Am Ende des Weges

Unwirkliche Schönheit

Unwirkliche Schönheit

Prince und Bowie klampfen gemeinsam mit Cohen, und sie sind in illustrer Gesellschaft. Dieses Jahr war kein gutes Jahr für die Lebenden. Irgendwo drängeln sich inzwischen eine Menge prominenter Gesichter, wo auch immer, Wolke 7 wird es nicht sein. Noch ein „oh nein, der jetzt auch noch!“ brandet durch die sozialen Netze, und noch eins, und dann noch eins. Anders als bei Musikern, Politikern oder sonstwelchen Celebrities bekommt die breite Masse es nicht mit, wenn sich ganz normale Menschen verabschieden. Wenn sie gehen. Und wenn sie dann einfach nicht mehr da sind. Für diejenigen, die ihnen nahe standen, bricht eine kleine Welt zusammen. Manchmal ist es dann gut, nicht ganz allein zu sein. Jemanden da zu haben, der vielleicht nicht immer da war, aber schon lange. Ich tanke meine Karre voll und fahre in einen Wald bei Uelzen.

Absurd gutes Wetter.

Gute Laune sieht anders aus.

Gute Laune sieht anders aus.

Ich habe mir den Tag frei genommen. Laptop liegt zu Hause auf dem Sofa, Handy ist ausgeschaltet. Es kann nichts kommen, was so wichtig ist, dass es nicht ein paar Stunden Zeit hätte. Heute nicht. Wie gerne hätte ich meine dunklen Gedanken in schwarzen Klamotten ertränkt, aber nein. Wir sollen uns was Buntes anziehen, fröhlich sein, nach vorn schauen. Bunt anziehen und nach vorn schauen bekomme ich allein schon wegen der Straßenführung hin, das mit der Fröhlichkeit ist ein bisschen schwieriger. Aus den Lautsprechern des alten Franzosen triefen die leidvoll abgeranzten Gesänge der amerikanischen Band My Jerusalem. Das passt gut in mein Stimmungsbild, man möchte glauben dass Sänger Jeff Klein schon mehrfach in den Schlund des Wahnsinns geblickt hat und während der Aufnahmen nicht eine Minute nüchtern war. Super Soundtrack für das hier. Kennt ihr das, wenn bestimmte Lieder sich untrennbar an ein Ereignis gekoppelt in die Seele einbrennen? Das geht nicht nur beim ersten Kuss. Das geht auch auf dem Weg in die alte Heimat, um einem Stück Vergangenheit für immer lebewohl zu sagen.

wo man sonst nur spazieren geht

wo man sonst nur spazieren geht

Nach den riesengroßen Feldern mit Zuckerrüben (für die große, schmauchende Fabrik) kommen erst Kiefernwälder und Birken, dann der Fernsehturm und dann der Stadtwald. Früher sind wir hier oft spazierengegangen, am Fischerhof vorbei. Sonntags nach dem Mittagessen, bevor der Zeichentrickfilm im Fernsehen kam. Biene Maja, Heidi, Pinocchio, sowas. Heute fahre ich den Schotterweg weiter als man eigentlich darf, den anderen hinterher. Die Stille des Waldes wirkt regelrecht heilig, am liebsten würde ich meine Karre hier irgendwo in die Ecke kippen und zu Fuß weitergehen. Die Spätsommersonne scheint durch die grünen Bäume, als wolle sie den Wunsch nach bunten Klamotten dreimal unterstreichen. Als wir da sind sehe ich bekannte Menschen. Einige lassen nur sehr entfernte Glocken klingeln, andere erinnere ich von Geburtstagen, Taufen oder Einschulungen. Einen kenne ich schon fast mein ganzes Leben lang. Und ich nehme Markus sehr, sehr fest und lange in den Arm.

