Reizverschlussverfahren

Ich verfüge zwar über eine ziemliche Geduld – aber irgendwann platzt auch mir mal der Kragen. Wie werde ich nun meines hohen Adrenalinspiegels wieder Herr?
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Eine eMail an die Geschäftsführung einer Spedition, die ich gerade versendet habe, erklärt, worum es überhaupt geht:
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Sehr geehrter Herr Schlüter,

ich nehme folgenden Vorfall zum Anlaß, ihnen diese Mail zu schreiben:

Ich (Fahrlehrer) befuhr mit einer Fahrschülerin (am Steuer meines Fahrschulautos) am Freitag, dem 25. November 2011 gegen 10.30 Uhr die Autobahn A1 kurz vor der Abfahrt Osnabrück-Hafen. Wenige Kilometer zuvor wurde die Sperrung des linken Fahrstreifens angekündigt – somit standen dem Verkehr nur noch zwei Fahrstreifen (der ansonsten dreispurigen Autobahn) zur Verfügung. Auf dem rechten Fahrstreifen reihte sich ein LKW am anderen.

Ein LKW ihrer Spedition (amtl. Kennz. MK-|*piiiiep*|) blockierte die, dem PKW-Verkehr (lt. StVO) vorbehaltene, verbleibende, linke Spur.

Ihr Fahrer wechselte jedoch nicht auf den rechten Fahrstreifen, sondern hielt mittig auf der Autobahn an (sowohl der rechte als auch der linke Fahrstreifen wurden somit komplett blockiert). Einige nachfolgende Verkehrsteilnehmer wichen auf die, an sich gesperrte (aber freie), linke Fahrspur aus und überholten das Hindernis dort hupend.
Da ihr LKW offensichtlich ein Problem hatte (er stand dort schließlich im Wege), entschlossen auch wir (Fahrschule) uns, links daran vorbei zu fahren. Dabei war gut zu erkennen, dass ca. 250 Meter VOR dem LKW ihrer Spedition die mittlere Spur frei war. Anschließend wechselten wir natürlich wieder auf den mittleren Fahrstreifen – wurden aber augenblicklich wiederum von ihrem LKW (natürlich auch über den gesperrten linken Fahrstreifen) überholt.

Obwohl die Verkehrslage ein Einordnen nach rechts (insbesondere auf den ganz rechten Fahrstreifen – die anderen Verkehrsteilnehmer hätten dies ermöglicht) zuließ, versperrte uns ihr Fahrer bei seinem Zurückkehren auf den mittleren Fahrstreifen nun mutwillig die Weiterfahrt und hielt QUER ÜBER DIE AUTOBAHN ohne ersichtlichen Grund an. Er blockierte demzufolge die gesamte Autobahn.

Bis zur eigentlichen Engstelle auf der Autobahn, besetzte ihr LKW dann wieder die beiden Fahrstreifen durch mittiges Fahren. Sowohl alle ihm folgenden LKW als auch PKW wurden nachhaltig (und offensichtlich bewusst) behindert.

Als Fahrlehrer fällt mir zum Verhalten ihres Fahrers nur ein:
ein offensichtlich charakterlich nicht geeigneter Mensch (wie ihr Fahrer) hat auf einem LKW dieser Länge und diesen Gewichtes NICHTS zu suchen. Ein Wahnsinniger in einer solchen Gemütsverfassung ist eine Bedrohung für sämtliche Verkehrsteilnehmer.

Es ist zudem wichtig, dass solche Fahrer zukünftig aus dem Verkehr gezogen werden, denn sie schädigen mit solchen hirnlosen Gewaltaktionen nicht nur den Ruf aller Berufskraftfahrer sondern auch den Ruf ihrer Spedition.
Schön, dass sich Berufskraftfahrer seit einiger Zeit besonders qualifizieren müssen.

Bringen sie ihrem aggressiven Fahrer bitte wenigstens bei, wie JEDER VERKEHRSTEILNEHMER sich beim REISSVERSCHLUSS-VERFAHREN zu verhalten hat. Es ist bei seiner Fahrweise allerdings durchaus davon auszugehen, dass es einige weitere schwerwiegende Defizite in seiner Fähig- und Fertigkeit als Fahrer eines schweren Lastzuges gibt. Anbetrachts der momentanen Häufigkeit von schweren Unfällen unter Beteiligung von LKW, MUSS ES DOCH NICHT ERST TOTE GEBEN, oder?

