Wir waren noch Kinder…

Von SeineKleineSchwester

Ich war wirklich noch ein Kind von gerademal 11 Jahren, als ein gewisser Marius Müller-Westernhagen seine Hymne „Freiheit“ nach dem Mauerfall 1989 vor einem gerührten, mit Feuerzeugen bewaffneten Publikum spielte. Wer kennt dieses Video nicht? Ich muss zugeben, dass auch bei mir die Tränen geflossen sind. Nicht, dass ich mit 11 verstanden habe, worüber er singt oder begriffen hätte, was es mit der Mauer auf sich hatte, aber etwas an der Art, wie er gesungen hat, hat mich getroffen… mitten ins Herz.

Und dann, mehr als 20 Jahre später stehe ich in Hamburg in der O2-World und höre das gleiche Lied wieder, sehe auf der großen Leinwand hinter ihm die Bilder vom Mauerfall und verstehe, worum es damals ging. Es läuft bei ihm viel über die kritischen Texte, verpackt in rockige Musik, wobei ich denke, dass er mit dem Einen ohne das Andere nicht diesen bombastischen Erfolg gehabt hätte. Er polarisiert schon sehr, das höre ich immer wieder, aber ich mag das… früher auf Zeltfesten zum Mitbrüllen und heute einfach zum Zuhören.

Auf Zeltfesten, wie im richtigen Leben aber gilt: Ohne Freunde und Zufälle wäre das Leben nicht lebenswert! Manchmal bleibt mir einfach der Mund offen stehen, welche Mühe sich das Universum macht, um mein blödes Gesicht zu sehen…
So hat HerrSchwarz einen Freund, Mr Billy King von „German Music Production„, der in diesem Fall gerade als Backgroundsänger von Herrn Müller-Westernhagen tätig ist und unsere Namen auf die Gästeliste gesetzt hat. Tja und das ist der Grund, warum an einem Dienstagabend eine Frau mit einem dicken Hintern meine Brust ziert 🙂

Ob Elitekampftriker und Jointraucher, Fehlklatscher, Dazwischenrufer, Mini-Animateuren oder kleinen Größenwahnsinnigen. Im Publikum ist alles vorhanden, aber ich frage mich, warum die sich ausgerechnet nur in unserem Dunstkreis aufhalten…
Naja, ich mag Menschen, mit ihnen wird es niemals langweilig 😀

Und ich mag den „alten Mann“ auf der Bühne. 63!! Ist das zu fassen? In einem Wort: NEIN! Wenn man ihn sieht, ist kaum zu glauben, dass zwischen seinem Karrierestart und heute fast 40 Jahre liegen sollen. Er rockt sich über die Bühne, spielt abwechselnd Harmonika, Gitarre oder singt, schnelle Lieder, langsame Lieder, alte, neue, dann verliere ich ihn sogar einmal aus den Augen und er taucht hinter uns im abgesperrten Bereich wieder auf. Was ´ne Action! Außerdem war Otto da 😀

Die Vorband „The Impression„, junge Männer, vielleicht gerade volljährig geworden, haben einen schweren Stand als Vorgruppe des Düsseldorfers und wirken dagegen eher unscheinbar und farblos, wobei ihre Musik echt nicht schlecht klingt. Aus denen kann durchaus noch was werden.

Trotz meines ebenfalls doch vergleichweise noch jungen Alters, kann ich die meisten Westernhagen-Stücke mitsingen und das obwohl nur „Radio Maria“ bei mir im Regal steht… warum? Wegen „Pfefferminz„, einer Westernhagen-Coverband, die sich gern auf den Festivitäten hier in der Stadt rumtreibt und ausschließlich seine Musik spielt 😉
Am Ende ist es aber doch cooler, die Lieder live vom Meister selbst zu hören, ihn zu sehen und die Stimmung in der vollbesetzten Halle in sich aufzunehmen! *seufz*

