Im Tal der Schönheiten

Mehr als nur ein Autoschlüssel

Mehr als nur ein Autoschlüssel

Es gibt Tage, da passt irgendwie alles zusammen. Und dann gibt es andere Tage, die mir genau deshalb im Kopf bleiben, weil sie sehr lang und voller kleiner Fallen und – trotzdem oder gerade deshalb – sehr besonders waren. Ein Tag wie dieser hier. Vorab resümiert: Eine herbstliche Odyssee durch Funklöcher, ein 65er Mustang Fastback, ein Roush Stage II, ein 81er DeLorean DMC 12, ein 1937er Hudson Terraplane, die Grenze nach Tschechien und ein Hotelbett. Reicht? Okay, dann rüber zu Spiegel online. Nicht? Dann dürfen Sie gern weiterlesen 🙂

Geduldige Leser erinnern sich vielleicht noch an den durchfahrenen Vormittag auf flauschigem Lammfell und meine Ergüsse über die Preise an ostdeutschen Rastplätzen, hier KLICK.

Wo Tunnel, da auch Berge

Wo Tunnel, da auch Berge

Inzwischen nähere ich mich (zumindest theoretisch) meinem Ziel, und dass es bergiger wird, bezeugen die häufiger auftauchenden Tunnel, Tannen und Gesprächsabrisse während des fernmündlichen Austausches mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona… Auch mein Anruf beim online gebuchten Hotel irgendwo zwischen Bergen und Bäumen wird zwei mal von einem kompletten Zusammenbruch des Handynetzes (nein nein, nicht E Plus, da kennt man das ja…. ich bin Telekom Kunde…..) untermalt, aber irgendwie erfahre ich von der lupenrein sächsisch näselnden freundlichen Dame am anderen Ende der… nein, Leitung kann man ja nicht mehr sagen, wie sagt man das denn heute…? Am anderen Ende des Netzes? Äh. Jetzt habe ich den Faden verloren, also jedenfalls kann ich auch später heute noch einchecken, sagt sie, so bis 22:00 Uhr auf jeden Fall. Und ich würde auch dann noch etwas zu Essen bekommen. Cool, dann kann ich also erstmal in Ruhe und in Dresden ein Sächsisch-Deutsch Wörterbuch kaufen und die Autos fotografieren, deshalb bin ich schließlich hier 🙂

Rauf, runter, irgendwo muss das doch sein?

Rauf, runter, irgendwo muss das doch sein?

Ich soll nach Altenberg, südlich von Dresden. Das ist ein recht unübersichtliches Konglomerat von kleinen ehemals eigenständigen Gemeinden, die jetzt alle Altenberg heißen, sich über die umliegenden Erzgebirgs-Hügel verteilen und alle jeweils eine eigene Müglitztalestraße haben. Meine gute alte Lisa, das TomTom 720 (von 2007) bringt mich also ganz klassisch zuerst zu einer Adresse, die es nicht wirklich sein kann, denn „Sie haben Ihren Bestimmungsort erreicht“ ertönt inmitten von Weiden, hohen Tannen und sagenhafter Häuserlosigkeit. Das ist ja nun ein bisschen doof. Anrufen kann ich bei meinem Ziel, dem V8 Werk in Altenberg auch nicht – hier ist mal wieder kein Netz 🙄 Also beschließe ich, die nächste der angebotenen Müglitztalstraßen in einem der sieben möglichen Altenbergs einzugeben und erstmal so weit zu fahren, bis wieder ein paar Balken der kommunizierenden Zivilisation auf meinem iPhone auftauchen.

