Schnee 1 von 3 – Die Reife(n)prüfung

Grade noch rechtzeitig

Grade noch rechtzeitig

SCHNEE. Ja, Schnee. Das ist dieses Zeug, das unsere norddeutschen Kinder nur aus dem Fernsehen kennen. Dieses weiße Pulver, was normalerweise mit knackiger Kälte einher geht und dann doch nicht liegen bleibt. Hier oben zwischen den Meeren sind wir da sehr gebeutelt, im Winter wird es wegen des noch vom Sommer warmen Wassers nicht so recht frostig – und im Sommer dafür wegen des noch vom Winter kalten Wassers nicht so richtig warm. Gemäßigtes Klima sagt man wohl dazu…? Aber – wenn es hier dann mal schneit, dann steht die kleine Welt gleich Kopf. Letztes Jahr um diese Zeit habe ich eine Artikeltrilogie verfasst, da war noch mehr Schnee, aber ein bisschen haben wir jetzt auch 🙂 Also raus damit, das will ich euch nicht vorenthalten!

Mein Auto rutscht. Trotz Quattro. Muss ich jetzt… ah? genau. Winterreifen. Jetzt. Hier. Minus acht Grad und Schneesturm. Na super. Winterreifen trennen die autofahrende Gemeinde in verschiedene Gruppen.

Mit zölligem Rohr geht das!

Mit zölligem Rohr geht das!

Sind Sie ein Sicherheitsfanatiker? Ende August haben sie ein leckeres Nogger in der Hand und halten inne beim Lecken, weil der Wetterbericht etwas von einer Kaltfront aus dem Osten berichtet. Das sehen sie als Signal! Die Winterpuschen müssen rauf! Der Mechaniker beim örtlichen Reifenhändler wischt sich den Schweiß ins T-Shirt und überlegt fieberhaft, wo er den Schlüssel für die Kammer haben könnte, wo Ihre Reifen eingelagert sind. Da hat er jetzt noch nicht mit gerechnet. Sie drängen auf Ihr Recht auf Ihre Reifen, berichten vom Wetterbericht und nuscheln irgend etwas in Ihren Bart, was die Worte „Chef„, „beschweren“ und „Bild Zeitung“ beinhaltet. Schon haben Sie kurze Zeit später Ihr Auto auf Winterreifen stehen und fahren selbstsicher in den bestimmt superfrostigen Winter, spätestens ab dem ersten September! So einer bin ich nicht.

Eine Menge Reifen zu schleppen!

Eine Menge Reifen zu schleppen!

Sind Sie der Normalsterbliche? Vielleicht, denn Sie haben durchaus ein Quäntchen Obrigkeitshörigkeit in sich. Selbstverständlich haben Sie einen Satz Winterreifen in der Garage oder im Carport liegen! Penible Spießbürgertum-Perfektionisten besitzen sogar einen Felgenbaum, den Sie im Winter vor fünf Jahren beim Lidl gekauft haben, damit alles seine Ordnung hat. Pünktlich Ende Oktober, wenn die erste Reifglätte irgendwo im Hochschwarzwald angesagt wird, setzen Sie sich mit dem preiswerten Drehmomentschlüssel und dem hydraulischen Car Jack Wagenheber aus dem Baumarkt für 29,95 an Ihr Auto und tauschen die Sommerpneus gegen die wie einen Schatz gehüteten Winterschlappen aus. Das perfekt stehende Profil der Winterstiefel täuscht Sie über etwas hinweg, was Sie eigentlich schon seit Jahren verdrängen… Sie haben diese Gummis damals zusammen mit Ihrem Auto erworben. Das Herstellungsdatum liegt jenseits der Lebenserwartung eines durchschnittlichen Hundes und die Flanken sind… nun… vielleicht kann man es porös nennen. Nächstes Jahr kommen neue drauf. Dieses Jahr geht das doch noch. Das sagen Sie schon seit 8 Jahren… So einer bin ich auch nicht.

Langsam wird's kalt.

Langsam wird's kalt.

