Safari!

Weitblick bis zum Horizont

Weitblick bis zum Horizont

Die Big Five. Ich dachte immer, das wären Mercedes, Audi, BMW, Opel und Ford. Aber nein, das sind wilde Tiere. Tiere, die man während einer Safari vor ein paar Jahrzehnten noch unbedingt erschossen haben musste. Heute haben die meisten Menschen begriffen, dass es ohne Tiere aus verschiedenen Gründen echt doof auf der Welt ist und schießen entweder auf ihre Nachbarn oder die, die anders als sie aussehen. Besser ist das nicht, aber die Tiere freut’s. Denn – die Big Five gibt es natürlich noch immer, heute muss man sie nicht erschossen, sondern maximal gesehen haben. Auf einer Safari. In Afrika. Fünf ist Trümpf gelingt mir nicht ganz, aber am Ende des Tages trete ich immerhin fast auf einen Löwen. Kommen Sie mit im offenen Geländewagen raus in die Savanne?

Worte im Wandel der Zeit.

da steht was im Weg

da steht was im Weg

Spricht man einen digitalen Hipster in den Großstädten der Republik auf Safari an, streicht er gedankenverloren durch die Fasern seines buschigen Bartes und erzählt einem, dass dieser Browser von Apple viel besser sei als alles, was Microsoft jemals rausgebracht habe. Anschließend geht er Sushi und Salat essen, weil die CO² Bilanz von Rindfleisch nicht zu seinem Ei-Mief-Elektrocruzer passt. STOP. NEIN. Klicken Sie nicht weg, ich ertrage es ja selber auch nicht 🙂 Safari bedeutet auf Swahili, der Sprache, die man hier um Nairobi herum spricht, vor allem „Reise„. Vorwärtskommen, das kann auch schon mal ein kleiner Spaziergang sein. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.
Wir spazieren, wir reisen mit dem Auto, Safari, und zwar klassisch durch einen Verbrennungsmotor vorangetrieben. Großer großer Verbrennungsmotor. Das wird auch noch ein paar Jahre so bleiben, die Aussicht, mit einem leeren Akku mitten im Nationalpark zwischen einer Menge wilder vierbeiniger Einwohner zu havarieren ist wenig erquicklich. Und es geht direkt los. Auf der Straße vor uns steht Rindfleisch vom Feinsten, aber ich habe nicht vor, es CO² schädlich zu verzehren. Und auch sonst finden sich im weiteren Verlauf der Reise kaum Parallelen zum Hipster aus der Großstadt…

Ein Fünftel der Big Five

Ein Fünftel der Big Five

Wenn Sie so einem afrikanischen Büffel genau in die Augen gucken sind Sie ziemlich froh, dass Sie an Bord eines massiven Land Cruisers aus Stahl sind und nicht gerade verschlafen aus einem Zelt geschlüpft kommen. Dieses spezielle Fünftel der Big Five ist extrem massiv, guckt erstaunlich böse und macht auch nicht sonderlich viele Anstalten, den Weg frei zu machen. Man hat es quasi nicht nötig, weil niemand widerspricht. Das Taxi vor uns hält an, zum einen, weil eine Kollision mit so einem Rind definitiv 1:0 für das Rind ausgehen würde und zum anderen, weil der Fahrgast Fotos machen will. Taxi? 😀 Ja, Taxi. Es ist in Kenia durchaus üblich, für eine Hand voll Dollar mit einem Taxi durch die Reservate zu fahren und sich vom hoffentlich gut informierten Fahrer ein wenig über das was da kreucht und fleucht erzählen zu lassen. Unser Diplomat nebst Familie sowie das halbfinnische Fräulein Altona, das viertelfinnische Sandmädchen und ich haben uns für die etwas zuverlässigere Variante im offiziellen Safaritruck mit Ranger vorn am Steuer und anschließendem Mittagessen in der Lodge entschieden und treiben uns jetzt auf der Oserengoni Wildlife Sanctuary rum. James fährt.

James kennt sie alle.

James kennt sie alle.

