Hakuna Matata

Die Dame bittet zum Tanz

Die Dame bittet zum Tanz

Dieses Leben treibt einen durch die Welt, einige mehr, andere weniger. Hey, ich war schon mal in Braunlage im Harz. Cool? Ja, auch. Okay, ich war auch schon im Norden bei den Wikingern, im Süden bei den Malern und im Westen an der mexikanischen Grenze. Ich treibe mich gern rum. Aber in Afrika war ich noch nie. Warum auch? Es ist sprichwörtlich tierisch teuer, da hin zu kommen und es ist nicht ganz ungefährlich. Da gibt es Tiere, die einen mit einem Haps komplett vertilgen. *burps* Sagt man. Allerdings….. hm….. also ich kenne einen Diplomaten in Ostafrika 🙂 Warum besuchen wir den denn nicht mal zum mwaka mpya, wie das neue Jahr auf Suaheli heißt? Ja, warum eigentlich nicht? Folgen Sie mir nach Kenia, zu großen und kleinen wilden Tieren, alten und neuen Autos und dem stellvertretenden Botschafter für Somalia.

Eine lange Reise beginnt diesmal mit….. nein, nicht gleich mit dem Flug, sondern mit einem Diaprojektor.
Der Weihnachtsbaum ist noch nicht abgeschmückt, und bald sollen das halbfinnische Fräulein Altona, das viertelfinnische Sandmädchen und ich in einen Flieger steigen, der uns in ein ganz fernes Land bringen wird. Alle Horrorgeschichten über Afrika sind gelesen und bekannt, alle notwendigen Impfungen getan. Viel war nicht nötig, denn unser Ziel Nairobi in Kenia gehört nicht zu den ausgewiesenen Gefahrengebieten mit Gelbfieber oder Malaria. Da ich alter Arztmuffel aber seit 20 Jahren keine Impfungen mehr bekommen habe, gab es für mich gleich die volle (bitte privat zu bezahlende) Packung: Mumps, Masern, Röteln, dazu Diphterie, Tetanus und Polio. Ein wenig Hepatitis A und noch irgendwas, was ich mir nicht gemerkt habe. Yes. Wenn ich in den nächsten Tagen ums Leben komme darf man mich nicht beerdigen, dann muss man mich entsorgen. Egal. Buenos Dias:

Dias gucken.

Dias gucken.

Die ziemlich coole Tante meines halbfinnischen Fräulein Altonas ist 1966 auf dem alten Flughafen von Nairobi gelandet und hat es da und in Mombasa ziemlich krachen lassen. Die Frau ihres Neffen, also die Frau des Cousins der Mutter meines viertelfinnischen Sandmädchens (können Sie noch folgen?) hat uns freundlich und fröhlich vier große Diamagazine aus dieser Zeit nach Hamburg geschickt! Und bei einem guten Gin Tonic mit Zitrone auf Eis stimmen wir uns in der Dunkelheit, dem Regen und der Kälte auf das Land ein, in dem es selten regnet und niemals kälter als 12 Grad wird.
Dias. Wann haben Sie zuletzt Dias geguckt? Ich glaube bei mir war das im Gemeindehaus von Plön, Anfang der 90er, eine Jungscharfreizeit nachbereiten. Das Rauschen des Lüfters und das KLACKKLACK des Magazinschlittens sind mir noch sehr vertraut, aber irgendwie hat man irgendwann aufgehört, Diafilme zu machen, zu entwickeln, zu rahmen und auch zu gucken. Dabei ist das so ein schöner Event 🙂 Wir ziehen 50 Jahre alte durchleuchtete Bildchen mit Elefanten, Giraffen und Zebras durch den wärmenden Kasten. Außerdem sehen wir gut gekleidete Menschen am Strand von Mombasa, im mondänen Hotel „Whispering Palms„. Der Retro-Sucher in mir googelt umgehend das gezeigte Etablissement, vielleicht kann man 50 Jahre später mal ein paar Bilder nachstellen? Nein. Kann man nicht. Das Whispering Palms ist einem verheerenden Feuer zum Opfer gefallen. Doof. Oder goofy, wie der Kenianer sagt.
Nun – derart eingestimmt finden sich die drei Reisenden am nächsten Abend in einer Emirates Boeing 777-300 wieder, schlafen die nächsten fünf Stunden nicht und kreisen am nächsten frühen Morgen bei schillernder Dunkelheit über Dubai.

