Helmut und Funkenmariechen

Sich mal GANZ reinhängen!

Es ist kalt in diesem Januar, also eigentlich kein Schrauberwetter in Kiel. Aber ich will das rauchsilberne Dickschiff irgendwann mal auf der Straße haben, also mache ich mir warme Gedanken (das kann ich sehr gut), stülpe mir die Schrauberklamotten über den Körper und werfe mich bei norddeutschen 2 Grad in den Motorraum des 260 SE. Während rund um Köln und Mainz die Verrückten schunkeln und mit Abstand die Lustigsten sind, suche ich Funkenmariechen. Nach 10 Jahren Standzeit steht heute auf der Playlist: Zündkabel, Kerzen, Kappe, Finger. Wenn ich gut in der Zeit liege noch Luftfilter und Sicherungen. Nichts, wo Pathos schlummert, außer vielleicht die Erkenntnis, dass Markenware die einzige wahre Ware ist. Vor allem wenn Sonderklasse aus Stuttgart nach 30 Jahren wieder Premium sein soll.

Eins nach dem anderen.

Jede Menge Teile, trocken gelagert.

„Kauf kein‘ Scheiß!“

In den letzten Monaten habe ich mich in Foren und Facebookgruppen über meine 1990er Baureihe 126 schlau gemacht. Ich kann ein bisschen Ford, ich weiß ein bisschen was über Mercedes – aber die technischen Tiefen dieses Modells sind für mich noch Stuttgarter Vororte. Bei der S-Klasse sind sich die Politur-Nerds, Herrenfahrer und Oberklassefreunde grenzübergreifend einig: „Kauf kein‘ Scheiß! Kauf entweder direkt bei Mercedes, und wenn nicht dann nimm mindestens BOSCH, ATE und Lemförder. Und wenn du das nicht machst, wollen wir nicht mehr mit dir spielen!“ 😀

Also hab‘ ich mit kritischem Blick, spitzem Bleistift und Notizblock eine Liste von Ersatzteilen zusammengestellt, die Helmut wieder in einen technisch gesunden Zustand bringen. Und ich habe gesucht. Und ich habe gegoogelt. Und ich habe telefoniert. Egal, ob Bremsscheiben, Bremssättel, Zündungskomponenten oder Schmiermittel – ich bin beim besten Preis für die Markenware immer beim gleichen Anbieter gelandet. Deshalb mache ich jetzt klassisch Werbung. Ich habe bei Motointegrator vor einigen Jahren mal einen Schwung Teile bestellt – und für meinen 30 Jahre alten Wagen hab ich heute quasi alles, also WIRKLICH ALLES was ich brauche bekommen!

Sondierung der Bedürfnisse

Deshalb stehen jetzt vier große Kartons auf dem Granada im Keller, und einer ist hier draußen bei mir. Nun ist das Erneuern von Helmuts Zündkomponenten ein bisschen so, als würde ich bei einem Auto, was 30 Jahre im Wald gelegen hat, neue Scheinwerfer einbauen 😉 Diese rauchsilberne Limousine braucht in erster Linie ein paar Blechzuwendungen an den Bremsstützen vorn im Träger, auch im Kofferraum Porösität zu finden und beim Schiebedach sind die Hubwinkel gebrochen. Der externe Schweißtermin ist allerdings schon auf „März“ datiert worden, und bis dahin kann ich ja schonmal den Rest klöppeln. Solange Petrus mitspielt, heute Abend soll Schnee kommen. Entschuldigt also mein etwas unorthodoxes Vorgehen, neue Reifen sind ja auch schon drauf 😀

Wirklich unzerstörbar?

Vielleicht ist das jetzt auch ein weiterer Lackmustest für den alten Herren. Seit er bei mir steht, ist er nicht wirklich liebevoll umsorgt worden. Homeschooling, Homekindergartening und Homeoffice (wie mich diese Wörter ankotzen) trafen auf drei Mahlzeiten für vier Personen und eine daraus resultierende Müdigkeit ab 17:00 Uhr. Da fehlt die Motivation, noch irgendwas anderes zu machen. Scheiß Corona. Wenn Helmut nachher das erste Handanlegen mit einem runden Standgas quittiert (oder noch besser – wenn er überhaupt nach so langer Zeit mitten im norddeutschen Winter anspringt) dann hat er definitiv einen eisernen Willen. Den Willen, wieder zurück auf die Straße zu kommen!

