundsatz, dass der Stärkere auf den Schwächeren Rücksicht nimmt, wird auf dem Schlachtfeld Straße komplett umgekehrt: da gilt das Gesetz des Stärkeren. Das Fahrschulschild weist ein Fahrschulauto als Freiwild aus!

Doch es bedarf dieses Schildes nicht!

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Geneigter Leser, lieber automobiler Freund, lieber sachverständiger Mobilist.

Versuche doch mal wieder reinen Gewissens mit einem Automobil am öffentlichen Straßenverkehr teilzunehmen?

Ich meine jetzt… ABSOLUT IM EINKLANG MIT DER StVO!

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Ohne Geschwindigkeitsüberschreitung, ohne Missachtung eines Überholverbotes, dem vorgeschriebenen Stillstand an der Haltlinie unmittelbar nach einem STOP-Schild, Haltebereitschaft an Rechts-vor-Links-Kreuzungen, Schulterblick, Spiegelbenutzung, KEINEM Rotlichtverstoß, wirklich ausreichender Sicherheitsabstand beim Hinterherfahren, gefahrloses Überholen, Beachtung von Durch- und Einfahrtsverboten, schraffierten Flächen und durchgezogenen Linien, Park- und Haltverboten, mit Schrittgeschwindigkeit an warnblinkenden Bussen vorbei, mit mäßiger Geschwindigkeit und eigener Absicherung über einen Bahnübergang… etc, etc.!

EINFACH SO FAHREN, WIE DU DAS DAMALS IN DER FAHRSCHULE GELERNT HAST! SO, ALS OB DU MORGEN WIEDER ZUR PRÜFUNG MÜSSTEST!

Du wirst fassungslos sein, was du erlebst! Du wirst spüren, dass du, obwohl du dich absolut StVO-konform verhältst, das reinste Verkehrshindernis bist. Du wirst angehupt, beschimpft, bedroht und andere Verkehrsteilnehmer werden dir bewusst deine Rechte nehmen.

Hier einige ganz alltägliche Beispiele:

Auf einer mit Splitt bestreuten Landstraße (40-km/h-Geschwindigkeitsbegrenzung) außerorts setzte neulich ein Traktor mit zwei Anhängern zum Überholen an. Wir fuhren die ausgeschilderten 40 km/h. Einige LKW hatten das Überholen bereits vorgemacht!

Bis auf ca. 5 Meter kam vor einiger Zeit ein 40-Tonner in einer 70-Zone außerhalb geschlossener Ortschaft an das Heck des Fahrschulautos heran. Als die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben wurde, wollte der LKW gerade zum Überholen ansetzen – trotz Gegenverkehr und Überholverbot!

Wir befuhren den mittleren Fahrstreifen einer Autobahn. Rechts, ein LKW nach dem Anderen. Einer Geschwindigkeitsbegrenzung (80 km/h) folgend, verzögerte die Fahrschülerin in Höhe des Schildes. Fortan wurden wir links von Fahzeugen überholt, die sich (mit geschätzten 100, 120 und mehr km/h) nicht an die ausgeschilderte Geschwindigkeit hielten und von allen LKW rechts (von mir geschätzte Differenz: mind. 15 km/h) überholt. Einige LKW-Fahrer beschwerten sich mit Hupe und Lichthupe darüber, dass wir uns aufgrund dieser Lage auf die rechte Fahrspur einordnen wollten. Dieses Manöver wurde von den LKW-Fahrern jedoch aggressiv vereitelt.

Beim Passieren eines warnblinkenden Schulbusses an einer Bushaltestelle wurden wir wütend hupend überholt! Der Fahrschüler fuhr nicht die vorgeschriebenen 4-7 km/h, sondern fast 15 km/h!

Ähnliches passierte beim Überqueren eines unbeschrankten Bahnübergangs. Die Fahrschülerin verringerte vorschriftsgemäß die Geschwindigkeit (etwa 30 km/h) um selbst einen Blick auf die Schienen werfen zu können… in dem Moment überholte ein PKW mit geschätzten 100 km/h.

