Zur Pizza fliegen

Nehmen Sie Drogen? Ja, aber nur in Rom.

Nehmen Sie Drogen? Ja, aber nur in Rom.

Von zweien, die drei Tage in der Antike waren
Liebes Tagebuch.
Rom ist sehr schön, glaube ich. Es ist fast 20 Jahre her, dass ich als Kunststudent durch die Straßen der ewigen Stadt schlurfte und mich mit Fassadenbeschreibungen, Säulenkapitellen und Imperatorengehabe befassen musste. Antikes und zeitgenössisches. Ende des vergangenen Jahrzehnts trieb es mich an meinem Geburtstag erneut für eine kurze Nacht hier hin, aber das jetzt wird anders. Seit viel zu vielen Jahren verspreche ich meiner grooooooßen Tochter eine Reise in die Stadt am Tiber, allein schon damit sie den Petersdom mal von innen sehen kann. Nun ist sie bald 20 Jahre alt, und ich habe endlich mal ein bisschen im Netz rumgeklickt, preiswerte Flüge gebucht und ein Bed&Breakfast ganz in der Nähe von Gottes direktem Vertreter auf Erden gebucht. Nägel mit Köppen. Auch wenn andere dort vor 2000 Jahren keine so guten Erfahrungen mit Nägeln gemacht haben, aber dazu später. Wie erwartet geht natürlich nicht alles reibungslos, aber Perfektion verlangsamt Emotion. Wir… äh… wir sind dann mal am Flughafen, kommen Sie mit?

Ganz billig will ich ja gar nicht.

Warten. Immer nur warten.

Warten. Immer nur warten.

Der Kompromiss heißt also: Nicht so einen Dumping-Seelenverkäufer wie Ryanair, dafür aber zur Not keine ganz direkte Verbindung von Hamburg nach Rom. Passt. Eine blaue KLM nach Amsterdam-Schiphol, da bleiben uns 45 Minuten Zeit und dann eine blaue KLM nach Rom. Landung in Rom-Fiumicino: So gegen 17:30 Uhr. Perfekt, Starts und Landungen kribbeln im Bauch und die Atmosphäre auf den Flughäfen ist toll. Und die Ankunftszeit erlaubt sogar noch einen lockeren Bus-Shuttle zum Hotel vor 19:00 Uhr (danach ist keiner mehr an der Rezeption) und eine erste leckere Pizza in der milden Abendsonne. Soweit die Theorie.
In der Praxis ist auch die niederländische blaue KLM am Ende des Tages nur eine Fluglinie, die von Menschen geleitet wird und die Menschen befördert. Und was auch immer heute Morgen zwischen einigen beteiligten Menschen passiert ist, es hat dafür gesorgt dass unser Flieger nach Amsterdam 40 Minuten später abfliegt, weil er schlicht noch gar nicht hier angekommen ist. Na geil, das geht ja super los. Die leicht pampige Dame am Tresen vor dem vollen Gate schreibt mir mit einem blauen Kugelschreiber lachs „Information KLM“ auf mein Ticket, da soll ich mich dann in Amsterdam hin wenden, um meine Weiterreise umzubuchen. Dieses Schicksal würde ich mit den Reisenden nach Frankreich teilen. Toll. KLM, ich hasse dich. Das bedeutet also, dass wir heute wohl noch irgendwie nach Rom kommen, aber sehr spät am Abend. Na gut, gucken wir uns also am Abend stattdessen den Amsterdamer Flughafen an, irgendwas ist ja immer.

