Über den Dingen

Zimmer mit Aussicht

Zimmer mit Aussicht

Der Tag ist noch jung, die Nacht ist noch fern. Mein Arbeitsplatz liegt heute ein paar 100 Meter oberhalb von Barcelona, mein Laptop liegt auf einem viel zu großen Bett vor einer offenen Tür zu einem Balkon mit Blick auf ein Lichtermeer. Hinter den Augen drückt es noch ein bisschen, das liegt wohl an gestern Abend. Nein. Ich kann fast noch „vorhin“ sagen. Kommen Sie mit? Der Job mit den Autos geht heute erst um 17:00 Uhr los, vorher habe ich noch ein bisschen Zeit. Zeit für zu viel Gin, Zeit für einen Blick von oben nach unten, Zeit für Tina Dickow und einen Ausblick. Zeit für Ehrfurcht, Zeit für warme Sonne und Zeit für eine Badewanne.

Jede Reise, uns sei sie noch so kurz, beginnt mit einer ANreise.

Allein unter Hamburg

Allein unter Hamburg

Wenn Sie, warum auch immer, mit einem Flieger in Hamburg Fuhlsbüttel starten wollen, sollten Sie nicht direkt am Airport parken. Jedenfalls nicht, wenn Sie planen, den Wagen da länger als 10 Minuten stehen zu lassen, so ein Tag kann schnell teuer werden. Und bei drei Tagen auf der Piste übertreffen die Parkgebühren ratz fatz den Preis des Billigfliegers 🙂 Eine einzige S-Bahn Station entfernt sind ein Haufen kostenfreie Parkflächen ins Grün asphaltiert worden, direkt neben dem Ohlsdorfer Friedhof. Hier ist es schön ruhig. Hier ist der Regen irgendwie ein bisschen wärmer und in nur drei Minuten wähnt sich der Reisende mit seinem von der Sonne (welche Sonne?) ausgeblichenen Rollköfferchen unter dem Flughafen. Ich Fuchs. Auf ein Taxi hatte ich heute keine Lust, und 1,50€ für die S-Bahn gegenüber 20€ für ein Taxi ab Altona lassen mir einen kleinen Spielraum für kontrollierte Nahrungsaufnahme an Bord. Sandmann soll mit Vueling fliegen. Nie gehört. Wühling? Fjuling? Vueling ist eine noch recht junge Airline und quasi die iberische AirBerlin. Ich ahne, dass ich also in meiner engen Sitzreihe mit Fensterplatz nichts reguläres zu essen bekommen werde, jedenfalls nichts für umsonst, und ich habe schon jetzt einen nennenswerten Hunger.

Ghost Tunnel Town

Ghost Tunnel Town

Gespenstisch leer hier. Was ist los? Was ist passiert? Sollte ich mal Nachrichten hören? Hm. Ich komme viel zu früh im Terminal an, bei Wühling haben die Check In Schalter noch nicht mal geöffnet. Spanier nehmen ihre Siesta weltweit sehr ernst. Später erfahre ich, dass ich mit dem flatterigen Farbausdruck in meiner Tasche schon eine Bordkarte besitze und dank Handgepäck einfach hätte zum Gate stapfen können 🙁 Aber egal, ich treibe mich gern auf Flughäfen rum. Dieses geschäftige Hin und Her der vielen bunten Menschen rührt mich an. Fröhliche Tränen der Wiedersehensfreude fließen direkt neben traurigen Tränen des Abschieds, zwischendrin wimmeln gut gekleidete Geschäftsmänner und -Frauen mit wichtigem Blick auf dem Weg in die Business Lounges. Ah. Billigflieger. Nix Lounge. Ich lunger nach dem Security Check auf den ordinären Kunstledersesseln am Gate rum und lese die Boulevardblätter, die ich nebenan bei Lufthansa gemopst habe. Über das Gratis W-LAN von Turkish Airlines erzähle ich der Welt und allen anderen, die es gar nicht wissen wollen, dass ich jetzt in Richtung dieser 1,6 Millionen Einwohner Stadt im Süd-Osten von Spanien aufbrechen werde. Viel Arbeit, viel zu schreiben und zu fotografieren – aber trotz allem eine kleine Auszeit von dem grauen, kalten Regen in Hamburg und Kiel, der seit 10 Tagen niedergeht, als solle die Welt absaufen. Hinter mir lachen Menschen. Neben mir weinen Menschen. Klasse.

Ciao Hamburg. Raus aus der Kälte.

Ciao Hamburg. Raus aus der Kälte.