Ein Waldschrat aus Paris

Ein Waldschrat aus Paris

Der Preis für Farbenfreude geht nicht an mich, Jo hat mein fliederfarbenes Hemd mit einem grünen T-Shirt eindeutig übertroffen. Dafür ist mein Auto in dem ganzen Einheitsbrei silbergrauer Neuwagen eindeutig das schwärzeste und sakralste. Nicht, dass es hier darauf ankäme, aber irgendwie bin ich da konservativ. Jemand drückt mir ein Ahornblatt in die Hand. Ich halte es ganz fest und schlucke erste Tränen runter, weil ich weiß, wofür das gedacht ist. Wir laufen über schweren, duftenden Boden um einen kleinen See mitten im Wald herum. Die Vögel singen und rascheln in den Bäumen, Eichhörnchen flitzen die Stämme rauf und runter und die letzten Bienen des Sommers summen zwischen den schweigenden, bunten Menschen durch. Dann sehe ich die selbstbemalte Urne, und mich überkommt eine erdrückende Traurigkeit. Sie steht im krassen Gegensatz zur Umgebung – das ist hier einer der schönsten Plätze, die ich je gesehen habe.

Asche zu Asche

Asche zu Asche

Jemand spricht von genügend Zeit, um Abschied zu nehmen. Hat man die? Jemals? Und er spricht von Vergebung und von Liebe. Obwohl ich so ziemlich der einzige hier bin, der nicht zur Familie gehört, gehe ich an diesem kleinen Loch in der Erde auf die Knie und stelle mir vor, wie mein Ahornblatt bald von frischem Waldboden bedeckt sein wird. Lebewohl. Nein, das kann man ja so irgendwie nicht sagen. Mach’s gut. Auch nicht. Also sage ich leise „danke“ und schlurfe hinter den anderen her, mit dem dicksten Kloß dieses Sommers im Hals. An den Bäumen sind kleine Plaketten aus Metall. Auch hier ist man nicht ganz allein, das ist wie bei Prince, Bowie und Cohen und auch das hier ist nicht Wolke 7. Nur der Stadtwald. Der leicht malzige Geruch der Zuckerfabrik weht warm durch die Blätter. Es riecht nach Kindheit, nach einer Zeit ohne Verpflichtungen und ohne Verantwortung. Wundervoll gegensätzlich zum Hier und Jetzt.

Zurück in die Zukunft

Zurück in die Zukunft

Und damit wundervoll konsequent die Szene untermalend. Ich habe bei der Fahrt in die andere Richtung nicht das Gefühl, die Stätte einer letzten Ruhe zu verlassen. Sondern den Stadtwald. Gut so. Als die Buchen in ihrem saftigen, sonnendurchfluteten Grün sich wieder öffnen und erst Birken und Kiefern und später wieder endlose niedersächsische Rübenfelder freigeben bin ich nicht mehr so traurig. Nur noch ein bisschen. Vielleicht liegt das auch an den Zwiebelmettbrötchen, die noch gereicht wurden. My Jerusalem leidet sich erneut von Lied zu Lied, und meine Heimatstadt mit allen ihren großen und kleinen Geschichten wird im Rückspiegel immer kleiner.
Ja, ich weiß, wenn die Bäume grün sind kann es kaum Dezember sein. War es auch nicht. Ich habe diese kleine Sammlung von Gedanken im September geschrieben und sie noch ein bisschen reifen lassen. Ich bin langsam in einem Alter, wo die Einschläge näher kommen. Heute hat der Vater meiner beiden kleinen Nichten sehr unerwartet seine Gitarre genommen und macht jetzt mit den anderen Jungs da oben irgendwo Musik. Nicht auf Wolke 7. Aber auch dort, wo es nach Zuckerfabrik riecht. Deshalb habe ich den Text jetzt fertig geschrieben.
Krebs ist so ein unfassbares Arschloch.