Grüne Grenzen am Rand der Welt

Grüne Grenzen am Rand der Welt

So lerne ich erst die idyllischen Orte Fürstenau und Fürstenwalde zwischen wirklich schönen bunten Wäldereien kennen, bis ich plötzlich an der Grenze zur Tschechischen Republik stehe. Das ist irgendwie ganz cool, also mache ich ein paar Fotos (ich war hier noch nie), setze meinen Fuß einmal auf tschechischen Boden (jetzt war ich schon mal hier) und versuche dann, ein anderes als das tschechische Telekom Netz zu bekommen. Irgendwo muss man hier doch telefonieren können, himmelnocheins? Die Damen und Herren im V8 Werk irgendwo in einem Altenberg hier ganz in der Nähe warten vermutlich schon, und ich kann nicht mal bescheid sagen, dass ich quasi vor der Tür stehe. Mit einem fröhlichen, akkordeongeprägten Radiosender aus Prag in den Ohren trete ich den alten 5-Banger Diesel auf die nächstgelegene deutsche Bergkuppe und versuche mein Glück noch einmal, diesmal von etwas erhabener Position.

Mit klarem Blick auf die Nachbarn und mit - Netz

Mit klarem Blick auf die Nachbarn und mit – Netz

Mit Erfolg. Ich sehe nicht nur die gesamte schöne Landschaft des waldreichen Nachbarlandes vor mir, ich spüre auch die frische Brise des nahenden Winters und habe … DREI BALKEN EMPFANG!!! Und auch schwupps meinen Termin am anderen Ende der… also nicht der Leitung, am anderen Ende von. *nerv* Also – ich erreiche telefonisch Christoph Herbrig vom V8 Werk, erfahre vom Ortsteil Bärenstein und auch wie ich ungefähr da hin komme 🙂 Das klingt gut. Ein bisschen die neue kleine Beule im Dach meines Taxis bedauernd nagel ich weiter und lerne erst noch das liebenswerte Geising und den kleinen Ort Lauenstein kennen, bevor ich vor einer Straßensperre stehe, die mich in eine Richtung zwingt, in die ich eigentlich gar nicht fahren möchte. Na super. Mein Navi ist total überfordert (bewundernswert, dass es hier überhaupt Satelliten findet), also mache ich es aus und verlasse mich auf meine männliche Intuition. *kicher* Eine wahrhaft schlechte Idee, wie sich später herausstellt, denn ich komme zwar überflüssigerweise an meinem Waldhotel für heute Abend vorbei, finde aber nicht den Ortsteil Bärenstein. Den Stausee da unten kenne ich schon. Die Serpentinenstraße auch. Einmal noch nachdenken, Sandmann.

Da unten wird es irgendwo sein

Da unten wird es irgendwo sein

Nie habe ich so viele „Ich-neben-meinem-Auto“ Bilder gemacht wie heute. Posing Galore, irgendwie muss man ja den Orientierungs-Frust kompensieren 🙁 Unter Zuhilfenahme der spärlich aufgestellten Verkehrsschilder und der Übersichtskarte von Google Maps finde ich, nur eine Stunde später als geplant, tatsächlich Susanne und Christoph Herbrig vom V8 Werk in Altenberg, Ortsteil Bärenstein. Und werde fröhlich und warmherzig empfangen. Die Geschichte der beiden, ihren professionellen Restaurationsbetrieb und die zur Verfügung gestellten Autos en Detail können Sie nach und nach in den nächsten Ausgaben der TRÄUME WAGEN nachlesen, die will ich nicht vorgreifen 🙂 Klasse. Da drüben wird grad eine Corvette C1 restauriert…. Aaaaaaber ein ganz klein bisschen unter die Plane gucken lasse ich Sie schon, zumal der Weg hier hin nicht der einfachste war und ich ja irgend ein Alibi brauche, warum ich diese Tor-Tour rückblickend recht nörgelfrei auf mich genommen habe… Haben Sie noch den Autoschlüssel vom Aufmacherbild vor Augen? Genau, den hatte Marty McFly auch schon ein paar mal in der Hand, 1981, 1955 und 2015. Vor mir stehen ein DeLorean, ein Mustang Fastback und ein 2011er Mustang Roush Stage II. Drei krasse Autos, jedes auf seine eigene Art.

