Reisen statt rasen?

Dann steigen wir mal ein.

Wir befinden uns im 21. Jahrhundert. Die automobile Welt hat sich in über 130 Jahren rasend schnell verändert. Komfort, Sicherheit und elektronische Assistenzsysteme täuschen geschickt über Verbrennung, Öl und Gestank hinweg, die noch immer die Grundlage des Vortriebs der meisten Automobile sind. Dabei ist die ursprüngliche Idee auch heute noch immer der gleiche: Ein Motor, eine Karosserie, vier Räder. Wie viel ist notwendig, um sich in der heutigen Zeit fortzubewegen? Reicht ein 1958er VW Käfer, also ein Fahrzeug, das inzwischen fast halb so alt ist wie das Automobil selbst?

Es ist Frühling. Herr Müller möchte den sonnigen Maitag nutzen, um mit seinem Volkswagen 1200 zu einem kleinen Anwesen im schönen Schleswig-Holstein zu reisen. Er will dort ein paar Tage seinen Bruder besuchen. Einmal von seinem Bürojob abschalten, einmal keine Schreibmaschinen und keine Akten in großen Regalen um ihn herum sehen. Seinen fjordblauen 1958er Käfer hat er schon am Wochenende poliert und den Reifendruck geprüft. Gute versichert ist er auch, beim Spezialversicherer Hiscox. Klickt mal auf den Link – ja es ist Werbung aber es ist GUTE Werbung – und macht es mit eurer eigenen Versicherung wie Herr Müller 🙂 Aber zurück zu den Reisevorbereitungen – nach dem Kühlwasser muss er nicht schauen, diesen Teil übernimmt praktischerweise die vom Gebläse um den Motor herum geschaufelte Außenluft.

Wenn einer eine Reise tut.

Ein Koffer auf dem Rücksitz

Alles, was er für den Aufenthalt benötigt passt in seinen kleinen Reisekoffer. Dazu legt er noch ein gutes Buch und seinen Wanderstock mit den vielen schönen Erinnerungswappen vergangener Urlaubsziele. Der Rücksitz ist ein wundervoller Platz für dieses Utensil, und statt Laptop, Playstation, diversen Ladekabeln und Smartphone-Accessoires platziert Herr Müller unter der vorderen Haube sein Picknick-Körbchen, direkt hinter dem Tank. Da drin sind ein paar lecker belegte, frische Brote, Kekse und eine kleine Thermoskanne voller heißem Kaffee. Vielleicht lädt ein schönes Plätzchen am Wegesrand zum Verweilen ein.

Viel Freiheit im hohen Norden.

Navigation mit Hirn und Augen

Ein dickes rotes Buch mit vielen bunten Linien aus ganz Europa eignet sich hervorragend zum Abschätzen der bevorstehenden Strecke. In Kombination mit vielen gelben Schildern an den großen Kreuzungen ist Herr Müller in der Lage, während der Fahrt seinen Weg nur mit seinen Augen zu finden. Die Notwendigkeit eines undurchsichtigen, dafür aber immer vor sich hinplappernden, Touch-Screen gestützten Navigationsgerätes entfällt.

Öl? Passt.

Noch eine kurze Kontrolle des Motorölstands im Heck, alles im Rahmen. Die Haube schließt sich schwer und strahlt Zuverlässigkeit aus. Ein chromiger Knopf statt GPS gestütztem Keyless-Entry öffnet die wuchtige Fahrertür, die hinter ihm klonkend ins Schloss fällt. Die Morgensonne hat schon viel Kraft. In diesem Moment könnte man die mehrseitige Bedienungsanleitung der 8-Zonen-Klimatronic studieren, um über das Zentraldisplay eines der 42 möglichen Belüftungsprogramme über das Menü noch zu individualisieren. Herr Müller kurbelt das Seitenfenster einen Spalt herunter und dreht das kleine Dreiecksfenster so, dass frischer Fahrwind über die Unterarme flüstert. Läuft.

