Einer wie meiner

Baustellen überall

Baustellen überall

Während gefühlt die Mustang-Dichte jedes Jahr zunimmt, findet man die schaukelnden Vertreter der europäischen Saurier immer weniger in freier Wildbahn. Taunus und Granada waren zu lange ungeliebt und galten in der Szene lange als veraltet und träge. Mit zweifelhaftem Image. Dabei hatten sie doch schillernde Namen von Bergketten in Deutschland oder Städten in Südspanien. Als man dann in den 90er Jahren auf die unkomplizierten Design-Ami-Deutschen durch Filme wie “Absolute Giganten” und “Bang Boom Bang” aufmerksam wurde, hatte der frühe anfängliche Kantenrost der 70er Jahre bereits die meisten Exemplare in den Schrotthimmel erhoben. Und was noch da war wurde klinisch totrestauriert und weggestellt oder nicht selten für fünfstellige Beträge angeboten. John Bostelmann aus Hamburg hatte ziemliches Glück und kam gerade noch rechtzeitig, bevor die „3-2-1-meins“-Wahnsinnigen anfingen, die großen Kölner in die gleichen Preisdimensionen wie 8er BMWs oder Jaguar XJ12 zu heben.

Braun ist wieder in.

Braun ist wieder in.

*seufz* Ach, hätte man doch damals… Ja, hätte, hätte – haben wir aber nicht. Ihr nicht, wir nicht, ich vielleicht ein kleines bisschen 😉 Der Abwrackprämienwahn und vermeintlich günstige Finanzierungen für neue Kleinwagen aus Plastik ließen die alten Eisen alle verschwinden. Taunus Coupés kosten heute 10.000 Euro, Granada Coupés mit Vinyldach 12.000 Euro. Und die sind dann noch nicht mal in besonders gutem Zustand. In den 90ern gab es die für ein paar 100 Mark. 2006 wurde John 18 Jahre alt und wollte unbedingt mit einem fetten Auto cooler sein als die anderen. Die Versicherungen mit ihren lustigen Prämien für Fahranfänger waren da anderer Meinung. Und vielleicht war das sein Glück, denn fett und neu ist nicht zwangsläufig cool.

Dieser Arsch... phantastisch.

Dieser Arsch… phantastisch.

Trefferquoten für coole Autos steigen mit dem Alter der Fahrzeuge, und ab 30 Jahre geht plötzlich ein finanzielles Licht auf: Auch Fahranfänger können ein Auto mit H-Kennzeichen und dickem Motor für 190 Euro im Jahr vollkaskoversichern. Fragen? Nein. Sein Vater zeigte mit spitzem Finger auf die besondere Coupéform der gehobenen Kölner Mittelklasse. Guter Papa. Und auf John, der bisher nur mit der Simson durch das Land geknattert war, wirkte der Granada wie die Antwort auf alles, was er zu Autos fragen wollte. Kurz nach seiner Volljährigkeit fand sich ein Coupé in der Nähe von Paderborn – guter Preis, liebebedürftig. Er fuhr direkt mit einem Trailer zu dem Verkäufer, wo der schöne Kölner in seiner ganzen Dicke auf dem Hof lag wie ein geiler alter Wal. Das goldene Schiff mit dem braunen Vinyldach war ein wenig malade, aber die letzte Mark-1-Generation, die ab 1975 wegen der Ölkrise ausnahmsweise mit einem Vierzylinder angeboten wurde. Den gab es sonst nur im Magermodell „Consul“. Der junge Mann schlug zu.

