Wir müssen reden…

Da soll ich gleich sitzen.

Da soll ich gleich sitzen.

… und zwar über alte Autos.
Also – über das alte Auto in meinem Leben, das rote Ding, was ich noch immer habe. Den Granada. Ich hab euch nun geschichtlich einigermaßen abgeholt, wie es um ihn bestellt ist. Das vorläufige Finale macht die Livesendung „Mein Nachmittag“ im NDR. Menschen aus der Umgebung sprechen mit Kristina Lüdke und Yared Dibaba über das, was sie so machen. Was sie umtreibt. Ob ich da vielleicht auch sitzen und über die Sendung sprechen will, die am selben Abend zum ersten Mal ausgestrahlt werden soll, fragte man mich. Aik. Urgs. Live? Bewegte Bilder? Ich? Och… na gut, warum eigentlich nicht? Das konnte ja so schlimm nicht sein, und wenn schon im Regionalfernsehen, dann auch gleich richtig.

Kommen Sie doch mal hier bitte mit in die Maske…

Geschminkt. Ich werde GESCHMINKT!!

Geschminkt. Ich werde GESCHMINKT!!

Ohjemineh achherrjehchen ich wurde tatsächlich geschminkt!
Mein halbfinnisches Fräulein Altona, mit der Branche und dem NDR beruflich durchaus verbandelt, hatte mich schon vorgewarnt. Alle werden immer geschminkt. Die neuen Kameras fangen jede kleine Falte ein, also werden die Leute eben geschminkt. Ich auch. Ich bin in meinem ganzen Leben noch nicht geschminkt worden, außer vielleicht zum Fasching. In meinem Rücken saßen die beiden, die ich als Moderatoren auf dem Schirm hatte. Herrn Dibaba kannte ich irgendwoher, Frau Lüdke irgendwie auch, allerdings wohl eher nicht aus „Mein Nachmittag“. Zu dieser Zeit arbeite ich für gewöhnlich 😉 War es aus dem Hamburg Journal, was einen abendlich mit weitestgehend leichtverdaulichen Nachrichten aus der Region versorgt? Ich wusste es nicht mehr. Und ich kann mich auch heute nicht mehr erinnern, ob wir uns eigentlich geduzt oder gesiezt hatten… Ich muss den Film nochmal ausgraben…

Live und in Farbe

Live und in Farbe

Ein Selfie für die Nachwelt.
Mit schickem Hemd, mit ein wenig Prrrodukt in den Haaren und mit Farbe im Gesicht. Und auf den Lippen. Falls ihr mich eines Tages mal erpressen wollt, vielleicht gelingt das mit diesem Foto. Also wohl fühlte ich mich so nicht. Aber egal, der Anstrich hielt sich in Grenzen. Vor mir sollte noch eine Dame auf dem Sofa sitzen, die irgendwas mit Knochen macht. Pathologisch betrachtet. Und um Windmühlen sollte es auch noch gehen. Was mir an dem Nachmittag vor allem gefiel (außer dem längst schon weggegessenen Essensgutschein für die NDR Kantine) war der Blick hinter die Kulissen von „Fernsehen“. Sowas mag ich. Nicht nur, weil meine Herzdame auch im weitesten Sinne Fernsehen macht, sondern weil ich immer gern verstehe, wie Abläufe stattfinden. Das war zwar weder ein Blockbuster noch ein sonstwie relevanter Beitrag, aber es machte Spaß. Alle waren gut gelaunt, die Protagonisten etwas aufgeregt und nebenan wurden die Abendnachrichten aufgezeichnet. Leise bitte. Cool.

Alle mal hin da, es geht los.

Alle mal hin da, es geht los.

So war ich also einer von vielen täglich hier präsentierten Norddeutschen. Viele Menschen (ich hatte keine Ahnung, wie viele Personen allein mit der Produktion so einer einfachen Nachmittagssendung beschäftigt sind) wuselten vor und hinter den Kameras rum. Wir Statisten bekamen den Ablaufplan ausgehändigt, und dann ging es auch schon los. Die Moderatoren standen in einer Küche und sprachen mit jemandem über Essen. Glaube ich. Herrjeh das ist schon wieder über zwei Jahre her, ich habe das schlicht vergessen 🙄 Immer wenn ein Einspieler kam, ein kleines erläuterndes Filmchen, arrangierten sich alle neu, sprachen kurz miteinander und lächelten dann wieder zum aus Filmen bekannten „auf vier … drei … zwei … … …“ in die Kamera.

