Modern Woodstock – Antwort auf: Knudsen Taunus einmal anders, bitte

Von El Gigante
Modern Woodstock in Mecklenburg-Vorpommern – we don´t need America
So ist das:
eigentlich wollte ich ja nur einen Kommentar zu Sandmann’s Artikel „Knudsen Taunus einmal anders, bitte“ schreiben. Denn beim Lesen des Textes und Betrachten der Fotos fiel mir spontan ein, dass ich Ähnliches erst Letztens in Mecklenburg-Vorpommern gesehen hatte. Ähnliches? Ja klar, diese kitschig versponnene Welt, aus der das Auto von Sandmann’s Freund Örg zu kommen scheint, die gibt es wirklich. Und darin leben tatsächlich Menschen, und die mögen das, und die verbringen darin sogar gerne immer wieder ihre Freizeit, zahlen dafür sogar im Sommer Eintritt

… doch dann fiel mir ein, dass ich meinem Text gern viele bunte Bildchen beigefügt hätte… aber eben nicht bei den Kommentaren – da geht das Bebildern nämlich leider nicht. Also schreibe ich hier, bei Sandmanns Welt mal eben endlich wieder einen kleinen Artikel:

Ich war im Rahmen eines verlängerten Wochenendes neulich an der Müritz. Unweit des Ortes, in dem ich mit meiner Familie in einer Ferienwohnung untergekommen war, gab es zu Zeiten des Arbeiter- und Bauernstaates einen russischen Militärflugplatz, den heutigen Flugplatz Rechlin-Lärz.

Dazu etwas Vorgeschichte: Vor ein paar Jahren fragte mein Stiefsohn mal an, ob er nicht unseren Wohnwagen ausleihen dürfte. Problem wäre gewesen: er verfügt als automobiler Jungspund leider nur über die Führerscheinklasse B. Mit seinem Wunsch verband sich daher automatisch also auch das Verbringen und Abholen des Gefährts. Als ich zudem hörte, wozu er unser mobiles Heim haben wollte, lehnte ich jedoch ab. Mich überkam das seltsame Gefühl, dass sich unser Wohnwagen bei dieser Mission irgendwie einer Wandlung hätte unterziehen können… und das wollte ich nicht – meine Frau übrigens auch nicht! 😉

So – was hatte er nun vor? Jetzt komme ich auf den Punkt: mein Stiefsohn ist vierundzwanzig und liebt Musik, die ich als DJ, seit nunmehr über fünfundzwanzig Jahren im Dienst, nicht mal kategorisieren kann. Dass sich Musik im Lebensstil der Menschen widerspiegelt ist normal. Punkt!

Uz uz uz uz uzuzuzuzuz….

 

Mein Stiefsohn wollte mit unserem Wohnwagen zur FUSION nach Lärz. Auf dem weitläufigen Gelände des inzwischen nicht mehr militärischen Russenstützpunktes findet nähmlich alljährlich im Sommer ein Festival statt. Im Internet werden denn auch „vier Tage Ferienkommunismus“ angekündigt als „das größte Ferienlager der Republik“. Es gibt Musik unterschiedlichster Spielart, Theater, Performance und Kino bis hin zu Installation, Interaktion und Kommunikation.

Der Veranstalter schwärmt davon, dass die Besucher dieser Parallelgesellschaft der ganz besonderen Art, die Freiheit vereint, so sein können, wie sie sein wollen: zwanglos und unkontrolliert. Im kollektiven Ausnahmezustand entfaltet sich an einem Ort ohne Zeit ein Karneval der Sinne, indem sich für uns alle die Sehnsucht nach einer besseren Welt spiegelt.

Zwanglos und unkontrolliert?… 😀 Tststs… ich musste grad wieder an unseren nichtsahnenden Wohnwagen denken, der wohlbehütet unter dem Carport vor unserem Haus schlummert!