Alles blau

Alles blau

Argh. Irgendwann sitzen meine hübsche Begleitung und ich unruhig auf unseren Plätzen Mittig auf Höhe der Tragflächen. Wir haben nur Handgepäck dabei, reicht ja bei drei Tagen getrent vom eigenen Bett und verringert bei insgesamt vier Flügen die Wahrscheinlichkeit, dass die Koffer woanders landen als man selbst. So ein bisschen Freude ist trotz der bevorstehenden Verzögerung da, andere Flugreisende haben in der Vergangenheit ganz andere Sorgen zu bewältigen gehabt. Wir kommen, so wie es momentan aussieht nur ein bisschen später nach Rom, und alles wird ein bisschen teurer. Ich telefoniere vor dem Start noch mit der freundlichen Inhaberin des „Vatican Holiday„, unser klitzekleines 5-Zimmer B&B. Ich hoffe, der Name ist Programm. Die fröhliche Stefania am anderen Ende der Leitung (nee… wie sagt man heute? Der Verbindung? Des Netzes?) spricht nur ein gebrochenes Englisch, aber ich kann ihr unsere Verspätungs-Problematik unter Einsatz von Händen und Füßen erklären. No Problemo sagt sie, sie würde aber nach 19:00 Uhr einen Aufschlag von 15 Euro berechnen, weil jemand uns die Schlüssel bringen müsste. Na klar. Das kann dann ja KLM zahlen 🙂 Nun muss ich aber mein Handy ausmachen, es soll nach oben gehen. Ist eigentlich weltweit auch nur ein Fall bekannt, bei dem die Benutzung eines Mobiltelefons das Flugzeug in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht hat? Ich glaube nicht. Egal. Auf geht’s. Oder?

... muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

Ja, auf geht’s. Über Hamburg ist es schön, aber kalt. Rom lockt mit wärmeren Temperaturen, wunderschönen antiken Bauwerken und der besten Pizza, die man sich vorstellen kann. Wir philosophieren ein bisschen über die Plätze, die wir zu besuchen gedenken und vertiefen uns dann für ein paar Minuten in die nebenan bei den Zeitungsständern der Lufthansa ausgeliehenen Magazine. Und schon geht es wieder runter, Amsterdam ist ja irgendwie nicht wirklich sehr weit von Hamburg weg. Hm. Wir werden (so die Ansage) um 14:20 Uhr am Gate andocken. Der zweite Flieger, den wir definitiv verpassen werden startet um 14:25 Uhr. Startet. Also – hebt ab. Wie groß ist Schiphol? Nicht so groß glaube ich, aber groß genug als dass ich mir sicher bin, dass wir da garantiert nicht mehr mitkommen. Mist.
Um 14:15 Uhr stehen mein großes Töchterchen und ich mit unseren Koffern in der Hand im Gang, und die Türen zum Gate werden geöffnet. Sie guckt mich an. „Rennen…?“ Ich weiß nicht. Aber irgendwas in ihrem Blick überzeugt mich. „Rennen!“ sage ich. Und wir rennen.
Sie werden Verständnis dafür haben, dass dieser Teil der Reise nicht fotografisch dokumentiert wurde. Ich habe zwar ein Déja Vu, denn ich bin schon mal sehr schnell gerannt, auf einem noch viel größeren Flughafen (und habe da sogar gefilmt…), aber ich setze heute klare Prioritäten. Während wir in Richtung Gate D60 rennen bekomme ich zwei SMS von KLM, dass unser Weiterflug erfolgreich umgebucht wurde und wir nun um 17:40 Uhr starten. Neeee Kollegen, das sehen wir noch nicht so. Neeeee! Rennen!
Um 14:23 stehen wir keuchend an Gate 60. Schiphol ist klein. Da ist niemand mehr, na klar, da ist allerdings auch kein Flugzeug und kein „Boarding Completed“ Monitor. Da ist eigentlich überhaupt niemand, und es erweckt auch nicht den Anschein, als wenn hier heute schon mal jemand gewesen wäre. Verdammt. Hätten wir mal auf die Anzeigetafeln gucken sollen? Die haben doch jetzt nicht tatsächlich das Gate geändert???
Äh. Doch. Die erste der beiden SMS vorhin sagt, wir starten an Gate D62 statt an Gate D60. Na geil, jetzt verpassen wir deshalb den Flieger? Tochter? Rennen! Jetzt. Zwei Gates weiter, es ist 14:25 Uhr, sitzt eine blau gekleidete Dame am Schalter und schüttelt freundlich mit dem Kopf, als wir ankommen. Nein! Aber das Flugzeug steht da doch? Dieses Rolldings ist doch noch angeschlossen? Ich rede freundlich und flehend auf Englisch auf sie ein und bedeute ihr, dass bei einem umgebuchten Abflug um 17:40 Uhr unser Bus Shuttle weg ist und wir nicht mehr in das Hotel einchecken können. Dabei hätten wir uns doch sooooo auf die kleine Reise gefreut. Well. Sie guckt aus dem Fenster auf das blaue Flugzeug, klackert dann ein paar Zeilen in ihren Computer und telefoniert. Dann kommen aus ihrem Drucker zwei Tickets, die sie mir in die Hand drückt. „Go on“ sagt sie lächelnd. Ich hauche ihr ein ernst gemeintes „I love you“ entgegen, und wir rollern mit unseren Koffern in das Flugzeug und setzen uns auf unsere beiden Sitze 🙂 Geil.

