Der rote Rennkäfer

Sportlich mal anhalten

Sportlich mal anhalten

Ein paar wirklich kluge Menschen wissen alles über den Porsche 356. Andere wissen gar nichts. Viele wissen ebenfalls nichts, tun aber so als wüssten sie alles. Was nützt alles angelesene oder meinetwegen auch geglaubte Wissen, wenn man die Urversion des deutschen Sportwagens nicht selbst irgendwann einmal gefahren ist? Emotionen entstehen nicht durch die Menge an Wissen im Kopf oder überhebliche Klugscheißerei auf einem sterilen Messestand. Emotionen entstehen durch Erfahrung. Deshalb nehme ich die Autoschlüssel, schäle mich selbst hinter das Lenkrad und fahre den kleinen, roten Klassiker einen Tag lang durch den norddeutschen Frühling. Dieses Erlebnis kann mir keiner mehr nehmen.

Wunderschön, finde ich...

Wunderschön, finde ich…

Kenner kennen alles.

Ich bin ja jetzt nicht so der ausgewiesene Porschekenner. Aber der alte Mann mit dem stattlichen grauen Schnurrbart neulich auf der Klassikerauktion hat gesagt, der 356 sei nur ein besserer Käfer und außerdem viel zu teuer. Ach ja. Es gibt unzählige Fachtexte und episch ausformulierte Historien über den allerersten Serienporsche, welche sich auch in den kommenden 100 Jahren inhaltlich nicht mehr sonderlich verändern werden. Auf den Messen der Republik punkten viele Kenner daher mit Detailwissen, erkennen sofort Form und Höhe der Stoßstangen das Baujahr, denken nicht in Lebensjahren sondern in Preissteigerungen und fahren dann mit ihrem wenige Jahre alten 991er nach Hause.

Ich und er. Verstehen wir uns?

Ich und er. Verstehen wir uns?

Quasi jeder Porsche aus jedem Baujahr ist oder wird eine Legende. Und so ein fast 50 Jahre alter Sportwagen (nach damaligen Maßstäben) ist einfach geil. Das hat viele Gründe, die meisten davon kann man anfassen, spüren, hören und riechen. Dieser rubinrote 356 B von 1962 wirft alle diese Gründe zusammen und strahlt in der Morgensonne so selbstbewusst und trotzdem so klein vor sich hin, dass ich in einer Mischung aus Ehrfurcht und Knuddelbedürfnis verharren möchte. Er ist vollgetankt und startbereit. Er ist ein fahrbares Stück Ingenieurskunst mit dem gewissen Esprit, der ihn von vielen anderen Autos unterscheidet.

Wie viel VW ist da noch drin?

Wie viel VW ist da noch drin?

Vom Böxerchen zum Boxer

Denn wie der alte Mann schon sagte – hier steht eine Menge Käfer. Die Karosserie kam vom Österreicher Erwin Komenda, der auch schon den Käfer auf’s Chassis gepackt hatte. Der Vierzylinder Boxer brabbelte von Anfang an, also gegen Ende der 40er Jahre, luftgekühlt im Heck vor sich hin. Er wurde aber permanent dahingehend verbessert, dass man den Sportwagen auch tatsächlich Sportwagen nennen konnte. Die Leistungen eines Käfers, und möge er noch so gut laufen und laufen und laufen, waren ja eher bescheiden. Das Böxerchen wurde aufgebohrt, höher verdichtet, fetter beatmet und bekam von Ernst Fuhrmann (noch ein Österreicher) einen agilen Bruder zur Seite – den legendären Königswellenmotor mit vier Nockenwellen und über 100 PS. Und unter der Karosserie werkelten viele VW Serienteile. Vom Urmodell mit der noch geteilten Windschutzscheibe und der durchgehenden Sitzbank über den 356 A produzierte man in Zuffenhausen ab 1959 den 356 B, der komplett überarbeitet und sehr schnittig daherkam. Und seine damals gepriesenen Daten und Werbebotschaften machen ihn heute erst recht liebenswert und begehrenswert, wie er da so geduckt vor der großen Halle kauert.

Kniefall vor dieser Schönheit

Kniefall vor dieser Schönheit

Ursprünglich 60PS, im Laufe der Jahre aber dezent leistungsgesteigert auf 75PS, die ihn in 13 Sekunden auf 100 Stundenkilometer drücken und Geschwindigkeiten über 170 km/h ermöglichen. Jeder beliebige Kleinwagen des Jahres 2019 hat mehr Leistung und ist schneller. Und man beachte die „neuen“ Sicherheitsaspekte dieser Jahre!

