Essig auf Vanille-Eis

Ne Menge Most

Ne Menge Most

Was macht man, wenn man nach einem kompletten Auto-Overload am kommenden Tag aufwacht und erstmal runterkommen muss? Essig und Käse. Vielleicht auch in einer anderen Reihenfolge, schauen wir mal. Tatort ist noch immer Norditalien, Emilia Romagna, nach so viel Terra di Motori soll unser versprengtes Journalistengrüppchen heute mal ein wenig in die einheimischen Ernährungsmanufakturen reinschnuppern. Kochen wie bei Mutti, Sandmann also nicht mit PS, sondern bei den Kühen. Cool. Ich bin bereit.

Dabei hat alles so harmlos angefangen 🙂

W-LAN ist Mangelware

W-LAN ist Mangelware

Es ist nicht das erste mal, dass ich ohne Netz und doppelten Boden unterwegs bin. Das ansonsten komfortable und gemütliche Hotel verlangt pro 24 Stunden freche und nicht mehr zeitgemäße 16 Euro fürs Internet!!! Bei der Telekom habe ich mir gestern schnell noch eine Europa-Wochenflat mit 200MB Datenvolumen dazu gebucht, die waren aber schon am gestrigen Abend aufgebraucht 🙄 Hey – aber wenn ich mich auf meinem Balkon weit über die Brüstung lehne bekomme ich das Gratis W-Lan von Modena angezapft. Cool. Das muss man den Italienern ja lassen, sie sind verschuldet und korrupt, aber die Innenstädte haben W-Lan. Also schnell noch ein paar Bildergalerien auf Facebook hochladen und dann ab in den Frühstücksraum!

Guten Morgen!

Guten Morgen!

Hört mir auf mit Kuchen und süßen Croissants am frühen Morgen 🙁 Das mag hier ja eine Tradition sein, aber ich brauche anständige Nahrung. Fleisch. Mindestens. Mit einem kleinen Kaffee und einem Zuckerhörnchen komme ich nicht mal bis auf die Treppe vorm Hotel, aber das scheint man hier eingeplant zu haben. Der Tisch ist besser bestückt als beim Abendmahl vor 2000 Jahren, und voller Erwartung auf den heutigen Tag futtere ich unter Beimengung von reichlich Kaffee mit Crema eine Menge des traditionellen Schweinefleisches in meinen mit wenig Schlaf bedachten Körper. Burps. Mal sehen, wann es wieder etwas gibt, aber wie ich Simona und Steffi verstanden habe brauchen wir uns um die Verköstigung hier wenig Gedanken machen…

Schreiber in der Mosterei

Schreiber in der Mosterei

Schauen Sie mal 😀 Das ist unser kleines Grüppchen nebst Simona, der italienischen Reiseführerin und daneben unserem Busfahrer Marco. Bei Meister Pedroni nahe Modena erfahren wir nun, was es mit dem Aceto Balsamico Traditionale auf sich hat! Essig? Ja genau, der dunkle, den es für ein paar Euro beim Aldi gibt und der ganz gut auf dem Salat schmeckt. 🙂 NEIN! Eben nicht der. Der heißt nämlich nicht „Traditionale„, diese Bezeichnung bekommt nur der traditional gereifte Essig, und das dauert mindestens 12 Jahre. Einmal im Jahr wird er in einer Fässchen-Batterie aus verschiedenen Hölzern und in verschiedenen Größen von einem ins nächste umgefüllt, bis dieses Cuvée seine Reife erzielt hat. Mann, riecht das hier gut… irgendwie leicht mostig und süßlich.

SO sieht er dann aus

SO sieht er dann aus

Wenn in der Emilia Romagna ein Sohn geboren wird, wird ihm auch immer eine Aceto Batterie angelegt. Bei seiner Volljährigkeit erhält er dann den süßen Traubenmost, entweder als Kapitalanlage oder zum wegwürzen in den nächsten Jahren. Also – es gibt auch 25 Jahre alten Aceto! Und wer diesen zähflüssigen Saft einmal probiert hat, wird nie wieder den Aldi Aceto kaufen. Er ist mild und süß, man schmeckt ihm sein Alter an und er hat eigentlich nur einen einzigen Haken – 100ml kosten zwischen 45 und 60 Euro. Dafür gibt’s ihn aber auch in einem Glasfläschchen von Giugiaro 🙂 Und wenn Sie noch nie so der Freund von Essig waren – mit diesem Balsamico werden Sie es. Zum Mittag bekocht uns ein kleines Team aus Köchen mit Schweinefleisch, Salat und Gemüse, und auf alles kleckern wir einige Tropfen von dem schwarzen Gold. Es ist zuckersüß und gibt dem pikant gewürzten Schnitzelfleisch eine sagenhafte Note.