Der hanseatische Niederschlag klatscht respektlos an die Scheiben des Airbus, in den man irgendwie noch 10 Sitzreihen zusätzlich eingebaut hat. Jedenfalls bekomme ich meine Beine nicht vernünftig hinter den Sitz des Vordermannes. Eigentlich passen die da GAR nicht hinter. Super. Gegenüber steht ein Flugzeug von Cunni Lingus Airways (ich muss diesen flachen Kalauer einfach bringen, sorry) und färbt das Grau des Tages mit ein wenig Grün. In Barcelona wartet Philips auf mich. Oder zumindest irgend jemand von Philips. Die Damen und Herren aus Holland stellen seit nunmehr 100 Jahren Leuchtmittel für Kraftfahrzeuge her und wollen einmal demonstrieren, wie sich das nächtliche Spektrum des sichtbaren Bereichs vor einem Auto zwischen 1914 und 2014 verändert hat. Von der Carbid-Lampe zum Matrix LED Scheinwerfer. Ich bin aufrichtig gespannt, was da kommt und blättere eingeklemmt und voller Vorfreude in der Speisekarte. Eine Pizza und ein Fläschchen Rotwein für zusammen 13 Euro? Hey. Ein unerwartetes kulinarisches Schnäppchen. Irgendwo 10.000 Meter über Nordfrankreich wird mir später eine 8cm breite mikrowellenerwärmte Teigpfütze zusammen mit einem 0,2 Faustino serviert. Meine Sitznachbarin sieht meinen Blick und fängt hysterisch an zu lachen. Gut, dass ich mit der S-Bahn und nicht mit dem Taxi zum Flughafen gefahren bin, jetzt tut das finanziell nicht ganz so weh. Der Hunger bleibt.

Spanien. Tatsächlich Spanien.

Spanien. Tatsächlich Spanien.

Spanien entschädigt für alles. Auch für das typische Aussteigen irgendwo mitten auf dem Rollfeld und das Zusammenpferchen in einem Bus zum Terminal. Es ist warm, es ist keine Jacke nötig. Und hey – es regnet NICHT. Wie lange habe ich dieses Gefühl denn schon nicht mehr gehabt? 🙂 Schön. Eventuelle Havarien am Lost & Found vor Ort entfallen, da ich nur leichtes Handgepäck dabei habe. Ein paar Socken, ein paar Höschen, Zahnbürste, Bargeld, Kamera und Laptop. Mehr braucht es doch nicht, wenn man eingeladen wird, oder?
Hach und guck. Ich sehe am Ausgang nicht nur ein Schild mit meinem Namen drauf, ich sehe auch einen Mann im besten Alter, etwas verlebt, langsam ausgehende Haare und irgendwie seltsam grinsend. Helge Thomsen, der alte Petrolhead von Motoraver und GRIP ist auch aus Hamburg angereist. Wir kennen uns noch von einer Grillerei auf Sankt Pauli, lesen gegenseitig sporadisch unseren Kram im Netz und haben ansonsten nicht die gleichen Freunde. Helge polarisiert ein wenig. Mir hat er nichts getan, und es ist gut, auf unbekanntem Terrain jemanden in der Nähe zu haben, der noch ein bisschen autobekloppter ist als man selbst.
Nach etlichen Serpentinen in einem schwarzen Vito durch die Dunkelheit kommen wir im Hotel La Florida in den Bergen über Barcelona an. Wow. Zimmer Nummer 409. Fahrstuhl mit mechanischem Stockwerkzeiger und einem BING ♫. Ein Bad mit Wanne und Marmor, ein Bett und…. argh….. ein Balkon. Und was für ein Balkon. Das raubt mir ein bisschen die Sinne:

Zimmer mit Horizont

Zimmer mit Horizont

Ich bin wieder einmal froh, dass ich hier nicht als objektiver Journalist auflaufe, sondern als der Typ von der TRÄUME WAGEN und von MERCEDES BENZ, dem es gut gehen soll und der was gezeigt bekommen soll, was ihn interessiert. Primär alte Autos, gern mit Stern. Schon damals, als Blogger in San Diego, wurde ich mit so viel Luxus umschmeichelt, dass objektive Berichterstattung gar nicht möglich war 🙂 Aber deshalb waren wir damals auch nicht da, und heute ist das nicht anders. Ich will coole Fotos in schönen Gegenden von gut beleuchteten alten und neuen Autos. Und ich will mit den Autos fahren! Und wenn das morgen auch nur ansatzweise mit so guten Horizonten weitergeht wie mit dem von meinem Balkon hier oben – dann nehme ich ein paar feine Geschichten mit zurück nach Deutschland.
Ich könnte einfach nur so hier rumstehen und gucken. Die Minibar leertrinken und gucken. Die Erdnüsse wegfuttern und gucken. Einfach nur gucken. Himmel, ist das ein schöner Anblick von hier oben, und laut meinem großen Töchterchen (die während ihrer Studienfahrt hier war) ist das da unten im Gewühl nicht weniger schön. Aber da soll es erst morgen Abend hingehen, nach der Arbeit. Heute ist Anreisetag. Heute ruft nur noch die Bar unten im Erdgeschoss. Und wohl irgendwann das Bett.