Das genügt für die Mittagspause

Die momentan eingebauten Zündkabel und Kerzen sind von Bremi und Beru. Ich behaupte, bei den Komponenten einer Zündanlage ist das ein bisschen so wie bei den Telefon- und Internetanbietern. Bei jedem gibt es Kunden, die Horrorgeschichten erzählen können und Kunden, die sich zufrieden zu selbsternannten Markenbotschaftern mausern. Nach 10 Jahren Vodafone hat man mich im Kundencenter so massiv verarscht und über den Tisch gezogen, dass sogar mein Anwalt beide Mittelfinger heben musste. Seit 10 Jahren Telekom Business bin ich ein zufriedener, kommunikativer Mann und bekomme das für mein Geld, was ich bestellt habe. Synchron zu dieser Metapher: Nach einer grundlos durchgebrannten! Verteilerkappe und einer im Inneren gebrochenen Zündkerze von Beru und sehr schnell porös gewordenen Zündkabeln von Bremi kaufe ich ausschließlich BOSCH. Und alles läuft rund. Nein, dafür bekomme ich kein Geld, das ist meine schlichte Überzeugung. Man sagt, NGK wäre auch gut, aber jeder soll seine Religion nach seinem Gusto ausüben.

Alles sehr ordentlich…

Der als unverwüstlich geltende, als legendär bezeichnete und als echter Freund in allen Lebenslagen gefeierte Reihensechszylinder M 103 hat seinen Verteiler an der Stirnseite. Also ungefähr da, wo sich andere mit der flachen Hand hinpatschen, wenn sie schmunzelnd „Expertenmeinungen“ im Internet lesen. Von da vorn zwirbeln sechs Zündkabel, sauber und sehr Deutsch in einer flachen Kunststoffhülle verpackt, zu den sechs Zylindern und eins zur Zündspule. Die Hülle auf dem Zylinderkopf ist schon ein bisschen mit Isolierband geflickt, ich denke mal, die wird ihre Demontage bei dieser Kälte nicht überleben. Es ploppt sechsmal, und die alten Zündleitungen hängen über den Krümmern rum.

stirnseitiges Gewürms

Und wo ist jetzt der 17er Kerzenschlüssel? Die Langnuss mit dem Gummi drin, die ich selten brauchte, weil fast alle anderen Zündkerzen 19er waren (und der liegt brav in meinem Werkzeugkasten)? Grummel… Die Nuss wird hinter irgendwas auf meiner Werkbank gerollt sein. Und „Irgendwas“ könnte momentan ziemlich viel bedeuten, ich muss da wohl mal wieder aufräumen. Hoffentlich kommt der Frühling bald, diese Winterträgheit gepaart mit einer latenten Lange-Dunkel-Depression und allen Animositäten, die dieses verdammte Virus mit sich bringt muss endlich mal mit Sonnenschein und aufkommender Wärme durchbrochen werden.

Aber ich schweife ab. Keine 17er Langnuss weit und breit. Also greife ich zum Bordwerkzeug des Sonderklasse-Reisewagens, da ist eine besonders lange Kerzensteckerhülse drin. Mit der lassen sich die sechs uralten Blitzemacher sauber aus dem längs eingebauten Zylinderkopf rauskurbeln.

Wo ist der Kerzenschlüssel wenn man ihn braucht?

Hexenzauber? Gern.

Alle, bis auf die ganz hinten. Dafür ist das Konstrukt MB Kerzenschlüssel mit aufgesetzter Ratsche etwas zu lang. Aber irgendwas ist ja immer. Bedenkt man, dass andere Leute im Vorbeigehen ganze Automatikgetriebe zerlegen und überholen komme ich hier noch ganz gut weg 😉 Ich rufe mein viertelfinnisches Sandmädchen raus. Sie konzentriert sich mit ernstem Blick und murmelt einen Zauberspruch. Es gibt ein mystisches Geräusch, kleine bunte Sternchen zischen aus dem Motorraum in den Himmel und auch die sechste Zündkerze ist raus. So einfach kann’s gehen.