Mustang Roush Stage II und die Suzie

Mustang Roush Stage II und die Suzie

Inzwischen duzen wir uns. Der Plan: Mit allen drei Fahrzeugen gleichzeitig der Reihe nach zu den ausgesuchten Fotolocations fahren (der Stausee, den ich schon zweimal umrundet habe, eine alte verfallene Lagerhalle und eine Bob-Bahn aus den 70ern) und das schwindende Tageslicht nutzen. Der Roush ist Suzies Privatwagen, also will sie ihn am liebsten selbst fahren. Das ist mir ganz recht, einen Mustang neuerer Bauart haben wir ja bekanntermaßen auch als „Verlagspony“, das Wagen ist sagenhaft laut, schnell und extrem geil für ein neues Auto – aber eben für mich keine automobile Herausforderung mehr. Der frisch verheirateten Dame wiederum steht er sehr gut, die junge Geschäftsführerin passt mit ihren roten Haaren in dieses Rennpferd wie Thors Hammer auf den Amboss. Dann wäre da noch der fast perfekte Mustang Fastback von 1965, der gehört einem Kunden. Suzie sagt, es wäre schon besser, wenn den ein Mitarbeiter vom V8 Werk führe, wegen der Haftung und so. Dann bleibt also für mich nur noch der DeLorean, ob das okay ist? Hm. Darüber denke ich ein bisschen nach, so ungefähr 4 Millisekunden, und erkläre mich dann seufzend bereit. Na gut, okay, wenn ich also einen DeLorean fahren MUSS dann soll das halt so sein 😀

Schönheiten im Oktober

Schönheiten im Oktober

Und weil sich vermutlich jeden von uns nach diesem Film damals, vor 30 Jahren (AAAAAHHHH!) in einem Rausch befunden hat, der das ungezügelte Verlangen nach dieser zickigen, teuren und schlecht verarbeiteten Edelstahlkarre mit der dramatischen Historie nach sich zog habe ich ein paar ganz persönliche Making-Of Bilder und Videos gemacht, die mir nicht in den Magazinartikel reingrätschen und eine ganz eigene Geschichte bekommen. Demnächst in diesem Theater. *seufz* Aber laufen Sie noch nicht weg, es kommt ja noch die Abendvorstellung. Da ich hier im Tal der Netzlosen mit einer Stunde Verspätung angekommen bin „schaffen“ wir zwar die drei Autos noch bei Tageslicht (klassisch Detailaufnahmen, Motor, Interieur, Fahrfotos und Panoramabilder), das vierte Auto steht aber in Dresden. Und es dämmert bereits. Doch hey – im Erzgebirge ist man spontan. Ein kurzes Telefonat mit Thorsten Wappler, und wir sind herzlich eingeladen ins schummerige Dresden, direkt vor die Frauenkirche. Das aber nicht mehr im DeLorean, ich versuche in meinem Daimler mit Suzies Roush mitzuhalten, das gelingt mir auf den rund 30 Kilometern aber nur, weil sie ab und an ein Nachsehen mit dem alten Taxi hat und den Mustang im Standgas mit mageren 150 dahingleiten lässt. Das schaffe ich so gerade eben……

Gegensätze in der historischen Altstadt

Gegensätze in der historischen Altstadt

Thorsten ist, genau wie die Herbrigs, mit Leib und Seele Oldtimersammler. Seinem unfassbar schönen 1937er Hudson Terraplane Cabrio wird ebenfalls eine eigene Geschichte im Magazin gewidmet, im Nachhinein bin ich ganz froh, dass wir nicht vor die Semperoper gefahren sind. Das soll angeblich bis zu 1500 Euro kosten. Ups? In der Altstadt von Dresden, gerade als die Laternen angehen müssen wir zwar immer wieder Schaulustige aus dem Bild verscheuchen, die nehmen das aber mit Humor – und ich irgendwann auch 😀 Und wenn ich so beim Feierabendbier durch Thorstens Halle gehe lauern da noch viel viel mehr Schätze als ich es hier unterbringen könnte. Der Trabant seines Vaters im konservierten Neuzustand. Der letzte luftgekühlte Porsche. Ein Mercedes W123 Coupé und eine alte S-Klasse, der kleine Spitfire von Ramstein-Keyboarder Flake und und und….. Ich liebe meinen Job und könnte hier zwischen den Autos noch die ganze Nacht bei Bier und Geschichten versacken. Aber jetzt soll ich ECHT langsam mal zurück ins Hotel, eigentlich will ich doch noch in die Sauna, und was essen sollte ich vielleicht auch noch irgendwann…

Niemals auf direktem Weg. Warum auch?