Tanqueray No 10, sagt man. Und Rosmarin.

Tanqueray No 10, sagt man. Und Rosmarin.

An der Bar, an der Bar, ja ♫ was machen die da?
Einfache Antwort: Gin Tonic verköstigen. Mir wurde in klaren Worten mitgeteilt, dass meine Annahme, Bombay Sapphire Gin sei die qualitative Spitze des Eisberges, eine Fehleinschätzung der Tatsachen sei. Also lasse ich mich bewirten, ich glaube der Stoff hieß am Anfang Tanqueray No 10 und es waren ein paar Strapsel Rosmarin drin. Später gab es noch eine Variante mit irgendwelche Beeren. Interessant, was man alles in seinen Gin werfen kann, und jedes mal wird er noch leckerer. Interessant auch, wer sich im Laufe des Abends alles noch dazu gesellt. Offiziell geht der Event ja erst morgen los, aber wir Germans und ein paar andere sind schon heute da. Also aus jetziger Sicht gestern. Die meisten internationalen Pressevertreter kommen morgen, also entgeht denen der Gin. Die anfängliche Runde startet (in order of appearance) mit Tim, Kai, Helge und mir. Später stößt Andreas dazu, von dem wir hoffen, dass er später am Abend die Rechnung übernehmen wird. Charmant wird der Abend, als Hanna von Philips platznimmt und heute noch nicht weiß, was wir morgen noch alles für löchernde Fragen an sie haben werden 🙂 Eine Runde später sitzt Matthias, Senior Global Marketing Communications Manager von Philips, an unserer Seite und noch eine Runde weiter auch noch Thorsten, Marketing Manager Automotive DACH. Diese DACH Abkürzung kenne ich noch von meinem Navi 🙂 Er ist auch von Philips. Ich habe den Verlauf der Gin Runden mal in eine kleine Galerie gepackt… Mit Uhrzeit…

Die Sofas sind bequem und ich lerne eine Menge über die Möglichkeiten, die Gin einem so bietet. Unser Blick ruht auf einem Wasserfall draußen in der Lobby. In Hamburg wäre das jetzt einfach nur Regen, hier ist es eine künstliche Sintflut, der wie ein großes Loch im Dach in einer Art Innenhof an der Wand herunterfließt. Hoffentlich ist das so gewollt und nicht ein Rohrbruch im 5. Stock, weil jemand es nicht abwarten konnte, die Badewanne vollaufen zu lassen. Mit fortschreitender Uhrzeit erweitert sich das Bewusstsein der Anwesenden auf das Wahrnehmen derartiger Designexzesse. Irgend jemandem fällt auf, dass die Nüsse in Ölsardinendosen serviert werden. Und die Baujahre der Autos, über die wir sprechen sinken mit dem Ansteigen des Hubraums der Motoren. Irgendwann ist mal Schluss. Morgen wartet ein langer Nachmittag, immerhin erst ein Nachmittag, und deshalb nehmen die übrig Gebliebenen einigermaßen gelassen den Fahrstuhl nach oben. Tim hat schon vor langer Zeit einen französischen Abgang gemacht. Schlau. Vielleicht kommt das Badewasser in der Lobby aus seinem Zimmer? Ich mache erst auf der Herrentoilette und dann noch im Fahrstuhl nach oben ein paar nur am Rande erwähnenswerte Bilder 🙂 Gute Nacht.

Feierabend

Feierabend

Das Bett ist kuschelig und riesengroß. Viel zu groß, um allein drin zu liegen. Meine Ladies, die große wie die kleinen, fehlen mir. Jede einzelne 🙁
Ein permanentes, leichtes Tuten erweist sich nach ein wenig investigativem Umherirren als die Außenluft, welche von der nicht abschaltbaren Klimaanlage (ich hasse das) durch die Balkontür nach drinnen gesaugt wird. Na gut – schlafe ich eben bei offener Balkontür, und es tutet nicht mehr.

