Am Wochenende schon was vor?

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Mit Tochter und Hund allein im Wald. Die Männer sind woanders.

Karins Kolumne

Wenn eine Autoveranstaltung die nächste jagt, dann hat der Familienwochenendausflug ein schweres Los

Eigentlich stimmt es mich immer ein bisschen traurig, wenn der Sommer sich klammheimlich auf und davon macht. Morgens im Dunkeln aufstehen, ein letztes Mal die kurzen Hosen in den Schrank räumen, noch 21 Wochen bis zum Frühlingsanfang, der Herbst kommt ein bisschen daher wie ein Spielverderber. Aber andererseits ist es doch gerade jetzt wunderschön draußen, die Wälder leuchten herrlich in allen Farben. Das muss man einfach genießen, lass uns die Fahrräder schnappen und den Hund und los!  „Hallo mein lieber Mann, siehst Du nicht wie wundervoll es draußen ist?

Du hast natürlich völlig recht mein Schatz (wie immer), aber…“bremst er meine Euphorie jäh aus „heute ist Saisonabschluss im Meilenwerk. Da müssen wir schon hin, gell Felix?“ sucht er die Unterstützung beim ebenfalls hochgradig infizierten Sohn. Und findet sie auf ganzer Linie. Ich seh schon, gegen glitzerndes Blech und dröhnende Motoren komm ich wohl nicht an mit meiner Herbstlaub-Romantik. Ich kapituliere und mache mit dem Töchterchen einen Frauentag.

Wir kennen das schon. Im frühen Frühjahr fängt es an: Retro-Classics, Veterama, Technorama, Klassikwelt Bodensee, Donau Classic und zwischendurch nach Belieben Oldtimertreffen in Hintertupfingen oder Veteranenrallye von Freudenstadt nach Heitersheim. Die Herren der Schöpfung sind sehr kreativ, wenn es darum geht, das heilige Blechle in Szene zu setzen. Gelegentlich fragt mich mein reizender Gatte auch, ob ich nicht mitkommen möchte zu dem einen oder anderen Stelldichein bei Abgasgestank, Motorenlärm und hochinteressanten Gesprächen. Das meint er natürlich nicht ernst, schließlich möchte er sich auch nicht selbst den Tag verderben. Familienausflüge haben es wirklich nicht leicht bei uns. Die 5 Wochenenden im Jahr, an denen gerade mal kein Auto-Event stattfindet, die sollte man beherzt beim Schopfe packen. Aber garantiert regnet es dann in Strömen oder die Hälfte der Kinderschar ist krank.

Und doch besteht Grund zur Hoffnung. Die Tage werden kälter und kürzer, bald fällt womöglich der erste Schnee. Da sollte man die alten Kisten so langsam einmotten, damit das böse Salz nicht an ihnen nagen kann, das bald wieder tonnenweise auf die Straßen geschmissen wird. Oder nicht? Also wage ich kühn einen Vorstoß in die überübernächste Woche. „Wir könnten doch da das Wanderwochenende nachholen, das wir einst im Frühjahr vor hatten und aus irgendeinem Grund verschieben mussten, was hältst Du davon?“

Karin Mein Mann wirft einen Blick in seinen smarten Terminkalender und am Gesichtsausdruck sehe ich bereits, das wird wieder nichts. „Prinzipiell ist die Idee super, leider nur ist genau an dem Samstag Abschlussgrillen in der Audi V8 Schmiede, da müssen wir schon hin, gell Felix?“ Natürlich. Bestimmt schmieden sie dort Pläne, wie man am effektivsten den Familienfrieden untergräbt. Ja, geht ihr nur, Männer. Wisst ihr was wir machen Mädels, wir gehen mal wieder so richtig schön shoppen!

Karin

 

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37 Responses to Am Wochenende schon was vor?