Der Weg ist das Ziel

Wenig Spannung, keine Musik

Mehr als 6 Volt Bordspannung sind nicht notwendig, um den Boxermotor mit Zündfunken zu versorgen. Durch die plane, direkt vor ihm liegende Windschutzscheibe sieht Herr Müller die echte, nicht virtuelle Landstraße. Im Sichtfeld liebevoll zusammengestellt, da wo sonst oft ein Wunderbaum pendelt, befindet sich noch ein kleines Blumensträußchen. Das hat seine Frau Ilse ihm gepflückt. Er setzt mit dem kleinen Hebelchen den Blinker, der schnarrend aus der B-Säule klappt und rollt dem Tag entgegen.

Ein Liedchen auf den Lippen ersetzt das Soundsystem mit 10 digitalen Aktiv-Endstufen. Wo eigentlich schrill beleuchtete Disco-Displays den Interpreten, den Songtitel und die Kontonummer des Plattenlabels in den Fahrgastraum schreien – befindet sich im Volkswagen eine kleine, ebenfalls fjordblaue Metallblende. Es gab mal eine Zeit, da kam niemand auf die Idee, in einem Automobil zwingend Fremde Stimmen und Musik zu hören. Dafür gab es Beifahrer oder schlicht das eigene Organ. „Da_has muss ein schle_hechte_her Müller sein, de_hem niemals fie_hiel das Wandern ein….“

Viel Fuß für wenig Pedal

Der Weg ist das Ziel

Parallelen zum Wandern sind in einem VW Käfer bei Überlandfahrten schon zu entdecken. Müllers breite Füße pendeln geschickt mit den drei schmalen Pedalen im Fußraum, während er beherzt und manchmal Zwischengas gebend die Gänge einlegt. Die Reise geht zunächst durch Rapsfelder und kleine Ortschaften, der freundliche Krabbler schnurrt sein sonores Lied und ist zügig unterwegs. Kerngesund klingt das Maschinchen, keine Warnlampen weisen auf bevorstehende Inspektionen hin. Vielleicht auch, weil sie gar nicht da sind. Nichts stört den Genuss der Landschaft oder des Reisens, nicht einmal eine Tankanzeige.

Blümchen von Ilse sind dabei

Herr Müller beschließt, in einem der nächsten Orte noch eine kleine Kaffeepause einzulegen und bei der Gelegenheit auch gleich noch einmal nach dem Benzin zu sehen, bevor es auf die Bundesautobahn geht. Bei einer Nussecke und einem Kännchen Jacobs Krönung im Dorfkrug studiert er das Wochenmagazin, während auch der Käfer sich tickend und knackend eine kleine Auszeit in der Mittagssonne gönnt. Das Auto ist nicht verschlossen. Warum sollte jemand etwas aus ihm entwenden?

Eine kleine Pause mit Blick auf den Volkswagen

Zeiten ändern sich

An der Tankstelle belächelt man den Herren mit Hut, als er die vordere Haube öffnet, einen Metalldeckel aufschraubt und aus der Zapfsäule Benzin in den Tank laufen lässt. Immer mit einem halben Auge den Pegelstand im Inneren begutachtend. Einzig ein Mann mit einem Zweirad gegenüber scheint ihn zu verstehen. Die beiden fachsimpeln ein wenig über Baujahre und Höchstgeschwindigkeiten, während auch der Motorradfahrer kritisch guckt, dass sein eigener Tank nicht überläuft.

Tank vorn, Motor hinten.

Etwas verwirrt ist Herr Müller im Verkaufsraum der Tankstelle. Er möchte vorsichtshalber noch einen halben Liter Öl mitführen, wird von der Aushilfskraft an der Kasse aber nur fragend angeschaut. Einen 2019er Chardonnay hätten sie im Angebot, und zum Scotch Whiskey gebe es noch einen Schlüsselanhänger dazu! Wer kauft denn heute noch Motoröl? Das macht ihn irgendwie traurig, und noch viel später auf der Autobahn fragt er sich, was eigentlich aus den ehemaligen Servicepunkten für Durchreisende geworden ist.

