80 Jahre alt – und immer noch fit

Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.

Vorkriegsautos sind oft eher Kutschen als Automobile, Literatur und Ersatzteile sind rar und sie verlangen ihrem Besitzer einiges an Leidensfähigkeit ab. Warum lässt man sich dann auf sowas ein? Uwe Morgante kann das beantworten. Er bewegt einen Buick Special von 1937 regelmäßig und (meistens) gut gelaunt durch den Norden Deutschlands. Der amerikanische Gleiter singt das Lied von acht Zylindern in einer Reihe.

Eine der ältesten Automarken der Welt

Eine der ältesten Automarken

Was als Blubbern bei den meisten amerikanischen Autos so wundervoll den Ohren schmeichelt, ist die typische Zündfolge eines V-Motors. Der Auspuff dieses Autos hier ist dünner als bei den anderen, späteren Amis. Auch der Klang des Motors ist nicht typisch für das, was man von „acht Pötten“ erwartet. Kein Wunder. Ein Ami ist das hier zwar auch, sogar einer der urältesten Amis, quasi ein Automotive Native American. Ein Buick. Eine der ältesten Automobilmarken der Welt, entstanden 1903. Und 1904 von William Durant übernommen, der vier Jahre später den General-Motors-Konzern gründete.

Ein Auto mit einem „Gesicht“

6 Volt sind sehr wenig

Die acht Zylinder dieses sehr amerikanischen Buick sind in einer (für Europäer) ungewohnt langen Reihe angeordnet. Das Motorengeräusch klingt zwar anders, aber der Reihenachter beeindruckt auf den zweiten Blick genau wie alle anderen Details an diesem wuchtigen Auto. Gleich mal vorweg: Solche seltenen Schmuckstücke versichert der Oldtimer Spezialversicherer Hiscox ganz besonders gern, klickt einmal hier und schaut euch die Tarife an.

Einige Quadratmeter Blech klappen zur Seite

Uwe Morgante, selbständiger Wilhelmshavener, hebt die aus mehreren Teilen bestehende seitliche Motorhaube an, wirft noch einen letzten, unsicheren Blick auf die kleine 6-Volt-Batterie und klappt dann das blaue Metall runter. Die noch bis in die 1960er Jahre übliche schwache Bordspannung nervt ihn. Er hat mit dem Zählen der „gefressenen“ Batterien inzwischen aufgehört, denn die sind ziemlich teuer. Ist ja vielleicht gar nicht so schlimm, ein paar Sachen mal zu verdrängen.

Acht in einer Reihe – ein Kunstwerk.

Tausche Buick gegen Mustang

Er hatte den Buick Special gar nicht gesucht. Seit Jahrzehnten kauft Morgante sich Autos aus den Anzeigenteilen der einschlägigen Magazine, und nicht selten waren ausgefallene Dinger dabei. Nach einigen Mercedes Gazelle Repliken kamen S 124er, also T-Modelle, ein paar S-Klassen und ein wuchtiger Excalibur, den er noch immer besitzt.

Toller Klang…

Der Buick tauchte vor zehn Jahren unvermittelt in einem Anzeigenteil auf und ließ Morgante nicht mehr los. Die Form, die Farbe, die vielen verspielten Details der Motorkutsche beeindruckten den 62jährigen. Mit dem Verkäufer handelte er unkompliziert aus, das Dickschiff schlicht um schlicht gegen seinen gleichwertigen 66er Mustang Convertible zu tauschen.

Winker. Er hat WINKER!

Amerikanische Modellverwirrung

Die Serie 40 war in den 30er Jahren in Amerika ein sehr beliebtes Auto und brachte Buick Rekordumsätze ein. Neben dem 4,2 Liter Reihensechszylinder mit 80 PS wurde ab 1935 ein 3,8 Liter Reihenachtzylinder mit 93 PS angeboten, und der bis dahin immer nach den Seriennummern laufende Modellname wurde 1936 in „Special“ geändert.

