Zwischen Adam und Aston

Manchmal muss man offen fahren…

Eine Gast-Beichte von Sven
Vor sechseinhalb Jahren sinnierte ich an dieser Stelle darüber, ob ich als Jahrgang 1991 vielleicht die glorreiche Zeit der besonderen ersten Autos verpasst haben könnte… In meiner Hand klimperte der Schlüssel zu einem neuen Massenkleinwagen statt zu einem Fahrzeug mit Historie und Charakter. Könnte ich meinem damaligen Ich eine Kurzfassung über seine (automobile) Zukunft übermitteln, hätte ich mir die philosophische Abhandlung über meine angebliche Spätgeburt sparen können. Denn erstens kann jedes Kfz etwas besonderes werden und zweitens kommt es auch darauf an, was nach Nummer 1 kommt. Nehmt euch ein Getränk und versorgt euch mit ausreichend Lebensmitteln, jetzt wird es episch. Der charakterlose Kleinwagen hat inzwischen seine Historie gekriegt. Und heute, kurz vor meinem 30. Geburtstag, steht inzwischen Kfz 007 in der Garage. Arbeiten wir die Geschichte mal auf.

Nach meinem Artikel ging das Jahr 2015 abgesehen von meiner Eheschließung unspektakulär weiter. Der kleine Adam war dabei. Im Folgejahr nahm das automobile Unheil die erste Hürde in einem immer noch andauernden Marathon: Theoretisch existiert bei zwei Personen im Haushalt die Möglichkeit, dass man mal an unterschiedlichen Orten gleichzeitig aufschlagen muss. Wie wäre es da vielleicht mit einem zweiten Auto? Gar ein Cabrio?

Damals™ (die Älteren werden sich erinnern) konnte man von verschiedenen Herstellern dachlose Fahrzeuge kaufen, die nicht auf der Plattform von SUVs basierten. Nach meiner zwischenzeitlichen Angst, ich könnte mit 1.86m nicht reinpassen, wurde es ein neuer Mazda MX-5. Schwarz – weil Mazda irgendwann jemanden für die Farbpalette eingestellt hat, der in seiner beigen Wohnung sitzt und kräftige Farben verabscheut (ignorieren wir bei dieser Beschwerde das orangefarbene Jubiläumsmodell). Aber es gibt nichts, was man mit gelber Folie nicht lösen kann. Und mit Tieferlegungsfedern, Spurplatten, neuen Felgen, anderen Endrohren, einen komplett anderem Fahrwerk… Der Mazda tat gute Dienste und hat uns 2018 unter anderem über 2.000 Kilometer durch Schottland begleitet.

Ein Hoch auf den Gelben Wagen

2018 war auch das Jahr, in dem wir uns von unserem gelben Adam verabschiedeten. Ironischerweise kam im letzten Satz meines Beitrags von 2015 die Buchstaben-Zahlen-Kombination i3 vor. Der örtliche Stromanbieter bot in einer Aktion für eine Laufzeit von zwei Jahren sehr vergünstigt einen BMW i3 an. Und natürlich gibt man neugierig sein erstes Auto für so was in Zahlung. Adam weg für zwei Jahre Elektromobilität. Grundsätzlich würde ich jederzeit wieder ein E-Auto fahren, aber nur, wenn einer der zahlreichen Mietstellplätze endlich eine Wallbox bekommt.

Im September 2019 zeichnete sich das Ende der Ära BMW i3 ab, und wegen einiger Jobzukunftsängste wagten wir das Experiment „schnell kündbares schwedisches Autoabo“. Was macht man, wenn man möglicherweise im nächsten Jahr keinen Job mehr hat? Man lässt es noch einmal krachen und bestellt sich einen Volvo V60 T8, ein Plug-In-Hybrid mit 390 PS! Natürlich als Kombi – weil ich ein Kombikind bin und mir SUVs nicht in die Garage kommen.