James macht die Tour beruflich und ist superstolz auf „seinen“ gut bestückten Land Cruiser mit dem gleichen Army Diesel wie im Diplomaten-Nissan, mit dem wir hergekommen sind. Ich werde ihm beizeiten eine eigene Geschichte widmen, heute wollen wir zunächst noch mehr wilde Tiere sehen! Nachdem die afrikanischen Büffel uns gefühlt schon gleich hinter dem Tor nach unseren Tickets gefragt haben geht es ab hier quasi Schlag auf Schlag. Wörtlich auf die Straße bezogen (au!) und visuell auf die Biologiebuch-Fauna gemünzt. Geil. Und es gibt mehr als nur Büffel. Die Büffel waren zwar toll, haben mich aber nicht nachhaltig beeindruckt. Ich bin meine ganze Teenagerzeit mit dem Fahrrad über die Felder von Rathjensdorf zur Schule nach Plön gefahren. Immer vorbei an einer ganzjährig dort äsenden Herde mächtiger, zottiger Longhorns. Sommer wie Winter standen diese rastalockigen vierbeinigen Yetis neben dem Weg am Zaun rum, schnaubten und guckten non stop patzig. Große Rinder gehören also quasi in mein Straßenbild 😉 Giraffen sind eigentlich seit vorgestern auch nichts besonderes mehr, seit diese eleganten Riesen vor uns über die Straße geglitten sind. Hier wirken sie allerdings noch einmal mehr wie im Film, wenn sich im Hintergrund die Berge erheben und vereinzelte Schirmakazien über der Ebene ihr Laubdach aufspannen. *hach*

Die rennen hier einfach so rum

Die rennen hier einfach so rum

Mal sitze ich, mal stehe ich spontan auf und gucke mit großen Augen oben aus dem offenen Dach raus. Je nachdem, ob gerade Bäume über uns sind und Affen oder gar Leoparden darin Unsinn im Sinn haben… könnten. Mal springt das viertelfinnische Sandmädchen aufgeregt auf den Sitzen hin und her, mal sitzt sie oben bei mir auf dem Dach und guckt mit mit noch größeren Augen unter ihrem Sonnenmützchen in diese fremde, wunderschöne Welt. So ähnlich muss ich damals ausgesehen haben, als ich auf dem Teppich im Wohnzimmer vor dem Farbfernseher gesessen habe. Der war in einem furnierten Holzschrank auf vier Füßchen, und man musste eine Art dünnen Schiebevorhang (auch aus Holz) beiseite schieben, um das Gerät freizulegen. Und nach dem beherzten Drücken einiger dicker Knöpfe bekam man dann eins von drei Programmen. Heinz Sielmann zeigte Tiere und Landschaften und moderierte mit seiner markanten Stimme den schleichenden Verfall der Natur. Ich saß damals vorm Fernseher – mein Töchterchen sitzt heute auf einem holpernden Geländewagen und sieht alles in echt. Verdammt, wäre sie doch ein kleines bisschen älter, später wird sie sich nur an die Fotos erinnern 🙁

Serengeti darf nicht sterben?

Serengeti darf nicht sterben?

Eine Herde Zebras läuft vor uns weg und galoppelt dermaßen filmreif unter einer Akazie in Richtung des erloschenen Kraters, dass es fast einstudiert wirkt. Sielmanns Welt? Safarimanns Welt? Ich frage mich erneut, was der liebe Gott wohl bei der Erschaffung dieser Tiere im Sinn hatte, der lustige Gesell. Und ich nehme mir für das Frühjahr 2016, also JETZT, den Erwerb eines kleinen Teleobjektivs für meine NIKON vor. Das kann ja nicht angehen, dass ich diese Schönheiten nicht mal ein bisschen näher ranholen kann. Hat jemand Erfahrungen mit NIKON Objektiven gemacht? Ich freue mich über Tipps, gern hier in den Kommentaren. Bis es so weit ist versuche ich, die Schönheit der Flora und Fauna in meinem Kopf zu speichern, so gut es geht mit der Kamera einzufangen und sie für euch irgendwie in Worte zu verpacken…