  • Gepolstertes Armaturenbrett
  • Seitenscheiben aus Sekurit Glas
  • Die Nabe des Lenkrads versenkt
  • Die Heckscheibe ließ sich von einer kleinen Düse mit Warmluft beblasen

Sagenhaft. Was kann einem da noch passieren? Vermutlich nichts. Also rein da, fahren.

Rabbel di brabbel.

Rabbel di brabbel.

Formvorderschinken in der Dose

Und das ist gar nicht so einfach für einen 1,90 Meter großen norddeutschen Jung. Ganz ohne Seufzer und knirschende Knochen geht’s gar nicht. Waren die Sportwagenkäufer der Wirtschaftswunderzeit denn alle kleinwüchsig? Wenn man erstmal drin ist kommen die Worte des alten Mannes von der Auktion zurück ins Gedächtnis. Dieses Auto fühlt sich an wie ein Käfer, es riecht wie ein Käfer nach Kunstleder und lackiertem Metall und nach vorn raus ist sogar der Blick ähnlich dem aus einer Käferwindschutzscheibe. Nur dass man hier die Kotflügel besser sehen kann. Nein, bequem ist das nicht, aber irgendwie okay und derbe puristisch. Porschetypisch versteckt sich das Zündschloss links im Armaturenbrett, und ein kurzer Dreh am Schlüssel lässt den Boxer im Heck heiser aufröcheln. Jahaaaa! Vielleicht ein wenig Käfer, aber viel viel kräftiger.

Hereinspaziert.

Hereinspaziert.

Den Seitenspiegel stellt man durch das heruntergekurbelte Fenster mit der Hand ein, den Innenspiegel dreht man vor allem so, dass man sich beim Vorbeugen nicht die Rübe dran rummst. Das extrem seltene und heute heftig begehrte elektrische Schiebedach surrt nach hinten und gibt den Blick auf einen klaren Himmel frei. Die Rundumsicht ist somit hergestellt, der persönliche Kontakt zu den Schutzengeln nach ganz oben auch. Gurte zum Anschnallen gibt es nämlich keine, und das riesige Bakelitlenkrad thront zwischen den angewinkelten Beinen wie das Steuerrad der Titanic. Check? Alle Systeme arbeiten einwandfrei, keine Warnlampen leuchten auf (hahahaaa es gibt quasi keine), keine Steuergeräte melden Fehlfunktionen in Zentralrechnern (hahaaaa es …. ach egal) und keine Bluetooth Freisprecheinrichtungen versuchen vergeblich, mit dem Entertainment-System Kontakt aufzunehmen. Eine wundervolle Entschleunigung kurz vor der Beschleunigung.

Analoger geht es fast nicht.

Analoger geht es fast nicht.

Fahrtwind und Popometer

Kupplung treten. Den langen Schalthebel, der wie ein geknickter Spazierstock aus dem schwarzen Teppich auf dem Bodenblech wächst nach hinten ziehen, ja, nach hinten. Der Motor ist schließlich auch nicht da, wo man ihn bei anderen Autos vermutet, warum sollten es die vier Gänge sein? Das spaddeldünne Blinkerhebelchen lässt die Richtungsweiser leise klackern, und als die nicht mehr nötig sind (weil die Bundesstraße schnurgeradeaus geht) zeigt der alte Herr, was in ihm steckt. Ja, es ist ein Klassiker. Einer, der zwar respektvoll, aber nicht zimperlich behandelt werden will. Reizt man die Drehzahlen knapp über die 5000 Grenze aus, brüllt der vergrößerte Käfermotor im Heck so agil und böse, als wolle er heute noch einen Opel Kapitän und einen Weltkugel-Taunus einatmen. Der Wind reißt am Hemd und an den Haaren, die Straße ist trocken und nicht staubig und lädt sogar ein wenig zum Kurvenräubern ein. Respektvoll, versteht sich.