Mit freundlichem Gruß
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Meine Frau brachte mich schließlich noch auf die Idee, diese Schilderung auch an eine Online-Wache der zuständigen Polizei weiterzuleiten – habe ich gemacht!.

Mal sehen, wie sich dieser Fall entwickelt – ich werde davon berichten.

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Gestern fand ich übrigens bei Facebook noch ein Posting meiner Fahrschülerin.
😉
El
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Was sagt ihr zu diesem Fall?
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19 Responses to Reizverschlussverfahren

  1. Daemonarch says:

    Alles Einzelfälle… 😉

    Nee, also die Aktion kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen, bin gespannt wie es in dem Fall weitergeht…

  2. bronx says:

    Ohne Worte!
    Ich finde deine Handlungsweise absolut richtig und Notwendig. Nur so kann so ein Fahrer auch zur Rechenschaft gezogen werden.

    Was macht das Adrenalin?

    Bronx

    • El Gigante says:

      Hi bronx,

      hast ja gesehen, wie das Adrenalin bei meiner Fahrschülerin gewirkt hat.
      Ich hab‘ mich auch wieder beruhigt… aber es fällt schwer, so einem Vollpfosten nicht was auf’s Fressbrett zu klatschen 🙂

      El

  3. Sandmann says:

    Ay El,

    leider ist das ja wirklich oft zu beobachten, seitens der LKW Fahrer aber auch seitens hirnloser PKW Fahrer, die aus irgendwelchen Gründen der Meinung sind, jemand anderen belehren zu müssen. Da gibt es ja auch eine klassische, schon 4 Jahre alte Anekdote von mir: http://www.sandmanns-welt.de/der-tagliche-raser-wahnsinn/

    Ich finde es prinzipiell gut, dass du so reagiert und alles an die entsprechenden Stellen geleitet hast.
    Da wir ja hier alle auch ganz gern von uns erzählen dazu auch aus meinem kleinen Leben zwei kurze, erfolgreiche Beispiele: Wir waren mit dem Auto in Richtung Bremen mit ca. 150km/h auf der Überholspur zu einer Party unterwegs, als ein anderer Wagen bis auf einen Meter an uns ran kam und aufblendete. Rechts war eine lange Schlange etwas langsamer fahrender, vor uns die anderen 150 fahrenden. Ich konnte also nicht weg. Er blieb auf dem Fernlicht, kam noch etwas näher und fing dann dauerhaft an zu hupen. Schade. Wir waren zu fünft und hatten zwei Fotoapparate dabei. Es hat ihn einen Monat Fahrverbot gekostet.

    Und vor zwei Wochen hat mir vorm Bahnhof Altona ein Taxifahrer die Vorfahr genommen. Mit einer Vollbremsung habe ich eine Kollision verhindert und stand etwas verdattert mit meinem Benz auf der Straße, als er auch noch anfing, sich hinterm Steuer laut aufzuregen. Ich hab ihn nur fassungslos angeguckt und wollte eigentlich nur weiterfahren, aber nun blockierte er direkt quer vor mir die Straße und machte mit der linken Hand eine Kehle aufschlitzende Geste, anschließend zeigte er auf mich und fing mit der rechten Hand an zu schießen. Eigentlich ganz witzig, während ich das hier so schreibe, aber seinen Blick hättet ihr sehen müssen…
    Tja. Doof, dass auf solchen Taxis immer eine Telefonnummer steht, die ich lächelnd wählte und dem netten Herren am anderen Ende und kurz darauf seinem Chef ein paar Takte zu seinem Personal erzählte. Und dass ich als Mensch, der viele, SEHR viele andere Menschen kennt, die alle gern Taxi fahren, nun leider nicht mehr auf die Dienste seines Unternehmens zurückgreifen werde. Herrlich.

