Wie blau ist Ihre Technik?

Wo wir hier gerade aktuell beim Thema Umwelt und Elektro und Effizienz sind… ich habe da noch einen Bericht von einigen Lösungen, die Mercedes Benz so angestoßen hat, damals im Jahre 2008. Ich habe wieder lange überlegt, wie ich eigentlich anfangen könnte. Heute mal recht sachlich. Und ich mache es einfach, wie bei der Sendung mit der Maus, denn ich kann mir vorstellen, dass die meisten von Ihnen weder wissen, was Blue Tec ist, noch einen Schimmer davon haben, wer denn Mike Horn sein könnte…

Ist es das Pace Car?

Ist es das Pace Car?

Diese beiden Wissenslücken gilt es zunächst zu schließen, ist doch beides auf seine Art so faszinierend, dass ich noch immer nicht die verbliebenen Gedanken in meinem Kopf nach diesem Wochenende im Fürstentum geordnet habe. Was hat nun Mercedes Benz mit einem Segelschiff im Hafen von Monaco, das von einem Südafrikaner vier Jahre lang um die Welt gesegelt werden soll, zu tun? Warum ist der Sandmann bei einer Schiffstaufe anwesend? Und wie lässt sich mit Harnstoff das Abgas eines Dieselmotors in grobe Richtung Euronorm 6 bringen? Ich glaube, ich muss ein wenig weiter ausholen, um das unter einen Hut zu bekommen…

Fangen wir mit Mike Horn an.

Ich seh dir in die Augen, Kleines

Ich seh dir in die Augen, Kleines

Mike ist 42 Jahre alt, steckt vom Charme her George Clooney locker in die Tasche und ist einer der bekanntesten Abenteurer unserer Zeit. Ich kannte ihn bis Freitag abend noch nicht. In verschiedenen Expeditionen (zum Nordpol, den Amazonas hinunter, während einer komplett unmotorisierten Erdumkreisung und auf den Himalaya) hat er seine Grenzen getestet. Mike ist immer allein aufgebrochen, im Herzen seine Frau Cathy und seine beiden Töchter und den Wunsch, in einem Stück wieder heil nach Hause zu kommen. Ein unglaublicher Wille hat ihn Dinge erreichen lassen, die nie zuvor erreicht wurden. Dieser Mann ist ein Faszinosum, wenn man ihm gegenübersteht. Er berichtet von der Schönheit dieser Welt, die er so gern mit allen anderen teilen will. Er predigt keinen Klimawandel oder geißelt mit erhobenem Finger die globale Erwärmung. Er bleibt auf dem Boden und versucht, in die Einsicht der Einzelnen zu pieksen, um ein Gefühl von Verantwortung für diese Welt loszutreten.

Abenteurerkinder

Abenteurerkinder

Nachdem er seine eigenen Grenzen erfahren hat, nimmt er 2007 seine beiden Töchter Annika und Jessica und seine Frau mit auf einen Trip durch die Antarktis – zu Fuß und auf Skiern. Sein unstillbares Vorwärtsdrängen bewegt, und Mike fühlt sich nun bereit, seine Erfahrungen mit jungen Menschen zu teilen. Die Expedition Pangaea wird ins Leben gerufen. Pangaea ist altgriechisch und bedeutet „die ganze Welt“, eine Welt, wie sie als einzelne unberührte Landmasse vor 250 Millionen Jahren existiert hat. Ein 35 Meter langes Segelschiff, randvoll mit High-Tech und gebaut aus unlackiertem Aluminium und Holz, soll vier Jahre lang alle Kontinente und Klimazonen dieser Erde (die ganze Welt) bereisen und jungen mitreisenden Menschen einen faszinierenden Einblick in die schönsten Ecken unseres Planeten geben. Einflussreichen jungen Menschen, die mit Satelliten-Livestream und Breitband-Internet ihre Erfahrungen austauschen und in die Welt bringen können, um sie vielleicht ein bisschen besser zu machen.

Willkommen an Bord

Willkommen an Bord

Mike macht keinen Hehl daraus, dass so eine Expedition teuer ist und man hierfür Sponsoren benötigt. Warum auch? Es ist ihm sehr recht, dass durch Partner wie Mercedes Benz, Officine Panerai oder Geberit nicht nur High-Tech auf sein Boot kommt, sondern auch die Mission in alle Welt getragen werden kann. Er selbst ist nur Mike Horn, nur ein Adventurer, wie er sagt. Und je mehr ihn die moderne Technik in die Lage versetzt, seinen Einsatz für nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen publik zu machen, desto mehr Menschen kann er in ihrem eigenen kleinen Kosmos, ähnlich dem der Pangaea, zum Nachdenken anregen.

Und hier spanne ich den Bogen zur Daimler AG. Umgang mit Ressourcen ist im Automobilbau längst ein Verkaufsargument geworden. Sparsame Dieselmotoren schafften speziell im noch-Bush-regierten Land der Achtzylinder drüben keinen rechten Durchbruch, auch weil sie im Gegensatz zum Ottomotor einen Haufen Stickoxyde produzieren, die verantwortlich für unseren sauren Regen und die Bildung von Ozon sind, sowie für Smog und die Reizung der Atemwege. Sie sind ganz doll böse und haben dem Diesel neben der Feinstaubdebatte nur üble Nachrede beschert.

Wie kann ich Verbrauch und Abgas optimieren? Hier steht der Fahrer eines im Jahre 2008 15 Jahre alten Audi V8 mit 4,2 Litern Hubraum vor einigem Nachholungsbedarf.

