Wenn man Zeit anfassen kann.

Einen charmanten guten Abend, liebe Blog-Gemeinde,

Den kann man doch noch retten?

Den kann man doch noch retten?

ich bin Retro. Außerdem gerade ein bisschen melancholisch, halten Sie sich bitte bezüglich der Kommentare verbal im Zaum 🙂 Da draußen tobt eine verheerende Geburtstagsparty meiner Tochter im Gästehäuschen. 10 Fast-Teenager feiern in ihren Geburtstag rein, denn sie wird morgen 10. Genauer gesagt am 10.10.’10. Morgen um 10.10 Uhr werden wir frühstücken, aber das ist ja noch lange hin. Während der Aufbauarbeiten habe ich beschlossen, meine Fotos endgültig aus dem schimmeligen Keller zu retten und bin über ein paar kleine Schätze gestolpert, wie diesen Käfer hier. Den gibt’s inzwischen nicht mehr, aber den Svennie gibt’s noch und das T-Shirt hängt draußen zum Trocknen – das habe ich auch wiedergefunden (und gleich mal gewaschen). Kinder, wie die Zeit vergeht! Die gucken da oben Ice Age III und trinken Robby Bubble, und ich hier unten… nun… ich hänge mal wieder in meiner Vergangenheit rum.

Aber das kennen Sie ja bereits, das ist ja nicht neu.

Früh übt sich

Früh übt sich

Neu für mich ist allerdings, wie schnell die Zeit auf einmal rennt, wenn man ein gewisses Alter überschritten hat. Ich bin ja nun knapp über die 30 rüber 😉 und habe abends das Gefühl, gerade erst aufgestanden zu sein. Oder anders beschrieben, gerade sitzt meine quasi frisch geborene Tochter noch plappernd und grinsend auf dem Fahrersitz meines Audi V8 (ja, so lange habe ich den schon!), und da guckt man einmal kurz weg – und schon ist sie umgeben von einer Horde gackernder Backfische, die sich von Edgar Allan Poe’s „Die Maske des Roten Todes“ nur noch wenig schocken lassen. Hätte mir jemand damals gesagt, was nach diesem (analogen) Foto in den kommenden 10 Jahren alles passieren wird… dann hätte ich mich vermutlich irgendwo eingebuddelt und mich in meine Kindheit zurückgehext. Als alles noch unbeschwert und verantwortungslos war. Aber nein, niemand hält dir so ein Schild ins Bild. Also musst du da durch. Wie viel fasst ein Männergehirn? Fällt irgendwann mal was hinten runter, was eigentlich wichtig war? Wo sind die Geister der Zeit vor der Jahrtausendwende? Was ist aus alten Freunden geworden?

Himmel fand ich mich cool

Himmel fand ich mich cool

Schon vor dem V8 gab es unbeschwerte Zeiten mit 4 Ringen. Audi 100 Typ43 GL 5E, für seine Zeit ähnlich exklusiv. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mit diesen Haaren tatsächlich durch die 90er und mein Studium gelaufen bin. Und dass es irgendwo noch immer Menschen gab, die sich mit mir abgegeben haben. Die Frau, die mir heute manchmal sagt, dass sie mich liebt hat mich damals auch nicht ernst genommen. Ja, es gab sie schon, wir kannten uns, aber das ist eine andere Geschichte. Ich war der selbstverliebte Aufschneider mit der Gitarre und den spritvernichtenden Autos. Gitarre spiele ich immer noch. Das Tankstellenwrack an der B404 ist allerdings weg, der Käfer ist weg, der Audi 100 ist weg. Alles weg. Nicht ganz. Meine kleine Tochter ist noch da. Mehr als je zuvor. Ich werde gleich mal hoch gehen und schauen, ob die HotDogs alle geworden sind und ob sich die Discokugel noch dreht.

Das nennt man dann wohl „Leben„. Zwischen Facebook, Internet und Alltagsplan gibt es diese kleinen Momente, an denen noch immer alles perfekt zu sein scheint. Wenn sich die kleine Jubilarin mit einer herzlichen Umarmung für die Party bedankt. Wenn Freunde von damals eine Mail schreiben und fragen, wie es geht. Wenn die Frau, die mich damals nur am Rand wahrgenommen hat, heute eine wunderbare Achse meiner Welt ist. Und wenn der Audi V8 mich immerhin bis 2011 durch diese schöne Welt getragen hat. Crazy. Oder nicht?

Sandmann


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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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10 Responses to Wenn man Zeit anfassen kann.