Mit Gänsehaut zitiere ich meine große musikalische Liebe Tina Dickow aus Dänemark, die da singt:
The dark is falling and the city fills with lights
Cars like shining pearls on strings
moving through the emptiness of night
The wine is running to my head
I’m spellbound by the moment
can’t get up, can’t find the strength to go to bed
Without you
Thank God for this beautiful view

Ein Zimmer mit Aussicht. Oh ja. Draußen sind nur 5 Grad, ja, auch in Südspanien kann es kalt sein, aber meine Bettdecke wärmt angenehm. Die Wasserflasche am Bett entpuppt sich als kleiner Lebensretter in den Morgenstunden, und als es irgendwann hell wird muss ich mich erstmal sammeln. Lange schlafen konnte ich noch nie. Hinter den Augen drückt ein kleines bisschen der Gin. Aber ich gehe trotzdem (oder gerade deshalb) raus auf den Balkon uns sage dem neuen Tag hallo.
Hallo neuer Tag.
Was für ein sagenhafter Anblick, auch jetzt, wo die Lichter der Stadt nicht mehr leuchten. Lichter werden wir heute Abend ja noch genug zu sehen bekommen. Am Horizont schimmert das Mittelmeer, die aufgehende Sonne bescheint Türmchen, Kathedralen, Schornsteine und Schwerindustrie gleichermaßen und taucht alles in ein zauberhafte Farben, wie es nur in Südeuropa möglich ist.

Hallo neuer Tag!

Hallo neuer Tag!

Ich werde das Lied von Tina Dickow nicht los.

I need a room with a view
An armchair by the window
A cup of coffee and a cigarette or two
Watch the sky turn from hazy gray to black
Watch my neighbours go to work
and look exhausted and burned out when they get back
Thinking about you
Thank God for this beautiful view

Danke. Trotz eines leichten Hangovers finde ich das hier alles so wundervoll, dass der Tag eigentlich nur super werden kann! Bevor ich mich mit zwei nicht zu kapierenden Marmorhebeln in der Dusche streite atme ich noch einmal tief ein und versuche, das alles zu begreifen.

Über den Dingen, über den Bergen, über Allem.

Über den Dingen, über den Bergen, über Allem.

Die Sache mit den Marmorhebeln in der Dusche hat den Vorteil, das große Mengen kaltes Wasser auf mich niedergehen, bevor ich das Prinzip verstanden habe und Temperaturen über 35 Grad herstellen kann. Ich bin wach. Sozusagen glockenwach. Was bimmelt denn da? Da muss ich nachher noch mal schauen, steht hier oben etwa auch eine Kirche? Beim Frühstück lasse ich ein paar Liter guten, starken Kaffee in mich reinlaufen und halte mich primär an den Iberico Schinken. Der Spanier frühstückt gern auch mal süß, hier liegt eine Menge Kuchen und Naschkram zwischen allerlei frischem Obst rum. Damit ist mir um diese Zeit allerdings nicht geholfen 🙂 Ich will da raus. Ich sehe eine schnell steigende Sonne, die mich im Monat Januar mit totaler Begeisterung erfüllt. Und ich blicke noch immer von diesen Bergen runter auf Barcelona und das Meer. Sie dürfen mich heute mal beim selbstverliebten Sonnenbaden begleiten, ich nehme mir diese Überheblichkeit einfach raus, denn in den letzten Jahren gab es nicht so viele sonnige Momente. Loungige Couch draußen am Pool mit Blick über die Stadt? Check:

Sonne. Einfach nur Sonne.

Sonne. Einfach nur Sonne.