Sandmädchens Chronograph

Sandmädchens Chronograph

Unser Fahrer James ist großartig. Er kennt die Stellen, an denen sich die interessanten Tiere rumtreiben und weiß auch, welche Arten zu dieser frühen Stunde wo zu finden sind. Das geht von den Büffeln, Giraffen und Zebras bis hin zu einem Sekretärvogel über einen aufdringlich kreisenden Schwarm Geier und einem kleinen Mistkäfer, einem „Pillendreher“. Der kleine mehrbeinige Mann rollt unter den Argusaugen seiner Lebensgefährtin emsig eine Kackekugel durch die Welt und sorgt dafür, dass der Nationalpark nicht in Büffel-Dung ertrinkt. Ja wirklich! Nebenbei zieht er noch seine Kinderchen in dem warmen Mulch groß. Ich kenne sowas nur aus eben dem erwähnten Biobuch oder von diesen Filmen des Herrn Sielmann im dritten Programm und bin von dem Käfer mindestens genau so begeistert wie von den Giraffen 🙂 Die alten Ägypter haben ihn verehrt, den Mistkäfer mit dem schönen Namen. Aber na gut, das haben sie auch mit Katzen gemacht.

Der Mann kennt den Weg

Der Mann kennt den Weg

Es war eine gute Entscheidung, gefühlt noch bei Dunkelheit aufzustehen und als früher Vogel gut motorisiert durch das Gebiet zu streifen. Die Sonne ist jetzt immer noch nicht ganz oben am Himmel, wenn sie da erstmal angekommen ist wird es unerträglich warm werden (wir haben Januar!!) und die meisten pelztragenden Bewohner verdrücken sich schon jetzt in schattige Gegenden, um Siesta zu halten. Da sind sie wie die Spanier. Trotzdem zeigen wir uns schon jetzt dankbar für das laue Lüftchen, welches immer durch den Wagen weht, wenn wir uns ein bisschen weiterbewegen. In Deutschland schneit es gerade, sagt man sich. Mit Eisregen und zweistelligen Minustemperaturen in der Nacht. Ich bin so raus aus meinem Alltag dass ich nicht mal sagen könnte, was für eine Jahreszeit wir eigentlich gerade haben (Winter!!). Oder macht das der viele Gin Tonic? James reißt mich aus meinen kalten Gedanken raus. An einem Wasserloch haben sich ein paar Straußen versammelt und schnäbeln da jetzt munter miteinander rum.

animalischer Ausverkauf für die Touristen

animalischer Ausverkauf für die Touristen

In der Ferne schnauben außerdem ein paar Nashörner (ein Tele! ich will ich will ein TELEOBKEKTIV!!! Mist), die allerdings unbeeindruckt ihres Weges ziehen. Sie würden gegebenenfalls einfach durch unser Auto durchlaufen, noch viel rammbockiger als die Büffel, sind aber zum Glück in entgegengesetzter Richtung unterwegs. Faszinierend. Da gucken einfach so ein paar schrumpelige Hörner aus dem hohen Gras. Nachdem ich nun schon mit dem Elefanten geknuddelt und sowohl Nashörner als auch Büffel gesehen habe fehlen mir zu den „Big Five“ noch der Leopard und der Löwe. Roar!
So einen Strauß stößt man allerdings auch nicht von der virtuellen Bettkante, beeindruckend groß diese Vögel, ich bin wieder einmal froh, dass ich im Auto sitze. Die fedrigen freundlichen Viecher hier kennen die Safariautos anscheinend wie Känguruhs ihren Beutel und haben noch nicht viele negative Erfahrungen mit Großwildjägern gemacht. Sie bleiben stehen, halten nur einen gewissen respektvollen Abstand und gucken alle einigermaßen neugierig, was da so angerollt kommt.

Man kann ihn essen. Man muss aber nicht.

Man kann ihn essen. Man muss aber nicht.

