Rückwärts gerichtet

Volant der wilden Zeit

Volant der wilden Zeit

Sonst noch wer hier? Rückwärts gerichtet?
Manchmal. Einige werfen mir das quartalsmäßig vor, warum auch immer, das ist mir auch inzwischen ziemlich egal. Ich habe meine Gründe, manchmal in die Vergangenheit zu tauchen. Heute tief, morgen dann weniger tief. Aber so ist der Titel dieser Geschichte gar nicht gemeint, ausnahmsweise bin ich viel wörtlicher unterwegs 🙂 Rückwärts. Zurück. Heute ist der Tag, an dem mein altes Granada Coupé nach Hause kommt. Nicht so „nach Hause“ wie vor fast 10 Jahren, als wir das riesige, rote Blechschiff aus einer Scheune in die Schrauberhöhle vom Örg holten. Nein, nach Hause. Zu mir, direkt, da wo ich wohne, in die kleine Werkstatt in meinem Keller in Kiel, unter mein Schlafzimmer sozusagen. 17 Jahre nach seiner Stilllegung und fast drei Jahre nach dem Bericht im NDR. Ich bin ein Autotyp. Und jetzt rollt eines der Autos, die Jahre meines Lebens geprägt und begleitet haben, wieder zu mir zurück. Es ist quasi das Ende vom Anfang.
Der frühe Vogel fährt über die A7.

Mit dem Ford zum Ford

Mit dem Ford zum Ford

Diesen Nachmittag habe ich mir freigenommen.
Herrlich: Optiker Alex, der Mann mit der guten Brillenbude in Kiel,  hat sich ebenfalls frei genommen. So wie damals, als wir den Granada in die kleine Garage gebracht haben, in der ich ihn dann aus Versehen vergessen hatte. Mit Alex hole ich den kölner Supertanker heute auch wieder ab, historischerweise mit seinem BMW Eta, der immer noch zugelassen ist. Der mir schon den Arsch gerettet hatte, als noch mein alter Dottore Audi 100 den Geist aufgab. Alex hat sich nicht nur Zeit für den kleinen Trip zum Granada genommen, sein Eta hat auch eine Anhängerkupplung. Warum also soll ausschließlich ich mich mit meinen alten Karren von früher befassen, da gibt es noch mehr Leute 🙂 Aber das ist eine andere Geschichte. Mit ein paar Schnitzelbrötchen und einem Vitamalz im Bauch schruller ich im Taunus über die erstaunlich staufreie A7 von Hamburg nach Kiel. Treffpunkt mit Alex und seinem BMW: Die ARAL Tanke in Kiel Mettenhof. Da gibt es Hänger und Trailer in allen Größen zu leihen – und sie ist nicht so weit weg von meinem kleinen Häuschen, wo das Coupé einziehen soll.

Eine dicke Winde ist heute wichtig.

Eine dicke Winde ist heute wichtig.

Der benötigte Autotrailer muss diesmal nicht nur unvernünftig groß und stabil genug für den schweren Rostbrocken aus den 70ern sein – er braucht auch verbindlich eine funktionierende Winde mit einem dicken Stahlseil. Man erinnert sich, der V6 war auch nach intensiven Bemühungen nicht zur Mitarbeit zu bewegen, aus eigener Kraft kommt der Rote Baron also nicht die Auffahrrampen hoch. Schade eigentlich. Als ich so in der kieler Frühnachmittagssonne rumstehe und mir Gedanken über siebenpolige Adapterstecker mache, grummelt es am Horizont. Alex kommt. Der großvolumige Reihensechser mit dem herrlichen Drehmoment gullert seine Zündfolge in die norddeutsche Luft, und sein satter Klang hallt von den Wänden der riesigen Wohnklötze wieder, die man in den 60er und 70er Jahren im Olympiawahn baute und dachte, sie seien schick, praktisch und modern. Manhattenhof nennt man den „Weißen Riesen“ und seine ähnlich hohen Kumpels auch, alternativ Mettenhell. Kiels am dichtesten besiedelter Stadtteil. Wenn ich länger als eine halbe Stunde zwischen den ghettoähnlichen Betonburgen wandel verfalle ich in Depressionen, also lass uns schnell wieder weg hier.

