Voll die Welle machen!

Die Wellenreiter von Kiel

Die Wellenreiter von Kiel

Vibrationen. Reizend, wenn sie an der richtigen Stelle stattfinden.
Dröhnung. Auch fein, gezielt mit gutem Alkohol und netten Freunden.
Aber Vibrationen, starke Vibrationen in Verbindung mit Dröhnen und Röhren, Schütteln und Brummen – das sollte nicht die Sammlung von Nomen sein, die mir durch den Kopf geht, wenn ich mit einem alten Ford Taunus V6 unterwegs bin. Diagnose: Kardanwellenmittellager. Mit dem Wort gewinnt ihr jedes Galgenmännchen Spiel. Neben mir liegen träge ein neues, handtellergroßes Lager von Motomobil und ein neues Haltegummi von *Achtung* Ford!! – und ich bin auf dem Weg zum Örg und zum Timur. Was ich will: Diese akustisch heftig belästigenden Massagesitze endlich abstellen. Was ich jetzt noch nicht weiß: Das Lager der Kardanwelle ist nicht das Hauptproblem. Kommt ihr mit? Am Ende gibt es Weihnachtsmänner bei McDonald’s 😀

Örg ist der Typ mit der coolen Werkstatt und der Hebebühne.

HOCH soll er leeeeeben!

HOCH soll er leeeeeben!

Und Timur? Timur ist ein junger Kerl, der sich als allererstes Auto irgendwann mal ein Taunus Coupé gekauft hat. Schwarz matt, V6 und Vinyldach. Der Mann hängt an diesem ersten Auto – auch heute, sieben Jahre später, fährt er den nicht mehr ganz so taufrischen Kahn noch immer und weiß inzwischen mehr drüber als Örg und ich zusammen. Dazu an anderer Stelle sicherlich mal mehr. Gut, wenn man so jemanden mit unter dem eigenen Auto stehen hat, wenn es kränkelt. So eine Kardanwelle ist zwar kein Hexenwerk, aber man kann trotzdem ’ne Menge falsch machen. Dieses rund 1.5 Meter lange Teil überträgt nämlich bei heckgetriebenen Autos die Kraft vom Motor und Getriebe (vorn) wild rotierend zur angetriebenen Achse (hinten). Wenn die nicht richtig ausgewuchtet ist, dröhnt es. Wenn die Lager platt sind, dröhnt es. Wenn sie nicht mittig gerade ausgerichtet wird, dröhnt es. Unter meinem erstserien-Taunus wurde das hohle Rohr aus Stahl vorn mit einem Zahnkranz in das Getriebe gesteckt, geht über ein Kreuzgelenk durch das Mittellager in ein weiteres Kreuzgelenk und wird dann hinter dem zweiten Teil über noch ein Kreuzgelenk mit dem Differential der Hinterachse verschraubt. Viele Kreuzgelenke. Dass sowas überhaupt Millionen von Umdrehungen in so vielen Jahren im Wasser und im Dreck der Straße machen kann beeindruckt mich.
Auspuff links, Auspuff rechts, dazwischen die zwei Schrauben vom Lagerhalter ab, hinten an der Achse lösen und dann… ziehen.

Raus mit dem dröhnenden Lump

Raus mit dem dröhnenden Lump

Wenn man das noch nie gemacht hat, läuft anschließend das ganze Getriebeöl aus dem Loch im Getriebe, wo eben noch die Welle dringesteckt hat. Ich habe das noch nie gemacht. Ach doch. Damals, 1994 beim Granada, als das Ding mir wegen eines verschlissenen Kreuzgelenks mitten in Kiel einfach abgerissen ist. Ich hab eine für 20 Mark vom Schrott geholt, mich mitten auf dem Wilhelmplatz unter das Auto gelegt und die einfach ausgetauscht. Vermutlich lief ne ganze Menge Getriebeöl dabei aus 😉 Die Jungs im Hecktrieb-Forum schlagen vor, eine Schüssel drunter zu stellen oder den Zapfen einer alten Welle als Stöpsel in den Zahnkranz zu stecken. Örg hat so einen noch rumliegen, flext kurz die Ecken ab und verschließt damit das ölende Getriebeloch. Wir haben sie draußen. Das Lager ist nicht mehr taufrisch, aber eigentlich nicht soooooo verschlissen, dass sich dieser Höllenlärm und die Vibrationen erklären ließen…
Oh. Oh ooooooohhhh. „Alder guck mal das hintere Kreuzgelenk. AL___TER!“ Timur macht unter seiner wilden Lockenmähne große Augen und ich werde blass. Örg raucht erstmal eine.