  1. Sandmann says:

    Ay Lieblingskolumistin,

    das ist ein Dilemma. Ich kann nachvollziehen, dass DU dein Recht auf ein geregeltes Familienleben ab und an mal einfordern möchtest, DEIN Mann hat ja was Autos betrifft auch nicht mehr alle Tassen im Schrank 🙂

    Bei mir ist es eher andersrum. Ich habe mich momentan aus verschiedenen Gründen eher in meiner Familie eingeigelt und bekommt die blöden Sprüche eher von den Menschen, die Autotreffen veranstalten. Weil ich NIE erscheine …. 🙁

    Jedem seine Welt. Kommt gut in die Woche, meine beginnt grau und regnerisch.
    Sandmann

  2. bronx says:

    Ay Karin,

    ich verstehe deine Beiden. Wenn die Bengels und ich wählen können zwischen Herbstspaziergang und altem Blech, da wird die Wahl doch eng. . . 😉 Wanderwochenende . . *schüttel*

    Du stehst da nicht allein 😀

    Verregnete Grüsse aus Brandenburg
    Bronx

    • Sandmann says:

      Ey Bronx,

      nana was hast du gegen wandern? 🙂 Bin ich hier der einzige nicht VÖLLIG verblechte…..? Tz.

      Sandmann, der gern mal wieder tagelang nur wandern würde

      • bronx says:

        Sandmann,

        ich HASSE wandern! Und schreibe das so wie ich es meine.
        Verschwendete Zeit. . . 😉

        Bronx

        • karinwurster says:

          Hey Leute,
          schön von Euch zu hören.
          Ich hab wandern früher auch gehasst, aber mit dem Alter kommt das irgendwie, und mit Hund sowieso. Vielleicht bist Du noch zu jung, Bronx, und hast keinen Hund?
          Und Sandmann, Mensch, tagelang wandern? Ganz ohne Blech unterm Hintern? Wer hätte das gedacht…

          • bronx says:

            Oh Karin,

            mein Herz ist voller Freude! Nett von Dir das Du mich jünger einschätzen magst. Bin aber stramm vor der 50 und mit Hund. Kaukase! Von daher, an Bewegung mangelts nicht 😀

            Aber junggeblieben bin ich schon, sagen meine Jungs jedenfalls. Vielleicht mag ichs ja deswegen nicht 😉 . . .

            • Sandmann says:

              Hihi 😀 der junggebliebene Bronx…

              liebste Karin, du wirst dich wundern, wie fußfest ich bin. Als kleiner Junge haben mich meine Eltern immer in die Berge geschleppt, Österreich oder Schwarzwald. Und ich fand’s gar nicht langweilig, im Gegenteil! Immer stramm hoch zum Gipfelkreuz, da die Unterschrift ins Büchlein machen und dann am Ende die goldene Wandernadel abgreifen 😀 Großartig.

              Ich gehe noch immer sehr gern spazieren. Nicht mit Kopfhörern auf den Ohren, nein, einfach so. Und guck mir die einfachen Kleinigkeiten des Lebens an und freu mich drüber 🙂

              Sandmann

              • karinwurster says:

                Jaaaa, wenn sich die riesigen Bäume im Wind wiegen oder ein kleines Reh über den Weg hüpft, ist das nicht schön! Und ich dachte, nur Frauen können sich an so was freuen…

  3. Sammy says:

    da bin ich ja fein raus, Rollstuhl und (aufgeweichte) Waldwege vertragen sich nicht, das ueberlasse ich meiner Frau und den Hunden…
    und etwas Romantisches kann ich dem bunten Herbstlaub auch nicht abgewinnen, ich muss es alle naselang in unserem Garten zusammenrechen, auf des Nachbarns Grund stehen 2 grosse Eichen.
    Hauptsache, ich finde die Zeit, die Garagenheizung anzuwerfen und an meinem Baron rumzupuzzeln, die Frau freuts, denn dann steh ich nicht im Weg rum 😉

  4. pewu says:

    Wenn ich den blog meines holden Weibes lese ist mir klar warum mich eine Erkältung (so nennen es Frauen) bzw. eine schwere bakterielle und virale Infektion der Atemwege, die mich zumindest temporär in einen moribunden Zustand versetzt hat (so nennen es Männer), ereilt hat: kleine Sünden bestraft der Herrgott sofort….

    Wobei die letzte Wanderung der Familie immerhin auf meine Initiative erfolgt ist und wir sogar mit dem Galaxy (schauder – dieses ach so verwahrloste Gefährt freut sich übrigens über frisch gezapftes Mobil1 0W40 in der Hoffnung mit seinem tollen VW VR6 die 110tkm doch zu erreichen bevor der Steuerketten-Sensemann die Götter der krummen Ventile beschwört) hingefahren sind.

    Dort gab es nur in Mitten des Schönbuchs nur einen verwunschenen See und keine verfl……. Autos 😉 !