Zündende Ideen

Zündende Ideen

In Zeiten von entspannten Benzinpreisen haben Grobtechniker mit Hammer und Meißel Brennräume in Graugussblöcke getrieben, die Suppe wurde irgendwie gezündet und Verbrauchswerte waren eher sekundär. In jüngster Zeit wird die „innermotorische“ Optimierung stark voran getrieben, Kolben bekommen andere Oberflächen für bessere Brennräume, Einspritzdüsen mit Piezotechnik (das ist ein Kristall, der unter Strom seine Länge ändert… Sie kennen das andersrum, von Ihrem Klick-Feuerzeug, da ändern Sie durch Drücken die „Länge“ des Piezos und er lässt einen Funken entstehen), arbeiten hocheffizient, und hochwertige Materialien mit geringer Masse geben sich ein Stelldichein mit ausgereifter Steuerungselektronik. Aber hier stößt die Forschung langsam an ihre Grenzen. Selbst wo noch so optimiert verbrannt wird, entstehen Abgase, und Verbrennung bedeutet immer großen Verlust von Energie in Wärme. Dabei wollen wir uns bewegen und nicht die Umwelt heizen.

Mach mal sauber

Mach mal sauber

Mercedes Benz arbeitet an durchdachten Abgasreinigungssystemen, die eigentlich von der Idee her simpel sind: In einem weiterentwickelten NOx-Speicher-Kat wird aus den Dieselabgasen Amoniak generiert. Dieser Amoniak sorgt im nachgeschalteten SCR-KAT (Selective Catalytic Reduction) dafür, dass aus 80% des Stickoxyds harmloser Stickstoff und Wasser wird. Kombiniert mit dem Partikelfilter, der auf ein Autoleben ausgelegt ist, erfüllen diese Motoren schon jetzt Euro 4 und 5. In Amerika wird das System bereits mit großem Erfolg angewendet, selbst in den Trucks kommt Blue Tec zum Einsatz, hier wird allerdings noch über einen Zusatztank AdBlue, eine Art Harnstoff, zusätzlich eingespritzt.

Das Getriebe der Zukunft?

Das Getriebe der Zukunft?

Wo viele Kats und Filter den Abgasstrom bremsen, steigt der Verbrauch. Mich fasziniert besonders das neuartige Hybridgetriebe, das diesem Aspekt entgegen wirken soll. Hier wird bei jedem Bremsvorgang statt Wärme elektrische Energie erzeugt, die in einem Lithium-Ionen-Akku gespeichert wird. An Ampeln geht der Motor aus. Ich denke laut an das selige Formel E im Audi der frühen 80er Jahre, verwirre den Explainer aber offensichtlich. Okay. Weiter. Das Anfahren bei grün erfolgt nun elektrisch mit der gespeicherten Energie des Bremsvorganges, und der Generator, der gleichzeitig Anlasser ist, klinkt kurz darauf wieder unbemerkt den Verbrennungsmotor dazu. Wie die gesamte Abgasanlage sind die Akkus inzwischen wartungfrei und sollen ein Autoleben lang halten!

Mercedes Benz treibt die Entwicklung dieser Technik mutig voran und ist nicht unbedingt bestrebt, das Wissen für sich allein zu pachten. Trotz einer Art Vorreiterrolle findet ein reger Konsens mit anderen Partnern statt (ja, es gibt auch einen Audi Q7 mit Blue Tec). Dieser Mut hat dazu geführt, dass mich ein komfortabler E300 vom Flughafen Nice Cote d’Azur ins Fürstentum Monaco bringt, zusammen mit Tina von der Ivy und einem smarten Belgier vom Gentleman, und das mit einem Verbrauch von 8.5 Litern Diesel auf 100 Kilometern. Aber das ist eine andere Geschichte.

Smart und kurz vor den Shrimps

Smart und kurz vor den Shrimps

Soweit zu den gesellschaftlichen und technischen Details. Ich hoffe, Sie konnten folgen. Begleiten Sie mich und Mike Horn auf die Pangaea, lassen Sie uns gemeinsam eine Champagnerflasche an die Bordwand schmeißen, stromern Sie durch die Ausstellungszelte randvoll mit Technik von Mercedes Benz, lassen Sie mich Cathy Horn fragen, wie sie es denn schafft, ihren Mann in monatelanger unerreichbarer Lebensgefahr zu wissen, wo ich selbst schon nach zwei Wochen Fernbeziehung bekloppt werde… und essen Sie mit mir gegrillte Jacobsmuscheln an der Seite von Prinz Albert von Monaco. Aber lassen Sie mich jetzt erst einmal schlafen. Das Wochenende war anstrengend, denn ich hatte tatsächlich Interesse an der Materie und bin kein Lifestyle-Reporter wie die meisten anderen hier gewesen…

Sandmann

Sag es auch den anderen...
Pin It

About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
Tagged , , , , , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Wie blau ist Ihre Technik?

  1. Daemonarch says:

    Wie wir alle wissen, ist die beste Ressourcenschonung ein Fahrzeug, das bereits den Fertigungsprozess hinter sich hat, daher machen wir schon so einiges richtig..

    Für den Energieaufwand, den so ein Hightech-Monster in der Herstellung braucht, kann selbst der Sandmann seinen Gasbrenner noch locker 50 Jahre fahren, und dennoch ein grünes Gewissen haben..

    • Sandmann says:

      Da hat er wohl in Teilen Recht, der Daemonarch…

      Trotzdem finde ich die Entwicklung, auch wenn sie von hier und da vielleicht nicht schnell genug voran getrieben wird, sehr interessant. Ich hab mir damit vor zwei Jahren schon eine Menge Schelte eingefangen, also gern nochmal 🙂

      Aber jetzt gehe ich in mein Bettchen…
      Sandmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ein bisschen Mathematik: *