Whataboutism

Auf dieser Haube fing alles an

Fotos. Autos, Menschen, Landschaft.
In den sozialen Netzwerken sind sie Unterhaltung, Selbstdarstellung und Visitenkarte. Die meisten tun niemandem weh, wer nicht persönlich durch diese Fotos angegriffen oder in seiner Lebensweise eingeschränkt wird kann ein anderes Programm einschalten. Die grundsätzliche Oberflächlichkeit des Geschichtenerzählens über sich selbst und alte Autos hat gegenüber dem investigativen Politjournalismus ganz klare Vorteile 🙂 Aber immer öfter hängen sich in Facebookgruppen oder anderen Schmelztigeln der freien Meinungsäußerung die coronagebeutelten Moral-Sherlocks an Kleinigkeiten auf, die gar nichts mit der gedachten Kernaussage des Bildes zu tun haben. Das nennt man Whataboutism. Ich habe euch ein paar eigene Beispiele zusammengestellt und weiß noch gar nicht, wie ich damit umgehen soll…

Todsünde Motorhaube

An der Motorhaube zerbrechen langjährige Freundschaften.

Noch mehr Motorhaube

Also – nicht auf der Motorhaube. Da werden sie gepflegt. So wie die von Svennie und mir, ich kenne den Mann seit 1991 und wir sehen uns immer noch ab und an. Das Festmahl auf dem Kraftwerksdeckel meines Granada war ein authentisches Frühstück auf einer unserer legendären Norddeutschlandtouren. Man kann auf so einem flächigen Metallspielplatz toll frühstücken, von unten ist es bei jeder Witterung angenehm warm. Wir haben das 20 Jahre später auf dem „Dottore“ Audi 100 bei einem Dreh für den NDR nachgestellt, ich hab dann das Auto und uns norddeutschen Jungs grob mit Photoshop ausgeschnitten und auf das alte Bild „geklebt“, um diesen lustigen Vergleich vor demselben Hintergrund zu haben.

  • Ich: Cool oder? Das ist Freundschaft. Bei alten Autos kann man noch auf der Haube sitzen. Damals gab’s noch Telefonzellen 🙂
  • Einige: Ihr seid dicker geworden. Was wurde nach 2014 aus dem Audi? Auf welchem Rastplatz ist das? Guck mal die vielen Ölflecken, krass, die 90er. Warum hat der Granada einen Consul Grill? Hoffentlich habt ihr 2014 ne frische Milch gekauft? Cooles Nummernschild. Mein Vater hatte auch so einen Passat!
  • Viele: Seid ihr nicht ganz dicht, runter von der Haube! Wenn das einer bei meinem macht, dem würde ich sowas von die Fresse polieren. Ihr müsst eure Autos echt hassen! Ihr zerstört mutwillig Kulturgut! Das Bild ist nicht echt, ist der gleiche Hintergrund, kann man doch genau sehen! Ihr Neureichen könnt spät frühstücken mitten in der Woche und ich krieg nur ne Rente von 400 Euro, die Merkel muss weg! Du Photoshop Stümper! Ja genau, und links am Rand das gleiche Auto wie 1994, willst du uns verarschen? Das wird man ja noch mal sagen dürfen!

Todsünde Winter

Ein altes Auto auch bei Schnee und Eis zu bewegen macht mir Spaß und ist irgendwie etwas besonderes. Ich bin nicht so der Saison-Wegsteller. Viele fahren nur bei Sonnenschein zwischen Juni und August, weil die aktive und passive Sicherheit der Autos von damals noch nicht so ausgereift war und das Risiko eines schlimmen Unfalls bei Glätte größer ist. Andere schützen ihren geliebten Oldtimer vor Wasser und vor allem vor Salz. Ein paar Jahre in Folge hat es im hier oben Dezember immer geschneit, genau dann wenn ich mit meiner Tochter auf Retro-Tour in Uelzen war.

Schnee macht alles kaputt

Ich habe das nie so eng genommen und die Quittungen in Sachen Rost über die Jahre erhalten, aber Rost kann man schweißen. Solche schönen Tage wiederum sind unwiederbringlich, und das liegt auch am alten Auto. Die Geschichte dazu ist übrigens hier: KLICK.

  • Ich: Jingle Bells, Jingle Bells. Ein Papa-Tochter Trip durch die verschneite Kindheit. Der goldene K70 fährt super bei Schnee und begeistert die Passanten 🙂 Ich bin glücklich.
  • Einige: Wow, mutig, mit dem Auto bei Schnee unterwegs. Ich muss auch mal wieder mit meinen Kindern raus. Habt ihr den Unterboden gut gewachst? Hoffentlich wird in Uelzen nicht so viel Salz gestreut. Gibt es das Hotel noch? Mein Vater hatte auch so einen K70. Nehmt gleich so einen Baum mit! Coole Felgen. Fröhliche Vorweihnachtszeit!
  • Viele: ALTER ihr spinnt ja total, bei diesem Schnee zu fahren?! Du Arschloch setzt den Klassiker bewusst dem Salz aus! Verantwortungslos, ohne Kopfstützen, ein Fall für’s Jugendamt! Sind das überhaupt Winterreifen du Wahnsinniger? Was für eine Scheißkarre, immer kaputt gewesen. Für sowas nimmt man das Winterauto! Kinder sollten auf Bäume klettern und nicht im Schnee frieren. Na dir scheint’s ja gut zu gehen, schön Hotel und so, du Proll! Immer frech auf der falschen Seite parken, scheiß Vorbild! Das wird man ja noch mal sagen dürfen!

Todsünde Auto in der Natur

Vergessene Autowracks faszinieren mich. Kommt, seid doch mal ehrlich, die faszinieren jeden! Ich bin schon als Kind im Urlaub durch die Wälder gestromert und habe in vergessenen Lloyds und Käfern gespielt und Bilder gemacht. Wracks erzählen Geschichten, regen zum Nachdenken an und sind tolle Ziele für einen kleinen Ausflug. Am Strand der Eckernförder Bucht liegen schon sehr lange die Reste eines Ponton Mercedes, und ich habe sie gefunden und mir angeschaut. Hier ist der Artikel.

Das Wrack am Strand

  • Ich: Spannend. Wie sind die Teile da wohl hingekommen? Tragik? Liegen da seit den 60ern, es ist wohl ein Ponton. Ich bin ganz aufgeregt.
  • Einige: Haha die Felgen sind geiler als die von deinem Taunus nimm die mit! Die Reifen sind besser als von deinem K70 nimm die mit! Bisschen polieren und der ist wieder gut. Ist auf dem Getriebe noch eine Nummer zu erkennen? Da war ich auch schon mal! Mein Vater hatte auch so einen.
  • Viele: Wer hat denn da seinen Schrott abgeladen?? Wieso kann das da so lange liegen, gibt es in dem Kaff keine Gemeindeverwaltung? Öl und Fett gelangen seit Jahrzehnten ins Grundwasser, töten alles Leben und DU MACHST FOTOS?? War klar dass Mercedes damals schon so ne Rostscheiße war BMW ist viel geiler. Andere müssen hart für ihr Geld arbeiten und du gehst schön am Strand spazieren du Angeber! Ich hab an dem scheiß Strand noch nie Bernstein gefunden! Wenn das Greta sieht! Das wird man ja noch mal sagen dürfen!

Todsünde falsche Felgen

Felgen finde ich unwichtig. Aber sie sind nun mal da, um das Gummi auf der Achse zu halten. Also gut, es gibt welche die ich ganz gern mag, originale Stahlfelgen meistens, aber ansonsten gehöre ich nicht zur Felgenpolierfraktion und gebe auch für einen Satz chrompolierter Tiefbett-Speichenhülsen kein Geld aus. Wer Felgen teuer erwirbt, hart abfeiert und mit speziellen Bürsten jeden Sonntag porentief rein poliert soll es tun. Jeder wie er mag. Dachte ich.

Sieht doof aus. Das weiß ich selbst.

Ich fuhr mit dem Coupé fast ein Jahr lang auf Baumarkt-Alufelgen vom Scorpio 95 rum. Wieso? Weil ich die originalen Felgen nicht mehr haben wollte und verkaufte, und die hatte ich noch, sie lagen ungenutzt im Keller, die Reifen waren gut und der Lochabstand passte. Parallel suchte ich nach originalen Stahlfelgen.