Ich hab ein bisschen verlernt, einfach mal nur so rumzuliegen.
Mir kreisen zu viele Gedanken im Kopf rum, zum Glück heute nicht die schlechtesten. Habe ich den zweiten Akku der Kamera am Netz? Ich glaube ja. Sollte ich noch ein paar mehr Szenen von schönem Wetter festhalten, womöglich gemeinsam mit mir, wie ich pathetisch auf den Horizont gucke? Auch. Wer weiß wann wir so einen blauen Himmel und so eine helle warme Sonne wieder zu sehen bekommen? Das Hotel scheint schon sehr alt zu sein, überall hängen alte Fotos an den Wänden, und die Architektur ist einfach traumhaft. Vermutlich wäre es möglich gewesen, sich ein wenig über das Gemäuer anzulesen, aber ich hatte nur Augen für die Autos…. Ich schlender rastlos eine Ebene tiefer vor den Außenpool, fläze auf den Stühlen rum und gucke dem munteren Treiben der grün gekleideten Gärtner zu, die hier wuseln wie die Ameisen. Anscheinend haben sie Anweisungen, nicht mit Gästen zu sprechen, ich bin quasi gar nicht da. Okay. Und es springt mich wieder diese Unruhe an, die ich während solcher beruflicher Reisen einfach nicht abschütteln kann. Egal wo ich bin, ob das Düsseldorf oder Barcelona ist, ob mein Blick über München oder Maranello schweift – ich bin ganz hibbelig. Sowas nerviges. Da bist du hier mitten im Paradies, hast noch genug Zeit und kannst nicht mal durchatmen. Bah. Aber ich kann ja auf den Bildern zumindest so tun als ob *schnarch*

Blauer Himmel. Einfach nur blauer Himmel.

Blauer Himmel. Einfach nur blauer Himmel.

Eine weitere Ebene tiefer, vorbei an den wuselnden Landschaftsdesignern, ist ein schmaler Zaun und ein Geländer. Es trennt die Promenade vorm Hotel von dem, was dann kommt, und das ist vor allem eine Menge freier Fall. Hinter mir plätschert der Pool, vor und unter mir liegt diese riesige Stadt, die gerade zum Leben erwacht und dahinter funkelt das Meer.

I recall you took me swimming
the sea was dark and cold
You’d been there many times before
with many different girls, I’d been told
But what’s a man without a past
We love him for his lies
and then we try to break him down to make it last
‚til they come true
Thank God for this beautiful view

Einmal aus den verregneten Häuserfluchten der Großstadt auszubrechen, ein erstes mal in diesem langen grauen Winter auf einen weit entfernten Horizont gucken und sich angenehm klein fühlen. Während die frühen Sonnenstrahlen wärmen. Ich freu mich auf das Jahr, was kommt. Auf viele Geschichten, auf toben und knuddeln und reisen mit meinen vielen Frauen und auf viele Autos. Das alles liegt noch vor mir. Es ist noch nicht mal Frühling, jedenfalls in Norddeutschland noch nicht.

Horizonte. Einfach nur Horizonte.

Horizonte. Einfach nur Horizonte.

♫ Bim Bam Bum. Da sind die Glocken wieder. Wenn ich sowieso keinen Schlaf nachholen oder sonstwie chillen kann, dann geh‘ ich eben spazieren. Wenn ich den serpentinenreichen Weg hier hoch richtig rekonstruiere gibt es sowieso nicht viele Möglichkeiten, und der Blick kann sicher noch besser werden 😎 Vor dem Hotelportal bauen die Jungs von Philips schon die ersten Eventbühnen auf, ich bin ziemlich neugierig…. Aber das ist ja erst heute Abend dran. Ein Stück die Straße rauf ist die Straße auch schon zu Ende. Jeder Fußgänger, der bis hier nicht von unzähligen behelmten verbissen guckenden Rennradfahrern über den Haufen gewalzt wurde hat hier noch einmal die Chance auf einen krass schönen Blick über die Berge hinter Barcelona. Ich erspare den Ihnen jetzt mal, zum einen, weil ich ziemlich erschöpft bin vom zur-Seite-Springen wegen dieser ganzen wahnsinnigen Zyklisten (was MACHEN die alle hier oben???) und zum anderen, weil der Blick übers Land langsam abgreift. Gnihi. Ich stiefel lieber an einem alten Vergnügungspark vorbei weiter den Berg rauf zum Ursprung der Glockenklänge. Ah ja.
Ich lese, dass ich auf dem Tibidabao stehe und sich vor mir ein goldener Jesus mit ausgebreiteten Armen auf dem Dach der Sagrad Cor befindet. Zu normalen Zeiten scheinen hier Unmengen von Touristen zu wimmeln, der Vorplatz mit dem Blick über die Stadt und das Meer ist geflankt von bunten Andenkenbuden und billigen Nippes-Läden. Aber außer den grenzwahnsinnigen Fahrradfahrern in ihren Ganzkörperkondomen ist fast niemand hier. Und die sind allesamt nach der Tour hier hoch nicht zum Plaudern aufgelegt. So ein Januarmorgen scheint perfekt gemacht zu sein für so einen Spaziergang.