Durchzählen bitte.

Wieder einmal wundere ich mich, dass dieses Auto in seinem aktuellen Zustand überhaupt jemals angesprungen ist. Die alten Kerzen, alle sechs, sind verkokt, rabenschwarz und ungefähr noch so zündfreudig wie ein nasses Stück Holz. Normalerweise hebe ich gewechselte Zündkerzen noch ein wenig auf, irgendwo im Kofferraum, falls man mal eine braucht. Da ich aber seit BOSCH nie unterwegs eine Kerze wechseln musste und diese (nicht-BOSCH) hier definitiv nur noch Sondermüll sind ziele ich sechsmal in Richtung meines Blechmülleimers unten in der Garage, treffe immerhin dreimal und beglückwünsche mich zu der Erkenntnis, dass es echt an der Zeit für einen Wechsel war.

Oh ja, das wurde Zeit…

Fünf der frischen, glänzenden Benzin-Luft-Gemisch-zur-Explosion-Bringer drehe ich gut gelaunt rein, die sechste lasse ich von meiner Tochter mit einem weiteren, ernst gemurmelten Kerzenzauber reinhexen. Für den Fall, dass ihr das, was ich hier schreibe nachmachen wollt verlinke ich euch mal die verbauten Neuteile. Das hier sind die Zündkerzen **klick** Als nächstes kommen die Verteilerkappe und der Finger dran.

Mitgedacht und beschriftet

In diesem Zusammenhang ist es mal an der Zeit, Mercedes (oder BOSCH?) meine Glückwünsche auszusprechen. Dieses Auto ist das erste in meinem Fuhrpark, bei dem ich nicht die Zündfolge oder die Anordnung der Stecker googeln oder im „Jetzt helfe ich mir selbst“ nachgucken muss. Die zu zünden Zylinder 1 bis 6 stehen neben den betreffenden Steckern direkt auf der Kappe. So einfach und so schön kann es sein. Warum macht das nicht jeder so?

Sechs Zahlen machen glücklich

Die wuchtige Verteilerkappe hat die Dimensionen eines ausgewachsenen Cheeseburgers und wird von drei Inbusschrauben am Zylinderkopf gehalten. Die untere dieser Messingschräubchen sitzt genau über dem Keilrippenriemen. Eigentlich kommt man an die nicht ran. Der Viskolüfter des rückseitig verkleideten Kühlers verhindert ein fachgerechtes Ansetzen eines handelsüblichen Schraubendrehers wirksam, alternativ fällt die klitzekleine Stecknuss mehrmals runter und kommt beim dritten Mal unten nicht an. Meine Tochter hat auch hierfür einen Zauberspruch parat. Die kann echt was. Ich bin stolz, halte die dritte Schraube in den Händen und sehe aus dem Augenwinkel, wie ein lachendes Einhorn in Richtung Vordergarten davongaloppiert.

Darunter sitzt der Finger beziehungsweise Zündverteilerläufer, der die Dimensionen eines D-Böllers hat und ebenfalls mit drei Schrauben befestigt ist. Das ist German Engineering! Ich kannte bis dato nur einfache, lose aufgesteckte Dinger. Die Eigenart dieser Schrauben wiederum ist, dass aus meinem kleinen Werkzeugkasten für unterwegs Inbus 4 zu groß ist. Geht nicht rein. Inbus 3 wiederum ist zu klein und dreht über. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass man in Stuttgart damals keine metrischen Schrauben verwendete und hole den zweiten Werkzeugkasten. Von dem passt Inbus 4 sauber rein. Irgendwo kichert leise eine Elfe.
Ab jetzt wird es entspannt. Den neuen Läufer selbständig draufschrauben und sicherer verankern als bei manchen anderen Fahrzeugen die Achsaufhängung, die neue Kappe drauf (zwei Schrauben ich, eine meine Tochter), den schwarzen Plastikdeckel drüber und die alte Kappe als Muster für die Zündfolge gut lesbar auf den Motor legen.