  • Ich: Hihi, bisschen zu groß, sieht schlimm aus, fährt sich aber okay. Hat jemand noch die originalen Sport Stahlfelgen?
  • Einige: Guck mal ein Offroad-Taunus 😀 Mach die weg, hol dir mal anständige! Ich hab noch welche. Wie lange willst du die denn noch drauf lassen **argh**? So einen Capri hatte mein Vater auch mal.
  • Viele: Was für eine Scheiße, ich kotze wenn ich das sehe. Dir ist echt nichts zu schade, du machst alles kaputt oder? Die Zollgröße passt nicht, Sie fahren ohne Zulassung, Anzeige ist raus! Dieser Baumarkt-Dreck verhindert auch nicht dass die Karre vom Salz gefressen wird. Sieht scheiße aus, ohne Tieferlegung ist so ein Mustang doch nur Spielzeug für Langweiler. Ach der Herr hat ne eigene Einfahrt, na dir geht’s ja super, und ich krebs hier mit Mindestlohn rum du Arsch. Wart nur bis die da oben dir diese Dreckschleuder verbieten. Das wird man ja noch mal sagen dürfen!

Todsünde Foto am Steuer

… dabei ist das Cockpit vom Taunus so schön. Und die Haube nach vorn mit ihren Sicken und der Nase, bevor er die Straße frisst. Hach 🙂 Es ist schon verrückt, dass man in modernen Autos bei 200 Sachen auf der Autobahn unbehelligt auf dem zeichenblockgroßen Zentraldisplay der Mittelkonsole rumfingern darf, um nach drei Minuten endlich die Sitzheizung zwei Grad wärmer gemacht zu haben. Aber ein kurzer Klick am Steuer auf die Landschaft, ohne dabei den Blick nach vorn zu verlieren, kann theoretisch geahndet werden.

Ich tappe im Dunkeln

Deutschland, deine Freizeit-Cops sind wieder investigativ mit 100 Mbit unterwegs.

  • Ich: Feierabend, freie Straßen und gute Musik im Radio. Ich fahr gern bei Dunkelheit, ihr auch?
  • Einige: 3000 Umdrehungen bei 100? Schalt mal in den vierten Gang! Das kann nicht die A7 sein, da ist kein Stau! Guck mal die GXL Instrumente die man so schlecht ablesen kann. Mein Vater hatte auch so einen Citroen.
  • Viele: Boah ist das ein scheiß funzeliges Licht das ist ja lebensgefährlich! Genau, am Steuer Fotos machen aber sonst den Kindern ein Vorbild sein wollen! Die blauen Reflektionen vom Billig-Radio kotzen mich an, da muss ein originales rein! LEG DAS HANDY WEG! Ist das gelbes Licht? Das ist doch nach StVO verboten! Mit der anderen Hand hältst du bestimmt ne Bierflasche. Unverantwortlich, bei dem Tempo nicht nach vorn zu gucken. Feier dich nur ab du linksversifftes Arsch, Greta und die Grünen legen dir deine Karre schon noch still! Das wird man ja noch mal sagen dürfen!

Ein neuer Sherriff in der Stadt?

Was ist hier los? Selbst, als Menschen sich vor 1994 noch in ihren vertäfelten Partykellern an Stammtischen trafen und sich Metaxa hinter die Binde kippten waren sie nicht so grantelig! Ich poste oder schreibe was, ein Bild, eine These, vielleicht irgendwas woran man sich reiben kann. Und natürlich rechne ich mit Reaktionen, ich bitte förmlich darum, deshalb mache ich das ja. Selbstverständlich muss man nicht alles toll finden, was ich verzapfe, Kritik ist das Salz in meinem Retro-Hackbraten. Natürlich kann jeder anmerken, dass Motorhauben nicht zum drauf Sitzen gemacht wurden, alte Autos im Winter schneller rosten, Baumarktfelgen auf einem Knudsen Coupé scheiße aussehen und man am Steuer lieber keine Fotos machen sollte. Aber…

Warum schreien so viele über das gebrochene Gesetz in Situationen, die niemanden stören und niemandem schaden? Muss man wirklich Anzeige erstatten, wenn man eine abgelaufene TÜV Plakette an einem parkenden Auto sieht? Wer droht mir wütend hinter der Gardine, wenn ich mit dem Auto 15cm über ein Halteverbot rage? Sind das alles die ehemaligen Mittelstufenverlierer, die beim Sport immer zuletzt gewählt wurden und dann Polizist werden wollten, um es endlich ALLEN zu zeigen? Und die dann beim Eignungstest durchgefallen und bis zur Frührente im Lokalarchiv verschimmelt sind?

Warum sagen Menschen (wenn sie das wollen) nicht einfach ihre Meinung, sondern schimpfen und pöbeln, hacken aggressiv auf Randgruppen rum und trampeln propagandistische Klischees breit? Wo kommt dieser Hass her? Ist ihre Unzufriedenheit mit der eigenen Situation so groß, dass sie gegen alle andern motzen müssen und „die da oben“ plus ein kleines Mädchen und eine demokratische Partei als Hauptverantwortliche für das automobile Sodom und Gomorrha malen? Und dann schicken die mir auf Facebook auch noch ne Freundschaftsanfrage. Genau mein Humor.

Falsch verstandene Meinungsfreiheit

Nein. Man wird das eben nicht mal sagen dürfen. Bei diesen Beispielen wird keine Meinung gepostet, sondern Aggression und Hass gegen bestimmte Personen oder Organisationen rausgeblasen. Das hat nichts mit einem Standpunkt oder Meinungsfreiheit zu tun, das ist einfach asozial und schäbig. Eine klar formulierte Stellungnahme und die Bereitschaft, sich danach einer Diskussion zu stellen wird im Netz immer seltener. Und wenn ich im Einzelfall dezent darauf hinweise werde ich beschimpft, blockiert und die so angesprochenen ziehen sich beleidigt zurück.

Versteht mich nicht falsch. Die meisten von euch sind kumpelhaft, sachlich und kommunikativ. Ich bin gern hier mit euch, ich schweife sehr gern ab und ich lese gern eure Statements und eigenen Erfahrungen. Ich höre mir auch immer wieder berechtigte Häme an, stecke ein, schraube fest und mache weiter. Sandmanns Welt im Blog und auch bei Facebook ist ein weitestgehend friedlicher Planet.

Aber etwas weiter da draußen weht ein rauer Wind. Freunde und Kollegen von mir werden bedroht, beschimpft und eingeschüchtert. Nebensätze eskalieren in großgeschriebenen Wutanfällen und meistens ohne Klarnamen. Die Anonymität des heimischen Computers oder Smartphones zaubert vielen Protagonisten wesentlich dickere Eier, als sie Auge in Auge tatsächlich hätten. Virtuelle Eier, die im echten Diskurs vielleicht gar nicht nötig wären, oft mag man sich in der „realen“ Konfrontation plötzlich ganz gern. Im persönlichen Gespräch werden darüber hinaus auch nicht so katastrophal viele Rechtschreib- und Grammatikfehler gemacht wie in nicht moderierten, markenoffenen Facebookgruppen.

Habt euch mal lieb.

Am Ende sind wir alle Freunde von alten (und neuen) Autos, das kann so schlimm nicht sein. Das geht ganz unpolitisch und das geht ganz ohne die hauptverantwortlichen „Anderen“. Wenn man es denn möchte. Das auf dem Bild da ist nicht mein Wohnzimmer, und auf meinem Kamin steht auch kein Segelboot. Ich habe nicht einmal einen Kamin. Der Konsum von Tabak und Alkohol ist ungesund, was mir mit fast 50 Jahren allerdings bekannt ist. Habt ihr den perfekten Weg im Umgang mit unbelehrbaren WLAN-Hooligans schon gefunden? Menschen, die im Sinne von Whataboutism ein völlig anderes Thema aus einer Nachricht ziehen, es laut und unsachlich propagieren und damit ein schlecht platziertes Ventil für ihre eigene Unzufriedenheit schaffen? Meiner ist bisher: Ignorieren und ausblenden. Karma wird es richten.

Sandmann

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

53 Antworten zu Whataboutism

  1. Michi sagt:

    Moin Jens

    Das sind alles Leute welche sich hinter ihren Nicks verstecken, im realen Leben würden die niemals den Mund aufmachen

    Tipp: Ignorieren!

