Von Nasen und Buckeln

Haubenliegen mit Nasenfaktor

Haubenliegen mit Nasenfaktor

Andere, meist Nicht-Väter, laufen besoffen mit dem Bollerwagen los.
Ich, dreifacher Vater, fahre mit dem Boller-V6 zum Markus nach Fehrenbötel, wo schon zum vierten Mal das traditionelle Vatertagstreffen der Autobekloppten stattfinden soll. Die Eintrittskarte ist eigentlich ein Audi V8, so will es die Tradition, aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Deshalb hab ich auch dem Alex bescheid gestoßen, BMW Eta und Honda Fahrer und treuer Begleiter bei inzwischen so vielen Autoaktionen. Und Lars. Lars Kohlkopf aus Dithmarschen, jüngster mir bekannter Benzinblogger und Teenage-Volvo-Restaurator 😀 Die kommen auch, die haben beide keinen Audi V8. Und ich. Und noch ein paar andere, freut euch auf Faxen in und auf alten Autos und ein paar Erfahrungen aus den 50ern und 70ern. Mit Bett. Und zwei Tramperinnen, wow, voll nice!

Alles hinten drin, was Mann so braucht.

Alles was ein Mann braucht

Alles was ein Mann braucht

Und das ist nicht viel. Ich bin mächtig stolz, dass ich in diesem Jahr meine Luftmatratze noch rechtzeitig auf dem Speicher wiedergefunden habe. In all den Jahren davor hatte sie sich immer erfolgreich versteckt, und ich habe mir immer wieder eine neue gekauft. Nicht, dass ich heute stolzer Besitzer eines zweistelligen Luftmatratzenarsenals wäre. Oh nein. Wo die alle geblieben sind weiß nur der Gott des Gummis, aber die vom letzten Jahr ist noch da und hinten im Kofferraum. Im Auto schlafe ich zwar gern, aber nur, wenn wirklich nicht die Alternative einer beheizten Halle nebenan besteht 😉 Außerdem sind noch mein Schlafsack und ein Kuschelkissen dabei, Grillfleisch, Grillkäse (köstlich!), kein Salat und kein Brot (so ein überflüssiges Beiwerk braucht Mann nicht), lecker Bier und ein paar TRÄUME WAGEN und GRIP Magazine zum Verteilen in der Runde der Benzinköppe. Das Wetter ist toll, Frau und Kind sind glücklich mit Freunden unterwegs, alles am Taunus funktioniert und eigentlich kann mir jetzt nichts mehr passieren.

Na gut. Da hält Mann doch gern mal an.

Na gut. Da hält Mann doch gern mal an.

Denkste. Grade habe ich das Fenster runtergekurbelt und mir schön schrägen Gitarrenschranz von Dashboard Confessional angemacht, da sehe ich im rechten Augenwinkel zwei junge Damen mit dicken Rucksäcken und einem FLENS BURG Schild aus Pappe mit erhobenem Daumen am Straßenrand. Tramperinnen. Jung, hübsch, nüchtern. Eine fast ausgestorbene Spezies. Die folgende Gedankenkette können vermutlich nur Männer nachvollziehen:

  • Aik, sowas hab ich ja ewig nicht gesehen.
  • Junge Frauen trampen, das ist ja one in a Million.
  • Süß, mit einem Pappschild im Zeitalter von Mitfahr-Apps.
  • Hoffentlich hält da nicht so ein Arschloch an.
  • Schade, dass ich nicht nach Flensburg fahre.
  • Warte mal, ich fahre aber ein ziemliches Stück in Richtung Flensburg.
  • Beifahrersitz und Rücksitz sind bis auf die Gitarre leer.
  • Vielleicht sollte ich, … bevor irgend so ein Spast…
    Jetzt… so langsam mal…
  • Argh.

Nach nur 300 Metern habe ich den Taunus am rechten Straßenrand zum Stehen gebracht und den Rückwärtsgang eingelegt. Hupend rolle ich zurück auf eine Bushaltestelle und steige winkend aus. Die beiden kommen schon mit ihren Rucksäcken angelaufen und freuen sich über’s tendenzielle Weiterkommen und das echt nice Auto. So nice.