Sind Sie vielleicht der rationale Rechner? Winterreifen? Kann man das essen? Sie finden es albern, zwei mal im Jahr zu einem Reifenfuzzy zu fahren, zumal in der Zeit, wo das alle anderen auch tun. Sie haben Ganzjahresreifen! Natürlich die runderneuerten aus dem Baumarkt, na hören Sie mal, da kann man doch nicht nein sagen. Ein ganzer Satz für 200 Euro inklusive Montage, da ist das doch echt egal, dass Ihre Spur verstellt ist und der linke vordere Reifen immer an der Außenkante abradiert. Bei den Preisen… Sie sind sich sicher, dass echte Winterreifen sich nicht lohnen, da wir hier oben sowieso seltenst einen richtigen Winter haben und für die paar Schneetage tun es Ganzjahresreifen doch auch. Vielleicht haben Sie in Teilen sogar recht. Aber haben Sie mal die Testberichte von runderneuerten Reifen gelesen? Oder mal die Preise mit nicht runderneuerten Reifen verglichen? Ach sorry – ich halt mich da raus. So einer bin ich nicht.

Lichtmangel

Lichtmangel

Was für einer bin ich denn nun? Ich habe ein fast zwei Tonnen schweres Auto mit einem nennenswerten Drehmoment und vier angetriebenen Rädern. Runderneuerte Reifen aus dem Baumarkt gibt es schlicht für dieses Fahrzeug nicht, die Bezeichnung ZR muss schon drauf sein und das finden Sie bei diesen Produkten eher selten. Selber schuld. Klar. Umso sinniger, dass die Spur für die Sommer- und Winterreifen sauber eingestellt ist, denn bei diesen Dimensionen bedeutet eine abgelaufene Außenkante gern mal den Gegenwert eines guten Abendessens für zwei mit Wein, Kinobesuch und anschließendem Taxi nach Hause. Blöd, dass beim Quattro beide Achsen eingestellt werden müssen. Wer das überhaupt macht, verlangt weitere nahezu dimensionslose Preise dafür. Ich habe einen Satz Sommerreifen von Maxxis, Testsieger auf mehreren Ebenen, und einen Satz Winterreifen von Hankook. Gleiches. Das bedeutet insgesamt acht geschmiedete BBS Kreuzspeichenfelgen mit verschiedenen, der Jahreszeit angepassten Puschen drauf. Ohne Felgenbaum. Und die Tatsache, dass es schneit, veranlasst mich in diesen Minuten zum Wechsel von Sommer auf Winter. Ein weiteres Manko könnte sein, dass der Schnee und die Kälte mich nicht wirklich an einem fröhlichen Schraubererlebnis teilhaben lassen. Aber alles hat seine Zeit.

Und auch noch das Schloss eingerforen!

Und auch noch das Schloss eingerforen!

Nicht, dass ich es bei hier oben sagenhaften -8 Grad Celsius und wehendem Schnee leicht gehabt hätte. Nein. Aber alles geht, wenn Sie eine gute Lichtquelle und Handschuhe Ihr Eigen nennen, die nicht von einem der verbliebenen Welpen geklaut und im von der Außenwelt abgeschotteten Nachbargarten vergraben werden. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt, wo alle Pneus drauf sind, geht meine Fahrertür nicht mehr zu! Sie fliegt immer wieder auf, das Schloss ist eingefroren und schnappt nicht mehr in die Endlage. Wenigstens hat es aufgehört zu schneien. Der gut ausgerüstete Schrauber hat natürlich einen Heißluftfön und eine schmierende Dose Caramba zur Hand und löst das Problem auf unkonventionelle Art und Weise. Wer will schon morgen, am Samstag, den ganzen Weg bis Soltau die Fahrertür zuhalten? Ich nicht. Das kommt dann morgen, mit dem Welpenexpress.

Was sind Sie für ein Winterreifentyp? Sagen Sie es mir. Ich habe Verständnis :O)

Sandmann

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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12 Responses to Schnee 1 von 3 – Die Reife(n)prüfung

  1. bronx says:

    Hi Sandmann,

    bei Reifen gibts kein Verzicht. Geschwindigkeits-Index und Traglast müssen stimmen.
    Preise vergleichen schon, aber nicht „billig“ um jeden Preis. Ich gucke auch auf Tests, zu groß sind die Qualitätsunterschiede.
    Insofern bin ich der „spätestens Ende Oktober draufmacher“, mit spießigem Reifenbaum, bzw -bäumen, da hier noch mehr Patienten laufen. Reifen gehören auf so ein Ding, weder stehend, noch liegend lagern, beides mag ich nicht.

