Das besondere Wildpferd

SO sieht Freiheit aus.

Wenn das Leben bei dir die Weichen stellt kannst du den Kopf in den Sand stecken – oder reagieren. Oliver Merse hat reagiert. Er kann sich nicht uneingeschränkt bewegen, das hält ihn aber nicht davon ab, seinen Traumwagen zu fahren. Während sich andere ihrem Auto anpassen, lässt er sein Auto an sich anpassen. Heute fährt er einen 65er Mustang, und er genießt jede einzelne Minute.

Barrierefreiheit Baujahr 1965

Dieser Ford ist äußerlich so ursprünglich und original, dass man ihn liebkosen möchte.

Sixties Rock’s Roll

Und doch ist er etwas ganz Besonderes, weit über seinen Exotenstatus zwischen all den europäischen Alltagsautos hinaus. Denn sein Besitzer ist seit seiner Geburt behindert und kann die rechte Körperseite nur eingeschränkt bewegen. Der Mustang ist so umgebaut worden, dass dieser Umstand als „egal“ abgestempelt wird und er quasi barrierefrei fahrbar ist.

Auch der Rücken kann entzücken

Weil der mit mir freundschaftlich verbandelte Oldtimerspezialversicherer Hiscox (klickt aus Interesse gern JETZT mal auf den Link 😀 der Taunus ist da auch versichert) auch solche Fahrzeuge im Portfolio hat, stelle ich euch diese Maschine aus Detroit einmal vor.

Autofahren mit Emotion

Autos bedeuteten für den 46jährigen Sachbearbeiter aus Hamburg schon immer Freiheit und Flexibilität, wahrscheinlich mehr als für die meisten anderen Menschen um ihn herum.

Ein Mann und sein Mustang

Ein Auto könnte man im Prinzip einfach volltanken und mit ihm nach Südfrankreich fahren. Oder nach Norwegen. Das gesamte Land liegt einem vor den Vorderrädern, und für jemanden, der einen Teil seiner Bewegungsfreiheit nicht nutzen kann bedeutet das Freiheit. 21 Jahre lang steuerte Oliver Merse einen umgebauten Golf GL, der ihn zuverlässig überall hinbrachte. Aber die automobile Erfüllung war das nicht. So ein Golf funktioniert. Er ist preiswert im Unterhalt und geht selten kaputt. Aber geht da nicht noch ein bisschen mehr Emotion mit in die Rechnung rein?

Mit dem Wildpferd im Grill

Entgegen dem Klischee

Merse träumte wie viele Europäer von einem Ami. Einem Auto aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, nichts grundvernünftiges, zumindest nicht aus deutscher Sicht. Irgendwas mit Ecken und Kanten und einer langen Motorhaube. Über eine Anzeige fand er vor sieben Jahren ein Mustang Coupé in gutem Zustand, mit einem ganz normalen V8 drin und einem ganz normalen Automatikgetriebe.

Schnörkellos und schön

Wenn ein Europäer „Mustang“ hört, denkt er gleich an die Verfolgungsjagd mit Steve McQueen in „Bullit“. Oder er malt im Geiste doppelte Shelby GT Streifen auf ein Fastback mit dem Namen „Eleanor“ und setzt Nicolas Cage rein. Er stellt sich schnelle Rennwagen mit rauchenden Reifen, höllischem Sound und hochpreisigem Tuning vor.

Das geht aber auch anders

Der Mustang war bei seiner Geburt ein einfaches und vor allem preiswertes Auto. Es gab ihn mit dem grundsoliden und braven Reihensechser, und seine Trommelbremsen luden definitiv nicht zum Rennen fahren ein. Beim absoluten Verkaufsrekord seines Erscheinungsjahres 1964 gingen über 126.000 Fastbacks und Coupés an die Kunden.

Der hat sogar einen Kofferraum!

Der Mustang startete als grundsolides, technisch altbackenes aber einfaches Auto für die jungen amerikanischen Massen. Er war drüben gewissermaßen so etwas wie ein Golf, also ist Merse mit einem Mustang aus der ersten Serie gar nicht so sehr weit weg von seinem ursprünglichen Auto. Und trotzdem verspricht er wesentlich mehr Esprit mit jeder gefahrenen Meile.

… und gar nicht mal so „klein“…

Der Mustang spricht zu ihm

In einer Anzeige sieht der Mann ein 50 Jahre altes Auto, was ein bisschen spannender als die Golfs dieser Welt ist und trotzdem ähnliche positive Eigenschaften vorzuweisen hat. Der Wagen schien zu ihm zu sprechen. „Hallo Olli. Nimm mich mit“. Der musste es sein. Merse vereinbarte einen Termin mit dem Verkäufer und schlief zwei Nächte schlecht. Als der Norddeutsche leibhaftig vor dem cremefarbenen Stufenheck steht, ist es direkt um ihn geschehen.

Ja, es sind acht, aber mehr auch nicht.

Der Wagen hat eine sehr seltene, durchgehende vordere Sitzbank und ist abgesehen davon völlig grundausgestattet und schlicht. Er springt auf Anhieb an, hat schon die deutsche Zulassung und wird direkt mitgenommen. Seither keine Reparaturen. Nichts. Er läuft und läuft und läuft.

Entschleunigung auf der Straße

Und der Mustang macht inzwischen genau das, was einem Auto eine Seele gibt – er zickt ein wenig. Als wir in der Nähe von Stade stehen und runter zum Wasser fahren wollen springt er erstmal nicht an. Merse bleibt cooler als wir, während hinter uns nervöse Autofahrer sofort aufblenden und hupen. Das ist normal. Das macht das Pony manchmal. Und dann zündet der V8 wieder – los geht’s.