Hab mein Waaaagen vollgelaaaden ♫

Hab mein Waaaagen vollgelaaaden ♫

X und Y kommen eigentlich aus Kassel, studieren aber in Leipzig und trampen gerade zu einem Freund nach Flensburg. Ein bisschen Ruhe, ein bisschen Sonne und ein bisschen Meer. Ich kann das nachvollziehen 🙂 Wir quatschen über die Eintönigkeit der A7 nördlich von Hamburg, die Tücken eines Lehramts-Staatsexamens (ich kann da mitreden, ich habe eins…) und mein Auto. Die Dame auf dem Rücksitz lümmelt sich immer tiefer ins braune Kunstleder und findet das alles echt nice. „Was ist das denn überhaupt für ein Auto…?“ Ich lasse den 46 Jahre alten Ford Taunus raus und ernte große Augen. Das ist jetzt der Moment, bei dem gesagt wird, dass man so einen auch mal hatte. Oder der Vater oder der Nachbar. „Hab ich noch nie gehört…„. Oh. Okay, die beiden sind wirklich sehr jung 😀 Aber egal, der Wagen ist nice, so einen könnten sie sich auch als Auto vorstellen. Voll nice.
Ich fahre viel weiter, als ich müsste. Weit an meiner Ausfahrt vorbei, bis zu einem Rastplatz kurz vor Neumünster. Verdammt. Da lasse ich sie raus (da haben wir auch das Bild mit dem Schild nachgestellt), wünsche ihnen noch eine feine Weiterfahrt und freu mich wie ein Kind über einen so nicen Auftakt des Vatertags. Kann man machen. Ich weiß nicht mal wie die heißen. Und wie ich jetzt von hier nach Fehrenbötel komme wissen nur die ungezählten Schafe und Kühe…

Da sind wir wieder!

Da sind wir wieder!

Aber alle Wege führen nach Fehrenbötel. Wenn ihr noch nie davon gehört haben solltet (was weder schlimm noch ein Bildungsloch ist) – das ist zwischen Hamburg und Kiel östlich von der A7, nicht weit vom Flugplatz Hartenholm, wo 1988 das Werner Rennen stattgefunden hat und wo es 2018 wieder stattfindet. Aber das ist eine andere Geschichte. Hier ist ein dörfliches Vereinsheim der Freiwilligen Feuerwehr, eine Rasenfläche und selbstorganisierte Grillereien und Trinkereien. Und viele Autos. Wow. Audi V8, Audi A8, alles in lang und kurz, alles von schick bis schlimm. Zwischendrin ein paar Ausreißer, der 1957er Buckelvolvo vom Lars, die Honda vom Alex, mein Knud… und irgendwo liegt auch der Derby vom Jan auf dem Boden rum. Aber die eigentlichen Außenseiter sind Lars, Alex und ich. Also liegen wir drei auch zum Auftakt mal gemeinsam auf der Haube rum. Das macht Mann viel zu selten, das liegt vor allem daran dass es nicht mehr viele Autos gibt, bei denen das geht. Und wenn doch, sind die Besitzer meist dermaßen dem Wattestäbchen-Polier-Fetisch verfallen, dass die in die Geschlossene eingeliefert werden müssen, wenn sich jemand auf die Motorhaube ihres Autos läge. Bei meinem Taunus geht das. Und es ist auch okay.

Ja, das macht Beulen. Na und?

Ja, das macht Beulen. Na und?

Liegen und liegen lassen. Wir machen noch ein Foto für Andrea, auch Taunusfahrerin und begeisterte Dänemark-Leuchtturm-Beiwohnerin. Eigentlich sollte auch Kai hier sein, aber seine Mitfahrgelegenheit aus Wien leidet unter einem geplatzten Lenkgetriebe. Deshalb kommen nun beide nicht, und ich bin wieder einmal froh, nicht mal eine Servolenkung zu haben. Da kann also auch nichts platzen. Trotzdem schade, gerade die Fraktion aus der Schweiz, aus Österreich und nicht zuletzt aus Bremen hätte ich gern heute hier getroffen. Ja nun. Stattdessen erzählt Lars die Geschichte seines jungen Lebens zusammen mit einem völlig toten und abgerockten Volvowrack aus Dänemark. Kurzfassung: Mit 16 gekauft, drei Jahre in Papas Carport restauriert und jetzt TÜV und erstes Auto. Lars ist jung, Lars trinkt keinen Alkohol, Lars raucht nicht und Lars‘ Handy ist 12 Jahre oder so alt. Deshalb hält er also nicht jedem irgend ein Display unter die Nase, sondern er gibt Farbdrucke der Restaurierung rum. Schön in Plastikfolien eingelegt. So gehört sich das. Der ist der jüngste Oldschooler den ich kenne 😉

Restaurationshistorie, farbig ausgedruckt.

