Kombi? Ich weigere mich noch immer!

Von einem, der auszog, ein Billigauto zu er-fahren. Teil 8

Stufenheck reicht völlig aus.

So wollen Sie doch nicht fahren, oder?

Hoch hinaus auf dem Dampfer

Hoch hinaus auf dem Dampfer

Die Dame an der Kasse schaut mich ein wenig ängstlich an. „Äh, nein, eigentlich nicht, aber der Transporter von Ihnen ist gerade vermietet und Sie machen gleich zu, und ich brauch die Balken heute. Habe ich eine Wahl?“ Ungläubig und mit abfälligem Blick scannt sie die Barcodes auf meiner Packliste, während im Hintergrund der Audi 80 parkt. Er sieht aus wie ein Zweimaster. Er knarrt leicht. Eine Möwe schreit. Ich schleiche noch einmal um das Kunstwerk herum, während ich aus dem Augenwinkel erahnen kann, dass die Kassiererin vielleicht sogar eine Notrufnummer in ihr Telefon eintippt. Belustigte Blicke der anderen Mitarbeiter. Besorgte Gesichter, wohin man sonst blickt. Was soll’s, ich habe doch sogar ein rotes Fähnchen dran gehängt.

Einige Leute stellen sich aber auch echt an.

Der Mast ohne Segel

Der Mast ohne Segel

Irgendwie entsteht ein gewisser Stolz in mir, dass ich sogar die vier Meter langen Ständerwerk-Kanthölzer in dem treuen Audi verstaut bekommen habe. Na gut, nicht ganz, ein paar Meter gucken oben raus. So ein Schiebedach hat doch gewisse Vorteile, wenn es um die Zuladung geht. Und ein bisschen guckt auch zur Seite raus. Und ein bisschen nach vorn. Ein längst verschüttet geglaubter Teil meines Gewissens fragt mich von ganz tief unten, warum ich derartige Bauteile ausgerechnet mit einer kleinen alten Stufenhecklimousine abholen muss. Vielleicht ist es der selbe Grund, warum man mit einem Audi V8 trotz besseren Wissens bei Ikea mehrere Kommoden kauft. Und das hat auch geklappt. Erinnern Sie sich noch?

Den Wald vor lauter Bäumen...

Den Wald vor lauter Bäumen…

Noch während die Baumarkt-Mitarbeiter im Hintergrund des Geschehens hohe Geldbeträge für oder gegen mein Vorhaben setzen, sage ich mir erneut: Habe ich eine Wahl? Und verlasse mit röchelndem Auspuff und kernigem Zwischengas das Gelände. Schon nach drei verhalten durchmessenen Kurven wird klar: Ja, es gibt IMMER eine Alternative. Und manchmal ist sie sogar besser als die zuerst gewählte Variante. Eigentlich ist alles besser als das, was ich hier gerade mache!!! Im offenen Schiebedach rutschen die Kanthölzer von Osten nach Westen, die mit einem Spanngummi locker fixierten Profilhölzer kratzen und bumpen in ihrer Plastikhülle an der Heckscheibe und auf dem rechten hinteren Türfenster liegt offensichtlich mehr Gewicht, als von den Ingenieuren geplant.

Ich gebe auf

Ich gebe auf

Aber das sieht eigentlich ganz gut aus

Aber das sieht eigentlich ganz gut aus

Kapitulation. Ungewöhnlich, aber mit einem perfiden Restgewissen ausgestattet mache ich noch ein paar Fotos, drehe dann um und lager einen Teil der Beute beim Schrankenwärter des Drive-in-Bereichs unseres hiesigen Baumarktes, während im Hintergrund die fünf Mitarbeiter applaudieren. Kombi? Braucht man nicht. Aber ich werde älter, und wenn Verrücktheit die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet, macht sich eine gewisse Nervosität breit. Ich hole später den überlangen Kram mit dem alten T3-Bulli ab. Auch kein Kombi, aber hey, was da alles rein geht!

So, liebe Kinder, und nun schaut fein her:

 

Präservativ in Übergröße

Präservativ in Übergröße

 

Einen raushängen lassen

Einen raushängen lassen

Wenn ihr auch wie Onkel Sandmann mal was gaaaanz langes transportieren wollt, schaut doch erst einmal, ob euer Auto nicht einen Skisack hat. Da bekommt man ganz toll zwei Kanthölzer rein. Und wenn die hinten raus gucken, macht man ein rotes Fähnchen dran, in gut sortierten Baumärkten rennen Mitarbeiter einem sogar schreiend nach und nötigen es einem auf. Auf diese Art und Weise muss man natürlich ein paarmal mehr fahren. Mein V8 hätte auch einen Dachgepäckträger gehabt. Warum fahre ich eigentlich immer mit dieser Aldi-Karre durch die Gegend??? Beginne ich etwa, das Ding zu mögen?