Krasse Gegensätze

April 2020: Die Welt im Lockdown, der BMW i3 stand in Dänemark zum Verkauf und der Volvo hing in irgendwelchen Lieferschleifen fest. In einem weiteren Anfall von JETZT IST ALLES EGAL rannte ich zum Ford Händler und unterschrieb einen Vertrag für einen Mustang GT. Ich bin einer von fünf Menschen weltweit, der ein kleines Elektroauto gegen einen 5-Liter V8 getauscht haben. Dann, nach nur zehn Monaten Lieferzeit, stand plötzlich doch noch der irgendwann bestellte Volvo vor der Tür. Und jetzt? Man könnte den Vertrag innerhalb von 30 Tagen kündigen. Aber mein schlechtes Gewissen sagte mir, dass das Ding extra für mich gebaut wurde. Lösung: ab zu den Eltern mit dem dicken Schweden. Die wollten ihren zehn Jahre alten Zafira loswerden und haben eine Garage mit Steckdose. Den Rest des Jahres verbrachten wir in der Wohnung.

Springen wir ins laufende Jahr. Der Fuhrpark am 01. Januar 2021:

  • Mazda MX-5,
  • Ford Mustang GT
  • (und eigentlich noch ein Opel Corsa, der ist aber nur zur Pflege hier, weil er im Münsterland nicht mit dem V60 in die elterliche Garage passte).

Und da kam sie, die späte Sehnsucht nach dem ersten Auto….. Ich durchsuchte bei Instagram hunderte Beiträge mit dem Hashtag #opeladam. Tatsächlich sprang mir plötzlich ein Adam mit gelbem Dachspoiler entgegen! Es war tatsächlich mal unser, inzwischen seiner Streifen beraubt. Mit einer Nachricht horchte ich vorsichtig an, ob der zu haben sei 🙂 Nun liegt hier ein Fahrzeugbrief, der meinen Namen als erster und dritter Besitzer trägt. Der treue Begleiter unserer Hochzeit und unseres ersten gemeinsamen Urlaubs. Der Wagen, der noch am Opel Werk in Bochum abgeholt wurde – wo mein Vater und mein Großvater gearbeitet hatten. Unser erstes Auto kam tatsächlich wieder zurück. Zurück ging dann wenig später auch der Volvo, allerdings zum Händler. Ein gutes Auto, ein miserabler Motor. Oder: Ein Pseudo-E-Fahrzeug, das auf der Autobahn mehr schluckt als ein V8. Danke, setzen.

Familienfuhrpark

Finale!

Und noch mehr Rückbesinnung. Im Jahr 2004 sah ich „Johnny English“ mit Rowan Atkinson, und was mir sofort ins Auge fiel: Sein Auto! Natürlich, wie es sich für eine Bond-Parodie gehört, fuhr English einen Aston Martin DB7 Vantage. Ich wollte unbedingt mehr über das Auto und die Marke wissen. Über die Jahre eskalierte meine Neugier, inzwischen hängt mein halber Kleiderschrank mit Aston Martin Merch voll. Für mich stand seit damals fest, dass ich so einen Wagen besitzen möchte. Das war mein absoluter (materieller) Traum…

…und weil mir offensichtlich anderthalb Jahre im Homeoffice geistig nicht gut taten, erwarben wir in unserem diesjährigen Sommer“urlaub“ in Duisburg einen roten („Merlot!“) 2008er Aston Martin V8 Vantage Roadster. Beige Bremssättel. Auto Nr. 007.

Kann denn Liebe Sünde sein?

Nachdem ich mich im Artikel 2015 fragte, ob „das ganze gute Zeug“ an mir vorbeigegangen sei, liegen heute Schlüssel für einen Opel Adam, einen Mazda MX-5, einen Ford Mustang GT und einen Aston Martin V8 Vantage Roadster auf meinem Schreibtisch. Dafür bin ich – auf vielfältige Art und Weise – unglaublich dankbar. Dankbarkeit ist generell etwas, das man sich viel öfter vor Augen führen sollte. Ist das alles vernünftig? Darüber braucht man nicht philosophieren, die Antwort lautet auf jeden Fall „Nein“. Aber ich werde in weiteren sechs Jahren nicht zurückschauen und mich darüber ärgern, etwas nicht getan zu haben. Als Technikfreund werde ich dann vielleicht in einem Tesla sitzen und ein wenig den V8-Sound vermissen. Das ist aber nicht ganz so dramatisch, denn es wird dann vermutlich immer noch den MX-5 und den Adam in der Garage geben. Und zwei Vierzylinder ergeben ja auch irgendwie einen V8.