Restaurationshistorie, farbig ausgedruckt.

Und – er hat das realisiert, was ich in … Moment… 28 Jahren Autofahren (ach – du – SCHEISSE) nicht hinbekommen habe: Er hat heute den Beifahrersitz rausgenommen und stattdessen ein Bett da reingebaut. Wie geil. Seine offizielle Begründung ist: „Na ja, mit 6 Volt Bordspannung will ich in der Nacht nicht wieder nach Hause fahren„. Das glaube ich ihm sogar, Alkohol trinkt er ja nicht, der Grund fällt also aus. In seinem 60 Jahre alten Auto ist ein kuscheliges Bett mit wundervoll geschmacksbefreiter Bettwäsche bezogen, über allem thront ein schwedischer Plüsch-Elch. Nahezu perfekt. Ich gedenke kurz meines Ford LTD, in dem ich mal im hinteren Fußraum ein paar Kisten aufgebaut und mit Matratzen belegt hatte, weil ich dachte, das gäbe so mit dem Rücksitz ein feines Doppelbett ab. Der Wagen war aber so breit, dass man ausgestreckt quer drin liegen konnte. Und auch die Dame, auf die das Doppelbett abgezielt hatte, verlustierte sich mit jemand anderem. Es gibt eine Geschichte von dem Abend, aber die erzählt nicht die ganze Wahrheit 😉 Notiz an mich selbst – jetzt, nach dem vierten Bier in der prallen Sonne nicht vergessen die eigene Luftmatratze aufzupusten. Irgendwann hat man da nämlich am späteren Abend keine Lust mehr zu…

Lars schläft heute von allen am besten

Lars schläft heute von allen am besten

Der Buckel schreit ja förmlich nach einer Probefahrt. In ein paar Videos und Geschichten hab ich mir schon einen Eindruck von Elsa, so heißt die alte Schwedin, gemacht. Aber komm, lass mal hören und spüren. 60 Jahre ist eine lange Zeit für ein Automobil, und wenn jemand quasi alle Schrauben der Karre schon einmal in den Händen hatte – wir klingt das dann?
Gut. Gesund. Lars traut dem neuen externen Lichtmaschinenregler noch nicht ganz über den Weg, aber so wie es aussieht muss er nicht mehr alle 250 Kilometer die Batterie neu aufladen. Der Wagen springt an und schnurrt im Standgas vor sich hin. Alex und ich hoppsen rein, er hinten, ich auf dem Bettchen. Anschnallen ist ungefähr so angesagt wie der Blick auf den Motor eines Toyota Prius, wenn es denn überhaupt möglich ist. Ich liege so rum, hinten philosophiert Alex über geile Eintöpfe und der dithmarscher Youngster lenkt souverän ein Auto, was gebaut wurde, als meine Eltern noch in der Grundschule waren. Wow.

Seit 60 Jahren Rock'n Roll

Seit 60 Jahren Rock’n Roll

Das Blech des Schweden ist komplett geschweißt, versiegelt und lackiert. Eine in meinen Augen perfekte Arbeit. Was ich aber, und die Zustand-1-Verehrer mögen es mir verzeihen, richtig richtig RICHTIG geil finde ist, dass Lars rund um die Karosserie den ganzen alten, patinierten Kram einfach wieder eingebaut hat. Denn die 60 Jahre erzählen ja Geschichten von den Leuten, die das Auto vor ihm gefahren sind. Warum soll man die antiseptisch wegrestaurieren? Der Wagenhimmel ist bräunlich, die Stoßstangen sind pickelig, die aufgeklebte Heckscheibenheizung aus dem original Zubehör geht nicht mehr. Die Türpappen flattern nicht ganz fest in ihren Clippsen, auf der Hutablage liegen alle Teile, die in den letzten Wochen während der Fahrt abgefallen sind. Ich bin begeistert.