Klein vor diesen Steinen

Klein vor diesen Steinen

Über ein paar Treppenstufen setze ich mich auch von den Rennradlern ab und höre… Orgelklänge <3 Da muss ich hin. Ich schleich mich ab und an in Kiel in die große Nikolaikirche am alten Markt und höre einfach nur den Menschen zu, die dort selbstlos in die Tasten hauen. Das gleicht einem Gebet. Die Atmosphäre einer Kirche, in der Orgelmusik gespielt wird ist wundervoll, egal woran Sie nun glauben oder nicht. Dieses katholische Gebäude hier ist noch gar nicht so alt und eine kleine Kopie der Sacre Coer in Paris, und es ist menschenleer. Irgendwo tief drin sitzt ein Organist und probt wahrscheinlich die Lieder der Messe irgendwann heute Abend. Wahnsinn. Das Gemäuer erhebt sich hell und schlicht über mir in den blauen Himmel, die Sonne fällt verspielt durch die kunterbunten Scheiben herein und die Orgelmusik schwillt an und ab, ohne dass irgend ein Räuspern, irgend ein rumfotografierender Tourist oder ein verirrter Biker den einzigartigen Moment stören würde. Mir kommen die Tränen. Memme, ich.

aufstrebende Architektur

aufstrebende Architektur

Also ich schon wieder draußen bin und aus immerhin 500 Metern Höhe beseelt gucke und gucke und gucke klingt aus den heiligen Hallen noch immer die Musik. Ungetrübt, irgendwie schlicht und wunderschön und perfekt passend zu dieser Stimmung hier ganz oben auf dem Berg mit dem lustigen Namen. Langsam schlender ist zurück zum Hotel, noch immer den nicht enden wollenden Horizont vor Augen. Ich habe 2014 noch nicht ganz verdaut, aber dieser erste Tag in Barcelona lässt mich an ein gutes 2015 glauben. So kann es weitergehen.

I’ve been blind too blind to tell false from true
I’ve been so busy running
never stopped to think where I was running to
But I’ve learned my lesson from the tears I’ve had to cry
Sometimes it helps to take your time

to sit alone and watch the world go by
Cause every day it’s new
Thank God for this beautiful view

Und nun hab ich auch genug durchgeatmet und auf den Horizont geguckt. So langsam merkt der Gin von gestern Abend, dass meine Adern sich mit Kaffee gefüllt haben, das ist gut. Das scheint ihn zu vertreiben. Bevor ich mich nachher in die Pressekonferenz setze und anschließend meinen Kopf und mein Herz den hier oben aufgereihten Autos widme mache ich noch das, was man in Hotelzimmern viel zu selten macht. In den billigen macht man es nicht, weil es nicht vorgesehen ist und in den teuren hat man dazu meistens keine Zeit. Doch. Heute ja. Ich bade! 🙂 Ich bade um 15:00 Uhr. Das ist der Luxus, der mir viel mehr bedeutet als goldene Wasserhähne und Mischhebel aus Marmor.

Nun kann der Abend kommen...

Nun kann der Abend kommen…

Der Tag ist noch jung, die Nacht ist noch fern.

Uff. Und nachmittags baden macht… äh… müde 😉
Draußen rollen rappelnd und pöppelnd die ersten Autos vor das Tor, Baujahre zwischen 1907 und 2014. Geil. Es dämmert schon leicht, und ich werde gleich mal den Fahrstuhl nach unten in den großen Saal nehmen. Den Fahrstuhl mit dem mechanischen Zeiger. Warum muss ich an „Shining“ denken? Tz. Das wird ein wahrhaft beleuchteter Abend, diesmal ohne Gin und andere alkoholische Substanzen, diesmal mit Benzin, Carbid und Matrix LED. Ich hab Bock drauf. Bis später, und danke für diesen wunderschönen Ausblick.

Sandmann


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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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18 Responses to Über den Dingen

  1. Snoopy says:

    Barcelona… so schön. Vor Jahren bin ich mal eben mit dem Auto nonstop runter gefahren in habe an den Ramblas in einem winzigen Hotel gewohnt. So viel zu sehen zu fühlen zu riechen…
    Gaudi, Sagrada familia, und und und
    Bei der Kirche war ich ach so vor äh einem viertel Jahrhundert… samt dem alten Vergnügungspark.

    • Sandmann says:

      Ay Snoopy,

      auf dem Vergnügungspark sind wir auch. Im zweiten Teil, mit den Autos……. Dort trieb sich auch Al Capone mit einem Packard rum…. Aber ich muss mal ne kleine Schreibpause machen, meine Finger schmerzen 🙂

      Leider fehlt bei solchen Reisen immer der Blick auf die Schönheit der Umgebung. In Barcelona gibt es soooooo viel, was ich gern gesehen hätte. Aber wir mussten ja arbeiten 🙁 Ja, das mussten wir tatsächlich….