Wuchtiger Auftritt

Das Einstiegsmodell in das Full-Size Segment wurde aber weiter auch als Serie 40 bezeichnet, und mit dem neuen 4,1 Liter Reihenachter bekam der Buick noch eine schicke kleine „8“ in den Namen und auf den gewaltigen Kühler. Bis 1949 gab es die üblichen Verlängerungen und optischen Veränderungen für die Modelle 2-Door-Coupé, 2- und 4-Door-Sedan und 2-Door-Convertible.

Kleinere Rückleuchten gibt es bei fast keinem anderen Fahrzeug.

Im Jahr 1940 baute Buick ein paar mehr als 500 Stück vom viertürige „Sport-Phaeton“ Cabriolet, 1941 und 1942 wurden heute sehr seltene Special Estate Station Wagon gebaut. Nach 1949 verabschiedete sich Buick von der Vorkriegskonstruktion und stellte völlig neu gestaltete Fahrzeuge auf die Straße, die sich langsam bereit machten für Rock’n Roll, Icecream und andere Lifestyle Demonstrationen.

Ersatzteile? Nein.

Davon war im Jahr 1937 noch nichts zu ahnen. Der traditionelle Autokonzern Auburn schloss im Zuge der Weltwirtschaftskrise endgültig seine Produktion, dafür tauchte mit Toyota plötzlich ein asiatischer Autobauer auf. Seit diesem Jahr fährt Morgantes Buick durch die Welt, er fährt und fährt und fährt. Er braucht dabei nicht viel, außer vielleicht hier und da mal eine neue Batterie. Die einzigen anfallenden Reparaturen seit 2010 betrafen den Anlasser und die Lichtmaschine des Special, aber das ist auch schon eine Herausforderung. Geht mal zum Teilehändler eures Vertrauens und bestellt einen Generator für ein 80 Jahre altes Auto. Na? Keine Chance. Die Teile mussten von Hand neu gewickelt werden und tun seit dem ihren Dienst brav und untertänig.

Metall, Holz, Gummi.

Immer noch fit

Auch, wenn alles wie eine sehr komfortable Pferdekutsche anmutet – der Special 8 fährt sich wie ein Auto. Er hat ein Lenkrad, drei Pedale und einen Schaltknüppel. An diesem wundervollen, hölzernen Volant sitzend guckt man auf einen Tacho mit Anzeigen für das Kühlwasser, den Tankinhalt, den Öldruck und die Bordspannung, einen Lautsprecher und eine ins Handschuhfach eingelassene Zeituhr. Viel mehr sieht man in heutigen Autos auch nicht. Mehr braucht es nicht.

Nicht soooo anders als heute

Und Langeweile kommt in dem Buick definitiv nicht auf. Während der „Kutschfahrt“ sitzen die Passagiere auf zwei bequemen, durchgehenden Sofas. Wer kein Lenkrad in den Händen hat kann sich an den Lederschlaufen am Dach festhalten. Wie im Bus. Der Buick zieht wie an einem Gummiband an der Weser entlang und verbreitet eine überraschend leise Geräuschkulisse. Er war mit seinen gut 100 PS etwas übermotorisiert für die damalige Zeit, heute langt das noch immer locker zum Mitschwimmen im Straßenverkehr.

Ein glücklicher Fahrer.

Gut versichert mitfahren

Schwimmt ihr auch mit so einem sehr alten Auto oder einem Young- oder Oldtimer im Straßenverkehr mit? Dann schaut euch mal die Spezialtarife von Hiscox an. Und wer über einen Wechsel nachdenkt, kann auch direkt schauen, was sein Fahrzeug ihn denn im Jahr kosten würde. Den Versicherungsbeitrag für eine Hiscox Classic Cars Versicherung kann man vorher unkompliziert erfragen. Derweil fährt Morgante entspannt weiter.

Sonor brummend an uns vorbei.

Na klar, die Leute bleiben stehen, gucken, heben den Daumen und stellen ihre Fragen an der Tankstelle. Aber das ist ja bei fast jedem alten Auto so, das gehört zur Oldtimerei dazu und sorgt für freundliche, neue Kontakte. Der Mann genießt die Tour – und wir fragen uns zum X-ten Mal, warum man nicht einfach auch mal so ein altes Auto bewegt? Ach ja. Die Ersatzteile.

