Der Pate – Director’s V8 Cut

Was da drin ist muss jetzt raus.

Was da drin ist muss jetzt raus.

Mehr Automobil am Stück zu bewegen als einen viertürigen Cadillac DeVille aus den späten 60ern ist auf diesem Planeten fast nicht möglich. Das aus Versehen gekaufte Exemplar entpuppt sich als stinkende Leiche, vielleicht steckt der miefende Teufel auch im Detail zwischen Horror und Behördenzirkus. Ein Epos in dunklem Zwirn. Ich begleite als Handlanger den Paten Guiseppe Cortozzo in genau diesem Wagen bei der Entsorgung eines Problems, und während die lästigen Spuren langsam im Betonfundament versinken bleibt ein bisschen Zeit, um über nordamerikanische Überheblichkeit nachzudenken. Die Firma dankt.

Vertrauen Sie diesem Mann.

Vertrauen Sie diesem Mann.

Der blaue Sack im Kofferraum bewegt sich inzwischen nicht mehr von selbst. Das war auch irgendwie ein bisschen unheimlich. Da hinten unter dem fußballfeldgroßen Deckel ist eine Menge Platz, um sich zu bewegen. Mit kaltem Blick referiert der schwarz gekleidete Mann hinter dem Steuer dialektreich über seine Vergangenheit und über dieses Auto, in dem wir sitzen. Erkenntnis: Wenn der ursprüngliche „Firmen“wagen Opel Diplomat V8 während eines Oldtimertreffens neben einem beliebigen Cadillac wirkt wie ein Trabant neben einer S-Klasse – dann ist es Zeit für den Wechsel. Unternehmer Giuseppe Cortozzo sprang diese Erkenntnis damals so unerwartet an wie winterliches Streusalz den 60er-Jahre Hohlraum. Unaufhaltsam nagte der Wunsch der automobilen Untreue an dem stattlichen, eigentlich Rüsselsheim-affinen Mann, bis als erster Schritt der Diplo verkauft wurde. Weg damit 🙄
Heimlich, versteht sich, denn es handelte sich bei dem üppig proportionierten deutschen Ami eigentlich um sein Hochzeitsfahrzeug. Oha. Mit der unerschütterlichen Hoffnung, dass sein Frauchen den Verlust so bald nicht bemerken werde, las sich der fullsize-Macher in einschlägigen Magazinen über die als Ersatz in Frage kommenden Übersee-Modelle schlau und klickte sich vergleichend durchs Internet.

Salon für mindestens 5 Personen

Salon für mindestens 5 Personen

Beruflich kennt Cortozzo keinen Spaß. Privat eigentlich auch nicht. Für einen schweizer Import-Cadi ohne Brief bot er uninspiriert bei einer Auktion (trotzdem nur so aus Spaß) einen lächerlich kleinen Betrag, wesentlich weniger als das Entsorgen eines Problems durch Drittanbieter ihn offiziell kosten würde. Kurz darauf besaß er aus Versehen ein viertüriges Hardtop Coupé von 1969, ungesehen, fahrbereit, abholbar irgendwo bei Heidelberg, also südlich der Elbe. Da musste man dann wohl mal hin. Cortozzo zerrte seinen Kumpel Klotzi und einen Werkzeugkasten für alle Fälle zum örtlichen Bahnhof und buchte zwei Tickets in den Süden. Erwartungsgemäß 1. Klasse. Klotzi hatte er selbst in der Familia mit Nudeln und Rotwein großgezogen, sagt er mir, als er den Wagen etwas zu schnell und erstaunlich agil über die Stadtautobahn aus Hamburg raus lenkt. Das Teil neigt sich in die Kurve wie ein Supertanker mit Düsentriebwerk. Klotzi sei ihm ein ergebener Leibmechaniker, betont er. Der sei immer dabei. Und was gekauft ist, wird auch geholt. Selbstverständlich auf eigener Achse, schließlich habe man Eier. Ein paar Stunden später standen die beiden vor einem Haufen Auto.

Agiler als man ihm ansieht.

Agiler als man ihm ansieht.

