Phantasien auf Papier

El’s gesammelte Kostbarkeiten – manchmal sogar in Hochglanzqualität

Das eine oder andere dieser aufwändig produzierten Heftchen haben wir alle schon mal in der Hand gehabt. Beim Betrachten wird uns immer ganz anders: Atem- und Herzfrequenz steigen kollektiv, die Pupillen weiten sich und der huschende Blick über Hochglanzbilder bringt unsere Phantasie in Schwung. Hier wird Lust geweckt Wir wollen mehr … oder noch besser: wir begehren das Original. Wollen besitzen, anfassen, benutzen, riechen, fühlen!

Halloooooo!!! Es geht hier definitiv NICHT um schwülstige Schrubbhefte oder Schleuderbätter, die ihre schmierige Daseinsberechtigung mit einem elektrischen Freund oder auch Elektrolurch als Witwentröster im Falle erotischer Frauengelüste in irgendeinem dunklen Nachtschränkchen teilen müssen. Der Gleichberechtigung und Vollständigkeit halber sei hier natürlich auch die dem Manne von Welt beispielsweise als Werkzeug zum Überleben dienende Ventilsusi – als leichtes Mädchen – genannt – diese passt jedoch sicher in keinem ihrer möglichen Aggregatszustände (ob nun aufgeblasen oder nicht) in ein handelsübliches Nachtschränkchen.

Also – nichts da! Der gierig schmökernde Orion-Fetischist ist hier auf dem falschen Dampfer – und definitiv nicht im lustvollen Ambiente von Beate Uhse (wer das jetzt unbedingt braucht: ich habe beides mal ordnungsgemäß verlinkt – Hihihi!).

Nein – ernsthaft: es gibt so Bekloppte wie mich, die erfreuen sich an belanglosen Automobilisten-Wichsvorlagen – für den Normalo sind das einfach nur stinknormale Autoprospekte. Sie sind schließlich für den kaufinspirationsbedürftigen Kunden von morgen konzipiert: Prospekt aufmachen, reinschauen (Lust aufs Kaufen kriegen) und ab damit ins Altpapier – vielleicht dann irgendwann das Modell auch wirklich kaufen. Mit diesem optimalen Verlauf hat das eingesetzte Marketingmaterial seinen Zweck eigentlich voll und ganz erfüllt.

Das alles stimmt! Prinzipiell habe ich dem nichts hinzuzufügen. Und doch: für so ein schickes Prospekt gibt es ein Leben nach dem kurzen Einsatz an der Front beim Kunden. Inzwischen hat sich um dieses spezielle Aniquariat nämlich ein ganzes Liebhaberuniversum entwickelt. Ob auf den mittlerweile allerorts stattfindenden Oldtimermärkten (eine in allen Bereichen überaus rasch wachsende, beliebte Branche), großen und kleinen Messen und Ausstellungen, beispielsweise auch beim Online-Auktionshaus eBay oder in unzähligen insbesondere darauf spezialisierten Prospekt-Antiquariat-Buchhandlungen: überall wird mit diesen einstigen Werbematerialien gehandelt.

Und es geht um stolze Preise: Prospekte, die früher achtlos im Altpapier landeten, sind mittlerweile kleine Vermögen wert: 30,- EUR z.B. für das seltene Prospekt eines Morris 1800. Für den gleichen Preis wird auch das 12-seitige 1964er Studebaker Lark Challenger Commander- Prospekt gehandelt. Selbst die 2000er-Prospektmappe des Audi A3 soll 40,-EUR bringen.

Die Welt ist bunt – die Welt ist schön!

Ob damals irgendjemand ahnte, dass der Samba mal DAS absolute Kultfahrzeug sein würde? Meine Sammlung bezieht sich vorwiegend auf die Marken VW und Audi. Das älteste meiner Exemplare stammt aus dem Jahre 1963 und wirbt für kein geringeres Fahrzeug als den legendären Samba-Bus. Dieses großformatige Faltprospekt ist übrigens eine US-amerikanische Ausgabe.

