Alternativ unterwegs, auch auf dem Schrottplatz

Was mache ich am Wochenende?

Das ist wohl die Frage die man sich jeden Freitagabend nach der Arbeit stellt oder? Nutzt man die Zeit um sich auszuruhen? Soll man das Wochenende auf dem Sofa verbringen und alles an sich vorbeiziehen lassen? Wäre es nicht vielleicht eine Idee, mal wieder den Rasen zu mähen und Unkraut zu zupfen? Oder vielleicht sogar den lange fälligen Ölwechsel an seinem Fahrzeug zu machen?

NEIN!!!!!!

Wir fahren auf den Schrottplatz!!!!

Von wegen, die Schrottplätze sterben. Tun sie nicht.

Denn wo kann man denn seinen Samstag besser verbringen als auf dem wohl grössten derart, hier im Norden? Richtig, nirgends! Also, schnell noch Lew angerufen und ihm gesagt, dass es morgen, am Samstag, um 11 Uhr losgeht zu Kiesow nach Nordersedt.

Wir quetschen uns als zu dritt in mein Golf 3 Cabrio. Nebenbei bemerkt, es ist in dem Auto genausoviel Platz wie in einem normalem Golf 3 mit 2 Türen. Also war das alles kein Problem. Die Probleme kommen dann allerdings auf der Autobahn, die ist voll, voller als voll. Ich bin ein eher zügiger Fahrer, für mich heisst das mindestens 160kmh, diese sind aber bei weitem nicht drin (und wenn dann nur Stückweise). Immer wieder beschleunigen und bremsen. Da fragt man sich, was sich der Motor und die Bremsen dabei denken. Die 116 PS ziehen den Wolfsburger zügig auf 160kmh und die Bremsen verzögern dies umso schneller wieder. Spritsparen? Warum?

Wieder einmal durfte ich feststellen, dass es auf der Autobahn im wahrsten Sinne um Leben und Tod geht. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, an einem Stück bei Kiesow anzukommen. Aber ein Minivan hätte uns da fast ein Strich durch die Rechnung gemacht. Wir gleiten fröhlich mit 180km/h auf der freien linken Spur, in der Ferne ist ein silberner Minivan zu erkennen. Für uns noch keine Gefahr, ist er doch weit genug weg. Wir kommen zügig näher, der 2 liter Motor brüllt vor sich hin und die Bremsen denken nicht daran, die alte Golf 3 Karosse zu verzögern. Denn: Der Minivan setzt den Blinker rechts und fährt langsam auf die rechte Spur. Um zügig dran vorbeizukommen beschleunige ich dankend und traue meinen Augen nicht. Der Minivan, Marke Mitsubishi, noch nicht mal ganz auf der rechten Spur, setzt den Blinker wieder links und fährt einfach wieder zurück! Ich bleibe relativ ruhig, nehme nur das Gas weg, bremse leicht und weiche auf die rechte spur aus. Das denkt sich der Fahrer des Pampersbomers leider auch wieder und ist immer noch vor mir!!! Ich steige nun voll in die Eisen, und mit einem beherzten Riss am Lenkrad und einem fast ausbrechendem Heck sind wir der Gefahr gerade so entkommen….

Mit Schweissperlen auf der Stirn geht es weiter.

Abfahrt Norderstedt. WIR SIND DAAAAHAAA! Juhuuuu, endlich wieder bei Kiesow. Wir stiegen aus dem Auto aus, und es riecht nach altem Blech, Rost, Kraftstoff, Motoröl und einer große Prise Abenteuer.

Lew holt sich sofort einen Einkaufwagen (ja, die gibt’s da), denn wir haben eine Mission. Wir wollen Teile für Lews Polo 86c finden, ausbauen und mitnehmen. Wie immer startet unsere Tour mit einer Besichtigung. Bevor wir uns also auf die Polos stürzen, gehen wir unsere Runden auf dem Schrottplatz, um uns einen Überblick zu verschaffen. Wo ist was, und vor allem welche Autos so weggeworfen wurden. Erschreckenderweise müssen wir feststellen, dass es nach der Abwrackprämie kaum noch was Neues gibt. Viele Autos sind schon komplett ausgeschlachtet, kaum „Frischfleisch“ vorhanden. Die Filetstücke wurden schon alle herausgetrennt. Fahren denn nun alle einen Neukleinstwagen???