So könnte ich stundenlang berichten! Und jetzt die Frage nach dem Fazit (und DAS steht manchmal sogar auf Grabsteinen): warum? Ganz einfach aber ernüchternd: niemand pflegt mehr die Tugend der Geduld. Alle rasen ihren Terminen hinterher – niemand hat mehr Zeit in dieser Zeit… ist das nicht ein trauriger Zustand?

Aber erlebt es selbst – fahrt einfach mal BEWUSST KORREKT. Back to the roots! Entsinnt euch einer Moral… habt Geduld… als Mensch, als Autofahrer… nur DAS kann Zukunft haben! Es muss etwas passieren! Genialer Nebeneffekt: die Gefahr, dabei in die Punkte zu fahren oder ein „Knöllchen“ zu riskieren ist damit nahe Null.

Denkt an diese Worte eines Fahrlehrers… und ich sehe mich da wirklich NICHT als Oberlehrer.

El – täglich im Krieg und dennoch geduldig!

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16 Responses to Mit Geduld und Spucke fängt man manche Mucke

  1. Daemonarch says:

    Ein wahres Wort gelassen ausgesprochen!

    Ich habe zwar „erst“ seit 20 Jahren den PKW, seit 18 Jahren den Omnibus & LKW-Schein, aber selbst mir ist die maßlos gestiegene Aggressivität aufgefallen auf deutschen Straßen, die einem manchmal echt den Spaß am seltenen Autofahren verleidet.
    Ich für mich habe für mich die Taktik gewählt, in der Stadt Tacho 60 zu fahren, was real bis zu 5km/h langsamer ist, und nicht allzu teure Knöllchen nach sich zieht, auf der Autobahn maximal bis zu 20km/h schneller als erlaubt.
    Dennoch kommt man sich teilweise vor wie eine mobile Straßensperre, man wird bedrängelt, Licht-angehupt, mit obszönen Gesten bedacht, Roller mit Versicherungskennzeichen fahren hinter einem in Schlangenlinien die karg profilierten Reifen „warm“, es macht einen einfach nur traurig.

    Deshalb ist mein Mitleid mit Menschen, die sich in enger Umarmung des darwinschen Gedankens aus der Geschichte katapultiert haben erschreckend gering.

    P.s… Nazi!

    • El Gigante says:

      😉

      Vorsicht – das mit dem Nazi nehm‘ ich übel!

      Oder ich stelle das mal eben richtig! Ich habe überhaupt nichts gegen Menschen, die anderer Nationalität sind. Im Gegenteil: meine besten Freunde sind Sizilianer, ich habe kurdische Freunde etc.

      Jeder, der in Deutschland wohnen möchte, der soll das gerne tun. Aber HIER ist Deutschland – und HIER ist Deutsch die Amtssprache.

      Ich habe mich ebenso vor einiger Zeit immer tierisch über die blöden Deutschen aufgeregt, die in diesen TV-Sendungen ausgewandert sind und nicht ein Wort der Sprache in ihrer neuen Heimat konnten. Meistens sind diese Typen GENAU AUS DIESEM GRUNDE gestrandet. Wie blöde kann man sein?

      Ich kenne genug Leute, die sind schon 20 Jahre in Deutschland und mit denen kann man kein vernünftiges Gespräch führen. Die hocken IMMER NUR unter ihresgleichen und führen BEWUSST keine Gespräche mit den Einheimischen… angeblich weil sie schüchtern sind.

      Sie haben aber viele Kinder (wie haben sie die gemacht, wenn sich ach so schüchtern sind) und leben gut – auch vom deutschen Kindergeld.

      Jetzt erkläre DU mir, was das mit Nazi zu tun hat. Sehe ich das wirklich zu rassistisch?