Freiheit mit Popometer

Freiheit mit Popometer

Die topmotorisierten Modelle Carrera und Super 90 hatten an der Hinterachse eine Ausgleichsfeder, welche das wenig belastete kurveninnere Rad durch die Kraft des kurvenäußeren Rades mehr auf die Straße drückte. Quasi ein Stabilitätsassistent der frühen 60er, als man mit ABS, ASR und ASP Mondumlaufbahnen von Apollo Raketen berechnete oder sonstwie darauf vertraute, dass ein Fahrer mit ein wenig Hirn in der Birne schon lernen würde, wann sein Auto übersteuert und wann nicht. Der hier hat nicht mal diese Feder! Da sich die 90 Stundenkilometer aber schon anfühlen wie Überschallgeschwindigkeit sind die Kurven kein Problem. Kerl, macht der Spaß. Jede Unebenheit meldet sich durch den Sitz bei der Wirbelsäule (das berühmte „Popometer“), nach ein paar Kilometern haben sich alle körpereigenen Muskeln und Falten an die Enge gewöhnt und ich schrote relativ bequem wie ein Formvorderschinken in einer sehr engen Konservenbüchse überland.

Der Sonne entgegen.

Der Sonne entgegen.

Ich vergesse fast völlig, Fotos zu machen. Vor allem einmal laaaaang in den Himmel strecken, die vom Wind krausen Haare richten und das Rubinrot einmal vor dem blauen Himmel auf Geist und Seele wirken lassen. Er ist ein ehrlicher Geselle, dieser Porsche. Bis 1977 fuhr er nach deutscher Erstauslieferung in den Niederlanden, danach bekam er einen Carrera Sportauspuff und 5,5 Zoll Chromfelgen mit 185er Reifen. Hier und da wurde schon was an der Karosserie gemacht, aber eine komplette Restauration blieb dem Sportler bis heute erspart. Muss ja auch nicht. Es sei denn, man ist nicht nur Purist, sondern auch Perfektionist, lohnen würde es sich allemal. Während in den 80ern noch angerostete 356er gegen Küchenmaschinen und HIFI Anlagen eingetauscht wurden zahlt man heute für desolate Möhren mehr als für einen neuen Golf, gute Exemplare sind gern mal teurer als ein Einfamilienhaus. Manchmal nervt mich das schon richtig. Eigentlich möchte ich doch einfach nur diesen Klang genießen und dieses alte, nicht perfekte pure Auto besitzen und ab und an mal zur Entschleunigung fahren. Aber bei den Preisen? Ich weiß nicht. Und auch ein alter Porsche geht irgendwann mal kaputt, spätestens dann ist ein dickes Bankkonto nicht verkehrt. Ach manno.

Das... macht glücklich!

Das… macht glücklich!

Ernüchternde Preisentwicklung

Der Heimweg geht etwas entspannter ab, er ist weitestgehend geprägt von der Freude über das Auto und dem damit korrespondierenden Frust über die Preise. Der alte Mann hatte mit dem Käfer Recht (auch wenn es von ihm eher abfällig gemeint war, für mich ist es fast schon ein Qualitätssiegel für Fahrspaß), und er hatte leider auch mit seinem „viel zu teuer“ Recht. Einen 356er oder auch einen frühen 911er kaufen sich heute nur noch Menschen, die wirklich viel Geld haben oder Menschen, die so viel gespart haben, dass sie sich diesen Traum endlich erfüllen. Dadurch werden viele von uns niemals diesen reinen, rassigen Fahrspaß erleben können.

Ich will den gar nicht wieder hergeben.

Ich will den gar nicht wieder hergeben.

Nein, ein Käfer fährt sich grundlegend anders, das ist kein Vergleich. Deshalb verkaufen sich die 356er ja auch wie geschnitten Brot. Auch der hier wurde noch während meiner kleinen Ausfahrt am Telefon verkauft, ungesehen, nach Zustandsbeschreibung. Möge der Käufer eine Menge Spaß mit ihm haben, so viel wie ich heute, mindestens. Und wie kommen alle anderen aus diesem Dilemma raus? Wohl gar nicht. Oder ihr liest stattdessen alle technischen Detailberichte der Porschekenner, dann kann man wenigstens auf dem nächsten Klassikertreffen mitreden 😉