Man sieht uns nicht an, was war

Man sieht uns nicht an, was warjbs

KLM, ich hasse dich nicht, ich find dich toll!
Das war unkompliziert und unbürokratisch, da verschmerze ich es auch, dass unser zweiter Flieger erst 15 Minuten später abhebt. Das war wohl auch der Grund, warum wir das überhaupt noch geschafft haben 😉 Es ist Zeit für einen Snack und einen Rotwein, denn wir sind wieder da, wir sind zurück. Zurück im Zeitplan. Das bedeutet, wir landen in Rom, noch bevor unser umgebuchter Flieger Amsterdam überhaupt verlassen würde. Ein paar Stunden gerettete Lebenszeit, die man nicht auf dem Flughafen in überteuerten Boutiken verbrennt, sondern hoffentlich in einer gemütlichen Pizzaria in der Stadt auf sieben Hügeln. Momentan sieht das durchaus danach aus. Unter uns, wirklich sehr weit unter uns ziehen die schneebedeckten Alpen dahin. Ich muss an den Piloten denken, der nach momentanen Erkenntnissen irgendwo nicht weit von hier einen Airbus in die Gipfel gejagt und 150 Menschenleben mit allen großen und kleinen Geschichten und Emotionen ausradiert hat. Pulverisiert. Einfach ausgelöscht. Traurig, gruselig und durchaus geeignet, mich an meine eigene Sterblichkeit zu erinnern. Das wird vermutlich in den kommenden drei Tagen, in denen wir die Geschichtsbücher direkt anfassen können, noch öfter passieren.

Sehr hoch und sehr kalt

Sehr hoch und sehr kalt

Wissen Sie was? Das mag jetzt echt bescheuert klingen, aber auf diesem rund 2 Stunden dauernden Flug haben die Damen in Blau mir das vielleicht beste Hähnchen-Sandwich serviert, was ich jemals gegessen habe. Nix Business Class, das ist so ein eingeblistertes Teil in einem kleinen Pappkarton, auf dem steht, wie bio die Hühner gelebt haben, wie liebevoll das Brot gebacken wurde und wie erlesen die drei Salatblätter sind. Und irgendwas von Remoulade. Vielleicht ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass ich mich durchaus an kleinen Dingen erfreuen kann, und ich hoffe Sie lachen mich nicht aus, wenn ich von dem fluffigen Brot, dem saftigen Fleisch und der köstlichen Saucen berichte 😀 Nein, ich habe keine Kooperation mit KLM, ich bin schlicht überrascht von diesem Sandwich, und die mit glänzenden Augen kauende junge Frau neben mir, die noch niemals im Petersdom war scheint das ähnlich zu sehen. Lecker. Von dem südafrikanischen Shiraz gar nicht zu sprechen, der kann auch was. Später gibt es noch einen Karamel-Keks und guten Kaffee. Ein Traum. Wo sind wir eigentlich gerade?