Dubai Dubai Duuuuuu

Dubai Dubai Duuuuuu

Wohl wahr, das ist schräg für meine kleine Welt. Dubai, DAS Dubai. Da ist man nicht jeden Tag, und der preisgünstigste Flug machte erstaunlicherweise diesen leichten Schlenker in den Osten. Zeitverschiebung Nummer 1, nach 5 Stunden mehr oder weniger schlaflosem Rumsitzen auf Sesseln ohne Beinfreiheit (für einen 1,90m großen Norddeutschen) ist es jetzt irgendwann mitten in der Nacht, drei Stunden später als in Deutschland. Ich bin müde. Zwar habe ich endlich mal die Minions gucken können, aber die Aussicht auf weitere 5 Stunden Aufenthalt in der aufstrebendsten Stadt in den Vereinigten Arabischen Emiraten (mit ebenso müdem und unausgeschlafenen Kind wohlgemerkt) bevor es weitergeht sind nun nicht endgültig erhellend. Womit bezahlt man hier eigentlich? Forinth? Schäkel? Ich fächel mir mit drei Essensvouchern der Fluggesellschaft Luft zu, obwohl grad erst die Sonne aufgeht ist es schon recht warm. Hat hier irgendjemand noch eine Winterjacke an? Hubs? Alte Gewohnheiten, schließlich ist Silvester und es hat gefälligst kalt zu sein. War es auch grad noch. Ist es jetzt aber nicht 🙂 Na gut, der Flughafen in Dubai ist wie jeder andere Flughafen auch, außer dass hier ein paar mehr Männer mit hellen Tüchern um den Kopf rumlaufen und die Uhren an den Wänden von Rolex sind. Man zahlt hier übrigens in Dirham oder in US-Dollar, wie ich beim Erwerb eines ekeligen Pappesandwiches mitgeteilt bekomme.

Jeder eben wie er kann.

Jeder eben wie er kann.

Der schlaflose Anschlussflug trägt uns von Dubai wieder schräg runter nach Kenia, eben ging es drei Stunden nach vorn, jetzt wieder eine zurück. Das viertelfinnische Sandmädchen ergibt sich kurz nach dem Start einer süßen Ohnmacht auf dem Sitz zwischen ihren übermüdeten Eltern, aber hey – draußen ist es schön hell, 10 Kilometer unter uns ist eine Menge Wüste und Savanne und ich komme in den Genuss des neuen Mad Max Films Fury Road, den ich nicht ganz verstanden habe, aber vermutlich darf ich nicht immer eine Story suchen oder vermuten. Unterhaltsam. Und noch während ich wie in einem Fiebertraum eine kalte Cola mit arabischer Schrift auf der Dose in mich hineinlaufen lasse und meine abgestorbenen Beine unter den Sitz meines Vordermanns falte landet die Boeing in Nairobi. Die Menschen an Bord klatschen (geht das hier vielleicht nicht immer so glatt?) und stauen sich erst in Richtung Gangway, dann in Richtung Shuttlebus und dann vor den Arrival Gates. Hakuna Matata sagt man hier. Das bedeutet wörtlich „keine Sorgen“ oder frei interpretiert so viel wie „Nimm es mal ein bisschen locker, alles wird gut„. Wir sind einigermaßen wach, draußen ist es glaube ich so um die Mittagszeit und das Thermometer zeigt 29 Grad. Krass. Alle Koffer tauchen unerwartet auf dem Gepäckband auf, unsere Visa werden anerkannt und vor dem Flughafengebäude steht nicht nur ein hier völlig deplatziert wirkender Weihnachtsbaum, sondern auch der stellvertretende Botschafter für Somalia.
Hello Africa, tell me how you doin‘ …