Sandmann

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

27 Responses to Der rote Rennkäfer

  1. Wow, schön sieht der aus!
    Und deinen Beschreibungen bezogen auf den Hype, das Gerede drum, da gebe ich dir recht. Die Marke polarisiert aber auch einfach! Ich kann mich noch an den 911er Werbespruch erinnern „Keiner braucht ihn, jeder will ihn“. Da steckt alles drin. Mir ist und war Porsche allerdings immer zu dominant. Mit so Sachen, die jeder mag und die viele haben, tue ich mich eher schwer. Ist aber mein Problem… 😉
    Eins muß man Porsche dennoch lassen:
    Jedes Modell ist aus der Rennsporttauglichkeit herunter konstruiert fürs Alltägliche. Reinsetzen-Sportwagen. Andere Renner sind meistens aus der Alltäglichkeit hochkonstruiert für den Motorsport. Das ist mega-Aufwand, und reicht ggf. nichtmal. Bei Porsche kannste mit fast Serienzustand ambitioniert auf die Piste. das gibts sonst kaum. Bei den aktuellen Preisen hat sich´s allerdings erledigt, denke ich.
    Klasse Text und wirklich schöne Fotos, danke für die gute Unterhaltung!
    Gruß, Dirk

    • Sandmann says:

      Ay Dirk,

      dann ticken wir ja einigermaßen parallel.
      Welchen Spruch ich aus der Porsche Werbung noch erinnere und irgendwie genial fand: „Er ist das typische Familienauto! Sie fahren morgens später zur Arbeit und sind schneller da. Und Abends wieder schneller zu Hause bei Ihren Lieben“ oder so ähnlich, sinngemäß. Ich könnte jetzt googeln, aber du weißt was ich meine 😉

      Ich hätte gern einen leicht verwahrlosten 911 Targa aus den frühen 70ern. Am liebsten in orange. Da aber selbst nicht fahrbereite, desolate und durchgerottete Exemplare aus dieser Ära schon 25.000 Euro auf die Waage bringen wird es wohl bei diesem Wunsch bleiben. Schade.

      Sandmann

      • Ich breche ab! Genau meine Kombi! Targa; orange. Da ich aber bei „wenn ich könnte…“ einen unerschütterlichen Hang zum Exotischen habe, wäre auch ein 912 drin.. 😉

        • Sandmann says:

          Der 912 ist ja leider schon lange kein unbekannter Underdog mehr. Der ist zeitweilig noch teurer als der 911 😉 Ich fürchte, man muss inzwischen schlicht einen Haufen Geld dafür hinlegen. Und dann trotzdem noch viel selbst schrauben.

          Bei meinem Knudsen Coupé war das ähnlich, aber auf einen weiter unten angesiedelten Level. Seit ich 1990 ein „schlichtes“ 1.6 Liter Coupé von 1975 zugelassen hatte, war mein Traumwagen ein 1971er (so wie ich) Taunus Coupé (so wie der den ich fuhr) mit V6 und GXL Ausstattung (alles viel mehr als der den ich fuhr). Mit Vinyldach. Immer. All die Jahre. Und dann kommt mein Freund Örg vor drei Jahren und sagt: „Hey ich kenne da jemanden, der verkauft ein Knudsen Coupé! 1971er V6 mit GXL Ausstattung und Vinyldach. Und dann habe ich eben einen fünfstelligen Betrag für ein Auto hingelegt, das „zu meiner Zeit“ für 900 Mark mit TÜV zu haben war. So ist das dann eben. Aber…. ich bin glücklich 😀

          Kommt Zeit, kommt oranger Targa.
          Sandmann

          • Oder einer der Nischen-Klassiker, für die so Leute wie du und ich erwärmbar sind…. 😉 😉

            • Sandmann says:

              Sowas wie ein Fiat 131 Mirafiori? Ein Austin Maxi? Oder ein Panda erste Serie? 😉
              Sicher ist Mann nie. Jedenfalls nicht, wenn etwas Geld da ist und die Schrauben im Kopf locker sitzen. Gut dass ich grad kein Geld habe, für den Scorpio gefühlt alles geschenkt bekomme und sowieso keine Zeit für nix da ist….