Gniiihihihi 😀 Ich muss ständig an das Dschungelcamp von RTL denken und freue mich wieder einmal mehr, dass ich kein dafür in Frage kommender D-Promi bin. Bestimmte Lebewesen betrachte ich lieber mit einem gebührenden Abstand, und vor allem spezielle Teile dieser Tiere möchte ich auch nicht unbedingt essen. Nein nein. Andere Protagonisten der Wildnis wiederum stehen so knuddelig in der Gegend, dass man sie am liebsten als Kuscheltier mit aufs Sofa nehmen möchte. Antilopen. Oder alle diese kleinen Äffchen, und wenn die dann auch noch Nachwuchs unter dem Bauch hängen haben…. AAAAAWWWWWWW 🙂 Nach etwas über einer Stunde finde ich die ersten Bilder von heute früh eher langweilig, inzwischen parken die meist vierbeinigen Felle direkt neben den Wegen und gucken die Eindringlinge in ihren Lebensraum fast schon provokant an. Ich fühle mich plötzlich so fremd wie unter 20jährigen glatzköpfigen Bartträgern in einem berliner Sushi Restaurant.

Was genau ist das denn nun?

Was genau ist das denn nun?

Safari on? Safari on! , immer wieder nach jedem kurzen Stopp. Auf einem Plateau hoch über der Ebene machen wir eine kleine Pause. An diesem erhabenen Punkt dürfen wir nun sogar aussteigen. Vor unseren Füßen erstreckt sich quasi der komplette Kontinent bis zu den Bergen am Horizont (okay, nicht ganz….), ein leichter Wind säuselt durch die Büsche und überall tschiept, gurrt, schnaubt oder grunzt es. James sucht die Savanne mit seinem Fernglas nach einem Löwen ab. Der fehlt uns noch, und der ist anscheinend wirklich nicht leicht zu finden. Mit Leoparden werden wir wohl heute kein Glück mehr haben, die liegen ab Sonnenaufgang träge irgendwo im Schatten oder auf einem Baum rum und haben keinen Bock, gefunden zu werden. Aber Löwen jagen jetzt ihr Mittagessen. Also… die Weibchen. Die Männer liegen daheim, kämmen sich die Mähne und lassen sich bedienen. Herrlich.

Fast schon Sandmann-Pathos

Fast schon Sandmann-Pathos

Wildnis bis da, wo der Himmel die Erde berührt. Keine Hochhäuser und Gewerbegebiete. Keine Autobahnen oder Flughäfen. Nicht ausnahmslos jedes Tier konnte in der jüngeren Vergangenheit diesen Ausblick so genießen wie der gut ausgebildete Ranger und der perfekt gekleidete Diplomat. Etwas weiter unten auf dem lockeren rötlichen Sand schwirren Fliegen in der Thermik und weisen auf ein Szenario wie aus einem Wüsten-Thriller hin. Einen mächtigen Büffel hat es zerlegt. Ha, sind die also doch nicht gänzlich unzerstörbar. Vermutlich ist das schon ein bisschen länger her, denn Fleisch gibt es keins mehr, nur die Reste des Fells und die Knochen lassen noch erahnen dass hier einst ein tierischer Todesfall eingetreten sein muss.

Was vom Tage übrig blieb

Was vom Tage übrig blieb

Man wundert sich, wie derbe ein paar Knochen und Fellreste stinken können. Asseln und Maden tummeln sich überall da, wo ich einen Knochen anhebe, deshalb lasse ich das Knochenanheben ziemlich schnell sein. Außerdem hat mein halbfinnisches Fräulein Altona weiter oben noch nicht bemerkt, dass ich hier in morbider Faszination schwelge und fotografierend um einen Tierkadaver herumschleiche. Gut so. Sie ist ja eher den Lebenden zugetan und würde mich mit ein paar unangenehmen Fragen empfangen. Oh. Der Kopf. Ach, einen letzten Knochen möchte ich doch noch einmal hochheben. Ein Selfie mit dem Bullen, schnell gemacht, und dann flott weg. Es stinkt wirklich widerlich….

Immer genug Wasser mitnehmen.

Immer genug Wasser mitnehmen.