Ich war im August 1969 zwar erst knapp 8 Jahre alt, doch als ich jetzt im Herbst 2010 über das verlassene, quasi schon winterschläfrige Fusion-Gelände in Meck-Pomm spazierte, musste ich sofort an Woodstock denken. Gut, die Musik war sicher ganz anders… aber der Sinn, die Leute, die Atmosphäre…

Uz uz uz uz uzuzuzuzuz….

Auf meinen Bildern gibt`s mehr von der sleeping Beauty FUSION:

Wer könnte sich nun nicht vorstellen, wie hier Örg’s alter Knudsen Taunus im Sommer zwischen den umfunktionierten Bunkern zum Beispiel Taxidienste leistet? Hier gehört er hin, hier darf er sein, oder? 🙂

By the way… wie war das noch? Unser Wohnwagen auf der FUSION? Ich möchte mir das wirklich lieber nicht vorstellen, wie wir unsere Ferienschaukel zurück bekommen hätten. Das hätte ganz sicher und ohne Zweifel nicht an meinem Stiefsohn gelegen. Aber „im kollektiven Ausnahmezustand entfaltet sich an einem Ort ohne Zeit ein Karneval der Sinne“ hätte ich zukünftig nicht immer in Form von farbenfrohen Grafitis auf unserem Wohnwagen herumziehen wollen.

Hier gehörte er also weissgott NICHT hin und hier durfte er auch NICHT sein, unser Wohnwagen 🙂

El

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2 Antworten zu Modern Woodstock – Antwort auf: Knudsen Taunus einmal anders, bitte

  1. Touranus sagt:

    Hallo El,
    wenn man die Bilder so sieht, kann man das Aufatmen von Dir richtig hören, Euren Wohnwagen dieser Metamorphose NICHT preisgegeben zu haben. 😉

    Auf der anderen Seite, habe ich von diesem Festival noch nie etwas gehört, obwohl es laut Homepage des Vereins wohl recht beliebt sein soll. Finde ich ja irgendwie gut, dass es sowas gibt. (Politische Richtungsdiskussion jetzt mal weglassen…)
    Wenn man sich das Resumee auf deren Homepage mal durchliest, würde ich meinen Wohnwagen dort auch nicht unbedingt stehen wissen! 🙂

    Als meine Eltern mir 1996 ihren geliebten Tabbert für ein Urlaubsprojekt nicht leihen wollten, kauften meine damalige Freundin und ich uns einen 1976er Münsterländer Deluxe und bauten ihn unserer Entsprechung nach um. Wow, das hatte ich schon irgendwie total vergessen und bin erst durch Deinen Bericht wieder drauf gekommen.
    Ich notier mir mal für mein nächstes Gefährt eine Anhängerkupplung ins Wunschbuch. 😉

    Schöne Bilder!
    Touranus

    P.S. Grüße auch von einem „ehemaligen“ DJ Kollegen. Leider fehlt mir durch meinen Job jetzt die Zeit dafür… *schnief*

    • El Gigante sagt:

      Ha – bei deinem Namen…

      das Problem haben wir jetzt auch: noch vor zwei Monaten fuhren wir einen TOURAN 2.0 TDI. Der konnte unseren WILK de Luxe prima ziehen. Doch das Leasing lief aus und meine Frau wollte einen Audi A2, wie ich, und nun haben wir keinen Zugwagen mehr… obwohl…

      … für meinen VW K70 Bj. 73 habe ich da noch eine Anhängerkupplung liegen… ich glaube, ich weiss schon, was ich in der kalten Jahreszeit zu Basteln habe…

      El

      Danke für die DJ-Grüße. Ehrlich gesagt bin ich raus. Auch mir fehlt es an Zeit… und zuletzt hatte ich auch keine Lust mehr. Die Feiern heute haben nicht mehr die Qualität wie in den 80er und 90er-Jahren. Ich habe eine gute Zeit gehabt – aber nun ist’s gut. Ich fühle mich auch inzwischen zu alt, am Wochenende noch den Anheizer zu machen – ein viertel Jahrhundert reicht!

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