Streckenweise unscharf. Was man von den Protagonisten nicht sagen kann, aber am Vatertag darf ich auch sowas schreiben. Der Volvo fährt sich klasse, wie ein echtes Auto, was ist in den letzten 60 Jahren bloß alles versäumt worden wenn die damals schon so coole Autos bauen konnten? Wieder zurück bei der Freiwilligen Feuerwehr Fehrenbötel grillen wir erstmal ein paar Würste zum Kaffee und widmen uns dem eigentlichen Sinn und Zweck dieses Treffens – Audi V8. Yes. Eine Kategorie auf meiner Seite erzählt in über 100 Geschichten meine Liebe und meinen Hass zu diesem Auto, was mich 10 Jahre und 520.000 Kilometer durch alle Höhen und Tiefen dieser Zeit begleitet hat. Die „Sandmanns Edition“ gibt es noch immer, wenn auch ein wenig verändert. Aber Tom hat noch keinen TÜV bekommen und ist deshalb mit „meinem“ alten V8 heute nicht hier. Schade. Als kleine Entschädigung hat er seinen DTM V8 dabei, den er Schraube für Schraube den legendären Tourenwagen V8 Anfang der 90er nachempfunden hat. Hans-Joachim Stuck und Walter Röhrl fuhren 1990 mit den beiden V8 Quattro Oberklasselimousinen das gesamte Feld der Konkurrenz in Grund und Boden. Sagenhaft. Und Tom hat so einen „in echt“ nachgebaut.

Sowas geht auch.

Sowas geht auch.

Mann muss die DTM nicht mögen, vor allem die DTM vor über 25 Jahren – man kann aber. Vor allem mag ich Tom. Irgendwie hat der nicht alle Tassen im Schrank, das aber auf eine unfassbar kreative Art und Weise. Meinen alten, durchgelutschten V8 mit Neuteilen wieder aufzubauen ist schon irgendwie pathologisch, so einen DTM Audi nachzubauen fast schon eine Lebensaufgabe. Er hat es schneller geschafft, und das hat auch schon der Springer Verlag mit einem Bericht honoriert. Hochverdient. Wenn das Auto läuft, schweigen die Vögel wie vor einem Tsunami. Der Boden bebt und das Laub der Bäume überlegt, ob es spontan den Herbst einläuten und abfallen soll. Sagenhaft. Ich mache noch einen Kniefall vor der Technik, während Plastikfolien mit farbigen Restaurationsfotos von einem Volvo an mit vorbei flattern.

Krümmer aus der Hölle

Krümmer aus der Hölle

Aber widmen wir uns wieder dem rostigen Altblech. Mindestens drei Anwesende sind nicht wegen irgendwelcher Audis hier, sondern um Spaß zu haben und Benzin zu reden. Dann ist nun wohl mal der Taunus dran, 14 Jahre jünger als der Volvo und ein Kind aus einer ganz anderen Zeit. Einer Zeit, in der meine Eltern Mitte 20 waren. In einer Zeit, in der ich selbst geboren wurde. Habt ihr den Geruch eines Autos aus den 50ern in der Nase? Schnuppert mal. Das riecht nach lackiertem Metall, Öl und völlig über ihre Zeit gerittene Kunststoffe. Fast jedes Auto der 50er riecht so, das von Lars auch. Autos der 70er riechen ganz anders. Speziell ein Ford. Ein Ford riecht immer ein bisschen nach altem Teppich, Kühlwasser und verschmorten Kabeln. So auch meiner. Lars schiebt den Sitz ein bisschen nach vorn und startet den V6. Er ist noch nie einen V6 gefahren. Himmel, ist der jung.

Immer diese Selfies

Immer diese Selfies

Während er sich an das Auto gewöhnt freue ich mich ein bisschen, dass heute eigentlich Vatertag ist. So kann man den durchaus auch verbringen. Es gab mal ein Christi Himmelfahrt, da bin ich mit Örg und Thies und einem Bollerwagen losgelaufen in Richtung Falckensteiner Strand. Kiel. Am Ende hatte ich für 200 Euro ein oranges Ford Taunus Coupé gekauft, war besoffen und hatte einen schlimmen Sonnenbrand. Herrliche Eskalation. Was mag aus dem Auto geworden sein? Egal. Das ist lange her. Meine großen Töchter waren da noch klein, meine kleines viertelfinnisches Sandmädchen war noch lange nicht in Sicht und das halbfinnische Fräulein Altona nur die Freundin einer Exfreundin. Puh. Zurück in den Taunus. Lars schaltet recht souverän und freut sich über das schnell angenommene Gas. Zwischen unseren Autos liegen echt zwei Generationen, wobei man da nicht von besser oder schlechter reden kann. Einfach anders, aber trotzdem klasse. Im Nachbarort treffen wir endlich auf zwei Vertreter der klassischen Vatertagstour, die sichtlich Spaß an dem Tag haben.