Weihnachten ist überall

Weihnachten ist überall

Sie müssen sich unseren Gastgeber in der ehemals britischen Kolonie Kenia nun nicht britisch-elegant-unnahbar vorstellen. Nur weil man Diplomat ist heißt das noch lange nicht, dass man sich wie ein britischer Lord im Parlament verhalten muss 😉 C.Resch (er heißt eigentlich Christian, aber wir nennen ihn schon immer C. Resch) und seine Frau nebst den beiden Kindern sind vor gut drei Jahren aus Berlin hier rübergesiedelt, weil das ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amts nun mal alle paar Jahre machen muss. Er muss in anderen Ecken dieser Welt stationiert sein und mit diplomatischem Geschick auswärtige Dinge regeln, in Deutschland läuft der Laden ja einigermaßen. Also… zumindest besser als in vielen anderen Ländern. Wie gut, wenn man da seine Familie und sein ganzes möbeliges Inventar mitnehmen kann und im Häuschen mit Garten auch noch ein Gästezimmer für seine Freunde übrig hat. Genau da kommen wir jetzt mit unseren Koffern an, müde und neugierig, und immer wieder sage ich leise und staunend vor mich hin „hey…. ich bin in Afrika!„….

Mit einem Benz vor der Tür

Mit einem Benz vor der Tür

Die Bundesrepublik und ihr Auswärtiges Amt setzen bei ihren Vertretern in nicht ganz so sicheren Ländern ein paar Standards voraus, an die ich mich erst noch gewöhnen muss. Hohe Mauern und uniformierte Security am Stahltor. Ein Gärtner. Eine Nanny für die Kinder und eine Köchin. Alles herzensgute Menschen, die quasi zur Familie gehören, trotzdem finde ich das sehr sehr ungewohnt, kaum etwas selbst machen zu müssen. Das Essen steht auf dem Tisch, die Koffer werden reingetragen. Später möchte man auch noch unsere Wäsche waschen. Ich fühle mich ein bisschen wie in den 20ern und bin erst entspannt, als ich erfahre, dass die Angestellten für kenianische Verhältnisse sehr gut bezahlt werden.
Der offizielle Dienstwagen von C.Resch ist ein fabrikneuer, hochbeiniger weißer Nissan Patrol in der „Army“-Ausführung. Den gibt es so in Deutschland nicht, den dürfte man bei uns so gar nicht zulassen 😀 Army bedeutet: nackt und muskulös. Keine Airbags, keine Teppiche, kein Schnickschnack. Nur ein dicker 4.5 Liter Diesel mit mageren 130 PS 🙂 Kein Speed, nur Kraft. Der rechtsgelenkte Geländeklotz war ein Ladenhüter und stand drei Jahre im Verkaufsraum, deshalb gab es ihn mit 0 Kilometern für knapp 20.000 Euro. Aber das ist eine andere Geschichte. Der Privatwagen des Botschafters sollte entsprechend robust und schön billig sein und durfte gern eine gewisse Coolness verströmen. Ein Mercedes-Benz W123 aus den frühen 80ern, 200er Benziner und einigermaßen fahrbereit, außen weiß und innen blau, zusammengeflickt im Bamako-Style, keine 2.000 Euro wert (hier). Der passt dem ansonsten mechanisch eher unerfahrenen Enddreißiger mit der Nickelbrille gut.