AUA

AUA

Das hintere Kreuzgelenk, das vor der Achse, ist eigentlich nicht mehr wirklich vorhanden. Eine der vier Hülsen hat so heftig die Buchse ausgeschlagen, dass ein wenig mehr Gas an der Ampel schon genügt hätte, um das Gelenk abreißen zu lassen. Nur noch wenige Millimeter dickes Blech schält sich nach außen ab. ARGH 🙄 Okay, das erklärt die Vibrationen, Geräusche und anderen Vorkommnisse zwischen 40 und 130 km/h. Jemineh. Und was machen wir jetzt?
Die Kreuzgelenke sind eingepresst, die lassen sich nicht tauschen. Neue Wellen gibt es, die kosten aber 500 Euro netto und sind bestimmt nicht in den nächsten zwei Stunden hier. Dann muss ich wieder auf die Bahn zurück nach Hamburg. Verdammich. Verdammich verdammich.
Örgenst, was‘ mit der alten Welle, die wir ausm Kombi rausgeholt haben? Vor paar Jahren? Du schmeißt doch nix weg…“ Örg denkt nach. Die Aktion ist 5 Jahre her, es war ein ganz anderer Taunus… „Watte ma die müsste hier auf dem Hochboden rumrosten…“ *rumpel* schepper „Da isse ja„. *klonk* Krass. Eine Ford Taunus Kardanwelle. Vorn am Getriebe „neuer“ als meine, mit einer Giubo-Kupplung. Also einem starren, austauschbaren Gummi statt eines Kreuzgelenks. Aber den Teil brauche ich ja nicht, ich brauche den am anderen Ende. Man reiche mir einen Zollstock. Jaaaa, ich messeeeee….. hinterer kaputter Teil der Sandmann’schen Welle von Gelenk zu Gelenk: 74,5cm. Ungefähr. Hinterer intakter Teil der Taunus II Kombi Welle von Gelenk zu Gelenk: 74,5cm. Wie geil ist das denn??

JAAAAAAAAAAA GEIL!

JAAAAAAAAAAA GEIL!

Die Ereignisse überschlagen sich.
Vor 10 Minuten dachte ich noch, dass ich den Knud hier ’ne Woche stehen lassen und eine neue Kardanwelle auftreiben muss. Ausgerechnet jetzt, wo wir beide gerade Freunde werden. Mit dem Kreuzgelenk wäre ich keinen Meter mehr gefahren, mal davon abgesehen, dass Örg und Timur mich auch nicht gelassen hätten. Und jetzt… also… ich mein… wie groß ist die Chance, dass jemand eine 40 Jahre alte Kardanwelle im Schrott rumliegen hat, bei der ausgerechnet die kaputte Hälfte heile ist und passt? So kann’s weitergehen. Der Rest ist jetzt nur noch stoisches Arbeiten, bis das Werk vollbracht ist. Wir tauschen das Mittellager und das Gummi trotzdem. Wenn man den Kram schon mal auseinander hat, dann kann man ja auch gleich Nägel mit Köpfen machen. Sicherungsblech von der Mutter wegbördeln, die beide Teile zusammenhält. Mutter lösen und rausdrehen. Mit einem Edding die Lage der beiden Wellenteile zueinander markieren. Angeblich kann man die nicht verdrehen, weil einer der Zähne doppelt ist und man die nur in einer einzigen (richtigen) Position zusammenstecken kann. Aber doppelt hält besser.
*Flutsch* ist die Welle auseinander. Jetzt runter mit dem alten Lager.

runter mit dem Lump!

runter mit dem Lump!