Traditionell. Sehr traditionell.

Traditionell. Sehr traditionell.

Nun gut, die Jungs nehmen es wie die Freiwillige Feuerwehr Fehrenbötel – ein Brand muss gelöscht werden. Prost. Lars wiederum freut sich vor allem über die riesige, kantige Haube des Taunus. Über die Ecken der Kotflügel, die wie Peilkanten rausragen. Und über die mittige Nase, die den Namen des nur 19 Monate amtierenden Ford Managers trägt. Es ist so wundervoll, wenn Jungs sich neidfrei über die Karren anderer Jungs auslassen können. Einfach, weil sie ebenfalls eine geile Karre haben. Die Generation der Toyota Aygo Finanzierer wird das niemals verstehen, umso beeindruckender finde ich es, dass hier einem Twen von der Westküste genau die richtigen Gedanken im Kopf schwirren und dir richtigen Worte über die Lippen kommen. Lars ist, wie er ist. Guckt euch sein Auto an, dann bekommt ihr einen Einblick. Plötzlich fühle ich mich alt und plüschig 😀 aber irgendwas ist ja immer. Ich denke noch einmal kurz an die beiden Mädels auf dem Weg nach Flensburg, und ob sie inzwischen wohl angekommen sind.

Cruising my Religion

Cruising my Religion

Über den weiteren Verlauf des Abends legt sich der Mantel des Schweigens 😉 Nein, es war gar nicht schlimm. Die Feuertonne knistert, und es wird in etwas kleinerer Runde über Autos, das Leben und andere unvorhersehbare Dinge gesprochen. Einige Protagonisten müssen auch unbedingt wahnsinnig lustige, extrem nervende Videos auf ihren Handys zeigen. Kuck mal hier MUUHAHAHA das MUSST du sehen. Ich dachte immer, sowas machen nur ältere Mütter, die gerade erst ihr erstes Smartphone gekauft haben und jetzt Uli Stein und Diddl Maus digital wieder aufleben lassen? Na gut. Jeder wie er meint. Lars raucht und trinkt noch immer nicht (wie hält der das mit uns aus??), Alex schwingt sich irgendwann auf seinen Honda Eintopf und gullert nach Hause. Nächstmal will er auch hier bleiben. Ich komme endlich dazu, meine Luftmatratze aufzublasen und Lars macht sein Bettchen im Volvo.

Der Morgen danach wird geprägt von viel zu opulenten Wurst- und Käseplatten. Lars trinkt auch keinen Kaffee. Der macht echt nix, was irgendwie giftig ist. Ach doch. In seinem Volvo schlafen. Anscheinend ist der Tank nach oben nicht ganz dicht, und es muffte in der Nacht ordentlich nach Benzin. Na herrlich. Da lebst du weitestgehend drogenfrei, schnupperst aber in deiner Karre die ganze Nacht Benzol, das vermutlich krebserregendste Gift der Welt. Ach komm Lars. Nächstmal wenigstens ein Glas Wein und einen Zigarillo 😉
Ab nach Hause. Markus drücken, der das alles hier veranstaltet hat, ein bisschen besinnliche Musik in die Bluetooth Box legen und ab in Richtung Süden. Ein Stück noch hinter dem Volvo von Lars her, irgendwann biegt er abrupt rechts ab, in eine kleine Straße bei Hartenholm, die nicht in die richtige Richtung führen KANN. Er hat kein Navi und ein 12 Jahre altes Handy. Auf dem Beifahrersitz liegen ein paar Google Maps Ausdrucke. Na gut. Ich hupe, fahre weiter in Richtung Autobahn und denke wieder an die beiden trampenden Mädels.