    Gruss aus Hessen

    • Sandmann sagt:

      Ay Michi,
      ich persönlich bin zum Glück auch eher selten wirklich hart betroffen, weil ich so schlimme weichgespülte Sachen zu automobilen Belanglosigkeiten schreibe. Morddrohungen gab es noch keine. So gesehen mag ignorieren helfen 🙂
      Gruß aus Schleswig-Holstein
      Sandmann

  2. AeroLars sagt:

    Moin Sandmann,
    du hast meine vollste Zustimmung. Man muss seine Meinung nicht allen mitteilen. Und andersrum, darf man sich nicht alles zu Herzen nehmen.
    Ich denke, dass das an der Annonymität im Netz liegt. Als Runzelarsch61 schreibt man leichter irgendeinen Blödsinn als im „RealLive“, Auge in Auge, dem gegenüber zu sagen, dass Baumarktfelgen hässlich sind. Im Allgemeinen sollte gelten: „öfter mal die Fresse halten.“
    Gruß aus Bad Nenndorf

    • Sandmann sagt:

      Ay AeroLars,
      na ja, ich finde mitmischen ja ganz cool und feier auch gern mal die Kommentare von Leuten ab, die nur kommentieren, um IRGENDWAS zu schreiben. Das ist okay und leitet manchmal in verrückte Richtungen.
      Warum man aber Menschen beschimpfen und beleidigen muss, nur weil sie etwas (mit ihrem Auto) machen was man selbst vielleicht nicht machen würde und doof findet – das entzieht sich meinem Verständnis. Selbst wenn jemand einen 300 SL anzündet und seine Würstchen darauf grillt. Na und? Das ist schräg, aber Himmel, wir reden von Autos!!!
      Je älter ich werde, desto weniger kann ich was mit Menschen anfangen 🙁
      Sandmann

  3. Martin sagt:

    Moinsen Jens,
    ich bin auch in den Fokus des whataboutism gekommen und wurde gefragt, was meine Äußerung mit der Eingangsfrage zu tun hätte.
    Dass sich ein Thema entwickelt oder ein Fuß während des Gehens den gepflasterten Weg verlässt, dennoch aber weiterhin dir gleiche Richtung beschreitet, versteht man nicht.

    Und wer hat nicht irgendwann seine Ader ausgelebt, auch mal komische Dinge zu tun……

    Ist wie beim Kochen, etwas Salz und Pfeffer?
    Nein, es muss linksgedrehte atlantischen Meersalz sein, das mit Pfeffer angereichert ist, der nun wieder in einer langen Zeremonie der Hutu besungen ist.

    Egal……….

    • Sandmann sagt:

      Ay Martin,
      ich finde es überhaupt nicht verwerflich, wenn man sogar komplett vom Thema abkommt. Auf diese Art und Weise habe ich schon ziemlich interessante und lustige Gesprächsverläufe bekommen 🙂
      Mir geht es mehr um das grantelige Auf-Etwas-Hin-Weisen was der eigenen Meinung entgegen drückt und dass dann pampig verpacken. Es geht mir um den Umgangston, Anschuldigungen und Verurteilungen 🙁 Das ist assi. Abschweifen finde ich toll, weitermachen!
      Sandmann

  4. Moin
    Wenn ich die Probleme hätte von einigen Leuten, währe ich sehr stark Suizid gefährdet.
    Es soll doch jeder machen können mit seinem Altblech was er will. Autos würden gebaut, um damit zu Fahren und Spaß zuhaben. Was interessiert es mich ob die Felgen Original ob da ein Fälschergrill oder warum der Wagen bei Schnee bewegt wird. Man soll mal die Kirche im Dorf lassen.

    • Sandmann sagt:

      Das ist ja genau das, woran ich mich reibe. Natürlich kann jeder anmerken, dass er Felgen a und b nicht mag. Dass er sein eigenes Auto nicht tiefer legen würde und dass er findet, dass dies und das scheiße aussieht. Das ist dann ein Dialog, auf den man einsteigen kann beziehungsweise nicht, wenn es um Geschmack geht.
      Aber dass die Netz-Polizisten SO MACHT MAN DAS NICHT rufen, dass sie schimpfen und irgendeine selbst gebaute Moral predigen, das pestet mich zunehmend.
      Eben. Jeder wie er mag. Und ich schreibe einen Blog, ich muss kein Vorbild für kleine Kinder sein. Ich bin doch nicht der KIKA! Grumpf.
      Und ab in die Kirche im Dorf. Tandaradei 🙂
      Sandmann

  5. Arno sagt:

    Moin Jens,

    also meine Großmutter hatte auch so einen BMW und da hat sie auch immer auf dem Kofferraumdeckel gesessen. Und mit Salz und Alufelgen wär sie vielleicht nicht im Graben gelandet, aber früher hatten wir ja nix. Nur Geschichten danach – musste als erstes mal gesagt werden 😉

    Ich glaube, es ist relativ einfach: Das Internet ermöglicht es viel mehr Leuten, Kommentare abzugeben. Ich mein, 1994, wer hätte da dein Bild gesehen und hättest du Leserbriefe dazu überhaupt wahrgenommen?

    Dabei haben viele Menschen oft besseres zu tun und sind damit glücklich, wenige Menschen haben nix besseres zu tun und sind darüber verbittert. Und suchen die Schuld daran bei der linksgrünversifftenMerkelGretaCoronaDiktaturLügenpresse. Deswegen sind diese Leute sehr viel lauter als die vielen „Normalen“. Und wenn man mal in alten Leserbriefspalten liest – diesen Typ Mensch gab es schon immer, nur war ihre Reichweite halt begrenzter. Nicht umsonst heißt es bei den Simpsons regelmäßig seit mindestens Mitte der 90er „Kann denn nicht ein einziges Mal jemand an die Kinder denken?!“ https://www.youtube.com/watch?v=HHDKmASkSrc

    Viele Grüße von einem, der auch meistens ignoriert, nur selten mal laut anonym „Blödsinn, guck mal auf die Daten“ antwortet, wenn es zu blöd wird (wie letztens jemand tatsächlich meinte, er hätte zwar seit 20 Jahren die meisten Umsätze schwarz gemacht, aber jetzt, wo der Staat ja die Corona-Wirtschaftskrise verursacht hätte, da wollte er Staatshilfen und das wär überhaupt kein Widerspruch)

    Arno

    • Sandmann sagt:

      Ay Arno,
      argh. Ja das kommt dann noch oben drauf. Wenn Geschichten erzählt werden, die genau das belegen, weswegen man sich eigentlich mit der flachen Hand auf die Stirn klatscht 😀 Und ein gepflegtes „Merkste selbst, oder…?“ versteht eine bestimmte Kategorie Troll einfach nicht. Dann kommen gleich die Großbuchstaben und die 17 Ausrufezeichen.
      Der gute alte (echte) Leserbrief war eine größere Hemmschwelle. Man hat ihn verfasst und ihn mit einem Absender in einen Briefkasten geworfen. Man stand quasi noch zu dem, was man schrieb. Heute wird teil-anonym viel mehr gemotzt, und ich frage mich noch einmal: Warum? Was lässt Menschen so grantig werden, dass sie andere Menschen permanent anpampen? Warum ändern diese Menschen nicht das, was sie unglücklich macht? Warum igeln die sich ein und belästigen und beleidigen andere, denen sie noch nie im Leben begegnet sind?
      Schwierig.
      Sandmann

      • Fetti sagt:

        Hi Sandmann, “beleidigen andere, denen sie noch nie im Leben begegnet sind“ – na eben gerade deshalb, weil sie es jetzt können. Im Internet riskieren die nicht, dass du Ihnen deine Meinung dazu vor der Kneipe gesichtsverformend kundtust.
        Ich finds shice, aber absolut nachvollziehbar und logisch. Denk doch nur mal an den Typen, der den ganzen Tag vor sich hinmotzend am Fenster hängt, im Treppenhaus rumsteht, den Blockwart spielt – deren Nachfolger hängen jetzt im Netz rum. Das gabs doch schon immer – bloss früher haben die dich nicht erreicht.

        • Sandmann sagt:

          Aber waren das früher auch so viele? Jesus.
          Ich will auch heute nicht, dass mich die Blockwarte und Motzer erreichen. Ich will reden und gern diskutieren, aber das Muster ist ja immer öfter das gleiche. Du sagst deine Meinung, die gegen die Meinung eines anderen ist. Der pöbelt dich an, schreit dass man ja wohl noch mal seine Meinung sagen darf und wird dann polemisch oder beleidigend. Spätestens da steige ich aus, weil online mit solchen Vögeln sowieso kein Land zu machen ist.
          Ich bin schon mit einem überzeugten AfD Wähler in einem Cadillac bis nach Schweden gefahren. Und wieder zurück. Wir haben uns zwischendurch stundenlang angeschrien und waren richtig pissig aufeinander. Aber live ist das anders. Ich mag den Kerl noch immer. Online ist das irgendwie…. doof.