Das muss probiert werden

Das muss probiert werden

Da wir heute nicht mehr Auto fahren müssen (Marco chauffiert uns in einem komfortablen Sprinter durch die Gegend) gibt es auch ein lecker Weinchen dazu, natürlich in Maßen. Perligen frischen Weißwein oder spritzigen roten Lambrusco, der hier aus der Region kommt und mit der billigen Knallbrause in Deutschland nichts mehr zu tun hat. Aber ich bleibe trotzdem bei einem Schlückchen vom Weißen, draußen zieht es sich zwar ein bisschen zu, ist aber sommerlich warm. Das passt. Zum Dessert gibt es selbstgemachtes Vanille-Eis, und raten Sie mal, was uns dazu empfohlen wird? Essig! Dunklen Balsamico über süßes Eis. Sie ahnen nicht einmal im Ansatz, wie unfassbar delikat diese seltsame Mischung ist!

Gedanken...

Gedanken…

Heute ist noch nicht zu Ende. Heute Nachmittag besuchen wir noch die Parmesan-Käserei des Klebebildchenkönigs Umberto Panini, der auch ganz nebenbei eine stattliche Privatsammlung von Maseratis aller Baujahre vorzeigen kann. Aber dazu morgen mehr. Jetzt blicke ich erst einmal verdauend über das frühlingsgrüne weite Land, denke an liebe Menschen zu Hause in Deutschland und frage mich, warum man nicht öfter eine Auszeit in Italien nimmt. So weit ist es nicht. Und das Leben ist irgendwie einfacher hier, zumindest wenn man als Gast kommt. Sonne, entspannte Menschen, gutes Essen. Irgendwie muss ich das noch in mein Leben integrieren, irgendwie habe ich da noch was offen…

Na denn, in der nächsten Geschichte geht es um Milchkühe, Käse und Maseratis 🙂

Sandmann

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

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23 Responses to Essig auf Vanille-Eis

  1. Snoopy says:

    Lecker… jetzt habe ich Hunger auf Essen und Italien…

    • Sandmann says:

      😀

      Na da sagst du was, Snoopy…..
      Seit ich wieder da bin ernähre ich mich fast ausschließlich von Kalbsschnitzel in Balsamico. SOWAS köstliches! Und mit meinen Kindern habe ich auch schon Pasta selbst gemacht (das wurde uns bei einem Show-Cooking beigebogen, das kommt auch noch als kleiner Blog), aber der Zeitaufwand und der anschließende Zustand meiner Küche hat die paar leckeren Nudeln nicht gerechtfertigt. Nächstmal kaufe ich die wieder, aber frisch 🙂

      Und ne Wurst haben die da!!!!! Ach – ich will wieder hin. Kochst du eigentlich öfter mal selbst? Kochen die anderen? Auch Männer, sagt man, sollen ja ab und an wahre Wunder in der Küche vollbringen…

      Sandmann

      • El Gigante says:

        … höchstens vor Wut! 😀

      • bronx says:

        Ich koche auch gern selbst. Unsere Jungs ebenso.
        Herzhaftes, Krustenbraten oder ähnliches. . .
        Bei Tortellinis oder Pasta versage ich allerdings kläglich. DAS kann nur meine bessere Hälfte 😉
        Italienisch mag ich ja sowieso 😀

        • Sandmann says:

          Ay Bronx,

          ich mache ein ganz hervorragendes Wiener Schnitzel, sagt man mir nach 🙂 Und ich werde immer besser, immerhin bekoche ich meine Kinder liebevoll, und mein halbfinnisches Fräulein Altona ist immer entzückt, wenn ich selbständig Essensvorschläge präsentiere und die dann auch umsetze…..

          Krustenbraten….. hm… ist schon wieder Mittag, mein Magen knurrt, ich sollte da mal was gegen unternehmen….

          Sandmann

          • bronx says:

            Wiener Schnitzel? Sprechen wir hier von der flachen Variante mit dem Ei drüber? So heißt das jedenfalls hier. Dafür kann ich mich auch erwärmen. Am besten mit Erbsen, Salzkartoffeln und dunkler Soße. . .
            Vorschläge mache ich auch gern und . . . meine Beste setzt sie dann bestens um 😀
            Dann wären da noch Rouladen und . . . ja,

            Mittag 😉

            • El Gigante says:

              … doch, doch – ich kann das wohl… ich habe dazu aber wirklich niiiiie Zeit! Mir fehlt einfach die Ruhe und die Muße dazu. Mein Leben ist total ausgefüllt – eigentlich sogar ÜBERfüllt – mit anderen Sachen.

              El

            • Sandmann says:

              Ay Bronx,

              mit EI??? Äh… maximal in der Panade. Ich spreche von dünnem Kalbfleisch, leicht paniert und kurz in Butter angebraten. Dazu klassisch Kartoffelsalat mit Essig, Gurken und Öl 🙂

              Erbsen, Kartoffeln und dunkle Sauce sind ja eher die gutbürgerliche Variante, die kommt im Winter besonders gut. Oder Rouladen mit Rotkohl und Klößen… verdammt… ich muss mir mal dringend was zu Essen machen…

              Sandmann

              • El Gigante says:

                … jetzt gleitet dieser Blog ab zur Kochshow.

                „Sandmanns Bocuse“???