Bus und Transporter-Ausgaben besitze ich u.a. auch aus den Jahren 1970, 71, 73 und 75. Auch VW Käfer (Prospekte von 1965 und 67) und VW 1500 (Prospekt von 1964) sind damals mit großem Aufwand beworben worden – zeitweise mit wirklich knackigen Methoden. An ihnen fällt besonders auf, wie umfangreich und detailiert, ja fast verspielt, die Prospektwerbung früher war. Besonders die nicht-deutsche Werbung war damals zudem wesentlich mutiger, frecher.

Natürlich befinden sich in meinem Besitz auch Exemplare des Transporters der T3- und T4-Generationen (teilweise vollständig mit Datenblättern und Preislisten). Auch für Sondermodelle wie Multivan, Multivan Magnum, Multivan Classic oder sogar ein Transporter-Taxi wurden Prospekte erstellt.

Seltener K70-Prospekt (1971)Angesichts meines Faibles für den VW K70 verwundert es sicherlich nicht, dass sich auch Werbematerial aus seinen Verkaufsjahren, in den Siebzigern, befinden.

Audi ist neben dem Modell 80 (B4) auch mit A2, A3, A4, Cabrio, A5, A6, A7, A8 sowie Q7 und Q5 vertreten. Diesen Prospekten merkt man besonders den Wandel der Zeit und speziell den Imagewechsel der Marke in den vergangenen Jahrzehnten an: Audi ist auch mit geschmackvoller Prospektwerbung in der Premium-Klasse angekommen. Seine gedruckten Marketingbemühungen hinterlassen einen überaus vollkommenen Eindruck – die Prospekte umweht sogar ein Hauch von moderner „Kunst und Technik“. Sehr überzeugend! Und für mich: sehr sammelnswert!

Karmann IDEA (1991) - später tauchte sein Design in Form des Porsche Boxter wieder aufEine seltene Besonderheit meiner Sammlung ist der farbige Flyer des „IDEA“. Diese karosserietechnisch fertig entwicklete Studie wurde 1991 vom inzwischen insolventen Osnabrücker Karosseriebauer „Karmann“ auf der IAA als Konzept vorgestellt. Die Firma suchte seinerzeit einen Partner (und schielte auf Porsche), mit dessen – vorrangig – Antriebssystem und Vertriebsweg das schicke Cabrio ins Leben hätte gerufen werden sollen. Porsche zeigte sich hingegen desinteressiert – der 1993 präsentierte Boxter weist jedoch erstaunliche, aber vermutlich nicht vergütete, Designanleihen des „IDEA“ auf.

Weil ich finde, dass es kaum Sinn macht, mein Prospekt-Antiquariat nur in Pappkartons im Regal meines Büros zu horten, präsentiere ich hier, an dieser Stelle die  -meines Erachtens- schönsten Eindrücke.

Also: Finger an die Maus und möge der Betrachter Gefallen an der alten Werbung finden.

Viel Spaß

Der schlichte Vento von 1994

Der unspektakuläre Golf wurde ein Millionseller (1985)
Audis Versuch, den A2 an die junge Käuferschicht zu bringen (2003)

Edle Audi 80-Präsentationsmappe (1994)

1994: Genau so einen habe ich damals auch gefahren!

Periodensystem der Elemente - mit A2 (2001) - Aufwändige Präsentationsmappe

Kunstobjekt (2001)

Der kleine A2 in der großen Wüste (2001)

Auch von oben macht der A2 eine gute Figur (2001)

Der Multivan Classic ist auch bereits ein Kultobjekt (1993)

Generationswechsel: VW T4, 1990

VW Golf Cabrio, 1988

Fabrliche Variationen beim Golf Cabrio (1988)

Sondermodell Magnum (1988)

Sonderprospekt Taxi (1988)

T3 für das Gelände: der Synchro (1988)

Eigentlich der Ur-Multivan (1989)

VW T3 (1975)

1973 Station Wagon, USA

Generationswechsel bei VW - die neue Flotte wird mit Wasser gekühlt und ist frontgetrieben (1976)

USA Station Wagon (1971)

Lustige Idee, USA, 1971

The station wagon for the whole family (1971)

... für die amerikanische Familie (1971)

USA Camper (1970)

Käfer 1965

USA-Käfer 1965

Käferspuren im Sand 1965

Ich hoffe, Euch hat es gefallen.