Ein ungewöhnliches Zugfahrzeug.

Ein ungewöhnliches Zugfahrzeug.

Irgendwas ist mit mir passiert, als ich einigermaßen behütet als Mittelstandskind in einer kleinen Siedlung am Rand einer kleinen Stadt in Niedersachsen aufgewachsen bin. Mit Blick auf das Feld, den Elbe-Seitenkanal und einen kleinen Strommast. Hochhäuser erdrücken mich regelrecht. Ich kenne viele Leute, die gern im 22. Stock wohnen und die Aussicht genießen. Ich kann das nicht. Verkehrslärm stört mich weniger, dem ist man in Kiel und Hamburg auch ausgesetzt, der rauscht fast wie das Meer. Aber Hochhäuser… egal. Der Anhänger poltert noch unbeladen hinter uns her, während wir den Zubringer auf die Autobahn von Kiel nach Rendsburg hochspraddeln. Alex hat gute Laune und plaudert von den neuesten Erfahrungen auf seiner rattigen Vespa. Ich bin ein bisschen aufgeregt. Mal wieder. Heute dreht sich das Zahnrad der Geschichte dieses alten Autos einen Knacken weiter. Ich weiß noch nicht, wann wir wirklich mit einer Restaurierung beginnen können – aber jetzt wird es zumindest endlich mal ein wenig konkreter. Meine alte Zeitmaschine. Noch mehr Geschichten von damals 😉 Rückwärts gerichtet. Auf auf.

Da sind sie wieder...

Da sind sie wieder…

Nachdem mir Alex schon angedroht hat, beizeiten mit mir einen Abend lang Instant Rotwein zu testen dachte ich, mir kann nichts mehr passieren. Aber nein. Jetzt überlegt er ernsthaft, seinen BMW Eta zu verkaufen! Argh. Er wird doch nicht etwa vernünftig?? Ich muss ihn da dringend von abbringen, der Wagen öffnet zwar nicht komplett mein Herz, aber er gehört zu Alex. Finde ich. Also… äh… na wir schauen mal. Der Weg zu dem kleinen Gehöft bei Rendsburg ist nicht so lang wie die Strecken, die ich mit dem Örg normalerweise zurücklege, wir kommen kaum so richtig zum Neuigkeiten austauschen. Ein bisschen Familie hier, ein bisschen fehlende Zeit da. Dann sind wir auch schon *schwupps* auf dem Bauernhof. Das kleine Garagentor ist neu gestrichen. Der Besitzer ist heute Abend erst wieder da, wollte es aber unabgeschlossen lassen. Auf geht’s rückwärts. *quiiiiiietsch* RUMPEL. Hallo mein geliebter alter Ford. Mann siehst du scheiße aus. Wir holen dich jetzt da raus!

Fast schon ein gewohntes Bild

Fast schon ein gewohntes Bild

Die Bremsen sind in den vergangenen drei Jahren, in denen das Coupé nun schon wieder dunkel und unbewegt hier vor sich hin rostet, auch nicht mehr endgültig freilaufend. Hat irgend jemand eine Schleppstange zum Rausziehen mit? Nein. Ich nenne so ein Ding mein Eigen, weiß der Geier wo die ist. Zwei Reifen sind platt. Also so richtig platt, platt im Sinne von platt. Auch damit habe ich nicht gerechnet, als ich mit Kennerblick zwei Abschleppseile einpackte (falls eins reißt). Voll die Profis. Im Kofferraum des schönen schrägheckigen Schiffes liegt aber nicht nur allerhand Kleinkram aus den frühen 90ern, sondern auch eine alte Fußpumpe. Damit lässt sich zumindest ein klein wenig Luft in die porösen platten Pneus pumpen. Ich bin schon wieder erstaunt darüber, dass dieses Auto in seiner Gesamtheit überhaupt noch so stabil dasteht. Ich habe halb so alte Autos im Straßenverkehr gesehen, denen die Hinterachsen oder die Türen rausgerostet sind. Der Granada trotzt dem Verfall, so gut er es bei Wind und Wetter und ohne jegliche Konservierung hinbekommt. Hoffentlich.