    Immer nur nichts machen ist ja auch doof. Aber alles ändern klappt auch nicht, außerdem haben wir dafür ja die Polizei. Aber hier und da, wenn es einen persönlich betrifft, kann man mal zurück schießen 🙂

    Sandmann

    • bycan says:

      Ich finde du brauchst hier auf dem Blog DRINGEND einen Like-Button für Beiträge. Herrlich wenn ich das hier so lese. Wir sind alle reif für eine Gruppentherapie – sonst denken wir am ende noch WIR seien diejenigen die etwas falsch gemacht haben.

  4. bronx says:

    Tja, wenn es SO passt ist es mehr als perfekt. 😀

  5. flohdaniel says:

    Das Problem was ich sehe, ist das die Spediteure (vor allem die Bosse) so abgehärtet sind, was Beschwerden über ihre Fahrer angeht….der (gute und angemessene) Brief wird halb gelesen, drüber gelacht und dann in die Ablage P wandern.

    Eine gleichzeitige Strafanzeige unter Zeugen (kostet Geld, bringt Punkte und Probleme) ist nur wenig mehr Aufwand, bewirkt aber einen echten Lerneffekt bei solchen Weltmeistern der Autobahn.

    Ich kann mir gut vorstellen das du im Fahrschulalltag gerne mehrere Briefe täglich verfassen würdest, bei dem Wahnsinn auf den Straßen. Besonders im Berufsverkehr morgens.

    • El Gigante says:

      Okay flohdaniel,

      du hast mich überzeugt – soeben habe ich über die „Online-Wache“ eine Anzeige eingereicht.

      Ich meine: die Tatzeit ist bekannt, sein amtliches Kennzeichen habe ich, meine Fahrschülerin ist Zeugin… Fotos sind auch vorhanden…

      Da wollen wir doch mal sehen, was sich tut.

      Gruß
      El

      • flohdaniel says:

        Hoffe du hast sie dir auch ausgedruckt, online Anzeigen hab ich auch mal versucht…da kam keine Reaktion. Aber daumen-drück ^^

        • El Gigante says:

          Habe sogar eine Vorgangsnummer erhalten. Und wenn sich da nix tut, dann werde ich mal mein Fernofon bemühen… wir haben ja auch noch einen Mund und sind der deutschen Sprache mächtig 😉

  6. bronx says:

    Hallo El,

    lass uns wissen, wie sich das entwickelt. Interessiert mich sehr.

    Bronx

    • Sandmann says:

      Jep, mich auch.
      Wenn was Neues kommt dann hops rein hier, sollte das länger dauern hole ich den Artikel nochmal nach vorn, den kann man auf der Titelseite „festpinnen“ 😉

      Sandmann

  7. El Gigante says:

    Neuigkeit:

    die Polizei hat angerufen! Blöderweise hatte ich bei meiner Anzeige vergessen zu erwähnen, dass ich mit der Fahrschülerin im Fahrschulwagen in Richtung Süden unterwegs war (was ja bei dieser Sache irgendwie nicht ganz unwichtig ist).

    Der Beamte hat sich dafür entschuldigt, dass es so lange gedauert hat, bis die Polizei den Eingang der Anzeige bestätigen konnte… meine elektronische Nachricht sei zunächst durch die niedersächsischen Polizeileitungen geirrt und an unterschiedlichen Stellen aufgetaucht um dann nach etlichen Weiterleitungen endlich am richtigen Ort zu landen.

    Man hat mich jedenfalls davon in Kenntnis gesetzt, dass inzwischen der Fahrer des LKW ausfindig gemacht wird… alles gehe jetzt seinen dienstlichen Gang. Es könnte sein, dass meine Fahrschülerin einen Zeugenanhörungsbogen zugeschickt bekommt. Ich habe sie darauf bei der nächsten Fahrstunde vorbereitet. Auch sie findet meine Vorgehensweise gut und wird die Befragung der Wahrheit entsprechend ausfüllen.

    El

    • bronx says:

      Das war zwingend! Bei solchen Sachen brauchen die Kollegen immer möglichst Zeugen und sind FROH, wenn es welche gibt.
      Da du als Fahrlehrer eh von Haus aus als glaubhaft eingestuft bist, hat so etwas auch einen dementsprechenden Bearbeitungshintergrund.
      Schön, wenn deine Fahrschülerin bei der Aufklärung behilflich ist. Toll.