Hüüüüaaaaaa meine Pferdchen

Ich puste den hier inzwischen überall rumliegenden Sternenstaub von den ganzen Hexsprüchen weg. Oder ist das Schneegriesel? Oha. Das Wetter kippt, ich sollte mich beeilen. Die sieben Zündleitungen, so richtig oldschool mit Metallkappen auf den Kerzensteckern, sind trotz der klirrenden Kälte geschmeidig weich und machen einen höchst wertigen Eindruck. Was man von den herausgenommenen (inzwischen) nicht mehr behaupten kann, die sind knochenhart. Der Zahn der Zeit. Ich verlege sie erst einmal ohne die Kunststoffhülle, um die kümmere ich mich später, falls alles rund läuft. Ein kleines, aufgeplustertes Rotkehlchen sitzt neben Helmut auf der Auffahrt und guckt mir neugierig zu.

XXL Luftfilter

Alles steckt sauber schmatzig wo es soll. Einzelne Schneeflocken tanzen vom Himmel und meine Finger werden langsam kalt. Ganz fertig bin ich noch nicht. Der neue Luftfilter in den Dimensionen eines lokalen Fußballstadions (es ist wirklich alles ein wenig überdimensioniert bei Bruno Saccos Sonderklasse) saugt sich passgenau in das Gehäuse, und der alte wandert in die inzwischen recht gut gefüllte Mülltonne. Ich hoffe, meine Tochter entdeckt den da nicht noch, dann will sie sich daraus eine Höhle bauen oder damit Rhönrad fahren oder ihn als Steilkurve für spannende Bobbycar-Rennen benutzen. Ich habe im Keller noch einen nagelneuen, tiefschwarzen Luftfilterkastendeckel liegen, und ZACK sieht der Motorraum aus wie neu 🙂 Jetzt noch die Sicherungen, und dann is‘ mal gut.

Sicherheitshalber

Unter dem großen Kunststoffdeckel im Motorraum lauern ein paar Relais und sagenhafte 25 Sicherungen. Und auch denen haben die Jahre des Vergessens wahrhaftig nicht gut getan. Wusstet ihr, dass Sicherungen rosten können? Ich wusste das nicht. Und wusstet ihr, dass man früher statt Kunststoff die Trägerkörper aus Keramik gefertigt hat? Seit ich an Autos schraube habe ich allerdings immer auf die billigsten Plastiksortimente zurück gegriffen. Das bunte Baumarkt-Set mit 99 Stück für 4,90€. Und dann kamen die Jungs in der Mercedes-Facebookgruppe und erzählten von billigen Sicherungen, die sich bei Wärme verziehen. Oh. Also erwarb ich die Farben weiß, blau und rot in der passenden Menge aus Keramik, was gar nicht so unkompliziert (und recht teuer) war. Das ist wie Sheba für die Katze. Helmut soll es gut haben.

Da kann nix funken, Mariechen!

Nach dem Rausklippsen der ersten kleinen Stromschleicher entschließe ich mich entsetzt zu „keine halben Sachen“ und hole den Dremel aus dem Keller… Puh. Nicht nur alle Sicherungen, auch die Kontaktklemmen aus Messing sind oxidiert und verhindern die sinnvolle Verteilung des Stroms durch dieses Auto zu den Stellen, wo er gebraucht wird. Einige der Kontakte der Sicherungen waren schon quasi durchgerostet! Jetzt sind alle Klemmen wieder blank, alle Stecker aus Keramik und auch die Füße der Relais gereinigt und mit Kontaktspray benetzt. Für den Fall, dass ich mich wiederhole: Wie konnte dieses Auto anspringen und funktionieren? Sagenhaft.

Die haben es hinter sich.

Die Schneeflöckchen tänzeln inzwischen etwas energischer. Ich schleppe die über Nacht frisch aufgeladene Batterie aus dem Keller auf die Rampe und wuchte sie an ihren Platz unter der Haube. Jetzt wird sich zeigen, ob Schrauberei und Zauberei Erfolg hatten 🙂 Nach dem Anschrauben der Klemmen macht irgendwas leise klacksirr im Motorraum. Helmut wacht auf. Reckt sich. Und streckt sich.