Wenigstens ein Versuch...

Wenigstens ein Versuch…

Pfffffffhhht pfffffffhhht pfffffffhhht pfffffffhhht pfffffffhhht pfffffffhhht pfffffffhhht *klack* PSCHSCHSCH aua! und so weiter. Mühselig. Aber wer vergangenheitsbewältigende Freuden mit vergänglichen Transportmitteln genießen will, scheint leiden zu müssen. „Wir ziehen den raus und dann schieben wir den vor den Trailer“ orakelt Alex mit Kennerblick durch die stylische Brille. Schieben, wie? Niemals. Dieses Auto schieben wir zwei heute nirgendwohin, auch nicht mir ein paar Lungen voller Luft auf den ausgehärteten Reifen. Jedenfalls nicht einfach so. Erstmal raus mit ihm ans Tageslicht, das erste Abschleppseil knarzt verdächtig. Es ist älter als das rote Auto und von einer Beschaffenheit, die mich irgendwie an Hanf erinnert. Oder alte Kartoffelsäcke. Ich habe vergessen, wo ich es herhabe und seit wann es in meinem Keller liegt. Schon lange. Sehr lange. *kniiirsch* Zentimeter für Zentimeter schleicht der Granada aus der Garage raus. Mindestens ein Reifen wird einfach so mitgeschleift, was dem Seil hörbar nicht gefällt. Auch der BMW müht sich redlich in einem angehobenen Drehzahlbereich, dabei ist weniger sein Drehmoment als der fehlende Grip auf dem Sandboden das Problem.

Regelrecht ein vertrautes Bild

Regelrecht ein vertrautes Bild

So bekommen wir den vielleicht mit der Winde auf den Trailer raufgezogen… aber Männer denken ja weiter. Wie bekommen wir ihn denn vom Trailer nachher wieder runter in meine Garage? Ohne Stange und dann auch ohne Winde, denn die zieht ja nur die Rampen rauf, nicht runter. Die Bremsen müssen frei drehen, sonst sind wir verloren. Alex guckt mich an. „Na was, noch’n bisschen Granada fahren?“ Na klar. Wie vor drei Jahren, diesmal aber ohne zermürbende Startversuche. Einfach nur, um die Bremsen ein bisschen frei zu schleifen. Alex setzt sich in den Eta, ich in das Coupé und auf geht es mal wieder den fröhlichen Feldweg entlang. Geschwindigkeit aufnehmen, bremsen, nochmal wieder schneller und so weiter. Zwischendurch ein paar Fotos machen, wir wollen ja authentisch bleiben 😀


Geräusche, die bis in das Rückenmark vordringen. Das fühlt sich alles nicht sehr gut an. Wenn wir heute irgendwann Kiel erreichen sollten, werde ich zuerst die Trommeln und die Bremssättel abbauen. Damit der Kahn überhaupt irgendwie zu bewegen ist. Zwar rollen jetzt alle vier Räder, aber so richtig Freude kommt noch nicht auf. Vielleicht auch deshalb, weil ich durch die eingestaubte Scheibe absolut nichts sehe und mir gerade ausmale, was wohl wäre, wenn ich dem Alex stumpf hinten auf seinen BMW raufballer. Aber nein, das wird nicht passieren, das Coupé ist eine hart gezogene Vollbremsung.