Schnell. Und kalt...

Schnell. Und kalt…

Liebes Tagebuch. Man macht sich selten klar, was da draußen eigentlich abgeht während man drin ein leckeres Sandwich mümmelt und an Rotwein nippt. Wir sind echt schnell, wir sind echt hoch und da draußen ist es echt kalt. Wie klein die Welt ist, wenn man fliegt. Und wie nah plötzlich die Staaten und Länder sind, in denen Krieg tobt, in denen Menschen sterben und auf der Flucht sind. Und wie kleinkariert einem dann fette, rotbackige, gelangweilte Deutsche vorkommen, die sich über todesängstliche Kriegsflüchtlinge echauffieren, die ihre Heimat verlassen und auf der Flucht ihre Kinder und Freunde sterben sehen. Diese Flüchtlinge könnten ihnen ja den Wohlstand wegnehmen. Und dann rotten sie sich in inhaltslosen parolenbrüllenden Mitläufergruppen zusammen oder zünden leerstehende Wohnungen an, statt denen zu helfen, die es wirklich brauchen. Viele Menschen in diesem Land sind so scheißkrank in ihrem Denken, so intolerant und engstirnig, dass ich erneut über ein kleines Häuschen irgendwo am anderen Ende der Welt nachdenke, wo man freundlich und offen ist. Aber jetzt erstmal:
Hallo Rom.
Nächste kleine Aufgabe: Ich habe ein Ticket für den S.I.T. Bus Shuttle gebucht, ein privates Unternehmen, das einen (in unserem Fall) vom Flughafen in 40 Minuten bis fast vor die Hoteltür bringt. Für 6 Euro pro Person, ein Taxi kostet im Vergleich rund einen Fuffi. Die Differenz will gern in Pizza und Rotwein umgesetzt werden. Aber wo fahren die los? Wir haben noch 10 Minuten, um „Terminal 3 Plattform 1“ zu finden, bevor der losfährt. Und der nächste kommt erst in einer Stunde 🙁 …. Aber auch das gelingt wie ferngesteuert, am Ende einer langen Reihe von Bussen und mürrischen Fahrern ohne jegliche Englischkenntnisse sehen wir einen großen Bus mit den bunten Aufklebern drauf gerade einparken. Und der entpuppt sich direkt als unser. Ohne dem katholischen Glauben wirklich zugetan zu sein – aber die Nähe des Papstes macht das alles vielleicht noch ein bisschen einfacher hier 😉

Noch n Selfie. Diesmal im Bus.

Noch n Selfie. Diesmal im Bus.

Roll roll roll roll. Am Ende des Tages klappt heute alles, wie es scheint. Als wir aus dem Bus aussteigen ist es warm und sonnig, und der Blick auf meine analoge Nicht-von-Apple Armbanduhr zeigt mir eine Zeit, zu der unser eigentlich umgebuchter Flieger in Amsterdam noch nicht mal mit dem Boarding begonnen hat. Traumhaft. Ich rufe unsere Gastgeberin Stefania noch einmal an, die mit fröhlichen Quietschlauten zur Kenntnis nimmt, dass wir nun doch noch vor 19:00 Uhr bei ihr ankommen würden. Ich glaube, ich mag diese Frau. Roll roll roll. Ich mag ebenfalls den Klang von Rollkoffern auf dem Asphalt, das klingt nach Reise, nach unterwegs, nach woanders. An der Piazza Cavour, mit Blick auf die Engelsburg, sind wir aus dem Bus rausgepurzelt und schreddern jetzt die Via Crescenzio hoch in Richtung Vatikan. Es riecht nach Blüten, nach Pizza und nach warmem Asphalt. Hier und da lungern Handtaschenverkäufer rum (good price, Prada, Gucci, look good price), noch mehr ins Auge fallen die Selfie-Stick Verkäufer. Aber das ist eine andere Geschichte 😉 Wir sind tatsächlich in Rom. Rom!! Waren wir nicht gerade noch in Hamburg?
Einmal um die hohen Mauern des Vatikans rum sind wir auf einer belebten Nebenstraße, und da ist auch schon unser kleines B&B. Quer durch den Hinterhof, und wir sind endlich da.