Reine Mechanik. Keine Steuergeräte, keine Fühler und Regler, keine Programmierungen. Nur Metall, Gummi und Öl. Während Örg das alte Lager und die beiden Schutzhüllen im Ganzen langsam mit dem Abzieher und einer Gripzange von der Kardanwelle runterzerrt, fette ich das neue Haltegummi ordentlich ein. *schwürg* schmatz. Im Forum haben die geschrieben, dass es dieses Ersatzteil bei Ford tatsächlich noch gibt. Es wurde wohl noch bis in die 90er parallel im Transit verbaut. Der Mann am Tresen hat wissend angefangen zu lachen, als ich ihm die Teilenummer nannte und sagte, dass es das Lagergummi für einen 45 Jahre alten Taunus ist. Dann wurden seine Augen hinter dem Monitor kurz größer, und ein wenig fasziniert sagte er, dass das Gummi am nächsten Morgen da sein werde 🙂 Tja. Jetzt habe ich das störrische Neuteil in die gesäuberte, entrostete und vorbereitete Unterbodenhalterung schlüpfen lassen und mit den kleinen Sicherungslaschen wieder fixiert. Sieht irgendwie vertrauenerweckend aus. Wenn du dich den ganzen Tag mit virtuellen Dingen am Computer beschäftigst, tut so ein wenig Grobmechanik zum Anfassen echt gut.

Gib Gummi, ALter.

Gib Gummi, Alter.

Während der letzten Minuten fristete das neue Lager sein Dasein auf dem heißen Bollerofen, mit dem Örg seine Werkstatt heizt. Jetzt ist das Teil schön warm, aber nicht zu warm und sollte viel besser unter mäßigem Gewalteinsatz auf die Welle zu treiben sein. Wenn man das jetzt schräg draufkloppt oder den Hammer am äußeren Lagerring ansetzt, kann man sich auch gleich alles sparen. Dann macht man das Ding kaputt. Aber der Örg weiß was er tut, und Timur als Supervisor hat schließlich alle Daten und Vorgänge im Kopf. Der wusste die Länge der Wellenteile, die Anzahl der Zähne und den genauen Durchmesser des Zapfens. Es gibt zwei verschiedene. Unter theatralischem Geschrei und mit lauten Zischlauten holt Timur das heiße Lager vom Ofen und legt es dann andächtig, fast zärtlich auf den Wellenzapfen 🙂 Örg setzt ein zölliges Rohr drauf und schmiedet das Eisen, so lange es heiß ist.

Mit dem zölligen Rohr.

Mit dem zölligen Rohr.

POMM POMM klack. KLÖNK POMM POMM Sitzt. Dreht sich. Einwandfrei. Ich präsentiere meinen patenten Mitschraubern voller Stolz das schon eingebördelte und schmatzend gefettete Haltergummi, und mit nicht reproduzierbarer Mimik und unzüchtigen Geräuschen hebeln wir das Gedöns mit vereinten Kräften über das Lager. Es gibt da ein Oben und ein Unten, was sich aber eigentlich durch drei Aussparungen im Haltegummi selbst erklärt. Fertig soweit. Wer schonmal einen kompletten Motor zerlegt und wieder zusammengebaut hat, wird spätestens jetzt gelangweilt wegklicken, weil unsere Arbeit banal scheint. Ist sie genaugenommen auch. Aber ich hab das heute zum ersten Mal gemacht und bin glücklich. Außerdem…. war das Gerappel und Gedröhne dermaßen schlimm, dass ich mir jetzt einen dramatisch verbesserten Fahrkomfort erhoffe.
Was hätte alles passieren können?! Die Welle hätte auf der Autobahn abreißen, das Getriebegehäuse zerstören, den Unterboden aufschlagen und bei einem nachfolgen Auto die Windschutzscheibe durchschlagen können. Ich hätte das falsche Lager oder das falsche Gummi bestellen können. Örg hätte nicht zufällig eine Kardanwelle rumliegen haben können. Die zufällig rumliegende Welle hätte eine andere Länge oder einen anderen Durchmesser haben können. Hätte hätte Fahrradkette. Bei so vielen Schutzengeln kann man den Erfolg auch mal ein bisschen abfeiern, oder? Wir drehen den Modern Rockabilly ♫ im alten Werkstattradio ein bisschen lauter. „ÖHH Alder machst du denn den ganzen Tag Selfies oder was?“ Timur ist noch keine 30, aber soziale Netzwerke sind nicht so seins.