Endlich wieder Granada fahren MUUHAHAHA

Endlich wieder Granada fahren MUUHAHAHA

Im Granada riecht es noch immer nach „altem Ford“. Jeder alte Ford hat diesen typischen Geruch. Alt, ein Hauch Kühlwasser, Teppich 🙂 Ich kann es kaum erwarten, die Inneneinrichtung auszubauen und meine alten Schweißarbeiten zu begutachten. Die für den ersten TÜV 1993… Aber hier und jetzt schleifen die Bremsen noch immer. Na gut. Dann ist es eben so. Mehr können zwei begeisterte Autofahrer für den ungehinderten Freilauf von vier alternden Radnaben heute nicht tun. Und alle Beteiligten wollen los, die eigentliche Arbeit kommt ja noch. In Kiel. Beim Abladen. Jetzt muss das dicke rote Ding mit dem blauen Teppich aber erstmal mit Muskelkraft und Winde die Rampen auf den Trailer gezogen werden. Zentimeter für Zentimeter. Kurbeln kurbeln kurbeln. Und das in meinem hohen Alter. Argh.

Und immer wieder Autos trailern

Und immer wieder Autos trailern

Ja jaaaa ich weiß es gibt auch Motorwinden 🙁
Jeder von euch hat doch bestimmt schon einmal ein Auto mit einem Stahlseil auf einen Autotrailer gezogen, oder? Dieses Knacken und Knirschen, wenn die Fasern des Seils sich dehnen und der Wagen Stück für Stück die Rampen hochkommt. *knack* Das klingt immer seeeeehr ungut, finde ich. *kniiirschklonk* Wieder einmal mehr habe ich die Phantasie, dass das straff gespannte, daumendicke Stahlseil reißt. Es enthauptet mich innerhalb weniger Millisekunden. Während mein Kopf in einer Fontäne aus Blut und Knochensplittern auf den Boden kullert sehe ich mit sterbenden Augen, wie der Granada wieder zurück rollt und Alex platt macht. Ach nee. Das wird nicht passieren, dafür sind die Bremsen zu festgegammelt.
Wie dem auch sei, ich gehe einen Schritt weiter zur Seite. Das macht das Gekurbel noch schwerer, aber irgendwie… also dieses Bild von dem reißenden Seil…..

Kurbel kurbel kurbel

Kurbel kurbel kurbel

Wenn ich das mal grob überschlage, hat dieses alte Coupé nach 1995 insgesamt mehr Kilometer auf einem Anhänger zurück gelegt als in den drei Jahren davor auf den eigenen vier Rädern 😉 Ich werde noch soooooo viele Geschichten aufarbeiten müssen. Gerade erst hat mich mein Kumpel Dirk daran erinnert, dass ich auf einem Partywochenende in Dänemark den durchgebrochenen Halter der Lichtmaschine mit einem Wackerstein provisorisch fixiert hatte. Als er mich zwei Wochen später in Kiel darauf ansprach, fuhr ich immer noch so rum. Wenn ich recht überlege…. sollte ich mal schauen, ob der Stein nicht noch immer zwischen dem gusseisernen Halter und dem Motorblock klemmt 😀 Was man alles vergisst im Laufe der Jahre, krass. Nein. Anders. An was andere sich wiederum nach so vielen Jahren noch erinnern!! Das ist genaugenommen noch viel verrückter. Diese kleine Anekdote hatte ich längst aus meinem Kopf geschoben, dabei habe ich angeblich noch einen Comic gezeichnet, wie bei der Grenzkontrolle auf dem Rückweg der sich lösende Stein einen dänischen Grenzer erschlägt. Äh… ich komme vom Thema ab.

