Essen? – Highways in den Pott

Na dann komm ich mal zur Ruhe

Na dann komm ich mal zur Ruhe

Es ruft die Republik den reisenden Rudolf-Fahrer, um mit rastloser Ruhrpott-Rollerei rührige Roadmovies zu erleben. Da nützt auch keine Autobahnbrückenaufschrift, Ruhe ist zwar in mir, aber die werde ich heute wahrhaftig nicht genießen können. Es zieht mich nach Essen, auf die sagenumwobene Essen Motor Show, eine der größten Motorsport-, Klassiker- und Tuning-Messen im Ländle. Mein treuer grün-rostiger Altkombi ist bis zur Oberkante Unterlippe vollgetankt, die Verkehrsnachrichten orakeln weitestgehend freie Bahn an diesem sonnigen, vorweihnachtlichen Freitag Vormittag und die V.I.P. Standparty von TRÄUME WAGEN ruft, einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der Messe. Cool. Wenn da nicht diese 450 Kilometer vor mir wären, die es zunächst zu bewältigen gilt. Auf geht’s. Das Wetter ist heute mein Freund.

Der Highway im Norden liegt zu Füßen

Der Highway im Norden liegt zu Füßen

Schon jenseits der Elbe (von Kiel aus betrachtet) strahlt die Sonne von einem blauen Himmel auf Hamburger Hafenkräne und bizarr in die flache Landschaft gepfropfte riesengroße Windgeneratoren. Eigentlich wollte ich romantisch angehaucht ein Bild von der güldenen Dezembersonne hinter der Köhlbrandbrücke knippsen, stellte dann aber nach 42 Fehlermeldungen fest, dass ich die Speicherkarte noch nicht in meine Kamera eingelegt habe und sah den Moment daher verzögert linkerhand verstreichen. Egal. Das soll nicht Ihr Problem sein 🙂 Nun ist alles bereit, das Laptop liegt online mit angeschlossenem Handy auf dem Beifahrersitz neben Kamera und Kaffeekanne, die Arbeit lässt einen ja nie so richtig los…

German Handynetz, und es ist sogar ein D davor...

German Handynetz, und es ist sogar ein D davor…

Deutschland, deine Handynetze….. Da habe ich mich schon vor ungezählten Jahren von der lächerlichen Netzabdeckung einer E-Plus Katastrophe verabschiedet, um überhaupt irgendwann mal 10 zusammenhängende Kilometer in meinem Auto zurücklegen zu können, ohne dass die Verbindung zusammenbricht (fragen Sie lieber nicht). Und noch immer ist es nicht überall möglich, zumindest mit UMTS Geschwindigkeit mal Bilder hochzuladen. Edge. Also schon wieder E, aber ein anderes. Mehr geht nicht, hier in Wildeshausen, aber ich will Sie nicht mit digitalen Luxussorgen langweilen, über die wir in 5 Jahren schmunzeln werden. Ich habe Hunger. Jetzt. Und da hinten auf dem Rastplatz leuchten Buchstaben, die Sättigung versprechen.

Essen macht glücklich

Essen macht glücklich

Fastfood finden Sie ekelig? 🙂 Dabei fühle ich mich schon fast klassisch wohl entweder bei den goldenen Bögen oder dem Konkurrenzunternehmen mit dem gegrillten Fleisch. Vielleicht liegt es daran, dass ich parallel zu meiner Ausbildung Anfang der 90er bei Telerent gearbeitet habe. Kennt die noch jemand? Da konnte man Fernseher und HiFi Anlagen mieten, statt sie zu kaufen. Und ich war dann der, der am Wochenende bis rüber nach Rostock gefahren ist und die Geräte unangemeldet bei denen wieder abgeholt hat, die ihre Miete nicht gezahlt haben. Sofern sie mir diese freiwillig aushändigen wollten. Äh… ich schweife erneut ab, auf dem Heimweg dieser nicht immer ganz ungefährlichen Inkassotouren mit einem alten Ford Transit habe ich mich jedenfalls spätabends immer bei einem McDonald’s belohnt und meine Wunden geleckt…

