Aller Laster Anfang…

Ay liebe Blog-Gemeinde,

ich bin gezeichnet. „Solange man Äpfel nicht faxen kann, fahre ich vor dir„. Wer hat es nicht schon gelesen? Aber was habe ich verbrochen, dass alle Laster dieses Landes heute Morgen vor mir fahren? Ich höre sie tuscheln. Ich höre förmlich ihren CB-Funk, wie damals bei Rubber Duck im Klassiker der 70er Jahre „Convoi„… Sie verabreden sich, nachdem irgend jemand meine geplante Route herausbekommen hat. Sind sie in der Lage, meine Zieleingaben aus dem Navi auszulesen? Ja. Sie verfolgen mich, tracken meine ID über GPS, Bond wäre neidisch. Und dann warten sie in Lauerstellung, bis ich mit meinem Audi am Horizont auftauche. Um dann, wie ein verhaltensgestörtes Reh in der Abenddämmerung, genau vor meiner Motorhaube auf die Straße zu springen!!! Die Trucker des Nordens haben Vorfahrt – vor mir. Werde ich nun paranoid oder ist das wirklich so? Szenen eines einzigen Morgens.

Solange man Brot nicht per Mail verschicken kann, fahre ich vor dir„. Ja doch, ja doch. Ich kann es ja sehen und mache dem lieben Fahrer fast keinen Vorwurf. Außer… dass man auf einer Bundesstraße vielleicht (etwas) schneller als 60 fahren könnte, sogar als Laster. Oder dass man auf einem 20 Kilometer langen Teilstück, auf dem es von Überholmanöver-hemmenden Kurven nur so wimmelt, vielleicht irgendwo einmal auf einen Rastplatz oder Seitenstreifen ziehen kann. Um die kilometerlange, drängelige Autoschlange kurz vorbei zu lassen. Jeder Landwirt macht das früher oder später, Trucker nicht. Na ja – selten. Ich sehe mich noch an der Ampel stehen, vor mir der weite Highway, die Luft wabert in der Morgensonne. Wir machen den Weg frei schwirrt es mir durch den Kopf. Im Radio irgend ein Klassiker von den Stones. Am Horizont wehen vertrocknete Heckenrosen über die Felder. Und 4 Sekunden, bevor meine lass-sie-frei-Ampel auf grün springt, schiebt er sich noch bei gelb von links aus der Nebenstraße vor mich. Er hat auf mich gewartet, hat so lange gewartet, bis die Ampel fast umschaltet. Darin sind sie gut! Natürlich gibt es Tage, an denen hat man eine Menge Zeit. Auf dem Weg zu Mama, Kaffee trinken. Oder auf dem Weg zum Friedhof, ein paar Blümchen ablegen. An solchen Tagen findet sich nicht ein LKW auf der Straße, maximal ein verstörter Rentner mit einem viel zu langsamen Golf 1, der aber zumeist nach ein paar 100 Metern in ein Wohngebiet diffundiert.

Ich versuche ja, ruhig und gelassen zu sein. Während ich mir die vielschichtigen Botschaften auf den verdreckten („WASCH MICH!“) Ladeklappen durchlese, gieße ich mir den einen oder anderen mitgeführten Kaffee ein. Und denke über die Klassiker nach. Ich hörte von Kollegen, dass genau dieser Aldi-Laster immer um 7.40 Uhr hier über die B76 fährt. Jetzt ist es aber 8.30 Uhr, und ich bin sicher, wenn ich morgen um 9.00 Uhr hier führe, er wäre erneut vor mir. Merkt das denn niemand? Warum glauben die Leute eigentlich, die Amerikaner waren niemals auf dem Mond und alles ist in Hollywood inszeniert worden? Warum gibt es Professoren, die belegen können, dass niemals zwei Flugzeuge in die World Trade Center geflogen sind? Kann sich einmal jemand von denen mit dem Phänomen Sandmann und Lastwagen beschäftigen? Da ist wenigstens Empirie im Spiel. „Wie ist mein Fahrstil?“ Furchtbar! Katastrophal! Und vor allem: Zu langsam. Du kannst mindestens 80, warum tust du es nicht?