Fest verzurrt, diesmal

Fest verzurrt, diesmal

Viele morbide Gedanken. Das staubige Auto ist inzwischen verladen und fest verzurrt. Natürlich gibt es bei solchen Bildern immer die klassischen Beamtendeutschen, die feststellen, dass mit weniger als acht Spanngurten die fachgerechte Befestigung des Kraftfahrzeugs auf dem dafür zugelassenen Transportanhänger nicht gewährleistet ist. Oder sowas. Ich für meinen Teil bin stolz, die dicken breiten LKW Spanngurte zu besitzen und zu benutzen. Es sind nicht acht Stück, aber jeder einzelne ist länger als die Schlange vor dem Eiscafé Petersen in der Hamburger Chaussee in Kiel an einem warmen Sommertag. Yeah. Im Abendlicht sehen sich der leidlich saubere BMW und der über die Jahrzehnte total eingestaubte Granada gar nicht so unähnlich. Ich bin mir ja noch immer nicht so sicher, welche Farbe das Coupé eines Tages zieren wird. Lasse ich alles so, wie es mal war und erhalte die Patina? Oder bringe ich den Wagen wieder in den babyblauen Urzustand, von dem nur noch der nicht überlackierte Motorraum erzählt und den ich selbst so nie erlebt hatte? Schwierig. Ich liebe Patina, vor allem selbst verursachte. Aber ich mag auch Babyblau 😉

Staubige Bilder

Staubige Bilder

Bevor es aber um solche profanen Dinge wie Lackfarben geht, müssen noch ein paar andere Arbeiten erledigt werden. Ich werde mir Zeit lassen und auf die freundlich angebotene Hilfe meiner verrückten Autofreunde zurückkommen. Allein schaffe ich das in diesem Leben nicht. Und nun hat das Auto schon so lange gewartet, jetzt kann es gern mal losgehen. Manchmal bin ich ein bisschen beunruhigt, wenn ich solche Zeitzeugen meines eigenen Lebens zurück ans Licht hole. Der Ford Granada ist nur ein Auto, 1975 gebaut worden, um ein paar Jahre lang eine Familie sicher, komfortabel und ein bisschen geräumiger als die anderen von a nach b zu bringen. Niemand hat damals geplant, dass so eine Kiste über 40 Jahre nach ihrem Bau noch immer da ist. Niemand. Als ich mir den als kleiner Auszubildender kaufte war er schon fast 20 Jahre alt und sah schon aus wie von einem anderen Planeten. Und auch das ist nun schon so lange her, dass man von zwei Dekaden sprechen kann. Puh. Bin ich etwa doch nicht unsterblich? Werde ich älter? Ach, so ein Quatsch. Natürlich bin ich unsterblich, schaut doch mal, ich habe noch immer meinen alten Granada. Argh. Soweit zum Titel.

Ein Kapitel weiter

Ein Kapitel weiter

Die kleine Garage auf dem Bauernhof ist jetzt leer. Ein letzter Blick, ein letztes Foto, dann lasse ich das Tor wieder quietschend und rumorend ins Schloss fallen. RUMMS. Leise rieselt der Staub. Auch dieses Kapitel ist abgeschlossen, aber das Buch noch lange nicht zu Ende. Alex und ich bringen das Coupé jetzt über die Landstraße zurück nach Kiel und hoffen, dass es nicht vom Trailer hüpft. Auch wenn ich glaube ich noch nie so legal mit einem Anhänger unterwegs war wie heute. Irgendwann hat man das Schicksal lange genug herausgefordert.
Adé, du Bauernhof bei Rendsburg. Du hast meinem alten Auto Asyl gewährt, dafür bin ich dankbar. Ich weiß jetzt wo du bist, ich habe mir den Namen und die Telefonnummer deines Hausherren aufgeschrieben und ich komme bestimmt mal wieder 🙂 Aber heute Abend muss noch ein schweres Auto mit festgerosteten Bremsen in eine Garage unter ein kleines Häuschen. Bleibt neugierig. Dazu bald mehr…

Sandmann

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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14 Responses to Rückwärts gerichtet

  1. Jo says:

    Einfach schön, wenn man über die profane Tätigkeit, ein altes Auto aufzuladen einen so langen, lesbaren, nicht mal langweiligen Bericht schreiben kann.

    Ich glaub, ich hätte das in zwei Sätzen fertig. Und selbst die wären öde.