    • Fetti sagt:

      Hi Arno, es sind ja nicht nur die, die alles auf linksgrünversifftenMerkelGretaCoronaDiktaturLügenpresse schieben. Da gibt es ja noch die, die alles auf die schieben, die es auf linksgrünversifftenMerkelGretaCoronaDiktaturLügenpresse schieben. Oder auf [bitte einsetzen wen man nicht mag].
      Einen wirklichen Willen, andere Meinungen gelten zu lassen und sachlich zu diskutieren, sehe ich auf allen Seiten immer weniger. Jeder hat schon seine Meinung und eine “Diskussion“ hat die gefälligst zu bestätigen. Selbstreferenzierte Meinungsblasen.
      Und das Coronahilfenbeispiel – objektiv erscheint das widersprüchlich, aus Sicht dieser Person aber absolut konsistent:
      1. Der Staat ist dumm/inkompetent/kriminell.
      2. Deswegen bekommt er kein Geld von mir.
      3. Jetzt macht er noch absichtlich die Wirtschaft kaputt.
      4. Dann soll er mich dafür gefälligst entschädigen. Die anderen bekommen das Geld ja auch hinterhergeworfen.
      5. Wenn er das nicht tut – siehe 1.

  6. opatios sagt:

    Ich glaube, diese Leute haben schlicht nichts, worüber sie begeistert mitreden können und vielleicht auch sonst nix besseres zu tun. Also suchen und finden sie was auszusetzen. Vielleicht entspricht das manchmal auch ihrem Geist, überall ein Haar in der Suppe zu finden.
    Sich an der Tastatur zu äußern ist für sie womöglich auch der einzige Weg, ihre „Meinung“ anzubringen, ohne dass ihnen sofort sichtbar der Rücken zugekehrt wird. Vom Bildschirm kommen nicht unmittelbar Widerworte und womöglich findet sich unter den nächsten Lesern der eine oder andere, der sein „Daumen hoch“ drunter setzt und dem kritischen Schreiberling so die Bestätigung gibt, nach der er hungert.

    • Sandmann sagt:

      Ay opatios,
      genau das ist ja die Blasenbildung bei Facebook. Die der Algorithmus auch noch fördert. Wenn man nur genug andere ausblendet und im Gegenzug Likes vergibt, dann ist man irgendwann nur noch von seinesgleichen umgeben und bekommt natürlich Applaus. Das klappt bei den Hassern, das klappt aber auch bei den „Guten“. Jeder versammelt „seine“ Leute um sich, das scheint mir normal.
      Das ändert aber ja nichts an Kritik und auch mal an thematischen Abwanderungen, die finde ich unterhaltsam und die sind mir sehr willkommen 🙂 Und hier im Blog tummelt sich ja auch so einiges, und nicht jeder ist ein „Fan“. Wenn ich mal die ganzen Vergleichsportal-Backlink-Nerds rausnehme ist hier schon eine recht kritische, aber freundliche Runde am Start. Weiter so.
      Sandmann

  7. opatios sagt:

    Ach ja, und was Bilder aus dem Cockpit angeht, die aussehen als wären sie während der Fahrt entstanden – ich bin sicher dass. *Du* ein verantwortungsvoller Fahrer bist, aber es könnte die weniger Vorsichtigen zum Nachmachen animieren. So viel nur zu Deiner Formulierung „Dinge, die doch niemandem schaden“.
    Ich mag Deine Bilder vom Unterwegs- sein, vom Haubensitzen und vom KaSi im Schnee trotzdem! Du bist so unvernünftig wie ich nie sein würde, und ich empfinde beim Lesen / Anschauen einfach den Spaß nach, den Du dabei hast.

    • Sandmann sagt:

      Es geht runter wie 15 W 40, wenn ich als „unvernünftig“ bezeichnet werde 🙂 Danke. Dabei bin ich doch so brav…
      Was das Nachmachen betrifft – I don’t fucking care. Wenn die Leute einen Film über Kennedy gucken und danach mit einem Scharfschützengewehr von einem Hochhaus auf Passanten schießen sind sie nicht ganz dicht, da kann aber der Film nichts für. Ich denke jeder Mensch sollte selbst einschätzen können, was er tut und was nicht. Und ich animiere ja niemanden dazu, verbotene oder gefährliche Sachen zu machen. Ich mach einfach nur Fotos, und wenn das beruhigt kann ich ja in Zukunft sagen ich hab ne Helmkamera auf 😉
      Weiter geht’s. Hier liegt noch ein nagelneuer Verbrennungsmotor neben einem alten Herrenrad…. Da geht noch was…..
      Sandmann

  8. Kousidis Dimitrios sagt:

    Wir Menschen sind schon immer so gewesen und es wird sich nichts daran ändern.

    Ja es gibt die Motzer und es gibt die die jedes Bild von deine Autos genießen und sich freuen wenn sie deine verschiedene Geschichten dazu noch lesen können.

    Egal ob Motzer oder nicht, den meisten gefällt was Du machst und schreibst.

    Kopf hoch und weiter geht’s

    • Sandmann sagt:

      Ay Kousidis Dimitrios,
      danke für deine Worte. Mein Kopf ist gar nicht gesenkt, wie ich schon weiter oben schrieb fühle ich mich in euren Kreisen hier ganz gut aufgehoben. Wäre schön wenn noch viel mehr Kommentare kämen, auch Kritik, auch eigene Erfahrungen, auch gern mal andere Themen. Ich mag das 🙂
      Ich werde schlicht nicht gern beleidigt oder beschimpft auf einer Ebene, auf der das gar nicht nötig ist. Und na klar geht es weiter. In Hamburgs Schulen und Kitas kommt jetzt der komplette Lockdown, das bedeutet ich kann mich in Kiel dem 126er widmen. Und noch was singen 😀
      Sandmann

  9. David sagt:

    Moin!
    Als bisher eher stiller Mitleser deiner kurzweiligen Beiträge, fühle ich mich zu diesem Thema dann doch mal motiviert etwas unfundiertes und stark subjektives beizutragen.
    Meiner bescheidenen Meinung nach ist gerade dieses Monieren von Belanglosigkeiten und vermeintliche Aufzeigen von Schlechtigkeiten, gepaart mit Frustration darüber, wie schlecht alles angeblich geworden ist, paradoxerweise ein Beweis dafür, wie gut es den allermeisten von uns geht…
    Sich den „Luxus“ erlauben zu können, sich in der virtuellen Welt über Probleme auszukotzen, die keine sind, und allen anderen die Schuld zu geben, außer sich selbst, zeugt von der Abwesenheit wirklicher, ja existentieller, Probleme.
    Um dem ganzen Nachdruck zu verleihen, werden im ersten Schritt Grenzen des Anstands überschritten.
    So weit, so normal….
    Richtig schlimm wird es, wenn den Worten Taten folgen.
    Und das ist inzwischen auch schon des öfteren passiert, wie gerade jüngste Ereignisse beweisen…

    In diesem Sinne lasse ich den lautstarken und meistens mit fragwürdiger Rechtschreibung verfassten Pöbeleien keinen Raum. Wer pöbelt, fliegt. Aber schon mit Reaktion darauf. Auch wenn es nichts bringt, so muss ich, um meines Seelenfriedens willen, zeigen, dass ich dagegen bin….

    Ach, und ja: Ich mag deinen Blog 😉

    Keep on!
    Cheers

    • Sandmann sagt:

      Ay David,
      Seelenfrieden ist ein feines Stichwort. Vielleicht halte ich mich deshalb auch aus politischen Themen raus, da ist mir der extremistische Flügel links wie rechts zu fremd und zu gewaltbereit. Zumal man, wenn man in Autoforen erzählt dass man mit Habeck was anfangen kann, sich nicht rechtzeitig wegducken kann 😉 Die sind schneller.
      Ja, uns geht es sehr gut. Immer noch. Leider ist es ja aus irgend einem Grund so, dass in den Gegenden, wo die wenigsten Flüchtlinge sind, der nachgeplapperte Ausländerhass am größten ist und gerade die, denen es verhältnismäßig gut geht (gesundheitlich wie wirtschaftlich) am lautesten gegen „die da oben“ meckern. Natürlich alles ohne konstruktive Vorschläge oder Ideen, was man besser machen könnte. Aber das wird man ja noch mal sagen dürfen. Puh.
      Sandmann

  10. Melanie sagt:

    Um Dieter Nuhr zu zitieren: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!