Markantes Gesicht, kantige Augen

Markantes Gesicht, kantige Augen

Was war da los? Um den Hype ansatzweise zu verstehen, der noch immer um die gehobene Mittelklasse von Ford gemacht wird, muss man sich entweder reinsetzen oder auf die Historie schauen. Der Nachfolger des 20M P7 wurde gemeinschaftlich mit den englischen Designern (wie schon der Escort und der Taunus TC) für mehr als 500 Millionen D-Mark entwickelt und im Frühjahr 1972 auf dem Genfer Autosalon der Öffentlichkeit präsentiert. Eine Hinterachse mit Einzelradaufhängung plus Schräglenker mit Schraubenfedern und eine Vorderachse mit Doppel-Querlenkern war nicht nur ein technischer Dimensionssprung gegenüber dem Vorgänger, dieses Fahrwerk konnte auch mit der wesentlich teureren Oberklassekonkurrenz mithalten. Also, ihr, die ihr noch immer auf die Blattfedern in meinem roten Baron schimpft – nee nee, die hat er gar nicht 😀

Nur vier, aber immerhin OHC

Nur vier, aber immerhin OHC

Die bewährten robusten V6-Motoren wurden noch um den fetten Dreiliter-Essex-V6 aus dem britischen Werk in Dagenham ergänzt, im etwas spartanischer ausgestatteten “Consul” (klingt nach mehr, ist aber weniger) wurden generell Vierzylindermotoren verbaut. Die zwei- und viertürigen Limousinen und der “Turnier” genannte riesengroße Kombi wurden noch um eine “Fastback”-Limousine mit Schrägheck und Hüftschwung ergänzt, die eigentlich die zweitürige Limousine ersetzen sollte. Die wurde aber weiterhin viel gekauft und angeboten, also ging der dicke Fastback kurz darauf als Granada Coupé in die Prospekte ein. Seine Käufer waren die spießigen Deutschen mit Platzbedarf, die für wenig Geld noch einen kleinen Rest Design haben wollten. Sportlich war definitiv anders, selbst mit dem größten Motor. Aber diese Form…. ach, das kann man schon machen.

Konkav, mit breiten Leuchten, ich mag das...

Konkav, mit breiten Leuchten, ich mag das…

Anno 1974 wurden die Linien gestrafft und der Hüftschwung abgespeckt. Den Consul GT bot man nun auf Wunsch auch mit dem 2,3-Liter- und dem Dreiliter-V6 an, ab 1975 den Granada wiederum mit dem neu konstruierten 2,0-Liter-OHC-Vierzylinder aus dem Taunus – amerikanische Verhältnisse in Köln. 1977 präsentierte Ford mit dem technisch und optisch überarbeiteten Mark 2 die nächste Generation, der extrem kantig daherkam und den Zeitgeschmack mit seinem Schrankwand-Cockpit, Holzfurnier und kommodem Plüsch zielsicher traf. Mit den preiswerten Sechszylindern “für Jedermann” erwirtschaftete sich Ford bis 1977 einen europäischen Marktanteil von 17,2 Prozent – und war der größte europäische Lieferant für V6-Motoren. Goldene Zeiten.

Nicht kernig, aber immer noch fett.

Nicht kernig, aber immer noch fett.

Diese Benchmarks wurden danach nie wieder erreicht. 1985 löste der Scorpio I den Granada ab und sollte als Scorpio II bis 1998 der letzte Pkw von Ford sein, der an der Oberklasse kratzen durfte. Ihr habt ja ansatzweise mitbekommen, dass ich gerade mit so einem „Totengräber“ durch den gesalzenen Norden schliddere. Die Scorpios waren schon sehr 80er und 90er, randvoll mit Kunststoff und heute irgendwie cool, aber nicht mehr so filigran schön. Umso begehrenswerter sind heute die großen Plüschgleiter mit den brummelnden V6-Eisenschweinen, die mit Chrom und Geschaukel nicht geizen und Cruising auch in einem deutschen Auto ermöglichen.

Ein Mann und sein Auto

Ein Mann und sein Auto

Johns vierzylindrige Errungenschaft präsentierte sich arbeitsintensiver als geplant. Der Motor war platt, da musste ein neuer rein. Weil das Aggregat auch im Taunusnachfolger Sierra und im Scorpio verbaut wurde, war Ersatz schnell beschafft, der Tausch war mit zwei Mann an einem Nachmittag zu machen. Mit seinem Freund und Automechaniker Moritz schweißte er das Blech, lagerte das Fahrwerk mit frischen Gummis neu und belegte die Bremsen neu. ‘Ne Bassbox in den Kofferraum – und ab dafür mit TÜV, H-Kennzeichen und Zulassung. Jetzt war das Coupé so wie John es wollte: Ein bisschen schrottig, aber doch ehrlich und ziemlich cool.