Homeward bound

Homeward bound

Diese Tage, diese Abende sind wertvoll.
Von außen betrachtet sind wir ein paar Verrückte, die ihre Zeit damit vergeuden, Schwachsinn zu reden und Bier zu saufen. Stimmt. Und genau das macht so einen Abend aus. Während die ganze Welt da draußen, die ich definitiv nicht ändern kann, langsam verrückt wird treffen wir uns und sind nett zueinander. Reden, trinken, rauchen. Lachen, singen, schweigen. Vom tiefer gelegten Audi S8 bis zum rostigen Knudsen Taunus haben wir alle Lust auf Autos, die nicht ganz alltäglich sind. Und das vereint uns. Einige von den Jungs hier kenne ich schon seit Anfang des Jahrtausends. Vielleicht sind das keine Freunde, aber es sind angenehme Konstanten in einer sich immer schneller verändernden Welt. Und wie schön, wenn neue Gesichter dazu kommen. Den Lars und den Alex mag ich echt gern. Schauen wir was kommt. Bis zum Elektroauto ist es noch ein langer Weg…

Sandmann

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

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16 Responses to Von Nasen und Buckeln

  1. Daemonarch says:

    Jau, geiles Ding! Ich verschlinge deine Berichte von den V8-Meetings ja schon seit Jahren.

    VIELLEICHT darf ich ja nächstes Jahr auch mal aufschlagen. Dann mit dem W124, so bunt wie die Mischung mittlerweile ist, fällt das sicher kaum auf. Zudem hatte ich ja mal so gut wie beinahe einen V8! 😉

    • Sandmann says:

      Ay Daemonarch,

      ausgerechnet bei dir frage ich mich schon seit Jahren, warum du nicht mal dazukommst. Wenn nicht mit dem Auto, verdammt, dann setz dich in den Zug und ich hol dich vom Bahnhof in NMS oder wo auch immer ab. Hauptsache du zeigst dich endlich mal, ein Petrol Head mehr ist doch fein 😀

      Schauen wir mal was im kommenden Jahr da geht, in Fehrenbötel…

      Sandmann

  2. Snoopy says:

    Ich bin ja so gespannt auf Lars und Elsa.
    Ja ich finde es schön das die alten Autos auch wieder offiziell Patina haben dürfen.

    • Sandmann says:

      Hihi 🙂

      Ja, auf die beiden darf man auch gespannt sein. Wenn Lars vorher nicht noch an Benzolvergiftung stirbt.
      Wir drei, also mit Alex, haben auch den ganzen Abend zusammen rumgehangen, das war schon irgendwie echt nett. Hoffentlich kommen die Konstanten aus dem nahen Ausland nächstes Mal auch wieder, dann wird es noch internationaler 🙂

      Sandmann

  3. Matthias says:

    Hallo Jens,
    es freut mich auch, deine wunderschönen Berichte der Reisen in die Vergangenheit und Geschichten der Gegenwart zu lesen und mit dir am Feuer zu sitzen. Mach weiter so und ich freue mich schon aufs nächste Jahr auch wieder gerne mit netten Gästen. So einer wie Lars ist echt Spitze.

    • Sandmann says:

      Ay Matthias,

      die Ehre war ganz auf meiner Seite. Leider werde ich, lebensbedingt, momentan immer ziemlich schnell müde, das Bier hat das nicht wirklich verhindern können 😉 Aber wenn ich richtig gesehen habe bin ich nur ein kleines bisschen vor dem „harten Kern“ auf meine Luftmatratze gekrabbelt. Wir werden wohl alle nicht jünger 😀
      Spätestens bis zum nächsten Jahr. Mal schauen, in welchem Auto ich dann ankomme, hoffentlich immer noch der Taunus…

      Sandmann

  4. Hallo Sandmann,

    das ist genau die richtige Art Geschichte, die ich am einem lauen Sommerabend auf der Terrasse mitten im Grünen mag. Nichts mit zu kompliziertem Inhalt, sondern einfach nur nette Worte und ein erstaunlicher Lars, den es wohl nicht oft geben wird.
    Ich habe den Feiertag schraubend an meinem noch nicht so ganz altem Blech verbracht, was auch ganz nett war, aber sicherlich weniger gesellig.

    Grüße

    • Sandmann says:

      Ay Peter,

      komplizierten Inhalt gibt es bei mir meistens nur im Herbst, wenn mich die Melancholie packt und ich über Erinnerungen und die eigene Sterblichkeit philosophiere. Für sowas sind momentan die Blätter an den Bäumen einfach zu hellgrün 😉

      Lars hat das Zeug zum automobilen Rockstar, jung genug um sich verderben zu lassen ist er ja auch 😀 Wenn das so weitergeht ärger ich mich, dass ich ihn ins Bild gerückt habe, Alex hat ihm auch schon einen virtuellen Heiratsantrag gemacht 😉

      Nächste Station: Dithmarschen. Alex und ich wollen mal gucken wie der junge Mann so wohnt, da, wo es ganz platt ist.