    Ich bin der Meinung, dass man mit Toleranz viel erreichen kann und stimme Dir absolut zu: Wir haben alle ein Herz für alte Autos! Jedes Auto welches erhalten – und wenn es unbedingt tiefer gelegt werden und verbastelt- ist ein Stück unserer Geschichte. Ich lese über vieles hinweg und halte meine Meinung und Geschmack meistens zurück. Mir geht nur die Hutschnur hoch, wenn jemand meint ein Auto ist kein Youngtimer, weil es davon noch so viele gibt. Das ist oberflächlich und eines Autofans unwürdig und so stufe ich diese Person auch ein. Diskussionen bringen eh nichts 😉
    LG aus Duisburg

    • Sandmann sagt:

      Selbst ohne Ahnung kann man mitreden, wenn man das möchte. Weil man das Auto mag, weil man die Farbe mag. Weil man mit so einem Auto mal was krasses erlebt hat oder seine erste Freundin auf dem Rücksitz von so einem Auto ge***PIIEP hat. Ich mag Diskussionen, auch wenn sie am Thema vorbei gehen. Es sei denn, jemand fragt was ganz konkretes und will tatsächlich nur Hilfe und Antworten.
      Schwierig finde ich, wenn Menschen ohne Ahnung sich zu technischen Themen äußern und entweder „glaube ich“ orakeln oder auf ihrer falschen Meinung beharren. Und wenn man die dann korrigiert, pampig werden. Sowas ist wirklich nervenaufreibend.
      Oder wenn sie eben wie in deinem Fall eigene Definitionen hervorbringen. Mehr ICH Botschaften wären toll. Also nicht DEIN AUTO IST KEIN YOUNGTIMER DU BITCH sondern vielleicht: „Hm, da fahren ja echt noch viele von rum, das war mir gar nicht klar dass der schon ein Youngtimer ist. Ich werde anscheinend alt“ 🙂 Und schon sind alle Freunde.
      In diesem Sinne. Grüße aus Kiel
      Sandmann

  11. Christian Born sagt:

    Moin Herr Sandmann,
    ich empfinde Ihre Geschichten immer als eine Inspiration zum Thema Auto. Wie ein Gedicht oder ein schönes Bild von/über einen Wagen, nur eben in Textform. Sandmanns Blogs sind kleine Ausflüge in die große automobile Freiheit der 70er, 80er und 90er. Vielen Dank dafür! Das wird man ja doch mal sagen dürfen 😉 Hier aber ist vielleicht das Problem: Sie schreiben über Autos und nicht über Harry Potter oder Vampire oder Zombies. Autos sind Real-Life-Objekte und die geschätzte Leserschaft denkt, es müsse da im Text einen Bezug zum echten Leben geben. So wie in journalistischen Berichten über Klimakrise, E-Mobilität, Verkehrschaos usw. Ergo will jeder seine persönliche Sichtweise dazu abgeben. Ich denke, dass Kommentare wie „das find ich gut“ oder „das find ich schlecht“ in jeglicher Ausprägung bis hin zu „die Merkel muss weg“ so sinnlos sind wie nur irgendwas. Ein Kommentar unter einem Artikel bringt nur dann etwas, wenn der Kommentierende einen neuen Twist zur Geschichte beiträgt oder einen ebenso „inspirierenden“ neuen Aspekt hinzufügt. Ich selbst benutze „Like“-Buttons nicht, um meine persönliche Zustimmung auszudrücken. Vielmehr will ich dem Autor mit dem „Like“ meine Anerkennung, Wertschätzung und Dank für die Mühe seiner schöpferischen Tätigkeit ausdrücken. Wenn mir etwas nicht gefällt, kann ich ja weiter klicken, das Internetz ist groß. Wünschenswert wäre es, dass vielmehr Menschen es mit der Weisheit halten: „Wenn man nichts zu sagen hat, einfach mal die Schnauze halten“. OK, ich träum‘ weiter. Was aber jetzt mit dem „whataboutism“? Solange ein dummer Kommentar mich nicht auch in der echten Welt trifft, würde ich auf Durchzug schalten. Es gibt auf Youtube einen sehenswerten Vortrag dazu von „Linuzifer“ Linus Neumann unter dem Titel „Gut drauf trotz Social Media“. In diesem Sinne wünsche ich dem Sandmann, dass er sich treu bleibt und hoffe viele spannende Geschichten. Viele Grüße.

    • Sandmann sagt:

      Ay Christian,
      vielen Dank für Ihre sehr aufgeräumten Worte, Sie scheinen recht reflektierte Sichtweisen der Dinge zu haben, die vielen anderen leider fehlen. Und vieles von dem, was Sie schreiben, teile ich ungebremst.
      Tatsächlich scheint das Thema AUTOMOBIL bei einigen irgendwas auszulösen. Dass man sich auch äußert, obwohl man eigentlich nichts beizutragen hat finde ich legitim. Wir sind hier ja kein Fachmagazin, hier kann jeder seine Ansicht oder seine Erlebnisse beitragen. Auch wenn sie mal etwas themenfremd sind.
      Aber es stimmt. Man liest schon im Text, wer sich damit befasst hat oder wer nur etwas „ablassen“ will. In diesem Sinne mache ich selbstverständlich weiter, was bleibt mir denn auch anderes übrig? 😉 Irgendwie und irgendwo muss ich das alles ja loswerden, das ist meine persönliche Therapie. Sonst platzt mir der Kopf.
      Also danke für’s Lesen und Kommentieren 🙂
      Sandmann

  12. Bronx.1965 sagt:

    Moin,

    Danke, Jensi, für diese Zeilen!
    Alles was sich früher in der Stammkneipe am Bier festkrallte hat eben heute den Weg ins Netz gefunden.

    Die höchste Form der Toleranz ist das Ertragen dummer Menschen. Das kann man sich antrainieren. Oder anders ausgedrückt:

    „Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit.“ (sic!) (Ödön von Horváth, Geschichten aus dem Wienerwald.)

    Bleib wie Du bist! 😉
    Beste Grüße von der Insel.

    • Sandmann sagt:

      Maiskolbenmann, temporär auf der Insel verhaftet,
      natürlich bleibe ich, wie ich bin. Wer sonst sollte ich denn werden? 🙂 Und ich habe inzwischen ein dickes Fell, was Kommentare und Anmerkungen betrifft. Bei einigen steckt man sie ein und weiß, sie kommen von Herzen (bei dir) und bei anderen fragt man sich, wo denn nun schon wieder ein Schalter umgelegt wurde. Ich habe hier zum Glück nur ganz selten von mir aus Kommentare löschen oder Nutzer blockieren müssen. Alles ist gut.
      Da fällt mir ein ich wollte dich anrufen. Verdammt. Heute ist meine Zunge schon zu schwer 😉 ich werde dran denken………
      Grüße aus dem Norden
      Sandmann

  13. M30Lars sagt:

    Mir fällt auf, dass ich einige Jahre nicht mehr geantwortet hab.

    Meine Meinung dazu: Leben und Leben lassen. Ich persönlich find es gut, wenn man(n) seinen Oldie bei Wind und Wetter fährt.

    Ich persönlich erwische mich bei meinem Job dennoch ab und dabei, dass ich mich über einige Leute etwas wundere, die Ihren Oldie nur bei schönem Wetter und vielleicht nur 1000km im Jahr bewegen.

    Mein Chef bewegt übrigens bei Wind und Wetter eine Granada MK2 Limousine. Gerade im Winter sind dumme- und Kopfschüttelnde Gesichert garantiert 🤭.