Der heute 30 Jahre alte Segeltrainer stellte nach Jahren fest, dass der Granada auch im ganzjährigen Alltag nicht totzukriegen ist und gönnt dem Wagen nach wie vor regelmäßige technische Pflege. Aber eben auch nur technische. Die Fachwerkstatt Mitsubishi Förster & Fink halfen dem Hamburger mit viel Liebe und Fachwissen beim Erhalt der Technik des alten Kölners und nahmen von dem jungen Mann immer nur einen ganz schmalen Taler, was die Unterhaltskosten des Oldtimers weit unter das Niveau aktueller Kleinwagen drückte. Denn Wertverlust gibt es ja keinen, ganz im Gegenteil.

Ich habe selten so ein kommodes Coupé gesehen

Ich habe selten so ein kommodes Coupé gesehen

Damit dieser Alltagszustand (dem man seine Schrammen und Kampfspuren nach 43 Jahren ansehen darf) genau so erhalten bleibt, spendierte John dem Granada 2012 eine komplette Hohlraumkonservierung mit Timemax Fett. Alte Fords rosten seit jeher gern da, wo man es nicht gleich sieht. Dieser jetzt nicht mehr. Gesund soll das Auto sein, aber auf Showroom-Condition hat er keinen Bock. Und an die mitleidigen Blicke beim Tanken gewöhnt man sich als cooler Norddeutscher recht schnell, denn man weiß ja, was man hat.

Alles was Mann so benötigt.

Alles was Mann so benötigt.

Die Rechnung geht auch im Hamburger Innenstadt-Alltag auf. Das Coupé, man möchte es nicht glauben, ist nur fünf Zentimeter länger als ein aktueller Golf VII. Und genau so breit. Spannend, wie die Wahrnehmung sich mit der Zeit verändert. Das Raumgefühl ist sagenhaft, und in dem Wagen riecht es genau so, wie es in einem alten Ford immer riecht: Ein bisschen nach Teppich, ein bisschen nach Kühlwasser und ein bisschen alt. Das ist wie nach Hause kommen.
Der Vierzylinder mit oben liegender Nockenwelle schrabbelt geduldig und drehfreudig vor sich hin, und John drängt zum Weiterfahren. Der Ford will immer in Bewegung bleiben, sonst wird der Motor zu heiß. Er hat schon ständig die Heizung mitlaufen, sehr zu meinem Leidwesen. Irgendwann tauscht er mal Thermostat, Wärmetauscher und Kühler, wer weiß ob das alles dicht ist. Auf diese Weise kann man allerdings auch im tiefsten Winter immer mit heruntergekurbelten Fenstern fahren – John wollte cool sein, John ist cool.

Voran im Alltagsdschungel

Voran im Alltagsdschungel

Er dreht am dünnen Bakelitlenkrad ohne Servolenkung und legt routiniert die vier Gänge ein. Alles funktioniert, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so aussieht. Die vergaserbefeuerten knapp 100 PS des kleinen Motors reichen locker, um den 1,2 Tonnen schweren Dampfer zügig im Straßenverkehr mitschwimmen zu lassen. Das Coupé geht gut in die Kurven, nichts quietscht oder knarzt dank der damals neu gelagerten Achse. So soll es bleiben. Ich genieße das nach so vielen Jahren noch mehr als erwartet und lasse mich ein bisschen durch Hamburg fahren. Ach ja, Fotos wollte ich ja auch noch machen….

Und jetzt will ich meinen weitermachen...