    • Sandmann says:

      Ay Jo,

      es sind diese einfachen Tätigkeiten in einer einfachen Welt, die mich so begeistern. Wenn du dir das Foto anguckst, auf dem dein Vater dich als Baby auf dem Arm hat und liebevoll anlacht ist es auch nur ein Foto. Genau so ein Foto wie das Werbeplakat an der U-Bahn Haltestelle, auf dem irgend jemand für ein Fitness Studio wirbt. Aber da sind doch schon ein paar Unterschiede, oder? 😉

      Dieses Auto ist ein Stück meiner eigenen Geschichte. Und ich glaube, dass wir uns erst selbst richtig finden und definieren können, wenn wir unsere Vergangenheit ernst nehmen, sie lieb gewinnen und sie ab und an mal ein bisschen feiern. Ich bin dabei. Schön, dass es sich anscheinend gut liest 🙂

      Sandmann

  2. Ja,
    es ist ein sicher oft geträumter, schöner Traum, ein Auto aus den ersten Tagen nochmal wiederzufinden, oder gar zurück kaufen zu können. So ein Träumer bin ich auch, aber ich denke, das wird in meinem Fall nichts draus, meine Alt-Autos habe die Zeit nicht überlebt.
    Schön, dann so Stories zu lesen!
    Sich selbst bisschen feiern können, finde ich übrigens ziemlich empfehlenswert…Glückwunsch 😉

    • Sandmann says:

      Ay Dirk,

      manchmal lese ich von Zeitgenossen, die aus Zufall ihr erstes Auto beim verträumten Stöbern im Netz wiederentdecken… Das finde ich immer sehr beeindruckend.
      Von meinem ersten Taunus Coupé habe ich noch den Motor, also das Herz. Immerhin. Das Heck hat der Örg sich damals aufgehoben und gibt es nicht mehr her…

      Heute waren wir zwei unterwegs und haben zwei Autos aus einer seiner Lagerplätze umgeschichtet. Da stand noch der Knudsen Taunus, den er fuhr, als wir uns 1993 kennen gelernt haben. Total verrückt, aber total schön…

      Sandmann

  3. LarsDithmarschen says:

    Hey Sandmann,

    tolle Story! Endlich kommt der Granada wieder nach Hause… und es passiert etwas mit ihm! Ich bin schon richtig gespannt, wo die Reise hinführen wird. Der Granada ist echt ein cooles Auto.

    Mit Autos trailern habe ich auch so meine Erfahrungen…

    Ich war siebzehn…und sie 56 ;-). Das Alter und die Standzeit hatten meiner dänischen Schwedin mächtig zugesetzt. Kein Radbremszylinder ging mehr. Die Trommeln drehten aber frei. Die Handbremse hatte ihre Funktion auch vergessen und mit jedem Meter schieben rieselte der Rost vom Auto herunter. Der dänische Verkäufer setzte mich ganz verwirrt hinter das Steuer meines alten Autos und zog mich mit seinem 190er Mercedes einen „Berg“ hoch. Elsa sollte „Bergab“ auf den Trailer rollen. 4 Menschen standen vor Elsa und „bremsten“ sie, als es doch recht steil bergab ging. Ich saß im Auto… und konnte eigentlich nichts machen. Außer Gang einlegen und Kupplung kommen lassen. Das war echt spannend. Auch, als einer vor Elsa ausrutschte und fast hinfiel. Es hat aber alles geklappt. Nur die Ladungssicherung war noch schwer. War ja alles so verrostet, dass kaum noch etwas wirklich stabil war… ;-).

    Drei Jahre später war ich trotzdem noch nervöser. Nun funktionierte alles und Elsa sollte zur HU. Man, was hatte ich auf den 30 Kilometern dahin für einen Bammel, dass mir das Auto irgendwie herunterfällt. Ein Glück fahre ich inzwischen mit ihr ;-).