Ein wirklicher 2-Tonnen-und-fast-sechs-Meter-Haufen! Der gestandene Mann unter dem schwarzen Hut schwärmt am Steuer und richtet seinen Blick auf den Horizont, während die urbanen Vororte geräuschlos vorbeifliegen. Bis zum Neubau von seinem Firmengebäude ist es noch ein wenig hin, also blicken wir flugs zurück in die Annalen des Blechgiganten. General Motors hatte mit der Qualitätsmarke Cadillac das amerikanische Luxussegment fest im Griff, und mit der ersten DeVille-Generation von 1949 wurde ein echtes Prestigemodell ins Leben gerufen. Im Land war genug Platz, die Straßen waren breit und gerade und Metall hatte man auch genug zur Verfügung. Die neue Messlatte des überheblichen Nachkriegs-Luxus gab es in gewohnt amerikanischer Modellpolitik: Als zweitüriges Coupé DeVille (bekannt aus diversen zeitgenössischen Songs ♫) mit Stahldach, als viertüriger Sedan DeVille und als Cabrio – da hieß er dann nur DeVille. Das war‘s. Nix Station Wagon oder so etwas. Kombi – brauchte man damals noch nicht.

Ein Mann von Format

Ein Mann von Format

Die in den Himmel ragenden Flossen mit den Raketenrücklichtern der späten 50er wurden für die 5. Generation von 1965 bis 1970 geglättet, die fast filigrane Sachlichkeit der 60er Jahre hatte den Gleiter aber in die Länge gestreckt. Ein paar optische Kniffe der GM-Designer lassen ihn wirken wie ein Schlachtschiff unter vollen Segeln, das gerade von einem viel zu großen Hai verschluckt wurde. Der regelrecht gefräßig wirkende massive Kühlergrill, aus dem man ständig die auf Kreuzungen angesaugten Kleinwagen rauspopeln muss wird flankiert vor grimmig guckenden Doppelscheinwerfern. Ja, genau diese nebeneinander liegenden Doppelscheinwerfer aus genau dem Baujahr 1969 wollte Giuseppe haben, nicht die übereinander gestapelten davor und danach. Die nicht enden wollende seitliche Gürtellinie dieses Über-Autos verliert sich kurz in einem angedeuteten Hüftschwung vor den holmlosen hinteren Türen und flankiert eine mittig geknickte Heckscheibe, die sich wie ein Segel über den mehr als zwei Meter breiten Hintern des Sedans spannt. Viel Platz zum Liegen, gern auch quer.

So viel Auto muss einfach sein

So viel Auto muss einfach sein

Amore Mio, ist diese Karre schön! Der Pate wird fast poetisch. Tandaradei 🙂 Gerade, schlichte, steil aufgerichtete Heckflossen spiegeln einen letzten Seufzer eines vergangenen Zeitgeistes wider und sitzen selbstbewusst auf einem hinten abschließenden Bumper, der die gesamten Chrom- und Stahlvorkommen rund um den Eriesee zu beinhalten scheint. Irgendwo dazwischen können Menschen sitzen, dieser eigentlich auch sehr großzügig dimensionierte Fahrgastraum erscheint allerdings fast zu vernachlässigen angesichts der schieren Länge von Motorhaube und Kofferraum. Wahnsinn. Der Cadillac besteht primär aus Motorhaube und Kofferraum! Ach ja, Kofferraum. Sind wir bald mal da? Es riecht irgendwie komisch von hinten.

Zurück zum Abhol-Epos. Kumpel Klotzi rümpfte auch bei der Begehung des rollenden Mehrfamilienhauses damals die Nase. „Was zum Teufel hast du da GEKAUFT??“ steht als überlieferter Satz im Raum. Der ersteigerte Cadillac stank so sagenhaft, dass der Verkäufer reumütig schon vor Ort mit dem Preis weiter runterging. Der goldene Sedan war optisch und technisch eine Höllenmöhre, zwar nicht mausetot, aber vor allem geruchsmäßig vom Teufel besessen. Was konnte man tun? Zwei sofort gekaufte und komplett ausgepackte Wunderbäume mit Duftrichtung „Neuwagen“ halfen nur bedingt gegen den Gestank, die Leiche im Kofferraum musste offensichtlich mitgekauft werden, man wollte sie später irgendwo entsorgen. Es sollte die erste derartige Lösung einer langen Kette von weiteren ähnlich äh … liegenden … Fällen sein. Endlich erreichen wir den Neubau von Cortozzos Firmenkomplex, das Fundament ist noch nicht gegossen…

Zeit ist Geld, der Beton ist gleich trocken.