    Kurz nach dem Kauf meines CarAvans aus erster Rentnerhand, hatte ich eine Reifenpanne. Da ich unterwegs zu einer Beerdigung war, blieb wenig Zeit Ersatz zu besorgen. So montierte ich das immerhin 17 Jahre alte (unbenutzte) Ersatzrad, welches trotzig den korrekten Luftdruck auswies (ja, der alte Herr war gründlich und penibel).
    An die anschließende Fahrt nach Halle/Sa. erinnere ich mich nicht nur der Beerdigung wegen ungern. Zu groß war mein Unbehagen, dass der Puschen bei 170 den Abgang macht. So fuhr ich trotz Zeitdruck nur 120 Km/h. Als ob das was geändert hätte…
    Am Tag danach gab es dann hinten 2 neue Gummis, der eine, noch gut erhaltene wurde zum „Heimbringer“ und ist es noch immer.

    Bronx

    • Sandmann says:

      Ay Bronx,

      da bin ich ganz bei dir. Gerade bei großen und schweren Autos sind die Füße und die Schuhe vielleicht entscheidend für Leben oder Tod.

      Mir ist noch nie nie nie ein Reifen geplatzt, auch einen Platten hatte ich nie. Trotz Schrauben und Nägeln in den Reifen… So ein Puschen ist noch immer auf dem V8 drauf, Markus hat den ja jetzt 😉 Und wo ich das von deinem Ersatzrad lese… ich weiß gar nicht, in was für einem Zustand das vom Passat ist und wo der Wagenheber rumliegt… hm… ich sollte morgen mal gucken, damit ich im Fall der Fälle gerüstet bin…

      Schönen Sonntag Abend!
      Sandmann

      • bronx says:

        Hi mein bester,

        der WH sollte in der Seitenverkleidung oder in der Felgenschüssel des E-Rades klemmen. Nebst Radmutternschlüssel.
        Schau lieber mal nach,auf was du vorbereitet bist, tritt nicht ein.
        Murphys Law gilt auch hier.

        Ebenso 😀
        Bronx

        • Sandmann says:

          Ay Bronx,

          heute Morgen war mir das zu kalt. Aber nachher in Richtung mittäglicher Currywurst sehe ich mal nach 🙂 Danke für den Tipp. Der Kombi hat hinten so einige Klappen, wer weiß was ich da sonst noch so alles finde!

          Sandmann

    • micklip says:

      Winterreifen sind ein interessantes Thema. Vor allem, wenn ich an meine Kindheit denke. Winterreifen hatte da nur derjenige, der mit Heckantrieb regelmäßig echt weite Strecken zurücklegen musste. Ansonsten hieß es frei nach Sandmann: „Winterreifen? Braucht man nicht!“. Und es war bei der damaligen Qualität der Winterreifen tatsächlich so, dass man mit Sommerreifen und Frontantrieb oft besser gestellt war als mit Winterreifen und Hinterradantrieb.
      Ich habe überhaupt erst 1989 meinen ersten Satz Winterreifen gekauft, als ich meinen ersten Job in einer bergigeren, schneereicheren Region antrat. Und da waren die Winterpneus dann auch schon so gut, dass man das _richtig_ merkte. Seitdem bin ich überzeugter Winterreifen-Nutzer. Wenn es sich günstig ergibt, ziehe ich sie sogar rechtzeitig auf 😉 Manchmal ist es aber auch knapp und der erste Schnee muss mit Sommerreifen bewältigt werden (oder eben zu Fuß). Aber vor längeren Autofahrten im Herbst habe ich den Wetterbericht immer im Blick und rüste bei drohendem Wintereinbruch rechtzeitig um. Eine Schlitterpartie auf der Autobahn finde ich unverantwortlich.
      Ja und die Qualität der Reifen muss auch stimmen. Es muss nicht der absolut _beste_ (und damit meist unverhältnismäßig teure) Reifen sein. Aber der beste aus dem Mainstream darf es schon sein. Ich habe einmal einen Satz Winterreifen aus dem Billigsegment zusammen mit unserem Zweitwagen-Polo gekauft. Seitdem weiß ich, was schlechte Reifen sind und was sie mit den Fahreigenschaften machen 😉 _Das_ braucht man wirklich nicht!!!