Die drei Lageristen

Die drei Lageristen

Und nun? Den selbstgebauten Stöpsel im Getriebe wieder raus und die gereinigte Welle vorsichtig und gerade wieder rein. Es ist tatsächlich nur ein Schnapsglas voller Getriebeöl rausgelaufen, wir sind Helden. Und ganz frisches Getriebeöl, nach den Spezifikationen meines granadaschraubenden Kumpels Peter im Süden der Republik, ist auch schon bestellt. Und Motoröl. Und Differentialöl. Später. Jetzt und hier kann man schon wieder eine Menge falsch machen. Wenn die Hinterachse eingefedert ist, also auf dem Boden steht, hat die Kardanwelle über die Kreuzgelenke einen anderen Winkel und eine andere Länge als bei runterhängender Achse. Wenn das Auto also auf der Bühne steht und man so alle Schrauben festzieht, stehen die Lager bei später eingefedertem Auto unter starker Spannung. Nee, sollen sie nicht. An was man alles denken muss! Also senken wir den Wagen mit der Achse auf ein langes, stabiles Rohr und heben sie so an. Jetzt alle Schrauben festziehen. Augenmaß: Läuft die Welle jetzt einigermaßen ungeknickt vom Getriebe zur Hinterachse? Och…. ja. Der vordere, alte Teil ist ölig und abgegriffelt. Der neu angebaute, hintere Teil ist trocken und angerostet. Alles passt. Alles ist fest. Jetzt endlich einen Zigarillo und einen großen Pott Kaffee.

Prost Kaffee, alles wieder an Ort und Stelle

Prost Kaffee, alles wieder an Ort und Stelle

Jungs, habt ihr Hunger? Wollen wir eine Probefahrt zu Mäkkes machen? „Boah Alder du bis echt Hardcore weiste wie lange ich in dem Scheißladen nich war?“ Na dann wird’s ja Zeit. Ich lad euch ein. Und auf der B76 Richtung Plön können wir mal bis 120 hochdrehen und hören, was so geht. Ich trau‘ dem Frieden noch nicht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass nun alles gut ist, bei dem Lärm den die Welle vorher gemacht hat. Andererseits… ist es immer gut, einen offensichtlichen Defekt zu finden. Und nicht nach sporadischen Dingen zu stochern. Und dieses Kreuzgelenk war nunmal sowas von ganz offensichtlich mausetot…..
Timur klettert nach hinten. Obwohl er selbst ein Taunus Coupé hat begeht er den klassischen Fehler und will den Sitz mit dem großen, verchromten Hebel an der Seite nach vorn kippen 🙁 Wenigstens ist es ihm ein bisschen peinlich, und er tritt auf die Lehnenentriegelung. Auf auf. Drei hungrige Männer mit schmutzigen Händen haben Freigang und rollen vom Hof.

Wehe, wenn sie freigelassen

Wehe, wenn sie freigelassen

Beim Anfahren quietscht schonmal nichts. Das ist neu. Die alte Welle hat leise quiequiequiequie gemacht. „Sach ma der läuft ja im Stand wie n Schiffsdiesel lass die Tage dringend die Ventile einstellen!“ Timur hört, dass der Motor nach zehn Jahren Stillstand nicht rund läuft. „Da is mindestens ein Auslass zu fest und macht nicht zu, der hat ja gar keine richtige Kompression…“ Während er leise das korrekte Ventilspiel (35 und 40) vor sich hinmurmelt, kommt der Taunus in Fahrt. Zweiter Gang, schneller werdend. Dritter Gang. Die Ampel ist gerade noch grün, wir ziehen auf die Umgehungsstraße. Mehr Gas. Vierter Gang. 70. 90. 110. Und was ist zu hören?