Lächelnd stiefel ich mit dem Schlüssel um das Auto herum (bei einer S-Klasse ist das ein recht weiter Weg, nächstes Mal nehme ich genügend Proviant mit) und knie mich vor das Lenkrad. Die Sitze und den Teppich habe ich wegen der anstehenden Schweißarbeiten schon ausgebaut (und auch weil ich auf dem Rücksitz ja mal wieder was singen könnte). Schlüssel rein, Zündung an, die Benzinpumpe sirrt und füllt den Druckspeicher auf. Sssssssssssssss klack. Hinten beim Haus stehen meine Tochter und die Elfe und halten sich bei den Händen. Das Einhorn steht schüchtern hinter ihnen und pupst ganz aufgeregt ein paar Regenbögen in die kalte Luft.

Ein entscheidender Moment.

zizizizi BROMMMM gullergullerguller….
Auf Anhieb. Herrlich. Die beiden Auspuffrohre grollen das sauber verbrannte Benzin direkt hinter den Katalysatoren raus, die Endschalldämpfer habe ich wegen der Blecharbeiten ebenfalls schon ausgebaut 😉 Helmut läuft. Und er läuft sagenhaft ruhig und rund, wenn man bedenkt dass er seit zwei Monaten nur rumgestanden hat, das Benzin in seinem Tank 10 Jahre alt ist und wir draußen um die Null Grad haben. Funkenmariechen, du darfst hier endlich wieder tanzen. Und du tanzt nicht durch Kölle oder Mainz, sondern durch den Grauguss- und Aluklotz aus Stuttgart mit Saugrohreinspritzung. Dreh dich. Beweg dich. So is‘ fein.

Läuft. Läuft rund.

So klingt ein zufriedener Reihensechser. Dieses Triebwerk wird in diesem Auto keine Rennen gewinnen, aber dafür wurde es vor 30 Jahren auch nicht eingebaut. Der kleinste für diese Baureihe erhältliche Motor reicht locker zum entspannten, automatikgeschalteten Dahingleiten und Genießen. Und er wirkt dabei wie aus dem Vollen gefräst. Er läuft stoisch und gleichmäßig vor sich hin. Ja, inzwischen bin ich mir sicher: Diese S-Klasse hat einen eisernen Willen. Und diesen eisernen Willen kann ich mit den ganzen Neuteilen noch unterstützen. Wahnsinn, was plötzlich alles wieder funktioniert, jetzt wo der Strom wieder fließen darf.

Mit eisernem Willen

Alle Instrumente zeigen saubere Werte an, und alle Warnlampen gehen erst an und dann wieder aus. Die Motorantenne sirrt rein und raus (sie ist völlig unwichtig, aber ich musste sie ausprobieren), die Fensterheber senken und heben und und und. Abblendlicht, Fernlicht, Blinker… ich könnte noch den ganzen Abend weiterspielen und dabei dem langsam warm werdenden Motor zuhören, aber es dämmert und ich höre meine Badewanne rufen.

Erhellend.

Helmut lebt. Der Patient erfreut sich einer langsamen Genesung. Die nächste Aktion werden neue Bremsen rundrum sein, ich hab schon alles von ATE im Keller liegen. Inklusive Rep-Sätzen für die Bremssättel, falls die nicht mehr ganz so taufrisch sind. Und neue Bremsschläuche nebst neuer Bremsflüssigkeit (und einem extra gekauften Entlüftungsgerät) liegen auch bereit. Aber dafür hätte ich gern Plusgrade. Ich feg jetzt mal den ganzen Feenstaub und die bunten Sterne weg, scheuch die Elfe nach Hause, parke das Einhorn auf einer der Schneewolken und setze meine Tochter an den Rechner. Gleich hat sie noch Klassenrat über Zoom. Möge der Februar ein warmer werden, dann ist bis zum März alles fertig. Dann wird er geschweißt, es kommen neue Bremsstützen und Hubwinkel rein und dann… kann ich eigentlich zur Hauptuntersuchung.  Kommt ihr weiter mit? BROMM BROOOOMMM. Einmal noch Gas geben. Herrlich. Und jetzt räum ich mal auf.