    Schöne Grüße
    Lars

    • Sandmann says:

      Bester Lars,

      ayyyyy ich wusste gar nicht, dass die „Bergung“ von Elsa dermaßen spektakulär war… Krass.
      Der Granada wird viel Zeit benötigen. Die nehme ich mir nur, weil es eben meiner war und ist. Wenn es IRGEND ein Granada wäre würde man den schon längst bei ebay als „Winterprojekt“ gefunden haben 😉 Deshalb war es mir auch wichtig, dass der Taunus zwar eine Baustelle ist, aber prinzipiell fahrbereit. Mir fehlt die Zeit für große Reparaturen. Aber das, was wir bisher gemacht haben dankt er mir jetzt mit Zuverlässigkeit 🙂

      Ich freu mich drauf, dich und Elsa am Vatertag zu sehen. Falls du die Dame herbemühen magst…
      Viele Grüße aus einem ICE von Kiel nach Hamburg

      Sandmann

  4. Daemonarch says:

    Ja Supiii! Da ist der verlorene Sohn endlich heimgekehrt… Ich werd‘ ganz nostalgisch.

    Versuch doch mal, die Brennräume satt mit WD40 zu fluten, und ein paar Tage später den Motor nochmal durchzudrehen…

    • Sandmann says:

      Ay Daemonarch,

      jahaaa das habe ich mir tatsächlich für morgen Abend einmal vorgenommen. Vorher muss ich erstmal mit der Schleppstange ran und den alten Herren noch ein wenig anders hinstellen. Er ist doch… äh… recht breit. Man kommt nicht mehr gut an ihm vorbei da unten drin 😉
      Man wird es zu lesen bekommen…

      Sandmann

  5. El Gigante says:

    Moinsen,

    … obwohl man immer wieder ins Zweifeln kommt, geht es manchmal voran – wenn auch nur in Mini-Mäuseschrittchen. Wobei: eigentlich ist das ja grad ein Schritt in einem Siebenmeilenstiefel… der Ort, an dem der Granni beinahe zum Lost Place geworden wäre, ist nach Jahren/Jahrzehnten geräumt. Für den Oldie ein ungewohnter Ortswechsel von vielen Kilometern. Da hat der mit Sicherheit gar nicht mehr mit gerechnet – deshalb die festen Bremsen.

    Na – ich bin gespannt, wie und wann es weitergeht… äh, weiter rollt… äh, wieder rollt.

    Roll Granni, roll! Die Geschichte kommt ins Rollen.

    Einen Hauch vom weiteren Verlauf der Story glaube ich ja bereits zu ahnen/kennen.

    Daumen hoch!

    El

    • Sandmann says:

      Bester El mit dem schönen Cabrio,

      vielleicht muss ich mir irgendwann mal eingestehen, dass ich nicht alles schaffen KANN, was ich schaffen WILL. Dann enttäusche ich auch nicht andauernd Menschen, die ich gerne sehen und treffen möchte und mich dann wochenlang nicht melde 🙁 Ich glaube, ich bin gerade in der Rush Hour des Lebens angekommen und muss mal ein bisschen aufräumen. Prioritäten definieren. Das vernachlässigen von Freunden gehört definitiv nicht zu meinen Plänen…

      Ich hoffe ja immer noch auf deine heilenden Hände an der Granada Karosserie, vielleicht im kommenden Herbst. Dazu werde ich dich aber noch einmal gesondert kontaktieren, vielleicht mit Fleisch und Holzkohle 🙂

      Grüße an die Dame
      Sandmann

      • El Gigante says:

        Guten…,

        ja, ich glaube das zu kennen! Bei der „Rush Hour des Lebens“ muss man wohl höllisch aufpassen – bei DEM Galopp kann man nämlich auch mal schnell hinten rüber plumpsen! Irgendwann muss man sich ehrlich eingestehen, dass die fliegende Gangart nicht mehr zum eigenen Alter passt (…uns trennen ja immerhin 10 Jahre!). Lediglich das bloße Versprechen der Entschleunigung reicht da einfach nicht.

        Auch ich musste schmerzhaft lernen, dass man manche Dinge einfach entwickeln lassen muss. Im guten Spruch „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!“ steckt viel Wahrheit.