—————- BROOOOOO

—————- ROOOOOHHH

Nichts. Die überarbeitete Kardanwelle macht genau das, was von ihr erwartet wird, und sie macht es absolut ohne Nebengeräusche! Okay, leise ist es in dieser Karre trotzdem nicht. Der Motor grummelt sonor und leicht röhrend vor sich hin, der Dichtring aus Sintermetall im linken Krümmer hat aufgegeben und hachelt beim Gasgeben eine wundervolle Zündfolge in den Motorraum. Und der Wind reißt an den vielen Ecken und Kanten. Aber sonst…. YAYYYYYY!!!! 🙂 🙂 🙂
Ab über den McDrive. Die dicke Frau mit der Kassenbrille im familienfreundlichen Renault Kangoo vor uns bestellt eine zeltgroße Tüte mit drei FishMac, sieben BigMac, vier Pommes, drei McFlurry, zwei Apfeltaschen, ein McRib und vier Cola, drei Happy Meal für Jason, Melf und Jaqueline (aber sie will sich genau aussuchen, was für ein Plastikscheiß da drin ist). Es dauert fast bis zum Sonnenuntergang, bis sie alles durchs Fenster reingereicht bekommt. Timur und Örg sind inzwischen dreimal mit Kanistern zur Tanke gelaufen, weil das Benzin fast alle war. Aber jetzt sind wir endlich dran.

Manchmal ist mehr drin als man denkt

Manchmal ist mehr drin als man denkt

Wir bestellen ganz konservativ Cheeseburger mit Pommes und so’n Kram. Und was macht die abgasatmende Dame hinter dem Schiebefenster? Sie drückt mir erstmal drei Schokoweihnachtsmänner in meine dreckigen Hände. DAS kann ich jetzt so richtig brauchen 😀 das Leben ist schön.
Auf dem Mäkkes Parkplatz stehen drei total versiffte Männer um die warme, grüne Motorhaube rum und mampfen glücklich ungesundes Fast Food. Dieser Platz gibt einen wundervollen Blick frei auf die tiefergelegten Astras und Audi A3, die nicht über die Bumper rüberkommen, ohne aufzusetzen. Gnihiii. Die Operation kann als erfolgreich abgestempelt werden. Örg verspricht, die noch intakte Hälfte der rettenden Kardanwelle wieder einzulagern, man weiß ja nie. Und die Zeiten, wo man sowas auf dem Schrott ausgebaut für 20 Mark bekommen hat sind ebenfalls vorbei. Schade, eigentlich. Ich freu mich wie ein Schneekönig auf den Rückweg nach Hamburg, zum ersten Mal mir einem Vortrieb, wie er vor 45 Jahren gedacht war. Leise, kraftvoll und komfortabel. Dabei aber mit sportlichem Klang und einem Hauch Amerika. Hach. Kurz nach Hause, Hände waschen, die guten Klamotten wieder anziehen und looooos.

Das Leben ist schön. Taunus fahren auch.

Das Leben ist schön. Taunus fahren auch.

Er schnurrt.
Er grummelt.
Er gleitet butterweich dahin und schnorchelt dabei im vierten Gang so zufrieden das Benzin durch die sechs Töpfe, dass ich gar nicht weiß, ob ich jemals ankommen möchte.
Der Taunus ist wieder da.
So macht Autofahren erst richtig Spaß. Auf dem Armaturenbrett steht eine kleine Aktivbox, die über Bluetooth mit Musik versorgt wird. Die sieht fast zeitgenössisch aus. Aber das ist eine andere Geschichte. Während Bear’s Den nur eine Broken Parable sind, öffnet sich vor mir die Weite des Horizonts und wird von der langen Motorhaube dieser 1971er Zeitmaschine aufgesogen. Ich lege affig meinen rechten Arm über die Lehne des Beifahrersitzes, so als würde ich eine virtuelle Schönheit neben mir besitzergreifend liebkosen. Die blonde Schwedin – das Auto ist sie selbst. Ups? Das ist eine ziemlich bequeme Reiseposition, ich bedanke mich an dieser Stelle bei den nicht vorhandenen Kopfstützen.
Jetzt kann Weihnachten kommen. Und es kommt in Riesenschritten. Übermorgen fahren mein mittleres Töchterchen und ich im Taunus nach Uelzen auf den Weihnachtsmarkt. Klassisch. Und es wäre das erste Mal, dass es anschließend nichts zu erzählen gäbe. Aber heute freue ich mich erst einmal über mein neues Auto, über meine hilfsbereiten und selbstlosen Freunde und über den Willen, Probleme zu lösen und nicht rumzujammern. Oder ist eure Kardanwelle etwa gesund?

Sandmann

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Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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25 Responses to Voll die Welle machen!