Sandmann

Buick Special 8 Serie 40
Baujahr: 1937
Motor: Achtzylinder Reihe
Hubraum: 4.062 ccm (248 cui)
Leistung: 75 KW (105 PS) bei 3100/min
Max. Drehmoment: 280 Nm
Getriebe: Dreigang Schaltung
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 5100/1790/1750mm
Leergewicht: 1700 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: ca. 20s

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

4 Antworten zu 80 Jahre alt – und immer noch fit

  1. Coole Sache, und ich bin immer wider von paar Dingen fasziniert, die Autos der Ära auszeichnet. Eine gefühlt riesige Karosse, wenig Gänge, und so herrlich detailverliebt…

    • Sandmann sagt:

      Ay Dirk,
      das sind aus dem Vollen gefräste Kunstwerke. Da musste nicht gespart werden, ein Automobil konnte sich sowieso nicht jeder leisten. Ob das besser oder schlechter ist als heute sei dahingestellt – es ist auf jeden Fall anders 🙂 Ich bin froh, da mal mitgefahren zu sein…
      Sandmann

  2. Maik Mugato sagt:

    Wow, wunderschönes Teil!

    Ich würde sogar fast so weit gehen, zu schreiben, DAS ist noch ein Auto!

    Zusammen mit dem Käfer versprüht die Kutsche irgendwie dieses stumpfe mechanische Gefühl der unzerstörbarkeit…
    Klar, ein Mythos welcher der Realität niemals das Wasser reichen konnte, ABER :

    Im Falle des Super-GAU mal folgender, vielleicht – aber auch nicht überspitzter Reparaturvergleich :

    VW Käfer – 1 Zylinder gefressen…

    – 1 neuer Zylinder
    – 1 neuer Kolben mit Ringen
    – Ölwechsel

    – Etwa ein Nachmittag Arbeit für einen talentieren Schrauber und vielleicht 200 Euro kosten.

    Audi A6 Bj 2012 – 3l TDI

    Wer gern Videos von „Redhead Zylinderkopftechnik“ schaut, der weiss :

    – Reparatur kann nur von absoluten Spezialisten gut ausgeführt werden
    – Allein der Ausbau des Motors ist ein Alptraum aus der Welt der Dämonen und Dystopien
    – Beim Check fallen meist noch 20 andere defekte Teile auf, oder welche prophylaktisch getauscht werden müssen

    – Etwa zwei bis vier Wochen in der Fachwerkstatt und 15.000€ Reparaturkosten bei ner Kiste, die knapp über 100.000km runter hat, und mal an die 100.000 Euro gekostet hat.

    Wenn das die neue Ökologie ist, dann bleibe ich weiter „Umweltsau“. Rülps, danke, Tschüss!

    • Sandmann sagt:

      Ay Maik,

      ich bin immer ein wenig hin- und hergerissen, wenn es um Vergleiche mit neuen Autos geht. Vor allem, wenn du ein altes Butter- und Brot Auto mit einem neuen Kahn der gehobenen Mittelklasse vergleichst. Da sind einfach Welten zwischen.
      Wenn du heute an einem Lada Taiga einen Zylinder neu machen willst wird das vermutlich auch keine 15.000 Euro kosten 🙂 Und wenn du zur Zeit des Käfers eine Motorreparatur an einem Daimler Double Six vorgenommen hättest wäre das auch für einen talentierten Schrauber nicht an einem Tag mit 200 Euro gegangen. Yo?
      Trotzdem lässt sich natürlich generell feststellen: Alte Autos sind einfacher zu reparieren, weil sie meistens noch nicht so verbaut und mit Elektronik vollgestopft sind. Und das beste daran: Wir KÖNNEN die alten Karren ja fahren. Niemand hindert uns. Und das wird wohl auch noch eine Zeitlang so bleiben 🙂
      Rock den Asphalt!
      Sandmann

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