Frisch gestärkt und umgezogen

Frisch gestärkt und umgezogen

Ein Heimweg ist das noch nicht hier, der kommt erst morgen. Bevor es weitergeht kann ich mir ja schon mal meine Kluft überwerfen. Bei den Events von TRÄUME WAGEN ist die weiße Windshield Jacke, man kann von ihr halten was man will, nahezu unerlässlich. Und natürlich mein „Tanz um’s Auto“ Hut. Na klar, wenn man schon kein Gesichts-Promi ist muss man sich wenigstens so zeigen wie in dem Avatar seiner eigenen Kolumne. Mit Hut fahren ist ohnehin klasse, von hinten denken noch immer die meisten, da sitzt ein alter Mann mit Bart am Steuer… Ich … nun … … ——– äh… 🙁 Also jedenfalls fahre ich ja wesentlich zügiger und konzentrierter als die vorangegangene und fast schon ausgestorbene Generation der Hut-Träger. Wenn man mich lässt. Was man in diesem Moment nicht tut.

Tagesbaustellen. Wie ich sie liebe

Tagesbaustellen. Wie ich sie liebe

Es ist doch nicht zu fassen, oder? Da ist die elendige A1, auf der man sich jahrzehntelang immer zwischen Hamburg und Bremen die Landschaft in aller Ausführlichkeit angucken konnte, endlich dreispurig ausgebaut und fertig gestellt – da fräsen die an einem Freitag Nachmittag irgendwo bei Lotte/Osnabrück eine Tagesbaustelle in den Asphalt und machen alle Fahrstreifen bis auf einen dicht. Während ich mich noch von dem leichten Herzanfall wegen des plötzlichen Stauendes erhole, berichtet der Ü-60 und Stützstrumpf-Sender WDR4 (einen anderen bekomme ich hier aus irgend einem Grund nicht rein) von den 10 statischen Kilometern, die jetzt noch vor mir liegen. Na super. Dann können die in Essen ja schon mal ohne mich loslegen. Wär ich doch in Wildeshausen bloß mal auf Toilette gegangen!

Stauzeiten sinnvoll nutzen

Stauzeiten sinnvoll nutzen

Auch wenn die Blase drückt, ich nutze den Stillstand mal, um ein bisschen zu arbeiten. Hier in Stauhausen ist sogar das Netz wieder 3G, da sollten die sich weiter nördlich mal eine Welle von abschneiden. Alles was mir nun dazwischen kommen könnte wären die Akkulaufzeit und mein menschliches Bedürfnis. Und vielleicht ein bisschen Hirnbluten bei der Beschallung von WDR4, und obwohl mir „Die kleine Kneipe in unserer Straße“ vom unsterblichen Peter Alexander (und nicht von Freddy Quinn, wie ich eben korrigiert wurde) gerade ein Lächeln ins Gesicht trieb, wechsel ich aus gesundheitlichen Gründen zur Konservenmusik aus dem iPhone. Ich befürchte, dass man sonst meinen Kommentaren und Postings die mich umgebende Rollator-Akustik anmerken könnte. Facebook, Blog, Website – ich mag diese Mobilität ja irgendwie sehr. Und dieses oft beschimpfte Apple-Produkt als ewiger Konkurrent zu Android arbeitet sagenhaft zuverlässig. Internet über den Rechner, GPS Navigation, Musik, Nachrichten und Anrufe – alles parallel, das kann keine Frau so gut wie mein kleines Telefon :-). Oh. Es geht weiter.