Haben Sie Erfahrungen mit Überlängen, -breiten, -höhen? Ich bin gespannt.

Sandmann

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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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19 Responses to Kombi? Ich weigere mich noch immer!

  1. Wob79 says:

    Hi Jens,

    Ich würde sagen, Not macht erfinderisch. 🙂

    Stell den Blog bloß nicht bei MT rein, da ist Ärger vorprogramiert. 😉 Und der rote Button fängt wieder an zu glühen 🙂

    Sieht aber echt abenteuerlich aus deine Transportvariante. Und irgendwas hätte ich mir auch einfallen lassen um den Krempel wegzubekommen. Aber jetzt wo es mir einfällt. Bei deinem B3 ging die Rücksitzlehne ja nicht umzuklappen. Deshalb hatte ich bis jetzt noch keine solchen Probleme. Denn beim B4 wurde das ja durch den Tank geändert.

    Tschööö….

    • Sandmann says:

      Ay René,

      der Tank beim B3 ist wohl die schwachsinnigste Konstruktion, die Audi sich jemals ausgedacht hat, oder? Resultat: Keine umklappbare Rücklehne und ein Kofferraum, der zwar gefühlt drei Meter tief ist, aber nur 42 Zentimeter breit. Sowas beklopptes.

      Egal, solange man ein Schiebedach hat geht ALLES rein 🙂
      Sandmann

  2. SteffenG says:

    Moin Sandmann!

    Naja, Kombi ist schon praktisch… Und wenn da nicht alles reinpasst gibt es Anhängerkupplungen.
    Aber zugegeben, 4m Kanthölzer hätten auch bei meinem Kombi knappe 2m hinten übergestanden.

    Kombi – mag ich! 😉

    Aber warum Du sowas nicht mit einem 50PS Diesel T3 erledigst???

    Steffen.

    • Sandmann says:

      Warum?
      Weil es reingepasst hat 😀

      Eine Bekannte von mir hat gerade einen B-Kadett Kombi angeboten bekommen, Baujahr 1970, sogar noch mit TÜV. Für rund 1000 Euro… Ich habe ihr abgeraten, weil sie nicht selbst schrauben kann und auch niemanden kennt, der ihr den am Laufen hält.
      Und jetzt schreit Örg aus der W8 bis hier, dass er den haben will. Ein wunderschönes Auto, und superselten… Und recht günstig, oder?

      Sandmann

      • SteffenG says:

        B-Kombi?

        Mit etwas Platz und Geld gern!
        Aber meine Frau hat sich ein neues Zeit- und erstmal Geldfressendes Projekt überlegt. Da wirds mit nem alten Auto wieder nix….

        Was würde ich jetzt für ne runtergerittene T3 Pritsche geben…!

        Steffen.

  3. Touranus says:

    Moin Sandmann,
    ich poste meine Antwort von damals hier einfach nochmal… passt so schön 😉

    Vor einer laaaangen Zeit, erhielten wir in meiner alten Schule die Erlaubnis uns einen “Oberstufenraum” im Keller einzurichten um in Pausen angemessen rumfletzen zu können.
    Mit meinem Ami-Führerschein war ich der einzige der Projektteilnehmer, der ein Auto besaß. Natürlich Audi 80 Typ 81 (Im Fahrzeugschein stand unter Hersteller übrigens noch Audi NSU AUTOUNION) Baujahr 80.

    Also durfte ICH mit irgendsoeiner Kaugummikauenden 15 Jährigen zum Baumarkt fahren und einen günstigen Teppich für diesen Raum erwerben.
    Ordentlich zusammengerollt auf der Rückbank ließ ich ihn auf der rechten Seite schön weit rausgucken… Anders ging das Ding da par tout nicht rein!!!!!

    Auf dem Rückweg sah ich den Mofafahrer vor mir , der es irgendwie geschafft hatte eine ziemlich hohe Kommode vom Sperrmüll auf seiner Möf festzubinden. Ich fand das sehr bewundernswert und dachte noch grinsend, der is ja genauso bekloppt wie ich..
    Blinker links, Schulterblick, und dann unter Berücksichtigung der Teppich Überlänge so weit links an ihm vorbei, dass der Teppich ihn unmöglich treffen konnte… IHN NICHT… Aber da war ja noch die KOMMODE….