Sandmann

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Über Sandmann

Die Zeit ist zu knapp für langweilige Autos, Abende vor dem Fernseher oder schlechten Wein. Ich pendel zwischen Liebe, Leben und Autos und komme nicht zur Ruhe. Aber ich arbeite daran.

12 Antworten zu Helmut und Funkenmariechen

  1. Martin sagt:

    Hi Sandmann,
    ich habe vom lesen schmutzige Hände, aber auch ein zufriedenes Grinsen.

    Sehr schön, dass der Stuttgarter wieder atmet und hoffentlich seinen schwäbischen Brunftruf verbreiten kann.

    Ciao Martin

    • Sandmann sagt:

      Ay Martin,
      der brunft aktuell wegen des demontierten Auspuffs sehr angenehm! Dabei bin ich ja echt ein Idiot, der muss im März nach Wahlstedt zu dem schweißenden Freund von mir, das sollte besser mit Auspuff geschehen 😉
      Mal schauen ob ich bis dahin den Grund rausfinde, warum im hinteren Fußraum auf der Fahrerseite drei Zentimeter hoch Wasser steht. Schiebedach ist es nicht. Da ist ne Plane drüber. Puh 🙂
      Sandmann

      • Micha sagt:

        Moin Sandmann,
        es ist ein paar Jahre her, dass mich ein aufdringlich lilafarbener Ford Galaxy mit ein paar Litern Wasser im Fußraum in den Wahnsinn trieb. Es dauerte ewig, den Grund zu finden. Die breite Kunststoffleiste, die den unteren Scheibenrand verdeckt und durch die die Achsen der Wischerarme geführt waren, ist dort mit einer Art Plastikspreizdübel im Blech verankert. Einer dieser Spreizdübel war gebrochen und das Regenwasser lief die Scheibe hinunter, hinter die Blende und dann durch die Karosseriebohrung in den Innenraum. Und das in Mengen, die man dem kleinen Loch NIE zugetraut hätte. Schau doch mal, ob Helmut auch so etwas hat…?

        • Sandmann sagt:

          Ay Micha,
          tatsächlich kommt Wasser aus dem Kasten vor der Scheibe, wo die Scheibenwischer drin sind. Ich habe ein kleines Rostloch in der Ecke gefunden, das erklärt aber noch nicht das Wasser, was mittig kommt. Ich werde dem am Wochenende mal auf den Grund gehen, wörtlich 😉
          Wir werden lesen…
          Sandmann

  2. Lars sagt:

    Hey Sandmann,
    was für ein toller Artikel! Deine Mercedes-Freunde haben mit der Markenware übrigens recht. Es gibt doch nichts Dooferes, als eine Baustelle zwei Mal anfassen zu müssen, weil so ein doofes Billigteil kaputt gegangen ist. Ich habe vor einiger Zeit einen VW hier gehabt, der nicht mehr auf allen Zylindern lief. Der Besitzerin wurde von ihrer Werkstatt gesagt (nachdem sie dort fast 1000€ ließ), dass der Motor bald aufgeben würde, weil 250 000 Kilometer für einen Golf 3 ja schon verdammt viel gewesen seien. Einmal neue Kerzen, einen neuen Verteilerfinger und eine neue Kappe, neue Zündkabel – und siehe da: Er läuft ganz ruhig. Hätte mich auch gewundert, denn die Kompression war noch super. Keine Ahnung, wie die Werkstatt auf die Idee gekommen ist…

    Wirst du die Hubwinkel selbst wechseln? Ich habe das an meinem 124er mit meinem Marbella-Kumpel-Lukas gemacht (Du kennst ihn 🙂 ). Es ist eine etwas fummelige Angelegenheit. Ich hab gleich alles ordentlich und reichlich gefettet, um in zwei Jahren nicht gleich wieder alles auseinanderbauen zu müssen. Das ist konstruktiv nicht gerade die beste Lösung, die Daimler sich da ausgedacht hat…

    Ich bin gespannt, wie es mit dem dicken Benz weitergeht! Meiner geht demnächst auf den OP-Tisch und freut sich über neues Blech und eine „kleine“ Kur 🙂