Das Botschaftsmobil

Das Botschaftsmobil

Und automobile Liebe macht keinen Halt vor Kontinenten. Auf meiner Mitbringliste aus Deutschland standen dann auch für dieses geliebte Transportmittel drei Ersatzteile, die in Nairobi nicht zu bekommen sind: Neue Nummernschildleuchten hinten, neue Halter für die Sonnenblenden (in Blau bitte) und eine neue Sternenplakette für den Kühler. Die unter dem eigentlichen Stern. Da ist der Vorbesitzer mal irgendwo gegengebumst und die ist abgesprungen. Die ungezählten Menschen, die in grauer Vorzeit das blaue Lenkrad in den Händen hielten haben den jetzt 35 Jahre alten rechtsgelenkten Daimler immer am Laufen gehalten, aber nicht wirklich geschont. Zierleisten sind angeknickt, ein Radlaufchrom fehlt gänzlich, untenrum franst alles etwas bräunlich aus aber trotzdem verströmt der stuttgarter Millionenseller eine Zuversicht wie ein seit 30 Jahren nicht betretenes deutsches Wohnzimmer. Der Tacho zeigt 123.000 Kilometer, geht aber nicht mehr. Der Motor läuft, die Bremsen bremsen und der Unterboden ist noch nicht so durchgerostet, dass die Achsen rausfallen. Hakuna matata.

Nun strahlt er wieder

Nun strahlt er wieder

Finden Sie es verrückt, an so einem klapperigen durchgerittenen Benz zu allererst den abgefallenen Stern zu erneuern? Ja? Dann klicken Sie bitte weiter zu den Webseiten von Auto, Motor und Sport oder der Oldtimer Markt, da bekommen Sie handpolierte fass-mich-nicht-an Exponate. Das hier ist eine funktionierende Alltagskarre, und die braucht nun mal einen Stern 🙂 Ich lerne: Beim 123er muss der Kühlergrill vom umrahmenden Metall entfernt werden, um diese Plakette anbringen und sichern zu können. Passt, wackelt nicht. Die Damen nehmen derweil einen Espresso auf der Veranda – und wir haben noch ein paar sehr wichtige Herrentaten zu tun an diesem ersten Abend in Afrika. In Afrika 😎 Zum Beispiel eine Probefahrt mit dem neuen Stern, ich möchte mir den Motor einmal anhören und einschätzen, ob der Wagen in fünf Tagen einen 200 Kilometer Roadtrip zum Lake Naivasha schafft. C.Resch traut sich das eigentlich nicht, aber wir alle UND das Gepäck in dem Nissan… nein, das wird zu eng. Ein kleiner Ritt zur Haustanke könnte ein bisschen Aufschluss geben über den allgemeinen technischen Zustand des Benziners, außerdem können wir dann gleich noch eine afrikanische Künstlerkolonie besuchen und Gin und Tonic für heute Abend kaufen. Alles Männersachen. Also los.

Alles langsam angehen lassen

Alles langsam angehen lassen

Links einsteigen, wenn man nicht selbst fährt ist immer wieder ein bisschen ungewohnt 😉 C.Resch lenkt den kommoden Barock-Benz durch die Vororte von Nairobi. Das ist also Afrika. Ich kann es noch immer nicht so richtig glauben. Während in Deutschland Eisregen niedergeht und alle in Dunkelheits-Depressionen verfallen sitze ich im leichten Hemd schwitzend in einem alten Auto und fahre durch die Hauptstadt von Kenia. Alles ist bunt, verstaubt und provisorisch. Am Straßenrand tummeln sich fliegende Händler in kleinen, zusammengebastelten Geschäften für dieses und jenes, es werden Töpfe, Möbel, Autos und geröstete Maiskolben verkauft. Der Verkehr staut sich 24 Stunden am Tag, Verkehrsregeln scheint es zu geben, aber eigentlich fährt man einfach drauflos und bremst, wenn einem jemand auf der eigenen Spur entgegen kommt. Hakuna matata. Und irgendwie funktioniert das. Die Geschwindigkeit wird durch unfassbar brutale Bumper auf den Hauptstraßen geregelt, wer die mit mehr als 10 km/h nimmt verliert in dem Moment die Federbeine, den Auspuff und die Hinterachse. Höchst effizient, aber sagenhaft unökonomisch. Denn alle fahren mit Vollgas an die Bumper ran, bremsen dann stark, holpern drüber und treten wieder durch. Andere Länder, andere Sitten.