Auf den ersten Blick schon wie nach Hause kommen

Auf den ersten Blick schon wie nach Hause kommens

Chillig. Supergemütlich, extrem klein (nur 5 Zimmer) und weit weg vom Lärm der Stadt und den Touristen. Stefania ist so, wie ich sie mir nach den Telefonaten vorgestellt habe und erklärt uns auf einem kleinen Faltplan mit einem Kugelschreiber und fuchtelnden Händen die Sehenswürdigkeiten Roms. Das ist toll, aber eigentlich wollen wir heute Abend nur noch eine gute, eine wirklich gute Pizza essen. Und dann schlafen, Sehenswürdigkeiten kommen dann morgen 🙂 Ah. Pizza. Ob wir lieber die flauschige dicke im Napoli Stil oder die mit dem klassisch dünnen Boden bevorzugen würden? Zweiteres! Definitiv. Ich verabscheue Pizza, die aus einem drei Zentimeter dicken Teig besteht, dann mit allerhand Separatorenfleisch, Wurstresten und Glutamat belegt ist und am Ende in einer noch dickeren Schicht Käse ertrinkt. Deutsche Kühltruhen sind voll von sowas, weil niemand den Leuten die echte italienische Pizza zeigt. Die, die man nur in Italien bekommt. Es ist leider so. Also schlägt Stefania nach einem kurzen, emotionalen Telefonat mit ihrem Gemahl Carlo die kleine Pizzaria „Il Bersagliere“ gleich um die Ecke vor. Die wäre was für uns. Beim epischen Verabschieden frage ich mich kurz, ob Stefania vielleicht denkt, meine Tochter könnte meine junge Freundin sein und nehme mir vor, das an einem der kommenden Tage mal aufzuklären. Okay, lass uns Pizza essen.

So möchte ich es. SO und nicht anders.

So möchte ich es. SO und nicht anders.

Liebes Tagebuch. Lass uns über Pizza sprechen.
Der beschriebene Laden hat alles, was ihn für uns sympathisch machen kann. Er liegt direkt an einer stark befahrenen Straße, draußen sind Tische mit karierten Decken und Plastikmöbeln, drinnen ist echt viel los und alle sprechen italienisch. Kein einziger Tourist, das Essen kann gar nicht schlecht sein. Aus irgend einem Grund ist es noch immer warm draußen (vielleicht liegt das an der geografischen Lage), ein milder warmer Wind weht und das bunte Treiben auf der gerade zum Leben erwachten Stadt ist einfach phantastisch. Mein Töchterchen und ich setzen uns natürlich draußen an einen Tisch und lassen den Abend auf uns wirken. Motorroller knattern vorbei, aus offenen Autofenstern düdelt fröhliche Musik. Menschen sehen sich und begrüßen sich, Kussi links, Kussi rechts. Alle sind laut und fröhlich, reden, telefonieren, sind so wie sie vermutlich hier immer sind. Der Kellner stellt uns frisches, knuspriges Brot in einem Korb auf den Tisch und bringt uns kurz danach eine Karaffe Hauswein und eine große Flasche eiskaltes Tafelwasser. Die Auswahl an Pizzen ist nicht riesig, und sowas wie Döner-Pizza, Gyros-Pizza oder Spargel-Pizza mit Schinken und Sauce Hollandaise gibt es dankenswerterweise gar nicht. Wenn ich Bock auf Döner habe esse ich Döner. Wenn ich Bock auf Gyros habe esse ich Gyros beim Griechen. Und wenn ich Bock auf Spargel habe dann mach ich mir welchen, aber was hat das alles auf deutschen Pizzen zu suchen? Wenn ich Pizza bestelle will ich Pizza. In meinem Fall eine Diavola mit scharfer Salami und Mozzarella, in ihrem Fall eine Vier Jahreszeiten mit je einem Viertel Schinken, Oliven, Artischocken, Champignons. Dünner knuspriger Boden, wenig Belag, ein Traum.