Wie dem auch sei, WIR NICHT!!

Es dauert nicht lange, da finden wir unseren Einkaufswagen einfach nur langweilig. Also haben wir ihn kurzerhand getunt. Es liegt genug Material auf einem Schrottplatz für solche Aktionen 🙂

Zuerst soll es ein BMW werden, aber den Mercerdes finden wir dann doch interessanter. Also her mit dem Kühler!

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Nebenbei sehen wir einen ausrangierten Doppeldecker-Bus, den wir gleich hafenstraßenmäßig besetzen. Wir spielen Stadtbus und tun böse verbotene Dinge wie mit dem Fahrer reden, während der Fahrt im Gang stehen oder sogar die Treppen rauf und runter rennen! 😉 Hach war das schön. Einfach mal alle Sorgen vergessen und einmal nicht erwachsen sein müssen. Ein riesengroßer Spielplatz. Zwischendurch findet man dann aber in den Reihen der „Stadtrundfahrt“ auch doch noch die eine oder Seltenheit wie zum Beispiel einen Pontiac Firebird. Ist es der Dienstwagen von Knight Rider?

Dennoch dürfen wir unsere Mission nicht aus dem Auge verlieren. Also machen wir uns auf den Weg, um einsame Polos zu suchen. Die finden wir auch, aber so gut wie leer. Kaum noch ein Polo, an dem wirklich was zu holen ist. Fast schon enttäuscht müssen wir einsehen, dass unsere Suche wohl etwas länger dauern würde und wir wohl mit einem einzelnen Besuch hier nicht alles bekommen würden (natürlich macht es uns nichts aus wiederzukommen).

Unsere Ausbeute ist wirklich nicht sehr groß. Eine Türdichtung, einen Vergaser, einige Kleinteile und ein in.pro Heft von 1995, erstaunlich gut erhalten.

An der (Schätz)Kasse will Lew dann noch handeln, stößt aber bei, Verkäufer auf Granit. Lew: „Mach mir doch mal nen Preis für arme Studenten!“ Verkäufer: „Alles klar, 50 Euro für alles!“ Lew: „50 Euro? 35 Euro!“ Verkäufer: „Nein, 50 Euro!“ Lew: „Ja gut, dann 40 Euro!“ Verkäufer: „Na gut, alles klar… dann kostet es jetzt 70 Euro!“ Lew: „Jaa, neee, also……. nagut…. 50 Euro okay?

Gerade noch so hat er seine Teile für 50 Euro bekommen! So geht der Tag dann doch noch gut zu Ende. Die Fahrt nach Hause ist entspannt und gemütlich. Ich freue mich nun darauf, alles bald in Lews Polo einzubauen und natürlich auch auf den nächsten Besuch bei Kiesow. Ab dem 01.11. habe ich meine Schrauberhalle, dann kann’s uneingeschränkt losgehen. 🙂

Sascha

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7 Responses to Alternativ unterwegs, auch auf dem Schrottplatz

  1. Touranus says:

    Moin Sascha,
    guter Artikel und schöne Bilder!

    Wenn man das so liest, bekommt man so ein Jucken in den Fingern und bereut es, ein „neueres Auto“ zu fahren… 😉
    Was für Teile wolltet Ihr denn ursprünglich für den Polo holen? Oder seid Ihr einfach ohne Liste auf gut Glück hingefahren?

    Ab dem 01.11. kann man sich dann ja auf einige Geschichten aus Deiner Schrauber-Halle freuen!