Und jetzt will ich meinen weitermachen…

Der Granada ist in diesem Zustand weit von dem entfernt, was man als “Ratte” bezeichnet. Also ein mattschwarzes Auto mit (zu) viel Patina und Rost, bei dem die meisten Teile schon abgebaut sind. Aber man sieht ihm sein gelebtes Leben deutlich an, und das ist sympathisch. John schminkt sich ja auch nicht (na gut, der ist auch noch jünger). Aber bei dem Coupé erzählen Kratzer die Geschichte von einer zu schmalen Hofeinfahrt, Dellen berichten von einer kontaktvollen Vergangenheit und dem Lack und dem Vinyldach sieht man das Laternenparken an.
Showroom und Zustand 1 ist klinisch tot, da ist kein Leben drin. Das hier ist die konservierte Geschichte eines Autolebens. Davon sollte es noch viel mehr auf den Straßen geben.

Sandmann

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Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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29 Responses to Einer wie meiner

  1. Hallo Sandmann,

    Hamburg muss echt in einer anderen Klimazone liegen, so warm wie es auf den Bildern zu sein scheint. 😉

    Dann bin ich mal gespannt, wann du deine rote Pflaume wieder straßentauglich machst.

    Grüße

    • Sandmann says:

      Ay Peter,

      ja krass, hier blühen schon die Blumen und alles ist grün!
      🙂
      Vielleicht ist die Geschichte ja auch nur ein wenig in der Pipeline gereift. Den Anspruch eines Echtzeit-Blogs habe ich schon lange abgelegt.

      Der rote Granada wird noch lange brauchen. Ich hab ja kaum Zeit, mich um die Autos zu kümmern, die auf der Straße stehen. Aber ich hab ja nach hinten hin keinen Druck…

      Sandmann

  2. Micha says:

    Ich fände ihn gepflegt (und das hat nichts mit Zustand Eins zu tun) trotzdem schöner.

    • stefanh says:

      Meine Worte. Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen Patina und einfach lieblos heruntergeritten. Was mich am meisten erstaunt ist das H-Kennzeichen. Hierzulande käme dieser Wagen nicht mal durch die normale Prüfung.
      Vollrestaurierte Zustand 1 Wägen interessieren mich auch nicht, aber gut gepflegte, in bestem Originalzustand erhaltene Oldtimer sind einfach eher mein Ding…

      • Sandmann says:

        Ay Jungs,

        eben jeder wie er mag. Ich bin da wohl irgendwo zwischen John und euch. Meine Autos müssen vor allem innen einigermaßen sauber sein, und wenn zu viel Rost kommt muss der ebenfalls weg. Aber das genügt mir dann auch.
        Der Scorpio sieht von außen und innen aus wie ein Neuwagen. Bis auf… die VÖLLIG abgefaulten hinteren Radläufe, wegen dieser scheiß Chromleisten. Die sind auf einer Breite von drei Zentimetern schlicht nicht mehr da, das sieht aus als ob der im Wald gelegen hätte 🙂 Das geht nicht. Selbst wenn es nur ein Winterauto ist, das muss frisch gemacht werden. Jawohl. Bleche habe ich schon…

        Sandmann

  3. MainzMichel says:

    Sehr schön. So muß er aussehen, der täglich genutzte Oldie. Über den Innenrückspiegelschmuck kann man geteilter Meinung sein, aber die restliche Optik passt. Gratulation!

    So, und nun ist der Sandmann wieder angefixt.

    Adios
    Michael
    Der seinen Alltagsoldie selber nicht fertigbekommt.

    • Sandmann says:

      Argh!
      Na ja angefixt… das war gar nicht nötig (und die Bilder sind auch schon ein wenig älter 😉 ). Ich komme nur nicht dazu, mit meinem mal anzufangen. Dass er da ist, sagt er mir immer wenn ich mal in den Keller stapfe 😉

      Der Taunus tröstet mich dann. Und der Scorpio steht einfach nur so da, sieht schräg aus und funktioniert. Ich bin sehr entspannt.

      Sandmann

  4. Guten Morgen allerseits!
    Patina, Pflege, Zustand…. ich lese da zwischen den Zeilen, dass hier jemand mit großem Herz und kleinem Budget seinen Traum verwirklicht. Stufe 1 ist erreicht sozusagen. Er hat ihn, er fährt, und was das Wichtigste ist: ER ist glücklich damit. Das schafft mancher nicht mit Mega-Aufwand an Zeit & Kohle.
    Meinem Sohn geht´s ähnlich. Da ist es wichtig, einen“Paten“ zu haben. Oder mehrere… 😉 Und wer, wenn nicht wir, sind da gefragt? Herrliche Sache, Sandmann, danke für Bilder und Text!