      El

      • bronx says:

        Ich denk, das meint er völlig andersherum.
        Speziell der letzte Satz.
        Aber, gerade deine Rechtfertigung, welche, meiner Meinung nach, gar nicht nötig ist, zeigt, wieviel Mißverständnisse sprachlicher Natur durch unsere Vergangenheit vorhanden sind.
        Auch ich denke: Integration ist keine Bringschuld des Staates! Ist man deshalb ein Nazi? NEIN.
        Ich kann nicht erkennen, was daran schlimm sein soll, für bestimmte Werte seines Heimatlandes einzustehen.
        Diese scheinheilige sch… vorgelebte, angebliche politische Korrektheit unserer Würdenträger führt zu allmählich diktatorischen Zügen in der publizistischen Wahrnehmung von solchen Problemen, Abweichler werden gegeißelt. Siehe Sarrazin.

        Nein, zu rassistisch siehst du das nicht.

        Bronx

  2. bronx says:

    Hallo El,

    JEDES Wort ist wahr! Geduld und Rücksicht kommen praktisch nicht mehr vor. Erschreckend in diesem Zusammenhang ist auch die Zunahme einer Agressivität wie ich sie in dieser Form früher für unmöglich gehalten hätte.
    Fahrschulautos sehe ich hier täglich, mit allen von dir beschriebenen Erscheinungen und den typischen Reaktionen der anderen Vt. Der Berliner Ring, südlicher Teil (A10), ist hier inzwischen zu einer Art „Autoput“ verkommen. Der gesammte Transit (aller Fahrzeugkategorien, PKW mit sechs Leuten, Teppich auf dem Dach, Kaukasischer 40 Tonner mit Fahrer, der seit 30 Stunden nur fährt, polnischer Sprinter mit Lolek & Bolek, mal locker um 1 Tonne überladen, alle Reifen blank („Zo?, Cheffe nix schlimm, alles Dobrze“, „Wieso, alles gut“). Nichts, was es nicht gibt.

    Man braucht Geduld, jede Minute, jede Stunde, jeden Tag.

    Trotzdem denke ich dass dein Beruf noch mehr davon verlangt, es ist einer der Jobs die ein enormes Maß an pädagogischer Fähigkeit verlangen.
    Respekt.
    Danke für diesen Beitrag,

    Bronx.

  3. flohdaniel says:

    Anders herum habe ich schon zu oft erlebt wie Fahrschulautos ganz offensichtlich den Verkehr behindern.
    Als ich noch Fahrschüler war, und zum Beispiel das erste Mal auf die Autobahn „durfte“, hat mein Fahrlehrer mir mit seinen eigenen Pedalen und beherztem Griff zum Schaltknüppel erstmal deutlich gemacht, das ich NICHT mit 50 rüberziehen darf, sondern beschleunigen muss.
    In den heutigen Zeiten haben die ultrabequemen, Sandalen-tragenden (uuups sry^^) Fahrlehrer das scheinbar häufig nicht mehr nötig, ihre Fahrschüler mal ein wenig zum vorwärtsfahren zu motivieren. Da gehts in der Ausbildung wohl nur noch ums Spritsparen üben.

  4. El Gigante says:

    Lieber flohdaniel,

    ich muß nicht nachvollziehen, wer für dein doch recht klischeehaftes Bild eines modernen Fahrlehrers verantwortlich zeichnet – mir ist aus dem Kollegenkreis jedenfalls niemand bekannt, der „ultrabequeme Sandalen“ trägt und „nur noch Spritsparen übt“. Die dabei vermittelten Fähig- und Fertigkeiten würden den Prüfern wohl auch kaum dazu bewegen, den Führerscheinbewerbern die ersehnte Fahrerlaubnis auszuhändigen. Will sagen: täusch dich nicht, was „in heutigen Zeiten“ während der praktischen Prüfung alles abverlangt wird – es gibt Statistiken, die besagen, dass über 80% der vor zehn Jahren Geprüften heute mit Pauken und Trompeten durchfallen würden. In der Theorie sieht es übrigens noch wesentlich katastrophaler aus!

    Ich sehe die Aussage deines Kommentares aber aus noch einem ganz anderen Blickwinkel – und ich möchte es mal an einem meiner geliebten Gleichnisse erklären:

    Trägt das Schaf die Schuld daran, dass sich die Wölfe nicht benehmen wollen?