Zeit ist Geld, der Beton ist gleich trocken.

Der Pate steigt aus, öffnet routiniert, aber mit leicht verstohlenem Blick den Kofferraum und hat sofort das nächste Déjà Vu von der Abholung des neuen alten Autos. Die Fenster mussten während der langen Fahrt von Heidelberg zurück nach Hamburg allesamt ganz offen bleiben. Trotz Wunderbäume. Wenn das doch das einzige Problem gewesen wäre. Im originalen Radio spielte ein Oldiesender optimistisch „It never rains in Southern California“, das mochte für die amerikanische Westküste gelten, nicht aber für Northern Heidelberg. Der Himmel weinte, als gäbe es kein Morgen mehr. Pilot Cortozzo und Navigator Klotzi hatten die Wahl zwischen qualvoll im Leichengeruch ersticken oder hinterm offenen Fenster an Regenwasser ertrinken. Um diese beiden Alternativen noch etwas zu würzen (oder vielleicht um von ihnen abzulenken), meldete sich nach 50 Kilometern die Servolenkung mit dramatischer Inkontinenz, irgendwo weit in den Untiefen der offensichtlich undichten Druckschläuche und natürlich direkt über dem Auspuff. Die Wolken regneten, das Auto tat es auch.

Also, wir haben nichts gesehen.

Also, wir haben nichts gesehen.

Das ohnehin schon gebeutelte Herrenteam scheuchte den DeVille verzweifelt noch ein paar Kilometer wie eine Supernova qualmend durch den sintflutartigen Regen, dann hatte Klotzi die Schnauze voll. Klotzi hatte Eier. Beherzt schnitt er den Keilriemen durch und verhinderte so den Tod der Servopumpe, wenn das System erst einmal leergelaufen war.
Was allerdings neue Probleme aufwarf, denn das Dickschiff verlangte mit seinen mehr als zwei Tonnen Leergewicht dem Lenkenden ohne die hydraulische Unterstützung so einiges ab. Haben Sie schon einmal versucht, mit bloßer Hand einem Gletscher eine neue Richtung zu geben? Rund alle zwei Stunden, immer dann wenn die Schreie auf dem Fahrersitz unerträglich wurden, tauschten die beiden die Plätze. Und irgendwie ging’s. Am späten Abend rollte der stinkende, vollgeregnete, qualmende und arg runtergekommene Cadillac vor die heimische Casa Cortozzo und wurde von Giuseppes Ehefrau mit weit aufgerissenen, ungläubigen Augen erwartet. Sie hatte am Nachmittag herausgefunden, dass der Diplo verkauft wurde. Was in den folgenden Stunden passierte, lassen wir unter dem Deckmantel der Privatsphäre verschwinden, in die Garage passt es sowieso nicht.
So. Dieser Kofferraum hier und heute ist jetzt leer, der Mann im schwarzen Zwirn hält kurz andächtig inne. Und weiter.