                🙂
                El

              • bronx says:

                Jo, mit Ei. In der Panade natürlich auch. Aber siehst Du, so unterschiedlich sind die regionalen Bezeichnungen.
                „Amerikaner“ und „Berliner“ sind ja auch ein und dasselbe Gebäck. Nur, verlange mal hier im Brandenburger Land beim Bäcker einen „Berliner“. Günstigstenfalls bekommst Du Unverständnis, ansonsten eine „Predigt“ 😉
                Aber ich lass das jetzt lieber sein. Sonst entfaltet sich El noch mehr. 😀

                Bronx

                • Sandmann says:

                  Ay Bronx,

                  ich komme gut klar mit Sandmanns Bocuse 😀
                  Aber sag mal – ein Berliner und ein Amerikaner sind da, wo ich herkomme NICHT das gleiche. Der Berliner ist fluffig, pudrig und mit Marmelade gefüllt und heißt (meine ich) bundesweit auch so. Der Amerikaner ist flacher, ein wenig fester, ohne Marmelade und mit Zuckerguss UNTEN drunter. Zumindest in Niedersachsen und Schleswig-Holstein 🙂 Ist das bei euch anders…?

                  Kulinarische Grüße

                  Sandmann

  2. bronx says:

    Hey Sandmann,

    jo, ist hier in der Tat anders. Warum? Ich weiss es nicht. War schon immer so.
    >Sandmanns Bocuse<, gefällt mir 😉 Ausbaufähig! Bronx

    • El Gigante says:

      Tag, ihr Internet-Bioleks,

      auch ich kenne >Berliner< und >Amerikaner< so, wie es >Sandmanns Bocuse< erklärt! Aber für einen Hauptstädter ist ja ein Brötchen 'ne >Schrippe< oder 'n >Schusterjunge< (wenn's ein dunkles Brötchen ist), ein Hähnchen 'n >Broiler< , 'ne Gurke eine >Järtnawurscht< , ein kleines Baguette ist bei ihm 'n >Knüppel< , gebratene Blutwurst (UUÄÄÄRG!) nennt er >tote Oma< . Wenn er >Knast< hat - meint er Hunger, wenn er Durst hat, will er >löten< (am liebsten 'ne >Molle< = Bier oder >Pilzsuppe< ) aber bitte keinesfalls >Pullabrause< (abgestanden). In seiner >Stammtanke< oder >Destille< (der Gaststätte, in die er immer geht) >pfeift< er sich vielleicht 'ne Portion >Moppelkotze< (Kartoffelsalat oder Fleischsalat mit Mayonnaise) oder >Pampe< (Kartoffelbrei) rein (er isst!) - was im Zusammenspiel mit 'ner >Qualmtüte< (Zigarette) hinterher 'nen ziemlichen >Mundpup< (Mundgeruch) ergibt. Den spült er mit 'nem >Schnäpperken< (Schnaps) einfach weg oder haut 'ne >Aule< in die Botanik . Dann bestellt er sich mit seinem >Stullenbrett< (Smartphone) 'ne >Droschke< , putzt sich mit der >Rotzfahne< den >Schlangenfraß< aus der >Rotzbremse< und muss aufpassen, dass er nicht in 'ne >Tretmine< vor der >Waschmaschine< (Bundeskanzleramt) latscht. Und jetzt stellt euch das mal als >Pfannkuchen mit Beene< (=kleiner, dicker Mensch) vor! Ich brauch' erstmal 'n >Futschi< (Cola-Weinbrand, Mixgetränk). Ich schmeiss' mich grad weg! Wisst ihr eigentlich wer >Graf Kacke< ist? 😀 El

      • Sandmann says:

        Ay El,

        😀 wundervolle Abhandlung zu regionalen Eigenarten in den Bezeichnungen 😀 😀 😀

        Will ich wissen, wer Graf Kacke ist…? Will ich das wirklich? Ich denke noch nach 😉

        Sandmann

      • bronx says:

        Lass raus! Wer ist es?

        Anmerkung: eine Gurke (ne Jurke) ist hier auch ein „Cottbusser“ (frei nach der bedrückend faden Stadt), die dort ansässigen werden denn auch meist als „Jurkenköppe“ betitelt 😀

        Die Droschke ist typisch Berlin, genau wie die „Elektrische“ 😉

        Herrlich auf den Punkt gebracht, deine Sammlung.

        Bronx

        • El Gigante says:

          Na Bronx, det musst du als Balina doch kennen:

          Graf Kacke ist jemand, der vornehm tut oder sich benimmt, als wenn er etwas besser gestellt ist oder viel Geld besitzt!

          El

          • bronx says:

            Hätt‘ ich mir ja denken können 😉

            Nee, hier heißt das „Lord Ka**e“. Das hängt aber mit einer, in den siebzigern, überaus populären Radiosendung zusammen, welche vom RIAS (Rundfunk Im Amerikanischen Sektor) ausgestrahlt wurde. Der Typ in der Sendung nannte sich Lord Knud und gab (auf symphatische Weise) den welterfahrenen, offenen Lebemann 😉 Im Osten hörten ohnehin alle den RIAS, in Berlin war das ja quasi nebenan und Montags wurden dann die aufgenommenen Schlager (Kassette!!) unter einander getauscht!
            Verrückte Zeiten. . .

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