Niemals auf direktem Weg. Warum auch?

Ach ja. Die Sperrung, an der ich schon auf dem Hinweg scheiterte, die gilt natürlich auch in der anderen Richtung. Und ein Handynetz ist hier natürlich auch wieder nicht 🙁 Tandaradei ♫ Als ich das Waldhotel am Aschergraben irgendwann gegen 21:00 Uhr erreiche erfahre ich in dialektfreiem Sächsisch, dass ich für den Wellnessbereich nun wohl leider ein bisschen zu spät sei – aber der Koch mir noch ein feines Schnitzel zaubern könnte. DAS ist doch mal ein Angebot, wer braucht nach so einem Tag schon Wellness? Während ein halbes totes Schwein in der Küche in Panade gewälzt und zischend in Öl gebrutzelt wird gehe ich ins Obergeschoss, da habe ich einen Balken Empfang. Und sage meinem schon schlafenden kleinen Sandmädchen und seiner lieben Mutter am anderen Ende der Leitung… örks… also Sie verstehen schon was ich meine, ich sage denen gute Nacht. Was für ein Tag! Was für sagenhafte Autos, was für nette Menschen. Unten in der Gaststube genieße ich das Schnitzel mit Bratkartoffeln und einen einfachen roten Landwein und lasse meine Erlebnisse noch einmal Revue passieren. Heute Morgen kam ich ins Tal der Ahnungslosen, genervt von der langen Fahrt und den teuren Nahrungsmitteln – 14 Stunden später sitze ich im Tal der Schönheiten, zwar ohne Netz, aber voller automobiler Eindrücke. Wer braucht da noch Kino oder Fernsehen? Also ich – nicht.

Sandmann

HIER gibt’s alle meine Artikel auch auf Motorkultur 😎

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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37 Responses to Im Tal der Schönheiten

  1. Sammy sagt:

    du hast wirklich den schlimmsten Job der Welt 😉

    • Sandmann sagt:

      Guten Morgen Sammy,

      ja, schlimm, und ich bin nicht mal gewerkschaftlich organisiert 🙂
      Aber mal im Ernst, der Weg da hin (also nicht nach Dresden, sondern dahin dass das mein Job ist) war lang, und am Ende jeder Fototour ist ja noch nicht Feierabend und Rotwein….. Dann kommen Bildbearbeitung, Texte schreiben (nicht hier im Blog, das mache ich ja privat und kann ganz anders „reden“), Recherche der technischen Daten, Chef überzeugen dass die Autos alle druckwürdig sind und und und… Äh, also, auch DAS macht alles Spaß, ich möchte nicht tauschen, aber es ist auch ein Riesenhaufen Arbeit……..

      Rocken wir den Freitag!
      Sandmann

  2. bronx sagt:

    . . . . ein Sächsisch-Deutsch Wörterbuch 🙄

    Nun stelle er sich mal nicht so an! So schlimm ist es doch gar nicht 😉

    Und die „wenigen“ Verkehrsschilder da unten sagen mir, genau wie das lückenhafte Netz, das es noch Gegenden gibt in denen man ohne diese Dinge zu überleben scheint. Sachsen ist entspannend auf ganz eigene Art, Dresden finde ich immer wieder unfassbar schön. Es gibt da dieses Kaffee an den brühlschen Terrassen, einmalig!

    Die Autos machen Lust auf mehr. Besonders der Terraplane, hatte dem nicht jemand einen Song gewidmet?