Ein kurzer, andächtiger Moment

Ein kurzer, andächtiger Moment

In der 6. Modellreihe bis 1976 legte GM nach diesem Wunderwerk von einem Auto noch eine Schippe drauf, bohrte die Topmotorisierung des DeVille zu einem niedrig verdichteten 8,2 Liter V8 auf (das sind mehr als acht Milchtüten, man stelle sich diese Brennräume vor!) und streckt die Limousine fast bis an die magische sechs Meter Marke. Kein Wunder, dass die luxuriös ausgestatteten Plüsch-Sänften in diversen Mafia Streifen als Dienstwagen durchs Bild gleiten und als Pop Art in vielen zeitgenössischen Songs Erwähnung finden („… I saw Maybelline in a Coupe DeVille„). Nach dieser Generation riss sich General Motors mehr und mehr am eigenen Riemen. Der DeVille, in seinen sündigen Dimensionen nur noch zu toppen durch den Fleetwood, wurde kantiger, würfeliger und wieder zumindest optisch kleiner. Mitte der 80er schrumpfte er sogar heimlich still und leise kürzer als fünf Meter. Kleine V6-Motoren mit gerade einmal dem halben Hubraum des Big Blocks kamen hinzu, und 1993 wurde die Modellpalette auf den Sedan DeVille beschränkt. Die Welt brauchte keine überdimensionierten Coupés mehr.
 Wer sich jemals mit seinem „DeVille“ oder seinem vergleichbar dimensionierten Lincoln „TownCar“ trotz der urban einladenden Namen in einer kleinen Einbahnstraße verkantet hatte wird wissen, warum.

Contenance bewahren

Contenance bewahren

Aber gerade dieses Image des letzten großen Sauriers lässt Giuseppe zu Höchstleistungen auflaufen. Das Problem aus dem Kofferraum ist entsorgt und einbetoniert, das Fahrzeug damit weitestgehend von Gestank befreit. Familienbande wie damals, als der Wagen „neu“ war: Papa Cortozzo wurde angeheuert, den nun von Unrat befreiten Kofferraum mit einigen Quadratmetern neuem Teppich auszukleiden. Er denkt seither über eine Änderung seines Testaments nach. Und dann gab es kein Halten mehr. Calle und Alex von der Old/Youngtimer Werkstatt S.O.C.S.  in Sievershütten begutachteten das Dickschiff und besorgten alle notwendigen Ersatzteile. Cortozzos Kumpel Michael mischte den güldenen Lack neu an und sorgte für eine rostfreie Nachlackierung aller maladen Stellen. Das Fahrwerk bekam neue Stoßdämpfer, Koppelstangen, Radlager, Bremsleitungen und Scheiben, die Hinterachse wurde abgedichtet und lackiert. Dem Big Block spendierte man alle erhältlichen Dichtungen, eine komplett neue Zündanlage, Luftfilter, Kühlwasser und einen neuen Ölkühler. Außerdem wurde er gereinigt und lackiert, genau wie der gesamte Unterboden. Servoschläuche wurden ersetzt, Hohlraumkonservierung gespritzt und ein neues Vinyldach aufgezogen.

Mission erfolgreich abgeschlossen

Mission erfolgreich abgeschlossen

Der Firmenwagen wollte schließlich in einem zuverlässigen Zustand vorfahren. Gesunder, kraftvoller V8 mit etwas über 600 Newtonmetern Drehmoment (reicht leidlich), komfortabler Kofferraum, nicht wirklich für Koffer. Im Laufe der Monate freundet sich sogar Giuseppes Ehefrau mit dem Neuzugang in „La Familia“ an und nähte ihm für das Abteil zwischen Motor und Kofferraum flauschige Kuschelkissen, farblich abgestimmt mit dem Inneren, mit denen sich die letzten Schmarren im leicht verschlissenen Interieur abdecken lassen.
Während das 5,75-Meter-Schiff über einen Zeitraum von fünf Monaten nach Erwerb im verregneten Heidelberg seiner Fertigstellung entgegensegelte, überlegte sein Besitzer zwischenzeitlich, einen weiteren Auftragskiller auf die deutschen Behörden loszulassen. Ein importiertes Auto ohne Brief oder Schein aus einem Nicht-EU-Land zulassen zu wollen gleichte dem Versuch, einen überführten Serienmörder freizusprechen…