Es pottet schon ein bisschen mehr

Es pottet schon ein bisschen mehr

Der erste Parkplatz nach dem Stau wurde kurz nach meinem Besuch wegen Überflutung gesperrt. Als die Sonne sich schon langsam senkt, die Strommasten höher und die Atomkraftwerke am Straßenrand zahlreicher werden ahne ich, dass mein Etappenziel näher rückt. Langsam hab ich auch keine Lust mehr, ich sitze seit 5 Stunden in meiner Karre und möchte doch endlich gern mal da ankommen, wo ich schon um 14:00 Uhr sein wollte. Schnell vor Ort im Hotel einchecken, Auto und Gitarre (man weiß ja nie wer noch was singen will ♫) dort lassen und den Weg zu den Messehallen zu Fuß laufen. Das vereinfacht den Samstag Morgen, wenn man nach dem Frühstück wieder zurück nach Kiel muss, was bei mir der Fall ist 🙁

Manchmal telefonier ich damit auch

Manchmal telefonier ich damit auch

Von freundlichen Satelliten korrekt geleitet. Ich denke da lieber nicht drüber nach. So. Ich bin da. Guck an, im Mercure, nur 2 Kilometer vom größten automobilen Ausstellerzentrum diesseits des Atlantiks entfernt. Rudolf freut sich, endlich mal durchschnaufen zu können, und mit leise ausdrehendem Turbolader des AFN Triebwerks lasse ich den alten Volkswagen in die Tiefgarage rollen. Die kostet pro Tag mehr als üblicherweise ein Doppelzimmer mit Frühstück! Es ist Messe in Essen, die nehmen es von den Lebendigen, aber irgendwo muss mein treuer Diesel ja schlafen. Ich hole alles lebensnotwendige Equipment aus dem Wagen raus und buckel es ans Tageslicht zur Rezeption, wo man mich schon fast argwohnerregend freundlich empfängt 🙂

Dann mal rauf aufs Zimmer

Dann mal rauf aufs Zimmer

Eingecheckt, frisch gemacht, ein paar liebevolle Updates des Lebens zu meinem halbfinnischen Fräulein Altona nach Hamburg telefoniert und los. Ich folge per pedes einer wahrhaft idyllischen Essener Nebenstraße auf der vorgeschlagenen Route meines Navis (ohne das Ding bin ich glaube ich gar nicht mehr lebensfähig) und stehe kurz darauf pressemäßig akkreditiert in der angenehm leeren Halle 3. Geil. Was dann im laufe des angekommenen Abends auf unserer Standparty so abging können Sie an anderer Stelle lesen, ein Klick HIER HIN oder auf das nächste Bild bringt sie zu den Messe-Blogs, ohne dass diese Seite geschlossen wird. Versuchen Sie es. Auch dort können Sie Senf lassen 🙂

Zwischen Autos und Vodka muss ich trotzdem arbeiten

Zwischen Autos und Vodka muss ich trotzdem arbeiten

Jetzt sind Sie im Bilde 🙂 In der Halle tobt der Bär, allerdings nur an unserem Stand, denn alle anderen Besucher sind schon zu Hause und die Tore sind offiziell zu. Eines der Highlights des Abends ist der Verkauf unseres Verlagsponys, des treuen Mustang GT 400 TRÄUME WAGEN Edition. Der neue Besitzer ist mit seiner Liebsten angereist, um offiziell den Schlüssel von Christian Meyer (Mustang Deutschland) übergeben zu bekommen. Auch diese Geschichte kann ich im Sinne eines runden Abends empfehlen, die bekommen Sie mit einem Klick HIER HIN oder auf das kommende Bild:

Verkaufssession

Verkaufssession

Und bevor wir das Roadmovie-Thema noch abschließend bis ins Hotelzimmer verfolgen, zerre ich Sie noch mal mit mir in die leeren Messehallen, denn das heutige Presse-Publikum ist bereits der Veranstaltung verwiesen worden. Autos, so weit das Auge reicht, aufgrund der geschlossenen Türen keine Menschen mehr und zwei Blogger, die da einen kleinen Abendspaziergang über die roten Teppiche machen. Das finden Sie HIER oder mit einem Klick auf das nächste Bild.

Catwalk in Essen

Catwalk in Essen

Nach der Pflicht kommt die Kür. Also spule ich die Uhr ein bisschen vor, denn um 22:00 Uhr mussten wir die heiligen Hallen leider verlassen, was nicht bedeutet, dass der Abend schon zu Ende war. Aber das ist eine andere Geschichte, what happens in Vegas stays in Vegas. Mein Weg „nach Hause“, also ins Hotel, gestaltet sich ein wenig friedlicher und frischluftiger als der lange Weg mit dem Auto von Kiel ins Ruhrgebiet heute Mittag. Ich muss allerdings fast genau so dringend mal eine Toilette finden. Die Stadt schläft in vorweihnachtlicher Ruh‘, es ist 1:30 Uhr und mein Wecker bimmelt in ein paar Stunden.