    LG,
    Dirk

    • Sandmann says:

      Ay Dirk,

      ja klar. Jeder wie er meint, und mir sind diejenigen, die ihre Autos irgendwie über die Zeit „retten“ immer noch lieber als die, die sie voll restaurieren und dann nur vier Mal im Jahr bei Sonnenschein zu einem Treffen fahren. Auch das ist okay, sollense machen. Aber ich glaube nach wie vor, Autos wurden gebaut, um gefahren zu werden. Der hier wäre mir persönlich eine Spur zu „gelebt“, aber auch ich bin ja nicht dafür bekannt, meine Autos sagenhaft zu pflegen 😀

      Paten… Hm… meine ganz Große hat sich jetzt einen VW Up geholt, da werde ich so bald nicht helfen müssen 😉 Und die Mittlere macht dieses Jahr erst ihren Führerschein. Momentan überlegt sie noch, wo sie kurzfristig das Geld für einen neuen AMG GT herbekommt…

      Sandmann

  5. El Gigante says:

    Moinsen,

    was genau ist denn der STATUS QUO bei Deinem?

    Soll aber nicht heißen, dass ich drängele… hab selber genug Baustellen! Meinetwegen darf das ruhig noch ein bis sieben Jahre dauern 😉

    Gruß aus dem frühlingshaften (?!?) Niedersachsen

    • Sandmann says:

      Bester El Gigante,

      unverändert. Er steht rollbar in der Garage unterm Haus. Am Wochenende sprühe ich endlich mal Caramba in die Zylinder, irgendwann muss das ja mal losgehen.
      Dann wird ein bisschen aufgeräumt und Platz gemacht, und dann – Motor raus und Interieur raus. Und dann melde ich mich mal. Das wird aber frühestens Herbst 😉 Ich denke, wir sehen uns vorher.

      Grüße aus dem herbstlichen Hamburg
      Sandmann

  6. Gert Lovisa says:

    Hi Jens,

    ich bin ja immer hin und hergerissen, was Patina vs. „junger Gebrauchtwagenzustand“ bei alten Autos angeht. Für die Patina sprechen natürlich die spannenden Geschichten, die einem das Auto erzählt, wenn man die Spuren betrachtet und liest. Andererseits möchte ich mich mit meinem alten Auto in die Zeit versetzen lassen, in der es aktuell auf der Straße fuhr. Und da war es neu und schön, allzu abgerockt passt da einfach nicht. Meine Autos haben und hatten immer den bestmöglichen Zustand, ohne totrestauriert zu sein (was mir schon finanziell nicht möglich war): Technisch top, innen und außen komplett und gepflegt, gesaugt, gewaschen und poliert. Junger Gebrauchter eben, Kampfspuren gehören halt dazu. Ich wohne inmitten 60er und 70er Jahre Krempel inklusive vieler Möbel aus der Zeit, da geht es dann ähnlich zu. Ach ja, alte Modellautos sammle ich auch noch… hier geht zum Glück beides (kostet ja nicht so viel): da steht schon mal ein arg bespieltes Modell neben dem gleichen im Ladenzustand. Bist herzlich eingeladen in mein Museum, wenn es bei Dir mal passt ;o)

    Stilvolle Grüße

    Gert

    • Sandmann says:

      Ay Gert,

      vielen Dank für die wiederholte Einladung, ich werde darauf zurück kommen 🙂
      Und ja, auch ich finde den Granada von John einen „drüber“, aber er lebt den so und das gefällt mir sehr. Mit allzu abgerockten Autos kannst du heute ja auch gar nicht mehr rumfahren, da gibt der TÜV irgendwann seinen H-Segen nicht mehr. Außer bei meinem Freund Örg. Der fährt mit Dingern rum, die optisch schon vor 20 Jahren hätten verschrottet werden müssen. Aber sie sind technisch gesund. Irgendwie geht das immer.