      • Sandmann says:

        Miiiiiiick!

        Ich muss da glaube ich mal ein Image korrigieren… Also – ich fahre momentan (und vielleicht auch noch länger) einen Kombi, aber ich sage noch immer: Kombi – braucht man nicht 🙂

        ABER ich habe noch nie behauptet, man würde Winterreifen nicht brauchen. Auch ich finde es verantwortungslos, bei Schnee und Eis mit Sommerreifen durch die Welt zu fahren, egal ob Heckantrieb, Frontantrieb oder Quattro. Auch mit dem V8 hatte ich stets gute und neue Winterreifen am Start, ich… äh… ich bin nur irgendwie immer nicht dazu gekommen, die rechtzeitig raufzuziehen! *peinlich* Deshalb dann ja auch solche Schneeaktionen, aber mit Sommerreifen hätte ich den UPS Laster wohl nicht rausbekommen. Siehe zwei Blogs weiter oben.

        Und auch mein Kombi hat sehr gute Winterreifen drauf. Jawohl! 😉

        Sandmann

        • micklip says:

          Na da hab‘ ich mich wohl etwas ungeschickt ausgedrückt. Dabei habe ich extra „FREI nach Sandmann“ getextet. Ich wollte dir auf keinen Fall eine Winterreifen-Ablehnung unterstellen sondern nur deinen mutmaßlichen Tonfall des „Braucht man nicht!“ kopieren 🙂
          Ich habe das sehr wohl registriert, dass Du verantwortungsbewusster Winterreifen-User bist. Und den rechten Zeitpunkt verpassen kann man immer mal. Schließlich ist der Wechsel auf Winterreifen bei hochsommerlichen Temperaturen auch mit deutlichen Nachteilen verbunden.

          • Sandmann says:

            😀

            Du hast das schon richtig gemacht. Und ich muss ja außerdem zugeben, dass ein „Verpassen“ des richtigen Moments nicht unbedingt heißen muss, dass man im tiefen Schneetreiben die Puschen wechselt. Denn das ist DEFINITIV zu spät 😉

            Schneemann

  2. SteffenG says:

    So,

    Reifenbaum habe ich nicht! Da sind die Schuhe meines Mondeos zu groß für!
    Ansonsten bin ich Verfechter der O bis O Regel, meist schaffe ich es aber nicht. Hier im Ried schneit es aber gewöhnlich weniger und auch selten vor Dezember.
    Auf dem Corsa habe ich tatsächlich Allwetterreifen. So gekauft. Wenn man da ein wenig auf Qualität achtet, kann man die auch ganz gut fahren. Wenns hart auf hart kommt und eine geschlossene Eisdecke für Spaß sorgt, bleiben wir dann lieber zu Hause oder nehmen den Mondeo.
    Früher habe ich, einfach aus Geldmangel, bei Winterreifen auf Runderneuert zurückgegriffen. Da bin ich auch lieber nur die angegebene Geschwindigkeit gefahren. Für den Mondeo gibt es aber keine (ZR) und beim Corsa lohnt sich Runderneuert nicht (145er oder so). Ansonsten gilt für mich: an Bremsen und Reifen hängen Leben.
    Und auch ich habe einen Wagenheber aus dem Baumarkt und nur einen günstigen Dremo! Bin ich jetzt ein schlechter Mensch? Oder ist das besser als Nix?
    Ich gelobe aber Besserung und werde mir einen vernünftigen Dremo mit einer ordentlichen Verriegelung kaufen!

    Steffen.

    • Sandmann says:

      Ay Steffen,

      nein, du bist kein schlechter Mensch. Ich hab ja auch noch letzte Billigfragmente in meiner Garage und tausche nun nach und nach aus. Spätestens wenn ich in diesem Jahr meinen Doppelcarport neben die Garage gesetzt habe werde ich mir einen neuen Wagenheber und einen guten Drehmomentschlüssel zulegen. Ich muss mich erst einmal daran gewöhnen, dass ich nun tatsächlich mit dem Thema „Auto“ meine Brötchen verdiene und auch privat so nach und nach mal ein paar Träume realisieren kann… 🙂

      Sandmann

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