Nun aber schnell weg

Nun aber schnell weg

Ohne den Brief aus der Schweiz werde man den Wagen in Deutschen Hoheitsgebieten niemals zulassen, hieß es seitens der klassisch sturen Behörden. Drei nette Damen telefonieren und mailen in Cortozzos Auftrag in wechselnden 12-Stunden-Schichten über drei Monate in der Weltgeschichte der Papiere herum, und am Ende lagen vor: Ein nagelneuer Brief, eine neue Fahrgestellnummer, eine neue Schlüsselnummer, ein neues technisches Datenblatt, die eidesstattliche Erklärung des Vorbesitzers (der kurz zu unrecht befürchtete, die Leiche aus dem Kofferraum zurück zu bekommen), der Kaufvertrag, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, diverse Zollpapiere und eine mängelfreie Vollabnahme mit H-Gutachten. Der Pate ist gründlich, auch wenn er in dieser Sache sehr gereizt ist. Normalerweise würden alle diese Verweigerer schon längst bei den Fischen sein. Oder in irgend einem Fundament. Aber mit diesem Papierstapel in der Höhe eines Altbau-WG-Zimmers ging es dann – irgendwie – doch. Früchte der harten Arbeit, heute Abend wird Mama eine große Pizza für alle machen. 
Giuseppe Cortozzo lächelt heute selig, wenn er sich hinter das Steuer seines Cadillac DeVille klemmt. Der Wagen ist zugelassen, das Fundament seiner Firma inzwischen fertig gegossen, und eine ausreichend große Garage für den Amerikaner fand sich auch. Das war allerdings… gar nicht so einfach.

Nun, man scheint zufrieden

Nun, man scheint zufrieden

Das gewaltige Automobil lässt sich, einmal abgesehen von den Dimensionen, dank brachialer Leistungsreserven tatsächlich so agil bewegen wie ein sportlicher Chevy Getz. Cortozzo gewährt mir gnädig das Privileg, den Firmenwagen mit meinen eigenen Händen nach Hause lenken zu dürfen. Der Fahrbahnkontakt zwischen dem kleinen Lenkrad und der Straße ist quasi nicht vorhanden, dafür lässt es sich aber im Stand mit einem einzigen Finger drehen. Die Servopumpe erzeugt allein schon mehr Drehmoment als ein hochgezüchteter, niedrigbehubraumter Kleinwagenmotor. Das genügt zum sauberen Geradeausnavigieren, eine Parklücke für dieses Auto findet sich ohnehin in ganz Hamburg nicht.
 Habe ich Eier? Ja. Beim Tritt auf das Gaspedal drehen die Hinterreifen auch auf Asphalt noch hinter der zweiten Fahrstufe stumpf durch. Ein bisschen Teufel scheint nach wie vor in dem Cadillac zu stecken. Zwischen den Tankstopps können sich alle noch lebenden Passagiere auf den Sofas ohne Seitenhalt in die custom Plüschkissen kuscheln. Das alles wird mit dem seidenweichem, blubberndem Rundlauf des Big Block fast schon musikalisch wieder kompensiert. Als zweifacher Hochzeitswagen hat der Cadi den verstoßenen Diplo inzwischen überflügelt und damit den endgültigen Segen der Ehefrau gespendet bekommen.

Legen Sie sich nicht mit ihm an.

Legen Sie sich nicht mit ihm an.

Showdown. Eine Tiefgarage irgendwo in Hamburg. Dieser Ort ist selbst schon prädestiniert für verschiedene Szenen eines Verbrechens, oder für einen Showdown von „Highlander“, aber hier wird nur das Auto abgestellt. Der Pate deckt den langen, goldenen Cadillac liebevoll mit einem atmungsaktiven Tuch zu. Fast möchte man meinen, er schließt ihm die Augen. Aber der Wagen ist nicht verstorben, er schläft nur. Welche Kraft in ihm steckt wissen nur die, die einmal mit ihm gefahren sind. Und wo die Probleme entsorgt wurden werden Sie niemals erfahren. Ein bisschen, ein ganz kleines bisschen riecht er innen noch muffig. So ganz wird man die Vergangenheit einfach nicht los.

Sandmann

TECHNISCHE DATEN

Cadillac deVille Sedan Hardtop 4door

Baujahr: 1969

Motor: V8 Big Block
Hubraum: 7.690 ccm (472 cui)
Leistung: 276 kW (375 PS) bei 4.400/min

Max. Drehmoment: 640 Nm bei 3.100/min
Getriebe: Dreigang-Automatik
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 5.750/2.030/1.430 mm
Leergewicht: 2.100 kg

Beschleunigung: 0-100 in 8,5 Sek.
Top Speed: ca 200 km/h
Wert: ca. 17.000,- Euro

Sag es auch den anderen...
Pin It

About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
Tagged , , , , , . Bookmark the permalink.