Sven

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

10 Antworten zu Zwischen Adam und Aston

  1. Micha sagt:

    Hm…Wird es nicht langsam Zeit für einen Lambo und einen Learjet?
    Ist für mich nicht gerade eine Geschichte, die hier her gehört, ‚tschuldigung…

    • Sven sagt:

      Über den Lambo und den Learjet schreibe ich dann gerne in weiteren sechseinhalb Jahren. 😉
      Wird dann aber beides nichts mit mir zu tun haben, weil ich Lamborghini furchtbar finde und in kein Flugzeug steige – es sei denn, es steht in einem Museum.

      Bis dahin lassen wir doch den Hausherr entscheiden, was hier hingehört. 😉

      • Micha sagt:

        Was, Zitat, „für mich“ hier nicht her gehört, ist halt immer eine Einzelmeinung. Persönlich mag ich Geschichten über Autos, die aus Sehnsüchten, Rost und kleinem Budget entstehen. Deshalb bin ich hier.

        Aber dennoch, Gratulation zum Viert-Aston Martin sechseinhalb Jahre nach dem ersten (natürlich nagelneu-)Wagen. Begeisternd, was man doch mit Geld alles kaufen kann.

        • Sven sagt:

          Es ist doch ganz einfach: Wenn einen etwas nicht interessiert, muss man es nicht lesen und erst recht nicht kommentieren. Und schon gar nicht sollte man etwas nicht kommentieren, was man nicht – oder nur oberflächlich mit viel Wut – gelesen hat.
          Deine und meine Einzelmeinung, was auf diese Seite gehört, sind vollkommen irrelevant, da wir hier nur Gäste sind.

          Natürlich möchtest du mit deinem Kommentar provozieren. Über die Gründe kann ich nur spekulieren, stattdessen helfe ich lieber mit Informationen weiter, um dein Weltbild etwas zu erweitern:

          1. Es gibt die Möglichkeit, Autos nicht in einer Summe bar zahlen und auch nicht ewig besitzen zu müssen. Und wenn man früh anfängt zu arbeiten, dann kann man so was auch in jungen Jahren tun. Besonders, wenn man durch (Mitarbeiter-)Rabatte nicht den vollen Preis für ein Fahrzeug zahlen muss. Ich mache da auch kein Geheimnis raus oder schäme mich dafür. Warum sollte ich den Rest meines Lebens einen bargekauften VW Golf fahren, wenn ich die Summe auch auf verschiedene (spannendere) Autos aufteilen kann?

          2. Menschen im Alter meiner ständigen Begleiterin und mir bauen Häuser und kriegen Kinder. Da werden vierstellige Summen pro Monat als vollkommen normal angesehen. Steckt man das Geld stattdessen in Autos, heißt es plötzlich „bald kommen Lambo und Learjet“.

          3. Es ist ein 13 Jahre alter Vantage und kein DB5. Jeder gut ausgestattete Mittelklasse-SUV oder -Kombi (siehe Volvo) kostet mehr. Aber natürlich ist es vollkommen in Ordnung, 75.000,- € für einen V60 auszugeben, aber ein englischer Sportwagen für weniger ist die pure Dekadenz.

          4. Ich hätte gerne einige rostige Autos. Mir fehlen allerdings eine eigene Werkstatt und ein paar Fähigkeiten, um mich angemessen um diese Fahrzeuge zu kümmern oder sie nur am laufen zu halten. Außerdem habe ich keine Zeit, weil ich einer regelten Arbeit nachgehe. Und mit dem Geld eben dieser Arbeit kaufe (Adam + MX-5) oder finanziere/lease ich mir Autos, die ich in meiner Freizeit auch fahren kann, anstatt dafür erst an ihnen schrauben zu müssen.

          Sandmanns Motto lautet (gekürzt) „Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos“. Dem folge ich. Und wie ich es schon im Artikel schrieb: Ich bin sehr dankbar, dass wir die Möglichkeit haben und nehme das nicht als selbstverständlich hin.