Kunst und Kunst

Kunst und Kunst

Kunst ist Ansichtssache, hier in Ostafrika ist sie sehr bunt, sehr expressiv und erstaunlich teuer. Den Overkill des Oberbegriffes „Kunst“ in Form einer Übernachtung auf dem Gelände der Glasbläserei Kitengela sollen wir aber noch erleben, bleiben Sie dran 😉 Nach der Künstlerkolonie cruisen wir ein bisschen weiter zur diplomatischen Stammtanke, und ich erfahre noch ein bisschen mehr über die Sitten im Verkehr dieses Landes. Kenia geht es vergleichbar gut, es gibt eine Infrastruktur und zumindest hier in Nairobi erstickt man nicht in Plastiktüten und Müll. Aber die Cops sind durch und durch korrupt, was ein riesen Problem ist. Sie stehen überall am Straßenrand und winken Einheimische und Touristen in ihren Autos raus. Verkehrskontrolle. Und irgendwas finden sie immer. Um sich freizukaufen zahlt man mindestens 10.000 Kenianische Shilling, das sind rund 100 Euro. Weigert man sich, kommt man vor Gericht und es wird dreimal so teuer. Immer. Und diese Kontrollen finden Wochentags ungefähr alle 5 Kilometer statt, auf allen Hauptstraßen. Es gibt nur zwei Wege, sich dem zu entziehen. Entweder man fährt einfach weiter und hofft, dass die Herren zu träge sind, um einen im dichten Stadtverkehr zu verfolgen (denn DANN hat man ein veritables Problem) oder – man hat ein Nummernschild mit CD drauf. CD steht für Corps Diplomatique und gewährt dem Halter und seiner Familie Immunität. Das kann man gut oder schlecht finden, jedenfalls wird man mit so einem Nummernschild, auch wenn es an einem rappeligen alten Daimler hängt, nicht von den Cops angehalten. Das dürfen die nämlich nicht. *hach* noch so ein geiles Privileg 😎

Liter Super 75 Cent. Verdammt.

Liter Super 75 Cent. Verdammt.

Volltanken wie vor 30 Jahren!
Der freundliche Mitarbeiter kommt ans Fenster und fragt, wie viel Benzin oder Diesel man haben möchte. Dann rüsselt er rein und lässt laufen. Und lässt laufen. Und laufen. Irgendwann macht es *klick*, der Tank ist voll und der nette Mann dampft mit der Kreditkarte ins Office. C.Resch teilt auf seinem Smartphone die getankten Liter durch die gefahrenen Kilometer, wird ein bisschen blass und fragt mich, ob er einen Denkfehler gemacht hätte. Ich tippe die Zahlen ebenfalls ein und bekomme auch 19,8 Liter auf 100 Kilometern raus :roll: Das ist definitiv zu viel für die 2 Liter Vierzylindermaschine, Vergaser hin oder her. Okay, es könnte daran liegen dass der Daimler immer nur die vier Kilometer bis zur Deutschen Botschaft und wieder zurück tuckert und es morgens hier noch relativ frisch ist. Wir werden das auf dem Weg nach Naivasha mal verifizieren, da geht es über Land. Und bei einem Literpreis von knapp 80 Cent für Superbenzin ist selbst dieser Verbrauch hier und heute keine Vollkatastrophe. Aber komisch ist es schon. Räuchert der Sternenkreuzer nicht auch ziemlich dunkel beim Beschleunigen? Hm. Dabei hat der Heinz, der österreichische Hausmechaniker von C.Resch hier in Nairobi, doch gerade erst den Vergaser eingestellt? Fragen über Fragen. An vier Verkehrskontrollen vorbei kommen wir bei der Mall an.