Ich rege mich auf. Entschuldigen Sie. Natürlich wollen diese Menschen auch ihr Geld verdienen, arbeiten sehr hart und sehen ihre Frauen kaum. Vor allem die Schweden und Norweger, die ein Fährhafensymbol erst viel zu spät einordnen können und dann nach einer Reaktionszeit von 15 Minuten irgendwo zwischen Kiel und Plön mitten auf der Bundesstraße wenden. Die Kapitäne der Landstraße. „Solange man Pflaumen nicht ausdrucken kann, fahre ich vor dir„. Ich frage mich gerade, wie lange es her ist, dass ich vor einer geschlossenen Bahnschranke gestanden habe. Gibt es die Bundesbahn noch? Wird noch Güterverkehr verladen? Ich bin schlecht vorbereitet, bestimmt ist das viel zu teuer und alles wird gut wenn wir nur den gesamten Schwerlastverkehr auf die Bundesstraßen des Nordens auslagern. Alle direkt vor mein Auto. Ha! Er biegt ab! Natürlich genau in die selten befahrene Straße, in die ich selbst auch möchte. Ich folge diesem Cowboy der Landstraße, denn führe ich weiter geradeaus, schliche sich an der nächsten Ampel ein Schwertransport, den nicht überholt werden kann, vor mich. Direkt vor mich.

Schwere Kost. Sie sprechen sich ab. Welches Ziel verfolgen sie? Wollen Sie, dass ich zu spät komme? Aber ich plane das doch schon ein. Wollen sie, dass ich mich aufrege und in waghalsigen Überholmanövern mein Leben riskiere? Das kann ich mir nicht vorstellen, Trucker sind auch nur Menschen und haben bestimmt auch Kinder und so. Wollen Sie mir mit ihren Werbesprüchen etwas sagen? Oder wollen sie nur den Blick auf die schöne norddeutsche Landschaft verbauen? Oder bei Regen möglichst viel Gischt auf mein Auto werfen, damit die Wischerblätter schneller verschleißen… sponsorred by Bosch? Nein – ich weiß! Die lokalen Handynetzbetreiber haben diese Fahrer engagiert. „Äh – ich komme 15 Minuten später, hier ist alles voller Lastwagen!“ Das könnte es sein. Vielleicht werde ich niemals verstehen, warum sie alle vor mir sind. Wenn ich einen überhole, kommt der nächste. Wenn ich die Autobahn nehme, überholen sie sich selbst. Elefantenrennen. Immer. Auch, wenn sie es streckenweise gar nicht dürfen, sie machen es trotzdem. „Damen aufgepasst! – Meiner ist 18 Meter lang.“ Ich gebe auf.

Sind Sie vielleicht Trucker? Oder kennen Sie einen? Machen Sie das wirklich mit Absicht? Oder stehe ich mal wieder allein mit diesem Problem auf der Landstraße?

Sandmann

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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13 Responses to Aller Laster Anfang…

  1. calimero says:

    „Aller Laster Anfang ist die Stoßstange“

    DEN Kalauer hast du noch vergessen 😉
    Großartiger Artikel, seit ich den gelesen habe beschleicht mich das Gefühl, tatsächlich auch IMMER Laster vor mir zu haben 😀 Schlimm
    Abel

    • Sandmann says:

      Wollte ich alle Kalauer dieser Welt einbauen, ich würde morgen noch daran sitzen 🙂

      Dementsprechend bin ich heute mit der BAHN nach Hamburg gefahren, da waren die Gleise frei…
      Schöne Pingst, habe er und die anderen. Hoffentlich ohne Laster…

      Sandmann

  2. Daemonarch says:

    Hi Sandmän…

    Als gegnerisch betroffener muss ich kurz dazwischenklugscheißen…

    1.) Hieß der Protagonist aus dem von dir erwänten Film „Rubber Duck“ nach seiner Gummi-Ente auf der Haube

    2.) Kannst du im LKW auf der Landstraße zwar schneller als 60 fahren, aufgrund garstiger Bußgelder wird jeder, der nicht in den letzten Jahren einen ausgiebigen Lottogewinn „erlitten“ hat, seinen Tempomaten auf 63 einstellen…

    Nicht böse gemeint… Im PKW reg ich mich selbst manchmal auf..

  3. Daemonarch says:

    P.s.. Die mannigfaltigen Tippfehler in letzter Zeit resultieren aus einer ausflippenden Tastatur an meinem Laptop derzeit, zusammenfassung :

    erwähnt natürlich mit h
    diverse groß/kleinschreibungs-debakel resultieren aus einer aktuellen Virusverseuchung meines Rechners! 😉

    • Sandmann says:

      Bester Daemonarch,

      deine Viren tun mir natürlich sehr leid, sind aber im Ergebnis höchst unterhaltsam. In diesem Zusammenhang frage ich mich gerade, wann wir mal wieder einen kleinen Beitrag von dir bekommen…?