          Da lasse ich mir auch von Menschen wie dir nicht den Spaß verderben. Denn du bist tatsächlich die erste Person, die so negativ darauf reagiert hat. Was mich gerade auf dieser Seite etwas erstaunt.

          Also bitte ich dich einfach darum – falls mich Jens nach diesem Kommentar noch mal was veröffentlichen lässt -, Beiträge mit meinem Namen einfach zu ignorieren. Danke.

          • Sandmann sagt:

            Ich bin nach dem Lesen euer vier Kommentare etwas ambivalent…
            Also zunächst finde ich jede, ich betone JEDE Geschichte von Menschen, die ihr Herz für Autos hergeben, erzählenswert. Natürlich sind da manchmal mehr, manchmal weniger Emotionen bei. Und die Autos sind mal rostig und erzählen Geschichten trotz kleinem Budget, und mal sind sie neu und jemand hat trotzdem sein Herz dafür gegeben. Ich finde das alles legitim.
            Um da etwas Konstruktivität reinzubringen:
            Micha die nächsten rostigen Geschichten sind schon in der Pipeline 🙂 Und ach ja – Lamborghini bin ich ja auch schon gefahren: https://www.sandmanns-welt.de/mannersache-lamborghini-oben-ohne/
            Und Sven – es ist mir immer eine Ehre, wenn jemand eine schöne oder abgefahrene Geschichte über seine Autos schreibt. Kommt selten genug vor. Also weitermachen, ich denke hier ist dann irgendwie für jeden was dabei 🙂
            In diesem Sinne ein schönes Wochenende
            Sandmann

  2. pico24 sagt:

    Die Farbe vom Aston-Martin ist heiß! Nur die Felgen gefallen mir nicht so. SInd die Aftermarket?
    Die Autos ansich finde ich weniger interessant, sind mir ein bisschen zu neu.
    Aber bin absolut deiner Meinung dass man manche Sachen einfach machen muss!! In dem Sinne: Alles richtig gemacht und weiterhin viel Spass mit den Autos!

    • Sven sagt:

      Vielen Dank!

      Nein, die Felgen sind tatsächlich ab Werk auf dem Auto und, wie auch die beigen Bremssättel, auf die Außen- und Innenfarbe abgestimmt. Insgesamt eine recht – ich nenne es mal so – spezielle Farbkombination. Bei Zeiten werde ich auch mal versuchen rauszufinden, wie viele Vantage Roadster es in der Farbe gibt. Viele dürften es nicht sein.

      • Sandmann sagt:

        Sven wie ist denn bei dem Vantage die Lage bezüglich Ersatzteile, Werkstattkosten und Zuverlässigkeit…? Wenn ist „Aston Martin“ lese bekomme ich immer parallel eine Gänsehaut und eine sich verschämt faltende EC-Karte 😉 Oder ist das gar nicht so schlimm…?
        Sandmann

        • Sven sagt:

          Sandmann!
          Das kann ich dir (zum Glück) noch nicht aus erster Hand beantworten. Aber für den Wagen existiert eine Garantie und eine Servicehistorie mit Lücken. Direkt zum Aston Martin-Händler muss ich damit also schon mal nicht. Zumal es wohl eh so zu sein scheint, dass sich die offiziellen deutschen Aston Martin Wertstätten mehr durch hohe Preise und wenig durch gute Arbeit auszeichnen. Einige Besitzer haben ihre Servicetermine deshalb lieber direkt (günstiger und besser) in England erledigen lassen.
          Außerdem hat die Vantage-Generation noch den Vorteil, dass viele Teile von Ford, Jaguar, Land-Rover und Volvo verbaut worden sind. Wenn man eine freie Werkstatt hat, die die unterschiedlichen Teilenummern für identische Dinge kennt, sollten die Ersatzteilkosten gar nicht so dramatisch sein. Von daher bin ich da erstmal vorsichtig optimistisch.

          • Sandmann sagt:

            Ay Sven,
            das klingt machbar. Ein Traumwagen mit Baukasten-Genen sozusagen. Ich bin gespannt wie der sich machen wird.
            Wobei ich eine Reise nach England für einen Service schon etwas… anspruchsvoll fänd 😀 Wohl denen die eine Werkstatt ihres Vertrauens haben.
            Schönes Wochenende!

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