Die Nacht der langen Esser

Die Nacht der langen Esser

The long and winding road. Der letzte gemeinsame Hit der Beatles im Jahr 1970, als noch alle vier am Leben waren – ich weiß nun, was sie besangen. Long sicherlich, winding auch ein bisschen vom Kopf her, aber es geht noch. Es ist schon irre, wie viele Kilometer man an einem Tag mit dem Auto und zu Fuß zurücklegen kann und am Ende das Gefühlt hat, einen wirklich guten Abend gehabt zu haben. Irgendwo hinter mir höre ich ein kleines, fröhlich lärmendes Grüppchen meinen Namen rufen. Ah, man zieht noch weiter in die regionale Disco. Nein, meine lieben Kollegen, ich wäre gern morgen früh (also… nachher…) ebenfalls noch am Leben und folge weiter den bunten Linien auf meinem iPhone, die mich hoffentlich in mein Hotelzimmer bringen.

Gute Nacht Freunde

Gute Nacht Freunde

Das tun sie. Genau so direkt, wie ich noch heute Mittag in den wunderbaren Mercure Le Club aufgenommen wurde, der mir hier sagenhafte 15% Ermäßigung an der Hotelbar gewährt will ich jetzt in den zweiten Stock, in mein Bettchen. Ein viel zu großes Bettchen, viel zu weit weg von Hamburg und Kiel, aber bequem und kuschelig. Und noch während ich über das Design der Stühle vorm Fenster sinniere schlafe ich auch schon ein. Nach einem Tag voller Impressionen von Autos und Menschen, einem Tag mit Musik und Gesang. Dieser Job ist nicht der schlechteste. Ich hau mir mein privates Wochenende um die Ohren, aber ich schlafe lächelnd ein. Träume wagen. Das mache ich jetzt mal, denn morgen muss ich den ganzen Weg wieder nach Hause…

Sandmann


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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

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7 Responses to Essen? – Highways in den Pott

  1. SteffenG says:

    Freut mich, dass Du Spaß hattest… 😉

    Steffen.

    • bronx says:

      Danach siehts aus.
      Wenn ich dieses Grabber-Ding sehe, hab ich immer noch den 6. Mai im Ohr 😀

      Bronx

      • Sandmann says:

        In der Tat!
        Und dieses Grabber-Ding, was ja vor einigen Monaten mal ein Drebber-Ding war, klingt in so einer geschlossenen Halle… nun… fast noch ein bisschen böser 🙂

        Ich liebe diese langen Autofahrten zu schönen Zielen. Da gibt man doch gern mal ein wenig Freizeit dran.

        Und das K70 Orakel hat auch seine Schuldigkeit getan, vorgestern rausgeholt, heute überall Schnee 😀 Ich liebe es.

        Sandmann

        • Touranus says:

          Hey Sandmann,

          zu Deinem Wetterbeeinflussendem Auto habe ich mich ja bereits bei FB ausgelasse ;-).

          Solche „Roadtrips“ lassen mich immer sicherer werden, den Umbruch zu wagen…

          Touranus

  2. Will Sagen says:

    Peter Alexander. Es war Peter Alexander mit der kleinen Kneipe.
    Und irgendwann singen wir das im Duett, ok? 🙂

    • Sandmann says:

      Ach du jemineh,

      ja NATÜRLICH war das Peter Alexander, die hatten danach sogar noch einen Schwank aus seinem Leben erzählt. Sorry. Hier oben an der Küste ist man immer so nah bei den singenden Seemännern, sei froh, dass ich nicht von Hans Albers gesprochen habe 😉
      Ich änder das gleich mal!

      Und hey – du kannst ja schreiben! Klasse 😉
      Sandmann

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