Mein immerwährender und unendlicher Dank gilt an dieser Stelle natürlich HerrSchwarz, dass er an mich gedacht hat und ich sein „+1“ sein durfte UND an das Universum, das meinen Bruder und seine Schwester zusammengeführt hat, wodurch wir uns überhaupt erst kennengelernt haben. Ich hoffe, es hatte bei dem Konzert genausoviel Spaß wie wir 😀

…treibt jetzt noch ein wenig durch das Universum und sucht Rosi-e-e!
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Ich bin kein Engel, ich mache Fehler, ich bin nicht perfekt, ich bin nicht normal, ich bin manchmal verrückt, ich bin also nichts besonderes, ich bin einfach nur ich...
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21 Responses to Wir waren noch Kinder…

  1. bronx says:

    Hi Steffi,

    ich war seinerzeit ’89 auf diesem Konzert. Etwas das man nie vergisst! Kitschig, sagen manche heute. Ich sage JA, aber nur für die, die nicht dabei waren 😀

    Der Typ ist brilliant, genial. Seine Texte polarisieren? Klar, und ein weiterer Grund, diesen Kerl zu mögen. 63 schreibst du, mein Gott. Das ist wirklich unfassbar. Irgendwie wird der für mich nie richtig „älter“.

    Bronx

    • SeinekleineSchwester says:

      Wow, da warst du dabei??? Das ist ja irre!

      Ich finde ihn ja auch eher zeitlos… 😀

      • bronx says:

        Ja, das war so etwas wie erlebte Zeitgeschichte für mich.
        Der Sommer ’89 war ja noch in den Köpfen der Leute bei uns. Ungarn, die Flüchtlinge, all‘ das. Das Land leerte sich, Ärzte, Schauspieler, Lehrer, alles haute ab über Ungarn. Dann die Unruhen im Oktober, die Herrschenden dachten doch allen Ernstes, sie können das wegputschen. Pech gehabt!

        Und dann stand man da und der Typ bringt dieses Lied! Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.

        Etwas annähernd vergleichbares habe ich nur noch ein einziges mal in Sarajevo erlebt, als Bono & Luciano Pavarotti dort unmittelbar nach dem Bürgerkrieg ihr gleichnamiges Album inmitten dieser kriegszerstörten Stadt präsentierten.

        Bronx

        • Sandmann says:

          Da warst du aber dann nicht live dabei, oder? 😉

          Mir sind auch noch viele Szenen und Bilder aus der Zeit im Gedächtnis. Die unzähligen Trabis und Menschen, die rüber kamen, alle haben sich gefreut und zusammen gefeiert. Und auch ich kenne die DDR noch in der Form, wie sie mal war. Grau und voller Entbehrungen. Das fiel selbst mir als Kind auf.
          Unvergessen auch der Tag, an dem Deutschland offiziell wiedervereint war. Ich beim Bund, wir prosteten mit Traubensaft. Ist ja bald wieder so weit 🙂

          Marius finde ich klasse, aber ihr mögt mich schlagen, das Lied „Freiheit“ mag ich einfach nicht. Ich mag’s nicht. Was soll ich tun? Ich komme mariusmäßig noch aus der „Taximann“ Zeit, und zu „Tanz mit mir“ habe ich mir meinen ganz eigenen Roadmovie gebastelt… Aber ich stand ja auch nicht direkt vor der fallenden Mauer, deshalb ist das hier eine reine Geschmacksfrage….

          Sandmann

          • bronx says:

            Hi Sandmann,

            ich war live dabei. Bei beiden, oben genannten Konzerten. Die Mauer-Öffnung erlebte ich an einem Berliner Kontrollpunkt (Sonnenallee) in der Nacht des 9.Nov.

            Nach Sarajevo verschlug es mich beruflich und DAS Konzert und die Atmosphäre damals erreichten emotional locker den gleichen Level. Man kann es schlecht beschreiben, das ganze Land ruiniert, die machen da ein Konzert und die Leute sind einfach glücklich, ein Konzert besuchen zu können und es ist KEIN KRIEG mehr. Mehr brauchts da im Moment erstmal nicht.
            Einmal der Musik nachhängen und an NICHTS denken müssen…
            Einen Beigeschmack dessen, WAS die durch hatten, bekam ich während des 70 Tage andauernden Luftkrieges der NATO in Belgrad.
            Wir hatten zwar Quartier in Dedinje (vornehmer Stadtteil und weitestgehend verschont, aber nicht immer), aber das Geballer und die laufenden Einschläge knacken jeden irgend wann.