      Am liebsten sind mir die „Kampfspuren“, die ich selbst verursacht habe. Der Granada (also, meiner jetzt) ist so ein Kandidat. Da ist eigentlich alles von mir selbst verbockt, jede Beule und jede damals preiswert geflickte Reparatur. Ich werde versuchen, so viel wie möglich davon zu erhalten 🙂 Aber der Rost muss weg…

      Mit Modellautos habe ich es nicht so, seit ich selbst einen Führerschein habe. Ich will fahren, nicht angucken und abstauben. Und Vitrinen mag ich auch nicht 😉
      Morgen guckt sich ein Kumpel mal den KaSi an. Mal sehen was daraus wird…

      Sandmann

      • Gert Lovisa says:

        Hi Jens,

        eigentlich mag ich auch keine Vitrinen, man kann damit einfach keinen vernünftigen Wohnstil kreieren. Aber was soll man machen, dauernd staubwedeln will ich auch nicht. Deswegen gibt es in meiner Bude genau ein Zimmer, in dem die ganze Spielerei stattfindet. Der Rest der Wohnung ist garantiert vitrinenfrei. Mein ZEN ist die Beschäftigung mit altem Spielzeug, da kann ich prima vom Alltag runterkommen.

        Ja, Örgs Autos sind optisch zumeist in erstaunlichem Zustand. Aber dem Sympathen kann halt kein TÜV Prüfer böse sein ;o)

        Nochmal zum, wie ich finde, zu Unrecht geschmähten obigen Granada: gegen zeitweiligen Wartungsstau ist ja nix einzuwenden. Man hat auch noch was anderers zu tun als sich ausschließlich um den Zustand seines Autos zu kümmern. Geht oft einfach nicht so wie man möchte. Hättest Du im Februar einen Blog über meine Autos geschrieben, wären wir hier wohl verbal verschrottet worden:

        Alltags BMW mit kaputter dritter Bremsleuchte (nein es ist nicht bloß die Birne), meist nur fünf Zylindern am Start (Zündspule im Sack), Airbag Warnleuchte an, unbehandelte Roststelle am Heck, das ganze Ensemble streusalzgepökelt und seit Januar ohne TÜV….

        Der Rekord seit Oktober ! (ach du Schreck, jetzt, wo ich das schreibe) unbeachtet in der Garage, mit Rost im Kofferraum, funktionsloser Bremse vorne rechts und ab sofort ebenfalls ohne TÜV.

        Ich gelobe Besserung, der BMW ist schon wieder über den Berg.

        Man hat halt immer mehr zu leben als man schafft.

        entspannte Grüße Gert

  7. bronx.1965 says:

    “ Showroom und Zustand 1 ist klinisch tot, da ist kein Leben drin. Das hier ist die konservierte Geschichte eines Autolebens. Davon sollte es noch viel mehr auf den Straßen geben. “

    Zwischen Showroom und Patina liegen ja noch ein paar Zustands-Stadien. Erst danach kommen die Leichenflecken. Entscheidend ist doch: jeder wie er mag.
    Bemerkenswerter Weise betont diese Spezies der Halter gebetsmühlenartig den „ehrlichen Zustand mit erlebter Geschichte“. Quasi so, als müßten sie sich permanent für den leicht gammeligen Zustand ihrer Schätzchen rechtfertigen. Oder wollten dies.

    Damit wir uns nicht mißverstehen: ich bin auch kein Freund der Mausoleums-Karren. Aber etwas Pflege sollte man dem Auto schon ansehen. Was ich aber schlimmer finde:

    “ Er hat schon ständig die Heizung mitlaufen, sehr zu meinem Leidwesen. Irgendwann tauscht er mal Thermostat, Wärmetauscher und Kühler, wer weiß ob das alles dicht ist. Auf diese Weise kann man allerdings auch im tiefsten Winter immer mit heruntergekurbelten Fenstern fahren – John wollte cool sein, John ist cool. “

    Mit malader Technik würde ich nicht herumgurken. Das rückt viele „Halter“ solcher Autos für mich ins rechte Licht. Das der Unqualifizierten, die sich eine solche Kiste halten weil es gerade „hip“ ist. Sonst aber wenig bis keine Bindung dazu haben. Der letzte Satz im Zitat, er macht es wieder deutlich.