    JM2C,
    Lars

    PS: Ich bewege übrigens einen nicht verhaspelten BMW E36 328i Touring. Interessant hierbei ist, dass ich dafür auch ab und an kritische Gesichter zu sehen bekomme…

    • Sandmann sagt:

      Ay M30Lars,
      ja umso schöner, dass du dich mal wieder äußerst! Welcome back. 🙂
      Eben dieses leben und leben lassen ist das, was vielen fehlt. Wer sein Auto polieren und pflegen will – bitte. Wer es fahren will – warum nicht? Wir quälen hier nicht Katzenbabys oder halten 1000 Hühner nicht artgerecht. Es geht um Autos. Die fühlen nichts, die sind aus Metall und es gibt eine Menge von ihnen. Niemand hat einen Schaden, wenn ich ein Auto im Winter fahre und es mir unter dem Arsch wegrostet. Man kann mich dafür doof finden – aber muss man mich beschimpfen? Nein.
      Dein Chef scheint ganz cool zu sein. Herzliche Grüße vom MK1 Coupé Einlagerer 🙂 Und mach dir keine Sorgen wegen deines BMW. Ich finde Kombis scheiße, kann mit dem E36 nicht wirklich was anfangen – aber bin weit davon entfernt, dich deshalb zu beschimpfen 😀
      Sandmann

  14. Jens sagt:

    Moin,
    damit bist Du nicht allein. Als ich meinen Golf 3 verkaufen mußte, zuviel Rost keine Zeit und Musse um ihn zu restaurieren, war das Geschrei um mein neues Auto groß.

    Ich brauchte ein Auto mit Allrad und viel Anhängelast.

    MB ML 170 CDI die sind günstig zu bekommen und für meine Zwecke gut genug.

    Texte dazu: Wohl Millionär geworden, würden ich mir nie kaufen, dann auch noch Diesel, das sollte man verbieten, Denk doch mal an, (hier bitte ein Klischee einfügen, Wahlweise Klima, Umwelt, CO², Greta, ect.).

    Da ich Autos erstmal nach dem Nutzwert beurteile und erst danach an Aussehen, Kult ect. denke merkt keiner.

    Diesen (Neudeutsch) Hatern lasse ich immer die lustigen Lachsmilies zukommen und das in geballter Form.

    Merke: Nichts ist für diese Leute schlimmer als dass sie Ausgelacht werden. Das Lachen ist für sie gefährlich denn es zeig allen anderen das man diese nicht ernst nimmt.

    Lachen ist halt gesund, vor allen für einen selbst.

    • Sandmann sagt:

      Ay Namensvetter,
      ich finde den ML hässlich wie die Nacht, und technisch ist er das absolute Kackfass – aber man bekommt nirgends mehr SUV-Power als bei diesem Modell. Ich weiß wovon ich spreche, wir schrauben grad an einem 😉 Wenn man den Rost und die Elektrik im Griff hat sind das gute Autos.
      Es ist gerade dieses „ICH würde nicht…“ was vielen abgeht. Niemand wird gezwungen, so ein Auto zu kaufen. Niemand muss einen Diesel fahren, wenn er glaubt, die Welt geht deshalb zugrunde. Aber kann man nicht die Leute, die anderer Meinung sind, genau das trotzdem machen lassen. Ich mein – wir sprechen hier nicht von atomarer Aufrüstung oder chemischen Massenvernichtungsmitteln, sondern von Autos. Niemand stirbt, wenn du einen ML Diesel fährst. Niemand verliert seinen Job, wenn du einen ML kaufst. Und selbst wenn du einen Rolls Royce kaufst – sollst du! Wenn du das Geld verdient hast, wer sollte dich dann dafür verurteilen? Warum sind die Menschen so missgünstig?
      Rock’n Roll. Und vor allem: Weitermachen 🙂
      Sandmann

  15. MainzMichel sagt:

    Moin!
     
    Die eigene Meinung in den Kommentaren kundzutun finde ich nicht verwerflich. Auch ich mache das hin und wieder, siehe als Beispiel hier:
    https://www.sandmanns-welt.de/der-ueber-ro-80/#comment-28710
    Möglicherweise ist es dem Schreiber ja auch angenehm, da er sich der Sache vielleicht unsicher ist. Da können Meinungen beim Entscheiden helfen.
    Zu den übertriebenen Kommentaren gibt es ja das altbewährte Mittel: Don’t feed the trolls!
     
    Adios
    Michael

    • Sandmann sagt:

      Der Herr Mainz.
      Also nochmal: Ich BITTE darum, die Meinung in Kommentaren kundzutun 😀 Genau diese Meinungen links und rechts vom Thema haben mich oft schon weit nach vorn gebracht 🙂 Mehr davon!! Das sollte kein Aufruf von mir sein, sich immer nur themenrelevant zu äußern 😉
      Mein Fell ist dick. Und wie du schreibst – wer sich wiederholt daneben benimmt, den kann ich ja des Hauses verweisen.
      Yeah. Und jetzt auf in den Kita und Schul Lockdown 3.0!
      Sandmann

  16. Fetti sagt:

    Ja leider. Die “sozialen Medien“ verkehren sich langsam in die a(nti)sozialen Medien. Der verständliche Reflex, da durch Gesetz und Regulierung wieder “Ordnung“ schaffen zu wollen, wird sich aber leider zu einer Zensur und Diktatur (ok, gelenkte Demokratie) pervertieren, weil die destruktiven Kräfte diese Mittel genauso entern und missbrauchen werden. Da werden sich noch einige Wohlmeinende dumm umgucken, welche Äußerungen plötzlich als inakzeptabel gelöscht werden. The way to hell is paved with good intentions.

    • Sandmann sagt:

      Ay Fetti,
      vermutlich weise Worte…
      Ich habe eine Zeit lang gehofft, es würde sich eine eigene Regulierung einstellen. Dass die Leute lernen, mit dem Medium Internet umzugehen, dass sie entspannter werden. Ich alter Mann dachte, Facebook sei ewig.
      Statt den Umgang zu erlernen und die Entspanntheit an andere Generationen weiterzugeben kippen die jungen Menschen von einer Plattform zur nächsten. Tic Toc. Twitch. Was kommt dann? Da wird es kein Regulieren geben. Menschen sind wie sie sind.
      Ich bleib bei dem guten alten BLOG und schraube und schreibe weiter. Ich bekomme dafür nach wie vor kein Geld, aber ich sehe dass ihr alle irgendwie noch da seid. Und das fühlt sich gut an 🙂
      Sandmann

      • Fetti sagt:

        Stichwort Stammtisch. Dem wird ja auch ähnlich wüstes Gedankengut und entsprechendes Niveau nachgesagt.
        Warum sollte das im Internet anders sein? Zumal hier Reichweite entsteht und soziales Umfeld fehlen. Ich will ja nicht sagen, wer sich in den Stall legt muss auch den Geruch ertragen, aber man kann nicht schwimmen ohne nass zu werden.
        Meine Lösung ist natürlich egoistisch und führt auch nicht zu einem Blog, an dem sich andere erfreuen – ich bin absolut SM-Abstinent.
        Leider werden die angenehmen Mitmenschen still, wenn der Pöbel blökt.
        Aber du hast mein Mitgefühl. Wenn einem ständig jemand in den Vorgarten pinkelt, hat man mal die Nase voll.

        • Sandmann sagt:

          Ay Fetti,
          ich bin gerade heute wieder aus einer Diskussion ausgestiegen und habe einen glaube ich ganz netten Autonerd „entfreundet“. Aber es lag alles so auf der Hand. Es ging mal wieder gegen „die da oben“ und man sagte die Meinung. Mit Memes und ohne Quellen oder Begründungen. Ich entgegnete, dass das doch alles nicht so einfach sei, dass ich selbst keine besseren Lösungen hätte und mal fragen würde was denn die der hier schreibenden seien.
          Daraufhin kam von anderen Geschimpfe. Einigermaßen gesittet.
          Dann fuhr einer hoch wie das HB Männchen, dann war ich es plötzlich, der mimimi mache und man darf das ja wohl noch mal sagen. Und dann kam banale, beleidigende Polemik voller hektischer Schreibfehler, mit etwas zu vielen Ausrufezeichen. Also genau das, was ich beschrieben hatte.
          Mir ist sowas zu blöd. Ich setz mich ja auch nicht an die beschriebenen Stammtische. Ich kenne viele aufgeräumte Menschen, mit denen man super reden kann. Die sind teilweise nicht ganz dicht, aber die hören zu und führen einen DIAlog. Das gelingt vielen der neuen Pöbler leider nicht. Was schade ist. Vor rund einem Jahr hätte man mit vielen von denen vielleicht am Feuer noch gemeinsam Bier getrunken, und nun ist alles anders.
          Aber was soll’s. Mit 50 muss man keine neuen Freunde finden. Ich finde nur, manchmal ist ein bisschen wenig Liebe in diesem Land.
          Sandmann

  17. Dirk cobien sagt:

    Da sprichste mir aus de Seele

    • Sandmann sagt:

      Ich glaube meine Ansichten teilen viele….
      Die Frage ist, wie man damit umgehen sollte. So nach und nach bin ich etwas entspannter, vielleicht habe ich schon genug Motzer ausgeblendet. Aber ganz ohne Gegenwind werde ich das Feld nicht säubern 😉 dafür mag ich diejenigen, die noch alle Tassen im Schrank haben, zu gern.
      In diesem Sinne
      Sandmann

  18. Hey Jens,
    das waren ergiebige Ergüsse, ich habe alles gelesen, dein Beitrag hat vielen aus der Seele gesprochen, mich eingeschlossen.
    Ich halte mich mal kurz: Schwarzweiß-Denken potenziert sich zunehmend, die Wahrheit ist anscheinend einseitig, und obendrein auch immer beim Redner. Komisch.