Sich Zeit lassen

100 km/h genügen völlig, um auf deutschen Straßen entspannt das Ziel zu erreichen. Der Stress der linken Spur ist komplett nicht vorhanden, kein pfeifender Turbo muss sich beruhigen und kein Verkehrsfunk lässt ihn nicht geplante, aber trotzdem völlig verstopfte Routen einschlagen. Eben gerade als er alle seine Wanderlieder durchgesungen hat sieht Herr Müller die Ausfahrt zum Anwesen seines Bruders. Das Auto kann direkt vor dem Portal stehen bleiben, es werden keine anderen Gäste erwartet. Und das Abendessen beginnt bitte pünktlich um 19:00 Uhr. Es versprechen schöne Tage zu werden.

Sie haben Ihr Ziel erreicht.

Herr Müller ist im klassischen Sinn verreist. Ohne Internet und Navi, ohne Smartphone und TicToc Ablenkung hat er für eine mehrere 100 Kilometer umfassende Strecke vielleicht 30 Minuten länger gebraucht als sein Abteilungsleiter mit seinem 2020er Audi. Er muss sich nicht vom alles überlagernden Entertainment und vom gehetzten Dränglern erholen, er kommt schon vorentspannt und gut gelaunt an seinem Ziel an. Er lässt sich weder von informationsintensiven Multifunktionsdisplays noch von 24stündiger Erreichbarkeit wahnsinnig machen. Niemand erwartet von ihm, dass er Selfies vorm Raps oder sein Abendessen postet. Er fährt ein altes Auto, zahlt seine Steuern und ist gut versichert. Habt ihr vorhin einmal auf den Link zu Hiscox geklickt? Traut euch. Los!! Womöglich ist das Angebot auch für euren alten Entschleuniger attraktiv?

Frischwärts in die Ruhe

In einer Welt der elektrischen Helferchen und totalen Vernetzung in alles draußen lassenden Highspeed-Kapseln fehlt es in einem 60 Jahre alten Automobil genau genommen – an NICHTS. Diese Art des Verreisens macht glücklich und entspannt schon beim Hinweg. Vorausgesetzt man hat die Zeit dazu. Aber sollte man sie sich nicht einfach öfter mal wieder nehmen? Lasst euch wieder mal drauf ein. Der Sommer ist ja noch nicht ganz vorbei!

Sandmann

Einige Bilder mit freundlicher Genehmigung von Schloss Tremsbüttel
www.tremsbuettel.de

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

19 Antworten zu Reisen statt rasen?

  1. Reisetraktorfreak sagt:

    Da hast mich nu wieda getroffen.. —

    Hatteee mal n kaefer. 1302 er. Bevor der Geld wert war wegen de Vorderachse und nicht TIEFER zu legen und bla.. —

    Mit tuev! 750 mack. Mm.. —

    Hatte den VERGESSEN. nicht einmal gefahren . —

    Hatte sogar Job und Kohle, zum zulassen , und bezahlen, und tanken. Und noch Zeit neben dem Geld! Mmm —

    Nur not verkauft fuers letzte Irrenhaus chat date .. Alta falta.. —

    Svh.. 🙁 f*ck..

    • Reisetraktorfreak sagt:

      Vagessn.. —
      Waere wahrscheinlich der falsche Zeitpunkt gewesen.. Hatte meinen t1 KAPOTT GEFAHREN. In 10.000 km.
      Original 80.000 km, ex fw, tuev. von max 92 auf 110! Der spuckte oel, bevors alt war , wars raus. Bei Regen zog ich n Regenbogen hinter mir her. Bei jedem Halt musste ich —

      Ausmachen, abschnallen, handbremse ziehen, rausspringen, umgucken,
      rennen, untern Motor krabbeln, oelteich mit Handtuch aufsaugen.. An jedem Halt und bei jedem tanken! —

      Alles in 2 Sekunden.. Das war Sport! XD —

      Und. OEL NACHSCHUETTEN. hatte immer den billigsten Baumarkt 20 l Kanister dabei. XD —

      Behaupte.. Der kaefer waere auch in kurzer Zeit tot gewesen… Musste damals immer Rennen fahren . Als die guten Autos noch hinterher geworfen wurden.. Haette wohl nich lange Freude dran gehabt. Vermutlich..