      Sandmann

  2. SteffenG says:

    Ay Sandmann,

    ich mag Gin, und ich mag auch Bombay Sapphire. Der Geruch und Geschmack von Wacholder ist einfach Klasse! Mal schauen, ob ich es in diesem Jahr schaffe auch mal deutschen Gin zu probieren. Der soll ja sehr eigen, aber auch sehr gut sein.

    Von da oben gibt es eine Funicular nach unten – absolut sehenswert!
    Die Stadt selbst ist sowieso grandios! Mercat de la Boqueria sag ich nur – da geht niemand hungrig raus!

    Bin mal gespannt, was die Kollegen aus Eindhoven so gezeigt haben….

    Steffen

    • Sandmann says:

      Ay Steffen, alte Leuchte 😉

      es gibt deutschen Gin??? Okay…….
      Mein Töchterchen ist auch schon am Jammern, dass ich mir nicht noch viel mehr angeguckt habe. Aber nun – ich habe tolle Autos gesehen. Und viel über LED Technik gelernt. Ich lasse dir die Präsentation mal zukommen…. sehr unterhaltsam und sehr aufschlussreich.
      Außerdem sind die Jungs (und die Dame) von Philips extrem nett, der Abend war wirklich familiär und gut 😉 Und die gesamte Veranstaltung gut durchorganisiert. Alles rund. Aber das ist eine andere Geschichte. BRUMM und LEUCHT. Bald mehr…..

      Sandmann

  3. SteffenG says:

    Ay Sandmann,

    Deutschland hat nicht nur sehr guten Wein sondern auch Whiskeys und Gin. Zu nennen wäre da Adler Berlin, Feel! Munich, Gansloser, Granit, Monkey (Schwarzwald), The Duke, Lebensstern, The Bitter Truth…
    Leider konnte ich noch keinen probieren.

    Dass es auch eine deutsche Variante von Portwein gibt, erzähle ich Dir aber nicht auch noch.

    Steffen

    • Sandmann says:

      Achherrjeh 🙂
      Okay, wenn sie wirklich GUT schmecken – warum nicht? Ansonsten darf meiner Meinung nach Port gern aus Lissabon oder Porto kommen, Wein aus Deutschland (aber eher der weiße) und Gin aus… äh…. wo kommt der denn her? Ich hab mal amerikanischen Vodka getrunken. Aber das ist eine andere Geschichte.

      Sandmann

  4. SteffenG says:

    Gin kommt aus den Niederlanden. Dort ist Genever bekannt, der im Prinzip sehr ähnlich ist. Der Name kommt von den Wachholderbeeren, die den Alkohol aromatisieren (engl. Juniper berries)

    Vodka aus Amerika? Erzähl!

    Steffen

    • Sandmann says:

      Huch?
      Was soll ich da erzählen? 🙂 SKY war’s, damals, bei der Susi in der Schweiz… Nie zuvor trank ich das Zeug pur, aber seit dem geht’s…..

      Sandmann

  5. Daemonarch says:

    Auf deine Reisen bin ich ja schon recht neidisch!

    Hey, neues Telefon?

    • Sandmann says:

      Ay Herr Arch,

      a) ja, es ist schön da, aber ich kenne Leute, die das ständig machen….. Und dann ist es irgendwie auch ziemlich anstrengend 😉
      b) nein, kein neues Telefon, das auf dem Bild ist dem Helge seins.

      … allerdings…

      c) ja, ich hab mir ein iPhone 5s gekauft, das ist aber auf dieser Reise noch nicht dabei gewesen 🙂

      Sandmann

      • Daemonarch says:

        Wollte schon sagen, so ein neumodisches Zeig ist doch nix für dich… *wegduck*

        • Sandmann says:

          Ist ein iPhone 6 oder? 🙂

          Nun nun, Laptop und Telefon sind beim Sandmann schon einigermaßen aktuell, schließlich besteht mein Beruf aus Kommunikation, Bild und Text und Rumgetreibe im Netz. Da komm ich mit einem analogen Wählscheibentelefon nicht weit…

          Aber ich muss schon zugeben, dass der Umstieg vom iPhone 4 (ohne S) auf iPhone 5s einen dramatischen Performancegewinn und damit neue Lebensqualität bedeutet hat 😉 Krass. Ein sehr sehr feines Gerät. Das reicht jetzt erstmal, bis das iPhone 7 oder so kommt…

          Sandmann

          • Daemonarch says:

            Kannste vergessen, die haben jetzt Samsung-größenwahn-Blut geleckt, das Iphone 8 hat 12 zoll! 😀

            • Sandmann says:

              nee nee es gibt das 6er doch in normal und in groß 🙂
              Ich werde mir niemals so einen Flachbildschirm ans Ohr halten, dann geh ich lieber wieder zurück zum Nokia 5110.