      Und klar, die Trucker können nix dafür. Trotzdem schlimm, Mautflüchtlinge, Akkordpendler unter Zeitdruck und Schwertransporte – und alle sind vor mir. Immer. Das mit der Ente korrigiere ich gleich. Hab gerade ein Déja Vu 🙂

      Sandmann

  4. Touranus says:

    N’Abend Leute,
    also ich gehöre irgendwie zu beiden Lagern…

    Als PKW Fahrer bekomme ich jedesmal eine Vollkrise, wenn der 3 Km/h schnellere 30 Tonner meint, er müsse vor MEINER Haube seinen Überholvorgang beginnen…

    Allerdings bewegte/bewege ich für den Nebenverdienst selbst einmal 7,5 Tonner und transportierte Obst und Gemüse vom Hamburger Großmarkt zu Supermärkten und Hotels.

    Fakt ist, Du wirst zum Arschloch hinterm Steuer eines Brummis. Du MUSST es werden. Die Kunden wollen ihre Ware pünktlich, also gestern! Und wenn Du versuchst, Dich fair zu verhalten, meint IMMER irgendeine Chantalle oder Jaqueline in ihrem Chevrolet Matiz oder Kia Picanto, mit ihren 36,8 km/h vor Dir auf der Straße her „parken“ zu müssen. Und man kann dann eben nicht mal eben einen Gang runter schalten und wieder beschleunigen. Man sortiert erstmal 8 – 16 Gänge neu und verflucht die Schwerkraft… immer mit einem Blick auf die Hydraulikanzeige der Bremse, der Temperaturanzeige der Ladungskühlung, etc. und hofft, dass durch die Bremsung eben nicht irgendeine sch… Melone hinten eine Kiwi platt gemacht hat und der Kunde deshalb die ganze Kiste zurückgehen lässt… Ist der Ausschuss zu hoch, bist Du nämlich gaaaaanz schnell Deinen Job los.

    Was das Problem vieler Überengagierter Fahrer ist, sie peilen den automatischen Temporegler nicht. Die Kunst ist es, die Tachonadel beim Überholen knapp unter 90 zu halten. Kommst Du drüber, bremst die Elektronik Deine Fuhre nämlich automatisch auf 80 zurück! Und dann hängst Du eeeeewig neben dem, den Du eigentlich nur mal kurz überholen wolltest (und eigentlich auch konntest…)

    Letztens erlebt in Geesthacht (Schleswig Holstein):
    Abfahrt von der 404 richtung City…. Ich wartete im Touri brav hinter einem 7,5er Uralt Abschlepper, der einen schrotten Bulli hinten drauf hatte darauf links abbiegen zu können. Von rechts näherte sich ein 30 Tonner mit ca. 60 Km/h und der Volldepp vor mir FÄHRT!
    Schon beeindruckend, wie sich so ein Führerhaus nach unten bewegen kann, wenn der Fahrer voll in die Eisen geht! Ich glaube, nicht nur ich hielt die Luft an!
    Was folgte war eine imposante Verfolgungsjagd quer durch die Stadt, denn der Actros Fahrer schien wild entschlossen, dem Abschlepper ein par Handfeste Argumente für sein Fehlverhalten zu liefern… und schaffte es schließlich auch, auf einem Supermarktparkplatz. Hätt ich mal die Cam dabei gehabt 🙂

    Aaaaaaaber,
    ansonsten bin ich voll und ganz Deiner Meinung! Big Actros is watching you….. and waits! 😉

    Gruß
    Touri

    • Sandmann says:

      Oh ja,

      über die Blödheit nicht nur von Brummifahrern, sondern auch von allen anderen Verkehrsteilnehmern könnte ich ROMANE verfassen! Hab ich ja teilweise schon, blinken und so…
      Liegt es eigentlich daran, dass ich älter werde und mein Fell nicht mehr so dick ist oder werden die Leute im Straßenverkehr jedes Jahr ein bisschen bescheuerter?
      Und wenn das so sein sollte, liegt das an unserer allgemeinen Volksverblödung oder der vorgetäuschten Sicherheit der Assistenzsysteme?
      *grübel*

      Sandmann

  5. Daemonarch says:

    Ich fahre momentan einen Tiefladerzug für Baumaschinen, mit teilweisem Gesamtgewicht bis zu 50 Tonnen.
    Zum Glück hat die Zugmaschine über 500ps, Abstandstempomat, Automatikgetriebe etc.