      Bronx

    • Sandmann says:

      Ay El,

      da ich demnächst vermutlich selbst wegen eines LKW Fahrers, der uns von rechts kommend mutwillig fast in den Gegenverkehr gedrängt und zur Vollbremsung gezwungen hat vor Gericht stehen werde, drängt sich mir eine Frage auf: Hast du jetzt das Gefühl, der Aufwand war das Urteil wert? Oder hättest du gern eine härtere Rechtsprechung gehabt (denn es war ja immerhin Nötigung)?
      Ich persönlich bin mir noch nicht ganz sicher, bis wohin ich sagen kann: Ach du Arsch, hau ab und lass mich in Ruhe! oder: So, dich zeige ich an! Ich verdaue noch immer an dem Adrenalin von damals, wie geht’s dir jetzt?
      Nur so als persönliche Vorbereitung…

      Sandmann

  8. El Gigante says:

    Moin Sandmann,

    oh – das ist aber mal eine interessante Frage über die ich einen Moment nachdenken muß …

    Wahrscheinlich bin ich da (wie in vielen anderen Dingen im Leben auch) etwas hartnäckiger. Ich gebe zu, dass ich mir die Fragen „wozu das alles?“ und „lohnt es sich wirklich?“ nach dem anfänglichen Adrenalin-Tsunami auch gestellt habe. Ich habe meine Zweifel sogar seinerzeit einem Polizeibeamten am Telefon geäußert – schließlich kommt man sich in einem solchen Fall ja doch immer ein wenig wie eine erwachsene Petze vor.

    Der Polizist unterstützte jedoch meine Anzeige – er sei froh, dass ich sie eingereicht habe. Und er wünschte sich eigentlich viel mehr Engagement aus dieser Richtung. Letztendlich drückte er sich so aus, dass die Polizei mit der Wahrnehmung ihrer Aufgaben regelrecht überfordert sei.

    Genau so erlebe ich das auch täglich. Gegen die Masse an Vergehen aller Verkehrsteilnehmer kommen die Uniformierten nicht mehr an. Zu verkommen ist die Moral der mobilen Menge – aus welchem Grund auch immer.

    Natürlich ändert unsere Anzeige nicht die Welt. Doch dieser kleine Pole (in meinem Falle) hat an den 400,- EUR Strafe erstmal zu knabbern – und wird sich HOFFENTLICH beim nächsten Reißverschlussverfahren überlegen, ob er die Straße mit seinem LKW wieder versperrt. Vielleicht rettet dieses Nachdenken ja sogar Menschenleben. Dann war’s unseren Anschiss wert!

    Sollte er hingegen strafresistent sein (was ich speziell bei vielen LKW-Lenkern nicht ausschließen mag), dann geht unsere Anzeige wenigstens in seine Akten ein … irgendwann ist dann das Maß voll und er seinen Führerschein los. Und auch damit hat nicht nur unsere liebe Seele Ruhe.

    Und der letzte Aspekt soll natürlich auch nicht unbeachtet bleiben. Dazu eines meiner geliebten Gleichnisse … ich entschuldige mich schon gleich vorweg für die theatralische Aufmachung meiner Metapher:

    Man sitzt auf der Terrasse und wird von einer Fliege geärgert. Obwohl man weiß, dass jederzeit Weitere dazukommen könnten, schlägt man nach dem Insekt um es zu töten. Wenn dieses Ziel erreicht ist, verspürt man für den Bruchteil einer Sekunde eine gewisse Genugtuung. Der Einsatz des Zielens, des Schlagens und des (Fliegen)Leiche- Beseitigens hat sich bezahlt gemacht.
    Ansonsten wäre uns die Fliege ja weiterhin auf der Nase herumgetanzt.

    Ich denke, dass dieses Verhalten durchaus mit unseren Fällen vergleichbar ist. Wir wurden geärgert, haben uns gewehrt und tragen hinterher den Sieg davon!

    Ich war im Gericht mit dem Gefühl
    EIN MANN MUSS TUN, WAS EIN MANN TUN MUSS.
    Und DAS hat auch geholfen!

    El … unterwegs im Namen des Herrn 🙂

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