Mitnehmen? Natürlich nicht. Erstens aus olfaktorischen Gründen, zweitens brauche ich keinen skelettierten Büffelkopf und drittens ist es verboten, Tierkadaver oder Knochen aus dem Land herauszubringen. Ich stehe noch ein wenig mit sicherem Abstand und dem Wind im Rücken im Schatten einer Akazie, blicke pathetisch über das tote Tier auf den Horizont, fühle mich nun eher wie in einem Western als in einem Sielmann Tierfilm und stapfe dann (in meinen neuen heißgeliebten Bata Safari Boots) den staubigen Pfad zurück zu den anderen. Die haben in der Zwischenzeit von James gelernt, dass hier Pflanzen wachsen, die einen dunkelroten Farbstoff in der Blüte beherbergen und malen sich lustig bunt an 🙂 Safari on. James hat telefonisch erfahren, dass ein Fahrerkollege von ihm nicht weit von hier einen Löwen gesehen hat! Weiter unten, beim Picknickplatz. Gentlemen, start your engines, die Reise geht weiter!

Das feuerrote Spielmobil? Nein. Grün...

Das feuerrote Spielmobil? Nein. Grün…

Da wir uns in einem Lebensraum von Tieren befinden kann man sich die Wege nicht wie die bequemen deutschen Bundesstraßen vorstellen. Eigentlich hat das, worauf wir hier fahren überhaupt nichts mit Straßen zu tun. Also ähnlich wie mitten in Nairobi. Die Wege sind sandig und in der Regenzeit oft unter Wasser (oder schlimmer noch – unter Matsch). Schnell fahren geht nicht, hakuna matata, überall lauern Steine und Bodenwellen (wieder wie in Nairobi), manchmal tauchen auch unvermittelt Tiere mitten auf dem Weg auf. Heute ist es zum Glück trocken, aber dieser Winter war für Kenia ungewöhnlich regenreich. Deshalb ist die Savanne saftig und grün, das Gras steht hoch und es sieht überhaupt nicht nach Wüste aus. Schön für die Natur, doof für uns. Ohne das viele Gras könnten wir viel mehr wilde Wesen sehen… Die nächste Herde zieht vor uns durchs Bild, Antilopen, Gazellen, Warzenschweine – ich habe ein bisschen den Überblick verloren.

Unmengen von hopsendem und stehendem Getier

Unmengen von hopsendem und stehendem Getier

C.Resch und ich stecken nun die Köpfe meistens oben aus dem Auto raus, auch wenn es holpert und poltert. Neben uns flitzt ein Warthog, ein Warzenschwein, parallel zum Auto und bremst unvermittelt ab. Warzenschweine sind die dümmsten Tiere in der gesamten Savanne. Die sind so blöd, dass sie auf der Flucht vor einem Raubtier nach 100 Metern vergessen, wovor sie eigentlich weglaufen. Und dann stehen bleiben 😀 Wovor mag dieser Pumba weggelaufen sein? Vor einem Löwen? Ist der vielleicht schon hier irgendwo in der Nähe? Einen Löwen hat jeder von Ihnen mal im Zoo gesehen. Aber in freier Wildbahn? Nicht einmal unser Ranger kann seinen Fahrgästen bei jeder Tour garantieren, dass einer gesehen wird. Katzen eben. Die zeigen sich nur, wenn sie Bock drauf haben. Ich bin ein bisschen aufgeregt, nach so vielen unfassbaren Tieren einmal ihren König (oder ihre Königin) inmitten ihres Lebensraums zu sehen. Hoffentlich ist das Gras nicht zu hoch…

die mit dem Löwenblick!

die mit dem Löwenblick!