Noch hier, gleich da.

Noch hier, gleich da.

*schluck* Live ist ja nicht meins. Ich hatte damals schon die mündliche Abiprüfung in Erdkunde vor diesen vielen Lehrern gehasst (sind auch nur 5 Punkte geworden…), die Auftritte mit der Band konnte ich nur angeschiggert ertragen und im Irish Pub, wo ich in den 90ern viele betrunkenen Briten und Iren mit Liedgut auf der Gitarre versorgte, verstand man wenigstens meine Sprache nicht. Okay, am heutigen Tag sollte ich nicht singen 🙂 Die Dame mit den Knochen stand und saß schon vor der Kamera, und als nächstes sollte ich auf dem Sofa platznehmen…

Ein bisschen aufgeregt war ich schon.

Ein bisschen aufgeregt war ich schon.

Kaffee im Becher, Kekse auf dem Tischchen. Ich trug farblich das gleiche Hemd wie Yared Dibaba, gleichwohl er darin um Längen, wenn nicht um erhebliche Entfernungen cooler aussah als ich. Und seins war vermutlich auch nicht von Karstadt. Egal. Handy leise? Ja. Doof, dass ich während des Gesprächs keine Bilder machen konnte, aber bei einer Livesendung sprengte man vermutlich den Rahmen des guten Anstands, wenn man auf diese Weise den Kasper abgab. Und dafür war ich zu alt. Über die Zeiten, als ich so einen Spökes noch ohne Rücksicht auf die Folgen gemacht habe wollten wir ja genau sprechen. Argh. Jetzt also ich. „auf vier … drei … zwei … … …

Sodenn, es kann losgehen.

Sodenn, es kann losgehen.

Ja. Nett. Wir sprachen über damals, über die Gründe für so ein Auto und wie ich das Wiedersehen erlebt hatte. Bilder wurden rumgereicht, und im Hintergrund sah man meinen Granada. Wie schön. Der Kaffee war lecker, die beiden führten den aufgeregten Journalisten und Social Media Manager höchst professionell durch die Themen und ratz fatz war alles auch schon wieder vorbei. Ein Ausblick auf den Film am Abend kam. Und ich konnte meinen Kaffee austrinken. Parallel kamen auf meinem Handy viele viele Nachrichten über Whatsapp von Leuten, die entweder mit Ansage oder zufällig die Sendung sahen und mir Fotos schickten. „Ey Maaaann!! du bist grad im Fernsehen, wusstest du das???„. Ja. Wusste ich. War ja eine Live Sendung, da bekommt man normalerweise mit, dass man teilnimmt 😀

Da saß ich dann also...

Da saß ich dann also…

Der erste Teil war also geschafft. Ich fuhr wieder nach Hause und drapierte mich mit meinen Lieben vorm Fernseher. Um 18:00 Uhr wurde der eigentliche kleine Film auf dem dritten Programm gesendet, und ausgerechnet den hatte ich bisher noch nicht zu Gesicht bekommen. Mein viertelfinnisches Sandmädchen, damals noch ziemlich säuglingsgleich, bekam pünktlich um 18:00 Uhr ihre erste und bisher einzige richtig doofe Magen-Darm-Krankheit und kotzte uns in einem riesigen Strahl das ganze Sofa voll. Ich konnte mich also nicht so richtig auf mich selbst im Fernsehen konzentrieren, das hatten dann die anderen für mich gemacht…

Da ist er. Im Fernsehen.

Da ist er. Im Fernsehen.

Als wir noch in der Ambulanz der Klinik im Wartezimmer saßen, kamen weitere SMS und Bilder auf mein Telefon. Schön, dass es euch gefallen hat 😉 Und ich wundere mich, wie viele Menschen anscheinend zu normalen Tageszeiten Lokalfernsehen laufen haben. Wäre ja nicht so, dass nicht auch bei meinen Eltern diverse Arbeitskollegen und Wegbegleiter angerufen hätten und fragten, ob das nicht der kleine Jensi da im Fernsehen war. Haha 🙂 Die Kotzerei meiner kleinen Tochter ließ sich übrigens erfolgreich eindämmen, die kleine Viertelfinnin war schon kurze Zeit später zwar ein wenig schlapp, aber ganz die alte. Was für ein Tag. Nein – was für ein Abend!