Sandmann

 


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About Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.
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17 Responses to Am Ende des Weges

  1. MainzMichel says:

    Mein Beileid, wenn es auch „nur“ die nicht direkte Verwandtschaft ist. Sich einen solch schönen Platz als letzte Ruhe aussuchen zu können und es letztendlich auch zu tun, ist absolut wundervoll.
    Der Tod ist das einzig Sichere im Leben, dahin gehen wir alle, früher oder später. Aber er gehört nun einmal dazu.
    Mein Vater ist aktuell 77, meine Mutter 75 Jahre alt. Noch relativ fit, doch ich bin mir im Klaren, daß sie die nächsten sein werden…ich will gar nicht daran denken.
    „Krebs ist so ein unfassbares Arschloch.“ Das ist ja so wahr. Mein Schwiegervater starb 2008 und ein knappes Jahr später meine Schwiegermutter, beide an Krebs. Das waren so feine Leute und es war viel, viel zu früh.
    Aber man sagt, für jeden Mensch, der geht, kommt ein neuer. 2008 wurde mein Sohn geboren, 2009 der Großneffe. Scheint was dran zu sein…
    Leider (oder besser so?) können wir das alles nicht ändern. Menschen sind klein. Ganz klein.

    Adios
    Michael

    • Snoopy says:

      Ganz klein. Ja das stimmt. Unfälle, Herzinfarkte, Krebs… über 50 wird es deutlicher. Etliche Begleiter und Mitschüler sind schon weg. Friedwald gefällt mir. Leider gibts bei uns in der Nähe keinen.
      Meiner Vater ist schon lange an Krebs gestorben und meine Mutter ist im Pflegeheim. Letzte Station… unwiderruflich.
      Um So mehr sollen wir unsere Zeit nutzen und uns dran erfreuen das es uns gut geht. Ja das mit den Kindern stimmt… mein Vater hat sich gewünscht das er erlebt das seine Enkel in die Schule kommen. Bei fast allen hat er das noch geschafft.

    • Sandmann says:

      Ay Jungs,

      das Thema Papa oder Mama nicht mehr da lasse ich gar nicht an mich ran. Die sterben nicht. Genau wie ich selbst, ich sterbe auch nicht. Niemals. Ist doch klar 🙁

      Ja, es gehört dazu. Anscheinend gehört es auch dazu, dass Kinder sterben, durch Unfälle, Krankheiten oder Krieg. Sowas zerreißt mich regelrecht. Aber es gehört dazu. Einer der Gründe, warum ich niemals auf einem Rettungswagen mitfahren könnte.

      Und ja, auch mir gibt es Kraft, zu sehen, wie meine Töchter aufwachsen. Wie sie mit offenen Augen in Fehler reinrennen und wie sie in der Lage sind, kleine einfache Momente zu genießen. Ich versuche jeden Tag, meine kleine Welt in Ordnung zu halten. Global verschließe ich immer mehr die Augen, ändern kann ich da fast nichts, aber sehen will ich ein paar Sachen auch nicht mehr. Nicht täglich, ständig, wiederkehrend.

      Irgendwie wird schon alles gehen. Immer weiter.

      Sandmann

      • Snoopy says:

        Auseinandersetzen mit dem Tod. In meiner Zivildienstzeit und danach bin ich nach einem Praktikum in Krankenhaus und einer Ausbildung im Rettungswagen gefahren. Da erlebt man viel… Das hat mich aus der bisherigen Welt gehoben. Was da passiert… unter welchen Umständen manche Leute tatsächlich leben… Kranke bis zum Ende begleiten… erleben was Kranke und Alte empfinden… es gab es auch ein ganz junges Opfer das einen unverschuldeten Unfalltod gestorben ist 🙁 und nach dem Einsatz kamen mir vor dem Krankenhaus die Eltern entgegen… das hat mir viele schlaflose Nächte bereitet… Krisenintervention gab es damals nicht… auch einen kranken Nachbarn bei einer Krebserkrankung in den Tod begleitet. Ich saß zufällig bei ihm und musste ihm versprechen keinen Arzt mehr zu rufen sondern in einschlafen zu lassen. Seitdem bewundere ich Hospizdienste… welch eine Aufgabe. Um so wichtiger das heute und jetzt zu genießen und nutzen, auch wenn es manchmal nicht so einfach ist. Aber du machst das schon richtig mit deinen Töchtern und Autos… naja bis auf den Rostschutz 😉

        • Sandmann says:

          Ay Snoopy,

          du beschreibst exakt die Situationen, vor denen es mir graut. Eltern die erfahren, dass ihr Kind tot ist. Das würde mich komplett zerlegen. Ich bin so froh, dass es viele kompetente Menschen gibt, die diese Jobs machen. Die Menschen helfen, die Menschen begleiten. Die auch kranke Menschen wieder gesund machen, oder eben nicht, aber das ist dann ja nicht ihre Schuld. Aber für mich selbst schiebe ich das weit, weit weg. Ich kann sowas nicht.
          Ich weiß nicht, was wird, wenn ich selbst einmal in irgend so eine Situation komme. Ich glaube, der Mensch ist wahnsinnig belastbar. Ich hoffe und bete, dass mir ein derartiges Leid erspart bleibt.