      • Sandmann sagt:

        Hm. Also ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste, aber Rennen musste ich nie fahren 🙂 Irgendwie war mir das schon immer egal, wenn andere mit ihren Karren schneller waren als ich. Das hat mein Leben in keinster Weise schlechter gemacht, und die schöne Frau krabbelte generell am Abend zu MIR ins Bett und nicht zu irgendwelchen oberlippenbärtigen Ampel-Gewinnern 😀
        Aber so haben wir alle unsere Geschichten zu erzählen.
        Sandmann

  2. Thomas Wolters sagt:

    Sehr schön geschrieben und illustriert, vielen Dank dafür!
    Das spricht mir aus der Seele, habe auch kein Navi, kein Smartphone, jedoch rauschanfälligen UKW Empfang an Bord.
    Aber die UKW Sender werden vermutlich auch bald abgeschaltet, das wird schlimm, ich singe angeblich ganz furchtbar…

    • Sandmann sagt:

      Ay Thomas,
      mmmmhhhhhhh okay ich HABE ein TomTom Navi was mir schon so manches Mal den Ars** gerettet hat 😀 und ich habe natürlich auch ein Smartphone. Sonst könnte ich meinen Beruf nicht ausüben, und ich mag technische Spielereien ganz gern. Aber eben nicht unbedingt im Auto. Wir haben auf der K70 Tour vor 13 Jahren versucht, mit einem 1974er Shell Atlas von Kiel in den Pfälzer Wald zu kommen. Das war ein bisschen… sportlich 😀
      Was Musik im Auto betrifft bin ich auch nicht unbedingt ein Originalitäts-Freak. Einfach weil ich sehr gern Musik höre (der Käfer ist ja nun ein Extrembeispiel, das ist ja nicht meiner…). Wenn es UKW nicht mehr geben sollte hole ich mir ein Digitalradio. Und aktuell habe ich an meinen beiden Radios im Taunus und im XM sogenannte CD Wechsler Emulatoren. Das sind kleine Boxen am CD Wechsler Ausgang, in die du USB Sticks und SD Karten randvoll mit Musik stecken kannst. Und die lassen sich dann über das Radio wie ein CD Wechsler bedienen. Sowas mag ich, dezent und gut.
      Aber singen kann man lernen 🙂 Kennst du meine #backseatsessions? Corona Beschäftigung at its best: https://youtu.be/V59x8kC9LM8
      Sandmann

  3. Tja,
    neben UKW und anderen Klassikern wird irgendwie zur Zeit alles abgeschaltet, was von Herzen kommt. Habe kein gutes Gefühl dazu, wie und wo das enden mag…
    Die Käfer-Story ist jedenfalls ziemlich sehr von Herzen, lesen hat mächtig Laune gemacht, lieben Dank dafür! Tut mal richtig gut, sowas.

    Beste Grüße an die Küste!

    • Sandmann sagt:

      Ay Dirk,
      so ein paar Sachen sehe ich pragmatisch. Als ich meine letzten Audio Kassetten in den Keller packte und den tragbaren CD Spieler ans Autoradio anschloss weinte ich den Leiertapes keine Träne nach (aber ich habe sie natürlich noch). Auch die Mittelwellesender vermisse ich nicht, weil ich sie nie hörte.
      Meine Antenne vom XM ist so schlecht, dass mir auch die stärksten Sender auf der A7 regelmäßig wegrauschen, meistens gerade dann wenn der Verkehrsfunk kommt. Fazit? Irgendwann ein DAB+ Radio kaufen. Warum nicht?
      Dass viele andere Sachen rationalisiert und entherzt werden glaube ich auch. Ich steuere da gegen und unterstütze mit meinem Geld den Einzelhandel, die regionale Landwirtschaft und kleine Manufakturen, die Schönes mit Liebe herstellen. Das ist alles etwas teurer, aber ich mag das nunmal. Vielleicht bin ich ein Dinosaurier, aber ich gehe ECHT gern bei Karstadt bummeln 😀
      In diesem Sinne. Lass uns alle weitermachen!
      Sandmann