    Klein-Klein ist einfach schrecklich klein…
    In meinen Jahren in der Klassiker-Szene habe ich eines assimiliert…nicht gegeneinander, kein Konkurrenzdenken, nicht in Rechthaberei herum irrlichtern, lieber voneinander lernen, auch mal zuhören einfach, und vor allem eins, gemeinsam Freude haben an einer herrlich vielfältigen, tollen Sache! Paar gute Gläser Wein und Pink Floyd dazu, und das Herz füllt sich.
    Alles andere ist Energieverschwendung.

    Übrigens: Mein 306 Cabrio läuft auch im Winter… 😉

    Herzlich, Dirk

    • Sandmann sagt:

      Ay Dirk,
      du hast eine, in meinen Augen, sehr erwachsene und positive Einstellung. Danke dafür.
      Es gab schon vor 10 Jahren in den Foren diese Typen, die auf eine einfache Frage eines Neulings geantwortet haben: BENUTZ DOCH MAL DIE SUCHFUNKTION!!!!!!!! Oder die auf die Frage, ob man seinen Mazda 626 vielleicht dezent tiefer legen kann nur WAS SOLL DER SCHEISS HOL DIR DOCH GLEICH N SPORTWAGEN DU PROLL skandierten.
      Ich hab’s immer andersrum gemacht. Ich hab dann die Suchfunktion benutzt und dem Kollegen den Link auf die Lösung seines Problems gepostet. Oder ich hab den mir bekannten Tieferlegungssatz des 626 genannt beziehungsweise, wenn ich keinen kannte, einfach mal die Fresse gehalten.
      Oh ja. Einfach mal die Fresse halten wenn man keine Lösung weiß.
      Aber es gibt sie noch, die Leute, wegen derer ich nach wie vor dieses Hobby schätze und auch die sozialen Netze gern durchstreife. Da sind wirklich hilfsbereite Typen bei, nette Menschen, echte Fachperlen und nerdige Unikate. Das Leben ist so bunt wie die Menschen. Und damit hör ich doch jetzt nicht auf, nur weil ein paar Unzufriedene ihren Frust auf die Schultern von anderen laden. Nee nee.
      Auf bald
      Sandmann

      • Jau, genau so ist das, lieber Sandmann.
        Und es ist was Schönes, wenn man Bereitschaft erkennt, einfach angenehm miteinander umzugehen. Die Zahl derer, die mir das Thema Klassiker/Blog etc vermiesen könnte, wird immer mindestens um eine Person kleiner sein, als der Haufen derer, die so sind „wie du und ich“.
        Ich find´s im übrigen spitze, dass du so Themen auch mal anschneidest. Ja, auf bald!

        • Sandmann sagt:

          Das stimmt wohl.
          Trotzdem treffen mich einige Bemerkungen schon ab und an. Ich weiß, wenn man öffentlich wird, sticht man auch immer wieder in einen Haufen, aus dem es dann stinkt. Weil es immer frustrierte, unzufriedene Trolle gibt, die einfach kotzen müssen. Und damit meine ich nicht die, die vom Thema abkommen, das mache ich selbst ja sogar regelmäßig während der eigentlichen Geschichte 😉 Nein ich meine die Motzer, die Denunzianten und die Schreihälse.
          Mich frisst einiges davon persönlich an. So bin ich weder aufgewachsen noch erzogen worden. Was stimmt bloß mit einigen nicht?
          Sandmann

          • Die sind einfach im falschen Ton auf den falschen Seiten unterwegs, ohne dass ihnen das mal einer steckt. Bleibt ja auch überwiegend kosequenzlos. Solange nicht mit Blick auf Stil&Kultur bisschen moderiert wird, hift nur das dicke Fell, und möglichst keine Energie reinstecken.

            Bleib tapfer… 😉

            • Sandmann sagt:

              Interessant ist es, wenn man sich dann doch mal trifft. Sofern die Protagonisten mit ihrem Klarnamen unterwegs sind.
              Aber wie schon geschrieben, bei „mir“ hier ist ja soweit alles ganz okay, ich sehe die harten Entgleisungen meistens in anderen Gruppen…..
              Sandmann

  19. Bronx.1965 sagt:

    “ (…)Warum sagen Menschen (wenn sie das wollen) nicht einfach ihre Meinung, sondern schimpfen und pöbeln, hacken aggressiv auf Randgruppen rum und trampeln propagandistische Klischees breit? Wo kommt dieser Hass her?(…) “

    Ich muß nun doch noch einmal etwas hier lassen. Vor Jahren hab ich hier in Jensis Blog dazu schon mal etwas geschrieben. 1996, im Alter von 31 Jahren, war ich, neben anderen Aufgaben, als Wahlbeobachter in Bosnien tätig.

    Die Folgen des Krieges waren allerorten noch zu sehen. Es ging um den Aufbau ziviler Strukturen, darum, ein funktionierendes Gemeinwesen, eine Exekutive zu schaffen, welche auch von Allen Akzeptanz erfuhr. Ohne Ordnung funktioniert kein Staat, es gibt keine wirtschaftliche Entwicklung.
    Ich habe sehen dürfen was Hass, Vorurteile und Propaganda extremer Bewegungen anrichteten. Angestiftet von „Führern“ wie Milosević , Mladić oder Karadžić. Dazu die ganzen „Auswüchse“ an Freischärlern wie Arkans Tiger, die Weißen Adler und die Serbische Freiwilligen-Garde. Um nur einige zu nennen. Dazu kamen auf bosniakischer Seite die Green Berets, die bosniakische Patriotische Liga, moslemische Mudschahedin-Einheiten sowie die Verteidigungskräfte Kroatiens. Ein heilloses Durcheinander.
    Es gab damals noch keine sozialen Netzwerke. Sonst wäre alles noch schlimmer und – vor allem – schneller geschehen! Hätten all diese „Diktatoren“ und „Führer“ damals die heutigen Möglichkeiten gehabt. . . Ich male es mir lieber nicht aus.

    Aber damals wie heute gilt: es ist stets das gleiche Muster! Als erstes hetzt man die Ethnien gegen einander auf. Das funktioniert immer. Hat man dann genug willfährige Idioten beisammen wird eine Bewegung daraus. Dann sind den Vorstellungen, was passieren kann, kaum noch Grenzen gesetzt. Wie sonst ist es zu erklären das Menschen, die vorher 30 – 40 Jahre friedlich zusammen lebten, sich plötzlich wie von Sinnen die Köpfe einschlagen? In einer zivilisierten Welt?

    Im September ’97 habe ich in Sarajevo das legendäre U2 Konzert erleben können. („Miss Sarajevo“) Ein unvergessliches Erlebnis in einer zerstörten Stadt, deren Bewohner glücklich über einen Abend gelebte Kultur waren!

    Ich würde mir wünschen, Politiker würden sich gelegentlich mal in solche Situationen begeben. Dann wäre die Verhandlungs – und Kompromissbereitschaft vermutlich ausgeprägter. Und der vorschnelle Ruf nach Sanktionen etwas gedämpfter. Denn die helfen Keinem.

    Und jetzt zitiere ich mal Fetti:

    „(…)Die “sozialen Medien“ verkehren sich langsam in die a(nti)sozialen Medien. Der verständliche Reflex, da durch Gesetz und Regulierung wieder “Ordnung“ schaffen zu wollen, wird sich aber leider zu einer Zensur und Diktatur (ok, gelenkte Demokratie) pervertieren, weil die destruktiven Kräfte diese Mittel genauso entern und missbrauchen werden.(…)“

    Genau so wird es kommen, davon bin ich überzeugt.