          Und beim Rostschutz werde ich besser. Für den Taunus werden die Lokaris am Wochenende geliefert. Winterreifen kommen Freitag drauf. Und dann wird der Unterboden gewachst! Ja ja!

          Sandmann

  2. Uwe says:

    Ey Sandmann, der Krebs ist ein Arschloch, jede andere Krankheit die uns die Lieben nimmt auch. Früher gingen die Menschen aus unterschiedlichsten Gründen in jedwedem Alter von uns und wir wussten nicht warum. Heute hinterlässt der Tod einen Grund, einen Namen. Krebs, Lungenentzündung, HIV und was sonst es noch für Gründe gibt zu gehen, gehen zu müssen. Vor noch nicht mal 10 Wochen lag ich an einem Dienstag in meinem Wohnzimmer auf dem Boden und hatte gerade noch 35% Sauerstoff in meinem Blut. Ohnmächtig für eine unbestimmte Zeit und gottseidank noch die Kraft, meine Lieben zu holen um mich ins Krankenhaus bringen zu lassen. Heute sage ich, ich hab ihn gesehen. Ich habe es vielleicht gesehen, das Licht am Ende des Tunnels. Viel hat nicht gefehlt. Eines ist geblieben. Die Dankbarkeit, jeden Tag aufstehen zu dürfen um zu leben, jeden Tag danke zu sagen für die Zeit die einem bleibt. Die Zeit, die meiner Meinung nach, stärker denn je, auf jeder Uhr, die persönlich für uns tickt, noch bleibt, bevor diese, vorbestimmt, abgelaufen ist. Und sie läuft, nicht unaufhaltsam, nicht unendlich. Das einzige was bleibt, ist die Erinnerung an die schöne Zeit, die man hatte und noch haben wird. Fühl dich gedrückt….

    • Sandmann says:

      Ay Uwe,

      danke für deine Worte und den Drücker. Mir persönlich geht es ja gut. Ich war ja nur „dabei“.
      Dankbarkeit hat viele Gesichter, wohl denen, die nicht erst einen derben Tiefschlag erleben müssen, um das zu verstehen. Ich bin schon seit ein paar Jahren dabei, den Moment immer mehr zu genießen. Vielleicht kam das ja schon in ein paar Geschichten rüber. Ich freue mich über einfache Sachen, gehe mit offenen Augen spazieren und fahre weite Strecken im Auto einfach nur Auto. Ohne Telefon oder andere effiziente Zeitfüller. Ich sitze so manchen Abend in meinen Sessel und mache Musik, oder ich schaue einfach mal raus in den Garten. Ohne Sinn. Einfach, weil es schön ist.
      Dabei habe ich keine mir bekannte Krankheit. Nix. Nicht mal ne Allergie. Ich bin jetzt 45 und fühle mich wie ein 20jähriger im Körper eines 25jährigen. Das ist schon schräg, hättest du mir damals als Teenager gesagt wie jung und gut man sich in diesem Alter fühlen kann hätte ich dich ausgelacht. Umso krasser, was du schreibst. Was war das denn nun genau??
      Ich habe vor einem Jahr mal ein etwas überlagertes Mettbrötchen gegessen und fand mich am Abend verkrümmt auf dem Boden wieder. Totaler Kontrollverlust, ich hab gezittert und gezuckt ohne Schmerzen zu haben. Statt den Notarzt zu rufen habe ich mich in eine dicke Decke gekuschelt. Nächsten Morgen habe ich dann mit meinem Arzt telefoniert, und der hat die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Schwere Lebensmittelvergiftung, die sich auf das Nervensystem gelegt hat. Er sagte, normalerweise bleibt da das Herz stehen, ist ja auch ein Muskel…….