Ich träume ein bisschen in der Sonne vor mich hin, während der Toyota sonor murmelnd über die Piste holpert. Meinen ziemlich coolen Hut habe ich heute gegen den schon bekannten schlimmen Safarideckel getauscht, der ist einfach besser gegen die Sonne von oben geeignet. Warte mal, Löwin, Warzenschwein…? Habe ich nicht als Kind mal einen Film im Fernsehen gesehen, in dem eine Löwin von Menschen großgezogen und dann aufwändig ausgewildert wurde? War die nicht am Anfang so scheu, dass sie vor einem Warzenschwein weggelaufen ist? Anita? Hilf mir mal. Elsa hieß die Dame, ich erinnere mich an Bilder, wie sie auf der Motorhaube eines Landrovers liegt. Nachher, wenn ich wieder ein Netz habe, googel ich mal welcher Film das war….
James hält unvermittelt an. Noch bevor ich laut fragen kann wo denn wo denn?! wo denn!!? der Simba zu sehen ist legt er den Finger auf die Lippen und deutet auf der Beifahrerseite direkt neben das Auto. Also quasi…. ARGH! Da liegt sie. Die Königin. Im tiefen, schattigen Gras, neben uns, so nah dass man mit dem Arm fast drankommen würde. Den… äh… lasse ich aber lieber drin. Was für eine träge, anmutige und leicht gelangweilte Majestät. Was für ein wunderschönes Tier.

Elsa. Elsa??

Elsa. Elsa??

Nach ein paar andächtigen Momenten fahren wir langsam weiter, langsam zurück zur Basis, wo das Mittagessen auf uns wartet. Von den Big Five habe ich nun immerhin vier gesehen, und das viertelfinnische Sandmädchen spielt seit einer Stunde wieder so überzeugend einen fauchenden und bockigen Leoparden, dass der im Portfolio eigentlich gar nicht so recht fehlt. Der Weg zurück führt uns noch an einem Wasserloch mit ein paar hippen Hippos vorbei, Straußen eiern über das Feld und toben gemeinsam mit zickigen Zebras um große Giraffen rum. Frei. Sie alle sind frei. Ach JA! Der Film fällt mir auch ohne google ein: Frei geboren! Danke Anita 😉 Elsa die Löwin wächst bei den Adamsons auf, ich fand immer besonders cool wie sie auf der Haube des Landrovers rumlag. Zack, flash, blitz, die Bilder kommen zurück. Ich spreche James auf Elsa an, und er lacht. Das war hier ganz in der Nähe, sagt er auf Englisch. Die Adamsons hatten ihr Haus und ihr Löwenprojekt am Lake Naivasha, und nach dem Film in den 60ern ist dort eine kleine Ausstellung angesammelt worden. Der Platz heißt Elsamere, man kann ihn besichtigen…….

Da sind wir wieder. Mahlzeit.

Da sind wir wieder. Mahlzeit.

Das setzen wir für übermorgen mit auf den Plan, wenn wir zu Karen Blixens Farm fahren. Das wird dann wohl ein Hollywood Tag. Allerdings erinnere ich mich, dass ich bei beiden Filmen am Ende geweint habe. Hm. Vielleicht mache ich mich lieber doch noch ein bisschen schlau, später, zurück am Haus. Bevor es Essen gibt stiefel ich noch ein bisschen über das Gelände der Oserengoni Wildlife Sanctuary. Nach all diesen Eindrücken frage ich mich ernsthaft, ob ich jemals wieder in einen Zoo gehen möchte. Die Tiere gehören hier hin. Genau hier. Hm. Und während ich so über die Pfade schleiche und dem farbenfrohen getute der bunten Vögel lausche finde ich eine alte, wirklich uralte Tankstelle. Bamako Style. Aber in Betrieb, klasse, hier tanken die Jungs ihre Safaritrucks auf. James ist gerade fertig, steckt mir seine Postanschrift zu und winkt noch einmal zum Abschied. Ich verspreche, ihm Belegexemplare zu schicken, wenn wir einen Artikel über seinen Safaritruck in der TRÄUME WAGEN bringen. Oder in der GRIP. Je nachdem, wie wild die Tiere auf den Fotos aussehen 😉
Okay, jetzt nicht rauchen und auch nicht telefonieren. Diesel brennt zwar nicht, aber wer weiß, was hier noch alles in den Zapfsäulen lagert…

Tanken ja - rauchen und telefonieren nein.

Tanken ja – rauchen und telefonieren nein.