    Es krachte…es schepperte…Blick in den Rückspiegel…Oh, Kaminholz auf der Fahrbahn und ein wild schreiender Möf-Rentner…
    Breeeeeeeeeems!
    Beifahrer-Kaugummikommentar: “Krass ey!”
    Dem guten Sperrmüllsammler, war nix passiert, aber die Zerstörung der Kommode nahm er sehr persönlich… Er bestand auf Polizei.

    EIGENTOR!!! 😉

    Die gerufenen Schnittlauchbande zog mir zwar mächtig heftig den Hosenboden stramm (verbal natürlich), aber die Idee eine Kommode auf einer Möf durch die Gegend zu kutschieren und das auch noch mit einer Bierfahne…nee, das fanden die Jungs denn doch etwas zuviel…

    Glück gehabt! Nachdem wir mit Hilfe der Grünen den Teppich zurechtgebogen ganz ins Auto bekamen durfte ich weiterfahren und hatte ‘ne schöne Geschichte zu erzählen… (‘Ne echt krasse aus Sicht von Miss Kaugummi) und Möfi musste pusten, die Straße fegen und seine Möf stehen lassen…
    So gesehen, hat der überlange Teppich geholfen, einen alkoholisierten Fahrer von der Straße zu verbannen. Hätt aber auch schief gehen können….

    Gruß
    Teppich-nun-im-van-transportierer

    • Sandmann says:

      muuuhahahaaaaaa 😀

      Teppich? Braucht man nicht! Hättest du Dielenboden wie ich, wäre das nicht passiert 😉

      Ich bin da ja auch ruhiger geworden, große Dinge lege ich auf den Dachgepäckträger oder gleich auf den Hänger. Siehe die Geschichte mit dem BOSCH…

      Sandmann

  4. deichgraf63 says:

    Da werden Erinnerungen wach… Ich hatte ja auch mal so einen wunderbaren Audi 80, aber den 1.8er mit 75PS, am Ende mit 523.000km auf der Uhr, der Dachhimmel hin herunter wie ein Moskitonetz, die Innenausstattung war fertig, die Technik hätte sicher noch mal das Gleiche geschafft, also ging der Wagen an meinen „Hartz IV-Neffen“. Das nebenbei, aber nun zu den Transportgeschichten. Die Laderaumvergrößerung durchs Schiebedach gab es öfters mal, aber die Ladung dann mit Gepackspannband am inneren Türgriff gegen Verrutschen „gesichert“. Topaktion war folgende: Ein lieber Nachbar half die Auffahrt zu pflastern. aber es fehlte am Ende gut ein Quadratmeter der ca.20x8x10cm großen Betonsteine. Kein Problem, das Betonsteinwerk war kaum 10km entfernt. Rein in den Audi, Steine gekauft und den Kofferraum und die Fußräume vollgepackt. Hmm, wieso sehe ich aus der Windschutzscheibe nur Himmel wie bei einer Cessna beim Start. Und Servo hatte ich nicht, wieso geht die Lenkung so leicht? Nun, beim Abbiegen immer schön langsam, die ohnehin latent vorhandene Untersteuerneigung wurde durch die Ladung noch perfektioniert. Aber ich kam mit dem Zeug an, begann abzuladen, als neben mit eines dieser damals noch grün-weißen Fahrzeuge anhielt, was selten Gutes bedeutet, wenn man Autofahrer ist. „Guten Tag“, sind sie damit gefahren? „Öh, nein, ich wollte, aber ich lade gerade wieder aus, das ist wohl doch ein wenig viel…“ „Na, gut, daß Sie das selbst erkennen, einen schönen Dank noch.“ „Ja, danke, Ihnen auch.“ Gut, daß die Ordungshüter nicht fünf Minuten eher am Ort des Geschehens waren und gut, daß keine Anhängerkupplung an Wagen war, die wäre vermutlich aufgesessen und hätte eine verräterische Spur in den Teer gekratzt.