Glück hat zwei Namen: Diavola und Quattro Stagioni

Glück hat zwei Namen: Diavola und Quattro Stagioni

Ich soll in den kommenden Tagen noch öfter feststellen, dass das Handy meiner Tochter, die weniger als halb so alt ist wie ich und noch nicht viel eigenes Geld verdient viel bessere Bilder macht als meins. Samsung Galaxy S6 kontra iPhone 5s. Mist. Also müssen wir uns wohl zusammentun, sie wird ja sowieso in den kommenden drei Jahren eine gefragte Fotografin werden 🙂 Aber das nur am Rande. Die Pizzen sind wie erwartet unfassbar lecker, der preiswerte Hauswein auch (ist Ihnen mal aufgefallen, dass der einfache Wein im Urlaub klasse schmeckt, aber wenn man davon was mit nach Hause nimmt ist der irgendwie nicht mehr so toll?) und hinterher runden ein Eis mit frischen Erdbeeren und ein Espresso das einfache kulinarische Erlebnis inmitten von lauten Autos und Menschen ab. Das mit dem Bus Shuttle ersparte Geld ist hier gut angelegt. Roma. Ay Roma. Die Ecke von dir hier ist toll, preiswert und genau so wie der Ausgangspunkt für ein paar kleine Reisen in die Antike ab morgen früh sein soll. Wir stapfen zurück zu unserem B&B, sind froh dass die Schlüssel passen (nach so einem Tag hätte mich nichts mehr überraschen können) und nehmen erstmalig das Zimmer wahr.

Finale. Gute Nacht.

Finale. Gute Nacht.

Es ist klein, es ist gemütlich und es ist vor allem ruhig. Klasse. Klimaanlage aus, Fenster auf. Tochter und Vater müssen sich zwar eine einzige Decke teilen, die ist aber drei Meter oder so breit, das bekommen wir schon hin 🙂 Reisen können wir ja. Morgen, wenn die Pizza verdaut ist schauen wir mal in den Petersdom, das Pantheon und was noch so seit ein paar 1000 Jahren da rumsteht. Wir sprechen über Selfie-Stick-Verkäufer. Und wir begreifen Geschichten.
Heute baden wir erstmal in erreichten Anschlussflügen trotz Verspätung, gefundenen Bus Shuttles trotz unzureichender Beschreibung, gemütlichen Unterkünften trotz kleinem Preis und großartigen Pizzen trotz… ja trotz? Kein trotz. „Alles, was schief laufen kann läuft schief“ war 2014. Jetzt ist 2015, und wir sind in Rom. Noch zwei Tage. Und vielleicht sind Sie ja bei uns.

Sandmann

HIER geht es weiter zum Schlangestehen vorm Petersdom. Oder auch nicht.

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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10 Responses to Zur Pizza fliegen

  1. Will Sagen says:

    Also, die Spannung ist ja kaum auszuhalten, was mit dem Selfie-Stick-Verkäufer los ist!

    • Sandmann says:

      Ay Will,

      jaaaa, Spannung kann ich aufbauen oder? 🙂
      Mit denen ist gar nicht so viel los. Die waren einfach ÜBERALL. Und das kann ich ja nicht einfach so hinnehmen, da muss man ja…. nun… aber das ist eine andere Geschichte.