Einkaufen in Kenia

Einkaufen in Kenia

Wenn Sie noch nie in Afrika einen Wochenendeinkauf getätigt haben – stellen Sie sich einfach einen deutschen Supermarkt über zwei Ebenen vor. Oben gibt es Non-Food, also Klamotten, Küchenutensilien und Gartengeräte, unten essbaren Krams. Früchte, die ich noch nie gesehen habe. Fleisch von Tieren, die ich nicht essen möchte. Verschiedene lokale Köstlichkeiten wie Kaffee, Gemüse mit lustigen Namen und dem Aussehen von Spinat und immer wieder zwischendurch erfreulich bekannte Dinge wie Kinderschokolade, Nutella oder Kellogg’s Smacks 😉 Grundnahrungsmittel sind billig, alles andere – besonders Alkohol – kostet richtig viele Shilling! Kein Wein unter 10 Euro. Eine Dose Tusker Bier für 1,60. Eine Blechdose mit englischen Quality Street Pralinen für 30 Euro? Klar. Oder lieber Ferrero Rocher für 25 Euro? Äh. Nein. Grün gekleidete Mitarbeiter tummeln sich vor jedem Regal und an jeder Ecke, der Laden hat faktisch mehr Angestellte als Kunden. Geht das auf? Ja. Eine Hilfskraft verdient hier in Vollzeit, wenn sie gut bezahlt wird, rund 300 Euro im Monat. Eine Zweizimmerwohnung in der Nähe der Kibera Slums kostet 80 Euro im Monat. Irgendwie geht es also. Wir bunkern diverse Lebensmittel für heute Abend, eine Kiste Tonic und den kenianischen Gin Gelbey’s, der direkt in Nairobi hergestellt wird und einem großzügigen Bombay Sapphire in nichts nachsteht. Einpacken? Wird für uns gemacht, zwei Angestellte stapeln die erworbenen Waren in Tüten und Kartons, packen alles vorsichtig und in sinnvolle Gruppen geordnet (Kühlware, nicht Kühlware und Obst) in einem großen Einkaufswagen, rollern den zum Auto und packen da alles wieder ein. Das ist ganz normal. Hakuna matata.

Überall wird mit angefasst

Überall wird mit angefasst

Der alte Herr aus Stuttgart geht ganz schön in die Knie, als alles drin ist. Trinkwasser kauft man hier besser in großen Flaschen, genau wie in Südeuropa auch. Was in Nairobi aus der Leitung kommt ist zwar ganz okay und offensichtlich sauber, das wechselt aber von Tag zu Tag und mehr als Zähne putzen sollte man damit nicht. Während der Diplomat den Kofferraum zuwirft checke ich nochmal das Öl und das Wasser. Ersteres ist okay, letzteres zeigt sich ortstypisch ein wenig wüstig. Da fehlt was. Das müssen wir unbedingt noch nachkippen, bevor wir nach Naivasha aufbrechen. Aber so ein Daimler läuft auch mit dem Nötigsten.
Für einen ersten Abend habe ich schon ziemlich viel erlebt, und das waren bisher nur alltägliche Dinge. Aber eben in…. Afrika! 🙂 Wenn das so weitergeht weiß ich gar nicht so recht wann ich das alles aufschreiben soll. Jetzt geht’s erstmal ab nach Hause, im Garten ist schon das Plantschbecken gefüllt.

Das reicht für ein paar Tage

Das reicht für ein paar Tage

Wie haben Sie denn so Ihren Silvesterabend verbracht?
Meiner steigt auf einer Terrasse in Kenia, zwischen lustig piependen Vögeln und Palmen. Nairobi ist ziemlich dicht am Äquator, und wer den legendären (und echt witzigen) Tierfilm „Die Wüste lebt“ kennt wird sich an den Spruch „Die Nacht fällt“ erinnern. Rumms. Genau so ist es, ich habe das nie in seiner ganzen Dimension verstanden. Um 18:40 Uhr sitzen wir noch entspannt in der Abendsonne, um 18:50 Uhr beginnt die Dämmerung – und um 19:00 Uhr ist es stockdunkel 😀 Mücken? Weniger als in Deutschland. Allerdings frischt es gegen 21:00 Uhr immer ein bisschen auf, so dass die Gesellschaft sich dann gern mal an den offenen Kamin im Wohnzimmer zurückzieht…