10 Responses to Der Pate – Director’s V8 Cut

  1. Marc says:

    Ui, dagegen ist mein Feuervogel ja ein frisch geschlüpftes Vögelchen, süss, klein und leicht zu übersehen 😀

    So etwas grosses würde mir durchaus gefallen so als Familien-Oldtimer 🙂

    • Sandmann says:

      Jahaaaa Marc,

      ich muss dieser Tage manchmal an dich denken. Obwohl der Firebird ja auch nicht wirklich KLEIN ist 😉 Aber so ein FullSize Kahn ist sagenhaft.

      Wir sind heute mit einem 72er T-Bird durch den Harburger Hafen gefahren. Die Haube ist auch nicht wirklich kurz. Ich muss mich echt mal wieder bei mobile rumtreiben, nur mal gucken……..

      Sandmann

  2. Markus1975 says:

    Hey Jensi

    Ich bin schon wieder hin und her gerissen. WAS soll ich schreiben? Jetzt wo ich wieder angestochen bin. Zuerst einmal einen Kaffee. 😉

    Wieviel Quadratmeter Blech da bewegt werden kann man auf den Bildern gar nicht erfassen. Erst wenn man live davor steht merkt man das man das berühmte Dosentelephon benutzen könnte. Ein Schiff von einem Auto. Und das kann ich jetzt nur behaupten, weil der Jan ein ähnliches Modell gerade aufpäppelt. Ihn hatte ich mit weiblicher Begleitung mal in seiner Schrauberbude besucht. Tür auf und…da stand ein Auto aus einer anderen Zeit. Ein Auto welches Autos wie Käfer und Opel Coupe zum Frühstück einatmen würde. Gut. Ich wußte das die Autos von über den großen Teich groß sind, aber dermaßen groß? Das war doch kein Auto.
    Jan führte mich um das Auto herum, zeigte dieses jenes. Als wir wieder vorne ankamen war das Überdruckventil der weibliches Begleitung schon geöffnet. Öhm. Hatte ich die Zeit vergessen, oder waren tatsächlich gut eine Stunde vergangen? Und den Motor hatte ich noch gar nicht gehört. Jan schaute Melanie an, zog leicht den Kopf ein. Man(n) kennt ihn. Den „bösen“ Blick. 😉
    Ich nuschelte nur noch…laß mal den Motor an. Und wie der Motor ansprang. Ich übertreibe jetzt wirklich nicht. Der Anlasser machte keine drei Umdrehungen und ich mußte mich festhalten um nicht in die Knie zu gehen. Wie geil war das denn?! Ich hatte doch bei mir auch nen V8 stehen. Allerdings „eingedeutscht“ Soll heißen das dieser V8 niemals die weiten Steppen der Prärie gesehen hatte. Ein Vorstadtkind ohne große Lebenserfahrung könnte man meinen im Vergleich zu diesem Wagen.
    Dieser Sound sagte mir ganz deutlich, das ich mir wohl auch einmal so ein Auto holen werden würde. Und nicht nur ich war begeistert. Auch meine weiblich Begleitung gab doch tatsächlich grünes Licht. Ich war verwirrt. Wenn jemand absolut nicht autobekloppter, benutzen und gut Typ, plötzlich zu einem fremden Auto geht, über die Motorhaube streichelt und glänzende Augen bekommt…
    Kurzum. Der Wagen vom Paten ist dekadent, fett und unvernünftig. Man könnte mit dem Motor ein kleines Dorf mit Strom versorgen, während dieser zufrieden im Leerlauf läuft. Keine Hektik bitte. Der Sound läßt mit Sicherheit den Putz bröckeln und wenn man nicht aufpasst bekommt man Ärger mit der Strassenmeisterei, weil sich ständig der Asphalt hinter einem aufrollt. Einen Dinosaurier bewegen in solch einer modernen Zeit? Aber sicher doch. Plastik kann sich jeder irgendwo leasen.