    Schöne Grüße von der Küste
    Lars

    • Sandmann sagt:

      Laaaaars welch Glanz in meiner Hütte!
      Ich hatte ja vor ein paar Monaten schon das Problem mit dem Benz, dass er erst gut lief und dann warm ausging oder quasi abstarb. Ich glaube wir schrieben auch diesbezüglich. Schon da kam im Forum der Hinweis, dass ich mal Kappe und Finger kontrollieren solle (und auch gleich alles andere da drin), dann würde der schon wieder rund laufen. Ich hab dann ne gebrauchte Kappe vom weißen300 SE eingebaut und siehe da – alles war gut.
      Ich hätte NIE NIE NIE gedacht dass so ein grobmotorischer Kram wie ein bisschen Bakelit oder Plastik mit ein paar Kontakten und Zündfunken so eine Sollbruchstelle sein kann. Und jetzt, alles neu, springt das Ding quasi an bevor ich den Schlüssel drehe. Ein Fest.
      Bei deinem Hein ist ja eher das Blech ein Problem. Aber irgendwann hast du mal jede Schraube angefasst, und dann ist es auch egal was die anderen sagen 😉 Ich bin gespannt was da noch geht. Bald mal ein Treffen der Generationen, dann?
      Lukas kann Hubwinkel? Dann sollte ich in der Gruppe mal einen Anker werfen. Es ist immer gut, wenn da jemand bei ist, der das schonmal gemacht hat. Bis jetzt hab ich erst den Himmel vom Schiebedach runtergerupft und noch nichts ausgebaut, irgendwie fallen die Temperaturen jetzt, wo es mal endlich ginge, stündlich 🙁
      Ich glaube dann bestelle ich mal alle notwendigen Neuteile und lade euch mal ein 😉 Es muss ja weitergehen. Und bis März muss er zünden (check), bremsen (to be done) und wasserdicht sein. Dann schweißt Markus ihn, und dann geht es auf die Straße.
      Ich freu mich drauf.
      Viele Grüße an die Westküste
      Sandmann

      • Lars sagt:

        Hey Sandmann,

        ja, so Kleinigkeiten haben manchmal schon echt eine große Wirkung. Mit Beru habe ich übrigens die gleichen Erfahrungen gemacht wie du. Auch wenn andere tierisch zufrieden damit sind – bei mir hielten die Sachen nie lange. Warum auch immer.

        Treffen der Generationen hört sich gut an! Wenn du Hilfe bei den Hubwinkeln brauchst, sag auch gerne Bescheid. Das war damals relativ easy gemacht. Hubwinkel sind allerdings echt verdammt teuer. Ich habe mir damals ein komplettes, gebrauchtes Schiebedach ersteigert – das war mit 100€ deutlich günstiger als auch nur ein einziger Hubwinkel. Und den Rest sollteste ja hinbekommen. Wenn HU und AU klappt, steht dem Auto ja nichts mehr im Weg. Ich drücke dir dann die Daumen, dass er etwas zuverlässiger ist als meiner 😉

        Meiner braucht Blech und bekommt gleich einmal ein komplett neues Fahrwerk. Zumindest einmal will ich wissen, wie so’n Benz sich neu angefühlt hat. Die To-Do-Liste umfasst zwei DIN-A4-Seiten. Aber ansonsten wird es ja auch langweilig 😉

        Auf dass die Sternenträger bald wieder auf die Straße kommen! 🙂
        Schöne Grüße
        Lars

        • Sandmann sagt:

          Ay Lars,
          dass der Erhalt deines 124 so langsam absurde Dimensionen (vor allem bei der investierten Zeit) annimmt macht ihn schon wieder zu einem speziellen Projekt 🙂 Ich mag HEIN.
          Auf die Hubwinkelhilfe komme ich sehr gern zurück. Das ist ja eine Prio-C-Baustelle. Technik (bin ich dran), Blech (ab März, und nicht so viel wie bei deinem) und dann ein paar Kilometer fahren und gucken was so kommt…..
          Es wird ein spannendes Jahr 🙂
          Bis bald.
          Sandmann