  1. Kai says:

    Hey Sandmann,
    mal wieder ne super Story und wirklich passend. Ich muss die Tage auch mein Mittellager wechseln. Den Kardanwellenlagerhalter habt ihr nicht ausgetauscht, nur das Lagergummi und das Lager oder? Kannst du mir vllt noch verraten wie die Teilenummer vom Gummi lautet?
    Vielen Dank im Voraus.
    Gruß
    Kai

    • Sandmann says:

      Ay Kai,

      jahaaaa du hattest ja auch schon bei Facebook gefragt, aber zur Sicherheit hier auch noch einmal. Ford Teilenummer für das Lagergummi ist 1649554, gekostet hat das rund 30 Euro.

      Den Halter brauchst du nicht tauschen, nur saubermachen. An dem geht ja nix kaputt. Achte beim Ausbauen UNBEDINGT drauf, ob Distanzscheiben an den beiden Schrauben verwendet wurden. Und wenn ja, wieder rein damit. Wenn der Winkel nicht stimmt soll es hinterher lauter dröhnen als vorher, sagt man 😉
      Das alte Gummi kannst du ja destruktiv rausschneiden. Wenn das draußen ist, siehst du die kleinen Blechlaschen vom Halter, mit denen es fixiert wird. Die musst du alle leicht aufbiegen. Dann alles schön mit der Drahtbürste bearbeiten und fetten, Gummi reinfalten (pass auf dass die beiden seitlichen Öffnungen im Gummi auf den beiden Öffnungen des Halters fluchten, gegenüber ist nur eine) und die Laschen alle wieder zärtlich, am besten mit einer WaPu Zange, zurückbiegen.
      Alles andere ist Standard, Lager mit Hüllen abziehen, neues Lager mit Hüllen aufpressen. Oder aufkloppen.

      Viel Erfolg, und berichte mal wie es gelaufen ist.
      Sandmann

  2. Daemonarch says:

    A‘ propos Kardanwelle… Als ich noch selbstständig war, ist mir an meinem Bus mal die Kardanwelle abgerissen… Natürlich genau bergauf in der Kurve nach einer Ampel auf eine Bundesstraße… Das ganze endete damit, dass ich mit einem stillgelegten Bus verzweifelt beim Tüv in Remscheid stand (längere Geschichte)…

    Da war an der Aufnahmeplatte des hinteren Kreuzgelenks stumpf die Aufnahme abgerissen, wie man an einer deutlich korrodierten Stelle erkennen konnte, hat die wohl länger schon gearbeitet, Materialfehler.
    Da war ich auch froh, dass dies bei Schrittgeschwindigkeit passiert ist, und nicht bei 100 auf der Autobahn, auch wenn mich das etwa 20.000 Euro gekostet hat, und nach einem Jahr selbstständigkeit das erste mal fast das Ende war. (Da hätte ich schon aufhören sollen).

    Was mich damals fasziniert hat : Die KOMPLETTE neue Kardanwelle des Setra S215 HD hat all inclusive nur 700€ gekostet… Das Ding war echt FETT!

    • Sandmann says:

      Ay Daemonarch,

      ohgottogott. Du hast fast zu jeder meiner Geschichten irgend einen entweder wahnsinnigen oder gefährlichen oder teuren Beitrag aus deiner Vergangenheit 😉 Warum bist du kein Blogger?? 🙂

      Ja, man liest im Netz zuhauf von Kardanwellen, die bei hohen Geschwindigkeiten abgerissen sind. Entweder brechen die vorn aus dem Getriebe raus oder sie durchschlagen den Unterboden oder sie reißen gleich noch die Hinterachse mit in die Landschaft. So oder so, wenn ich mal überlege was dieses dicke Teil bei Tempo für wahnsinnige Umdrehungen macht ist das alles nicht gut.
      Ich habe jetzt ein Ohr, und ab und an auch mal ein Auge…

      Inzwischen habe ich auch Adressen von Schmieden, die Kardanwellen bauen und Kreuzgelenke erneuern können. Und wie geschrieben, die komplette Welle gibt es bei MotoMobil mit allen Gelenken für 500 Euro netto. Viel Geld – aber es gibt sie wenigstens. Noch….