Wenn ihr die Sendung noch nicht kennt – sie wird alle paar Monate mal wiederholt und ist tatsächlich richtig sehenswert. Nicht meinetwegen, sondern weil hier einfach fünf sehr schöne Autogeschichten erzählt werden. Aktuell ist sie noch in der Mediathek zu gucken, also los. HIER ist der Link. Gern mit einem guten Schluck Wein und ein paar Schips. Gegen Ende ist sogar ein Statement meiner großen Tochter in ihrem damaligen Audi A3 dabei.

Und wenn euch das auch nicht genügt… Meine alten Freunde Manuel und Dirk, auch zwei Relikte aus der damaligen Partyzeit, haben letzten Montag mit mir einen Podcast über Freundschaft, Beruf, Parties und alte Autos aufgenommen. Sehr erfolgreich veröffentlicht auf konglomerat.fm, wenn ihr 53 Minuten Zeit habt hört euch den mal an. Der ist etwas aktueller 🙂 Und dann ist genug gesandmannt, als nächstes wird der Granada geholt. Okay?

Sandmann

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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10 Responses to Wir müssen reden…

  1. Mahathma says:

    Mensch, Mensch! So ein Betrag erzeugt schon „feuchte augen“. Ja, ich erinnere mich jetzt genau was ich so alles in meinem /8 erlebt habe. Welche Reisen ich mit ihm gemacht habe, auf welcher Party ich in ihm übernachtet habe, die Schraub- uns Schweißorgien um ihn am Leben zu halten, die spannenden Momente beim TÜV… Ja und ausgerechnet heute habe ich die Garage aufgemacht um mal nach ihm zu schauen. Den Öldeckel aufgemacht und festgestellt, dass man hier die Nockenwelle sehen und fühlen kann. Und ob ihr es glaubt oder nicht, die sah aus als wäre sie neu! Genau in diesem Moment kam neine älteste Tochter und war der Meinung es wäre doch schön mit dem mal zu fahren. Wie Recht sie (leider) hat! Im Innenraum liegen auch noch all die Sachen die mich an meine Jugend erinnern. Auch die Musikanlage ist noch eingebaut und eine alte (peinliche) Sonnenbrille hängt am Rückspiegel. Es ist irgendwie die gleiche Zeitmaschine wie der Granada. Auch der „Einatzbereich“ der Autos war wohl annähernd gleich. Naja die Fantas haben ja auch was von wegen „wir fahren ‚raus mit Benz und Taunus“ gedichtet. O.k. Taunus ist nicht gleich Granada aber ich glaube darum geht es in diesem Lied nicht. Wenn mein BMW E30 Cabrio fertig ist, kommt der /8 dran. Wieviel Jare es dauert ist egal aber der Tag wird kommen. Wer weiß, vielleicht treffen dann zwei Autos, die seit über 25 Jahren nicht den Besitzer gewechselt haben dann in Fahrtüchtigen Zustand auf einander. Schön wär’s. (Vernünftige Bilder meines Benz such ich immer noch, deshalb habe ich bisher in Schweigen gehüllt….)

    • Sandmann says:

      Ay Mahathma,

      oooooooooohhhhhhhhh deine Zeilen sind mir selbstverständlich auch ohne Fotos herzlich willkommen! 🙂 Und auch wenn ein Taunus nicht gleich ein Granada ist – wenigstens kann ich im Alltag TAUNUS fahren während der Granada aufersteht. Ab dem kommenden Wochenende ist meine Garage wieder frei. Dann geht es los….. *spannend*

      Schön, dass deine große Tochter anscheinend von alten Autos nicht völlig abgeschreckt ist. Meine kleinen Ladies sind auch sehr Altauto-affin, und die beiden Großen freuen sich auf die Tour mit dem Taunus nach Südfrankreich in diesem Sommer. Klasse.

