Design – oder nicht sein?

Das ist hier die Frage.

Ich muss kurz meinem Neuzeit-Frust Luft machen. Mit ein paar Gedanken über die Autos, die mich so im Alltag umgeben. Natürlich rein subjektiv! Ausgelöst durch ein einige eigentlich nicht nennenswerte kleine Begebenheiten. So wollte ich vorgestern aus dem rundgelutschten silbernen Golf eines Kumpels einige Unterlagen mit seinem Schlüssel holen und bemerkte erst nach Minuten des vergeblichen Probierens, dass ich am falschen Fahrzeug stand. Gestern Mittag bekam ich einen spontanen Weinkrampf, als an der Ampel ein alter Fiat Multipla vor mir zum Stehen kam und heute früh winkte ich fröhlich dem silbernen Skoda der Mutter einer Freundin meiner Tochter und erntete verwunderte Blicke. Es war der falsche Skoda. Was ist mit den Autos los? Die sehen ja immer gleicher aus, und immer hässlicher!!!

Ich mag nicht der erste sein, dem das auffällt und bestimmt auch nicht der erste, der darüber etwas schreibt. Aber ich muss es JETZT loswerden.

Die Designer der neuen Generation schleifen kantenfreie belanglose Gähn-Mobile aufs Zeichenbrett und heraus kommen erschütternd unspektakuläre Opel Agilas oder Micras oder Getz oder Kotz *argh*. Fahrzeuge, die einem die Schamesröte in das Gesicht treiben, wenn die Tochter fragt, was denn da vorne an der Ampel steht. Wenn vor 20 Jahren mal ein Auto von hinten nicht sofort zu bestimmen war, war es meistens ein Japaner. Heute kann es alles sein. Ein Euro-Auto, brav, es bringt einen CO2 sparend von A nach B und das soll es ja auch. Kein Wunder, wenn eine kein Benzin im Blut habende Verkehrsteilnehmerin auf die Frage, was sie denn für ein Auto fahren würde, antwortet: „Ein blaues„. Klar. Der Rest ist doch ohnehin überall gleich.

Oder das Design entgleitet ins andere Extrem, Geschmack spielt keine Rolle, hauptsache anders und auffällig. Vergessen wir Komfort, Ergonomie und Übersichtlichkeit und ergehen wir uns in „New Edge“ Excessen. Verstecken wir Scheinwerfer wie bei Honda hinter großen formatfüllenden Verblend-Scheiben und verkleben schwülstige Plastik-Poschis, die jeden Parkrempler zwar schlucken, wenn sie aber dann doch reißen gleich 50% des Autos verbeulen. Wo soll denn das noch hinführen?

Ich habe mich daran gewöhnen müssen, dass die klassische Stufenheck-Limousine vielleicht aussterben wird. Dass SUVs und Alleskönner die neue moderne Patchworkfamilie zufrieden stellen und dass durchgestylte Kleinstwagen die neuen Geschenke für die Tochter zum Abi sind. Auch wenn sie ein bisschen unter den Achseln kneifen.

Ich habe mir parallel abgewöhnt, mein Altglas versehentlich durch das offene Schiebedach eines geparkten Twingo zu kippen. Ich versuche nicht mehr, meine Wertstoffsäcke in Smarts zu drücken in der Hoffnung, dass gleich alles zusammen recycled wird. Und schon lange werfe ich meine Briefe nicht mehr in gelbe Cinquecentos mit geöffnetem Fenster… Aber mal ehrlich, was hier auf den Straßen unterwegs ist grenzt doch teilweise an geschmackliche Körperverletzung. Und einige davon verkaufen sich auch noch richtig gut. Farbe? Schlicht. Es gab eine Zeit, da erntete man anerkenndende Blicke, wenn man sagte: „Ich fahre einen Chevy.“ Das ist vorbei. Seit im Zuge der Europäisierung mit dem Matiz ein Chevrolet vom Format eines durchschnittlichen Reservereifens produziert wird, häufen sich die Krankmeldungen. Weil man sich beim Einsteigen auf den Fahrersitz an der Beifahrertür den Ellenbogen aufgeschlagen hat. Na gut.

Nein, ich weiß, über Geschmack kann man nicht streiten, und die Automobilbranche reagiert letztendlich auf den Wunsch der Kunden. Vielleicht finde ich das ja umso erschreckender. Oder werde ich alt? Ist mein Auto „retro“? Also wer mir zuwinkt der meint auch mich. Und man muss nicht die vier Ringe suchen, um mein Auto zu identifizieren (okay okay ein schlechtes Beispiel, weil wenige die Modellbezeichnung V8 kennen). Aber man findet die vier Ringe trotzdem. Und klaut sie brutal vom Kühlergrill. Wenn ich die erwische!!! Wann wird schon mal ein Nissan-Schild gestohlen? Lästig.