  1. El Gigante sagt:

    Hi Sandmann,

    manchmal denke ich auch so. Kleiner Unterschied: meine Tochter ist mittlerweile zwanzig – wird in knapp zwei Monaten sogar einundzwanzig! Doch auch ich erinnere mich noch an den Moment ihrer Geburt – ich war dabei. Die ersten Zähne, die ersten Meter allein zu Fuß, die ersten wackeligen Momente auf dem kleinen Fahrrad, der erste Tag allein im Kindergarten, der erste Schultag, der erste Freund, der Führerschein, am 12. Juli diesen Jahres hat sie ihr Examen bestanden. Nun ist sie staatlich geprüfte Diätassistentin und stellvertretende Leitung einer Krankenhausküche…

    … meine Güte, wo ist die Zeit geblieben? Dabei rieche ich doch grad noch das weiche Haar des kleinen Mädchens auf meinem Arm… SCHLUCK!

    Und dann stehe ich vorm Spiegel, betrachte die grauen, ja fast weissen Haare in meinem Bart, entdecke die Falten um die Augen.

    Neulich habe ich auch so darüber nachgedacht. Das ist ja alles ganz gut und schön – aber eines möchte ich trotz alledem nicht. Meine ganzen versch……enen Erfahrungen noch mal machen. Es ist gut, wie es ist! Es wäre schlimm, wenn’s anders wär.

    Man ist gereift – aber man wird nie perfekt:
    Life goes on.

    El

    • Sandmann sagt:

      Ay El,

      nein, einiges möchte ich auch nicht noch einmal machen. Anderes schon, und da sind auch ein paar Sachen, die würde ich aus heutiger Sicht anders machen. Aber das alles hat mich wohl zu dem gemacht, was ich heute bin. Und das ist ganz okay so.
      Ich war nur so erschüttert, dass ich da mein Alltagsauto sehe, so wie es schon immer aussah. Mit dem Unterschied, dass das Kind da auf dem Sitz noch ECHT klein ist 😀 Und erst vor ein paar Wochen wollte ich mal wieder zu dem alten Käfer im Wald pilgern, und? Nun ist er weg. Abgeholt von einem übereifrigen Forstbeamten, der den da nicht mehr ertragen hat. Nach vermutlich mehr als 30 Jahren an der selben Stelle im Wald.

      Schön ist, dass es noch genug gibt, was VOR mir liegt. Und das sieht alles sehr gut aus. Und solange da Menschen auf deiner Seite sind, die für dich da sind und dich unterstützen, wenn du es brauchst… so lange gehts immer weiter.
      Puh.
      Dieser Mix aus Sehnsucht nach meinem Schatz in Berlin, älterwerden der Kinder und trauriger Musik macht mich fertig 🙂 Hach.

      Ich bin mal SEHR gespannt, was ich noch in den geborgenen Fotokisten finden werde. Und ich habe auch sehr abgefahrene neue Bilder gemacht, vor den Solarpanels und Windgeneratoren in Norderhackstedt…
      Ach ja, und ich hab gerade erfolgreich Windows 95 installiert 🙂 Aber das ich NOCH eine andere Geschichte.

      Sandmann

  2. Markus1975 sagt:

    Hey Ihr beiden

    Ich schreibe jetzt einmal als „Jungspund“ unter uns. 😉

    Ganze 35 Jahre alt, viel erlebt in diesen Jahren und immer noch ein…Kind?! Also gut. Übertreiben wir es jetzt nicht einmal. Ich habe ja nun auch so einen kleinen Spross in die Welt gesetzt. Schule hat für die kleine Prinzessin dieses Jahr angefangen. Und jetzt frage ich mich auch ganz allmählich wo die Zeit geblieben ist. Das zehnjährige habe ich in meiner Firma letzte Woche auch schon hinter mich gebracht. Irre
    Man selber merkt doch eigentlich überhaupt nicht, wie die Zeit an einem vorbeifliegt. Erst wenn man ein wenig zur Ruhe kommt, seine Kinder betrachtet oder ein wenig über erlebtes nachdenkt ist man in Begriff das Wort Zeit überhaupt zu verstehen.
    Heute Abend waren wir bei einem langjährigen Freund zu Besuch. Wir haben viel gelacht, über vergangenes und zukünftiges gesprochen. Lange Rede kurzer Sinn. Ich war heute Abend wieder Kind oder bestenfalls im Teenageralter. Meine Tochter lag im Bett von unserem Freund und hat tief und fest geschlafen. Zum Glück für mich. 😉
    So gab es keine kindlichen Zeugen, als ich mit Michael einige Passagen aus „unserer“ Zeit nachspielten und uns wie „Kinder“ aufführten.
    Ich fühle mich gut.