    Und – Haubensitzen hatten wir ja schon mal als no go! Aber Dachtreten? „ein bisschen die neue kleine Beule im Dach des Taxis bedauernd“ Das hat auch so eine Karre nicht verdient! Ich weiß, Dein Auto braucht keinen Anwalt, aber an sowas werde ich mich wohl nie gewöhnen 😉

    nagelnde Grüße aus dem Land der Maiskolben 😀
    Bronx

    • Sandmann sagt:

      Ay Bronx,

      ja nun, ich habe es ja versucht liebenswert-freundlich auszudrücken. Und es betrifft ja nicht alle, im V8 Werk begegnete man mir mit einem fast als „niedersächsisch“ definierbaren Hochdeutsch 😉
      Die Dame am Kassentresen der letzten Tankstelle, die war allerdings ein wenig heftiger. Aber nu gloar, jeder so wie er aufgewachsen ist.

      Für Kaffee in Dresden hatte ich leiderleider keine Zeit mehr, wie ja aus dem dämmernden Bericht hervorgeht. Ich kenne Dresden auch noch aus den alten DDR Zeiten, als Kind war ich manchmal mit meinen Eltern zu Besuch hier. Es gibt da so eine Geschichte mit unserem Audi 100 an der Deutsch/Deutschen Grenze….. 🙁

      Die Autos sind super, Suzie und Christoph Herbrig vom V8 Werk und der Thorsten Wappler auch. Ich hätte da gut und gern drei Tage bleiben können, und es wäre noch immer nicht langweilig geworden. Ich werde mich dementsprechend noch in den Artikeln austoben, an anderer Stelle, das hier ist ja „nur“ der Roadmovie 😀

      Und zu meinem Taxi – ich brauche Autos, die mir solche Beulen verzeihen. Ich kletter nun mal ab und an aufs Dach oder liege auf der Haube, die Welt sieht irgendwie anders von da aus. Der Benz ist da sehr tolerant… Er läuft und läuft und läuft….

      Maiskolben?

      Sandmann

      • bronx sagt:

        Ja Maiskolben!

        Jede Menge, kilometerweit Maiskolben. Ist so typisch hier.
        Deswegen wollten ja diese Gen-Buden hier ihren Mist in großem Stil abziehen. Dachten Sie aber nur! 🙄

        Erzähl mal nem brandenburger Landwirt was von Gen-Kulturen. Kein gutes Unterfangen. Was meinst Du, was hier los war!

        Die Audi-G’schicht musst Du uns mal erzählen. . .

        Und zum Dialekt, ich bin ja eher das geprägte Nordlicht, aber habe mal mit 5 Sachsen knapp 15 Monate rund um die Uhr zu tun! Danach gehts wie von selbst, die haben MICH sogar verstanden 😉

        Bronx

        • Sandmann sagt:

          Ay Bronx,

          also könnte man bei euch so einen mittelamerikanischen Flair produzieren, Maisfelder so weit das Auge reicht und dazwischen kilometerlange Highways randvoll mit Moskwitschs und Dacias? Cool… *grübel*

          Zur Grenzgeschichte… die ist schnell erzählt….
          Wir hatten damals einen recht kapitalistischen Audi 100 5E und fuhren ab und an rüber nach Strehla und Risa, meine Tanten besuchen (Tanten…? Ich glaube das waren die Schwestern meiner Oma, wenn ich recht erinnere). Und einmal an der Grenze in Richtung Osten wurden wir von einem Grenzer gefragt, ob wir irgendwas dabei hätten, was wir angeben müssten. Mein Vater war glaube ich ein ziemlicher Spaßvogel, und er hat darauf sowas gesagt wie „Nee, ich glaube nicht. Oder, was ist mit den Waffen im Kofferraum…?“
          Ich erinnere mich noch sehr gut an das daraufhin über mehrere Stunden komplett zerpflückte Auto und den Gesichtsausdruck meiner Mutter. Irgendwie hatte der Mann am Schlagbaum echt keinen Humor, eigentlich hätte das mein Vater wissen müssen 😉

          Nun ja. Das ist ja zum Glück vorbei…

          Sandmann

          • bronx sagt:

            Ay DeLorean, 🙂

            Du bist eindeutig zu selten im wilden Osten unterwegs. Die von Dir genannten Moskwitschs findest Du nicht mal mehr in Polen, höchstens östlich von Lemberg/UA. Dacias allerdings siehst Du hier mehr als in den unbesetzten Gebieten westlich der Elbe. Was sicher daran liegt, dass es von hier nach Romania nicht so weit ist, wie von Kiel. 😉
            Auch unsere östlichen Nachbarn gewöhnen sich zunehmend an einen westlich dekadenten Lebensstil und bevorzugen glubschäugige Neuwagen von Herstellern mit so merkwürdigen Namen wie Daewoo, Datsun, Renault (den Dacia gibt es dort nur als Renault, die sind da empfindlich, oder als Lada Largus, patriotisch sind die auch noch – eben undankbar 🙁 ). Am begehrtesten sind aber Propeller, Ring-Dinger und Sternendampfer. Da lernen die ganz schnell.

            Wenn Du mittelamerikanischen Flair suchst, sei Dir die Gegend um die Braunkohle Tagebaue in der Lausitz empfohlen. Da gibts Maisfelder (schon wieder, aber auch ohne Gen-„behandlung“) , so richtig schöne verschimmelte alte aufgegebene Bauernhäuser (und Plattenbauten, okay, die stören das Flair aber, gibt ja Photoshop!) und herrliche LUK-Oil Tanken (RUS). Da macht man dann am besten UNOCAL (die mit der „76“) draus und dann passt das auch. Coca-Cola Werbung steht ja auch überall dran.
            Du siehst, es findet zusammen, was zusammen gehört!
            Wenn Du dann so richtig Lust auf’n Snack mit den Einheimischen bekommst, holst Du im nächsten LIDL eine Palette Sternburg-Dosenbier und Du hast Freunde! Das die größtenteils blond sind und sehr kurze Haare haben, sollte Dich nicht irritieren. Die komischen Sprüche Fremden gegenüber, ach, die meinen das nicht so. Wenn Du das dann überstanden hast, biste tauglich für weitere Unternehmungen im Wunderland 😉

            Zur Grenzgeschichte, ich musste grinsen, humorlos waren die natürlich. Stand bei denen in der Ausschreibung als Vorraussetzung! Waren die aber auch zu den eigenen Leuten! Ich reiste anno 88 mit meiner Ex aus der (damaligen) Tschechoslovakei über Schmilka in die Deutsche Demolierte Republik ein. Es wurde ja per se kontrolliert (Kristall-Waren standen auf dem Index, waren aber beliebtes Mitbringsel) und so kam die obligatorische Frage: „hammse was einzuförn“? Meine Damalige öffnete das Handschuhfach unseres (dekadenten) FIAT 125 und zerrte ihre Tampons heraus. „Ausser denen nichts“.
            Das Ergebnis glich in etwa Deinem Erlebnis.

            Nicht ganz so ernstgemeine Grüße,

            Bronx, der Reiseführer 😉

            • Sandmann sagt:

              Weltbester Reiseführer 😀

              wenn ich nicht gerade die erste Hälfte des Vietnam-Epos „Apokalypse Now“ gesehen hätte würde ich noch ein bisschen mehr ob deiner Zeilen geschmunzelt haben. Okay, ich fasse zusammen: Autos inzwischen drüben nicht anders als hüben. Aber deine Landschaftsbeschreibung, die weckt mein Interesse. Klingt nach einem guten Roadmovie. Das Bier für die Jungs mit den kurzen Haaren lasse ich aber weg, und kennen lernen muss ich die auch nicht unbedingt 😉 . Ich bin zwar altersmilde geworden, aber auch das hat seine Grenzen……

              Ich könnte schon wieder in den Keller tauchen und gucken, ob es noch Bilder von den Reisen gibt. Gibt es bestimmt…. Na wir werden sehen. Bis dahin denke ich über die Maisfelder und Plattenbauten nach und sehe viele coole Fotomotive….