    Oder etwas sachlicher: einem Fahrschüler und – anfänger fällt es sehr schwer, sich an die harten Sitten im Straßenverkehr zu gewöhnen. Theoretisch wird ihm vermittelt, dass alles geregelt ist (und er sich gefälligst an bestehende Gesetze zu halten hat). Und in der Praxis erlebt er hauptsächlich „Hauen und Stechen“, muss sich förmlich durchbeissen, darf keine Schwäche zeigen, immer Selbstbewußt sein, sollte wahrscheinlich sogar eine gewisse Aggressivität mitbringen.

    Statt „Fahrschulautos behindern oft den Verkehr“ sollte man also vielleicht lieber schreiben: „Fahrschulautos werden von unverdorbenen Fahranfängern gelenkt.“

    Thema „Beschleunigungsspur“ (heisst seit Kurzem übrigens „Einfädelungsstreifen“): stelle dich mal bitte auf eine Autobahnbrücke über einer solchen Auffahrt und beobachte mal eine Zeit lang, wer sich dort StVO-konform verhält. Bis auf die Fahrschulen und wenige Könner gibt es kaum jemand, der es dort so macht, wie es ihm einst in der Fahrschule beigebracht wurde. (Ich bringe mit meinen Fahrschülern mindestens eine komplette Doppelstunde ausschließlich mit dem Autobahnauf- und abfahren zu… solange, bis es fehlerfrei klappt!). Das Thema wird zudem in fast JEDER Prüfung abgetestet!

    Das Versprechen zum „Spritsparen“ wird uns Fahrlehrern im Fahrlehrergesetz (FahrlG) als „umweltbewußtes Fahren“ vorgeschrieben. Speziell in diesem Forum wird ja leider lieber von voluminöse Boliden geschwärmt, die möglichst große Mengen teuren fossilen Treibstoffs konsumieren – es lohnt sich erfahrungsgemäß kaum, hier über Zukunft, Umwelt, Kohlendioxidausstoß, Atemluft, alternativen Energien oder Antriebskonzepte zu lamentieren… deshalb lasse ich das inzwischen auch lieber. Irgendwann wird die Menschheit eh gezwungen umzudenken – und (das hat die Vergangenheit gezeigt) sie kann nur unter Druck plötzlich richtig gut sein! Die Einsicht wird also kommen – früher oder später… hoffentlich nicht ZU spät.

    In dem Sinne 😉
    El

    • flohdaniel says:

      Hallo El,

      das mit den Sandalen hab ich DEINEN Fotos entnommen 😛

      Im Grunde hast du natürlich recht, auch ich bin mittlerweile eher der „vernünftige“ Fahrer und rege mich eigentlich nur über die nutzlosen SUVs so richtig auf. Aber halt auch manchmal über schnarchnasige Fahrlehrer, die ihre Schäfchen im dichten Berufsverkehr, wo eh schon alle am Limit ihrer Reizbarkeit agieren, mit der Gelassenheit eines Eisbergs durch den Verkehr dirigieren…

      • El Gigante says:

        Hi floh,

        die Sandalenanmache habe ich auch so verstanden 🙂
        tangiert mich aber nicht…

        Wo dürfen wir schnarchnasigen Fahrlehrer denn mit unseren Fahrschülern deiner Meinung nach üben? In einem „Fahrschülerreservat“ oder dem „Fahrschülerparadies“? Und was ist dann mit dem „real life“? Oder sollen wir vielleicht nur am Wochenende… oder auf ’nem Truppenübungsplatz… was hältst du denn von einer Ausbildung nur am Simulator – da sind wir niemandem im Weg?

        Du merkst schon: alles Schwachsinn. Es hilft nur „mittendrin, statt nur dabei!“

        Und auch hier kann ich das Ganze wieder nur philosophisch beleuchten: wer muss oder sollte hier auf wen Rücksicht nehmen? Wer ist wem im Wege und wer hat hier das Recht sich wichtiger zu nehmen?