              Sandmann

              • In den Genuss, einen 131er in der Walter Röhrl Edition als Neuwagen fahren zu dürfen, bin ich als Azubi einigen Male gekommen. Das Erlebnis ist bis heute lebendig…yeah!
                und sitimmt schon, der 912 ist sicherlich out of Geldbörse, aber eben selten. 911 kennt jeder. Vom 912 haben manche noch gar nix gehört.. 😉

                • Sandmann says:

                  Der 131 ist bei mir hängen geblieben, weil er das allererste Auto war, das ist selbst gefahren bin. Ein abgestelltes Schrottauto auf dem Hinterhof des Autohauses, in dem ich damals ein Schulpraktikum gemacht habe. Da war der Virus gesetzt. Danach ging’s los…
                  Irgendwie ein schräg-kantiges, zeitlos einfaches Ding. Aber ich wüsste nicht, was ich damit heute anfangen sollte. Und der 911/912 – na ja, mit so einem wüsste ich was anzufangen, aber man darf ja noch träumen 🙂

                  Sandmann

  2. bronx.1965 says:

    Salut nach Norden,

    nach Ewigkeiten hier mal wieder herein geschaut und was sehe ich: einen Porsche! Zugegeben, einen 356 findet man nicht oft. Einen mal zu fahren mag schon ein Erlebnis sein, für mich sind diese Autos allerdings einer der Gründe, keinerlei Classic-Treffen oder derlei Messen mehr zu besuchen. Ich habe mir diese Kisten ganz einfach satt gesehen. Gilt auch für die 911er, Pagoden, 107er und jegliche Art von Käfern und Samba-Bussen und den mehr als überbordenden Publikationen darüber. Es langweilt einfach!
    Die automobile Vielfalt jener Zeit bietet so viel mehr. Dazu kommt, jene Spezies, welche Garagengold ausschließlich als Investment betrachtet, ist mir in diesen Kreisen einfach zu oft, zu dominant und zu „laut“ vetreten. . .

    Aber jeder wie er mag. 😉

    Gegrüßt!

    • Sandmann says:

      Bester Bronx,

      schön dich mal wieder hier zu lesen. Und anjammern tun wir uns ja unter einem anderen Artikel 🙂

      Es sind gar nicht nur die von dir genannten (und komplett abgenickten) Fahrzeuge, wegen derer ich keine Messen mehr besuche. Messen sind in meinen Augen seit Jahren auch in den „kleinen“ Autos immer gleich, immer gleich aufgemacht und immer mit einem Hauch von Unantastbarkeit belegt. Ich mag das nicht mehr. Dann stromer ich mal lieber wieder durch die Tiefgarage von Garage 11 (könnte ich längst mal wieder machen), schau bei Caracho Classics vorbei (das letzte Mal habe ich gleich ein Auto mitgenommen) oder geh auf einen profanen Flohmarkt. Da finde ich mehr Zeitgeschichte und liebenswerte Modelle als auf jeder Messe, wo es nur Show und Shine gibt, weil die Stände so teuer sind.

      „Jeder wie er mag“ ist eine tolerante, gesunde Einstellung – und beinhaltet ja auch, dass man wechselt und sich andere Sendungen reinzieht 😉 Dann lieber mal wieder Typen wie den Stefan H. und seine sehenswerte Sammlung besuchen oder die Autos des Herzens einfach nur fahren. Egal welche Lobby hinter ihnen ist oder eben nicht. Ich liebe meinen Scorpio 😀

      Grüße zurück
      Sandmann

      • bronx.1965 says:

        …“Da finde ich mehr Zeitgeschichte und liebenswerte Modelle als auf jeder Messe, wo es nur Show und Shine gibt, weil die Stände so teuer sind.“…

        Prima! Dann sind wir uns ja einig. Mir geht das nämlich gehörig auf den Wecker. Ich erwähnte unlängst an anderer Stelle mein Interesse für die Baureihe 924, besser gesagt, meinen Gefallen an einer NICHT überzüchteten Variante des Themas. Es gab das übliche Konvolut an Antworten, der „Hausfrauenporsche“, etc. Ich spare mir das hier. Von daher ist das Thema für mich eh Geschichte. . .

        😮 😉

        • Sandmann says:

          Ay Bronx,

          aber ist es nicht gerade die Häme, die einem in einschlägigen Foren entgegenbrandet, die vielleicht sogar motivierend ist? Der 924 ist ein echter Porsche, mein Audi 100 (der Dottore) war stolz, mit ihm den Motor zu teilen. Es gibt absolut kein Argument, was gegen dieses Auto spricht. Wer anderer Meinung ist, kann ja gern seine Breitreifen vor dem Club abradieren, aber wen interessiert das?

          Hast du denn ernsthaft vor, mal einen zu kaufen? Geht bei 990 Euro los, sehe ich gerade 😉 Würde ich extrem cool finden!
          Viele Grüße
          Sandmann

    • stefanh says:

      Meine Worte, Bronx!