              Sandmann

      • haubensitzen MUSS ein fahrzeug abkönnen.

        bei meinem fiat übertreibe ich und mache auch golfabschläge vom dach aus, aber dafür isser ja auch da – und zur alltagsratte gebastelt worden. ein auto das funktioniert, etwas über mich aussagt (was auch immer das sein mag) und bei dem es scheiß egal ist, was man damit anstellt. ein fahrzeug bei dem jede neue beule und jede neue narbe mit stolz ins konzept eingefügt wird.

        bei meinem opel würde ich mich allerdings nicht aufs dach stellen. haubensitzen muss der aber auch abkönnen. auch wenn er mein schätzchen ist. sonst hätte er kein auto werden sollen.

        zu ostdeutschland: ich war dieses jahr auch „drüben“ und war froh, dass ich nen übersetzer hatte. teilweise kann man nur raten was das gegenüber meint. am schlimmsten sind spiesepläne in landessprache. da kauft man die katze im sack wenn man keinen hat der einem hilft.

        und das meine ich nicht böse. es war einfach so. ^^

        • Sandmann sagt:

          Ay Schmoddershagen,

          nun bist du aber auch Fusselblogger und hast eine klare Einstellung zum Blech 🙂 Ich bin da ganz bei dir, auch auf meinem seligen Granada Coupé, das auf mich in seiner Scheune noch lange warten wird haben wir damals auf der Motorhaube gefrühstückt. Das sieht man noch immer, und das ist auch gut so. Golfabschläge vom Fiat finde ich ziemlich charmant….. gibt es ein Bild? 😀
          Ich habe Autos, da tun die Beulen weder mir noch dem Auto weh, nur einigen der Leser… Es gibt ja auch andere Autos, das muss man ja nicht mit jedem machen. Ich werde mir auch noch braune Graffittispraydosen kaufen und aus dem Creme-Taxi einen „Haufen Sch****“ machen 😉 Dunkelbraun finde ich vom reinen Farbton her super.

          Mit den Dialekten bin ich einigermaßen zurecht gekommen, so insgesamt. Ich finde nur immer, dass ein tiefes Sächseln ein bisschen lustig klingt, und dann komme ich mir immer so schlecht vor 😉 Andererseits – im tiefen München mit einem Ur-Bayern sprechen ist auch nicht von viel Erfolg gekrönt. Und erst die Schwaben…….

          Als eingeborenen Lebensmittelberater hätte ich ja nächstes mal den Bronx. Vielleicht auch den Marc. Das wär ja mal was, ne kulinarische Tour in den Osten 😀

          Sandmann

    • marc_connor sagt:

      Hey Bronx,

      Du weißt doch, das „die da Drüben“, von Geburt an, zu leichter Übertreibung neigen! *grins*
      Dafür können sie aber nix! Das liegt einzig und allein an den Zusätzen, die Monsanto, Nestle und Co. ins Futter schütten! Seit wir 1990 auf „behandeltes“ Futter umgestellt wurden, gehts doch hier in den besetzten Gebieten auch abwärts. 😉

      Die Story gefällt mir aber trotzdem sehr gut! Erinnert mich an jugendliche Tagestrips (mit 50 kubik unterm Hintern) in die CSSR.
      Es war und ist halt eine Gegend, in der man schnell mal verloren geht. Aber irgendwie taucht man doch immer wieder auf. 🙂

      Uuuuund … jetzt ein großes Geheimnis
      Der Sandmann steht nicht wirklich ständig auf Autodächern herum!
      Das ist alles per Photoshop gemacht!!
      Wir wissen doch alle, das er Höhenangst hat *hihihi hihi*

      Grüße aus dem Land der Frühaufsteher *gähhhn*

      • bronx sagt:

        marc:

        Monsanto war doch diese Gen-Bude, die unseren Mais versauen wollte 🙄
        Aber nicht mit uns hier 😉

        😀

        Gruß nach WSF

        • Sandmann sagt:

          Moment mal, Moment mal 🙂

          Hier wird keine versammelte Ost-Tangente aufgemacht, da muss ich mich mal entschieden Verargumentieren 😉
          ERSTENS habe ich die Straßen, auf denen ich durch die „besetzten Gebiete“ gefahren bin gefühlt fast komplett allein durch meine Steuern bezahlt.
          ZWEITENS kommt mir kein Gen-Krams auf den West-Tisch, im Ge(n)genteil, ich verköstige des Öfteren mal ne Spreewaldgurke.
          DRITTENS hat man als Kieler keine Höhenangst 🙂 Habt ihr ne Ahnung was wir hier an der Förde für sagenhafte Höhenunterschiede verbuchen. Und mit Photoshop kann ich nicht so gut um, nur ein bisschen, also muss ich mich immer analog selbst ins echte Bild werfen.