      Lass dir bloß Zeit mit dem /8. Und ja, es wäre mir eine Ehre, wenn wir die beiden Zeitmaschinen, wenn sie fertig sind, mal nebeneinander stellen. Deal 🙂

      Sandmann

  2. MainzMichel says:

    Moin, moin!

    Findet man den „Mein Nachmittag“-Beitrag auch irgendwo?

    Adios
    Michael

    • Sandmann says:

      Ay Michael,

      ich glaube nicht. Die Sendung wurde am 20.05.2015 ausgestrahlt, ich finde da nur einen Facebook Eintrag. So weit geht die Mediathek gar nicht zurück.
      Ich habe den Mitschnitt hier irgendwo liegen, wenn ich es mal über den Kopp bekomme bring ich meinen teil mal online 😀

      Sandmann

  3. Daemonarch says:

    Moinsen!

    Wenn ich mir dieses kompliment von Mann zu Mann mal erlauben darf… Til Schweiger hätte es wohl etwa so ausgedrückt : „Du hast ne‘ Fernsehfresse, Mann!“…

    Leider hab ich die „Mein Nachmittag“ Sendung verpasst, hast du die vielleicht als Aufnahme mitbekommen, und kannst sie auf youtube hochladen oder so?

    • Sandmann says:

      Fernsehfresse, wie?
      Na ich weiß nicht…..
      Ich bleibe lieber bei Fotos, und ich nehme mir für 2017 vor, nicht mehr so oft selbst ins Bild zu springen 😉
      Ich hab den Beitrag hier. Mal sehen, vielleicht lade ich den mal gekürzt auf meinen Youtube Kanal……

      Sandmann

  4. SteffenG says:

    Ay Sandmann!

    Den Podcast habe ich mir gestern mal reingezogen, ist schon verdammt lustig. Da waren einige Stellen dabei, bei denen ich etzwas grenzdebil grinsen musste.

    Im Fernsehen gilt das Motto: „mehr Licht“, daher sieht man jede Falte und Pore. Gerade Live ist wenig mit Nachbearbeiten, da hat es Deine Halbfinnin im nichtlinearen Fernsehen doch etwas einfacher. Wobei da noch mehr mit Licht und Schminke gemacht wird. Ich kann schon verstehen, warum Schauspieler in ihrer Freizeit doch eher ungeschminkt den Paparazzi vor die Linse rennen.

    Meine Ersten Autos, um mal wieder auf das Thema zu kommen, existieren vermutlich alle nicht mehr. Bei einigen war ich der letzte Nutzer, andere habe ich für einen schmalen Kurs weiter veräußert.

    Dafür erfreue ich mich an den Autos der Anderen. Vielleicht kommt auch bald mal wieder ein Altwagen ins Haus.

    Auf in den Frühling!

    Steffen

    • Sandmann says:

      Ay Steffen,

      ich persönlich frage mich die ganze Zeit, warum sich Menschen das Gesabbel von anderen, nicht mal bekannten Menschen über eine Stunde antun 😀 Aber die Podcasts werden immer so rund 3000 Mal runtergeladen, total schräg. Na ja. Freut mich.

      Zu meinem Taunus bekomme ich beizeiten auch noch ein paar Hintergründe und den originalen Papp-Brief. Vielleicht existiert der Erstbesitzer ja noch?
      Auch die Adresse des ersten Granada Verkäufers habe ich noch, das war glaube ich der Bruder des verstorbenen Erstbesitzers. Vielleicht hake ich auch da mal nach, das war ja in Hamburg….. Spannend alles.

      Mach mal Altwagen. Das macht glücklich!
      Sandmann

  5. Bogi says:

    Heyho, im Internetz verschwindet nichts so einfach,
    https://www.youtube.com/watch?v=uNflUSZ5PHM
    hier der Beitrag auf youtube.

    Grüsse Christian

    • Sandmann says:

      Ay Christian,

      jahaaaaaa DER ist ja auch in ewiger Wiederholung im Fernsehen zu sehen. Was verschwunden ist ist der „Mein Nachmittag“ Beitrag, um den es hier als Live Show geht 😉 Aber irgendwo habe ich den noch. Irgendwo. Auf der dicken Festplatte allerdings nicht, da habe ich vorhin geguckt 🙁

      Sandmann

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