            Bronx

            • Sandmann says:

              Oha.
              Okay….

              Weißt du, das ist eins, was ich den vergangenen Jahren gelernt und verinnerlicht habe. Es gibt so viele Menschen, die über Europa schimpfen, über die Währungsunion, die behaupten, dass Deutschland nur noch für die armen Länder zahlt und bla bla, die lieber den Spritpreis niedriger sehen wollen als all das Geld „Griechenland in den Rachen zu schütten“ und was weiß ich noch für eine Stammtisch-Scheiße. Aber das schöne an einem möglichst großen Europa: Wir werden keinen Krieg mehr gegeneinander führen. Wir werden uns nicht mehr angreifen. Noch vor rund 70 Jahren haben sich unsere Nachbarländer mit uns blutige Kämpfe geliefert. Leid, Tod, Entbehrung. Jetzt sind wir Europa. Wir haben Sorgen und Probleme, aber wir schießen uns nicht mehr die Köpfe weg. Ich finde, das ist schon mal ein Anfang, den man gar nicht teuer genug bezahlen kann…

              Sandmann

              • bronx says:

                Eng hier;
                (uii, ein schönes Statement von einem, der mir vor nicht allzu langer Zeit schrieb, er sei eher unpolitisch und man könne da eh nix ändern, ich freu mich!!) Bitte nicht „in den falschen Hals kriegen“ 😀

                du hast absolut recht. Man mag meckern über die Euro-Sch*****, es gibt jedoch Dinge im Leben, die relativieren JEDE unserer so genannten „Sorgen“. Was die Griechen durchmachen, gönne ich hier keinem.
                Mein erstes, gelerntes Wort dort unten war übrigens „Hvala“. Steht für „Danke“. Das beschreibt’s auch ganz gut. Denn wir konnten helfen. 😉
                Was ich nie vergesse, sind die Fahrten durch die zerstörten Gebiete, meist spät Abends, zusammen mit unserer Dolmetscherin (Milena hieß sie, Studentin aus Zagreb, alles verloren, Familie, den Bruder-sowas vergisst Du NIE). Einmal hielten wir an, ich musste pinkeln, lief etwa 15 m in ein Feld hinein. Es war dunkel. Am nächsten Tag, auf der Rückfahrt, sah ich dann an der gleichen Stelle die Schilder mit der Aufschrift: DANGER MINES!
                Mal gewinnt man, mal verliert man.

                Ich denk‘ wir haben es schon ganz gut hier…

                • Sandmann says:

                  Ay Bronx,

                  *hhhhhfffff* und es wird immer ENGER! 🙂

                  Tatsächlich ist fast alles relativ. Man muss sich zwar nicht klarmachen, wie schlecht es anderen geht, um sich gut zu fühlen. Aber wenn heute Abend meine einzigen Sorgen der wegen Samstag und HSV völlig überfüllte Zug von Hamburg nach Kiel und die demnächst in einem mich nicht betreffenden Nachbarschaftsstreit eskalierende Hausparty in ca. 300 Meter Entfernung sind – dann ist doch alles okay 😀
                  Ich habe gerade einen wunderschönen Tag hinter mir. Mehr davon. Und jetzt hopp ins Bettchen…

                  Sandmann

  2. Markus1975 says:

    Hey Steffi

    Boah. Und nun springt Dir der blanke Neid entgegen. WIE GEIL IST DAS DENN! Westernhagen. Live! Mit dem Typen und seinen Texten bin ich quasi aufgewachsen. Das Herz eines Boxers, Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz, Soweit, Affentour…ich habe bestimmt so einige Alben vergessen. Und der Typ ist jetzt schon über 60 Jahre alt?! Kreisch!!!! Mensch Leute. Ich werde alt, bin aber dabei in maßen glücklich. Wenn jemand ein geiles Video von ihm sehen möchte, dem kann ich eigentlich nur „Nimm mich mit. Zeige mir die Welt“. Einfach nur geil das Ding! Vielleicht in You Tube?