Cruising, das geht auch in amerikanischen „Massenautos“

Der alte Ford rollt kommod auf seinen Blattfedern durch die Straßen, fährt manchmal geradeaus und lässt sich mit genug Planungsspielraum auch zum Stehen bringen. Also ist alles genau so, wie es schon immer war und wie es sein sollte. Der Breitbandtacho deutet auf die Wurzeln des Ponies im biederen Ford Falcon hin, ist aber im Zeitalter von HD-Digitaltachos und bunt blinkenden Head-Up Displays so entschleunigend wie ein Wählscheibentelefon im Hausflur.

Die Sixties in jeder Falte.

Alles mit links

Merse fährt den Wagen genau so souverän, wie er ihn vorhin im automobilen Gedrängel wieder gestartet hat. Die linke Hand kurbelt am Knauf des Lenkrades in die Kurven rein, während er mit dem linken Fuß Gas gibt.

Das kennt man sonst vom Trecker.

Das Pedal ist mit dem eigentlichen hochgelegten Gaspedal verschraubt, auch die Hebel an der Lenksäule sind über ein Gestänge miteinander verbunden und lassen sich alle mit links bedienen. Das alles mechanisch zuverlässig funktionierend einzubauen, die Konzeptionierung und die Anfertigung waren gar nicht so einfach und gar nicht so billig. Aber mit der finanziellen Unterstützung seiner Eltern konnte es nach dem Kauf direkt losgehen.

Merse macht das „mit Links“

Alle haben mitgeholfen

In schweren Zeiten zeigt sich, wo die Freunde sind. Und vor allem Desireé Viol, Ingolf Howind, Christian Stephan und die Firma Carmania haben zusammen angepackt und aus dem schlichten, fast antiken Werksmustang die einzigartige Spezialanfertigung entstehen lassen. Während alle immer mehr von den Möglichkeiten der Barrierefreiheit reden, hat sie hier treffsicher stattgefunden.

Was ihr wollt

Habt ihr mit eurem Klassiker auch den Weg zum Ziel gemacht?

Einsteigen und losfahren

Dann klickt euch mal unverbindlich durch die Spezialtarife von Hiscox. Und wer über einen Wechsel nachdenkt, kann auch direkt schauen, was sein eigenes Fahrzeug ihn denn im Jahr kosten würde. Den Versicherungsbeitrag für eine Hiscox Classic Cars Versicherung kann man vorher unkompliziert erfragen. Und mit dem Wunsch, dass wir die Klassikerversicherung hoffentlich so bald nicht brauchen werden, weiten wir die guten Eigenschaften eines Golf auf den alten Ami aus: So ein Mustang funktioniert. Er ist preiswert im Unterhalt und geht selten kaputt.

Sandmann

Ford Mustang Coupé

Baujahr: 1965
Motor: V8
Hubraum: 4661 ccm (289 cui)
Leistung: 149 KW (203 PS)
Max. Drehmoment: 440 Nm
Getriebe: 3-Gang Automatik
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 4630/1750/1320 mm
Leergewicht: 1400 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 9,9s
Top Speed: 180 km/h
Wert: ca 25.000 Euro

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

6 Antworten zu Das besondere Wildpferd

  1. stefanh sagt:

    Der Mann hat Stil und alles richtig gemacht! Wünsche Herrn Merse langjährige Freude mit dem Pony und allzeit gute Fahrt!

    Beste Grüsse,
    Stefan H.

    • Sandmann sagt:

      Ay Stefan,
      der gute Mann hat da DEFINITIV alles richtig gemacht. Seit der Artikel online ist melden sich verschiedene Leute, die wegen einer körperlichen Einschränkung ihr Auto umbauen mussten. Und es auch gemacht haben. Da sind ein paar sagenhafte Kisten dabei 🙂

      Viele Grüße in die Nordschweiz
      Sandmann

  2. Mega klasse, der Beitrag, chapeau Sandmann, und vor allem alle Hüte ab für Oliver Merse! Menschen mit Behinderung sind ja mein berufl. Alltag, von daher kann ich ganz gut nachspüren, was in der Story steckt.

    Und gerade jetzt, wo man Dank Maskerade mehr Ärsche als Charakterköpfe sieht, finde ich es echt spitze, hier mal ein Beispiel zu sehen dafür, wie man seinen Weg gehen, ähm…fahren kann! Die Filme, in denen der MUSTANG als Protagonist zu Ruhm und Ehren kam, spiegeln übrigens auch diese positive Aufmüpfigkeit wieder, die einfach vonnöten ist, wenn man etwas abseits der Hauptlinie unterwegs ist, freiwillig oder gezwungener Maßen. Herrrlich, herrlich, habe es sehr genossen, vielen lieben Dank Jens!
    Herzlich, Dirk

    • Sandmann sagt:

      Ay Dirk,

      danke für dein Statement.
      Ja, es gehört noch immer „Mut“ dazu, in Deutschland ein amerikanisches Auto zu fahren. Und wenn es dann ein Mustang ist kommen nicht nur die vermeintlichen Umweltmeckerer, sondern auch die Vollprofis, denen der zu viel „Mainstream“ ist. Irgendwie wird immer mehr gemotzt und geschimpft, statt sich einfach mit anderen zu freuen und ihnen Applaus für gute Aktionen zu geben.
      Aber es gibt Ausnahmen 🙂 Auf in den Tag, die Woche, das Leben!
      Sandmann

  3. pico24 sagt:

    Sehr schöner Mustang, in dieser Farbe und als normales Coupe gefällt er mir besonders gut.
    Der Tacho ist der Hammer 🙂

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