        Übrigens: vorhin fuhr ich mit einer Fahrschülerin a.g.O. (außerhalb geschlossener Ortschaft) durch einen Kreisverkehr. Beim Wiederherausfahren aus diesem Kreisel wurden wir von einem fetten VW Touareg überholt… mit gewaltiger Motordrehzahl und unglaublicher Geschwindigkeit (70 waren erlaubt) zog er über eine durchgezogene Mittelleitline und anschließende schraffierte Fläche mit nachfolgendem Linksabbieger davon. Wenige Minuten später sah ich den Wagen überraschenderweise wieder: vor unserer Fahrschule… der Beifahrer (Fahrschüler bei uns) stieg aus, um am Theorieunterricht teilzunehmen. Ich habe ihn beauftragt seinem Vater einen schönen Gruß zu bestellen und dass er ein ganz schlechtes Vorbild ist! Soll er sich nicht wundern, wenn seine Kinder auch mal so fahren… so killt man die Verkehrsmoral, noch bevor der Nachwuchs den eigenen Führerschein in der Hand hält.

        Ich denke, jungfräuliche Anfängerseelen sind definitiv schützenswerter als die abgefuckte Arroganz und der übergebordete Egoismus der unglaublich vielen dummdreisten Rotzlöffel – die im Sinne des Gesetzes augenscheinlich charakterlich alles andere als geeignet sind, ein Kraftfahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr zu führen.

        • flohdaniel says:

          Ich denke das aggressive Fahrverhalten vieler Leute hat ganz simple Gründe. Termindruck ist noch nichtmal das Hauptproblem.

          a) der Straßenbau wurde in den letzten 20 Jahren kaum bis überhaupt nicht an das gestiegene Verkehrsaufkommen angepasst…die ganzen neuen „Mini-Kreisverkehre“ sind im Vergleich zum benachbarten Ausland auch nicht wirklich gut nutzbar, die Autobahnen nur verstopft >> Stress pur, man will fahren aber kann es nicht.

          b) das Auto ist durch seine käfigartige Konstruktion und die dicken Glasscheiben für manche Menschen eine Art Kompensator für Frust. Man fühlt sich sicher, wie ein König, am besten noch auf erhabenem Sitz in einem Panzerartigem X5 mit 255er 18″ Reifen…da fühlt man sich schnell unbesiegbar!

          • El Gigante says:

            ja, flohdaniel, da gebe ich dir grundsätzlich Recht… aber als normal hinstellen kann man das nicht. Wenn wir uns in Zukunft nicht im Straßenverkehr alle gegenseitig zerfleischen wollen, muss sich wohl oder übel im Kopf aller Beteiligten unbedingt etwas ändern.

            Es heißt zwar immer, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sein will… doch in diesem Falle zeigt er immer deutlicher, was für ein armseeliges Tier er eigentlich ist – er lässt nur Weniges überlegt geschehen und sein Verhalten ist selten von Geist geprägt. Triebe, Instinkte und willenloses Ergeben in anerzogenes Rollenverhalten sind die Grundlagen seines Wesens… was für eine Schmach!

            Deshalb ist es auch ausgesprochen unverantwortlich vom Schöpfer, dass er uns so gefährliche Maschinen wie Autos hat ersinnen lassen… oder?

            Du merkst, wie sehr man mit solchen Gedanken in den Bereich der philosophischen Betrachtungen gerät…. und? Damit wird sich NICHTS ändern!

            Zu Viele lieben das Tier in sich… die Lobby der Tiere ist unbesiegbar! Der Mensch ist viel zu schwach – er hat längst aufgegeben, gegen seinen inneren „Schweinehund“ anzukämpfen.

            „Du musst ein Schwein sein auf dieser Welt…!“ (Die Prinzen)

            El

  5. bronx says:

    El,

    zum oben geschriebenen Teil ein Gleichnis von mir: wenn ein Hund gegen einen Hydranten pinkelt, lass ihn, er benimmt sich eben wie ein Hund.
    Es wird immer pro & kontra geben und das ist okay so. Eine ausgeglichene Gesellschaft lebt von konstruktiver Kritik.

