Zeugen der schlimmen Neunziger!

Es WAREN bewegte Zeiten. Mit Ach und Krach überstanden wir die 80er und einen SuperGAU in der Ukraine und blicken voller Hoffnung in das letzte Jahrzehnt des vergangenen Jahrtausends. Duran Duran haben ihre größten Hits schon hinter sich. Fern im Irak brennen die Ölquellen. Plötzlich kommen im Osten fünf neue Bundesländer wieder zurück, und das vereinte Volk weiß noch nicht so recht, ob es mehr feiern oder mehr zahlen soll. Oder ob es sich eine Oberklasse-Limousine gönnen kann. Die dicken, zeitgenössischen Autos habe ich HIER schon einmal kurz umrissen. Sie lassen mich nicht los. Jeder einzelne. Jeder Name dieser tot geglaubten Ölfresser weckt Emotionen und spricht andere Synapsen an. Damals angepriesen in Tageszeitungen und beim Autohändler, hatten sie eines in ihrer Zeit gemeinsam: Die grenzenlose Dekadenz, aufgewogen vom Kaufpreis eines kleinen Einfamilienhauses!

Und?

Heute SIND bewegte Zeiten. Rund 20 Jahre später haben wir den nächsten SuperGAU, diesmal in Japan. Duran Duran melden sich mit einem großartigen neuen Album zurück, und schon wieder brennen Ölquellen, diesmal in Lybien. Deutschland ist noch immer vereint, und das kostet weiterhin Geld. Und die Dickschiffe von damals – die stehen noch immer zum Verkauf, heute nur noch selten in der Zeitung, heute inseriert man im Zuge der Massenverbreitung in so einem Ding… wie heißt das…? Internet! Ah. Wir sprechen von alten, sehr alten Luxuslimousinen, deren Lichtmaschinen gefühlt die Dimensionen eines City-Rollers haben. Die Sie an der Tankstelle lieber nicht laufen lassen sollten und bei denen ein Smart unrecycled in den Kofferraum passt. In einer Zeit, in der eben diese genannten Lichtmaschinen komplette, autoähnliche Gebilde mit Strom vorwärts treiben und in der es hip ist, möglichst wenig Mineralöl pro 100 Kilometer zu verbrennen. Machen die Saurier denn ihre heutigen Besitzer ausnahmslos glücklich? Sind sie für die Ewigkeit gebaut?

Nein. Das sind sie nicht. Überhaupt – ein bollernder Audi V8, ein eleganter BMW 730i, ein fetter Mercedes Benz SEL W140 und ein unbekannter Lexus LS400 lassen sich nicht mehr sachlich vergleichen. Ihre Vorgeschichten sind so unterschiedlich wie bewegt und ihre Ausstattungen irgendwo zwischen Voll und fast Voll. Und ihre Daseinsberechtigung ist definitiv nicht von Vernunft geprägt. Viele haben längst den Weg in andere Länder gefunden, und die noch verbleibenden führen die langen Vorgeschichten fort. Sie alle eint ein Motorenkonzept, das seit den 50er Jahren nicht nur amerikanische Männeraugen leuchten und Ohren lauschen lässt: VAU ACHT. Es sind die letzten Dinosaurier in einer modernen Welt, die vom Elektro-Kometen getroffen wurde und immer grüner wird. Es sind die Autos, von denen wir unseren Enkeln erzählen werden, die mit großen Augen zuhören und es gar nicht glauben können.

Ausgehend vom lange rausgezögerten Zahnriemenwechsel des privaten Kreuzfahrtschiffs in der menzel’schen 1A Autowerkstatt in Kiel liegt der Versuch nahe, zumindest die Fixkosten einmal trocken gegenüberzustellen. Und die darüber hinaus möglichen Kosten mit einem durchdringenden Blick ins Bewusstsein derer zu brennen, die überlegen, sich dieser Tage einen solchen Autowagen vor die Doppelhaushälfte zu stellen. Die vielleicht gar nicht ahnen, was sich hinter einem höchst attraktiven Kaufpreis verstecken *kann*! Diese faktische Gegenüberstellung erledigt eine Zusammenfassung in der Auto Bild Klassik Ausgabe 06, sie erscheint Anfang Mai 2011. Wenn Sie kaufen wollen und Fakten suchen. Daten, Kosten, Bilder und Zeitwerte auf vier Seiten einander gegenüber gestellt. Doch das ist nicht alles. Das ist nicht der eigentliche Geist dieser Dickschiffe, der Spirit, der Grund, warum man heute immer noch so bescheuert sein kann, so eine Karre zu besitzen. Diese Emotionen lassen sich nur schwer in einen einzigen Artikel pressen.

Auch, oder GERADE die Fahrer und Fahrerinnen dieser CO2-Blaser lassen sich, nicht ganz ohne Augenzwinkern, gegenüberstellen. Im Internet finden sie sich alle, sie haben alle ihre Macken, Vorzüge und vor allem einen Charakter und sind damit genau wie ihre Autos. Potenzielle Käufer sind auf diese Menschen angewiesen, auf Ihre Erfahrungen und ihre Hilfsbereitschaft. Das Wissen um die Probleme der Autos, die Möglichkeiten der Ersatzteilbeschaffung und auch manchmal nur die aufbauenden Worte anonymer Internetbekanntschaften tragen heute wesentlich zum Fortbestand der Art bei. Hier im Blog werde ich in den kommenden Tagen die so genannten „Communities“ hinter diesen verblichenen Limousinen beleuchten. Ohne die geht heute nichts mehr, es sei denn, Sie sind Millionär. Jedem Schiff sein Internetseitchen. Ahoi! Und dann war da ja auch noch der Zahnriemenwechsel. Aber dazu später.

Bis bald in diesem Theater.

Sandmann

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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4 Responses to Zeugen der schlimmen Neunziger!

  1. Marlboroman sagt:

    Ave Sandmann,

    na dann mal los hier 😀
    Kann es kaum erwarten von den 2 Autos zu lesen, die isch selbst schon besaß.
    W140 600SEL (das größte finanzielle Disaster, welches ich jemals mein eigen nennen durfte) und Audi V8, sowohl als 3,6 als auch 4,2 😉

    Bin echt gespannt.

    Keep on movin´

    Marlboroman

    • Sandmann sagt:

      Ay Marlboromann,

      nun, es geht zwar nicht um den 12-Ender mit dem Stern sondern um den V8, aber auch dort gibt es wahnwitzige Groschengräber. Ich werde mit dem Benz anfangen, mal sehen wie ich es schaffe. Die Internetgemeinden sind schon echt schräg… aber wem sage ich das…

      🙂 Sandmann

  2. Markus1975 sagt:

    Hey Jens

    Ohne die bestimmten Seiten, wäre ein Überleben der hier angesprochenen Fahrzeuge wohl wirklich kaum noch möglich. Es sei denn man hat eben das dementsprechende Kleingeld. Dies heißt aber noch lange nicht, daß es auch eine kundige Werkstatt gibt. „Wir“ haben ja zum Glück jemanden hier quasi um die Ecke. 😉

    V8 mäßige Grüße

    Markus der für morgen alles vorbereitet hat

    • Sandmann sagt:

      Bester Markus,

      da hast du recht. Ohne den selbstlosen Retter Tom hätte ich schon mehr als ein mal das sprichwörtliche Handtuch geworfen! Aber ihm, der V8 Seite und der Gemeinde wird ja noch ein ganz spezieller Artikel gewidmet. Erstmal werde ich die anderen Dickschiffe abfrühstücken…

      Morgen sollen wir mal die Felgen retten, oder?
      Sandmann

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