      Sandmann

  2. Marc says:

    Roma, Roma… als Teenager war ich 1994 das erste und einzige Mal da, eine faszinierende und sehr vielseitige Stadt.
    Wenn wirs schon oft von Musica haben, die Canzoni italiani mi piace molto!
    E la cucina mediteranea, un sogno…
    (der geneigte Italienkenner bemerkt mein drittklassiges italienisch, aber es reicht zum Geniessen)

    Das mit den Flüchtlingen sehe ich auch als tragisch an, aber ich gehöre nicht zu denen, welche die Schuld/Mitschuld beim Deutschen Michel sieht. Sondern in erster Linie in einer Kultur welche solche prekären Lebensumstände zulässt, bei den Amis welche meinen überall aufräumen zu müssen ($) sowie bei den europäischen Regierungen welche mit ihrem unklaren Kurs Hoffnungen hegen bei verzweifelten Menschen. Dabei kann Europa unmöglich alle aufnehmen. Aber ein starkes Europa könnte da unten für deutlich bessere Bedingungen sorgen, wenn den ein Wille da wäre.
    Das sind die Gedanken eines nicht gutmenschentauglichen Schweizers…

    • Sandmann says:

      Ay Schweizmann,

      ich wollte mit meinen beiden gedanklichen Ausflügen in die Off Topics auch eigentlich gar keine Themen aufreißen. Ich bin ja eher unpolitisch, aber ich mag Menschen…..
      Also bleibe ich lieber zunächst bei Rom, und in dieser Geschichte ja auch erst einmal beim Weg dahin und der ersten von sechs Pizzen 🙂 Ich muss mal die Bilder sortieren, bald geht’s weiter. Gibt ja eine Menge zu sehen und zu erzählen…. Auch wenn meine „Reiseberichte“ nicht ganz so performen wie die Autogeschichten, aber ich verdiene hier ja kein Geld mit Klicks 😉 Also ab dafür…

      Sandmann

  3. Snoopy says:

    Oh Rom will ich unbedingt auch mal hin.
    Ja und über Flughäfen bin ich auch schon gerannt.
    Größte Distanz war in Atlanta. Wir waren dann mit dabei, unser Gepäck nicht. Anderswo hat es trotz aller Versuche nicht geklappt 🙁 eine ungemütliche Nacht in Lissabon auf dem Flughafen…

    • Sandmann says:

      Ogottogott.
      Siehst du, das wollte ich verhindern.
      Wahrscheinlich wären wir schon irgendwie nach Rom und auch zum Hotel gekommen, aber der erste von drei wertvollen Abenden wäre dann komplett dahin gewesen.
      Am Ende hat alles, aber auch ALLES geklappt 🙂 Jetzt atme ich erstmal durch und lass mir eine Badewanne vollaufen. Yay.

      Sandmann

  4. Daemonarch says:

    Au, Italien…

    Mit dem Reisebus war ich ja früher sehr oft da (meist im Raum Rimini/Cesenatico, oder in der Toscana).
    Mann, was waren das teilweise für schöne Fahrten! Von solo-Übernachtungen in der mini-Pension von „Mama Miracoli“, die mich sofort adoptiert hatte, und mich praktisch rund um die Uhr mit allem fresskram verwöhnt hatte, bis zur nervigen unterbringung mitten unter der Jugendgruppe, mit Machtwort meinerseits um halb vier uhr nachts, damit man mal pennen konnte.

    Ja, die Pizzen… Keine Ahnung, warum selbst die Italiener hier das nicht mehr hinkriegen – vielleicht wächst sich die fähigkeit irgendwie raus?
    Vielleicht ist es auch der von dir erwähnte Effekt, das die Speisen und Getränke im Urlaubsland immer gefühlt besser munden?
    Auf jeden Fall war meine letzte Fahrt nach Italien zum Gardasee. Wir waren in einer Bungalow/Campinganlage mit ausgedehnter Gastronomie untergebracht, und ich hab ungelogen die ganze Woche nur Pizza gegessen, weil die so unfassbar lecker schmeckte.