    Gruß
    Touranus

    P.S. Hättest den Minivan mal gleich mit auf den Schrott genommen… denn hätte der Fahrer mal gesehen, wozu solche Fahrmanöver führen können….

  2. Sascha says:

    Hey Touranus!

    Du kannst auch mit nem neuerem Auto da hin fahren 😉

    Mein Kollege hatte ne Liste mit wo so einiges drauf stand. Ich weiss aber selber nicht was genau er da drauf stehe hatte, er hatte den Überblick. Ursprünglich sind wir wegen eines Faltdachs für den Lupo meiner Freundin hin gefahren. Aber die sind an sich gar nicht vorhanden.

    Jo genau, ab dem 01.11. gibt es sicher was aus der Halle zu berichten. Restauration V8 und Polo und einbau Faltdach Lupo sind so die ersten Projekte 🙂

    • Sandmann says:

      Ay ihr zwei,

      nehmt mich mit! Nehmt mich mit!!!

      Ich habe nebenbei bei Motortalk eine Schrottplatzdiskussion angestoßen und dabei gelernt, dass Lews Polo ein Modell 86C ist (und sich inzwischen einer extremen Seltenheit erfreut!).

      Also, grüß Lew mal lieb, und mach ihm mal klar, dass es sich bald auszahlen wird, dass er seinen Polo nicht weggeworfen hat 🙂

      Sandmann

  3. Sascha says:

    Jaaaaaaaaaaaaaaaaaa Sandmann 🙂

    Gaaaaanz ruhig 🙂

    Wir werden auf jeden Fall an dich denken 🙂 Sei also Spontan nächsten Monat 🙂

    • Sandmann says:

      🙂

      Spontan bin ich eigentlich NIE, entweder habe ich zwei reizende Töchter zu organisieren, bin auf dem Weg nach Hamburg oder Berlin oder einfach zu müde vorm Kamin versackt 😉

      Meldet euch!

      Sandmann

  4. El Gigante says:

    @ Sandmann,

    boah ey… wie gehst du denn (nicht) ab?

    So unflexibel hätte ich dich jetzt ja eigentlich nicht eingeschätzt… und das mit noch nicht mal Vierzig!?!

    Oder hängt da doch ein unverschämt konservativer unspontaner Sandmann vorm Kamin oder auf dem Weg nach Berlin oder Hamburg oder Kiel oder Nordhackstedt oder Uelzen oder, oder, oder… oder wie?

    Mal abgesehen davon: kommt es mir nur so vor oder möchte eigentlich nur eine der beiden reizenden Töchter nur hin und wieder organisiert werden müssen? Die andere ist doch schon „groß“, oder?

    Vernimmt der verwirrte Leser hier krampfhaft herbeigezerrte Ausreden für unbequeme Spontaneität?

    Ey Sandmann… ich glaub’s ja wohl grad nicht, wa?

    🙂 😛 😀

    El

    • Sandmann says:

      Ah, mein persönlicher Therapeut hat das Licht angemacht…

      Nun, weißt du… Ich erkläre kurz meine fehlende Spontanität:
      Wenn du selbständig bist und das Wohl einer Firma 24 Stunden am Tag auf deinen Schultern lastet…
      Wenn du getrennt lebender Familienvater bist und das Wohl deiner Kinder dich 24 Stunden am Tag mit Freude und Organisationswillen füllt…
      Wenn du an deinem Häuschen dein neues Leben als Patchworkpapi mit der großen Liebe in Berlin und Hamburg 24 Stunden am Tag im Kopf neu gestaltest…
      … und wenn du für deinen eigenen Webspace denkst und machst und tust und auch noch hier und da Besuch von deinen Freunden bekommst, parallel zu Zahnarztterminen, Schulungen im tiefen Osten und Autoreparaturen…

      Da kann es schon mal passieren, dass du abends nicht spontan bist, sondern einfach nur ins Kaminfeuer guckst… Aber so bin ich nicht erst seit neulich, so war ich auch schon mit 20… 😉

      Sandmann

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