    Zum Umweltgedanken, wie von dir im letzten Absatz dargeboten, bin ich zwiegespalten.
    Es muß erlaubt sein, ein großes Auto zu fahren, sich zu freuen dass es „sowas noch gibt“. Wann und wie, entscheidet jeder selbst. CO- bezogene KFZ-Steuer, wird uns immer suggeriert, bestraft den Vielfahrer und Umweltignoranten, bestraft wird er jedoch schon jetzt! Wenn er viel fährt, muß er viel tanken.
    Der Grundgedanke ist nicht schlecht, nur völlig vom Kommerz überlagert, die Politik hat ebenfalls geschnallt, dass es ein Thema ist, bei dem man nahezu JEDE Verordnung (die Geld bringt) durchdrücken kann unter dem Mäntelchen des Umweltschutzes.
    Das wiederum führt bei vielen Bürgern zu abnehmender Akzeptanz. Zu offensichtlich ist der Ansatz der Politik, Gelder in Form von neuen „Grenzwerten“ abzuschöpfen.
    Zudem kommt hinzu, dass dem Bürger (mich eingeschlossen) jegliches Verständnis dafür fehlt, in Afrika / China irgendwelche Umweltprojekte zu fördern, welche hier in Form von Feinstaubplaketten und anderen Verordnungen vorfinanziert werden. Der Emissionshandel der EU ist das beste Beispiel für eine zunehmend, ökodiktatorisch gehandhabte Politik.
    Umweltschutz, mit allen Konsequenzen sollte nicht nur ein machbares Gut von gutverdienenden „Luxusgrünen“ sein, sondern für weite Teile der Gesellschaft auch machbar und FINANZIERBAR sein.
    Das wird gern übersehen.

    Bronx, (umweltbewußt ja, aber sinnvoll und nachvollziehbar) 😉

  6. El Gigante says:

    Weißt du, Bronx, mich interessiert eigentlich das dumme Geschwätz der Politiker gar nicht mehr. Sie selbst und ihre geistigen Ergüsse sind so sinnvoll und nötig wie ein Kropf! Es ist auch vollkommen egal, wo auf unserem blauen Planeten sie wirken… ihre Anwesenheit erzeugt ausnahmslos überall für mehr oder minder chaotische Zustände. Sie behindern den gesunden Menschenverstand und stellen einfache Sachen unglaublich kompliziert dar.

    Ich habe keine Lust mehr, mich mit ihren Hirngespinnsten zu identifizieren. Niemand kann mir verbieten, selbst zu denken und eigene Wege zu finden. Leider benutzen zu wenige Menschen ihren Kopf. Mitläufer haben es ja auch viel einfacher – sie benutzen ja schon Vorgedachtes.

    Was ich damit sagen will: lass doch mal dieses ganze politische Geplänkel weg… was bleibt denn da noch? Was bringt Politik, wenn dir die Luft zum Atmen fehlt? Es geht NICHT ums Geld verdienen, um Profit – es geht um Leben! Aber das will ja ums Verrecken keiner kapieren!

    Aber ich sagte ja bereits… meine nervige Ansicht ist nicht populär. Sie passt nicht in ein Forum, in dem Vernunft als „uncool“ und Natur trotzig auf „später“ verwiesen wird.

    Nach uns die Sintflut… wir sterben ja eh irgendwann… also – egal – lass qualmen!

    In dem Sinne…
    El, (der grad merkt, dass er sich leider immer mehr zum nöhligen Umwelt-Don Quichotte entwickelt… und aufgrund der Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens, eigentlich viel lieber die Schnauze halten würde… man schafft sich damit wahrlich keine Freunde… obwohl man’s doch wirklich nur gut meint!) :-/

  7. bronx says:

    hallo El,

    bleib mal lieber so, vom Schnauze halten ist noch nie was besser geworden.
    Mit dem dummen Geschwätz der Politiker ist das eine andere Sache, man darf eigentlich nie damit aufhören, die Burschen im Auge zu behalten.