      Ich denke oft an schöne Zeiten, die mal waren und lebe sie vielleicht ein bisschen zu sehr nach. Aber ich schaue auch nach vorn und freue mich auf die vielen schönen Jahre, die hoffentlich noch kommen werden. Hoffentlich gesund, liebevoll und mit genug Zeit, sie bewusst zu erleben.

      Schöne, besinnliche Vorweihnachtszeit
      Sandmann

  3. Gert Lovisa says:

    Hallo Jens,

    da kommt man schon ins Grübeln, wenn sich so langsam geliebte Menschen für vorerst immer verabschieden. Grad am letzten Wochenende habe ich meinen lieben Onkel Jörg die letzte Ehre erwiesen. Schön, dass die noch immer große Familie dafür zusammenkam, die sich zum Glück nicht nur aus solchen Gründen trifft. Diesmal war es für mich schwer, denn der Onkel war die letzte lebende Verbindung zum schönsten Ort meiner Kindheit, dem Haus meiner Großeltern in Hohenhorn, 5 km nördlich von Geesthacht. Meine ganze Kindheit und Jugend über war ich sehr oft dort, Jörg wohnte als jüngster Onkel mit Down Syndrom auch bis zum Tod der Großeltern immer da und wir haben tolle Zeiten miteinander erlebt. Die Beerdigung war zwiespältig für mich, denn das da in der Urne ist er nicht, ein symbolischer Akt, mehr nicht. Abschied geht anders. Zum Glück habe ich ihn vorher noch mal besucht, das war viel wichtiger.

    Aus der Kindheit kommt meine Affinität zur B 404, Dir geht es ja genau so. Das war und ist die Straße für mich, von Kiel bis Grande, dann ab durch den Sachsenwald. Landmarken verschwinden, ein paar gibt es noch, vielleicht dieselben, die Du auch gespeichert hast, können wir ja mal drüber sinnieren an anderer Stelle.

    Ganz liebe Grüße Gert

    • Sandmann says:

      Ach Gert,

      wir scheinen wohl ziemlich ähnlich zu ticken. Nimm es nicht persönlich, dass ich nicht schon lange ein Treffen angeschubbst habe, das ist meine Achillesverse. Ich hab so viel um die Ohren, dass ich die wenigen Abende in Kiel auch gern mal ganz alleine bin 🙂
      Selbst meine besten und ältesten Freunde können da ein Lied von singen.

      Es ist sehr schlimm, wenn so ein Platz wie das Haus der Kindheit nicht mehr zugänglich ist. Das habe ich in Uelzen. Das Haus, in dem ich aufgewachsen bin und in dem später noch meine Großeltern bis zum Tod meines Opas gelebt haben ist schon lange verkauft und von den neuen Besitzern umgebaut worden. Ich habe mir immer gewünscht, es von meiner ersten Million zurück zu kaufen und genau so wieder einzurichten, wie es damals war. Als Zeitmaschine, als kleine Auszeit, als Fluchtpunkt vor der sich schneller drehenden Welt. Es scheiterte leider an der fehlenden Million.

      Was ich von Urnen halten soll weiß ich selbst noch nicht. Hab ich mir für mich noch keine Gedanken drüber gemacht. Ich finde die Vorstellung, am Grab meiner Großeltern die beiden tatsächlich, wenn auch inzwischen ein bisschen … anders…. unter dem Stein zu wissen, irgendwie tröstend. Hm. Das muss ich mal durchholen, glaube ich.

