Des Mordes verdächtigt…

 

Ay liebe Blog-Gemeinde,

Leichen pflastern seinen Weg

Leichen pflastern seinen Weg

mich treibt eine offene Rechnung um, gepaart mit dem Anblick von gewaltsamen Todesfällen, die in mannigfaltigen Dimensionen direkt vor meinem Auge eingetreten sind. Tatort A7/A1, und zwar am Samstag, um genau zu sein. Der IVECO-3.5-Tonner schnurrdieselt bequem mit 130 Stundenkilometern dahin, sein Bestimmungsort ist die Weltmetropole Lotte-Büren bei Osnabrück, wo jüngst abgestelltes Mobiliar meines Freundes Jan erneut verfrachtet und in weiter nördlichere Regionen transportiert werden soll. Die Sonne scheint, als hätte sie vergessen, wie das geht. Insekten fliegen durch ihr sechsbeiniges Leben. Aber was nützen sechs Beine und mindestens zwei Flügel, wenn dieser IVECO mit besagten 130 Stundenkilometern dazwischen kommt?

Blut klebt an der Scheibe.

KLATSCH und PLATZ

KLATSCH und PLATZ

Haben Sie an so einem schönen Spätsommertag einmal die Einschläge auf der Scheibe gezählt? Ich will das gerade machen, werde aber von den anderen Möbelträgern wüst beschimpft und widme mich wieder den gerahmten Rocky-Balboa-Postern, Umzugskartons und Plastiktüten voller täglichem Bedarf. Auf einer Fläche von 10x10cm schätze ich rückwirkend rund 30-40 mehr oder weniger zerschmetterte Leichen. Die Farbenpracht ist beeindruckender als jedes impressionistische Gemälde. Da hat uns die Natur schon ein schönes Schauspiel geschenkt, ich sehe rot, gelb, grün und jede Menge milchiges weiß. Jedes mal, wenn ich um den Laster herumlaufe, zeichne ich in Gedanken Kreidelinien und wickel gestreiftes Absperrband mit der Aufschrift „Crime Scene – Do not cross“ ab. Kann man hier von Mord reden?

Da ist nicht mehr viel übrig

Da ist nicht mehr viel übrig

Nehmen wir die Kohlblattlaus. Sie kann sich sowohl konventionell sexuell fortpflanzen als auch gänzlich männerlos unbefruchtete Eier als ihre eigene genetische Kopie heranwachsen sehen. Würde man eine einzige Kohlblattlaus aus schlecht erläuterbaren Gründen ein Jahr lang in Ruhe lassen und ihr genug zu essen hinstellen, produzierte sie eine Nachkommenschaft mit dem dreifachen Gewicht der menschlichen Weltpopulation. Oha. Zum Glück gibt es aber Marienkäfer, Florfliegen und unseren IVECO. Ich glaube, das hier war mal eine dicke grüne Kohlblattlaus. Haben wir sie getötet – oder haben wir die Welt gerettet?

Aus einer Mücke einen Elefanten

Aus einer Mücke einen Elefanten

Mücken. Sie stechen mich im Sommer, am liebsten auf den Bauch, in den Handrücken und auf den Fuß. Und überall da hin, wo man entweder schlecht ran kommt oder wo durch permanentes Kratzen dicke Quaddeln entstehen, die das makellose Bloggerantlitz trüben. Sie kennen das. Nachweislich sind auch Mücken an der Nase des Kleintransporters verendet. Ich überlege ernsthaft, ob Sie, liebe Leser, mir dafür danken sollten, denn auch Mücken können als liebendes Pärchen mehrere Milliarden kleine quirlige Kinderchen haben. Haben wir gar dieser Mücke einen Gefallen getan? Überlegen Sie mal, Sie müssten sich eine Milliarde Namen für Ihre Kinder ausdenken!

Was es wohl einmal war?

Was es wohl einmal war?

Dicke Käfer sind etwas besonderes. Nicht nur auf der Hamburg-Berlin-Klassik Rallye, sondern auch weil sie ein bisschen größer als andere Unfallgegner sind und recht spektakulär an der Wagenfront zerplatzen. Hoffentlich war dieser hier nicht so selten wie der 1978er im Neuzustand, den Herr Buddenbroock und ich bewegen werden. Das Kornkäferweibchen im verchromten „O“ unseres Transporters beispielsweise ist nicht ganz so reproduzierend wie die Kohlblattlaus, kann aber in einem gemütlichen Silo beim Bauern um die Ecke durchaus 250.000 Nachkommen durchfüttern. Pro Lagerperiode, versteht sich. Sind wir nun Freunde der landwirtschaftlichen Großflächendesigner oder brutale Killer, fahren wir doch über diese Straßen mit dem klaren Wissen, dass wir Käferpüree produzieren?

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Oben sehen Sie… zwei Mörder? Oder zwei Weltretter, die uns alle vor einer Insektenkatastrophe bewahrt haben? Zwei Verursacher von großflächigen Hungersnöten unter Amseln und Regenwürmern? Nachdenklichkeit kommt einher mit männlichem Hau-Weg-Trieb. All ihr Insekten – Rest in Peace! Oder wie denken Sie darüber, wenn Sie wieder einmal mit dem groben Schwamm an der Tanke Ihr Sichtfeld verschmieren?

Sandmann

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

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One Response to Des Mordes verdächtigt…

  1. Sandmann says:

    Himmel seh ich schlimm aus ohne den Bart!!! 😯

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