  4. Schön geschrieben und gut für die Seele…! Habe mir deshalb dieses Jahr einen alten /8 gekauft um wieder zu Reisen. Er liegt von Art, Stil und Zeitgeist zwischen meinem Vorkriegsfahrzeug und meinen neueren dick motorisierten Youngtimern. Ähnlich dem Käfer, aber doch etwas schneller…

    • Sandmann sagt:

      Ay Michael,
      ein /8 ist vermutlich die angenehmere Art, zu reisen 🙂 Der Käfer ist ja nur mein „extrem“ Beispiel (und nicht meiner), ich fahre ein 1971er Ford Taunus GXL V6 Coupé und einen Citroen XM TCT Pallas. Der Pallas ist an Komfort kaum zu übertreffen, auch auf Langstrecke. Und der Taunus war mit mir und meinen Kindern schon an der Côte d’Azur. Das passt schon 🙂
      Sandmann

  5. Dieter Jöckel sagt:

    Ein wunderbarer Beitrag, der mich sehr zum Nachdenken angeregt hat.
    Etwas überspitzt wird deutlich, worauf es wirklich ankommt. Mobilität ja sicher, aber sind technisch völlig überladene Technikspielereien notwendig, die Mobilität ad absurdum werden lässt, wie das fehlende Öl an der Tankstelle beweist.
    Ich frage mich bei vielen Entwicklungen: Wo ist der echte Mehrwert? Wird Technik nicht irgendwann zum Selbstzweck? Wie viel mehr könnten wir bei etwas mehr Weniger gewinnen: Lebensqualität, Gesundheit, Freude und Spaß, Aktivität, Eigenverantwortlichkeit, Selbstständigkeit, weniger Umweltschrott und Ressourcen Schonung durch weniger neue, vom Nutzen her fragwürdige Produkte.
    Ich denke oft darüber nach und hab mir vor einiger Zeit eine Kaffeemaschine mit Ein- und Ausschaltknopf gekauft. Ohne Display, keine Anzeige der Uhrzeit von allen Zeitzonen dieser Welt, keine Temperatur- oder Luftdruckanzeige, kein WLAN, Bluetooth oder NFC und auch keine 99Jahre Vorausprogrammierbarkeit. Dafür kann sie eins perfekt: Leckeren Kaffee zubereiten.

    • Sandmann sagt:

      Ay Dieter,
      vielleicht sprichst du da genau die Punkte an, über die ich auch schon lange nachdenke. Ich glaube, wir haben bei der immer weiter schreitenden Überfrachtung unserer Autos mit Entertainment und Komfort den Blick auf das Wesentliche vergessen. Ein Kleinwagen wiegt heute locker 1,5 Tonnen, weil er voller Elektromotoren und Computer ist. Das mag fein und lustig sein, aber worum geht es denn? Ich will mit dem Ding von A nach B kommen. Assistenzsysteme machen Sinn, Airbags, ABS etc… aber müssen es SO VIELE sein? Nein. Außerdem mag ich nicht von meinem Auto patronisierend behandelt werden. Mit Piepsern oder anderen mahnenden Ansagen.
      Wenn ich mal mit einem neuen Mietwagen unterwegs bin komme ich trotzdem klar, weil ich vieles ausblenden und ignorieren kann. Aber jüngere Generationen wachsen ohne die Differenzierung in so einer voll digitalen Welt auf, ich weiß noch nicht wie ich das finde…