Wissen Sie, was ich jetzt mache? Ich beruhige mich ein wenig, nehme dann zum Kaffee meine Herztabletten wieder regelmäßig ein und setze mich in meinen Audi V8. Dann fahre ich entspannt nach Hause, freue mich über das, was ich habe und akzeptiere einfach, dass es Menschen gibt, die auch bei Autos andere Prioritäten setzen als ich. Ist das nicht wahnsinnig tolerant? Und wenn das nächste durchdesignte 3-Liter-Plastik-Auto in den Turbulenzen hinter mir schlingert, sich dreht und am Straßenrand auf der Seite liegend havariert biete ich dem verstörten Besitzer meine Hilfe an und versenke das Wrack bei mir zu Hause in der gelben Tonne. Glückauf.

Sandmann

Ich habe mir parallel abgewöhnt, mein Altglas versehentlich durch das offene Schiebedach eines geparkten Twingo zu kippen. Ich versuche nicht mehr, meine Wertstoffsäcke in Smarts zu drücken in der Hoffnung, dass gleich alles zusammen recycled wird. Und schon lange werfe ich meine Briefe nicht mehr in gelbe Cinquecentos mit geöffnetem Fenster… Aber mal ehrlich, was hier auf den Straßen unterwegs ist grenzt doch teilweise an geschmackliche Körperverletzung. Und einige davon verkaufen sich auch noch richtig gut. Farbe? Schlicht. Es gab eine Zeit, da erntete man anerkenndende Blicke, wenn man sagte: „Ich fahre einen Chevy.“ Das ist vorbei. Seit im Zuge der Europäisierung mit dem Matiz ein Chevrolet vom Format eines durchschnittlichen Reservereifens produziert wird, häufen sich die Krankmeldungen. Weil man sich beim Einsteigen auf den Fahrersitz an der Beifahrertür den Ellenbogen aufgeschlagen hat. Na gut.Nein, ich weiß, über Geschmack kann man nicht streiten, und die Automobilbranche reagiert letztendlich auf den Wunsch der Kunden. Vielleicht finde ich das ja umso erschreckender. Oder werde ich alt? Ist mein Auto „retro“? Also wer mir zuwinkt der meint auch mich. Und man muss nicht die vier Ringe suchen, um mein Auto zu identifizieren (okay okay ein schlechtes Beispiel, weil wenige die Modellbezeichnung V8 kennen). Aber man findet die vier Ringe trotzdem. Und klaut sie brutal vom Kühlergrill. Wenn ich die erwische!!! Wann wird schon mal ein Nissan-Schild gestohlen? Lästig.

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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9 Responses to Design – oder nicht sein?

  1. flohdaniel says:

    Erstaunlich das noch kein einziger Kommentar hier steht. Wobei ich deinen Beitrag für echt wichtig halte. Es gibt heute kaum noch „coole“ Autos zu kaufen. Vermutlich auch ein Grund, warum jeder Hampel mit Geld sich ein dickes SUV ala BMW X5 vor die Tür stellt. Wenn man schon nicht mehr mit schickem Design auffallen kann, dann wenigstens mit Übergröße.

    Die Tendenz, das sich Familien ach so praktische „Hochdachkombis“ wie den Renault Kangoo kaufen, spiegelt doch nur die Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit der Menschen wieder. Ich habe bis heute nicht verstanden wozu man 60cm Kopffreiheit benötigt, dafür aber das Risiko eingeht mit seiner geliebten Familie in Gefahrensituationen einfach mal eben umzukippen….

    • Sandmann says:

      Ay flohdaniel,

      der Grund, warum hier die Kommentare fehlen könnte sein, dass ich diesen bericht aus meinem Autobildblog zurückgeholt habe und da damals schon diskutiert wurde. Aber das Thema ist und bleibt aktuell, deshalb ja 🙂
      Ich bin ganz deiner Meinung…..
      Vor allem habe ich das Gefühl, heute sind besonders Kleinwagen nur noch auf Design um jeden Preis aus. Ich verliere den Überblick. Jeder Hersteller hat zig Modellvarianten im Programm, wenn das so weitergeht musst du bei der Ersatzteilbestellung nicht mehr nur das Baujahr angeben, sondern den Baumonat oder gar den Bautag. Das geht mir alles zu schnell, und vieles davon sieht echt scheiße aus.

      Vor meiner Tür steht neben dem V8 nun ein alter Daimler. Ein sehr unaufgeregtes, kantiges Ding, aus dem Vollen gefräst, sicherlich nicht wirtschaftlich aber nahezu unzerstörbar. Diese Ideologien fehlen mir. Ist das mein Alter? Muss ich mir einen Modelleisenbahnkeller anlegen, um vor dem Hier und jetzt zu fliehen…?

      Sandmann

      • flohdaniel says:

        Schau mal, sogar Audi baut mittlerweile Modelle so, das man den A1 nicht mehr vom A6 im Rückspiegel unterscheiden kann. Vorne der gefräßige Monstergrill, Rest rundgelutscht. BMW ist da zwar noch schlimmer… Aber das übelste sind echt die Kleinwägen. Opel Agila, Suzuki Splash, Cuore, Matiz, Nemo….zum schreien!