      Sandmann

      • Daemonarch says:

        Warum ich kein blogger bin? Weil ich einfach keine Geduld habe, lange Texte und viele Bilder zu einem einigermaßen genießbaren ensemble zusammenzutackern… Machste nix! 😀

        • Sandmann says:

          Eigentlich werfen Blogger ja auch wenige Bilder und knappe Nebensätze in den Raum.
          Nur ich bin so bescheuert, hier ohne monetären Gegenwert Artikel mit der doppelten Wortzahl von GRIP oder TRÄUME WAGEN Leitartikeln zu veröffentlichen 😉

          Sandmann

  3. Stefan200 says:

    Moin.
    Die Geschichten mit dir und Örg lese ich immer besonders gerne. Werkstattparadies pur.
    Jetzt kommt ja wohl bisweilen ein dritter Schrauber dazu. Noch dazu mit perfekter 70er Frisur, wie ich sie lange nicht mehr sah. Timur im Taunus – dieses Bild darf man eigentlich nur analog schießen, am besten sogar schwarz/weiß.
    Schade, schade. Kiel ist für einen Tagestripp etwas weit weg, ich würde wirklich gerne mal dabei sein, einfach nur echte Werkstattluft riechen, sehen, wie man nachhaltig Autos am Leben erhält, anstatt immer wieder neue zu kaufen.
    Na, vielleicht mal im Sommer und für 2 Tage? Kann in meinem Bulli schlafen. 😉

  4. Snoopy says:

    Eine schöne Geschichte 🙂 Und ein Glück mir den Teilen.
    Ich habe schon durchlöcherten Unterboden und Getriebetunnel von einem Spider gesehen… wehe wenn sie bei hohem Tempo bricht.

    • Sandmann says:

      Ay Snoopy,

      ohaoha du bist auch einer von denen, die das schon gesehen haben? Ich klopfe seit dem immer wieder auf Holz…. Echt nicht ganz ungefährlich…. Aber ist ja alles gut gegangen.
      Jetzt hat mich pünktlich zu Weihnachten die Grippe dahingerafft, aber so komme ich wenigstens mal dazu, auf Kommentare zu antworten und neue Geschichten zu schreiben 😉

      Schöne Tage mit intakter Welle
      Sandmann

  5. SteffenG says:

    Ay Sandmann,

    Gute Besserung!
    Habe leider keine Kardanwelle an meinem Auto. Nur eine am Mopped.
    Irgendwie hatte ich bisher auch noch keine eigene Heckschleuder – frevelhaft!!!

    Ich gelobe Besserung!

    Steffen

    • Sandmann says:

      Ay Steffen,

      noch NIE einen Hecktriebler? Hui. Ich glaube, damit KANN man leben, MUSS man aber nicht 🙂 Hol das mal nach. Dafür bist du beim Mopped mit Kardan ja schon ein wenig anders als die anderen…..

      Sandmann

      • SteffenG says:

        Naja, bin schon genug Heckschleuder gefahren. Auf einem 190er 2.3E habe ich driften gelernt… ?

        Ansonsten gab es auch immer viele verschiedene Fahrzeuge, die ich bewegt habe. Aber ich habe eben noch keinen wirklich besessen.

        Außerdem hat ja meine BMW Heckantrieb. Und nen Boxer. Also alles gut! Den Taunus würde ich trotzdem mal Probefahren.

        Schönen 2. Weihnachtsabend!

        Steffen

        • Sandmann says:

          Ay Steffen,

          das mit dem Taunus wird sich einrichten lassen 🙂 Ich habe den alten Herren heute das erste Mal nach zwei Wochen Standzeit unter einer Laterne über Weihnachten und Silvester wieder zum Leben erweckt. Sauber angesprungen, so soll das sein. Und schon wieder grinse ich in einer Tour 😀

          Sandmann

  6. Norbert Schneider says:

    Jungs,

    euer Beitrag kommt mitten aus dem (Schrauber-) Leben 😉
    Bin drauf gestoßen, weil ich auch das Kreuz mit dem Kreuz-Gelenk hab und hab heute, nach 38 Jahren TC1, herausfinden musste, dass die X-Gelenke NUR verpresst sind. Schade, dass ihr auch gleich aufgegeben habt; hatte gehofft, nen Trick gezeigt zu bekommen, wie man sie trotzdem tauschen kann.
    Ich versuche das Unmögliche und werde berichten 😉

    Weiterhin viel Spaß, No

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