  5. Snoopy says:

    Ich spaziere und wandere auch gerne. Aber außer dem Hund kommt kaum jemand gerne mit mir. Ja Gipfelbücher und Wandernadeln fand ich früher auch ganz toll. Im Urlaub habe ich etwas mit Geocaching (eigentlich für meinen Sohn) angefangen. Auch nicht schlecht für die Bewegung an frischer Luft. 😉

    • Sandmann says:

      Ohne Hund gehe ich irgendwie auch nicht mehr so richtig oft spazieren……

      Einzig in meiner Mittagspause – da laufe ich auch gern mal eine Stunde durch Kiel oder Hamburg, je nachdem wo ich mich gerade rumtreibe. Auch das ist fein. Ohne Musik oder Telefon, einfach nur laufen. Na ja, und vielleicht bei Saturn ein bisschen stöbern 😉

      Sandmann

  6. SteffenG says:

    @Pewu – ahhh…. BB am Kennzeichen? Hatte in Weil mal nen Kunden.

    Spazieren… Hab schon mal was davon gehört, soll sehr spritsparend sein.
    Auch wenn ich mein Ferienhäuschen im stark wanderkompatiblen Harz, direkt an der ehem. innerdeutschen Grenze habe, fehlt mir die Muße dazu.
    Meine Frau ist auch nicht so Wanderbegeistert. Vielleicht kommt das erst im „Alter“ 😉

    Sandmann – probier´ mal die Sache mit dem Apfelwein! Die Gärbehälter gibt es für kleines Geld im Baumarkt. Hefe auch. (Gärt notfalls auch von allein)
    Extrem lecker!

    Schönen Herbst!

    Steffen

  7. LarsDithmarschen says:

    Ich finde einen Spaziergang ab und an auch mal ganz schön. Allerdings mag ich es nicht so gerne, alleine rumzulaufen.

    Neulich bin ich mit meiner Mutter vier Kilometer am Nord-Ostsee-Kanal gelaufen, um ein paar Fotos zu machen. Meine Mutter ist eigentlich eine recht geduldige Person, aber irgendwann mag sie nicht mehr laufen. Nach den vier Kilometern hat sie sich wieder auf das Auto gefreut. Mein Vater bleibt eh meistens im Auto sitzen, weil er durch eine Krankheit nicht mehr so gut laufen kann.

    Obwohl ich recht viel fahre, finde ich das Spazierengehen wirklich schön – und man kann prima Fotos dabei machen. Aber alleine bringt das irgendwie keinen Spaß ;-).

    • Sandmann says:

      Ay Lars,

      ich mach inzwischen nicht mehr so viele Fotos. Schon wieder ne Aufgabe. Aber das liegt bei mir auch daran, dass ich auf beruflichen Fototouren extrem VIELE Fotos mache. Wenn ich drei Autos am Stück durchfotografiert habe bin ich sowas von leer…… 🙂

      Irgendwie freu ich mich gerade auf die beleuchtete Weihnachtszeit. Weiß auch nicht woher das plötzlich kommt *seufz*

      Sandmann

      • LarsDithmarschen says:

        Hey Sandmann,

        ich habe mit unserer Nachbarin ein Projekt geplant – deshalb mach‘ auch viele Fotos. Einige spotten schon, ich würde jeden Schritt fotografieren ;-). Stimmt nicht ganz :-D.

        Auf die beleuchtete Weihnachtszeit freu ich mich auch schon. Heute Abend war ich bei einem Musical, das von unserer Schule aus gemacht wurde. Etwas ähnliches wie „Sister Act“ wurde gespielt. Ein wirklich tolles Musical, das unserem im März verstorbenem Musiklehrer gewidmet wurde. Das letzte Lied „Thank you for the music“ wurde ihm zu ehren nochmal gespielt. Das war dann auch das Ende des Abend. Bin ich jetzt „unmännlich“, wenn ich zugebe, dass ich ein wenig sentimental geworden bin?
        Als ich einen meiner besten Kumpels nach Hause gefahren habe, und dann hier nach Hause gecruist bin, fand ich es schade, wie wenig einladen nachts alles aussieht. Mit ein wenig Schnee und mehr Beleuchtung sähe das Ganz viel einladender aus.
        Ach…Ich mag nachts durch leere Orte cruisen, wenn passende Musik dabei ist….