    Eine andere „Ladung“ kam unfreiwillig an Bord. Ich wohnte damals in Gifhorn und mein Bruder interessierte sich für einen auf einem Gehöft bei Göttingen stehenden VW K70. So kam er zu mir und wir fuhren mit dem Audi bei über 30°C im Schatten (natürlich ohne Klima, aber immerhin mit Schiebedach) morgend los. Es war ein idyllischer Ort, der irgendwie so etwas wie „Gellyhausen“ hieß. Den Eigner des K70 hatten wir zuvor in Göttingen aufgelesen. Auf dem Hof war natürlich alles mögliche Getier, was auf so einen Hof gehört, auch viele Katzen. Der mayametallic-farbene K70 war nicht wie erhofft und wir fuhren wieder los. Da war immer so ein jaulend-schreiendes Geräusch. Als wir den Eigner in Göttingen absetzten warf ich einen Blick unter die Motorhaube, konnte aber nichts endecken. Also ging die Fahrt zurück, die A7 war frei, also Hebel ans Bleck, die Tachonadel zeigte Werte zwischen „190“ und „210“ an, das waren dann immerhin gute „echte 190“, dann auf die A39 vorbei an Braunschweig auf die B4, die Ausfahrt „Gifhorn“ zur B248 mir um Gnade wimmernden 175er „Breitreifen“ genommen. Danach fuhren wir noch in die Autostadt. Abends hockten wie bei lauen Temperaturen zuhause bei offenem Fenster im Wohnzimmer. Da vernahm ich wieder dies jaulende Geräusch. „Kann gar nicht sein, der Motor steht doch, Du hast Hallus!“, so mein Bruder. Egal, Taschenlampe geschnappt und hin zum azuritblauen Ingolstädter und die Motorhaube geöffnet. Dort, direkt neben der Riemenscheibe des Schmalkeilriemes sah ich die Ursache: Ein Kätzchen hatte die ganze Fahrt auf der Schallschutzwanne verbracht. Man muß sich mal die Hitze, den Lärm, das Geschaukel und dann die mit hoher Geschwindigkeit rotierenden Teile vorstellen! Ich packte den Schnurrer und verbrachte ihn mit ins Wohnzimmer. Da beging ich den Fehler, den Stubentiger loszulassen, der gab gleich Fersengeld und verschanzte sich. Es war eine nächtliche Katzenjagd angesagt, die mithilfe einer über den flitzenden Ausreißer geworfenen Wolldecke erfolgreich beendet werden konnte. Der kleine Schnurrer kam mit einer Schale frischen Wassers in eine Karnickelbucht. Wir riefen am nächsten Morgen in dem kleinen Ort an, dort wurde das Tier schon vermißt. Also wieder ins Auto und den kleinen Abenteurer zurückgebracht. Man kann wirklich sagen: Diese Fahrten waren wirklich für die Katz‘.

    • Sandmann says:

      Ay Deichgraf,

      zwei wahrhaftig passende Geschichten zum Thema 🙂 Bei deinen Steinen fällt mir die Palette Betonpflanzkübel ein, die ich aus dem Baumarkt holte. Der Staplerfahrer hat sich erst geweigert, die auf meinen Anhänger zu setzen. Ich denke die wird gut 1.5 Tonnen gewogen haben, zuladen darf ich 750kg 🙄
      Ich musste ihm schriftlich bestätigen, dass ich eigenverantwortlich handle.

      Das wäre nicht so schlimm gewesen, hätte der Anhänger sich nicht auf dem Rückweg genau auf der Eisenbahnbrücke aufgeschaukelt! 🙁 Um ein Haar wäre die Ladung von der Brücke runter auf die stark befahrenen Gleise gekippt, das wäre eine Katastrophe geworden. Danach… bin ich ruhiger an die Sachen rangegangen 😉

      Das arme Kätzchen. Lieb, dass ihr euch danach um sie gekümmert und sie zum Besitzer gefahren habt. Die kleine hatte vermutlich genug Angst für mehrere Jahre im Pelz gehabt.

      Aber sag mal – wie bist du denn überhaupt auf diesen alten Bericht hier gekommen? 🙂 Den hatte ich ja seit Ewigkeiten nicht mehr auf dem Schirm…

      Sandmann

      • Na, lieber Sandmann, vermutlich kam der Deichgraf genauso auf diesen Artikel hier wie ich… einfach nach und nach mal den ganzen Blog aufgerollt um zu sehen welche Perlen sich von früher noch darin verbergen.
        Was mich angeht, ich habe in der Hinsicht ein hübsches Schatzkästlein gefunden. 🙂 Eine Perle nach der anderen.

        • Sandmann says:

          Ay Michael,

          das freut mich, dass du hier Schätze ausgräbst 🙂 Ich habe hier schon sooo viel von mit preisgegeben, dass ich manchmal feststelle, dass eigentlich fremde Menschen im Gespräch dann schon mehr über mich wissen als meine eigene Familie 😀

          Ich ertappe mich allerdings auch ab und an mal dabei, jahrealte Artikel wieder rauszuholen. Das ist für mich so ein bisschen ein kleines Tagebuch….. Viel Spaß weiterhin noch

          Sandmann

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