      Und die B404…. Tja. Die ist echt bald ganz weg. Wenn ich bedenke, dass ich die mal mit dem Fahrrad bis Uelzen gefahren bin…

      Ganz liebe Grüße zurück
      Sandmann

  4. Gert Lovisa says:

    Lieber Jens,

    wie könnte ich Dir böse sein, verstehe ich doch Deine Situation sehr gut, war bei mir vor gar nicht langer Zeit ähnlich. Kommen auch wieder ruhigere Zeiten und wir verlieren uns ja nicht aus den Augen, wie man sieht. Umso mehr freue ich mich auf ein Treffen in der Offline Welt.
    Tja, 1990 hätte ich das Haus in Hohenhorn auch gerne als Zeitkapsel erhalten, wäre gar nicht mal teuer gewesen, aber: was soll man als 25 Jähriger Student und Vaterschaftsanwärter in so einem abgelegenen 500 Seelen Dorf ohne Job und Auto, da hatte es nicht mal nen Bäcker. Die Onkels und Tanten wohnen alle ganz woanders und waren hausmäßig bestens versorgt. Also die bittere Pille schlucken und möglichst viele Andenken mitnehmen.
    Vor ein paar Jahren bin ich bei einer meiner regelmäßigen Überprüfungen, ob es noch steht, von der Tochter des Hauses zu einem Rundgang eingeladen worden, nachdem ich mein Herumschleichen glaubhaft aufklären konnte. Und das Haus wurde liebevoll weiterbewohnt und gar nicht groß verändert. Sogar ein Dackel aus Pfeifenreinigern und Korken, den wir damals vergessen hatten mitzunehmen, stand noch auf dem Fensterbrett. Nun wissen die jetzigen Bewohner auch, dass ich den für Opa gebastelt hatte. Hab ihn dagelassen, er gehört zum Haus. Wie schön. Ich kauf es trotzdem irgendwann zurück!

    By the (404 High)way: Sagt Dir

    T
    FREIE
    WANKENDORF
    2 KM DIESEL

    irgendwas ;o) ?

    Liebe Grüße

    Gert

    • Sandmann says:

      Bester Gert,

      das ist mal eine schöne Geschichte. Ich glaube, ich klingel auch mal wieder freundlich beim Haus meiner Kindheit. Ich war da vor vielen vielen Jahren auch mal wieder drin. Heute würde das mit noch ganz anderen Augen geschehen…. Es ist ein sagenhaftes Gefühl, oder? Ich war damals so übermannt, dass ich gar nicht dazu gekommen bin, Fotos zu machen. Puh.

      Freie T Wankendorf? B404? Hast du etwa ein Schild geklaut?? 😀

      Sandmann

      • Gert Lovisa says:

        Lieber Jens,

        ich bin Dir ja noch eine Antwort schuldig. Wer hat eigentlich die steile These aufgestellt, Weihnachtszeit wäre besinnlich? Das gilt wohl nur, wenn man unter 10 Jahre alt ist… Hetz Hechel Wahnsinn.

        Ja, ich hatte auch leider vergessen, zumindest ein Foto von dem Korkenhund zu machen, wenn ich schon nicht in fremden Häusern herumfotografieren wollte.

        Und nein, ich habe natürlich kein Schild geklaut. Erwähnter Schriftzug befand sich jahrzehntelang (immer weiter bis zur Unkenntlichkeit abblätternd) auf dem Giebel einer alten Scheune am schon immer dagewesenen Autobahnteilstück zwischen Wankendorf und Bornhöved, in Fahrtrichtung Süden rechts auf dem Acker. Ich habe vor zehn Jahren mal ein Foto davon gemacht (unter illegalsten Umständen – Standstreifen, Warnblinker, Aussteigen, Knips und weg).

        Also, dieser Schriftzug hat mich damals irritiert und fasziniert. Was das wohl bedeuten sollte T FREIE WANKENDORF 2KM DIESEL???
        Ist mir dann später mal klargeworden. Immer, wenn ich an der Scheune vorbeifuhr, hab ich hingeguckt. Bin wahrscheinlich er einzige Mensch, der diese Bretterbude je beachtet hat. Landmarken auf dem Weg zu glücklichen Tagen in Hohenhorn. Wieder ein paar Kilometer näher dran. Bis, ja bis zum 6.12.2016. Da habe ich die Scheune zum letzten Mal gesehen. Als ich eine Woche später die Strecke fuhr, war sie weg. Abgerissen. Einfach so. Weg. Für immer. Schnief.