Ich habe nennenswerten Hunger. Wieder einmal mehr fühle ich mich den Tieren verbunden, weil ich genau wie sie ein bekennender Fleischfresser bin. Und wieder einmal mehr fühle ich mich ein bisschen komisch, weil ich genau diese Tiere esse, denen ich mich verbunden fühle. Ein ewiges Dilemma. Während es sich die anderen an den Tischen bequem machen wird hinter uns fleißig gegrillt und Salat geschnibbelt. Für ein paar Minuten ziehe ich mich noch mal zurück. Ich giggel noch ein bisschen in mich rein, als ich mir Warzenschweine vorstelle, die vergessen, warum sie weglaufen. Ich lasse die Straußen, Giraffen, Büffel und Zebras noch einmal an meinem geistigen Auge unter den Akazien vorbeiziehen und bin beseelt von den Farben, den Formen und den Geräuschen dieser Welt hier in Afrika. Meine erste echte Safari zwischen echten wilden Tieren. Wow.

Ja, ich kann es verstehen.

Ja, ich kann es verstehen.

Und alles spielt sich um den Lake Naivasha herum ab. Es ist wunderschön an seinen Ufern und in den Savannen zwischen dem klaren Wasser und den Ngong Bergen. Ich kann sehr gut verstehen, dass diese britischen Abenteurer hier, genau hier ihr Löwenbaby großziehen und alt werden wollten. Die Geschichte endete tragisch. Lange nach dem Film. Ich kann auch sehr gut verstehen, dass hier jemand einen Lebenstraum verwirklichte, eine Kaffeeplantage hochzog und die verbotene Liebe ihres Lebens fand. Auch diese Geschichte endete tragisch. Noch bevor der Film gedreht wurde. Das ist alles hier gewesen. Nicht im Museum, nein, genau hier. Und die vielen Tiere leben nicht in einem Zoo, sie sind frei. Ich muss das erstmal alles ein bisschen sacken lassen, die letzten Tage waren schon sehr beeindruckend, heute kommt noch eine Menge wilde Natur in meinen Kopf und übermorgen… wir werden sehen was dann sein wird. Asante sana, Naivasha.

Sandmann

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Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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5 Responses to Safari!

  1. El Gigante sagt:

    Mich fragt ja keiner…

    Sharing – schon mal was von Sharing gehört? Teleobjektiv-Sharing! … ich hätte Dir gern mein Teleobjektiv geliehen. Ist extra für NIKON! Hätt‘ ich Dir sogar nach Kiel gebracht!

    Aber mich fragt ja keiner!

    Püh! 🙂

    El

    • Sandmann sagt:

      Sharing is caring? 😉
      Danke für dein liebes Angebot El, aber im Verlag hätte ich mir auch vier oder fünf Teleobjektive ausleihen können. Ich will aber nicht mit einem geliehenen Objektiv in ein staubiges und holperiges Land fahren, sowas mache ich nur mit meinen eigenen Dingen. Ich lass zu viel fallen 🙁 Und ich brauche ohnehin ein Tele für die weitere berufliche Fotografiererei, so gesehen………

      Sandmann

      • Martin R. sagt:

        Ich hab hier noch ein 35-135mm Suppenzoom rumliegen (AF Nikkor 35-135mm 1:3.5-4.5). War „Beifang“ als ich für einen Freund ein anderes Objektiv abgeholt habe.
        Zustand nicht prickelnd, aber auch nicht katastrophal; einen leichten Kratzer auf der Frontlinse gibt’s wohl, mehr ist mir nicht aufgefallen. Mangels Nikon-Kamera konnte ich die weitere Funktion auch nicht prüfen, bin ja selber Pentaxianer.

        Wenn Du Interesse hast gäbe ich das zum Selbstkostenpreis ab – also 50 Doppelmark zzgl Paketgebühr. Das ist weniger als eine Tankfüllung. 🙂
        Ist kein wirkliches Tele, geht aber am langen Ende schon leicht in den Telebereich rein und ist definitiv deutlich länger als die klassische 18-55mm-Kit-Scherbe. 🙂
        Prüfe aber bitte vorher ob Deine Kamera mit dem Autofokus klarkommt, Nikon hat da laut Hörensagen zwei verschiedene Systeme gehabt und nicht alles ist untereinander kompatibel…

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