Forever Young

DSC04975

Granada im Winterkleid

Der Granada wird einbalsamiert – für ein Leben bis in alle Ewigkeit
In letzter Zeit ist mein Mann auffallend oft im Haus anzutreffen. Ich frage mich, woran das liegen mag? Nagt womöglich noch immer die Schmach des missglückten Carports an ihm? Oder kam ihm vielleicht im weihnachtlichen Besinnungstaumel die späte Einsicht, dass altes Blech auf Dauer doch nicht heilbringend und seligmachend ist? Ich fürchte – weder noch. Denn kaum habe ich mir diesen Gedanken genüsslich im Kopf zergehen lassen, da wirft sich mein Gatte in seine allerbesten Schrauberklamotten, marschiert entschlossenen Schrittes Richtung Garage und verkündet feierlich: „Jetzt ist der Granada dran„.

Was hat das wohl zu bedeuten? „Dran? Womit?“ Grinsend bekomme ich zur Antwort: „Er wird mumifiziert.“ „Wie bitte? Ist er tot?“ Nicht dass ich ihm das wünschen würde. Andererseits hätte es durchaus seinen Reiz, wenn ein Auto weniger herumstünde. Aber nein, wie komme ich auch darauf, selbstverständlich würde er auch weiterhin und mindestens bis zum Ende aller Tage in unserer Garage stehen, vielleicht in einem Glaskasten. In meiner Fantasie verwandelt sich die Garage langsam in eine Pyramide….“Natürlich ist er nicht tot, was für ein Unsinn!“ unterbricht mein Mann jäh meine Gedanken. Wie dumm von mir, wie konnte ich es vergessen, der Granada ist im Grunde genommen unsterblich. Im Winter befindet er sich lediglich in einem todesähnlichen Zustand, Winterstarre nennt man das glaube ich.  Und dann scheut mein treusorgender Ehemann keine Kosten und Mühen, dass er diese harte Zeit gut übersteht. Da werden die altehrwürdigen Brennräume mit Öl einbalsamiert (Vollsynthethik, versteht sich), die Riemen gehören entspannt, damit die empfindlichen Lager keinen Schaden nehmen, die Reifen muss man ganz prall aufpumpen, sonst werden sie plattfüßig, und schließlich ist es wichtig, Auspuff und Vergaser zu versiegeln, um sie vor bösen Flüssigkeiten zu bewahren.

Als mein Mann drei Stunden später noch nicht wieder aufgetaucht ist, begebe ich mich in die heiligen Hallen, um nach ihm zu sehen. Nicht, dass er sich aus Solidarität gleich mit einbalsamiert und daneben gelegt hat. Er ist nicht da. Als ich einen Blick unter das Auto werfe, bin ich entsetzt: Nur noch eine Hand schaut aus dem Auspuff, der Granada hat ihn gefressen!

DSC04980 (1)

Erschreckt fahre ich zusammen, als mein Liebster die Kellertür aufreißt und hinter mir steht. Doch nicht gefressen. „Der Latexhandschuh schützt den Auspuff  vor Feuchtigkeit, dann rostet er nicht, weißt Du?“ werde ich lachend aufgeklärt. Na klar, ich gehe zurück ins warme Haus und lasse meiner Fantasie noch einmal freien Lauf: In vielleicht 3000 Jahren wird unser Haus längst nicht mehr sein, vielleicht gibt es auch unseren Ort nicht mehr. Das Einzige was man noch finden wird in dieser Gegend ist eine pyramidenartige Höhle, in der sich ein altertümliches Fahrzeug befindet, das aber erstaunlicherweise aussieht wie neu. Und wenn es noch Menschen – nein, Männer gibt auf dieser Erde, dann wird ganz sicher eines Tages einer kommen, den Schlüssel umdrehen und einfach losfahren. Na, und dann soll noch einer sagen, die Mühe hat sich nicht gelohnt.

Karin

Sag es auch den anderen...
Pin It
Tagged , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

7 Responses to Forever Young

  1. Snoopy says:

    Ich erzähle jetzt lieber nichts von Permabags in die das Fahrzeug eingeschweißt wird. Unter permanenter Überwachung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit kann er lange Zeit unbeschadet überstehen. Außerdem könnte der arme Wagen aufgebockt (nicht aufgebahrt 😉 ) werden.
    Mein Oldie steht nur unter einer einfachen Plane das er nicht so einstaubt und hat einen Baumarktentfeuchter im Innenraum. Über dem Auspuff ist ein alter Lappen (der Handschuh macht mehr her).

  2. Sammy says:

    ich muss mal eben schauen, wo ich die Latex-Handschuhe hin hab

  3. El Gigante says:

    Für den Winterschlaf zugedeckte Autos habe ich auch,

    GUCKST DU!

    Gniiihihihi – für den Fall, dass ein ständig geiferndes Ehegespenst im Ranking der partnerschaftlichen Begehrlichkeiten deutlich hinter dem Auto oder irgendeinem anderen Hobby zum Liegen gekommen ist, hat die Menschheit Botox und Silikon erfunden. 🙂 Wird dann auch noch das Abonnement der „Emma“ gekündigt, kann sich fast automatisch ein friedliches Zusammenleben von Mann und Frau ergeben. 😉

    El Gigante (der es einfach nicht lassen kann) *KNUUUTSCH!*

    • marc_connor says:

      Hey EL,
      Das Bild erinnert irgendwie an ein chinesisches Neujahrsfest. Da fehlt nur noch der Drachenkopf aus Pappgedöns! 🙂

      Du bist aber auch ne freche Sau *lol*
      Wenn du so weiter machst, wird dir Karin eines Tages, mal kräftig in die Ei … genkapitalquote treten!! 😉

  4. Uwe says:

    Der wahre Granadanarr kann sich auf die Nachwinterzeit freuen und denken:
    „Wenn er in der Sonne vor dem Meilenwerk steht und der Kühlergrill Dich anlächelt, dann sind alle Mühen vergessen“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ein bisschen Mathematik: *