      Sandmann

  5. sam says:

    Ein netter Blog ehrlich. Gut zu lesen. Gute Arbeit.

    • Sandmann says:

      Ay Sam,

      manchmal, in ganz dunklen Momenten, denke ich ja, dass solche Kommentare ohne jeden Bezug zum Artikel MÖGLICHERweise nur einen Backlink auf eine lustige Werbeseite setzen sollen 🙂 Ein Schelm, wer da was unterstellt, aber der Backlink ist jedenfalls weg.

      Und da ich nur an das Gute im Menschen glaube: Danke 🙂 Und ein schönes langes Wochenende.

      Sandmann

  6. LarsDithmarschen says:

    Hey Sandmann,

    das war echt ein super Abend! Hat wirklich Spaß und den Kopf frei gemacht 🙂 . Coole Typen, coole Gespräche. Smartphone „Schaut-mal-hier“ gibt es doch überall. Wirklich gestört hat es mich nicht. Haben sich ja gefreut. Wofür das vierblättrige Kleeblatt da ist, dass ich zu Hause an meinem Schuh hängend fand, wird sich wohl noch herausfinden lassen… 😉 .

    Dein Taunus ist echt klasse. Fährt sich prima (wenn man sich dran gewöhnt hat 😉 ) und macht einen super Sound. Und auch die Haube ist echt gemütlich. Fast wie es mein Bett war. So wirklich Vergleich hab ich zwar nicht, war aber echt cool.

    Die Heimfahrt klappte übrigens ohne Verfahren – auch wenn ich vielleicht noch etwas high war. Inzwischen ist der Grund aber weg… also.. für das Verfahren. Glaube ich 😉 .

    In Dithmarschen seid ihr immer herzlichst willkommen! Platz zum Pennen ist zur Not auch genug da. Und Platz für Autos.. sowieso. Also unter freiem Himmel.

    Ich hoffe, wir wiederholen das bald mal! Spätestens am nächsten Vatertag.

    Schöne Grüße
    Lars

    • Sandmann says:

      Ay Lars,

      na ich glaube bis zum nächsten Vatertag warten wir dieses Mal nicht 😉 Dafür drängelt auch der Alex schon zu sehr.
      Ich habe die Audi V8 Treffen Anfang dieses Jahrtausends auch immer sehr genossen und abgefeiert. Während alle um mich rum das nicht verstanden haben und nur von „all den gleichen Autos“ genööölt haben. Mir ging es immer mehr um die Leute und das Beisammensein. So wie in Fehrenbötel auch. Das ist einfach unkompliziert und entspannt.
      Und die Handy-guck-mal-Mafia hat ja niemandem was getan 😉 Ich will da auch gar nicht so viel drauf rumreiten.

      Auf der Haube vom Taunus ist übrigens mittig eine schöne Delle, die dürfte vom Alex sein. Ich mag ja solche Andenken…
      Nächstes Mal will ich aber Elsa auch mal selbst fahren. Diesmal hatte ich ja schon ein paar Bierchen drin…

      Also rock on. Und wir sehen uns bestimmt bald!
      Sandmann

      P.S.: Und jetzt hör in deinem Blog endlich mal mit diesem Elektro-Kotz auf und schreib was über anständige Autos 😉

  7. Marc says:

    Ich muss glaube ich auch mal in den hohen Norden zum Vatertag 😀
    Heuer war ich nur in Regensburg mit dem W124, da muss an Alter und Breitengraden noch geschraubt werden 🙂

  8. Ole says:

    Moin,

    coole Nummer, coole Autos. Darf man euch auch ohne echten Oldtimer beiwohnen? Habe nur meinen zusammengepfuschten Möchtegern Rallye Lada Niva 😀 Aber Benzin reden, Abgase riechen und rumcruisen, das ist genau das richtige.
    Bin sogar noch n Jahr jünger als Lars 😛

    • Sandmann says:

      Ay Ole,

      ja aber sicher. Du kannst auch meinetwegen einen Golf IV fahren, solange du Bock auf Autos hast bist du immer herzlich willkommen 😀 Und mit einem Lada Niva bist du doch ganz weit vorn!

      Noch jünger als Lars?? Verdammt. So langsam werde ich wiederum echt alt. Rock’n Roll!

      Sandmann

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