El

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12 Responses to Phantasien auf Papier

  1. El Gigante sagt:

    Moin ihr Lieben,

    so – dieses ist mein Beitrag, um den Sandmann Welt-Lesern die Saure-Gurkenzeit 2012 ein ganz klein wenig erträglicher zu machen.

    Bis September gibt es ihn exclusiv nur hier, etwa ab Mitte September dann zusätzlich auch im hauseigenen Blog, bei EL GIGANTES GESCHICHTEN, zu lesen.

    Have fun! Have sun! 🙂

    El Gigante

    • bronx sagt:

      Moin El,

      feine Geschichte. Ich wusste gar nicht, das VW mal so rührend kreativ sein konnte.
      Und dann der Pfeife-rauchende Fahrer, das auch noch mit Kindern im Bus.
      Dafür würde man heute vermutlich auf’s Schafott gezerrt werden. War es wirklich mal so unkompliziert, Werbung zu machen? Keine Gutmenschen in Sicht, welche jeden noch so unwichtigen Beitrag auf politische und normative Korrektheit durchsieben, auf Randgruppen und Mehrsprachigkeit verweisen, und und…

      Die Bilder sind toll, der Ier Golf ist ja noch einer der ersten Bau-Monate.
      Die Sicke unter dem Kennzeichen entfiel schon nach wenigen Monaten Serien-Fertigung wieder.
      Zum Bus muss ich nichts weiter sagen, du kennst ja mein Faible.

      Hab Dank für die nette Lektüre und – schön das es noch überlebende gibt 😀

      Bronx

  2. holzfred sagt:

    Geilomat!!! Fantastische Bilder und Relikte. Mann, Mann, damals konnte sogar noch eine Nasti Kinski nackt durch den ARD-Tatort traben ohne dass gleich ein Sittenwächter hinterm Busch vortrabte und das Testbild einblendete. Anderseits bekam eine Cher ein Stoff um die Hüfte, weil beim Gottschalk zu viele Kinder zuschauten…. Tja, Bigott war die Welt schon damals, nur heute noch schlimmer…

  3. Snoopy sagt:

    Schöööön !

  4. bronx sagt:

    Ich frage jetzt mal ganz blöd: die komischen Antworten auf die Beiträge, die nun aller-Abends auf tauchen, bester Sandmann: ist das gewollt? Kann doch kaum in deinem Interesse sein. Ich mein, passieren tut eh nicht viel aber DAS ist’s doch auch nicht!
    Schade.

    • Sandmann sagt:

      Ay Bronx,

      diese komischen Antworten, die nur Abends auftauchen sind Trackbacks von *+!“$!!!-Spam Seiten. Ich habe leider Trackbacks unter Kommentaren erlaubt, auch wenn man sich zum Posten registrieren muss. Ich werde mal ein entsprechendes Plugin installieren, was das ein wenig eindämmt.
      Das ist im Internet dann irgendwann halt doch der Haken, wenn du länger schon da rumdümpelst kommen irgendwann die Nerver….

      Es geht hier bald weiter. Das Sommerloch ist durchschritten. 🙂
      Sandmann

  5. Daemonarch sagt:

    Sehr geil! Der Idea sieht aus wie eine krude Mischung aus Boxter und Fiat Barchetta… Skurril!

    Ich hab ja auch noch Original-Prospekte im Keller aus meiner „Jugend“, vom Golf 2-last edition, Golf3, Scirocco und ich mein irgendwo sogar vom Corrado.

    Vielleicht sind die ja auch irgendwann auf ebay 12.5 was wert…

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