  3. Bronx.1965 sagt:

    Schön geschrieben. 🙂
    Wenn ich das so lese läuft ein Film in mir ab. Mein Jüngster, nun auch schon 21, wollte IMMER beim Schrauben dabei sein. Egal ob kalt oder scheißkalt.
    Sein Stehvermögen war sagenhaft. Und die Neugier ebenfalls. „Papa was ist das, warum dreht das, wozu ist das . . .“ 😀

    Schön dass du an Helmut dran bleibst. Vergiß die Schutzhülle für die Zündkabel nicht, wieder drauf zu machen. Er läuft doch jetzt.
    „Später kümmern“ wird schnell vergessen. 😉

    Grüße aus Nordland!
    Ach ja, suche mal dein Telefon. 😀

    • Sandmann sagt:

      Ay Bronx,
      du wirst lachen – ich habe tatsächlich angefangen, solchen Kleinkram entweder gleich wieder einzubauen oder neu zu bestellen. Die runden Gummiteller um die Wischerarme – check, original Mercedes. Die Dichtung vom Plastikdeckel zur Winschutzscheibe über dem Scheibenwischergestänge – check. Neuer Schlauch an der Benzinpumpe – check. Neuer Kunststoff hinter dem Kühler – check. Ich mach ich mach.
      Die Hülle der Zündkabel habe ich bisher nur nicht wieder eingebaut, weil es draußen schlicht zu kalt ist. Scheißwetter 🙁
      Gruß in den Osten, und bis bald!
      Sandmann

  4. MainzMichel sagt:

    Moin!
     
    Natürlich kann auch ich, als gelernter Bosch-Mann, das mit den Qualitätsersatzteilen unterschreiben. Bis auf eine Ausnahme: Ich halte von den neuer hergestellten Bosch-Zündkerzen nichts mehr. Ich habe mich, zumindest für dem Passat, mit Bosch-NOS-Kerzen eingedeckt. In einer Menge, die mich überlebt. Meine zwei jüngeren Audis (AAR & ABK), immerhin auch inzwischen achtundzwanzig und neunundzwanzig Jahre alt, fahre ich nur noch mit NGK.
    Bezüglich der Zündreihenfolge gibt es gerade beim Sechszylinder eine kleine Eselsbrücke, die den meisten Schraubern bekannt ist und hier wohl Augenverdrehen hervorrufen wird, aber trotzdem: Mit 15 zu jung, mit 36 zu alt, mit 24 genau richtig. 153624. Und der erste Zylinder ist mit einer Kerbe am Verteilergehäuse markiert, zumindest bei Bosch.
    Die Torpedosicherungen rosten nicht, da sie aus Messing oder Kupfer bestehen. Die Oberfläche korrodiert, aber in der Regel kannst Du das mit einem Schleivlies wieder hinbekommen. Die Plastiksicherungen sind wirklich absolut inakzeptabel.
    Bei Motointegrator bin ich auch inzwischen gelandet. Vorher habe ich mehrfach bei dem anderen Anbieter in Berlin, der unter etwa siebenundachtzig verschiedenen Namen im Internet auftritt, bestellt, bin aber wegen einer unzufriedenen Reklamation von ihm abgekommen.
     
    Adios
    Michael

    • Sandmann sagt:

      Ay Michael,

      hihi diese Eselsbrücke werde ich jetzt nie wieder los 🙂 Danke.
      Die Kerbe am Verteilergehäuse braucht’s gar nicht, auf der Kappe sind wie gezeigt alle sechs Zylinder neben den Kontakten eingeprägt. Ich finde das höchst komfortabel.
      Auch das Drehmoment von 20NM für die Kerzen habe ich inzwischen der Verpackung entnehmen können. Wenn es irgendwann mal wieder über 0 Grad draußen ist, dann lege ich mal den Drehmomentschlüssel an und kontrolliere die sechs Freunde.
      Die Oberflächen einiger der Sicherungen waren so korrodiert, dass sie beim puren Draufgucken durchgebrochen sind. Also die Leiterbrücken. Das fand ich… erstaunlich! Also habe ich lieber alles neu gemacht.

      Rock on
      Sandmann

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