    V8 mäßige Grüße

    Markus der zu 11208 Besucher seit Juli diesen Jahres gratuliert

    • Sandmann sagt:

      Ay Markus,

      ja, ich habe auch so ein paar Kandidaten, mit denen man sehr gut in der Vergangenheit rumhängen kann. Örg und eben der Svenni auf dem Bild mit dem Käfer sind zwei davon 🙂 Und du hast recht, meistens ist es ganz gut, wenn dann die eigenen Kinder nicht dabei sind. Manchmal ist es aber auch gerade spannend, zu sehen, wie sie reagieren… „Waaas, so bescheuert wart ihr damals? Cool!“ Äh…

      Bald ist es 10.10 Uhr am 10.10.2010, ich werde den 10 Gästinnen meiner heute 10 gewordenen Tochter jetzt mal das Frühstück bereiten…

      Sandmann, der sich für die Glückwünsche bedankt und meint, dass man eigentlich immer die 11208 feiern kann 😉

  3. Markus1975 sagt:

    Hey Jens

    Lassen wir noch ein paar Jahre ins Land ziehen. Dann kann ich ja vielleicht auch ein Anekdoten aus meinem Leben zum besten geben. Allerdings sollte Leonie dazu im Leben gefestigt sein. Nicht das sie mir noch nacheifert und Papas Auto für eine Tour mißbraucht. 🙂
    Deine Kleine sah ja recht entspannt aus. Es ist doch recht spannend wie Kinder bzw. junge Menschen die Strapazen einer Nacht verdauen. War ich damals auch so? Ich kann mich nicht erinnern. Es ist einfach zu lange her. 😉

    V8 mäßige Grüße

    Markus dessen Lady wieder sicher verschlossen in der Garage steht

    • Sandmann sagt:

      Ay Markus,

      jaaaa das stimmt, ich bin ehrlich gesagt auch noch VOR den beiden ins Bett gegangen. Dafür schlafen sie jetzt aber immer noch, und ich muss zur Arbeit 🙂 Ich denke mal, dass man eine lange (kurze) Nacht in dem Alter noch ganz gut wegsteckt, schließlich sind weder Alkohol noch Kippen mit im Spiel. Und Milch und Chips machen glaube ich keinen Hangover…

      By the way, hast du den Portwein und den Averna gut verdaut? 😉

      Sandmann

  4. Markus1975 sagt:

    Ich schaue einmal unaufällig auf meine Uhr. Morgentoilette, Kaffe, Zigarette und Pc. Knappe 15 Minuten. Ist doch gar nicht so schlecht. Allso bin ich OHNE Kopfschmerzen um neun Uhr aufgestanden. 😉

    V8 mäßige Grüße

    Markus aus einem verregneten Wahlstedt

  5. b4-rocker sagt:

    Hi Sandmann! 🙂

    Es ist etwas Besonderes in der eigenen Vergangenheit zu graben und zu registrieren wie sich die Zeitachse dreht! Zufällig hatte ich letztes Wochenende auch die Gelegenheit dies zu tun!
    Ich war mit meiner Lebensgefährtin auf dem 60jährigen Geburtstag meiner Mutter eingeladen und demzufolge erreichte mich so ungefähr nach der dritten Flasche Weißbier eine gewisse Melancholie!
    Ich muß dazusagen daß ich vor einiger Zeit aus meiner Heimat weggezogen bin und jedesmal, was nicht so oft vorkommt, wenn ich in dort bin, spüre ich an markanten Punkten in der dortigen Umgebung meine Kindheit wieder!
    Natürlich wurden auch die obligatorischen Fotos aus Kindheitstagen hervorgeholt die oftmals eine sentimentale Stimmung bei mir hervorrufen!

    Nach langer Durststrecke und privater Berg und meistens eher Talbahn nach Abschluß meiner Kindheit bin ich endlich superzufrieden und habe auch nach langer Suche die Frau fürs Leben gefunden! Aber dafür gibt es ja hier noch einen anderen Artikel im Archiv, sollten wir uns wirklich irgendwann einmal trauen!

    Liebe Grüße aus dem Rheinland!!! 🙂 🙂

    • Sandmann sagt:

      Hihi…
      Ja, den gibt’s, und die Geschichte geht immer weiter 🙂
      Frau für’s Leben klingt gut. Weitermachen!
      Ich habe ja nicht umsonst extra eine Heiraten-Kategorie eingebaut… Wer weiß was da beim wem noch so alles kommt. Und heiraten geht ja auch andersrum, ich ja auch schwer im Trend…

      Vielleicht löst auch das Ende des Sommers eine leichte Melancholie aus. Das wird nicht nur dein Weißbier gewesen sein… Es gibt da ein gutes Rezept: Audi V8 fahren 😀
      Ich werde das morgen mal wieder machen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Werkstattmeister oder Tankwart…

      Sandmann

  6. calimero sagt:

    Tach Sandmann,
    es ist sehr angenehm, deine manchmaligen Melancholien zu verfolgen und zu merken, dass man ähnlich drauf ist. Auch wenn ich jünger bin als du. Der Herbst hat auch seine guten Seiten 🙂

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