          Und viertens freut’s mich, dass du schöne Erinnerungen an deine Touren hast, Marc. Es ist aber auch echt schön da unten, und dass man immer wieder irgendwo auftaucht glaube ich gern. Ich hab’s ja auch geschafft, und so wie ich das sehe muss ich da auch noch ein zweites mal hin. Der Menschen und der Autos wegen.

          Und jetzt ist FREIIIIITAAAAAG!!!!!! 😎

          Sandmann

  3. SteffenG sagt:

    Osttangente? Bin dabei! Muss ja hier im Westen meist allein die Ossifahne hochhalten!

    Marc – Land der Frühaufsteher? Kommt meine Frau auch her.

    Muss mir auch mal wieder mehr Zeit nehmen hier zu posten.

    Steffen

    • bronx sagt:

      Steffen, mach mal! 😉

      Bronx

      • Sandmann sagt:

        Mit Steffen hätten wir (also – ICH) auch einen prima Weinlieferanten an Bord, der dafür Sorge trüge, dass ich das alles auch visuell ertrage.

        Ich sehe es schon ganz romantisch vor mir, der G. und ich in einem Zelt auf dem Dach des Daimlers inmitten eines Maisfeldes, am Horizont stehen verfallene Plattenbauten. Ich singe „Mother“ vom Album The wall und Steffen versucht, den ersten PrivatCuvee des Abends zu entkorken.

        Könnte lustig werden 🙂

        Sandmann

        • bronx sagt:

          Gefällt!

          Ihr macht „in Wein“ und marc und ich nehmen Einheimisches zu uns. Müssen ja vielleicht die blonden Jungs von Eurem Daimler fernhalten. Oder andere Herrschaften, bei denen selbst ein abgehalftertes Taxi noch Begehrlichkeiten weckt.
          Ist nur zu Eurem besten, Männer!

          Bronx

          • SteffenG sagt:

            Klingt interessant… Da wir uns einiger privater Baustellen entledigt haben, kann man die Zeitgeschichte sogar managen.

            Uuuuuuuuund…. seit heute preiswert gasend unterwegs!

            Also auf nach 2014!!!

            Sandmann – brauchst Du ne Kiste? 😉

            Steffen.

  4. Sandmann sagt:

    Mich wundert, dass bisher niemandem aufgefallen ist, dass der rechte Fernscheinwerfer des sagenumwobenen Daimlers defekt ist. Sonst seid ihr doch immer so pedantisch? 😉

    Inzwischen hab ich den Stecker wieder raufgesteckt, weiß der Geier warum der ab war. Nun fahre ich wieder unter dem Vier Augen Prinzip. Bis die nächste teure H7 Birne platzt…

    Sandmann

  5. noch ne frage zum DMC: du hast doch sicherlich eine probefahrt gemacht. wird es 2014 nun fliegende autos und hoverboards geben? man soll ja nicht spoilern, aber ein hinweis wäre schon toll. 😉

    • Sandmann sagt:

      Bester Schmoddershagen,

      die Umgebung ließ es nicht zu, mit einer Geschwindigkeit ÜBER 88 Meilen / Stunde zu fahren. Und ein Gewitter gab es auch nicht.

      Trotzdem kann ich eines, nein zwei mit Sicherheit behaupten: Fliegende Autos und Hoverboards wird es auch 2014 nicht geben. Das ist aber auch gar nicht so schlimm, wir haben ja bis zum 21. Oktober 2015 Zeit 😉

      Grüße ais de 70ern
      Sandmann

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