      Smarte Haushaltsgeräte oder gar smarte Häuser finde ich gruselig. Diese Niedrigenergie-Buden, die eine elektronisch gesteuerte Zwangsbelüftung haben, weil alles so winddicht ist dass man sonst ersticken würde… Kühlschränke, die selbständig im Internet einkaufen, Saugroboter, Mähroboter, tageslichtgesteuerte Rollos oder Heizungen, mitdenkende Waschmaschinen… ich will das alles nicht. Nicht, weil ich alt und unflexibel werde, sondern weil ich gern selbst MACHE und gern selbst ENTSCHEIDE. Und ich will nicht meinen Alltag in die Hände eines Zentralrechners legen. Und wenn der mal ausfällt unter einer Brücke schlafen müssen. So ein Unsinn.
      In diesem Sinne. Prost Kaffee, meine Maschine hat auch noch einen dicken Knopf 🙂
      Sandmann

  6. Oliver Merse sagt:

    Schöner Artikel, genauso wie der über mein Pony. Man ist beim lesen sofort in einer anderen Zeit. Das bewundere ich immer an Deinen Texten.

    • Sandmann sagt:

      Ay Olliver,

      vielen Dank 🙂 Sowas geht wohl auch nur, wenn man die Autos selbst gefahren ist. Viele Magazine basteln ihre Artikel inzwischen aus Pressemitteilungen und kleben irgendwelche Fotos rein. Ich finde das kann man „spüren“. Vielleicht bin ich da ein Dinosaurier, aber so lange ich schreibe will ich das Geschriebene auch selbst erlebt haben.
      Schönes Wochenende und alles Gute für Dich und den Mustang
      Sandmann

  7. thorsten sagt:

    Dasselbe hab ich erst neulich wieder mit dem Firmen-Duett erlebt. Ich hatte den für 5 Tage mal zur Verfügung und allen Nachbarn ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Das Reisen damit entschleunigt auch ungemein, bei guten Landstrassen hört man freiwillig bei 75km/h auf. Man sieht mehr und nimmt alles anders wahr. Ein Radio ist eigentlich völlig überflüssig…

    Mein Arbeitsweg dauerte gleich mal 50 statt 30 Minuten und war keineswegs langweilig.

    Schreib mal weiter so!

    • Sandmann sagt:

      Ay Thorsten,
      sprechen wir vom P445? Oder gibt es noch ein anderes „Duett“? 🙂
      Das Radio brauche ich schon, auch wenn die Landschaft schön ist. Ich verstehe auch diese V8-Nerds nicht, die behaupten, mit einem satten Ami-V8 bräuchte man kein Radio. Sowas sehe ich spätestens nach einer Stunde etwas anders 🙂
      Und ich schreib mal weiter so. Aber IHR solltet jetzt alle mal auf die Links von Hiscox klicken und eure Autos da versichern. Dann wird mir die schöne Schreiberei sogar mal bezahlt 😉
      Schönes Wochenende
      Sandmann

      • thorsten sagt:

        Wir sprechen vom P210, also ein später mit B18. 445 waren die, die etwa parallel zum 444 gebaut wurden.
        Auf längere Strecke hätte ich auch gern mal Musik, mein Fahrprofil mit den DIenst-Oldtimern beschränkt sich aber meist auf Landstrassen und Strecken von maximal 50km am Stück.

        Ach:
        Ich kann bei Hiscox nichts versichern. Mein derzeit ältestes eigenes zugelassenes Auto ist mein 95er 940.

        DIe Zeit gönnt mir gerade keinen Oldtimer.