    Mag sein das ich hier daneben liege. Dann aber einen Tip an diese Leute: seid ehrlich. Sagt halt, es reicht euch und zu mehr habe ich keinen Bock!
    Immer noch besser als dieses ständige Gefasel und Geläster über die Leutchen, welche das eben anders sehen und denen eine Kiste in diesem Zustand die Tränen in die Augen treibt. (Nein, nicht die der Rührung)

    Immer tolerabel bleiben. Auch wenn man manchmal am liebsten. . .
    würde. 😉

    bronx

    • Sandmann says:

      Ay Bronx,

      in letzter Zeit hebst du oft den Zeigefinger 😉
      Also ich gehe mal davon aus dass John die Karre genau so liebt wie sie ist. Den Text habe ja ich selbst geschrieben, das sind ja meine Worte. Und ich glaube er mag es rostig. Er mag ja auch seinen Penis 😉

      Und natürlich hast du Recht, zwischen Mint Condition und einer Ratte gibt es noch andere Graustufen. In denen bewege ich mich ja auch. Aber wenn jemand sein Auto partout nicht pflegen will dann soll das so sein. Wenn ein Auto so verwohnt und angerostet ist dann kann man das auch nicht mehr „schön“ reden, dann ist das einfach rott. Und ich denke die Sache mit dem Wärmetauscher hat er später noch repariert, die Saison hatte damals erst angefangen.

      Mir tun die durchgerosteten Radläufe des ansonsten gut dastehenden Scorpio weh. Hoffentlich wird das Wetter bald mal besser…

      Sandmann

      • bronx.1965 says:

        Ay Scorpiofahrer,

        bis auf die RL sieht die Karre ganz manierlich aus. Also sollte sich mit relativ bescheidenem Aufwand der Rest doch auch beheben lassen. Kann dir der Örg das nicht an einem WE mal durchschweißen? Farbe drauf und gut ist. 😉

        Was deinen Text betrifft, ich bezog mich lediglich auf die „Hippster“, die nur herumgurken, auf cool machen und von der Technik (meistens) null Peilung haben.

        Dazu gehörst du ja nun definitiv nicht. Also, nicht alles so enge nehmen. Denn, ich schrieb ja auch: jeder wie er mag.

        Generell mag ich Sachen, die polarisieren. Also, mach mal schön weiter so.

        gegrüßt aus dem verschneiten BBL

        • Sandmann says:

          Moin Bronx,

          die Radläufe werde ich mit Alex und Lars irgendwann im Frühling mal reinschweißen. Stand gestern unter dem Auto, der sieht tatsächlich noch echt gut aus…
          Mal schauen was wird. Ich mag ihn. WEIL er polarisiert 😀

          Sandmann

  8. „..was genau ist denn der STATUS QUO bei Deinem?…“

    Meinst du mich + meinen Sohn?
    Falls ja: Azubi als Tischler, 1. Lehrjahr. Ausbildung im Handwerk hat goldenen Boden, aber nur Altblech in der geldbörse.. 😉
    Im T3 quasi aufgewachsen, sollte genau das sein Fahrzeug sein. Den haben wir dank Unterstützung von Freunden gefunden und bezahlen können. Wer Bock auf den Werdegang hat, kanns auf meiner HP nachlesen. (dt-classics.de)
    jedenfalls, was ich sagen wollte; ohne Unterstützung ist schwierig im Azubi-Status. Gert + bronx sprechen mir allerdsings auch aus der Seele.

  9. Micha says:

    Mein Oldie 80 ist ja z.B. weit von einem hochpreisigen Top-Klassiker entfernt. Dank des begrenzten Fahrtalentes seiner hochbetagten Vorbesitzer und seines Parkplatzes im Freien trägt er die eine oder andere Delle und ein paar kleinere Hagelschäden.