Einen Gin auf 2016

Einen Gin auf 2016

Wir lassen den Hinweg und den ersten Tag noch einmal Revue passieren, und die beiden erwachsenen Reisenden merken, wie wahnsinnig müde sie der lange schlaflose Flug gemacht hat. Und wir gehen am Silvesterabend um…. 23:00 Uhr schlafen 🙂 Das ist 21:00 Uhr in Deutschland, aber das stört auch keinen, denn geböllert und gefeiert wird in Kenia sowieso nicht nennenswert. Kein Sekt, kein Dinner for One. Und das am nächsten Morgen ist dann also das neue Jahr 2016. Fein. Es gibt sicherlich blödere Orte als Ostafrika, um das neue Jahr zu begrüßen. Was mag es uns bringen?
Was die nächsten Geschichten bringen werden kann ich schon einmal andeuten. Sind Sie schon mal in Nilpferdscheiße getreten? Weil die ledrigen Teile zusammen mit Zebras knurzend durch Ihren Garten laufen? Haben Sie schon einmal Giraffen gefüttert und mit Elefanten gekuschelt? Ich kann noch einen Sonnenaufgang am Ufer des Lake Naivasha anbieten, eine Safari mit Büffeln und Antilopen, ein Besuch von Karen Blixens Farmhaus für das authentische Jenseits von Afrika Gefühl und eine Nacht in einem wirklich spooky Glashaus mit Hängebrücke, Affenangriff und einem eingebuddelten Plymouth. Das neue Jahr wird jeden Tag ein bisschen verrückter hier in Afrika. Nicht viel Autokrams. Mehr so … na ja Afrika!!!! Aber Hakuna matata 🙂 Haben Sie bis hier hin Fragen über diese wundervolle Gegend? Wünsche? Wir lesen uns. Bald…..

Sandmann

 

HIER geht es weiter zu Elefanten und Giraffen 🙂

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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8 Responses to Hakuna Matata

  1. SteffenG sagt:

    Hi Sandmann,

    da bin ich doch glatt mal neidisch! Afrika ist ein besonderer Kontinent, fast überall freundliche Menschen und eine Mentalität, die für uns Deutsche doch sehr, naja, anders ist.
    Das Phänomen der „fallenden Nacht“ finde ich auch immer wieder überraschend. In der Abendsonne eine Flasche Wein entkorkt, beim ersten Schluck findest Du das Glas schon nicht mehr…
    In Südafrika hat uns das auch mal überrascht. Dort sollte man sich als Weißer nicht unbedingt ohne Schutz in der Öffentlichkeit aufhalten. Wir haben uns dort eine Pizza auf dem Signal Hill gegönnt, als es schlagartig dunkel wurde…

    Deine Frage nach der Währung in Dubai ist verhältnismäßig unlustig – sollten Dir da Schäkel aus der Tasche kullern, kann Dir die Einreise verweigert werden! Ich habe immer etwas geschwitzt, weil in meinem Pass auch ein israelischer Stempel war. Da sind die Jungs am persischen Golf etwas unentspannt.

    Viel Spaß!

    Steffen

    • Sandmann sagt:

      Ay Steffen,

      ja, ich hörte schon von anderer Seite, dass man in Dubai generell ein wenig vorsichtig sein sollte. Die haben ja auch noch die Todesstrafe… Na ich hab’s ja aufgeklärt 😉 Und auch gleich ein paar Münzen mit nach Kiel genommen, die passen prima in die Einkaufswagen hier.

      Leider gibt es glaube ich keinen nennenswerten kenianischen Wein. Ich habe heute zumindest keinen gefunden. Und auch Kaffee können die, trotz Karen Blixen, nicht wirklich gut. Da wird es schwierig, den Urlaub nachdieseln zu lassen. Aber Gin Tonic geht ja immer, und heute Abend fängt die neue Staffel vom Dschungelcamp an 😀

      Sandmann

      • SteffenG sagt:

        Tach!

        Joa, die jungs da auf der arabischen Halbinsel haben ihre Eigenarten.
        Sollte es Dich mal dorthin verschlagen, dann empfehle ich den Oman. Die mögen Deutsche und haben eine einzigartige Natur!