              Sandmann

  6. SteffenG says:

    Moin!

    @Daemonarch – auch wenn ich in einer anderen Branche unterwegs bin, Freizeit ist tatsächlich nicht so häufig wie es scheint. Ich war auch schon in vielen schönen Ländern, aber meist ist die Umgebung des Hotels oder eines Restaurants das Einzige was man zu sehen bekommt. Wenn Du dann noch jemanden zu Hause sitzen hast, der Dich vermisst…
    Am Ende ist es ein Job. Und ein Job muss in erster Linie Spaß machen. Was viele Menschen nicht verstehen wollen ist, dass diese Jobs nicht auf der Straße liegen sondern gesucht und erobert werden wollen. Man muss bereit sein Risiken dafür einzugehen und auch mal ganz allein irgendwo verzweifelt rumzustehen ohne Netz und doppelten Boden und die Karre aus dem Dreck zu ziehen.

    Vor allem heißt das, dass nach 8 Stunden nicht Schluss ist und man immer bereit sein muss auch mal Gas zu geben wenn die Akkus eigentlich leer sind. Viele vergessen das und wollen einen „9 to 5 Job“ mit tariflich geregelten Zeiten und Urlaub.

    Aber manchmal klappt es doch mit der Freizeit… 🙂

    Steffen

    • Sandmann says:

      Ay Steffen,

      schön geschrieben 🙂 Vom lieben Daemonarch weiß ich, dass er sich zeitweilig ebenfalls echt den Arsch aufreißt – der weiß schon was Arbeit ist.
      Ansonsten hast du meiner bescheidenen Ansicht nach komplett Recht. Im Falle dieser Geschichte habe ich bewusst die freien Stunden genossen, weil sie so unfassbar selten sind. Normalerweise hin, fotografieren, schreiben, kurz schlafen und wieder zurück. Da bleibt keine Zeit für Extratouren. Aber natürlich ist der genannte Arbeitsablauf schöner, wenn eine Palme ins Bild ragt. Das stimmt wohl. Wenn nur nicht dieses blöde Vermissen der Ladies zu Hause wäre. Aber das habe ich ja quasi täglich in irgend einer Form, so als Diplom-Patchworker zwischen Hamburg und Kiel.

      Meine beruflichen Online-Tage gehen von 7:00 bis 20:00 Uhr, manchmal länger. Und auch am Wochenende kann ich nicht komplett offline gehen. Dann lass ich das eben mal an anderer Stelle raus und sauge Sonne 🙂

      Sandmann

  7. SteffenG says:

    Jo Sandmann,

    ich weiß, das er arg zu tun hatte. War auch nicht persönlich gemeint.

    Es gibt nur viele Menschen, sehr oft im Osten, bei denen komme ich mir gelegentlich vor, als ob ich mein Geld mit Urlaub verdiene. Das fängt dann an mit „bei euch im Westen“ und endet mit „Du fliegst doch eh nur in der Gegend rum“.

    Naja, mal sehen, was mich im nächsten Job erwischt

    • Sandmann says:

      Ay Steffen,

      diesen Rechtfertigungsdruck haben die Berufsblogger ganz extrem (ich bin ja keiner). Die Leute sehen schöne Bilder von der ganzen Welt und von Orten, an die jeder gern mal reisen möchte. Aber dass der Zeitplan meist extrem eng getaktet ist, du viel zu fotografieren und zu schreiben hast, manchmal noch unter dem Jetlag leidest und es normalerweise ! achtung ! NIEMAND BEZAHLT das sehen die meisten nicht. Zu den Events wird man eingeladen, all inclusive, alles dabei und umsonst. Aber Geld gibt’s dafür nicht. Das musst du dann irgendwie mit den Geschichten generieren. Und weder ein schöner Sonnenuntergang noch ein rauschender Pazifik bezahlen meine Miete 🙁
      Äh… wollte sagen: Ich weiß was du meinst.

      Schön‘ Freitach
      Sandmann

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