    Will sagen: es ist egal um welches Thema es geht. Haubensitzen, Grillen, was auch immer. Ein Totalversagen der Kultur fängt immer im Banalen an. Und endet schlimmstenfalls wie oben beschrieben und in den Auswirkungen erlebt. Oftmals ist es nur ein kleiner Sprung bis aus einem „Shitstorm“ in den Netzwerken echte Taten resultieren. Wie man unlängst in Washington und davor in Berlin am Reichstag sehen konnte.

    Ich bin und war nie bei Facebook & Co. Jens kennt meine Meinung dazu. Es würde mir im Leben nicht einfallen, mich täglich derart zu entblößen. Aber wir schreiben uns und telefonieren trotzdem ab und an. Weil wir tolerabel sind und das auch leben! 😉

    In diesem Sinne, wachsam bleiben. 😉

    • Sandmann sagt:

      Bester Bronx (ich antworte ausgerechnet dir wieder sehr spät…),
      du schreibst Zeilen, die mich nachdenklich machen. Allerdings weiß ich noch nicht, in welche Richtung meine Gedanken gehen. Sind Menschen denn strukturell schlecht und scheiße? Müssen sie sich weh tun, und die sozialen Netze helfen ihnen dabei? Oder sind es nach wie vor nur einige, die entsprechend die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel und Werkzeuge nutzen, um andere mitzuziehen? Und WARUM?
      Vielleicht sind Menschen doch sehr unterschiedlich. Ich schrieb es schon mal, ich war als Kind entsetzt, warum sich Bayern München Fans und HSV Fans auf die Fresse hauen – nur weil sie zwei verschiedenen Fußballvereinen nachheulen. Das war einer der Gründe, warum ich Fußball lange Jahre wirklich verachtenswert fand.
      Ich glaube, aufgrund meiner hier doch recht banalen und versöhnlichen Thematik bin ich einigermaßen sicher vor Shitstorms. Auch auf Facebook, das mutiert ja sowieso langsam zu einem Netz der alten Männer 😉 Trotzdem frage ich mich, in was für eine Welt ich meine vier Mädchen da rauslasse. Mögen sie offene Augen haben, sich mutig den Problemen stellen und im Zweifelsfall für demokratische Grundlagen laut werden. Der Ansatz ist da.
      Und bevor das jetzt alles zu groß wird, zurück zu den Autos 🙂 Wir telefonieren bald mal. Ehrlich!
      Sandmann

      • Schnulli sagt:

        Hey Sandmann fahre einen c124 und miußte mich vor kurzem an der dörflichen Tankstelle anscheißen lassen was mir wohl einfällt bei so einem Wetter (dichtes Schneetreiben)mit diesem Auto rumzufahren von wegen Steuerhinterziehung weil H-Zulassung,sowas darf man doch nur im Sommer fahren und dann doch nur auf Oldtimertreffen.Soviel zur öffentlichen Meinung,was fällt mir dazu ein

        • Sandmann sagt:

          Ay Schnulli,
          alles klar. Immer wieder interessant, wenn die echten Fachmänner auch noch laut werden. Hast du reagiert? Also ein Mix aus Aufklärung zum Sachverhalt beim H-Kennzeichen und der Frage, was er denn glaubt, das ihn das etwas angehe?
          Oder warst du, wie ich auch so oft, zu perplex für eine spontane Antwort…? 🙁
          Menschen. Schwierig.
          Sandmann

  20. Christian Helmer sagt:

    Servus aus Österreich, hallo Sandmann.

    Nachdem im durch FB auf deine Seite gestoßen bin, habe ich die letzten Tage deine Beiträge und die Kommentare dazu geradezu gefressen. GRENZGENIAL! – Die ganze Truppe hier!!!ELF!
    Das wird man doch mal sagen dürfen!

    Zur Thematik: es fehlt heute einfach der Respekt! Mein Sohn, (19) wurde mit Bitte/Danke und Hallo und Tschüss erzogen. Das stieß bei diversen Urlauben oder Unternehmungen immer wieder auf Verwunderung bei Fremden; „Mei, Euer Kind ist aber gut erzogen“ Ich finde das normal. Ich sag ja auch zu meiner Frau nicht „Hol Bier“! sondern „BITTE nimm Bier mit“
    Der Ton macht die Musik, sagt man bei uns. Und da kränkelt es heutzutage gewaltig.
    Wir hatten 15 Jahre lang ein kleines Taxiunternehmen. Nur ein Beispiel von vielen: Standplatz – Türe wird aufgerissen – Kunde fällt in den Sitz- „Siemenstrasse 5″ – Ich: “ Grüß Gott“ Kunde: Siemensstrasse 5!!“ Ich: „GRÜSS GOTT!“ Kunde schaut pikiert und grüßt dann auch. Ist das so schwer?
    oder 17jähriger Bursch mit Kreditkarte vom Papa beim Einsteigen ins Taxi: wedelt mit der Karte und meint: “ He Kutscher, in die Disko Sowieso, da spritzen wir den Dom Perignon wieder mit Red Bull, dann schaut der Kellner wieder so blöd.“
    Bei mir wäre er schlagartig enterbt, der Filius.
    Bücher könnt ich schreiben, mit solchen Beispielen.
    Umgangsformen heute? oft Mangelware.
    Sozialmedia Plattformen begünstigen solches Verhalten natürlich.
    Auf FB betreue ich die Seite unserer Firma. Da outen sich auch immer wieder soziologisch interessante Lebensformen.
    Zu den Autos: Volvo V70 Baujahr 99 und Peugeot 306 Cabrio BJ 95 werden täglich bewegt. Wobei der Aufmerksamkeitsfaktor der Verkehrsmitteilnehmern bei Schneetreiben mit dem Cabrio schon höher ist..
    Weiter so!

    • Sandmann sagt:

      Ay Christian,
      auch ich finde es eigentlich völlig normal, Menschen freundlich zu begrüßen und mich auch von ihnen zu verabschieden. Auch die fahrigen Kürzel wie LG oder freundlich GLG beim Texten und Chatten finde ich höchst unpersönlich. Ich nehme mir immer immer immer Zeit für ausgeschriebene Grußformeln. Wo denn, wenn nicht mal mehr in der Konversation?
      Meine subjektive Einschätzung ist, dass unser Umgang miteinander oberflächlicher und gleichgültiger geworden ist. Trotzdem will sich jeder irgendwie äußern, aber für die üblichen Formen fehlt dann die Zeit oder auch die Lust. Dann schreib ich persönlich lieber gar nix 😉 Und ja, Unfreundlichkeit und Gereiztheit ist dann nur eine weitere Entwicklung dessen, gedeckelt von der Anonymität des Netzes.
      Wenn ich so etwas lese, mische ich immer mit. Das kommt nicht mehr häufig vor, aber ein paar Hexenverbrennungen konnte ich dadurch schon verhindern.
      Viele Grüße zurück ins schöne Österreich!
      Sandmann

  21. Dirk Karnecki sagt:

    Yo, Sandmann, nach dem Lesen Deiner letzten beiden Schriften, Helmut und FunkenMariechen … und Whataboutism, aber ja auch all dem anderen, muß ich Dir einfach mal meinen Dank aussprechen, für Alles, was Du uns hier schreibst und gibst… Mir war ja nie bewußt, mit was für Hatern Du es hier zu tun kriegst, ist ja unglaublich… Ich jedenfalls freue mich über jeden Ausblick auf Deinen Tacho und durch Deine Frontscheibe… So viele Leute sind einfach so kaputt… Muss man wissen… aber wie die Ärzte sagen: „Bleib freundlich und sag nichts… Das ärgert sie am meisten…“

    • Sandmann sagt:

      Ay Dirk,
      danke 🙂 Hier im Blog und auch auf meinen anderen Kanälen hält sich das in Grenzen. Und die wenigen Oldtimergruppen, in denen ich noch bin, werden ganz gut moderiert.
      Ich bekomme es nur manchmal mit, wenn Facebook-Freunde woanders mitmischen und ich dann da mit „reingezogen“ werde…
      Freundlich bleibe ich sowieso fast immer. Außer wenn man mir hart ans Bein pisst, dann kann ich auch anders.
      Sandmann

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