    Dennoch ist es erstaunlich, was einige sich beim fahren so denken, überholen wollen in Baustellen, wo die Baggerkette nen halben Meter zu jeder Seite raussteht, dann wild rumhupen wenn man zur Sicherheit beide spuren dichtmacht…
    Auf einer Auffahrspur mit dem 7,5 Tonner stumpf von der Seite draufhalten, wärend ein scharfkantiges Raupenschild zur Seite raussteht, kein Problem…

    Ich wünschte, es gäbe viel mehr Hirn in dieser Welt, und es würde benutzt!

    • Sandmann says:

      Da bin ich komplett bei dir.
      Ich bin inzwischen weit davon entfernt, jeden dritten Autofahrer irgendwie „erziehen“ zu wollen, die lernen das sowieso nicht. Inzwischen schwimme ich lieber im Straßenverkehr mit, bin ein freundlicher zuvorkommender Mensch und tu keinem mehr was. Kommt ganz gut. Auch für den Blutdruck, man ist ja nicht mehr der Jüngste 😉

      Sandmann

  6. Markus1975 says:

    Ay Jens

    Bluthochdruck im Straßenverkehr? Ich doch nicht. Hehe
    Der steigt eigentlich nur, wenn meine Frau wieder irgendetwas in meinen Augen verkehrt macht. Allso fast alles. 😉
    In der Zeit wo ich noch am Steuer war…fies warmer Tag, die Lüftung ( was ist ne Klimaanlage?) auf volle Pulle und ich gondel mitten durch Rickling. Die Gegenspur zugeparkt und da zieht doch ein 7,5 Tonner raus um selbige zu überholen. Dabei war ich auf freier Fahrt eingestellt. DRECK!!!
    Rückwärtsgang rein und ab dafür. Nicht das ich gejagt wurde, ich wurde eigentlich „geschoben“. Am Steuer ne´Frau. Was habe ich geflucht. Als sie dann an mir vorbeifuhr, streckte sie mir die Zunge raus. Ich war völlig daneben und habe nur noch gelacht. Dabei natürlich das obligatorische „doofe Kuh“.
    Aber mit einem Lächeln. 😉

    V8 mäßige GRüße

    Markus der fast nicht´s gegen LKW-Fahrer hat

    • Sandmann says:

      Das ist ungefähr vergleichbar mit den Wintermonaten, an denen verspätete Teenager auf unbeleuchteten Fahrrädern bei Starkregen über rote Fußgängerampeln fahren und sich wundern, warum ich sie fast über den Haufen fahre. Und mich dann auch noch anpöbeln!!!

      Wenn ich nicht so ein superruhiger Typ wäre…

      Sandmann 🙂

  7. SeinekleineSchwester says:

    Ich hab deinen Artikel ja schon vorher verstanden, darum hasse ich auch fahren auf der Autobahn, aber heute früh mußte ich wieder an ihn denken.
    Als nämlich 5 (in Buchstaben f ü n f) Große Lastwagen auf der Strecke von B77 Auffahrt Rendsburg bis zum Kanaltunnel (was sind das 5 km?) hintereinander hergefahren sind 🙁 Die haben die fast die komplette Strecke abgedeckt! *kreisch* Zum Glück konnte ich sie IM Tunnel dann hinter mir lassen, BEVOR sie mit Elefantenrennen und Ähnlichem angefangen haben, DAS konnte ich nur im Rückspiegel bewundern 😉

    Die unbeleuchteten Fahrräder hab ich dann übrigens auf dem letzten km bis zur Arbeit, kurz vor dem Fußgängertunnel. Im Winter unbeleuchtet, auf der Straße und zu dritt nebeneinander, da helfen auch die vermeindlichen Lotsen nicht mehr. Hab zum Glück einen Weg gefunden, die zu umgehen, das spart Nerven, auch wenn der Weg etwas länger ist 😉
    Verständnisvolle Grüße von seiner kleinen Schwester

    • Sandmann says:

      Beste Kleineschwester,

      ha! da waren sie also wieder 😀
      Vor den genannten Fahrrädern gruselt mir im Winter schon wieder. Im Sommer bin ich ja nicht so spät unterwegs, dass es dann schon dunkel ist. In meinem Alter geht man ja etwas früher ins Bettchen, man ist nicht mehr der Jüngste 😉
      Na ja… außer vielleicht gestern, als ich von der Hochzeit einer Freundin in Niedersachsen noch nach Kiel zurück gefahren bin. Auf der Autobahn sind zum Glück selten Fahrräder.

      Sandmann

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