        Aber ich hatte mich schon lange gefragt, wann das passieren würde, sie war schon seeehr baufällig.

        So ist das mit den Dingen der Kindheit. Sie verschwinden, das ist normal. Genießen wir also bewusst, was noch da ist. Und bauen an der Gegenwart und Zukunft, das können wir beeinflussen.

        In diesem Sinne schöne Weihnachten, mein Lieber!

        Beste Grüße Gert

        • Sandmann says:

          Bester Gert,

          ah, jetzt verstehe ich. Ich glaube, ich weiß sogar welche Scheune du meinst. Schick mir gern mal das Foto, dann bau ich das in deinen Kommentar ein. Ist kein Hexenwerk, muss aber ein kleiner Code gebastelt werden. Ich suche mir mal ein Plugin, mit dem ihr direkt Fotos einbinden könnt…..

          Solche Landmarken kenne ich aber auch. Wenn ich zu Seminaren nach Neumünster gefahren bin kam ich auf dem Heimweg, aus der Stadt in Richtung NMS-Nord, immer an einer solchen alten Scheune vorbei. Ich denke mal, die steht da immer noch neben dem Autobahnzubringer. Im Giebel ein kleines, rundes Fenster und an den Seiten Graffitis und Werbung. Die Scheune habe ich immer mit erhobener Hand „gegrüßt“, denn wenn ich sie sah, hatte ich einen langen Arbeitstag hinter mich gebracht 🙂

          Es gibt auch noch eine kurz vor Lübeck Stockelsdorf, aus Plön kommend. Da habe ich… also äh… jedenfalls fanden da noch GANZ andere zwischenmenschliche Dinge statt, da muss ich auch immer ein bisschen grinsen wenn ich da vorbeikomme ♫

          Dein letzter Satz spricht mir aus dem Herzen. Sich über die verbleibenden Dinge freuen, aber trotzdem nach vorn weitermachen. Und neues erschaffen.
          Dir auch ein schönes Weihnachtsfest! Und bis ganz bald hoffentlich mal in Kiel

          Sandmann

  5. Daemonarch says:

    Auha, harte Nummer!

    Dieses Jahr sind ja etliche Prominente und auch bekannte dahingeschieden…

    Was mich RICHTIG nachdenklich gemacht hat… Bruder meines besten Kumpels – lächerliche 52 Jahre alt, Familienvater – erst Speiseröhrenkrebs, multiple OP’s, dann versagte sein geschwächtes Herz.

    Der war nichtmal 10 Jahre älter als ich, das ist unglaublich.
    Ich hoffe ich habe noch ein paar Jährchen, aber die, bei denen der Körper am übelsten Amok läuft, werden ja oft am ältesten.

    Euch allen hier beste Gesundheit und ein extrem langes und glückliches Leben!

    • Sandmann says:

      Lieber Daemonarch,

      ja, das meinte ich mit den näher kommenden Einschlägen………
      Ich sehe am kommenden Wochenende mein oben genanntes Schwesterchen wieder. Und die üblichen guten Freunde zu Weihnachten in Uelzen, die klassische kleine Reise, diesmal mit dem Taunus Coupé…
      Irgendwann sind auch wir alt und werden dezimiert. Aber das hat noch Zeit.

      Ich kann mich deinen Wünschen anschließen und sende euch allen gutes Karma und einen klaren Kopf für 2017. Wir rocken das schon…

      Sandmann

  6. LarsDithmarschen says:

    Ja, Sandmann. 2016 ist ein echt ein doofes Jahr. Ich kann es wirklich nachvollziehen. Menschen verlieren ist echt doof.

    Das Gute ist aber – das nächste Jahr kann nur besser werden ;-).

    • Sandmann says:

      Ay Lars,

      sag NIEMALS dass es nur noch besser kommen kann. Dann kommt es meist noch schlimmer 😉

      Mein persönliches 2016 war ganz okay. Die ganzen Promis kannte ich ja nicht persönlich, und mir und meiner Familie geht es gut. Was will ich mehr? Gleich ist erstmal Weihnachtskonzert im Michel. Und dann ist alles gut…..

      Sandmann

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