    V8 mäßige Grüße

    Markus

    • Sandmann says:

      Ay Markus,

      du hast euren „Rundgang“ um Jans Auto schön beschrieben 🙂 Wenn man nur einmal drumrum gehen möchte muss man am Ende seine Schuhe neu besohlen lassen…
      Und ja na klar, der Sound eines klassischen amerikanischen Big Blocks ist etwas ganz anderes als der eines neckarsulmer Vollalu-Blocks. Wobei der Audi V8 auch durch die gleiche Zündfolge sein ganz eigenes Geblubber rauslässt und bei Bedark auch mal knurren kann. Das ist einfach eine andere Zeit und eine andere Einstellung dahinter. Wer europäische Kraftpakete abfeiert steht eher nicht auf die Gas Guzzler aus den U.S.A. Die Dekadenz und Überheblichkeit der Dimensionen, das Sofa-Ambiente… Ich persönlich finde das wundervoll, aber man darf da auch gern mit dem Kopf schütteln 😉

      Was ich an alten Amis schätze: Du bekommst alle, wirklich ALLE Ersatzteile aus jedem Baujahr für ganz kleines Geld. Da sind die anders drauf. Wenn die Teile doch nur nicht so durstig wären 🙁 Auch wenn du einen sauber eingestellten 6.8 Liter Motor aus 14 Liter runterbekommst, für den Alltag ist das zu viel. Und ich will meine Autos im Alltag fahren, alles andere finde ich doof…

      Urks. Ich geh mal rüber und guck bei mobile.de. Ich Wahnsinniger 😉 Und heute Abend stöber ich durch den Mittelteil der neuen TRÄUME WAGEN, da findet man ja auch immer was….

      Sandmann

  3. Daemonarch says:

    Ein fantastisches Auto! Den würde ich gern mal live blubbern hören.

  4. Markus1975 says:

    Hey Jensi

    Im Alltag ein Dickschiff bewegen? Hm. Dies könnte durchaus am Durst desselbigen scheitern. Gasanlage wäre da wohl eine Option und wohl auch sinnvoll. Im Winter würde ich dem alten Blech aber Ruhe gönnen. Was nützt einem die beste von einem selber aufgetragene Hohlraumversiegelung wenn einem bei Eis und Schnee jemand in den Kofferaumraum rutscht. Ok. Der Caddy würde wahrscheinlich einmal husten und den Unfallgegner einfach in den Kofferaum aufnehmen und verschwinden lassen, aber Bauchschmerzen wären garantiert. 😉
    Über Ersatzteile brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Nur soviel. Der Jan hat für seinen Big Block ALLE Teile zum abdichten bekommen und hat noch nicht einmal 200 Euro hingelegt! Wenn ich da unter die Schlafhaube in meiner Halle schaue…wesentlich teurer. Aber noch lieferbar.
    Wie schaut es da bei den Ersatzteilen von dem Goldklumpen aus? Apropos Goldklumpen. Bevor es losgeht gibst Du mir bescheid Du Sack. Ohne Ölwechsel kommt der Junge nicht bei mir raus. Geht auf meine Kappe!

    V8 mäßige GRüße

    Markus gleich zu Bett

    • Sandmann says:

      Ay Schrauber,

      ja guck, wegen des Durstes habe ich ja auch KEINEN Ami vor der Tür. Das mit dem Winter sehe ich ja nicht so eng, weißt du ja.

      Für den KaSi gibt es im Handel nichts mehr. Aber über den Club bekommt man noch fast alle Teile zu einem fairen Preis, Mitgliedschaft obligatorisch. Allerdings ist da nichts mit gewesen, seit ich ihn habe. GAR nichts. Okay, ich fahr ihn ja auch nicht oft….

      Ich sag bescheid. Und komm auch die Tage mal wieder vorbei, am Taxi ein bisschen rumschlachten 🙂

      Sandmann

      • Markus1975 says:

        Hey Jensi

        Super. Freue mich. Habe diese Woche Nachtschicht. Wenn es passt könnten wir ja ab Samstag mittag… 😉
        Einfach mal anrufen.

        V8 mäßige Grüße

        Markus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ein bisschen Mathematik: *