    Bei dem selfie im Bus… Keine Ahnung warum ich da mehr auf die anderen Leute achte, der Typ mit dem Turban ist ja geil! 😀

    • Sandmann says:

      Ay Daemonarch,

      Selfies sind ja eigentlich so ne Sache, wenn noch andere Leute drauf sind. Meine Sitznachbarin im Flieger hat beim Selfie ihr Buch vors Gesicht gehalten (obwohl sie gar nicht mit drauf war), das hatte ich selbst vor lauter Rumgelächel gar nicht gemerkt 🙂 Meine Tochter musste mich da erstmal drauf hinweisen. Soweit zum Datenschutz.

      Wer hier in Deutschland gute Pizza macht ist Vapiano… Auf den dämlichen Selbstabholer-Fresstempel habe ich aber keine Lust, das ist da ja schlimmer als bei McDonald’s. Nee nee. Aber Pizza – können die.

      Im Sommer geht es für mich mal wieder nach Südfrankreich, aus Kostengründen diesmal in eine kleine Ferienwohnung. Da kommen dann die nächsten Reiseberichte, wieder mit Mietwagen 🙂
      Aber ein bisschen Rom hab ich ja noch.

      Sandmann

  5. Tach Sandmann,
    reizvolle Vorstellung, einfach mal eben in den Jet zu steigen, um Rom zu besichtigen. Diese Spontanität fehlt irgendwie bei mir. Ich plane ja schon so manche Fahrt in die nächste Stadt ein paar Tage vorher.

    Rom lag bei meiner letzten Reise irgendwie nicht so recht auf dem Weg, was wohl auch daran lag, dass mir Italien insgesamt unsympathisch ist. Ich komme mit dessen Mentalität nicht so ganz klar. Als ich wieder in die Schweiz weiter fuhr, hatte ich das Gefühl, im gelobten Land anzukommen. Warum das so ist, kann ich schwer beschreiben.

    Wenn ihr schon selbst so viele Selfies macht, dann seid ihr prädestiniert für den Selbstporträtstab :D, wobei es ziemlich affig aussieht, wenn Menschen damit durch die Straßen laufen und sich dabei selbst filmen. Früher drehte sich die Erde um die Sonne, heute dreht sie sich um jeden einzelnen Selbstverliebten, der alle 10 Minuten sich selbst fotografiert.
    Wenn ich recht überlege, habe ich von mir selbst bisher genau zwei Bilder gemacht, weil ich auf die Schnelle eins brauchte.

    Wer von euch beiden ist denn so auf Retro-Spiele aus?

    Grüße

    • Sandmann says:

      Ay Peter,

      ich mag die italienische Mentalität, und ich mag vor allem, dass die überall ihre Kinder mit hin schleppen. Klasse. Da ist alles ein wenig… einfacher 🙂 Nicht so steif. In der Schweiz bin ich ja auch gern, aber seit man mich als Deutschen da streckenweise mit einer krassen Ausländerfeindlichkeit bedacht hatte habe ich ein paar Blickwinkel ein wenig geändert. Dann höre ich mir lieber von einer italienischen Führerin an, wie damals der kleine Führer der Deutschen neben dem noch kleineren Mussolini im Auto durch Rom gefahren ist oder spiele mit 85jährigen Franzosen Boule, die mich in ihrer Landessprache fragen, warum es bei uns eigentlich noch immer Nazis gibt. Das ist irgendwie offener 🙂

      Selfiesticks sind die PEST. Ich mach ja auch gern mal ein Bild von mir selbst, aber doch nicht permanent. Außerdem sind meine Arme lang genug. Aber dazu später mehr.

      Du bist nun schon der zweite, der mich auf die RETRO Gamer anspricht. Ich hatte gar nicht mitgeschnitten, dass die im Bild zu sehen ist. ICH natürlich 🙂 Hab auch ne Dos Box auf dem Laptop, in der DOOM und ein paar andere Vertreter der grobpixeligen 90er laufen…. Ab und an mal ganz unterhaltsam 🙂

      Sandmann

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