        Lars 🙂

        • Sandmann says:

          Ach Larsinger,

          natürlich ist es NICHT „unmännlich“ wenn man(n) mal sentimental ist. Ich habe bei Titanic geheult, und mir kullern regelmäßig bei bestimmten Liedern die Tränen über die Wangen. Wer das weich findet hat noch ein Männerbild aus den 80ern im Kopf und vermutlich GANZ andere Sorgen 😉 Und – Gefühle zeigen kommt bei den Damen ganz gut an. Machos sind nicht mehr angesagt. Äh, glaube ich.

          Nachts durch die Gegend fahren und Musik hören habe ich in meinen ersten Führerscheinjahren auch immer sehr gern gemacht (mit dem lila Taunus, you know?). Ich erinnere mich daran, als meine Freundin mit mir Schluss gemacht hat…. da habe ich mich spät Abends ins Auto gesetzt, Marillion angemacht und bin so lange flennend durch die Nacht gefahren bis der Tank alle war. Das war irgendwo 15 Kilometer von meinem Zuhause weg. Ich hab den Wagen am Straßenrand ausrollen lassen und bin durch die Nacht zurück gelaufen. Nächsten Tag war mein Kopf klarer, und ich bin mit einem Benzinkanister auf dem Fahrrad da hin gefahren und hab ihn wieder zurück geholt. Ha.

          Sandmann

          • karinwurster says:

            Na, ihr zwei,
            jetzt fang ich aber auch gleich das Weinen an vor lauter Rührung. So viel Pathos hätte ich euch nur zugetraut, wenns um alte Autos geht…
            Unmännlich finde ich das auch gar nicht, sondern sehr sympathisch!

            • LarsDithmarschen says:

              Wegen eines Autos war ich bis jetzt nicht soo traurig, dass ich sentimental geworden bin. Mit einer kleinen Ausnahme vielleicht. 2008 (da war ich zwölf) haben meine Eltern ihren goldenen Passat Variant aus dem Jahre 2003 verkauft. Ich liebte das Auto so, dass ich ein wenig traurig war, als sie den gegen einen Golf 5 Variant eingetauscht haben. Als der ging, war ich nicht traurig ;-).
              Wenn ich zum Beispiel einen Lada sehe, wie Opa ich hatte, werde ich traurig, weil er mich an Opa erinnert. Nicht, weil ich das Auto vermisse :-).

            • Sandmann says:

              KARIN!!!
              Verwechsel hier die verschiedenen Protagonisten nicht mit deinem Mann. Es gibt auch Männer, die nicht NUR Autos im Kopf haben 😉

          • LarsDithmarschen says:

            Hey Sandmann,

            dann bin ich ja beruhigt, dass ich nicht der Einzige bin. Wenn jemand so richtig toll singt (und damit meine ich richtiges Singen, kein computerverzerrtes Kreischen), oder es eben einfach die Situation so ergibt, dann „habe ich schon mal etwas im Auge“ ;-). Titanic habe ich noch nie gesehen, ehrlich gesagt. Vielleicht eine Bildungslücke :-).

            Nachts durch die Gegend cruisen finde ich wirklich klasse. Rasen finde ich hingegeben blöd. Nachts hat man doch Zeit. Da versteh ich einige nicht, warum zwischen einem 45-PS-Polo und einem 45-PS-Corsa Rennen gefahren werden müssen.
            Ich bin ja noch auf eine Begleitperson angewiesen, deswegen kommen diese nächtlichen Fahrten nicht allzuoft vor. Aber wenn eine mal passiert, dann genieße ich sie ;-). Wenn alle schlafen, scheint alles immer so friedlich zu sein…schade, dass es oft nicht so ist :-(. Diese Freiheit kann einem aber wohl nur ein Auto geben. Nachts Spazierengehen mag ich nämlich nicht so gerne 😉

            • Sandmann says:

              Ja Lars,

              es sind diese besonderen Momente, die sind vermutlich in einem Auto tatsächlich anders.

              Zieh dir mal kurz vor Weihnachten oder so Titanic rein. Auf einem großen Fernseher, möglichst mit einem guten Soundsystem. Und laut. Ich finde, es ist einer der wunderbarsten Filme der letzten 20 Jahre…

              Ich hab gerade mit meinem Töchterchen „Merry Christmas“ geguckt. Falls der wem was sagt, die Verbündung von Deutschen, Schotten und Franzosen an der Front Heilig Abend 1914…. Sehr ergreifend. Also – ebenfalls ein Tipp 😉

              Sandmann

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