    Weder sein Dasein als Wintervertretung des Eos noch sein bescheidener Marktwert rechtfertigen eine Toprestaurierung.

    Trotzdem sehe ich zu, nicht nur den Zustand zu erhalten, sondern mal hier, mal da Schäden zu beheben. Ein Thermostat? Leute, das Ding kostet zehn Euro. Mal ein Seitenteil lackieren, damit nix gammelt? 200 Euro. Das hat man auch zu Lebzeiten unserer Oldies so gemacht, als sie noch im Normalbetrieb liefen.

    Hier wird ja kein „Originalzustand konserviert“, sondern beim Verfallen zugesehen. Der Originalzustand war ein Neuwagen 😉

    • Sandmann says:

      Ay Micha,

      bei dem Scorpio hatte ich das eigentlich auch genau so vor. Momentan hat er noch nicht den endgültigen Segen meines Halbfinnischen Fräulein Altonas, die mit Sorge auf inzwischen drei zugelassene Fahrzeuge von uns beiden unten auf der Straße guckt. Das sei ja nicht nötig, sagt sie, und wenn ich nicht mit „Hobby“ argumentiere hat sie ja auch Recht.
      Na ja. Wenn KaSi erstmal ein neues Zuhause gefunden hat ist es einer weniger. Und der Granada ist ja mehr ein Langzeitprojekt. Mein Plan war allerdings, jeden Winter ein anderes Auto auszuprobieren. Also müsste der Scorpio im Frühling wieder weg. Verdammt. Ich gewöhne mich aber immer so schnell an die Autos 🙁

      Sandmann

  10. bronx.1965 says:

    @Micha:

    Da liegen wir dicht zusammen. Speziell der letzte Satz. Genauso sehe ich das auch.

    Es wird immer gesagt, diese Autos „erzählen Geschichten“. Das tun sie ja auch. Aber sie erzählen ihre Geschichte GANZ. Also auch die, der Unlust an der Wartung, des Mangels an Zeit, oder eben schlicht monetäre Gründe.

    Liebevoll restaurierte Karren erzählen auch eine Geschichte. Die vom handwerklichen Können, der Mühen dabei und wie sehr der Besitzer sich für den Erhalt einsetzt. Egal WO und WER es tat. Nicht jeder kann lackieren, schweißen, etc. Aber davon lebt AUCH eine Branche. Die von Fachleuten, von denen die Meisten mit Herzblut ihr Hobby zum Beruf gemacht haben.

    Oder Clubs, die mit Nachfertigungen helfen, damit Andere noch lange Freude an ihrer Karre haben. Zugunsten der Originalität übrigens. . .

    Gegrüßt!

  11. Genau so sieht das aus! Kenne ich auch so.
    Bisschen Einsatz ist so schwer nicht.
    Manchmal wird aber der Gammel, weil er halt original ist, verglorifiziert. Muß man nicht verstehen.
    Der Begriff Originalzustand wird m.M.n. sowieso mißbräuchlich genutzt.
    Wenn es stimmt, dass Originalzustand = Auslieferungszustand meint, gibt es original genau nur einmal. Zum Originalzustand hinrestaurieren geht demnach schon nicht. Somit sind die meisten Fahrzeuge also maximal historisch, statt original. Was mir halt immer gut gefällt, ist die Authentizität der Besitzer. Cool sein wollen, ist da noch was anderes…nuja… 😉

    • Sandmann says:

      Ay ihr zwei,

      Originalzustand bedeutet, dass nix umfangreich verbastelt oder mit anderen Bauteilen verändert wurde. Auslieferungszustand ist Auslieferungszustand. Mint Condition quasi. „Original“ kann auch mal angerostet sein 🙂

      Ich fühle mich dieser Tage echt schlecht mit den komplett abgefaulten Scorpio Radläufen. Sieht fast unwirklich aus. Vor 20 Jahren war das ja bei vielen alten Autos normal, aber heute bleiben Passanten stehen, zeigen auf mich und lachen…

      Sandmann

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