    V8 mäßige Grüße

    Markus

  3. Herrschwarz says:

    Hallo schöne Frau,
    es war mir eine Ehre mit dir die Show zu geniessen. Fragt sich nur welche? Die vom alten Mann, von Billy oder den Schluckspechten vor uns? Hatte schon 1995 das Vergnügen die Kombination von Marius und Billy auf der Bühne zu erleben, bin aber ehrlich
    Grönemeyer ist Live besser.

    Grüsse aus Legan
    Herrschwarz

    • SeinekleineSchwester says:

      Ich fand alle 3 Shows mehr als sehenswert! XD

      Herrn Grönemeyer hab ich ja leider aus Geldmangel ausfallen lassen… ärgere mich heute ein wenig darüber, immerhin war sein Konzert direkt vor meiner dienstlichen Haustür *hmpf*

    • Sandmann says:

      Herrschwarz,

      welch Ehre, Sie hier begrüßen zu dürfen! Hallo 😀

      Sandmann

  4. Snoopy says:

    Ich kann mich entsinne: Am 10.10.10 hat er in Stuttgart gesungen.
    War fein nur mit den neuen Liedern über seine damals neue Liebe konnte ich nicht so recht was anfangen. Hat er die wieder gesungen? Die meisten haben auf die alten Songs gewartet.
    Ach und Grönemeyer kann ich mich auch gut erinnern: 6.6.(x)6 war ich das erste Mal in einem Konzert von ihm.
    Ja und die Umbruchzeit als ich vor lauter Neugier kurz vor der „Wende“ im Fiatle mal eben nach Berlin gedüst bin. Wurde auf der Transitstrecke von den Vopos angehalten. Als sie dann meinen mich und meinen alten Uno gesehen haben wurde tatsächlich auf eine Strafe in Westmark verzichtet :-). Und viele kamen auf den Gedanken dort hinzufahren, die Juhe war stark überfüllt…

    • SeinekleineSchwester says:

      Also gespielt hat der diesmal schon viele (mir) bekannte: Krieg, Engel, Pfefferminz, Sexy, Willenlos… etc. Leider fehlte MIR Rosi *sniff* Aber die Party ging immer erst richtig ab, WENN die alten Lieder kamen, die alle mitgröhlen konnten 😀

      • Sandmann says:

        „Ganz und Gar“ finde ich auch sehr fein 🙂

        Den Herren Grönemeyer sah ich einst auf der „Sprünge“ Tour in der Kieler Ostseehalle. Das muss inzwischen ja auch schon wieder… hm… jedenfalls viele viele Jahre her sein. Kinder an die Macht und so. Ich werde alt…

        Sandmann

        • bronx says:

          „Kinder an die Macht“ kam, wenn ich mich nicht irre, im März 1986 heraus. Im April dieses Jahres beendete ich meinen Wehrdienst bei der „anderen Feldpost-Nummer“ und kann mich noch daran erinnern, diesen Song des öfteren bei uns auf dem Tower mittels der großen MW-Antenne empfangen zu haben 😉

          • Sandmann says:

            🙂 kommt hin.
            Wahnsinn. Zwei gleiche Länder nebeneinander und doch so fern. Schön, dass es damit schon seit langer Zeit ein Ende hat!

            • bronx says:

              Wohl wahr, gut gesagt. SO sehe ich das auch. Wir sind ja hier ein bunter „Gemischtwaren“-Laden. Meine Frau von „drüben“, der große noch ein „Wessi“ bei der Geburt, ich-der Ossi und dann das „kleine“ Kind als Brandenburger. Alles vertreten! Patchwork, made in Germany 😀

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