        Darum warte ich im Fall der Granada-Story geduldig, wie sie sich weiter entwickelt. Mein Angebot (und ich bilde mir tatsächlich ein bisschen ein, dass mein Nachhaken DIREKT nach dem NDR-Bericht das Schicksal Deines roten Garagengoldes positiv beeinflusst hat – keine Widerrede!) steht. Auch wenn ich es momentan sogar richtig gut finde, dass es noch nicht los geht – weil ich zur Zeit selbst noch gar keinen Platz in der Werkstatt habe, um da so’n Dickschiff zu bearbeiten 🙂

        Von daher: bitte früh genug BESCHEID geben, damit ich meine Sammlung platzmäßig so organisieren kann, dass das Projekt realisierbar ist.

        Freundlich aus dem Cabrio winkend 😉
        El

        PS: Ebenso Gruß an die verstreute Family

        • Sandmann says:

          Bester El,

          doch doch, deine Beharrlichkeit der lieben Angebote hat natürlich was damit zu tun, dass es jetzt weitergeht. Ich selbst würde in den nächsten 10 Jahren vermutlich nicht dazu kommen, die Karosserie zu schweißen… 🙁

          Na ja, und die Tatsache dass ich nun eine kleine Schrauberhöhle unter meinem Schlafzimmer habe, in der ich den dicken Brummer auf alles vorbereiten kann, gab den Startschuss zum Heimholen. Vorher war schlicht kein Platz da.

          Zu deinem ersten Absatz: Ich entschleunige mich tatsächlich, ich schreibe das nicht nur. Allein die Fahrten im Taunus ohne Zeitdruck auf der A7 sind ein Genuss. Es ist zwar nach wie vor viel los – aber die Grundzufriedenheit ist da. Und die eine oder andere Verrücktheit würzt angenehm den Alltag.

          In diesem Sinne!
          Komm gut in die neue Woche morgen

          Sandmann

  6. Jürgen says:

    Hallo Jens,

    oh ja, das mit den blockierenden Rädern und dem Aufladen auf einen Trailer kenne ich sehr gut seit etwa 2 Jahren. Da habe ich mir nämlich für mich einen Trailer gekauft – aber seitdem war das Ding sehr selten für mich unterwegs – immer nur für andere. 😉

    Letzten durfte ich das verunfallte Cabrio meines besten Freundes von der Abschleppfirma abholen. Glücklicherweise lief der Motor noch, so konnte ich das Auto trotz abstehendem Hinterrad auf den Anhänger fahren und auch wieder runterfahren.

    Es gab aber auch schon Erlebnisse mit festgerosteten Bremsen, nicht funktionierenden Bremsen (gut, dass da das Hauseck im Weg stand, sonst wären wir beim Nachbarn durch den Zaun gebrochen) und vergessenen Auffahrrampen (glücklicherweise ein Schrottauto…).

    Ich finde es sehr gut, dass der Granada wieder bei Dir einzieht. Sozusagen nach Hause. 😉
    Meiner Meinung nach sollte er rot bleiben bzw. wieder rot werden, falls er ganz lackiert werden müsste. Du hast ihn rot gekauft und so ist es eben Deiner. Blau ist er nicht mehr der selbe.

    Ich wünsche Dir gutes Gelingen bei allem, was da noch folgt. Ich bin gespannt.

    Viele Grüße
    Jürgen

    • Sandmann says:

      Ay Jürgen,

      ich werde die Bremsen demnächst ausbauen (er ist ja nun schon unten in der Garage), die müssen ja sowieso überarbeitet werden. Dann besorge ich einen Motorkran und hebe den Motor raus (der geht dann zum Peter und wird aufgearbeitet), Inneneinrichtung raus, Scheiben raus, Rest zum El Gigante und zum Schweißen… 🙂

      Und ja, ich lasse ihn wohl rot. Aus genau diesem Grund. Ganz lackieren werde ich ihn sowieso nicht, der soll ordentlich eigene Patina auf gesundem Blech behalten. Ich mag den so.

      Sandmann

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