      Sicher, der 356 ist unbestritten ein Meilenstein des deutschen Automobilbaus, wie der Käfer natürlich auch. Der beschriebene scheint sogar ein schön erhaltenes Exemplar zu sein.
      Und doch: mir sag(t)en diese luftgekühlten Porsche bis heute nichts. Okay, bei einem 959er würde ich ein Auge zudrücken, wobei dieser genau genommen kein echter Luftheuler mehr war…
      Nein, wenn schon Porsche, dann reizen mich viel mehr die lange verschmähten Frontmotormodelle wie 944 oder 928. Letzterer wollte ich mir sogar mal in meine Sammlung stellen, aber das scheiterte leider an der Diskrepanz zwischen angebotenem Zustand und verlangtem Preis…

      Beste Grüsse,
      Stefan H.

      • Sandmann says:

        Wenn man vom Teufel spricht 🙂 Da ist er ja.

        Ich kenne ja einen netten Papi und seine reizende Tochter hier im Raum Pinneberg, die beide dem V8-Front-Porsche verfallen sind. Da gab es auch mal eine Geschichte.
        Ich persönlich finde die ebenfalls sehr begehrenswert, auch den 944, den man ja noch verhältnismäßig preiswert bekommen kann. Hier in Hamburg um die Ecke parkt einer, den habe ich mal in die Titelstory in der AUTO Classic eingebaut. Zusammen mit Watt’n Schrauber und „seinem“ Schrauber im S 123 🙂

        Ich habe ein freundliches Verhältnis zu Luftboxern, mein Opa hatte einen Export-Käfer und ich durfte ab und an mitfahren. Das bleibt hängen.
        Sehen wir uns in diesem Jahr mal wieder in der Nordschweiz?

        Viele Grüße
        Sandmann

        • Jau, 944 ist auch klasse!
          Da habe ich in Kürze einen Termin für einen neuen SHOWTIMER-Artikel. Freue ich mich schon drauf wie hulle… 😉

            • Wenn du magst, schau mal auf meiner Seite unter „SHOWTIMER“. Das ist quasi mein eigenes Format automobiler Geschichtsaufarbeitung inc. der Menschen, die drin fahren. Um diese Mischung gehts mir hauptsächlich. Nur Autos von schräg links vorne knipsen, ohne Bezug zu irgendwas…nö.
              Als nächsten Probanten habe ich halt einen Herrn meines Alters samt selbst aufgebautem 944er in der Warteschleife. Ganz lecker.. Wir warten nur auf gutes Wetter. Hier ist Orkan + Schneeregen gerade…
              Und wenn alles klappt, ist da auch noch jemand mit nem Ascona C!!! Es bleibt spannend…

              • Sandmann says:

                Ay Dirk,

                sehr fein. Vor allem der Fiesta Mk1, ein wie ich finde extrem geiles Auto (gleichwohl ich die weniger renntaugliche Variante schätze). Seinerzeit habe ich zwei Stück verschenkt. Beide waren noch gut. Die Dinger sind einfach nix wert gewesen.
                Auch die Geschichten haben echtes Potenzial. Ich selbst mag das Interview Format nicht sonderlich, das überfliege ich oft einfach nur. Ich lese lieber einen flüssigen Text, der sich so entwickelt, als ob jemand ihn dir gerade erzählt. Aber das bin ich, jeder andere mag da anders sein 😉
                Ascona C. Herrlich. Ich bleibe dran!

                Sandmann

                • Danke fürs Reinschauen!
                  Schon klar, das Format ist halt meins, es lebe die Vielfalt… 😉 Der Ansatz ist eben, neben authentischen Fotos die Person möglichst anteilig in die Autostory zu bekommen. Im Kern geht´s mir um den Urknall. Kein Oldie-Besitzer fährt zufällig „sein“ Modell. Da gibt´s ne Geschichte, ein Erlebnis, irgendwas… Finde ich super spannend!
                  Einen 356 würde ich auch mal nehmen.. 😉

                • MainzMichel says:

                  Drei Orte neben unserem steht ein Ascona C bei einem Händler. Hast Du Interesse?