    Einen Umweltgedanken selbstlos vorzuleben ist das eine. Wenn sich wiklich etwas ändern soll, reicht das aber nicht aus.
    Deshalb muß das ganze auf eine praktikable, für möglichst viele machbare, Ebene gebracht werden. Was nützt der beste Gedanke, die beste Technologie, wenn sie nicht bezahlbar wird. Ein paar Wasserstoffbetriebene 7er BMW sind bestenfalls ein Aushängeschild.

    Unbequeme Gedanken schaffen keine Freunde, aber deshalb „Schnauze halten“?

    Was mir übrigens sehr gefällt, das man heutzutage das Thema Spritsparen bereits in der Fahrschule behandelt. Das gabs bei mir früher nicht 🙂

    Bronx

  8. SteffenG says:

    Moin,

    bronx, die 7er BMW erleben ja regelmäßig eine Neuauflage. Ich weiß gar nicht, wie lange BMW schon die Wasserstoffflagge hochhält. Das Problem ist einfach die Verfügbarkeit der Treibstoffe. Wasserstoff ist eben nur mit hohem Energieaufwand herzustellen.
    Ich frage mich, warum man nicht einfach die Elektromobilität intensiver erforscht? Wir haben effiziente Speicher, Solaranlagen liefern Strom und Elektromotoren sind trotz ihrer Herstellungskosten energetisch die bessere Wahl. Sie laufen verschleißarm und hocheffizient. Einzig die Angst vorm Verlust der Steuereinnahmen lähmt die Forschung.
    Mittlerweile will man hier im hessischen Ried die Erdölförderung wieder aufleben lassen…
    Ich denke wir sollten die deutschen Tugenden wieder aufleben lassen und versuchen mit Forschergeist eine Lösung zu finden. Aber auf mich hört ja niemand…

    El, ich denke die Art, wie ein Fahrlehrer jemandem das Fahren beibiegt, bestimmt auch das spätere Leben. Meinen Moppedführerschein habe ich nach Schema F gemacht, hatte auch schon Übung. Auto und Motorrad habe ich jeweils bei bekannten Fahrelehrern gemacht. Beide haben einen ähnlichen Stil und immernoch einen ausgezeichneten Ruf. Ich habe alles gelernt, was notwendig war und ist und hatte viel Spaß dabei. Ich fahre zwar nicht Schritt am Bus vorbei, aber wenigstens mit reduzierter Geschwindigkeit und bremsbereit. Rechts vor links beachte ich und die Bedeutung von Stopschildern ist mir bekannt.
    Jedoch entwickelt man als Jugendlicher oft eine eher offensive Fahrweise. Diese sich abzugewöhnen gestaltet sich häufig als schwierig. Trotzdem empfinde ich 15 Jahre unfallfreiheit und einmalig 3 Punkte wegen einer etwas zu roten Ampel als Erfolg.

    Steffen.

    • El Gigante says:

      Seufz – ach Steffen – wenn doch nur alle autofahrenden Menschen wenigstens ein bisschen wie du wären.

      Übrigens: das muss ich ja ganz ehrlich hier mal zugeben – in meiner Sturm- und Drang-Zeit war ich meinen Führerschein auch schon mal wegen Raserei los – das war aber in einem Leben, weit vor meiner Zeit als Fahrlehrer. Denn ich gebe dir auch da recht: man wird älter… und ruhiger!

      ABER: neulich habe ich mal in einen Blick auf einen ASP-Kurs unserer Fahrschule werfen können (das sind diese Kurse, zu denen man vom Straßenverkehrsamt bei einem gewissen Punktestand in Flensburg herzlich eingeladen wird). Boahhh ey… was war DAS denn für ein Mumienschieben? Die meisten waren so um die 60! … und auf Nachfrage zum Grund ihrer Anwesenheit erfuhr ich, dass sie es meistens zu eilig hatten! Da muss ich mir den Satz mit „je älter, je ruhiger“ wohl doch nochmal überlegen 😉

      El

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