        Ich hoffe das es in ein paar Jahren, wenn ich Geld für ein neues Auto habe (fahre im Moment Opel Astra Cabrio, das ist zwar nicht zeitlos schön, aber als Auto erkennbar) noch Fahrzeuge auf dem Gebrauchtmarkt gibt, die ich mir leisten kann und wo man sich nicht für schämen muss.

        Den 190er finde ich übrigens, sofern er unverbastelt ist, auch heute noch sehr cool!

        • Sandmann says:

          Ay flohdaniel,

          für die Unterstellung, mein Daimler sei ein 190er habe ich dich schon im dies betreffenden Blog lang gemacht 🙂

          Du bist ja noch einen Schubbs jünger, von daher freut es mich umso mehr, dass du meine Ansichten über das Plastikdesign der Wegwerfgeneration teilst. Bah, was für Schlurren. So lange es noch andere Alternativen gibt werde ich sie fahren, und hey – je älter ich werde desto eher kann ich sie mir leisten 😀

          Das Astra Cabrio ist doch gerade erst wieder in der Auto Bild Classik zum Youngtimer mit Potenzial gekürt worden, oder? Ach nee, das war der E-Kadett, sorry. Aber ist ja ähnlich. MUSS man nicht mögen, aber viel preiswerter kann man glaube ich nicht offen fahren, oder?

          Also lehn dich zurück – es wird in den kommenden 50 Jahren IMMER bezahlbare Alternativen zur Neuwagenwelt geben. Bevor du dir wie so viele andere einen A6 für 35.000 Euro finanzierst überlege mal, was du dafür an geilen alten Autos anschaffen kannst! Ha!!

          Sandmann

  2. Marco says:

    So langsam nehmen die Ähnlichkeiten erschreckende Ausmaße an. Nicht nur, dass wir beide eine alte Limousine mit vier Ringen im Grill pilotieren, nein, auch ich kam nach einem WC-Besuch in einer amerikanischen Burgerbratbude zurück auf den Parkplatz und zog wie irre am Türgriff eines silbernen Golf 5, wunderte mich, warum der abgeschlossen war. Dann schaute ich über das Dach auf den daneben stehenden identischen Wagen, in dem sich meine Familie fast nass machte vor Lachen.

    Früher erkannte ich im Dunkeln das hinter mir fahrende Fahrzeug an den Scheinwerfern. Heute werde ich blind, da mein Rückspiegel nicht automatisch abblendet, wenn der Bi-Xenon-Driss darauf trifft.

    Ich erkenne aktuellere Automodelle auch im Hellen schon lang nicht mehr. Es sei denn, sie heben sich durch extreme Hässlichkeit vom Einheitsbrei ab. Wie, auch, wenn sich immer mehr Firmen zusammentun und ein und den selben Wagen unter 10 verschiedenen Bezeichnungen der jeweiligen Hersteller auf den Markt werfen.

    Wir sind Dinosaurier (Scheiße, ich bin noch nicht mal 40). Und das ist auch gut so.

  3. Marco says:

    PS: Hier fehlt das „lass dich über weitere Kommentare per Mail benachrichtigen“-Plugin.

    • Sandmann says:

      Bester Marco,

      aber solange ich noch Autos mit klaren Formen und einem Charakter bewegen kann, mach ich das einfach. Sollen sich die Leute heute doch aufschwatzen lassen was sie wollen. Kein Wunder, dass die Therapeuten heute so viel zu tun haben, ich glaube ja, dass alte Autos entspannen und GLÜCKLICH machen. Neue bringen dich nur von a nach b.

      Aktuell treibe ich ja den alten W124 260E als Winterauto über die Bahn. Baujahr 1988, 800 Euro und gebaut für die Ewigkeit! Klare Kante 🙂

      Wegen der Mailbenachrichtigung… ich arbeite noch an einem sauberen RSS Feed, aber wenn du in meiner Facebook Gruppe Sandmanns Welt bist, bekommst du die neuen Artikel immer mit. Und die alten auch manchmal 😉

      Sandmann

  4. Marco says:

    Neue Beiträge bekomme ich durchaus mit. Es geht um die Benachrichtigung, wenn weitere Kommentare eingehen zu einem Beitrag in dem ich auch kommentiert habe. So eine Bequemlichkeitsding halt.

    260 E .. eine gute Wahl. Hörte letzten Winter auch vermehrt von BMW 750 iL der alten Baureihe E32, die sich hervorragend als Winterhure machen sollen und trotz oder gerade wegen des Heckantriebs in Kombination mit der satten Leistung des Zwölfenders eine Menge Freude bereiten sollen. Vielleicht probiere ich das diesen Winter mal aus, die Karre kosten ja auch nichts mehr …

    • Sandmann says:

      Ay nochmal Marco,

      der 750IL ist eine sehr gute Wahl. Der war immer mein Favorit, neben dem XJ12, ist aber in der Tat sehr sehr preiswert und robust! Also wenn man im Leben mal einen 12Zylinder gefahren haben will, dann wird es wohl nie wieder so preiswert sein wie heute!

      Sandmann

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