                  Adios
                  Michael

                  • Hi Michael,
                    danke für die Aufmerksamkeit,
                    aber das ist nix für mich. Als historisches Kulturgut auf Rädern interessiert mich einiges, samt Fahrer, aber besitzen möchte ich sowas nicht… 😉

                  • Sandmann says:

                    Ich bin immer wieder erstaunt, dass man die alten Opelz aus den 80ern in relativ gutem Zustand für relativ kleines Geld bekommen kann. Warum haben die keine Lobby? Kann man die nicht so schön tieferlegen? 😉
                    Ist „leider“ nicht meine Welt. Wenn überhaupt, dann bald noch einmal einen Senator B CD mit Mäusekino. Aber auch nur aus dem gleichen Grund wie den Scorpio – das Ding ist schon echt hässlich, aber als Gesamtkunstwerk großartig konsequent und Opels letzte große Limousine…

                    Sandmann

        • stefanh says:

          Ay, ich muss mich in einem Punkt korrigieren:

          Es gibt ein luftgekühltes Porschemodell, das mir sehr gut gefällt: den 914/6! Ein Kollege aus dem Nachbarort fährt so einen, und ich durfte (vor einigen Jahren) mal mitfahren. Was für eine Wonne! Go-Kart-Feeling pur, dazu der wenige Zentimeter hinter den Kopfstützen brüllende 6-Zylinder! Aber wenn man sich dessen Preisentwicklung anschaut, dann ist das ja beinahe noch beunruhigender als beim 911er; gute 914/6 sind ja längst 6-stellig…

          Gruss, Stefan H.

          • Sandmann says:

            Ay Stefan, Hüter der Heiligen Hallen,

            den 914 habe ich seit den 90ern nicht mehr auf dem Schirm! Damals fand ich den klasse, weil er optisch so gar nicht Porsche war und keiner den mochte. Wurde hier ne Zeit lang gefühlt gegen Kleinwagen mit TÜV eingetauscht. Bin ich nie gefahren. Finde ich aber immer noch gut. Danke für diese Ideenauffrischung 🙂

            Sandmann

  3. Kay says:

    Moin Jens, schöner Bericht ! 944 Turbo hatte ich mal eine Zeit war sehr schön und 356 bin ich erst letztens beruflich gefahren, es sind schöne Zeitmaschinen ohne lästige Asistenzsysteme wo der Fahrer noch mit Popometer fährt . Viele Grüße aus HH Kay

    • Sandmann says:

      Ay Kay (ich liebe diese Reime),

      tatsächlich nannte ich noch nie einen Porsche mein Eigen. Vermutlich wird das auch nie passieren (außer da kommt dann doch noch irgendwann der orange Targa, also das F-Modell…). Das fehlen sämtlicher Assistenzsysteme genieße ich fast täglich in der Taunus-Low-Budged-Edition, und so das eine oder andere Assistenzsystem, dafür aber zum Preis eines Rasenmähers bietet ja der Scorpio 😉 Herrlich. Love it.

      Sandmann

  4. thorsten says:

    356. Ja, Sehr pur und irgendwie Käfer de Luxe, aber wenn man damit fährt, eben doch kein Käfer mehr. Ich habe das Glück, das beim meinem Arbeitgeber ein paar Porsche in der Sammlung stehen und habe erst letzte Woche nach einigem Rätselraten ein 356A-Reutter-Cabrio an der Kurbelwelle abgedichtet. Die Riemenscheibe war gerissen..
    Ist jetzt leider so ein Tuning-Teil aus Alu drin, aber das merkt man beim Fahren ja nicht. Und das musste ich ja tun…
    Es macht Spass, genauso wie Elferfahren. Was die Preise so machen ist mir nicht verständlich, jeder Unbedarfte, der eine Ami-Grotte ohne den richtigen Background kauft, hat schnell den Gegenwert eines EInfamilienhauses versenkt. Da lob ich mir meinen Volvo, der fährt. Oder der Caddy, der vor acht Jahren einen Hunderter gekostet hat. Gut, kein Boxerbellen aus dem Heck, aber mit 64 Diesel-PS genauso schnell wie eine 356-Dame mit 60PS. Dabei sparsamer..

    Spass, kein Vergleich!

    Ich hatte selbst nur mal einen 924, der trotz Audi-Grossserie und Käfer-Teilen schon launig war. Ein 2,7er Elfer aus 76, den ich öfters fahren durfte, war es noch weitaus mehr. Was ab Wasserkühlung im Elfer da ausser Geschwindigkeit und Fahrsicherheit besser sein soll, weiss ich nicht. Mehr Spass mach die alten definitiv,egal welcher.

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