        • Sandmann sagt:

          Ay Thorsten,
          ich hab mal gegoogelt, mein Schrauberfreund Lars Watt’n Schrauber hat mich ja ein bisschen auf die alten Volvos sensibilisiert 🙂 Wunderschöner Autowagen! Singst du denn dann wenigstens laut am Steuer? 😀
          Du kannst, wenn du das möchtest, bei Hiscox auch Youngtimer versichern, wenn sie den groben Kriterien entsprechen, keine Möhren sind und noch ein Erstfahrzeug da ist. Bei Bedarf wende dich gern einmal an Rainer Peukert und nenne meinen Namen, wir kennen uns 😉 Ich hab da meinen Taunus versichert und bin sehr zufrieden.
          Man sieht sich. Allzeit gute Fahrt!
          Sandmann

  8. Jan Modaal sagt:

    Bester Sandmann. Nette Geschichte. Ich könnte eine ähnliche schreiben, über den gefühlten Miniurlaub, den man erlebt, wenn man in einem Auto mit Buchhalteraustattung aber Stern auf der Haube über Nebenstrecken trödelt. Oder über das herrlich erhabene Sch….-egal Gefühl, das einen erfüllt, wenn man mit einem solchen Gefährt, gemütlich 110 km/Std. auf der rechten Autobahnspur rollend, links von der nicht enden wollenden Karawane der Gehetzten und Getriebenen überholt wird. Wir sollten ehrlich sein. Dieses nostalgische feeling haben wir in der Regel dann, wenn wir uns die Zeit nehmen (können), vorzugsweise alleine reisen, nicht zur Arbeit oder beispielsweise zu einem erkrankten Familienmitglied unterwegs sind. Es ist wohl ein Privileg, das sich anfühlt wie Luxus, wenn man beizeiten so unterwegs sein darf.

    Witizig, dass Herr Müller als Autor und wir als Kommentatoren die modernen technischen Errungenschaften, von denen wir gerade noch dachten, sie als so überflüssig, fremdbestimmend und eigentlich unnötig beschreiben zu müssen, gleichzeitig gebrauchen, um just diesen Gedankengang zu verbreiten und zu deuten.

    Die gegenwärtige, halbwegs moderne Alternative für Träumer hinterm Lenkrad, die nur mit Schlichtheit zu sich selbst finden, wäre dann übrigens ein Modell von DACIA. Ganz im Ernst. Im Basismodel mit Radiovorbereitung, Fensterkurbeln und manuell verstellbaren Aussenspiegeln. Denkt mal drüber nach.

    Weiterhin gute Reise und allzeit glückliche Heimkehr. MfG

    • Sandmann sagt:

      Ay Jan,
      das eine was du schreibst schließt das andere ja nicht aus 😉 Ich mag und nutze neue Technologien, ich hab ja auch kein Wählscheibentelefon mehr 😀 Meinen Beruf übe ich weitestgehend online aus, und selbst gegenüber der Elektromobilität bin ich als alter Benzin-Saurier sehr offen.
      Ich behaupte ja auch nicht, dass die Art zu reisen, wie Herr Müller es macht, die einzig richtige sei. Du hast vollkommen Recht, der größte Luxus hierbei ist, dass man die ZEIT überhaupt HAT, um sie sich nehmen zu können. Also lass uns die Themen quasi trennen. Ich sage weder dass damals alles besser war (war es nicht) noch dass heute alles doof ist (ist es nicht) und man nix, was nach 1960 gebaut wurde, brauchen würde 😉 Aber mal entschleunigt zu reisen – wenn es denn möglich ist – tut sehr sehr gut. Das geht auch mit einem neueren Auto. Meins ist erst gut 20 Jahre alt…

      Ich bin ein großer Dacia Fan. Ernsthaft. Dacia baut Autos, die nicht mehr als ein einfaches Auto sein WOLLEN. Und das macht sie zuverlässig und sympathisch. Ähnlich verhält es sich mit dem Lada Taiga. Ich habe ernsthaft überlegt, mir so einen als Neuwagen für 11.000 Euro als Firmenauto zu kaufen. Allerdings ist der Fahrkomfort eher rau, ich bleibe also erstmal beim 21 Jahre alten Citroen XM.
      Gute Reise und eine schöne Woche
      Sandmann

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