        Kenianer können keinen Kaffee? Die bauen doch aber an, oder?
        Wein ist im äquatorialen Klima sehr schwierig. Zu frühe Reife bei gleichzeitig wenig Wasser. Es gibt einige Wineyards, die sollen aber qualitativ eher Mittelmaß sein.
        Ich schwärme ja für Südafrikanische Weine. Vermutlich aus sentimetalen Gründen, auch wenn dort, aufgrund des Klimas, sehr hochwertige Weine erzeugt werden.

        Gin Tonic… da freue ich mich schon wieder auf die warme Jahreszeit! Auf der Terrasse einen schönen GT auf Eis!

        Schöne Woche!

        Steffen

        • Sandmann sagt:

          Ay Steffen,

          dass Kenia keinen Kaffee kann habe ich quasi zitiert. Tatsächlich werden die guten Kaffeesorten komplett exportiert, was du im Supermarkt zu normalen preisen kaufen kannst schmeckt eher mäßig. Ich frage mich, wie wohl der Kaffee geschmeckt haben mag, den Karen Blixen anbauen ließ…?

          Nach Wein aus der Region suche ich noch. Einen kenianischen Kaffee habe ich schon bei Heyck in Kiel auftreiben können, wie der schmeckt kann ich dir in den kommenden Tagen mal sagen 😉 Aber der einzige Wein aus Afrika, wie du schon sagst, scheint tatsächlich aus Südafrika zu kommen. Zumindest in den gängigen Weinhandlungen in Kiel. Ich mag den ja auch sehr, aber ich will mal einen aus Kenia……

          Wir haben einen Gin aus Nairobi mitgebracht. Mal sehen, vielleicht verköstigen wir den ja mal gemeinsam?

          Grüße, inzwischen wieder aus Hamburg

          Sandmann

  2. Bas sagt:

    Hallo,
    ich hatte mich schon letzte Woche gefragt wo das neue Titelbild entstanden sein mag – war ein guter Teaser 🙂
    Das Bild mit der Giraffe ist echt beeindruckend, dieser riesige Kopf und der Herr Sandmann – sehr schöner Größenvergleich, hat man ja sonst nie so direkt.

    Der 123er mit CD Kennzeichen dürfte heute auch einzigartig sein, gibt doch bestimmt keinen anderen deutschen Diplomaten mehr der noch so einen sympathischen Oldtimer bewegt. Aber 20Liter ist auch bei reiner Kurzstrecke für einen 200er wirklich reichlich viel… ob da noch alle Leitungen und Dichtungen ganz sind?

    Im deutschen Südwesten fängt dieser Tage erst der Winter mit Nachtfrösten und kratzen an, da kommen solche Berichte aus dem warmen gerade richtig :).
    Vielen Dank dafür, und gute Reise!

    • Sandmann sagt:

      Ay Bas,

      jahaaaaa ♫ hinter dem Benz oben auf dem Titel erstreckt sich die lange Ebene, der „Graben“, über den Finch Hatton und Karen in „Jenseits von Afrika“ im Flugzeug geflogen sind 🙂 Aber dazu gibt es natürlich auch noch eine schöne Geschichte, am Wochenende bau ich mal Teil 2.

      Giraffen sind wundervolle Tiere. Das auf dem Bild ist eine Rothschild Giraffe mit Namen Eddie. Auch dazu noch mehr. Die sind wirklich riesengroß und sehr anmutig *schwärm*

      Leitungen und Dichtungen vom 123er sind okay. Ich denke dass die Gemischmenge nicht ganz korrekt ist (er räuchert auch nicht schlecht hinten raus, so als Benziner), und über Land (eben zu jener Ebene) hat das Auto wesentlich weniger verbraucht. Ohne das CD Nummernschild bist du in Nairobi echt am Arsch. Mal gucken wie es mit dem Auto weitergeht…..

      Grüße aus dem scheißkalten Kiel und wir lesen uns!
      Sandmann

  3. Pico24 sagt:

    Sehr Cool!! Interessanter Bericht und cooles Auto!

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